Śrī-Rāja sprach: Nachdem er das von seinen eigenen Dienern Berichtete vernommen hatte – was erwiderte da Dharmarāja jenen, deren Vorhaben von den Abgesandten Murāris zunichtegemacht worden war, er, dessen Befehl so vereitelt wurde, er, in dessen Macht doch [sonst] dieses ganze Volk steht?
yamasya devasya na daṇḍa-bhaṅgaḥ
kutaścanarṣe śruta-pūrva āsīt
etan mune vṛścati loka-saṁśayaṁ
na hi tvad-anya iti me viniścitam
Dass der Befehl des Gottes Yama je gebrochen würde, das war, o Weiser, niemals zuvor gehört worden. Dies zerschneide, o Muni, den Zweifel der Welt – wahrlich, niemand außer dir [vermag es], so ist von mir beschlossen.
Wort für Wort
yamasya devasya
des Gottes Yama (Gen. Sg.)
na
nicht (Negation)
daṇḍa-bhaṅgaḥ
ein Brechen der Strafgewalt (Nom. Sg.)
kutaścana
von irgendwoher, jemals (Adverb)
ṛṣe
o Weiser (Vok. Sg.)
śruta-pūrvaḥ
zuvor gehört (Nom. Sg.)
āsīt
war (3. Sg. Imperfekt)
etat
dies (Nom. Sg. n.)
mune
o Muni (Vok. Sg.)
vṛścati
zerschneidet (3. Sg. Präs., hier optativisch gemeint)
Śrī Śuka sprach: O König, die Diener Yamas, deren Bemühen durch die Diener des Herrn vereitelt worden war, meldeten [dies] ihrem Gebieter Yama, dem Herrn von Saṃyamanī.
Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach (3. Sg. Perfekt)
bhagavat-puruṣaiḥ
durch die Diener des Herrn (Instr. Pl.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
yāmyāḥ
die Yama-Diener (Nom. Pl.)
pratihata-udyamāḥ
deren Bemühen vereitelt war (Nom. Pl., Bahuvrīhi)
patim
dem Gebieter (Akk. Sg.)
vijñāpayām āsuḥ
sie meldeten, berichteten (3. Pl. periphr. Perfekt)
yamadūtā ūcuḥ
kati santīha śāstāro
jīva-lokasya vai prabho
trai-vidhyaṁ kurvataḥ karma
phalābhivyakti-hetavaḥ
Die Boten Yamas sprachen: Wie viele Gebieter gibt es hier, o Herr, wahrlich für die Welt der Lebewesen, die – dreifach [nach den drei Erscheinungsweisen] – für den Handelnden die Ursachen des Offenbarwerdens der Tatfrucht sind?
Wort für Wort
yamadūtāḥ ūcuḥ
die Boten Yamas sprachen (3. Pl. Perfekt)
kati
wie viele (Interrogativ)
santi
es gibt (3. Pl. Präsens)
iha
hier (Adverb)
śāstāraḥ
Gebieter (Nom. Pl.)
jīva-lokasya
der Welt der Lebewesen (Gen. Sg.)
vai
wahrlich (Partikel)
prabho
o Herr (Vok. Sg.)
trai-vidhyam
dreifach [nach den drei Erscheinungsweisen] (Akk. Sg., adverbiell)
kurvataḥ
des Handelnden (Gen. Sg. Part. Präs.)
karma
die Tat, Handlung (Nom./Akk. Sg.)
phala-abhivyakti-hetavaḥ
die Ursachen des Offenbarwerdens der Frucht (Nom. Pl.)
yadi syur bahavo loke
śāstāro daṇḍa-dhāriṇaḥ
kasya syātāṁ na vā kasya
mṛtyuś cāmṛtam eva vā
Wenn es in der Welt viele Gebieter gäbe, die die Strafe vollstrecken – wessen [Bereich] wären sie, und wessen nicht? Wessen wäre der Tod, und wessen gewiss die Unsterblichkeit?
Doch bei einer Vielzahl von Gebietern für die vielen Handelnden hier könnte das Gebieter-Sein [nur] eine [untergeordnete] Verwaltung sein – wahrlich so wie [die Zuständigkeit] derer, die [jeweils nur] in einem [einzelnen] Bezirk wirken.
atas tvam eko bhūtānāṁ
seśvarāṇām adhīśvaraḥ
śāstā daṇḍa-dharo nṝṇāṁ
śubhāśubha-vivecanaḥ
Deshalb bist du allein der oberste Herrscher der Lebewesen einschließlich ihrer [untergeordneten] Gebieter, der Lenker, der Träger der Strafe für die Menschen, der Unterscheider zwischen Gutem und Schlechtem.
