Kapitel 150
Die vollkommene Gesellschaft: Die vier geistigen Stände
Verse 7 und 12-31 konnten wegen dauerhafter HTTP-429-Sperre von vedabase.io (auch nach mehreren Wartezyklen von 60-90s) nicht mehr über die vedabase-Wort-für-Wort-Gloss-Tabelle abgesichert werden; als IAST-Quelle wurde fuer diese Verse die lokale GRETIL-Datei /home/main/Downloads/1_sanskr/3_purana/bhagp/bhp_07u.htm (Zeilen 1394-1457) verwendet und mit den erfolgreich abgerufenen vedabase-Versen (1-6, 8-11) auf Konsistenz geprueft (identischer Wortlaut, nur andere Sandhi-Schreibweise). Die deutsche Uebersetzung und die Wort-fuer-Wort-Analyse wurden in jedem Fall eigenstaendig aus dem Sanskrit erarbeitet, nicht aus einer vorhandenen englischen oder deutschen Uebersetzung abgeleitet.
Śrī Nārada sprach: Der Schüler (Brahmacārī), der im Hause des Lehrers wohnt, sinnenbeherrscht, das dem Lehrer Zuträgliche übend, wie ein Diener demütig, sei dem Lehrer gegenüber von fest gegründeter Zuneigung.
sāyaṁ prātar upāsīta gurv-agny-arka-surottamān / sandhye ubhe ca yata-vāg japan brahma samāhitaḥ
Abends und morgens soll er den Lehrer, das heilige Feuer, die Sonne und den Höchsten der Götter [Viṣṇu] verehren; zu beiden Dämmerungszeiten, redebeherrscht, die heilige Formel murmelnd, gesammelt.
Wort für Wort
sāyam
abends (Adv.)
prātaḥ
morgens (Adv.)
upāsīta
er soll verehren (Optativ)
guru-agni-arka-sura-uttamān
Lehrer, Feuer, Sonne und den Höchsten der Götter (Akk. Pl.)
chandāṁsy adhīyīta guror āhūtaś cet suyantritaḥ / upakrame 'vasāne ca caraṇau śirasā namet
Die vedischen Verse soll er studieren; wenn vom Lehrer gerufen, wohlgezügelt [gehorche er sogleich]; am Anfang und am Ende [des Studiums] verneige er sich mit dem Haupt vor dessen Füßen.
mekhalājina-vāsāṁsi jaṭā-daṇḍa-kamaṇḍalūn / bibhṛyād upavītaṁ ca darbha-pāṇir yathoditam
Gürtel, Fellkleidung und [andere] Gewänder, verfilztes Haar, Stab und Wasserkrug soll er tragen, sowie die heilige Schnur, mit Kuśa-Gras in der Hand, so wie es vorgeschrieben ist.
sāyaṁ prātaś cared bhaikṣyaṁ gurave tan nivedayet / bhuñjīta yady anujñāto no ced upavaset kvacit
Abends und morgens soll er zum Almosensammeln gehen und dies dem Lehrer darbringen; er esse, wenn ihm erlaubt ist; wenn nicht, soll er manchmal fasten.
Wohlgesittet, maßvoll essend, tüchtig, gläubig-vertrauensvoll, die Sinne beherrschend, soll er nur soviel wie nötig mit Frauen und von Frauen beherrschten Männern verkehren.
Wort für Wort
su-śīlaḥ
wohlgesittet, von gutem Charakter (Nom. Sg.)
mita-bhuk
maßvoll essend (Nom. Sg.)
dakṣaḥ
tüchtig, geschickt (Nom. Sg.)
śraddadhānaḥ
voll Vertrauen/Glauben (Nom. Sg.)
jita-indriyaḥ
die Sinne bezwungen habend (Nom. Sg.)
yāvat-artham
so viel wie nötig (Adv.)
vyavaharet
er soll verkehren, sich verhalten (Optativ)
strīṣu
mit/gegenüber Frauen (Lok. Pl.)
strī-nirjiteṣu
gegenüber von Frauen beherrschten [Männern] (Lok. Pl.)
Das Kämmen/Richten der Haare, das Massieren, Baden, Einölen und dergleichen soll der junge Schüler nicht von den jungen Frauen des Lehrers für sich selbst verrichten lassen.
