Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 122 Yamarāja unterweist seine Boten

śrī-rājovāca niśamya devaḥ sva-bhaṭopavarṇitaṁ pratyāha kiṁ tān api dharmarājaḥ evaṁ hatājño vihatān murārer naideśikair yasya vaśe jano 'yam

Śrī-Rāja sprach: Nachdem er das von seinen eigenen Dienern Berichtete vernommen hatte – was erwiderte da Dharmarāja jenen, deren Vorhaben von den Abgesandten Murāris zunichtegemacht worden war, er, dessen Befehl so vereitelt wurde, er, in dessen Macht doch [sonst] dieses ganze Volk steht?

Wort für Wort
śrī-rājā uvāca
der erhabene König sprach (3. Sg. Perfekt)
niśamya
nachdem er gehört hatte (Absolutiv)
devaḥ
der Gott [Yama] (Nom. Sg.)
sva-bhaṭa-upavarṇitam
das von den eigenen Dienern Berichtete (Akk. Sg.)
pratyāha
erwiderte (3. Sg. Perfekt)
kim
was (Interrogativ)
tān
zu ihnen (Akk. Pl.)
api
auch (Partikel)
dharma-rājaḥ
Dharmarāja [Yama] (Nom. Sg.)
evam
so, derart (Adverb)
hata-ājñaḥ
dessen Befehl vereitelt war (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
vihatān
die besiegten (Akk. Pl.)
murāreḥ naideśikaiḥ
durch die Abgesandten Murāris (Instr. Pl.)
yasya
dessen (Gen. Sg.)
vaśe
in der Macht (Lok. Sg.)
janaḥ ayam
dieses Volk (Nom. Sg.)

yamasya devasya na daṇḍa-bhaṅgaḥ kutaścanarṣe śruta-pūrva āsīt etan mune vṛścati loka-saṁśayaṁ na hi tvad-anya iti me viniścitam

Dass der Befehl des Gottes Yama je gebrochen würde, das war, o Weiser, niemals zuvor gehört worden. Dies zerschneide, o Muni, den Zweifel der Welt – wahrlich, niemand außer dir [vermag es], so ist von mir beschlossen.

Wort für Wort
yamasya devasya
des Gottes Yama (Gen. Sg.)
na
nicht (Negation)
daṇḍa-bhaṅgaḥ
ein Brechen der Strafgewalt (Nom. Sg.)
kutaścana
von irgendwoher, jemals (Adverb)
ṛṣe
o Weiser (Vok. Sg.)
śruta-pūrvaḥ
zuvor gehört (Nom. Sg.)
āsīt
war (3. Sg. Imperfekt)
etat
dies (Nom. Sg. n.)
mune
o Muni (Vok. Sg.)
vṛścati
zerschneidet (3. Sg. Präs., hier optativisch gemeint)
loka-saṁśayam
den Zweifel der Welt (Akk. Sg.)
na hi
nicht wahrlich (Negation + Partikel)
tvat-anyaḥ
ein anderer als du (Nom. Sg.)
iti
so (Zitatpartikel)
me
von mir (Instr./Gen. Sg.)
viniścitam
entschieden, festgestellt (Nom. Sg. n., Partizip Perf. Pass.)

śrī-śuka uvāca bhagavat-puruṣai rājan yāmyāḥ pratihatodyamāḥ patiṁ vijñāpayām āsur yamaṁ saṁyamanī-patim

Śrī Śuka sprach: O König, die Diener Yamas, deren Bemühen durch die Diener des Herrn vereitelt worden war, meldeten [dies] ihrem Gebieter Yama, dem Herrn von Saṃyamanī.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach (3. Sg. Perfekt)
bhagavat-puruṣaiḥ
durch die Diener des Herrn (Instr. Pl.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
yāmyāḥ
die Yama-Diener (Nom. Pl.)
pratihata-udyamāḥ
deren Bemühen vereitelt war (Nom. Pl., Bahuvrīhi)
patim
dem Gebieter (Akk. Sg.)
vijñāpayām āsuḥ
sie meldeten, berichteten (3. Pl. periphr. Perfekt)
yamam
dem Yama (Akk. Sg.)
saṁyamanī-patim
dem Herrn von Saṃyamanī (Akk. Sg.)

yamadūtā ūcuḥ kati santīha śāstāro jīva-lokasya vai prabho trai-vidhyaṁ kurvataḥ karma phalābhivyakti-hetavaḥ

Die Boten Yamas sprachen: Wie viele Gebieter gibt es hier, o Herr, wahrlich für die Welt der Lebewesen, die – dreifach [nach den drei Erscheinungsweisen] – für den Handelnden die Ursachen des Offenbarwerdens der Tatfrucht sind?

Wort für Wort
yamadūtāḥ ūcuḥ
die Boten Yamas sprachen (3. Pl. Perfekt)
kati
wie viele (Interrogativ)
santi
es gibt (3. Pl. Präsens)
iha
hier (Adverb)
śāstāraḥ
Gebieter (Nom. Pl.)
jīva-lokasya
der Welt der Lebewesen (Gen. Sg.)
vai
wahrlich (Partikel)
prabho
o Herr (Vok. Sg.)
trai-vidhyam
dreifach [nach den drei Erscheinungsweisen] (Akk. Sg., adverbiell)
kurvataḥ
des Handelnden (Gen. Sg. Part. Präs.)
karma
die Tat, Handlung (Nom./Akk. Sg.)
phala-abhivyakti-hetavaḥ
die Ursachen des Offenbarwerdens der Frucht (Nom. Pl.)

yadi syur bahavo loke śāstāro daṇḍa-dhāriṇaḥ kasya syātāṁ na vā kasya mṛtyuś cāmṛtam eva vā

Wenn es in der Welt viele Gebieter gäbe, die die Strafe vollstrecken – wessen [Bereich] wären sie, und wessen nicht? Wessen wäre der Tod, und wessen gewiss die Unsterblichkeit?