Wort für Wort
ataḥ
deshalb (Adverb)
tvam
du (Nom. Sg.)
ekaḥ
allein, der Einzige (Nom. Sg.)
bhūtānām
der Lebewesen (Gen. Pl.)
sa-īśvarāṇām
einschließlich ihrer Gebieter (Gen. Pl.)
adhīśvaraḥ
der oberste Herrscher (Nom. Sg.)
śāstā
der Lenker (Nom. Sg.)
daṇḍa-dharaḥ
der Träger der Strafe (Nom. Sg.)
nṝṇām
der Menschen (Gen. Pl.)
śubha-aśubha-vivecanaḥ
der Unterscheider von Gutem und Schlechtem (Nom. Sg.)
nīyamānaṁ tavādeśād
asmābhir yātanā-gṛhān
vyāmocayan pātakinaṁ
chittvā pāśān prasahya te
Ihn, den Sünder, der auf deinen Befehl von uns zu den Häusern der Qual geführt wurde, befreiten sie, nachdem sie gewaltsam die Fesseln durchtrennt hatten.
tāṁs te veditum icchāmo
yadi no manyase kṣamam
nārāyaṇety abhihite
mā bhair ity āyayur drutam
Über sie wünschen wir von dir zu erfahren, wenn du es für uns als angemessen erachtest. Als [das Wort] 'Nārāyaṇa' ausgesprochen war, [riefen sie:] 'Fürchtet euch nicht' – so kamen sie eilig herbei.
Wort für Wort
tān
über sie (Akk. Pl.)
te
von dir (Abl./Gen. Sg.)
veditum
zu erfahren (Infinitiv)
icchāmaḥ
wir wünschen (1. Pl. Präsens)
yadi
wenn (Konditionalpartikel)
naḥ
für uns (Dat. Pl.)
manyase
du hältst für (2. Sg. Präsens Med.)
kṣamam
angemessen (Akk. Sg. n.)
nārāyaṇa iti
'Nārāyaṇa' [war gesagt] (Zitat)
abhihite
als ausgesprochen war (Lok. Sg. Absolutivkonstruktion)
Śrī Bādarāyaṇi sprach: So befragt, erwiderte der Gott Yama, der Lenker der Geschöpfe, erfreut seinen eigenen Boten, wobei er der Lotosfüße Haris gedachte.
Yama sprach: Ein anderer, höher als ich, [ist Herr] des Beweglichen und des Unbeweglichen, in dem das Universum quer und längs gewoben ist wie ein Tuch, durch dessen Anteil Entstehung, Erhaltung und Vernichtung dieses [Universums geschehen] – wie [ein Strick, der] durch die Nase [gezogen ist], so steht in dessen Gewalt die Welt.
Wort für Wort
yamaḥ uvāca
Yama sprach (3. Sg. Perfekt)
paraḥ
höher, überlegen (Nom. Sg.)
mat anyaḥ
ein anderer als ich (Nom. Sg. + Abl.)
jagataḥ
des Beweglichen (Gen. Sg.)
tasthuṣaḥ ca
und des Unbeweglichen (Gen. Sg. + Konj.)
otam protam
quer und längs gewoben (Nom. Sg. n., Part. Perf. Pass.)
paṭa-vat
wie ein gewobenes Tuch (Adverb des Vergleichs)
yatra
worin (Relativadverb)
viśvam
das Universum (Nom. Sg.)
yat-aṁśataḥ
durch dessen Anteil (Abl./Adverb)
asya
dieses [Universums] (Gen. Sg.)
sthiti-janma-nāśāḥ
Erhaltung, Entstehung, Vernichtung (Nom. Pl.)
nasi
in der Nase (Lok. Sg.)
ota-vat
wie ein durchgezogener Strick (Adverb des Vergleichs)
yo nāmabhir vāci janaṁ nijāyāṁ
badhnāti tantryām iva dāmabhir gāḥ
yasmai baliṁ ta ime nāma-karma-
nibandha-baddhāś cakitā vahanti
Der, welcher durch Namen in der ihm eigenen Sprache die Menschen bindet, wie man mit Stricken Rinder an ein Seil bindet – dem bringen diese [Geschöpfe] hier, gebunden durch die Fessel von Namen und Tat, furchtsam ihre Abgabe dar.
