Kapitel 115: grahāṇāṁ parikramaḥ [?]
Die Umlaufbahnen der Planeten
Titel aus dem englischen Kapitelkopf von vedabase.io erschlossen (dort 'The Orbits of the Planets'); im Sanskrit-Text selbst ist an dieser Stelle kein Kolophon-Titel angegeben, daher [?]. Das Kapitel behandelt in stark technisch-astronomischer Sprache den Sonnenwagen, den Zeitkreis (kāla-cakra), die Bewegungen von Mond und den fünf klassischen Planeten sowie die Position der Siebenweisen (Saptarṣi); Entfernungsangaben in Yojana wurden unübersetzt übernommen.
rājā uvāca
yad etad bhagavata ādityasya meruṁ dhruvaṁ ca pradakṣiṇena parikrāmato rāśīnām abhimukhaṁ pracalitaṁ cāpradakṣiṇaṁ bhagavatopavarṇitam amuṣya vayaṁ katham anumimīmahīti.
Der König sprach: Das, was von Euch, dem Erhabenen, über die Sonne dargelegt wurde – dass sie, indem sie Meru und Dhruva rechtsherum (im Uhrzeigersinn) umkreist, doch den Tierkreiszeichen entgegen, das heißt linksherum, voranschreitet –, wie sollen wir dies über sie erschließen?
Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach (Nom. + 3.Sg.Perf.)
yat etat
das, was (Akk.Nt., Relativ-/Demonstrativpronomen)
bhagavataḥ
von dir, dem Erhabenen (Gen.Sg.)
ādityasya
über die Sonne, des Sonnengottes (Gen.Sg.)
merum dhruvam ca
Meru und Dhruva(loka) (Akk.)
pradakṣiṇena
rechtsseitig, im Uhrzeigersinn (Instr., adv.)
parikrāmataḥ
des (die Sonne) Umkreisenden (Gen.Sg.Part.Präs.)
rāśīnām abhimukham
den Tierkreiszeichen zugewandt/entgegen (Akk., adv.)
pracalitam
sich fortbewegend, voranschreitend (Akk.PPP)
ca
und
apradakṣiṇam
linksseitig, gegen den Uhrzeigersinn (Akk., adv.)
bhagavatā
von dir, dem Erhabenen (Instr.Sg.)
upavarṇitam
beschrieben, dargelegt (Akk.PPP)
amuṣya
von jener (Sonne) (Gen.Sg.)
vayam
wir (Nom.Pl.)
katham
wie
anumimīmahi
mögen wir erschließen, verstehen (1.Pl.Präs./Opt. von anu-mā)
iti
so (Zitatmarker)
Parīkṣits Frage bezieht sich auf einen scheinbaren Widerspruch: relativ zu Meru/Dhruva bewegt sich die Sonne pradakṣiṇa (rechtsherum), relativ zu den Tierkreiszeichen aber apradakṣiṇa (linksherum). Śukadeva löst dies in Vers 2 mit dem Töpferrad-Gleichnis auf.
sa hovāca
yathā kulāla-cakreṇa bhramatā saha bhramatāṁ tad-āśrayāṇāṁ pipīlikādīnāṁ gatir anyaiva pradeśāntareṣv apy upalabhyamānatvād evaṁ nakṣatra-rāśibhir upalakṣitena kāla-cakreṇa dhruvaṁ meruṁ ca pradakṣiṇena paridhāvatā saha paridhāvamānānāṁ tad-āśrayāṇāṁ sūryādīnāṁ grahāṇāṁ gatir anyaiva nakṣatrāntare rāśy-antare copalabhyamānatvāt.
Er (Śukadeva) sprach: So wie bei Ameisen und dergleichen, die sich, auf einem sich drehenden Töpferrad befindlich, mit diesem mitdrehen, an verschiedenen Stellen je eine andere Bewegung wahrgenommen wird – ebenso wird bei den Planeten, angeführt von der Sonne, die, auf dem durch Sternbilder und Tierkreiszeichen gekennzeichneten Rad der Zeit befindlich, welches sich rechtsherum um Dhruva und Meru dreht, mit diesem mitbewegen, an verschiedenen Sternbildern und verschiedenen Tierkreiszeichen je eine andere Bewegung wahrgenommen.