Wort für Wort
yadi
wenn (Konditionalpartikel)
syuḥ
es gäbe, wären (3. Pl. Optativ)
bahavaḥ
viele (Nom. Pl.)
loke
in der Welt (Lok. Sg.)
śāstāraḥ
Gebieter (Nom. Pl.)
daṇḍa-dhāriṇaḥ
die die Strafe halten/vollziehen (Nom. Pl.)
kasya
wessen (Gen. Sg.)
syātām
sie beide wären, sollten sein (3. Du. Optativ)
na vā
oder nicht (Negation + Disjunktion)
kasya
wessen (Gen. Sg.)
mṛtyuḥ
der Tod (Nom. Sg.)
ca
und (Konjunktion)
amṛtam
die Unsterblichkeit (Nom. Sg.)
eva
gewiss (Partikel)
vā
oder (Disjunktion)

kintu śāstṛ-bahutve syād bahūnām iha karmiṇām śāstṛtvam upacāro hi yathā maṇḍala-vartinām

Doch bei einer Vielzahl von Gebietern für die vielen Handelnden hier könnte das Gebieter-Sein [nur] eine [untergeordnete] Verwaltung sein – wahrlich so wie [die Zuständigkeit] derer, die [jeweils nur] in einem [einzelnen] Bezirk wirken.

Wort für Wort
kintu
aber, jedoch (Konjunktion)
śāstṛ-bahutve
bei Vielzahl der Gebieter (Lok. Sg.)
syāt
es könnte sein (3. Sg. Optativ)
bahūnām
der vielen (Gen. Pl.)
iha
hier (Adverb)
karmiṇām
der Handelnden (Gen. Pl.)
śāstṛtvam
das Gebieter-Sein (Nom. Sg.)
upacāraḥ
übertragene Verwaltung, dienstliche Zuständigkeit (Nom. Sg.)
hi
wahrlich (Partikel)
yathā
wie (Vergleichspartikel)
maṇḍala-vartinām
derer, die in einem Bezirk wirken (Gen. Pl.)

atas tvam eko bhūtānāṁ seśvarāṇām adhīśvaraḥ śāstā daṇḍa-dharo nṝṇāṁ śubhāśubha-vivecanaḥ

Deshalb bist du allein der oberste Herrscher der Lebewesen einschließlich ihrer [untergeordneten] Gebieter, der Lenker, der Träger der Strafe für die Menschen, der Unterscheider zwischen Gutem und Schlechtem.

Wort für Wort
ataḥ
deshalb (Adverb)
tvam
du (Nom. Sg.)
ekaḥ
allein, der Einzige (Nom. Sg.)
bhūtānām
der Lebewesen (Gen. Pl.)
sa-īśvarāṇām
einschließlich ihrer Gebieter (Gen. Pl.)
adhīśvaraḥ
der oberste Herrscher (Nom. Sg.)
śāstā
der Lenker (Nom. Sg.)
daṇḍa-dharaḥ
der Träger der Strafe (Nom. Sg.)
nṝṇām
der Menschen (Gen. Pl.)
śubha-aśubha-vivecanaḥ
der Unterscheider von Gutem und Schlechtem (Nom. Sg.)

tasya te vihito daṇḍo na loke vartate 'dhunā caturbhir adbhutaiḥ siddhair ājñā te vipralambhitā

Die von dir für ihn verhängte Strafe gilt jetzt nicht mehr in der Welt – durch vier wunderbare vollkommene Wesen wurde dein Befehl vereitelt.

Wort für Wort
tasya
dessen, für ihn (Gen. Sg.)
te
dein (Gen. Sg.)
vihitaḥ
festgesetzt, verhängt (Nom. Sg., Part. Perf. Pass.)
daṇḍaḥ
die Strafe (Nom. Sg.)
na
nicht (Negation)
loke
in der Welt (Lok. Sg.)
vartate
besteht, gilt (3. Sg. Präsens Med.)
adhunā
jetzt (Adverb)
caturbhiḥ
durch vier (Instr. Pl.)
adbhutaiḥ
wunderbare (Instr. Pl.)
siddhaiḥ
vollkommene Wesen (Instr. Pl.)
ājñā
der Befehl (Nom. Sg.)
te
dein (Gen. Sg.)
vipralambhitā
wurde getäuscht, vereitelt (Nom. Sg., Part. Perf. Pass.)

nīyamānaṁ tavādeśād asmābhir yātanā-gṛhān vyāmocayan pātakinaṁ chittvā pāśān prasahya te

Ihn, den Sünder, der auf deinen Befehl von uns zu den Häusern der Qual geführt wurde, befreiten sie, nachdem sie gewaltsam die Fesseln durchtrennt hatten.

Wort für Wort
nīyamānam
der geführt wurde (Akk. Sg., Part. Präs. Pass.)
tava ādeśāt
auf deinen Befehl (Abl. Sg.)
asmābhiḥ
von uns (Instr. Pl.)
yātanā-gṛhān
zu den Häusern der Qual (Akk. Pl.)
vyāmocayan
sie befreiten (3. Pl. Imperfekt)
pātakinam
den Sünder (Akk. Sg.)
chittvā
nachdem sie durchtrennt hatten (Absolutiv)
pāśān
die Fesseln (Akk. Pl.)
prasahya
mit Gewalt, gewaltsam (Absolutiv/Adverb)
te
sie (Nom. Pl.)

tāṁs te veditum icchāmo yadi no manyase kṣamam nārāyaṇety abhihite mā bhair ity āyayur drutam

Über sie wünschen wir von dir zu erfahren, wenn du es für uns als angemessen erachtest. Als [das Wort] 'Nārāyaṇa' ausgesprochen war, [riefen sie:] 'Fürchtet euch nicht' – so kamen sie eilig herbei.

Wort für Wort
tān
über sie (Akk. Pl.)
te
von dir (Abl./Gen. Sg.)
veditum
zu erfahren (Infinitiv)
icchāmaḥ
wir wünschen (1. Pl. Präsens)
yadi
wenn (Konditionalpartikel)
naḥ
für uns (Dat. Pl.)
manyase
du hältst für (2. Sg. Präsens Med.)
kṣamam
angemessen (Akk. Sg. n.)
nārāyaṇa iti
'Nārāyaṇa' [war gesagt] (Zitat)
abhihite
als ausgesprochen war (Lok. Sg. Absolutivkonstruktion)
mā bhaiḥ
fürchtet euch nicht (2. Pl. Injunktiv/Imperativ)
iti
so (Zitatpartikel)
āyayuḥ
sie kamen (3. Pl. Perfekt)
drutam
eilig, schnell (Adverb)

śrī-bādarāyaṇir uvāca iti devaḥ sa āpṛṣṭaḥ prajā-saṁyamano yamaḥ prītaḥ sva-dūtān pratyāha smaran pādāmbujaṁ hareḥ

Śrī Bādarāyaṇi sprach: So befragt, erwiderte der Gott Yama, der Lenker der Geschöpfe, erfreut seinen eigenen Boten, wobei er der Lotosfüße Haris gedachte.