Wort für Wort
yaḥ
der, welcher (Nom. Sg.)
nāmabhiḥ
durch Namen (Instr. Pl.)
vāci
in der Sprache (Lok. Sg.)
janam
die Menschen (Akk. Sg. koll.)
nijāyām
in der eigenen (Lok. Sg.)
badhnāti
bindet (3. Sg. Präsens)
tantryām
an ein Seil (Lok. Sg.)
iva
wie (Vergleichspartikel)
dāmabhiḥ
mit Stricken (Instr. Pl.)
gāḥ
Rinder (Akk. Pl.)
yasmai
dem (Dat. Sg.)
balim
Abgabe, Tribut (Akk. Sg.)
te ime
diese hier (Nom. Pl.)
nāma-karma-nibandha-baddhāḥ
gebunden durch die Fessel von Namen und Tat (Nom. Pl.)
ahaṁ mahendro nirṛtiḥ pracetāḥ
somo 'gnir īśaḥ pavano viriñciḥ
āditya-viśve vasavo 'tha sādhyā
marud-gaṇā rudra-gaṇāḥ sasiddhāḥ
anye ca ye viśva-sṛjo 'mareśā
bhṛgv-ādayo 'spṛṣṭa-rajas-tamaskāḥ
yasyehitaṁ na viduḥ spṛṣṭa-māyāḥ
sattva-pradhānā api kiṁ tato 'nye
Ich, der große Indra, Nirṛti, Pracetā, der Mond, Agni, Īśa, der Windgott, Viriñci, Āditya, die Viśvedevas, die Vasus, ferner die Sādhyas, die Scharen der Maruts, die Scharen der Rudras samt den Siddhas, und andere, die Weltschöpfer sind und Herrscher der Unsterblichen, [Weise] angefangen mit Bhṛgu, unberührt von Leidenschaft und Dunkelheit – dessen Wirken kennen sie nicht, obwohl sie [nur] von seiner Māyā berührt, vorwiegend in der Erscheinungsweise der Güte stehen. Was [dann könnten] andere, geringer als diese, [von ihm wissen]?
Wort für Wort
aham
ich (Nom. Sg.)
mahā-indraḥ
der große Indra (Nom. Sg.)
nirṛtiḥ
Nirṛti (Nom. Sg.)
pracetāḥ
Pracetas [Varuṇa] (Nom. Sg.)
somaḥ
der Mond (Nom. Sg.)
agniḥ
Agni, das Feuer (Nom. Sg.)
īśaḥ
Īśa [Śiva] (Nom. Sg.)
pavanaḥ
der Windgott (Nom. Sg.)
viriñciḥ
Viriñci [Brahmā] (Nom. Sg.)
āditya
Āditya, der Sonnengott (Nom. Sg.)
viśve
die Viśvedevas (Nom. Pl.)
vasavaḥ
die Vasus (Nom. Pl.)
atha
ferner, auch (Adverb)
sādhyāḥ
die Sādhyas (Nom. Pl.)
marud-gaṇāḥ
die Scharen der Maruts (Nom. Pl.)
rudra-gaṇāḥ
die Scharen der Rudras (Nom. Pl.)
sa-siddhāḥ
samt den Siddhas (Nom. Pl.)
anye
andere (Nom. Pl.)
ca
und (Konjunktion)
ye
die (Nom. Pl.)
viśva-sṛjaḥ
Weltschöpfer (Nom. Pl.)
amara-īśāḥ
Herrscher der Unsterblichen (Nom. Pl.)
bhṛgu-ādayaḥ
[Weise] angefangen mit Bhṛgu (Nom. Pl.)
aspṛṣṭa-rajas-tamaskāḥ
unberührt von Leidenschaft und Dunkelheit (Nom. Pl.)
yasya
dessen (Gen. Sg.)