Wort für Wort
saḥ
er (Śukadeva) (Nom.)
ha uvāca
sprach fürwahr (Partikel + 3.Sg.Perf.)
yathā
so wie
kulāla-cakreṇa
mit dem Töpferrad (Instr.)
bhramatā
sich drehenden (Instr.Part.Präs.)
saha
zusammen mit
bhramatām
der sich mitdrehenden (Gen.Pl.Part.)
tad-āśrayāṇām
die darauf befindlichen (Gen.Pl.)
pipīlika-ādīnām
der Ameisen und dergleichen (Gen.Pl.)
gatiḥ anyā eva
eine je andere Bewegung (Nom.)
pradeśa-antareṣu
an verschiedenen Orten (Lok.Pl.)
api
auch
upalabhyamānatvāt
weil wahrgenommen wird (Abl., Abstraktum von PPP)
evam
ebenso
nakṣatra-rāśibhiḥ
durch Sternbilder und Tierkreiszeichen (Instr.Pl.)
upalakṣitena
gekennzeichneten (Instr.PPP)
kāla-cakreṇa
mit dem Rad der Zeit (Instr.)
dhruvam merum ca
Dhruva und Meru (Akk.)
pradakṣiṇena
rechtsherum (Instr., adv.)
paridhāvatā
sich (rings) bewegenden (Instr.Part.)
saha
zusammen mit
paridhāvamānānām
der sich mitbewegenden (Gen.Pl.Part.)
tad-āśrayāṇām
die dies als Grundlage habenden (Gen.Pl.)
sūrya-ādīnām grahāṇām
der Planeten, angeführt von der Sonne (Gen.Pl.)
gatiḥ anyā eva
eine je andere Bewegung
nakṣatra-antare
in einem anderen Sternbild (Lok.)
rāśi-antare
in einem anderen Tierkreiszeichen (Lok.)
ca upalabhyamānatvāt
und weil wahrgenommen wird (Abl.)
Das berühmte Töpferrad-Gleichnis: die Planeten werden vom kāla-cakra (Zeitrad) rechtsherum mitgeführt, erscheinen aber, wie Ameisen auf einem Rad, relativ zu den festen Sternbildern in entgegengesetzter Richtung bewegt.
sa eṣa bhagavān ādi-puruṣa eva sākṣān nārāyaṇo lokānāṁ svastaya ātmānaṁ trayīmayaṁ karma-viśuddhi-nimittaṁ kavibhir api ca vedena vijijñāsyamāno dvādaśadhā vibhajya ṣaṭsu vasantādiṣv ṛtuṣu yathopajoṣam ṛtu-guṇān vidadhāti.
Eben dieser (Sonnengott) ist der Erhabene selbst, die ursprüngliche Person, unmittelbar Nārāyaṇa, der zum Wohl der Welten sich selbst – der aus der dreifachen (vedischen) Wissenschaft besteht und die Ursache der Reinigung der Werke ist – zwölffach teilt und, obwohl er sogar von den Weisen durch den Veda zu erkennen gesucht wird, in den sechs Jahreszeiten, beginnend mit dem Frühling, nach Belieben die Eigenschaften der Jahreszeiten anordnet.
Wort für Wort
saḥ eṣaḥ
eben dieser (da) (Nom.)
bhagavān
der Erhabene (Nom.)
ādi-puruṣaḥ
die ursprüngliche Person (Nom.)
eva
eben, gerade
sākṣāt
unmittelbar, direkt
nārāyaṇaḥ
Nārāyaṇa (Nom.)
lokānām svastaye
zum Wohl der Welten (Gen.Pl. + Dat.)
ātmānam
sich selbst (Akk.)
trayī-mayam
aus der dreifachen (Veda-)Wissenschaft bestehend (Akk.)
karma-viśuddhi-nimittam
die Ursache der Reinigung der Taten (Akk.)
kavibhiḥ api ca
sogar auch von den Weisen (Instr.Pl.)
vedena
durch den Veda (Instr.)
vijijñāsyamānaḥ
zu erkennen gesucht werdend (Nom., Desiderativ-Passiv-Part.)
dvādaśadhā
zwölffach (Adv.)
vibhajya
nachdem er geteilt hat (Absolutiv)
ṣaṭsu vasanta-ādiṣu ṛtuṣu
in den sechs Jahreszeiten, beginnend mit dem Frühling (Lok.Pl.)
yathā-upajoṣam
nach Belieben, wie es beliebt (Adv.)
