Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 196 König Yayāti erlangt die Befreiung

Sanskrit-Text nach der GRETIL-Ausgabe (bhp_09u.htm), da vedabase.io während der Bearbeitung wiederholt mit HTTP 429 (Ratenbegrenzung) blockierte. Deutsche Übersetzung, Wort-für-Wort-Glossen und philologische Analyse eigenständig aus dem Sanskrit erarbeitet.

śrī-śuka uvāca / sa ittham ācaran kāmān straiṇo 'pahnavam ātmanaḥ / buddhvā priyāyai nirviṇṇo gāthām etām agāyata

Śrī Śuka sprach: Als er (Yayāti) auf solche Weise, ganz dem Weib ergeben, seinen Begierden nachging und dabei die Verleugnung seines eigenen Selbst erkannte, wurde er überdrüssig und sang seiner Geliebten dieses Lied.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
saḥ
er
ittham
auf solche Weise
ācaran
handelnd, ausübend
kāmān
Begierden
straiṇaḥ
dem Weib ergeben
apahnavam
die Verleugnung/Verdeckung
ātmanaḥ
des eigenen Selbst
buddhvā
erkennend
priyāyai
zu seiner Geliebten
nirviṇṇaḥ
überdrüssig geworden
gāthām etām
dieses Lied
agāyata
sang er

śṛṇu bhārgavy amūṃ gāthāṃ mad-vidhācaritāṃ bhuvi / dhīrā yasyānuśocanti vane grāma-nivāsinaḥ

Höre, o Tochter Bhṛgus, dieses Lied, die Geschichte eines Mannes meinesgleichen auf Erden, über dessen Schicksal die im Walde weilenden Weisen ebenso wie die Dorfbewohner trauern.

Wort für Wort
śṛṇu
höre
bhārgavi
o Tochter Bhṛgus (Devayānī)
amūm gāthām
dieses Lied
mad-vidhā-caritām
von einem meinesgleichen vollzogen
bhuvi
auf Erden
dhīrāḥ
die Weisen/Standhaften
yasya
über wessen (Schicksal)
anuśocanti
sie trauern
vane
im Wald
grāma-nivāsinaḥ
die Dorfbewohner

Die genaue syntaktische Zuordnung von 'dhīrāḥ ... vane' und 'grāma-nivāsinaḥ' als zwei getrennte, gemeinsam trauernde Gruppen (Waldasketen und Dorfbewohner) ist die wahrscheinlichste, aber nicht völlig sichere Lesart. [?]

basta eko vane kaścid vicinvan priyam ātmanaḥ / dadarśa kūpe patitāṃ sva-karma-vaśagām ajām

Ein einzelner Ziegenbock, der im Wald umherstreifte und nach dem für sich selbst Angenehmen suchte, erblickte eine Ziege, die, der Macht ihres eigenen Karmas unterworfen, in einen Brunnen gefallen war.

Wort für Wort
bastaḥ ekaḥ
ein einzelner Ziegenbock
vane
im Wald
kaścit
irgendein
vicinvan
suchend
priyam ātmanaḥ
das ihm selbst Angenehme
dadarśa
er erblickte
kūpe
in einem Brunnen
patitām
gefallen
sva-karma-vaśagām
der Macht ihres eigenen Karmas unterworfen
ajām
eine Ziege

tasyā uddharaṇopāyaṃ bastaḥ kāmī vicintayan / vyadhatta tīrtham uddhṛtya viṣāṇāgreṇa rodhasī

Der von Begierde erfüllte Ziegenbock, der über ein Mittel nachsann, sie herauszuholen, schuf, indem er mit der Spitze seiner Hörner die Ränder des Brunnens aufgrub, einen Ausstieg.

Wort für Wort
tasyāḥ
für sie
uddharaṇa-upāyam
ein Mittel zur Herausholung
bastaḥ
der Ziegenbock
kāmī
von Begierde erfüllt
vicintayan
nachsinnend
vyadhatta
er schuf
tīrtham
einen Ausstieg/Übergang
uddhṛtya
aufgrabend
viṣāṇa-agreṇa
mit der Spitze der Hörner
rodhasī
die beiden Ränder (des Brunnens)

sottīrya kūpāt suśroṇī tam eva cakame kila / tayā vṛtaṃ samudvīkṣya bahvyo 'jāḥ kānta-kāminīḥ // pīvānaṃ śmaśrulaṃ preṣṭhaṃ mīḍhvāṃsaṃ yābha-kovidam / sa eko 'java-vṛṣas tāsāṃ bahvīnāṃ rati-vardhanaḥ / reme kāma-graha-grasta ātmānaṃ nāvabudhyata

Nachdem die Schönhüftige aus dem Brunnen gestiegen war, begehrte sie fürwahr eben ihn zum Gatten. Als viele andere Ziegen sahen, dass sie ihn erwählt hatte, begehrten auch sie ihn als geliebten Gatten. Er, die eine herausragende Ziegenbulle - kräftig, bärtig, der Liebste, im Samenerguss erfahren, im Beischlaf kundig - der die Lust jener vielen mehrte, ergötzte sich, vom Ergreifer namens Begierde gepackt, und erkannte sein wahres Selbst nicht.