īhitam
das Wirken, Tun (Akk. Sg.)
na viduḥ
sie kennen nicht (3. Pl. Perfekt + Negation)
spṛṣṭa-māyāḥ
von [seiner] Māyā berührt (Nom. Pl.)
sattva-pradhānāḥ
vorwiegend in der Erscheinungsweise der Güte stehend (Nom. Pl.)
yaṁ vai na gobhir manasāsubhir vā
hṛdā girā vāsu-bhṛto vicakṣate
ātmānam antar-hṛdi santam ātmanāṁ
cakṣur yathaivākṛtayas tataḥ param
Den, wahrlich, weder durch die Sinne, noch durch den Geist, noch durch den Lebensodem, noch durch das Herz, noch durch die Sprache erkennen die Lebewesen – die Überseele, die im Innern des Herzens der Lebewesen weilt –, so wie ein Auge die Gestalten [sieht, sich selbst aber nicht sieht]: [er ist] jenseits von diesem allem.
Dessen, der unabhängig ist, Haris, des obersten Herrschers, des Transzendenten, des Herrn der Māyā, der Großen Seele – Boten wandeln hier meist, wahrlich bezaubernd, mit dessen Gestalt, Eigenschaften und Wesensart.
Wort für Wort
tasya
dessen (Gen. Sg.)
ātma-tantrasya
der unabhängig, selbstherrlich ist (Gen. Sg.)
hareḥ
Haris (Gen. Sg.)
adhīśituḥ
des obersten Herrschers (Gen. Sg.)
parasya
des Transzendenten (Gen. Sg.)
māyā-adhipateḥ
des Herrn der Māyā (Gen. Sg.)
mahā-ātmanaḥ
der Großen Seele (Gen. Sg.)
prāyeṇa
meist, größtenteils (Adverb)
dūtāḥ
Boten (Nom. Pl.)
iha
hier (Adverb)
vai
wahrlich (Partikel)
manoharāḥ
herzgewinnend, bezaubernd (Nom. Pl.)
caranti
sie wandeln, bewegen sich (3. Pl. Präsens)
tat-rūpa-guṇa-svabhāvāḥ
mit dessen Gestalt, Eigenschaften und Wesensart (Nom. Pl.)
bhūtāni viṣṇoḥ sura-pūjitāni
durdarśa-liṅgāni mahādbhutāni
rakṣanti tad-bhaktimataḥ parebhyo
mattaś ca martyān atha sarvataś ca
Die Wesen Viṣṇus, von den Göttern verehrt, mit schwer erkennbaren Gestalten, höchst wunderbar – sie beschützen seine ergebenen [Diener], die Sterblichen, vor Feinden, vor mir und auch vor allem [Übel].
dharmaṁ tu sākṣād bhagavat-praṇītaṁ
na vai vidur ṛṣayo nāpi devāḥ
na siddha-mukhyā asurā manuṣyāḥ
kuto nu vidyādhara-cāraṇādayaḥ
Das Dharma-Gesetz aber, das unmittelbar vom Herrn erlassen wurde, kennen wahrlich weder die Weisen noch die Götter, nicht die Häupter der Siddhas, nicht die Dämonen, nicht die Menschen – wieviel weniger denn die Vidyādharas, Cāraṇas und dergleichen?
Wort für Wort
dharmam
das Dharma-Gesetz (Akk. Sg.)
tu
aber (Konjunktion)
sākṣāt
unmittelbar, direkt (Adverb)
bhagavat-praṇītam
vom Herrn erlassen (Akk. Sg.)
na vai viduḥ
sie kennen wahrlich nicht (3. Pl. Perfekt + Negation)
ṛṣayaḥ
die Weisen (Nom. Pl.)
na api
auch nicht (Negation)
devāḥ
die Götter (Nom. Pl.)
na
nicht (Negation)
siddha-mukhyāḥ
die Häupter der Siddhas (Nom. Pl.)
asurāḥ
die Dämonen (Nom. Pl.)
manuṣyāḥ
die Menschen (Nom. Pl.)
kutaḥ nu
wieviel weniger denn (Interrogativadverb + Partikel)
vidyādhara-cāraṇa-ādayaḥ
die Vidyādharas, Cāraṇas und dergleichen (Nom. Pl.)
Der Selbstentstandene, Nārada, Śambhu, Kumāra, Kapila, Manu, Prahlāda, Janaka, Bhīṣma, Bali, der Sohn Vyāsas, und wir – wir, diese Zwölf, kennen, o Diener, das Bhāgavata-Dharma, das geheime, reine, schwer zu erkennende, das, nachdem man es erkannt hat, man Unsterblichkeit erlangt.