ṛtu-guṇān
die Eigenschaften der Jahreszeiten (Akk.Pl.)
vidadhāti
er ordnet an, verteilt (3.Sg.Präs.)
trayīmayam: 'aus der Dreiheit (der drei Veden) bestehend'; die Aussage identifiziert den Sonnengott (Sūrya) mit Nārāyaṇa selbst, eine gängige purāṇische Gleichsetzung.
tam etam iha puruṣās trayyā vidyayā varṇāśramācārānupathā uccāvacaiḥ karmabhir āmnātair yoga-vitānaiś ca śraddhayā yajanto 'ñjasā śreyaḥ samadhigacchanti.
Ihn, diesen (Sonnengott), erreichen die Menschen hier auf Erden, indem sie, der dreifachen (vedischen) Wissenschaft folgend, gemäß den Gepflogenheiten von Kaste und Lebensstand, durch höhere und niedere überlieferte Werke sowie durch die Entfaltungen des Yoga mit Glauben verehren, mühelos das höchste Heil.
Wort für Wort
tam etam
ihn, diesen (Akk.)
iha
hier (auf Erden)
puruṣāḥ
die Menschen (Nom.Pl.)
trayyā vidyayā
durch die dreifache Wissenschaft (Instr.)
varṇa-āśrama-ācāra-anupathāḥ
den Gepflogenheiten von Kaste und Lebensstufe folgend (Nom.Pl.)
Nun, eben dieser (Sonnengott), die Lebenskraft der Welten, der sich, im Rad der Zeit befindlich, innerhalb der Himmelssphäre zwischen Himmel und Erde bewegt, durchläuft zwölf Monate, die nach den Tierkreiszeichen benannt sind, als Teile des Jahres. Ein Monat besteht aus zwei Halbmonaten; Tag für Tag und Nacht für Nacht [entspricht dies] – so lehrt man – zwei und einem Viertel Sternbild(ern). Soweit er den sechsten Teil (des Jahres) durchläuft, das wird fürwahr als 'Jahreszeit' (ṛtu), ein Teil des Jahres, bezeichnet.
Wort für Wort
atha
nun, sodann
saḥ eṣaḥ ātmā
eben diese Lebenskraft (Nom.)
lokānām
der Welten (Gen.Pl.)
dyāv-āpṛthivyoḥ antareṇa
zwischen Himmel und Erde (Gen.Du. + Adv.)
nabhaḥ-valayasya
der Himmelssphäre (Gen.)
kāla-cakra-gataḥ
im Rad der Zeit befindlich (Nom.)
dvādaśa māsān
zwölf Monate (Akk.Pl.)
bhuṅkte
er durchläuft (3.Sg.Präs.)
rāśi-saṁjñān
nach den Tierkreiszeichen benannt (Akk.Pl.)
saṁvatsara-avayavān
Teile des Jahres (Akk.Pl.)
māsaḥ
ein Monat (Nom.)
pakṣa-dvayam
zwei Halbmonate (Nom.)
divā naktam ca
am Tag und in der Nacht (Adv.)
iti
so
sapāda-ṛkṣa-dvayam
zwei-und-ein-Viertel Sternbilder (Akk.)
upadiśanti
sie lehren (3.Pl.Präs.)
yāvatā ṣaṣṭham aṁśam
soweit als den sechsten Teil (Instr./Akk.)
bhuñjīta
er durchliefe (3.Sg.Opt.)
saḥ vai ṛtuḥ
dieser (Teil) fürwahr eine Jahreszeit (Nom.)
iti upadiśyate
so wird bezeichnet (Pass.)
saṁvatsara-avayavaḥ
ein Teil des Jahres (Nom.)
Der Satz 'māsaḥ pakṣa-dvayaṁ divā naktaṁ ceti sapādarkṣa-dvayam upadiśanti' ist astronomisch-technisch verdichtet und lässt sich alternativ als 'ein Monat, [bestehend aus] Tag und Nacht [in wechselnden Halbmonaten], entspricht zwei-und-einem-Viertel Sternbildern' deuten [?]; die genaue Bezugsgröße (Sonnen- oder Mondlauf) bleibt an dieser Stelle nicht restlos eindeutig.
atha ca yāvan nabho-maṇḍalaṁ saha dyāv-āpṛthivyor maṇḍalābhyāṁ kārtsnyena sa ha bhuñjīta taṁ kālaṁ saṁvatsaraṁ parivatsaram iḍāvatsaram anuvatsaraṁ vatsaram iti bhānor māndya-śaighrya-sama-gatibhiḥ samāmananti.