Fürwahr, das Weib heißt Feuer; der Mann gleicht einem Topf voll Schmalz; sogar die eigene Tochter soll er an einsamem Ort meiden — sonst nur soweit nötig [mit Frauen] handelnd.
kalpayitvātmanā yāvad ābhāsam idam īśvaraḥ / dvaitaṁ tāvan na viramet tato hy asya viparyayaḥ
Solange er meint, durch eigene Kraft diesen bloßen Abglanz [des Ich-Gefühls] selbst bemeistern zu können wie ein wahrhaft Unabhängiger, so lange soll er von der Zweiheit [den vorgeschriebenen Regeln] nicht ablassen; denn sonst entsteht ihm daraus das Gegenteil [der Rückfall].
Wort für Wort
kalpayitvā
nachdem er sich vorgestellt/bemeistert glaubt (Absolutiv)
ātmanā
durch sich selbst, aus eigener Kraft (Instr. Sg.)
yāvat
solange
ābhāsam
den bloßen Abglanz, Schein (Akk. Sg.)
idam
dieses (Akk. Sg.)
īśvaraḥ
[wie] ein Unabhängiger, Herr [darüber] (Nom. Sg.)
dvaitam
die Zweiheit, Dualität (Akk. Sg.)
tāvat
so lange
na viramet
er soll nicht ablassen (Optativ)
tataḥ
daher, dadurch
hi
denn, wahrlich
asya
für ihn (Gen. Sg.)
viparyayaḥ
das Gegenteil, die Verkehrung (Nom. Sg.)
[?] Vers ist metaphysisch stark verdichtet und lässt mehrere Lesarten der Konstruktion kalpayitvā...īśvaraḥ zu; hier mit den wenigsten Zusatzannahmen wiedergegeben.
etat sarvaṁ gṛhasthasya samāmnātaṁ yater api / guru-vṛttir vikalpena gṛhasthasyartu-gāminaḥ
Dies alles ist sowohl für den Haushälter als auch für den Asketen überliefert; die Lebensweise gegenüber dem Lehrer [gilt] wahlweise auch für den Haushälter, der nur zur [fruchtbaren] Zeit [mit seiner Frau] verkehrt.
Wort für Wort
etat sarvam
dies alles (Nom. Sg.)
gṛhasthasya
für den Haushälter (Gen. Sg.)
samāmnātam
überliefert, gelehrt (Nom. Sg., PPP)
yateḥ api
auch für den Asketen (Gen. Sg.)
guru-vṛttiḥ
die Lebensweise/Haltung gegenüber dem Lehrer (Nom. Sg.)
vikalpena
wahlweise, alternativ (Instr. als Adv.)
gṛhasthasya
für den Haushälter (Gen. Sg.)
ṛtu-gāminaḥ
der nur zur [fruchtbaren] Zeit verkehrt (Gen. Sg.)
añjanābhyañjanonmarda stry-avalekhāmiṣaṁ madhu / srag-gandha-lepālaṅkārāṁs tyajeyur ye bṛhad-vratāḥ
Schminke, Einölen, Massage, das Betrachten von Frauen, Fleisch, Honig(-wein), Blumengirlanden, Duftstoffe, Salben und Schmuck — das sollen jene aufgeben, die das große Gelübde halten.
uṣitvaivaṁ gurukule dvijo 'dhītyāvabudhya ca / trayīṁ sāṅgopaniṣadaṁ yāvad-arthaṁ yathābalam
Nachdem er so im Hause des Lehrers gewohnt, den dreifachen Veda samt seinen Zweigwissenschaften und den Upaniṣaden studiert und verstanden hat, soweit es nötig und seinen Fähigkeiten gemäß war...
Wort für Wort
uṣitvā
nachdem er gewohnt hat (Absolutiv)
evam
so, auf diese Weise
gurukule
im Hause des Lehrers (Lok. Sg.)
dvijaḥ
der Zweifachgeborene (Nom. Sg.)
adhītya
nachdem er studiert hat (Absolutiv)
avabudhya
nachdem er verstanden hat (Absolutiv)
ca
und
trayīm
den dreifachen Veda (Akk. Sg.)
sa-aṅga-upaniṣadam
samt Zweigwissenschaften und Upaniṣaden (Akk. Sg.)
Nachdem er dem Lehrer eine Gabe gegeben hat und von ihm entlassen worden ist, mag er, wenn er frei darüber verfügen kann, entweder ins Hausleben oder in den Wald eintreten, in den Entsagtenstand fortziehen, oder dort [beim Lehrer] weiter wohnen.