Wort für Wort
śrī-bādarāyaṇiḥ uvāca
Śrī Bādarāyaṇi [Śukadeva] sprach (3. Sg. Perfekt)
iti
so (Zitatpartikel)
devaḥ
der Gott (Nom. Sg.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
āpṛṣṭaḥ
befragt (Nom. Sg., Part. Perf. Pass.)
prajā-saṁyamanaḥ
der Lenker der Geschöpfe (Nom. Sg.)
yamaḥ
Yama (Nom. Sg.)
prītaḥ
erfreut (Nom. Sg., Part. Perf. Pass.)
sva-dūtān
zu seinen eigenen Boten (Akk. Pl.)
pratyāha
erwiderte (3. Sg. Perfekt)
smaran
sich erinnernd, gedenkend (Nom. Sg., Part. Präs.)
pāda-ambujam
der Lotosfüße (Akk. Sg.)
hareḥ
Haris (Gen. Sg.)

yama uvāca paro mad-anyo jagatas tasthuṣaś ca otaṁ protaṁ paṭavad yatra viśvam yad-aṁśato 'sya sthiti-janma-nāśā nasy otavad yasya vaśe ca lokaḥ

Yama sprach: Ein anderer, höher als ich, [ist Herr] des Beweglichen und des Unbeweglichen, in dem das Universum quer und längs gewoben ist wie ein Tuch, durch dessen Anteil Entstehung, Erhaltung und Vernichtung dieses [Universums geschehen] – wie [ein Strick, der] durch die Nase [gezogen ist], so steht in dessen Gewalt die Welt.

Wort für Wort
yamaḥ uvāca
Yama sprach (3. Sg. Perfekt)
paraḥ
höher, überlegen (Nom. Sg.)
mat anyaḥ
ein anderer als ich (Nom. Sg. + Abl.)
jagataḥ
des Beweglichen (Gen. Sg.)
tasthuṣaḥ ca
und des Unbeweglichen (Gen. Sg. + Konj.)
otam protam
quer und längs gewoben (Nom. Sg. n., Part. Perf. Pass.)
paṭa-vat
wie ein gewobenes Tuch (Adverb des Vergleichs)
yatra
worin (Relativadverb)
viśvam
das Universum (Nom. Sg.)
yat-aṁśataḥ
durch dessen Anteil (Abl./Adverb)
asya
dieses [Universums] (Gen. Sg.)
sthiti-janma-nāśāḥ
Erhaltung, Entstehung, Vernichtung (Nom. Pl.)
nasi
in der Nase (Lok. Sg.)
ota-vat
wie ein durchgezogener Strick (Adverb des Vergleichs)
yasya
dessen (Gen. Sg.)
vaśe
in der Gewalt (Lok. Sg.)
ca
und (Konjunktion)
lokaḥ
die Welt (Nom. Sg.)

yo nāmabhir vāci janaṁ nijāyāṁ badhnāti tantryām iva dāmabhir gāḥ yasmai baliṁ ta ime nāma-karma- nibandha-baddhāś cakitā vahanti

Der, welcher durch Namen in der ihm eigenen Sprache die Menschen bindet, wie man mit Stricken Rinder an ein Seil bindet – dem bringen diese [Geschöpfe] hier, gebunden durch die Fessel von Namen und Tat, furchtsam ihre Abgabe dar.

Wort für Wort
yaḥ
der, welcher (Nom. Sg.)
nāmabhiḥ
durch Namen (Instr. Pl.)
vāci
in der Sprache (Lok. Sg.)
janam
die Menschen (Akk. Sg. koll.)
nijāyām
in der eigenen (Lok. Sg.)
badhnāti
bindet (3. Sg. Präsens)
tantryām
an ein Seil (Lok. Sg.)
iva
wie (Vergleichspartikel)
dāmabhiḥ
mit Stricken (Instr. Pl.)
gāḥ
Rinder (Akk. Pl.)
yasmai
dem (Dat. Sg.)
balim
Abgabe, Tribut (Akk. Sg.)
te ime
diese hier (Nom. Pl.)
nāma-karma-nibandha-baddhāḥ
gebunden durch die Fessel von Namen und Tat (Nom. Pl.)
cakitāḥ
furchtsam, ängstlich (Nom. Pl.)
vahanti
sie bringen dar, tragen (3. Pl. Präsens)

ahaṁ mahendro nirṛtiḥ pracetāḥ somo 'gnir īśaḥ pavano viriñciḥ āditya-viśve vasavo 'tha sādhyā marud-gaṇā rudra-gaṇāḥ sasiddhāḥ anye ca ye viśva-sṛjo 'mareśā bhṛgv-ādayo 'spṛṣṭa-rajas-tamaskāḥ yasyehitaṁ na viduḥ spṛṣṭa-māyāḥ sattva-pradhānā api kiṁ tato 'nye

Ich, der große Indra, Nirṛti, Pracetā, der Mond, Agni, Īśa, der Windgott, Viriñci, Āditya, die Viśvedevas, die Vasus, ferner die Sādhyas, die Scharen der Maruts, die Scharen der Rudras samt den Siddhas, und andere, die Weltschöpfer sind und Herrscher der Unsterblichen, [Weise] angefangen mit Bhṛgu, unberührt von Leidenschaft und Dunkelheit – dessen Wirken kennen sie nicht, obwohl sie [nur] von seiner Māyā berührt, vorwiegend in der Erscheinungsweise der Güte stehen. Was [dann könnten] andere, geringer als diese, [von ihm wissen]?