Und ferner: die Zeit, in welcher er die gesamte Himmelssphäre samt den Sphären von Himmel und Erde vollständig durchläuft, nennen die Gelehrten – je nach den langsamen, schnellen und gleichmäßigen Bewegungen der Sonne – Saṁvatsara, Parivatsara, Iḍāvatsara, Anuvatsara und Vatsara.
Wort für Wort
atha ca
und ferner
yāvat
solange als
nabhaḥ-maṇḍalam
die Himmelssphäre (Akk.)
saha dyāv-āpṛthivyoḥ maṇḍalābhyām
zusammen mit den Sphären von Himmel und Erde (Instr.Du.)
Ebenso durchläuft der Mond, der oberhalb der Strahlen der Sonne, in einer Entfernung von hunderttausend Yojana befindlich wahrgenommen wird – da er vorauseilend und von rascherer Bewegung ist –, das, was die Sonne in einem Jahr durchläuft, in zwei Halbmonaten; das, was sie in einem Monat durchläuft, in zwei-und-einem-Viertel Sternbildern; und das, was sie in einem Halbmonat durchläuft, an nur einem Tag.
Wort für Wort
evam
ebenso
candramāḥ
der Mond (Nom.)
arka-gabhastibhyaḥ upariṣṭāt
oberhalb der Strahlen der Sonne (Abl. + Adv.)
lakṣa-yojanataḥ
in einer Entfernung von hunderttausend Yojana (Adv.)
upalabhyamānaḥ
wahrgenommen werdend (Nom.PPP)
arkasya saṁvatsara-bhuktim
das Durchlaufen eines Jahres der Sonne (Akk.)
pakṣābhyām
in zwei Halbmonaten (Instr.Du.)
māsa-bhuktim
das Durchlaufen eines Monats (Akk.)
sapāda-ṛkṣābhyām
in zwei-und-einem-Viertel Sternbildern (Instr.Du.)
atha cāpūryamāṇābhiś ca kalābhir amarāṇāṁ kṣīyamāṇābhiś ca kalābhiḥ pitṝṇām aho-rātrāṇi pūrva-pakṣāpara-pakṣābhyāṁ vitanvānaḥ sarva-jīva-nivaha-prāṇo jīvaś caikam ekaṁ nakṣatraṁ triṁśatā muhūrtair bhuṅkte.
Und ferner: indem er (der Mond) durch die zunehmenden Mondphasen den Tag der Götter und durch die abnehmenden Mondphasen den Tag der Ahnen – mittels der zunehmenden und der abnehmenden Monatshälfte – ausbreitet, er, der Lebensatem der gesamten Schar der Lebewesen, durchläuft, selbst ein Lebewesen, je ein einzelnes Sternbild in dreißig Muhūrtas.
Wort für Wort
atha ca
und ferner
āpūryamāṇābhiḥ ca kalābhiḥ
und durch die zunehmenden (Mond-)Phasen (Instr.Pl.)
amarāṇām
der Unsterblichen, der Götter (Gen.Pl.)
kṣīyamāṇābhiḥ ca kalābhiḥ
und durch die abnehmenden Phasen (Instr.Pl.)
pitṝṇām
der Ahnen (Gen.Pl.)
ahaḥ-rātrāṇi
Tag und Nacht (Akk.Pl.)
pūrva-pakṣa-apara-pakṣābhyām
durch die zunehmende und die abnehmende Monatshälfte (Instr.Du.)
vitanvānaḥ
ausbreitend (Nom.Part.Präs.)
sarva-jīva-nivaha-prāṇaḥ
der Lebensatem der gesamten Schar der Lebewesen (Nom.)
jīvaḥ
das Lebewesen (Nom.)
ca ekam ekam nakṣatram
und je ein einzelnes Sternbild (Akk.)
triṁśatā muhūrtaiḥ
in dreißig Muhūrtas (Instr.Pl.)
bhuṅkte
er durchläuft (3.Sg.Präs.)
muhūrta: eine altindische Zeiteinheit von ca. 48 Minuten.