Wort für Wort
svayambhūḥ
der Selbstentstandene [Brahmā] (Nom. Sg.)
nāradaḥ
Nārada (Nom. Sg.)
śambhuḥ
Śambhu [Śiva] (Nom. Sg.)
kumāraḥ
Kumāra [die vier Kumāras] (Nom. Sg.)
kapilaḥ
Kapila (Nom. Sg.)
manuḥ
Manu (Nom. Sg.)
prahlādaḥ
Prahlāda (Nom. Sg.)
janakaḥ
Janaka (Nom. Sg.)
bhīṣmaḥ
Bhīṣma (Nom. Sg.)
baliḥ
Bali (Nom. Sg.)
vaiyāsakiḥ
der Sohn Vyāsas [Śuka] (Nom. Sg.)
vayam
wir (Nom. Pl.)
dvādaśa
zwölf (Kardinalzahl)
ete
diese (Nom. Pl.)
vijānīmaḥ
wir kennen, verstehen (1. Pl. Präsens)
dharmam
das Dharma (Akk. Sg.)
bhāgavatam
das den Herrn betreffende, auf Hingabe an den Herrn gegründete (Akk. Sg.)
Dies allein, eben, gilt in dieser Welt als das höchste Dharma der Menschen: die hingebungsvolle Verbindung zum Herrn, mittels des Aussprechens seines Namens und dergleichen.
Wort für Wort
etāvān
so viel, dies allein (Nom. Sg.)
eva
eben, gerade (Partikel)
loke asmin
in dieser Welt (Lok. Sg.)
puṁsām
der Menschen (Gen. Pl.)
dharmaḥ
das Dharma, die Pflicht (Nom. Sg.)
paraḥ
höchste (Nom. Sg.)
smṛtaḥ
gilt als überliefert (Nom. Sg., Part. Perf. Pass.)
bhakti-yogaḥ
die hingebungsvolle Verbindung (Nom. Sg.)
bhagavati
zum Herrn (Lok. Sg.)
tat-nāma-grahaṇa-ādibhiḥ
durch das Aussprechen seines Namens und dergleichen (Instr. Pl.)
So viel ist hinreichend zur Beseitigung der Sünde der Menschen: das gemeinsame Besingen der Eigenschaften, Taten und Namen des Herrn – da sogar der sündige Ajāmila, als er nach seinem Sohn rief, [dabei aber] 'Nārāyaṇa' [rief], im Sterben Befreiung erlangte.
prāyeṇa veda tad idaṁ na mahājano 'yaṁ
devyā vimohita-matir bata māyayālam
trayyāṁ jaḍī-kṛta-matir madhu-puṣpitāyāṁ
vaitānike mahati karmaṇi yujyamānaḥ
Meist kennt dieses [gewöhnliche] Volk dies [Geheimnis] nicht, dessen Verstand durch die Göttin [Māyā] verwirrt ist, ach, gänzlich durch die Māyā, dessen Verstand betäubt ist von den honigblütenreichen drei Veden, und das sich den großen [Feuer-]Opferhandlungen hingibt.
Wort für Wort
prāyeṇa
meist, größtenteils (Adverb)
veda
kennt (3. Sg. Perfekt)
tat idam
dies [Geheimnis] (Akk. Sg.)
na
nicht (Negation)
mahā-janaḥ ayam
dieses [gewöhnliche] Volk (Nom. Sg.)
devyā
durch die Göttin [Māyā] (Instr. Sg.)
vimohita-matiḥ
dessen Verstand verwirrt ist (Nom. Sg.)
bata
ach, fürwahr (Interjektion)
māyayā
durch die Māyā (Instr. Sg.)
alam
gänzlich, sehr (Adverb)
trayyām
in den drei Veden (Lok. Sg.)
jaḍī-kṛta-matiḥ
dessen Verstand betäubt gemacht wurde (Nom. Sg.)
madhu-puṣpitāyām
die honigblütenreich [verheißungsvoll] ist (Lok. Sg.)
vaitānike
in der Feueropferhandlung (Lok. Sg.)
mahati
großen (Lok. Sg.)
karmaṇi
im Ritual, in der Handlung (Lok. Sg.)
yujyamānaḥ
sich hingebend, beschäftigt (Nom. Sg., Part. Präs. Med.)
evaṁ vimṛśya sudhiyo bhagavaty anante
sarvātmanā vidadhate khalu bhāva-yogam
te me na daṇḍam arhanty atha yady amīṣāṁ
syāt pātakaṁ tad api hanty urugāya-vādaḥ
So erwägend, üben die Klugen mit ganzer Seele gewiss die innige Hingabe zum unendlichen Herrn aus. Sie verdienen von mir keine Strafe; und wenn es bei ihnen eine Sünde gäbe, vernichtet auch diese das Aussprechen [des Namens] des Weitbesungenen.