Wort für Wort
aham
ich (Nom. Sg.)
mahā-indraḥ
der große Indra (Nom. Sg.)
nirṛtiḥ
Nirṛti (Nom. Sg.)
pracetāḥ
Pracetas [Varuṇa] (Nom. Sg.)
somaḥ
der Mond (Nom. Sg.)
agniḥ
Agni, das Feuer (Nom. Sg.)
īśaḥ
Īśa [Śiva] (Nom. Sg.)
pavanaḥ
der Windgott (Nom. Sg.)
viriñciḥ
Viriñci [Brahmā] (Nom. Sg.)
āditya
Āditya, der Sonnengott (Nom. Sg.)
viśve
die Viśvedevas (Nom. Pl.)
vasavaḥ
die Vasus (Nom. Pl.)
atha
ferner, auch (Adverb)
sādhyāḥ
die Sādhyas (Nom. Pl.)
marud-gaṇāḥ
die Scharen der Maruts (Nom. Pl.)
rudra-gaṇāḥ
die Scharen der Rudras (Nom. Pl.)
sa-siddhāḥ
samt den Siddhas (Nom. Pl.)
anye
andere (Nom. Pl.)
ca
und (Konjunktion)
ye
die (Nom. Pl.)
viśva-sṛjaḥ
Weltschöpfer (Nom. Pl.)
amara-īśāḥ
Herrscher der Unsterblichen (Nom. Pl.)
bhṛgu-ādayaḥ
[Weise] angefangen mit Bhṛgu (Nom. Pl.)
aspṛṣṭa-rajas-tamaskāḥ
unberührt von Leidenschaft und Dunkelheit (Nom. Pl.)
yasya
dessen (Gen. Sg.)
īhitam
das Wirken, Tun (Akk. Sg.)
na viduḥ
sie kennen nicht (3. Pl. Perfekt + Negation)
spṛṣṭa-māyāḥ
von [seiner] Māyā berührt (Nom. Pl.)
sattva-pradhānāḥ
vorwiegend in der Erscheinungsweise der Güte stehend (Nom. Pl.)
api
obgleich (Partikel)
kim
was (Interrogativ)
tataḥ
als diese (Abl./Vergleich)
anye
andere (Nom. Pl.)

yaṁ vai na gobhir manasāsubhir vā hṛdā girā vāsu-bhṛto vicakṣate ātmānam antar-hṛdi santam ātmanāṁ cakṣur yathaivākṛtayas tataḥ param

Den, wahrlich, weder durch die Sinne, noch durch den Geist, noch durch den Lebensodem, noch durch das Herz, noch durch die Sprache erkennen die Lebewesen – die Überseele, die im Innern des Herzens der Lebewesen weilt –, so wie ein Auge die Gestalten [sieht, sich selbst aber nicht sieht]: [er ist] jenseits von diesem allem.

Wort für Wort
yam
den (Akk. Sg.)
vai
wahrlich (Partikel)
na
nicht (Negation)
gobhiḥ
durch die Sinne (Instr. Pl.)
manasā
durch den Geist (Instr. Sg.)
asubhiḥ
durch den Lebensodem (Instr. Pl.)
vā
oder (Disjunktion)
hṛdā
durch das Herz (Instr. Sg.)
girā
durch die Sprache (Instr. Sg.)
asu-bhṛtaḥ
die Lebewesen, Träger des Lebensodems (Nom. Pl.)
vicakṣate
sie erkennen, nehmen wahr (3. Pl. Präsens Med.)
ātmānam
die Überseele (Akk. Sg.)
antaḥ-hṛdi
im Innern des Herzens (Lok. Sg.)
santam
weilend, befindlich (Akk. Sg., Part. Präs.)
ātmanām
der Lebewesen (Gen. Pl.)
cakṣuḥ
das Auge (Nom. Sg.)
yathā eva
gerade so wie (Vergleichspartikel)
ākṛtayaḥ
die Gestalten, äußeren Formen (Akk. Pl.)
tataḥ
als jenes (Abl. Vergleich)
param
höher, jenseits (Nom. Sg. n.)

tasyātma-tantrasya harer adhīśituḥ parasya māyādhipater mahātmanaḥ prāyeṇa dūtā iha vai manoharāś caranti tad-rūpa-guṇa-svabhāvāḥ

Dessen, der unabhängig ist, Haris, des obersten Herrschers, des Transzendenten, des Herrn der Māyā, der Großen Seele – Boten wandeln hier meist, wahrlich bezaubernd, mit dessen Gestalt, Eigenschaften und Wesensart.

Wort für Wort
tasya
dessen (Gen. Sg.)
ātma-tantrasya
der unabhängig, selbstherrlich ist (Gen. Sg.)
hareḥ
Haris (Gen. Sg.)
adhīśituḥ
des obersten Herrschers (Gen. Sg.)
parasya
des Transzendenten (Gen. Sg.)
māyā-adhipateḥ
des Herrn der Māyā (Gen. Sg.)
mahā-ātmanaḥ
der Großen Seele (Gen. Sg.)
prāyeṇa
meist, größtenteils (Adverb)
dūtāḥ
Boten (Nom. Pl.)
iha
hier (Adverb)
vai
wahrlich (Partikel)
manoharāḥ
herzgewinnend, bezaubernd (Nom. Pl.)
caranti
sie wandeln, bewegen sich (3. Pl. Präsens)
tat-rūpa-guṇa-svabhāvāḥ
mit dessen Gestalt, Eigenschaften und Wesensart (Nom. Pl.)

bhūtāni viṣṇoḥ sura-pūjitāni durdarśa-liṅgāni mahādbhutāni rakṣanti tad-bhaktimataḥ parebhyo mattaś ca martyān atha sarvataś ca

Die Wesen Viṣṇus, von den Göttern verehrt, mit schwer erkennbaren Gestalten, höchst wunderbar – sie beschützen seine ergebenen [Diener], die Sterblichen, vor Feinden, vor mir und auch vor allem [Übel].

Wort für Wort
bhūtāni
Wesen, Geschöpfe (Nom. Pl.)
viṣṇoḥ
Viṣṇus (Gen. Sg.)
sura-pūjitāni
von den Göttern verehrt (Nom. Pl.)
durdarśa-liṅgāni
mit schwer erkennbaren Gestalten (Nom. Pl.)
mahā-adbhutāni
höchst wunderbar (Nom. Pl.)
rakṣanti
sie beschützen (3. Pl. Präsens)
tat-bhaktimataḥ
seine ergebenen Diener (Akk. Pl.)
parebhyaḥ
vor anderen, Feinden (Abl. Pl.)
mattaḥ
vor mir (Abl. Sg.)
ca
und (Konjunktion)
martyān
die Sterblichen (Akk. Pl.)
atha
auch, ferner (Adverb)
sarvataḥ
vor allem, von überall (Abl./Adverb)
ca
und (Konjunktion)

dharmaṁ tu sākṣād bhagavat-praṇītaṁ na vai vidur ṛṣayo nāpi devāḥ na siddha-mukhyā asurā manuṣyāḥ kuto nu vidyādhara-cāraṇādayaḥ

Das Dharma-Gesetz aber, das unmittelbar vom Herrn erlassen wurde, kennen wahrlich weder die Weisen noch die Götter, nicht die Häupter der Siddhas, nicht die Dämonen, nicht die Menschen – wieviel weniger denn die Vidyādharas, Cāraṇas und dergleichen?