Wort für Wort
dattvā
nachdem er gegeben hat (Absolutiv)
varam
die Gabe, das Ehrengeschenk (Akk. Sg.)
anujñātaḥ
entlassen, [von ihm] erlaubt (PPP Nom. Sg.)
guroḥ
vom Lehrer (Abl./Gen. Sg.)
kāmam
nach [eigenem] Belieben (Akk. als Adv.)
yadi
wenn
īśvaraḥ
frei verfügend, Herr [darüber] (Nom. Sg.)
gṛham
das Haus[leben] (Akk. Sg.)
vanam
der Wald (Akk. Sg.)
vā
oder
praviśet
er soll eintreten (Optativ)
pravrajet
er soll [als Asket] fortziehen (Optativ)
tatra
dort (beim Lehrer)
vaset
er soll wohnen (Optativ)
[?] Die genaue syntaktische Zuordnung von kāmam/īśvaraḥ zu den vier genannten Möglichkeiten (Haus, Wald, Wanderleben, Verbleib beim Lehrer) ist in der Tradition umstritten.
Im Feuer, im Lehrer, im eigenen Selbst und in allen Wesen soll er den Transzendenten erblicken — zusammen mit den Elementen und ihren eigenen Erscheinungsformen —, ihn, der nicht eingetreten ist, als ob er eingetreten wäre.
Ich werde die Regeln des Waldeinsiedlers verkünden, die von den Weisen gebilligt sind, durch deren Befolgung der Weise mühelos, ja wahrlich, in die Welt der Seher gelangt.
Er soll nicht essen, was auf bestelltem Land gereift ist, noch auch, was ungepflügt [wildwachsend] ist, wenn es nicht zur rechten Zeit ist; er nehme vielmehr feuergekochte oder rohe, oder sonnengereifte Speise zu sich.
Mit Waldfrüchten soll er die von der Jahreszeit gebotenen Speiseopfer — Caru und Puroḍāśa — darbringen; und sooft neue eßbare Frucht gewonnen ist, soll er die alte aufgeben.
agnyartham eva śaraṇam uṭajaṁ vādri-kandaram / śrayeta hima-vāyv-agni-varṣārkātapa-ṣāṭ svayam
Nur um des heiligen Feuers willen soll er Zuflucht suchen — eine Laubhütte oder eine Bergeshöhle —, während er selbst Kälte, Wind, Feuershitze, Regen und Sonnenglut erträgt.
Wort für Wort
agni-artham eva
nur um des Feuers willen (Adv.)
śaraṇam
Zuflucht, Schutz (Akk. Sg.)
uṭajam
die Laubhütte (Akk. Sg.)
vā
oder
adri-kandaram
die Bergeshöhle (Akk. Sg.)
śrayeta
er soll aufsuchen (Optativ Med.)
hima-vāyu-agni-varṣa-arka-ātapa-ṣāṭ
der Kälte, Wind, Feuer, Regen, Sonnenglut erträgt (Nom. Sg.)
Mit verfilztem Haar, das Wachstum von Haupthaar, Körperhaar, Nägeln und Bart [unangetastet] tragend, und dabei Wasserkrug, Hirschfell, Stab, Rindengewand und Feueropfer-Utensilien tragend...
Wort für Wort
keśa-roma-nakha-śmaśru-malāni
Wachstum/Unreinheiten von Haupthaar, Körperhaar, Nägeln, Bart (Akk. Pl.)
jaṭilaḥ
der Verfilzthaarige (Nom. Sg.)
dadhat
tragend (Part. Präs. Nom.)
kamaṇḍalu
der Wasserkrug (Kompositionsglied)
ajina
das Hirschfell (Kompositionsglied)
daṇḍa
der Stab (Kompositionsglied)
valkala
das Rindengewand (Kompositionsglied)
agni-paricchadān
die Feueropfer-Utensilien (Akk. Pl.)
[Anm.: Die Wortform "kamaṇḍalv-ajine" ist in der GRETIL-Quelle uneindeutig segmentiert (Lokativ-Endung -e bei sonst erwarteter Akkusativ-Reihe); hier als Teil des Akkusativ-Kompositums mit den übrigen Ausrüstungsgegenständen gedeutet. Satz wird in Vers 22 fortgeführt.]
...soll der Weise zwölf Jahre im Wald wandeln, oder acht, oder vier, oder zwei, oder auch nur eines — derart, dass die Erkenntnis nicht durch Mühsal zugrunde geht.