Wort für Wort
evam
so (Adverb)
vimṛśya
nachdem sie erwogen haben (Absolutiv)
sudhiyaḥ
die Klugen, Scharfsinnigen (Nom. Pl.)
bhagavati anante
zum unendlichen Herrn (Lok. Sg.)
sarva-ātmanā
mit ganzer Seele (Instr. Sg.)
vidadhate
sie üben aus, wenden an (3. Pl. Präsens Med.)
khalu
gewiss (Partikel)
bhāva-yogam
die innige Hingabe, Verbindung der Gesinnung (Akk. Sg.)
te
sie (Nom. Pl.)
me
von mir (Gen./Instr. Sg.)
na daṇḍam arhanti
sie verdienen keine Strafe (3. Pl. Präsens + Negation)
atha yadi
und wenn (Konjunktion)
amīṣām
von ihnen (Gen. Pl.)
syāt
es gäbe (3. Sg. Optativ)
pātakam
eine Sünde (Nom. Sg.)
tat api
selbst diese (Akk. Sg.)
hanti
vernichtet (3. Sg. Präsens)
urugāya-vādaḥ
das Aussprechen [des Namens] des Weitbesungenen (Nom. Sg.)
te deva-siddha-parigīta-pavitra-gāthā
ye sādhavaḥ samadṛśo bhagavat-prapannāḥ
tān nopasīdata harer gadayābhiguptān
naiṣāṁ vayaṁ na ca vayaḥ prabhavāma daṇḍe
Sie, deren reine Erzählungen von Göttern und Siddhas besungen werden, die Heiligen, die mit gleichem Blick auf alle sehen, die sich dem Herrn ergeben haben – jenen, die von der Keule Haris beschützt sind, nähert euch nicht! Weder wir noch [unsere] Macht vermögen über sie bei der Bestrafung [etwas].
Wort für Wort
te
sie (Nom. Pl.)
deva-siddha-parigīta-pavitra-gāthāḥ
deren reine Erzählungen von Göttern und Siddhas besungen werden (Nom. Pl.)
Bringt sie herbei, die Unredlichen, die sich abgewandt haben vom Nektar des Blütenstaubs der Lotosfüße Mukundas, der von den besitzlosen Scharen der unangehafteten Paramahaṃsas fortwährend genossen wird – jene, deren Verlangen gebunden ist an das Hauswesen, den Weg zur Hölle.
Wort für Wort
tān ānayadhvam
bringt sie herbei (2. Pl. Imperativ Med.)
asataḥ
die Unredlichen, Nicht-Gottgläubigen (Akk. Pl.)
vimukhān
die sich abgewandt haben (Akk. Pl.)
mukunda-pāda-aravinda-makaranda-rasāt
vom Nektar des Blütenstaubs der Lotosfüße Mukundas (Abl. Sg.)
jihvā na vakti bhagavad-guṇa-nāmadheyaṁ
cetaś ca na smarati tac-caraṇāravindam
kṛṣṇāya no namati yac-chira ekadāpi
tān ānayadhvam asato 'kṛta-viṣṇu-kṛtyān
Wessen Zunge nicht die Eigenschaften und den Namen des Herrn ausspricht, und dessen Geist sich nicht an dessen Lotosfüße erinnert, dessen Haupt sich vor Kṛṣṇa nicht auch nur einmal verneigt – sie, die Unredlichen, die die Dienste für Viṣṇu nicht verrichtet haben, bringt herbei.