Wort für Wort
dharmam
das Dharma-Gesetz (Akk. Sg.)
tu
aber (Konjunktion)
sākṣāt
unmittelbar, direkt (Adverb)
bhagavat-praṇītam
vom Herrn erlassen (Akk. Sg.)
na vai viduḥ
sie kennen wahrlich nicht (3. Pl. Perfekt + Negation)
ṛṣayaḥ
die Weisen (Nom. Pl.)
na api
auch nicht (Negation)
devāḥ
die Götter (Nom. Pl.)
na
nicht (Negation)
siddha-mukhyāḥ
die Häupter der Siddhas (Nom. Pl.)
asurāḥ
die Dämonen (Nom. Pl.)
manuṣyāḥ
die Menschen (Nom. Pl.)
kutaḥ nu
wieviel weniger denn (Interrogativadverb + Partikel)
vidyādhara-cāraṇa-ādayaḥ
die Vidyādharas, Cāraṇas und dergleichen (Nom. Pl.)

svayambhūr nāradaḥ śambhuḥ kumāraḥ kapilo manuḥ prahlādo janako bhīṣmo balir vaiyāsakir vayam dvādaśaite vijānīmo dharmaṁ bhāgavataṁ bhaṭāḥ guhyaṁ viśuddhaṁ durbodhaṁ yaṁ jñātvāmṛtam aśnute

Der Selbstentstandene, Nārada, Śambhu, Kumāra, Kapila, Manu, Prahlāda, Janaka, Bhīṣma, Bali, der Sohn Vyāsas, und wir – wir, diese Zwölf, kennen, o Diener, das Bhāgavata-Dharma, das geheime, reine, schwer zu erkennende, das, nachdem man es erkannt hat, man Unsterblichkeit erlangt.

Wort für Wort
svayambhūḥ
der Selbstentstandene [Brahmā] (Nom. Sg.)
nāradaḥ
Nārada (Nom. Sg.)
śambhuḥ
Śambhu [Śiva] (Nom. Sg.)
kumāraḥ
Kumāra [die vier Kumāras] (Nom. Sg.)
kapilaḥ
Kapila (Nom. Sg.)
manuḥ
Manu (Nom. Sg.)
prahlādaḥ
Prahlāda (Nom. Sg.)
janakaḥ
Janaka (Nom. Sg.)
bhīṣmaḥ
Bhīṣma (Nom. Sg.)
baliḥ
Bali (Nom. Sg.)
vaiyāsakiḥ
der Sohn Vyāsas [Śuka] (Nom. Sg.)
vayam
wir (Nom. Pl.)
dvādaśa
zwölf (Kardinalzahl)
ete
diese (Nom. Pl.)
vijānīmaḥ
wir kennen, verstehen (1. Pl. Präsens)
dharmam
das Dharma (Akk. Sg.)
bhāgavatam
das den Herrn betreffende, auf Hingabe an den Herrn gegründete (Akk. Sg.)
bhaṭāḥ
o Diener, Gefolgsleute (Vok. Pl.)
guhyam
geheim, verborgen (Akk. Sg.)
viśuddham
rein, lauter (Akk. Sg.)
durbodham
schwer zu verstehen (Akk. Sg.)
yam
das (Akk. Sg.)
jñātvā
nachdem man erkannt hat (Absolutiv)
amṛtam
Unsterblichkeit (Akk. Sg.)
aśnute
man erlangt, genießt (3. Sg. Präsens Med.)

etāvān eva loke 'smin puṁsāṁ dharmaḥ paraḥ smṛtaḥ bhakti-yogo bhagavati tan-nāma-grahaṇādibhiḥ

Dies allein, eben, gilt in dieser Welt als das höchste Dharma der Menschen: die hingebungsvolle Verbindung zum Herrn, mittels des Aussprechens seines Namens und dergleichen.

Wort für Wort
etāvān
so viel, dies allein (Nom. Sg.)
eva
eben, gerade (Partikel)
loke asmin
in dieser Welt (Lok. Sg.)
puṁsām
der Menschen (Gen. Pl.)
dharmaḥ
das Dharma, die Pflicht (Nom. Sg.)
paraḥ
höchste (Nom. Sg.)
smṛtaḥ
gilt als überliefert (Nom. Sg., Part. Perf. Pass.)
bhakti-yogaḥ
die hingebungsvolle Verbindung (Nom. Sg.)
bhagavati
zum Herrn (Lok. Sg.)
tat-nāma-grahaṇa-ādibhiḥ
durch das Aussprechen seines Namens und dergleichen (Instr. Pl.)

nāmoccāraṇa-māhātmyaṁ hareḥ paśyata putrakāḥ ajāmilo 'pi yenaiva mṛtyu-pāśād amucyata

Seht die Erhabenheit des Aussprechens des Namens Haris, o meine Söhne – wodurch selbst Ajāmila von den Fesseln des Todes befreit wurde.

Wort für Wort
nāma-uccāraṇa-māhātmyam
die Erhabenheit des Aussprechens des Namens (Akk. Sg.)
hareḥ
Haris (Gen. Sg.)
paśyata
seht! (2. Pl. Imperativ)
putrakāḥ
o meine Söhne, Diener (Vok. Pl.)
ajāmilaḥ api
sogar Ajāmila (Nom. Sg.)
yena eva
wodurch eben (Instr. Sg.)
mṛtyu-pāśāt
von den Fesseln des Todes (Abl. Sg.)
amucyata
wurde befreit (3. Sg. Imperfekt Passiv)

etāvatālam agha-nirharaṇāya puṁsāṁ saṅkīrtanaṁ bhagavato guṇa-karma-nāmnām vikruśya putram aghavān yad ajāmilo 'pi nārāyaṇeti mriyamāṇa iyāya muktim

So viel ist hinreichend zur Beseitigung der Sünde der Menschen: das gemeinsame Besingen der Eigenschaften, Taten und Namen des Herrn – da sogar der sündige Ajāmila, als er nach seinem Sohn rief, [dabei aber] 'Nārāyaṇa' [rief], im Sterben Befreiung erlangte.