Wenn er durch Krankheiten oder durch Alter zu seiner eigentlichen Tätigkeit oder zur [höheren, metaphysischen] Wissenschaft [der Selbsterkenntnis] unfähig geworden ist, dann soll er Fasten und dergleichen vollziehen.
Wort für Wort
yadā
wenn
akalpaḥ
unfähig, untauglich geworden (Nom. Sg.)
sva-kriyāyām
für seine eigene Tätigkeit (Lok. Sg.)
vyādhibhiḥ
durch Krankheiten (Instr. Pl.)
jarayā
durch Alter (Instr. Sg.)
athavā
oder
ānvīkṣikyām vidyāyām
in der [Selbsterkenntnis-]Wissenschaft, Philosophie (Lok. Sg.)
Nachdem er die heiligen Feuer symbolisch in sich selbst aufgenommen und das Ich- und Mein-Bewusstsein völlig aufgegeben hat, soll er die körperliche Zusammensetzung vollständig in ihre jeweiligen Ursachen zurücklegen, jedes gemäß seiner Eignung.
Wort für Wort
ātmani
in sich selbst (Lok. Sg.)
agnīn
die heiligen Feuer (Akk. Pl.)
samāropya
nachdem er [sie symbolisch] übertragen hat (Absolutiv)
Der Selbstbeherrschte lege die Körperöffnungen in den Äther, die Lebenswinde in die Luft, die Körperwärme ins Feuer, Blut, Schleim und Eiter ins Wasser, und den Rest des Körpers in die Erde zurück — jeweils gemäß ihrer Entstehung.
Wort für Wort
khe
in den Äther, Raum (Lok. Sg.)
khāni
die Körperöffnungen (Akk. Pl.)
vāyau
in die Luft (Lok. Sg.)
niśvāsān
die Atemzüge, Lebenswinde (Akk. Pl.)
tejaḥ
die Glut, das Feuer[-element] (Nom./Ziel)
ūṣmāṇam
die Körperwärme (Akk. Sg.)
ātmavān
der Selbstbeherrschte (Nom. Sg.)
apsu
im Wasser (Lok. Pl.)
asṛk-śleṣma-pūyāni
Blut, Schleim und Eiter (Akk. Pl.)
kṣitau
in die Erde (Lok. Sg.)
śeṣam
den Rest (Akk. Sg.)
yathodbhavam
gemäß [ihrer] Entstehung (Adv.)
[?] Die genaue Zuordnung von tejaḥ/ūṣmāṇam zum Element Feuer folgt dem Kontext der Reihe (Äther–Luft–Feuer–Wasser–Erde); im Text selbst wird das Ziel-Element hier nicht durch ein eigenes Lokativ-Wort genannt.
Die Sprache samt dem durch sie Sagbaren lege er ins Feuer, die beiden Hände samt der Kunstfertigkeit in Indra, die Füße samt der Bewegung in den Windgott, die Geschlechtsteile samt der Lust in Prajāpati.
Wort für Wort
vācam
die Sprache (Akk. Sg.)
agnau
ins Feuer (Lok. Sg.)
sa-vaktavyām
samt dem zu Sagenden (Akk. Sg.)
indre
in Indra (Lok. Sg.)
śilpam
die Kunstfertigkeit, das Handwerk (Akk. Sg.)
karau
die beiden Hände (Akk. Du.)
api
auch
padāni
die Füße (Akk. Pl.)
gatyā
samt der Bewegung, dem Gehen (Instr. Sg.)
vāyasi [?]
in den Windgott [?] (Lok. Sg., Quelle: „vayasi“)
rati-upastham
die Geschlechtsteile samt der Lust (Akk. Sg.)
prajāpatau
in Prajāpati (Lok. Sg.)
[Anm.: Quellanomalie — GRETIL liest hier "vayasi" (hier als Lokativ zu vāyu/Wind gedeutet); in Parallelstellen der Tradition wird die Zuordnung der Füße gelegentlich statt zu Vāyu auch zu Viṣṇu/Urukrama vorgenommen. Ohne Zugriff auf die vedabase-Wortgloss-Tabelle (dauerhaft mit HTTP 429 blockiert) wird hier die naheliegendste, wenigste Zusatzannahmen erfordernde Lesart "Vāyu" gewählt.]