Dieser, der aus sechzehn Teilen bestehende Puruṣa, der Erhabene, der aus dem Geist besteht, aus der Speise besteht, aus dem Nektar (der Unsterblichkeit) besteht – ihn beschreiben (die Gelehrten), weil er auch der Lebensatem der Götter, Ahnen, Menschen, Lebewesen, Tiere, Vögel, Kriechtiere und Pflanzen ist und die Eigenart hat, sie fortwährend zu beleben, als 'den Allesdurchdringenden'.
Von dort aus, oberhalb, in einer Entfernung von zweihunderttausend Yojana, befinden sich die Sternbilder, die den Meru zur Rechten haltend, im Umlauf der Zeit, vom Herrn dorthin gefügt, mitsamt Abhijit achtundzwanzig an der Zahl.
Wort für Wort
tataḥ upariṣṭāt
von dort oberhalb (Abl. + Adv.)
dvi-lakṣa-yojanataḥ
in einer Entfernung von zweihunderttausend Yojana (Adv.)
Von dort aus, oberhalb, in zweihunderttausend Yojana Entfernung, wird Uśanā (Venus) wahrgenommen, die, bald voraus, bald dahinter, bald genau zugleich mit der Sonne, durch schnelle, langsame und gleichmäßige Bewegungen, gleich der Sonne wandert; sie ist den Welten fast stets günstig gesinnt, indem sie – wie man an ihrem Lauf erkennt – meist Regen bringt; sie ist es, die die den Regen hemmenden Planeten besänftigt.
Wort für Wort
tataḥ upariṣṭāt
von dort oberhalb
uśanā
Uśanā, Venus (Nom.)
dvi-lakṣa-yojanataḥ
in zweihunderttausend Yojana Entfernung (Adv.)
upalabhyate
wird wahrgenommen (3.Sg.Präs.Pass.)
purataḥ paścāt
voraus, dahinter
saha eva
genau zugleich mit
vā arkasya
oder der Sonne [?] (Gen.)
śaighrya-māndya-sāmyābhiḥ gatibhiḥ
durch schnelle, langsame und gleichmäßige Bewegungen (Instr.Pl.)
arkavat
wie die Sonne (Adv.)
carati
sie wandert (3.Sg.Präs.)
lokānām
den Welten (Gen.Pl.)
nityadā anukūlaḥ eva
stets eben günstig (Nom.)
prāyeṇa
meist
varṣayan
Regen bringend (Nom.Part.)
cāreṇa anumīyate
wird durch ihren Lauf erschlossen (Instr. + Pass.)
saḥ
sie, er
vṛṣṭi-viṣṭambha-graha-upaśamanaḥ
die die den Regen hemmenden Planeten Besänftigende (Nom.)
'vārkasya' wird hier als vā + arkasya ('oder der Sonne') gedeutet [?]; die genaue syntaktische Zuordnung von 'purataḥ paścāt saha eva' zu Venus/Sonne bleibt technisch-astrologisch verdichtet.
Wie Uśanā, so wird Budha (Merkur) erklärt: von dort aus, oberhalb, in zweihunderttausend Yojana Entfernung, wird Budha, der Sohn des Mondes, wahrgenommen, meist Gutes bewirkend; wenn er sich jedoch von der Sonne trennt, dann kündigt er Furcht vor übermäßigem Sturm, Gewölk und dergleichen, vor Dürre und Ähnlichem an.
Wort für Wort
uśanasā
wie Uśanā, gleich Uśanā (Instr., vergleichend)
budhaḥ vyākhyātaḥ
Budha wird erklärt (Nom. + Nom.PPP)
tataḥ upariṣṭāt
von dort oberhalb
dvi-lakṣa-yojanataḥ
in zweihunderttausend Yojana Entfernung (Adv.)
budhaḥ
Budha, Merkur (Nom.)
soma-sutaḥ
der Sohn des Mondes (Nom.)
upalabhyamānaḥ
wahrgenommen werdend (Nom.)
prāyeṇa śubha-kṛt
meist Gutes bewirkend (Nom.)
yadā
wenn
arkāt vyatiricyeta
er sich von der Sonne trennt, abweicht (Abl. + 3.Sg.Opt.Pass.)
tadā
dann
ativāta-abhra-prāya-anāvṛṣṭi-ādi-bhayam
Furcht vor übermäßigem Sturm, Gewölk, Dürre und dergleichen (Akk.)
ata ūrdhvam aṅgārako 'pi yojana-lakṣa-dvitaya upalabhyamānas tribhis tribhiḥ pakṣair ekaikaśo rāśīn dvādaśānubhuṅkte yadi na vakreṇābhivartate prāyeṇāśubha-graho 'gha-śaṁsaḥ.