Wort für Wort
etāvatā
mit so viel, mit dieser Menge (Instr. Sg.)
alam
genug, hinreichend (Adverb)
agha-nirharaṇāya
zur Beseitigung der Sünde (Dat. Sg.)
puṁsām
der Menschen (Gen. Pl.)
saṅkīrtanam
das gemeinsame Besingen (Nom. Sg.)
bhagavataḥ
des Herrn (Gen. Sg.)
guṇa-karma-nāmnām
der Eigenschaften, Taten und Namen (Gen. Pl.)
vikruśya
rufend, ausrufend (Absolutiv)
putram
den Sohn (Akk. Sg.)
aghavān
der Sündige (Nom. Sg.)
yat
da, weil (Konjunktion)
ajāmilaḥ api
sogar Ajāmila (Nom. Sg.)
nārāyaṇa iti
'Nārāyaṇa' rufend (Zitat)
mriyamāṇaḥ
im Sterben (Nom. Sg., Part. Präs. Med.)
iyāya
er erlangte (3. Sg. Perfekt)
muktim
Befreiung (Akk. Sg.)

prāyeṇa veda tad idaṁ na mahājano 'yaṁ devyā vimohita-matir bata māyayālam trayyāṁ jaḍī-kṛta-matir madhu-puṣpitāyāṁ vaitānike mahati karmaṇi yujyamānaḥ

Meist kennt dieses [gewöhnliche] Volk dies [Geheimnis] nicht, dessen Verstand durch die Göttin [Māyā] verwirrt ist, ach, gänzlich durch die Māyā, dessen Verstand betäubt ist von den honigblütenreichen drei Veden, und das sich den großen [Feuer-]Opferhandlungen hingibt.

Wort für Wort
prāyeṇa
meist, größtenteils (Adverb)
veda
kennt (3. Sg. Perfekt)
tat idam
dies [Geheimnis] (Akk. Sg.)
na
nicht (Negation)
mahā-janaḥ ayam
dieses [gewöhnliche] Volk (Nom. Sg.)
devyā
durch die Göttin [Māyā] (Instr. Sg.)
vimohita-matiḥ
dessen Verstand verwirrt ist (Nom. Sg.)
bata
ach, fürwahr (Interjektion)
māyayā
durch die Māyā (Instr. Sg.)
alam
gänzlich, sehr (Adverb)
trayyām
in den drei Veden (Lok. Sg.)
jaḍī-kṛta-matiḥ
dessen Verstand betäubt gemacht wurde (Nom. Sg.)
madhu-puṣpitāyām
die honigblütenreich [verheißungsvoll] ist (Lok. Sg.)
vaitānike
in der Feueropferhandlung (Lok. Sg.)
mahati
großen (Lok. Sg.)
karmaṇi
im Ritual, in der Handlung (Lok. Sg.)
yujyamānaḥ
sich hingebend, beschäftigt (Nom. Sg., Part. Präs. Med.)

evaṁ vimṛśya sudhiyo bhagavaty anante sarvātmanā vidadhate khalu bhāva-yogam te me na daṇḍam arhanty atha yady amīṣāṁ syāt pātakaṁ tad api hanty urugāya-vādaḥ

So erwägend, üben die Klugen mit ganzer Seele gewiss die innige Hingabe zum unendlichen Herrn aus. Sie verdienen von mir keine Strafe; und wenn es bei ihnen eine Sünde gäbe, vernichtet auch diese das Aussprechen [des Namens] des Weitbesungenen.

Wort für Wort
evam
so (Adverb)
vimṛśya
nachdem sie erwogen haben (Absolutiv)
sudhiyaḥ
die Klugen, Scharfsinnigen (Nom. Pl.)
bhagavati anante
zum unendlichen Herrn (Lok. Sg.)
sarva-ātmanā
mit ganzer Seele (Instr. Sg.)
vidadhate
sie üben aus, wenden an (3. Pl. Präsens Med.)
khalu
gewiss (Partikel)
bhāva-yogam
die innige Hingabe, Verbindung der Gesinnung (Akk. Sg.)
te
sie (Nom. Pl.)
me
von mir (Gen./Instr. Sg.)
na daṇḍam arhanti
sie verdienen keine Strafe (3. Pl. Präsens + Negation)
atha yadi
und wenn (Konjunktion)
amīṣām
von ihnen (Gen. Pl.)
syāt
es gäbe (3. Sg. Optativ)
pātakam
eine Sünde (Nom. Sg.)
tat api
selbst diese (Akk. Sg.)
hanti
vernichtet (3. Sg. Präsens)
urugāya-vādaḥ
das Aussprechen [des Namens] des Weitbesungenen (Nom. Sg.)

te deva-siddha-parigīta-pavitra-gāthā ye sādhavaḥ samadṛśo bhagavat-prapannāḥ tān nopasīdata harer gadayābhiguptān naiṣāṁ vayaṁ na ca vayaḥ prabhavāma daṇḍe

Sie, deren reine Erzählungen von Göttern und Siddhas besungen werden, die Heiligen, die mit gleichem Blick auf alle sehen, die sich dem Herrn ergeben haben – jenen, die von der Keule Haris beschützt sind, nähert euch nicht! Weder wir noch [unsere] Macht vermögen über sie bei der Bestrafung [etwas].