Wort für Wort
jihvā
die Zunge (Nom. Sg.)
na vakti
spricht nicht aus (3. Sg. Präsens + Negation)
bhagavat-guṇa-nāmadheyam
die Eigenschaften und den Namen des Herrn (Akk. Sg.)
cetaḥ ca
und der Geist (Nom. Sg. + Konj.)
na smarati
erinnert sich nicht (3. Sg. Präsens + Negation)
tat-caraṇa-aravindam
an dessen Lotosfüße (Akk. Sg.)
kṛṣṇāya
vor Kṛṣṇa (Dat. Sg.)
no namati
verneigt sich nicht (3. Sg. Präsens + Negation)
yat-śiraḥ
dessen Haupt (Nom. Sg.)
ekadā api
auch nur einmal (Adverb + Partikel)
tān ānayadhvam
bringt sie herbei (2. Pl. Imperativ Med.)
asataḥ
die Unredlichen (Akk. Pl.)
akṛta-viṣṇu-kṛtyān
die die Dienste für Viṣṇu nicht verrichtet haben (Akk. Pl.)
tat kṣamyatāṁ sa bhagavān puruṣaḥ purāṇo
nārāyaṇaḥ sva-puruṣair yad asat kṛtaṁ naḥ
svānām aho na viduṣāṁ racitāñjalīnāṁ
kṣāntir garīyasi namaḥ puruṣāya bhūmne
Das möge verziehen werden – was von seinen eigenen Dienern, [von] uns, Unrechtes getan wurde – durch jenen erhabenen, uralten Urmenschen, Nārāyaṇa. Ach, [wir sind] seine eigenen, unwissend, mit gefalteten Händen [erbitten wir] Nachsicht, o Erhabener. Verehrung dem Urmenschen, dem Allumfassenden.
Wort für Wort
tat kṣamyatām
das möge verziehen werden (3. Sg. Imperativ Passiv)
So wie die Seele derer, die immer wieder die gewaltigen Heldentaten Haris hören und aussprechen, durch die daraus wohl entstandene Hingabe geläutert wird, so wird sie nicht durch Gelübde und dergleichen [Riten geläutert].
Wort für Wort
śṛṇvatām
derer, die hören (Gen. Pl., Part. Präs.)
gṛṇatām
und die aussprechen, rezitieren (Gen. Pl., Part. Präs.)
kṛṣṇāṅghri-padma-madhu-liṇ na punar visṛṣṭa-
māyā-guṇeṣu ramate vṛjināvaheṣu
anyas tu kāma-hata ātma-rajaḥ pramārṣṭum
īheta karma yata eva rajaḥ punaḥ syāt
Wer den Honig der Lotosfüße Kṛṣṇas genießt, erfreut sich nicht wieder an den [einst] aufgegebenen Erscheinungsweisen der Māyā, die Leid herbeiführen. Ein anderer aber, von Begierde geschlagen, mag sich bemühen, den Schmutz der Seele durch [rituelle] Tätigkeit abzuwischen – wodurch eben der Schmutz wieder entstehen mag.
Wort für Wort
kṛṣṇa-aṅghri-padma-madhu-liṭ
wer den Honig der Lotosfüße Kṛṣṇas leckt/genießt (Nom. Sg.)
na punaḥ
nicht wieder (Negation + Adverb)
visṛṣṭa-māyā-guṇeṣu
an den aufgegebenen Erscheinungsweisen der Māyā (Lok. Pl.)
itthaṁ svabhartṛ-gaditaṁ bhagavan-mahitvaṁ
saṁsmṛtya vismita-dhiyo yama-kiṅkarās te
naivācyutāśraya-janaṁ pratiśaṅkamānā
draṣṭuṁ ca bibhyati tataḥ prabhṛti sma rājan
So, sich erinnernd an die vom eigenen Herrn gesprochene Erhabenheit des Herrn, wurden die Diener Yamas in ihrem Verstand erstaunt – von da an, o König, fürchten sie sich, Menschen, die bei Acyuta Zuflucht genommen haben, auch nur argwöhnisch anzuschauen.
Wort für Wort
ittham
so (Adverb)
sva-bhartṛ-gaditam
vom eigenen Herrn Gesprochene (Akk. Sg.)
bhagavat-mahitvam
die Erhabenheit des Herrn (Akk. Sg.)
saṁsmṛtya
sich erinnernd (Absolutiv)
vismita-dhiyaḥ
deren Verstand erstaunt war (Nom. Pl.)
yama-kiṅkarāḥ
die Diener Yamas (Nom. Pl.)
te
sie (Nom. Pl.)
na eva
gar nicht (Negation + Partikel)
acyuta-āśraya-janam
Menschen, die bei Acyuta Zuflucht genommen haben (Akk. Sg.)