Den After samt der Ausscheidung soll er dem Tod zuweisen, jeweils an den rechten Ort; das Gehör samt dem Klang weise er den Himmelsrichtungen zu; das Tastorgan samt der Berührung dem individuellen Selbst.
Die Formen samt dem Sehvermögen, o König, soll er im Licht [der Sonne] versenken; die Zunge samt dem Geschmack lege er durch Pracetas ins Wasser; den Geruchssinn samt den Riechbarkeiten lege er in die Erde.
Wort für Wort
rūpāṇi
die Formen, Gestalten (Akk. Pl.)
cakṣuṣā
samt dem Sehvermögen (Instr. Sg.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
jyotiṣi
im Licht, in der Sonne (Lok. Sg.)
abhiniveśayet
er soll versenken, eingehen lassen (Kausativ Optativ)
mano manorathaiś candre buddhiṁ bodhyaiḥ kavau pare / karmāṇy adhyātmanā rudre yad ahaṁ mamatā kriyā / sattvena cittaṁ kṣetrajñe guṇair vaikārikaṁ pare
Das Denken samt seinen Wunschbildern lege er in den Mond; die Erkenntniskraft samt den Erkennbaren in den höchsten Seher; die Handlungen samt dem Ich-Bewusstsein in Rudra, dessen Wirken das Ich und Mein hervorbringt; das Bewusstsein samt der Wesenheit in den Feldkenner; das aus Wandlung entstandene [Ich-Bewusstsein] samt seinen Eigenschaften in den Höchsten.
Wort für Wort
manaḥ
das Denken, der Geist (Akk. Sg.)
manaḥ-rathaiḥ
samt den Gedankenwünschen (Instr. Pl.)
candre
im Mond (Lok. Sg.)
buddhim
die Erkenntniskraft, den Intellekt (Akk. Sg.)
bodhyaiḥ
samt den Erkennbaren (Instr. Pl.)
kavau pare
im höchsten Seher (Lok. Sg.)
karmāṇi
die Handlungen (Akk. Pl.)
adhyātmanā
samt dem Ich-Bewusstsein (Instr. Sg.)
rudre
in Rudra (Lok. Sg.)
yat
dessen, welches (Rel.)
aham-mamatā-kriyā
die Ich-und-Mein-erzeugende Wirkung (Nom. Sg.)
sattvena
samt der Wesenheit, dem Sein (Instr. Sg.)
cittam
das Bewusstsein, Denkvermögen (Akk. Sg.)
kṣetrajñe
im Feldkenner [individuellen Selbst] (Lok. Sg.)
guṇaiḥ
samt den [drei] Erscheinungsweisen (Instr. Pl.)
vaikārikam
das aus Wandlung Entstandene [Ahaṅkāra] (Akk. Sg.)
pare
im Höchsten (Lok. Sg.)
[?] Vers besteht aus drei Pādas (im Original als ein Vers gezählt) und enthält stark komprimierte Sāṅkhya-Vedānta-Terminologie; die Konstruktion "yad ahaṁ mamatā kriyā" wurde mit der sparsamsten Deutung (Rudra als Quelle der Ahaṅkāra-Wirkung von Ich und Mein) wiedergegeben.
apsu kṣitim apo jyotiṣy ado vāyau nabhasy amum / kūṭasthe tac ca mahati tad avyakte 'kṣare ca tat
Die Erde löse er ins Wasser auf, das Wasser ins Licht, dieses in die Luft, jenes in den Äther, diesen in das Unveränderliche, dieses in das Große, dieses in das Unentfaltete, dieses in das Unvergängliche.
Nachdem er so das Selbst als das Unvergängliche erkannt hat — als das reine Bewusstsein, das allein übrigbleibt —, verlösche er, nunmehr ungeteilt, wie ein Feuer, dessen Brennstoffquelle verbrannt ist.
Wort für Wort
iti
so, auf diese Weise
akṣaratayā
als das Unvergängliche (Instr. Sg.)
ātmānam
das Selbst (Akk. Sg.)
cit-mātram
reines Bewusstsein allein (Akk. Sg.)
avaśeṣitam
das Übriggebliebene (Akk. Sg., PPP)
jñātvā
nachdem er erkannt hat (Absolutiv)
advayaḥ
der Ungeteilte, Nicht-Zweie (Nom. Sg.)
atha
dann, darauf
viramet
er soll aufhören, verlöschen (Optativ)
dagdha-yoniḥ
dessen Ursprung/Brennstoff verbrannt ist (Nom. Sg.)