Wort für Wort
te
sie (Nom. Pl.)
deva-siddha-parigīta-pavitra-gāthāḥ
deren reine Erzählungen von Göttern und Siddhas besungen werden (Nom. Pl.)
ye
die (Nom. Pl.)
sādhavaḥ
die Heiligen, Frommen (Nom. Pl.)
sama-dṛśaḥ
die mit gleichem Blick sehen (Nom. Pl.)
bhagavat-prapannāḥ
die sich dem Herrn ergeben haben (Nom. Pl.)
tān
sie (Akk. Pl.)
na upasīdata
nähert euch nicht (2. Pl. Imperativ + Negation)
hareḥ gadayā abhiguptān
von der Keule Haris beschützt (Akk. Pl.)
na eṣām
nicht über diese (Gen. Pl. + Negation)
vayam
wir (Nom. Pl.)
na ca
und auch nicht (Negation + Konjunktion)
vayaḥ
die Macht, Lebenszeit (Nom. Sg.)
prabhavāma
wir vermögen (1. Pl. Präsens)
daṇḍe
bei der Bestrafung (Lok. Sg.)

tān ānayadhvam asato vimukhān mukunda-pādāravinda-makaranda-rasād ajasraṁ niṣkiñcanaiḥ paramahaṁsa- kulair asaṅgair juṣṭād gṛhe niraya-vartmani baddha-tṛṣṇān

Bringt sie herbei, die Unredlichen, die sich abgewandt haben vom Nektar des Blütenstaubs der Lotosfüße Mukundas, der von den besitzlosen Scharen der unangehafteten Paramahaṃsas fortwährend genossen wird – jene, deren Verlangen gebunden ist an das Hauswesen, den Weg zur Hölle.

Wort für Wort
tān ānayadhvam
bringt sie herbei (2. Pl. Imperativ Med.)
asataḥ
die Unredlichen, Nicht-Gottgläubigen (Akk. Pl.)
vimukhān
die sich abgewandt haben (Akk. Pl.)
mukunda-pāda-aravinda-makaranda-rasāt
vom Nektar des Blütenstaubs der Lotosfüße Mukundas (Abl. Sg.)
ajasram
fortwährend (Adverb)
niṣkiñcanaiḥ
von den Besitzlosen (Instr. Pl.)
paramahaṁsa-kulaiḥ
von den Scharen der Paramahaṃsas (Instr. Pl.)
asaṅgaiḥ
den Unangehafteten (Instr. Pl.)
juṣṭāt
der genossen wird (Abl. Sg., Part. Perf. Pass.)
gṛhe
im Hauswesen (Lok. Sg.)
niraya-vartmani
auf dem Weg zur Hölle (Lok. Sg.)
baddha-tṛṣṇān
deren Verlangen gebunden ist (Akk. Pl.)

jihvā na vakti bhagavad-guṇa-nāmadheyaṁ cetaś ca na smarati tac-caraṇāravindam kṛṣṇāya no namati yac-chira ekadāpi tān ānayadhvam asato 'kṛta-viṣṇu-kṛtyān

Wessen Zunge nicht die Eigenschaften und den Namen des Herrn ausspricht, und dessen Geist sich nicht an dessen Lotosfüße erinnert, dessen Haupt sich vor Kṛṣṇa nicht auch nur einmal verneigt – sie, die Unredlichen, die die Dienste für Viṣṇu nicht verrichtet haben, bringt herbei.

Wort für Wort
jihvā
die Zunge (Nom. Sg.)
na vakti
spricht nicht aus (3. Sg. Präsens + Negation)
bhagavat-guṇa-nāmadheyam
die Eigenschaften und den Namen des Herrn (Akk. Sg.)
cetaḥ ca
und der Geist (Nom. Sg. + Konj.)
na smarati
erinnert sich nicht (3. Sg. Präsens + Negation)
tat-caraṇa-aravindam
an dessen Lotosfüße (Akk. Sg.)
kṛṣṇāya
vor Kṛṣṇa (Dat. Sg.)
no namati
verneigt sich nicht (3. Sg. Präsens + Negation)
yat-śiraḥ
dessen Haupt (Nom. Sg.)
ekadā api
auch nur einmal (Adverb + Partikel)
tān ānayadhvam
bringt sie herbei (2. Pl. Imperativ Med.)
asataḥ
die Unredlichen (Akk. Pl.)
akṛta-viṣṇu-kṛtyān
die die Dienste für Viṣṇu nicht verrichtet haben (Akk. Pl.)

tat kṣamyatāṁ sa bhagavān puruṣaḥ purāṇo nārāyaṇaḥ sva-puruṣair yad asat kṛtaṁ naḥ svānām aho na viduṣāṁ racitāñjalīnāṁ kṣāntir garīyasi namaḥ puruṣāya bhūmne

Das möge verziehen werden – was von seinen eigenen Dienern, [von] uns, Unrechtes getan wurde – durch jenen erhabenen, uralten Urmenschen, Nārāyaṇa. Ach, [wir sind] seine eigenen, unwissend, mit gefalteten Händen [erbitten wir] Nachsicht, o Erhabener. Verehrung dem Urmenschen, dem Allumfassenden.

Wort für Wort
tat kṣamyatām
das möge verziehen werden (3. Sg. Imperativ Passiv)
saḥ bhagavān puruṣaḥ purāṇaḥ
jener erhabene, uralte Urmensch (Nom. Sg.)
nārāyaṇaḥ
Nārāyaṇa (Nom. Sg.)
sva-puruṣaiḥ
durch die eigenen Diener (Instr. Pl.)
yat
was (Nom./Akk. Sg.)
asat
Unrechtes, Ungehöriges (Nom./Akk. Sg.)
kṛtam
getan (Nom. Sg., Part. Perf. Pass.)
naḥ
von uns (Gen. Pl.)
svānām
der eigenen [Diener] (Gen. Pl.)
aho
ach (Interjektion)
na viduṣām
der Unwissenden (Gen. Pl.)
racita-añjalīnām
die die Hände gefaltet haben (Gen. Pl.)
kṣāntiḥ
Nachsicht, Vergebung (Nom. Sg.)
garīyasi
o Erhabener, Größter (Vok. Sg.)
namaḥ
Verehrung (Nom. Sg.)
puruṣāya
dem Urmenschen (Dat. Sg.)
bhūmne
dem Allumfassenden (Dat. Sg.)

tasmāt saṅkīrtanaṁ viṣṇor jagan-maṅgalam aṁhasām mahatām api kauravya viddhy aikāntika-niṣkṛtam

Deshalb, o Nachkomme der Kurus, wisse: das Besingen Viṣṇus, das der Welt Segen bringt, ist die endgültige Sühne auch für die großen Sünden.