Von hier aus, darüber, wird auch Aṅgāraka (Mars), in einer Entfernung von zweihunderttausend Yojana wahrgenommen, der je drei und drei Halbmonate für je ein einzelnes Tierkreiszeichen (braucht) und so die zwölf Zeichen durchläuft, sofern er sich nicht rückläufig bewegt; meist ist er ein ungünstiger Planet, der Unheil ankündigt.
Wort für Wort
ataḥ ūrdhvam
von hier aufwärts, darüber
aṅgārakaḥ api
auch Aṅgāraka, Mars (Nom.)
yojana-lakṣa-dvitaye
in zweimal hunderttausend Yojana (Lok.)
upalabhyamānaḥ
wahrgenommen werdend (Nom.)
tribhiḥ tribhiḥ pakṣaiḥ
je drei und drei Halbmonate hindurch (Instr.Pl.)
eka-ekaśaḥ
je einzeln (Adv.)
rāśīn dvādaśa
die zwölf Tierkreiszeichen (Akk.Pl.)
anubhuṅkte
er durchläuft (3.Sg.Präs.)
yadi na vakreṇa abhivartate
wenn er sich nicht rückläufig bewegt (Instr. + 3.Sg.Präs.)
Von dort aus, oberhalb, in einer Entfernung von zweihunderttausend Yojana befindlich, wandert der erhabene Bṛhaspati (Jupiter) in je einem einzelnen Tierkreiszeichen je ein Parivatsara lang, sofern er nicht rückläufig ist; meist ist er dem Geschlecht der Brahmanen günstig gesinnt.
Wort für Wort
tataḥ upariṣṭāt
von dort oberhalb
dvi-lakṣa-yojana-antara-gataḥ
in einer Entfernung von zweihunderttausend Yojana befindlich (Nom.)
Von dort aus, oberhalb, in einer Entfernung von zweihunderttausend Yojana wahrgenommen, durchwandert Śanaiścara (Saturn), der in je einem einzelnen Tierkreiszeichen dreißig Monate verweilt, mit ebendieser Anzahl von Anuvatsaras alle zwölf Zeichen; meist ist er fürwahr für alle ein Unruhestifter.
Wort für Wort
tataḥ upariṣṭāt
von dort oberhalb
yojana-lakṣa-dvayāt
in einer Entfernung von zweihunderttausend Yojana (Abl.)
tata uttarasmād ṛṣaya ekādaśa-lakṣa-yojanāntara upalabhyante ya eva lokānāṁ śam anubhāvayanto bhagavato viṣṇor yat paramaṁ padaṁ pradakṣiṇaṁ prakramanti.
Von dort aus, oberhalb, in einer Entfernung von einhundertelftausend [1.100.000] Yojana werden die (sieben) Weisen wahrgenommen, die, während sie stets das Wohl der Welten bewirken, ebenjenes höchste Reich des Erhabenen Viṣṇu rechtsseitig (im Uhrzeigersinn) umschreiten.
Wort für Wort
tataḥ uttarasmāt
von dort nach oben/Norden (Abl.)
ṛṣayaḥ
die Weisen (Nom.Pl.)
ekādaśa-lakṣa-yojana-antare
in einer Entfernung von 1.100.000 Yojana (Lok.)
upalabhyante
werden wahrgenommen (3.Pl.Pass.)
ye eva
eben jene, welche (Nom.Pl.)
lokānām śam
das Wohl der Welten (Gen.Pl. + Akk.)
anubhāvayantaḥ
fortwährend bewirkend (Nom.Pl.Part.)
bhagavataḥ viṣṇoḥ
des Erhabenen Viṣṇu (Gen.)
yat paramam padam
jene höchste Stätte, jenes höchste Reich (Akk.)
pradakṣiṇam
rechtsseitig (Adv./Akk.)
prakramanti
sie umschreiten, schreiten voran (3.Pl.Präs.)
Gemeint sind die Saptarṣi, die Sieben Weisen, deren Sternbild (der Große Wagen) den Polarstern umkreist.