Wort für Wort
tasmāt
deshalb (Adverb)
saṅkīrtanam
das gemeinsame Besingen (Nom. Sg.)
viṣṇoḥ
Viṣṇus (Gen. Sg.)
jagat-maṅgalam
der Welt Segen bringend (Nom. Sg.)
aṁhasām
der Sünden (Gen. Pl.)
mahatām api
selbst der großen (Gen. Pl.)
kauravya
o Nachkomme der Kurus (Vok. Sg.)
viddhi
wisse! (2. Sg. Imperativ)
aikāntika
endgültig, gänzlich (Adj.)
niṣkṛtam
Sühne, Wiedergutmachung (Akk. Sg.)

śṛṇvatāṁ gṛṇatāṁ vīryāṇy uddāmāni harer muhuḥ yathā sujātayā bhaktyā śuddhyen nātmā vratādibhiḥ

So wie die Seele derer, die immer wieder die gewaltigen Heldentaten Haris hören und aussprechen, durch die daraus wohl entstandene Hingabe geläutert wird, so wird sie nicht durch Gelübde und dergleichen [Riten geläutert].

Wort für Wort
śṛṇvatām
derer, die hören (Gen. Pl., Part. Präs.)
gṛṇatām
und die aussprechen, rezitieren (Gen. Pl., Part. Präs.)
vīryāṇi
die Heldentaten (Akk. Pl.)
uddāmāni
die gewaltigen, maßlosen (Akk. Pl.)
hareḥ
Haris (Gen. Sg.)
muhuḥ
immer wieder (Adverb)
yathā
wie (Vergleichspartikel)
su-jātayā
durch die wohlerzeugte, echte (Instr. Sg.)
bhaktyā
durch Hingabe (Instr. Sg.)
śuddhyet
möge geläutert werden (3. Sg. Optativ)
na
nicht (Negation)
ātmā
die Seele (Nom. Sg.)
vrata-ādibhiḥ
durch Gelübde und dergleichen (Instr. Pl.)

kṛṣṇāṅghri-padma-madhu-liṇ na punar visṛṣṭa- māyā-guṇeṣu ramate vṛjināvaheṣu anyas tu kāma-hata ātma-rajaḥ pramārṣṭum īheta karma yata eva rajaḥ punaḥ syāt

Wer den Honig der Lotosfüße Kṛṣṇas genießt, erfreut sich nicht wieder an den [einst] aufgegebenen Erscheinungsweisen der Māyā, die Leid herbeiführen. Ein anderer aber, von Begierde geschlagen, mag sich bemühen, den Schmutz der Seele durch [rituelle] Tätigkeit abzuwischen – wodurch eben der Schmutz wieder entstehen mag.

Wort für Wort
kṛṣṇa-aṅghri-padma-madhu-liṭ
wer den Honig der Lotosfüße Kṛṣṇas leckt/genießt (Nom. Sg.)
na punaḥ
nicht wieder (Negation + Adverb)
visṛṣṭa-māyā-guṇeṣu
an den aufgegebenen Erscheinungsweisen der Māyā (Lok. Pl.)
ramate
erfreut sich (3. Sg. Präsens Med.)
vṛjina-avaheṣu
die Leid herbeiführen (Lok. Pl.)
anyaḥ tu
ein anderer aber (Nom. Sg. + Konj.)
kāma-hataḥ
von Begierde geschlagen (Nom. Sg.)
ātma-rajaḥ
den Schmutz der Seele (Akk. Sg.)
pramārṣṭum
abzuwischen, zu reinigen (Infinitiv)
īheta
er mag sich bemühen (3. Sg. Optativ)
karma
durch Tätigkeit, Ritus (Akk./Instr. Sg.)
yataḥ eva
wodurch eben (Abl./Adverb)
rajaḥ
der Schmutz, die Leidenschaft (Nom. Sg.)
punaḥ
wieder (Adverb)
syāt
mag entstehen (3. Sg. Optativ)

itthaṁ svabhartṛ-gaditaṁ bhagavan-mahitvaṁ saṁsmṛtya vismita-dhiyo yama-kiṅkarās te naivācyutāśraya-janaṁ pratiśaṅkamānā draṣṭuṁ ca bibhyati tataḥ prabhṛti sma rājan

So, sich erinnernd an die vom eigenen Herrn gesprochene Erhabenheit des Herrn, wurden die Diener Yamas in ihrem Verstand erstaunt – von da an, o König, fürchten sie sich, Menschen, die bei Acyuta Zuflucht genommen haben, auch nur argwöhnisch anzuschauen.

Wort für Wort
ittham
so (Adverb)
sva-bhartṛ-gaditam
vom eigenen Herrn Gesprochene (Akk. Sg.)
bhagavat-mahitvam
die Erhabenheit des Herrn (Akk. Sg.)
saṁsmṛtya
sich erinnernd (Absolutiv)
vismita-dhiyaḥ
deren Verstand erstaunt war (Nom. Pl.)
yama-kiṅkarāḥ
die Diener Yamas (Nom. Pl.)
te
sie (Nom. Pl.)
na eva
gar nicht (Negation + Partikel)
acyuta-āśraya-janam
Menschen, die bei Acyuta Zuflucht genommen haben (Akk. Sg.)
pratiśaṅkamānāḥ
argwöhnisch, furchtsam (Nom. Pl., Part. Präs. Med.)
draṣṭum ca
auch anzuschauen (Infinitiv + Konj.)
bibhyati
sie fürchten sich (3. Pl. Präsens)
tataḥ prabhṛti
von da an (Adverb)
sma
[Vergangenheits-Verstärkungspartikel]
rājan
o König (Vok. Sg.)

itihāsam imaṁ guhyaṁ bhagavān kumbha-sambhavaḥ kathayām āsa malaya āsīno harim arcayan

Diese geheime Geschichte erzählte der erhabene, aus dem Krug Entstandene [Agastya], auf dem Malaya-Gebirge weilend, während er Hari verehrte.

Wort für Wort
itihāsam
die Geschichte, Überlieferung (Akk. Sg.)
imam
diese (Akk. Sg.)
guhyam
geheime, vertrauliche (Akk. Sg.)
bhagavān
der Erhabene (Nom. Sg.)
kumbha-sambhavaḥ
der aus dem Krug Entstandene [Agastya] (Nom. Sg.)
kathayām āsa
erzählte (3. Sg. periphr. Perfekt)
malaye
auf dem Malaya[-Gebirge] (Lok. Sg.)
āsīnaḥ
sitzend, weilend (Nom. Sg., Part. Präs.)
harim arcayan
Hari verehrend (Akk. Sg. + Part. Präs. Nom. Sg.)

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