Wort für Wort
sā uttīrya
sie, nachdem sie herausgestiegen war
kūpāt
aus dem Brunnen
su-śroṇī
die Schönhüftige
tam eva
eben ihn
cakame
begehrte sie (als Gatten)
kila
fürwahr
tayā vṛtam
von ihr erwählt
samudvīkṣya
erblickend
bahvyaḥ ajāḥ
viele Ziegen
kānta-kāminīḥ
einen geliebten Gatten begehrend
pīvānam
den kräftigen
śmaśrulam
den bärtigen
preṣṭham
den liebsten
mīḍhvāṃsam
den im Samenerguss Erfahrenen
yābha-kovidam
den im Beischlaf Kundigen
saḥ ekaḥ aja-vṛṣaḥ
er, die eine Ziegenbulle
tāsāṃ bahvīnām
für jene vielen (Ziegen)
rati-vardhanaḥ
der Mehrer der Lust
reme
er ergötzte sich
kāma-graha-grastaḥ
vom Ergreifer namens Begierde gepackt
ātmānam
sein Selbst
na avabudhyata
erkannte er nicht

Verse 5 und 6 bilden im Original zusammen eine grammatisch fortlaufende Einheit und werden daher, wie bei vedabase.io üblich, hier zusammengefasst.

tam eva preṣṭhatamayā ramamāṇam ajānyayā / vilokya kūpa-saṃvignā nāmṛṣyad basta-karma tat

Als die durch den Brunnensturz erschütterte Ziege sah, wie er sich mit einer anderen, ihm allerliebsten Ziege vergnügte, ertrug sie dieses Verhalten des Ziegenbocks nicht.

Wort für Wort
tam eva
eben ihn
preṣṭhatamayā
mit der allerliebsten
ramamāṇam
sich vergnügend
ajānyayā
mit einer anderen Ziege
vilokya
erblickend
kūpa-saṃvignā
die durch den Brunnenfall Erschütterte
na amṛṣyat
sie ertrug nicht
basta-karma tat
dieses Tun des Ziegenbocks

taṃ durhṛdaṃ suhṛd-rūpaṃ kāminaṃ kṣaṇa-sauhṛdam / indriyārāmam utsṛjya svāminaṃ duḥkhitā yayau

Da verließ sie ihn - den Bösherzigen in der Gestalt eines Freundes, den Lüsternen, dessen Freundschaft nur einen Augenblick währte, der nur an der Sinnenbefriedigung Freude fand - und ging bekümmert zu ihrem früheren Herrn.

Wort für Wort
tam
ihn
durhṛdam
den Bösherzigen
suhṛt-rūpam
in der Gestalt eines Freundes
kāminam
den Lüsternen
kṣaṇa-sauhṛdam
dessen Freundschaft nur einen Augenblick währte
indriya-ārāmam
der nur an Sinnenfreude Gefallen fand
utsṛjya
aufgebend, verlassend
svāminam
zu ihrem (früheren) Herrn
duḥkhitā
bekümmert
yayau
sie ging

so 'pi cānugataḥ straiṇaḥ kṛpaṇas tāṃ prasāditum / kurvann iḍa-viḍākāraṃ nāśaknot pathi sandhitum

Auch er, dem Weib ergeben, folgte ihr elend, um sie zu besänftigen; klägliche Laute von sich gebend, vermochte er sie doch auf dem Weg nicht zu versöhnen.

Wort für Wort
saḥ api ca
auch er
anugataḥ
ihr folgend
straiṇaḥ
dem Weib ergeben
kṛpaṇaḥ
elend
tām prasāditum
um sie zu besänftigen
kurvan
machend
iḍa-viḍa-ākāram
kläglich blökende Laute
na aśaknot
er vermochte nicht
pathi
auf dem Weg
sandhitum
zu versöhnen

tasya tatra dvijaḥ kaścid ajā-svāmy acchinad ruṣā / lambantaṃ vṛṣaṇaṃ bhūyaḥ sandadhe 'rthāya yoga-vit

Dort schnitt ihm ein gewisser Brahmane, der Herr der Ziege, im Zorn den herabhängenden Hoden ab; doch dann fügte er ihn, der Yoga-Kundige, zu einem bestimmten Zweck wieder an.

Wort für Wort
tasya
ihm
tatra
dort
dvijaḥ kaścit
irgendein Brahmane
ajā-svāmī
der Herr der Ziege
acchinat
schnitt ab
ruṣā
im Zorn
lambantam vṛṣaṇam
den herabhängenden Hoden
bhūyaḥ
wiederum
sandadhe
er fügte wieder an
arthāya
zu einem (bestimmten) Zweck
yoga-vit
der Yoga-Kundige

Die genaue Bezugsgröße von 'arthāya' (zu wessen Nutzen/Zweck) bleibt im Vers offen. [?]

sambaddha-vṛṣaṇaḥ so 'pi hy ajayā kūpa-labdhayā / kālaṃ bahutithaṃ bhadre kāmair nādyāpi tuṣyati

Fürwahr, o Gütige, selbst er, der Ziegenbock mit dem wieder angefügten Hoden, wird, obwohl er schon lange Zeit mit der aus dem Brunnen gewonnenen Ziege zusammen ist, durch die Erfüllung seiner Begierden bis heute nicht zufrieden.

Wort für Wort
sambaddha-vṛṣaṇaḥ
der mit wieder angefügtem Hoden
saḥ api hi
fürwahr auch er
ajayā kūpa-labdhayā
mit der aus dem Brunnen gewonnenen Ziege
kālam bahutitham
für lange Zeit
bhadre
o Gütige
kāmaiḥ
durch (Erfüllung der) Begierden
na adya api
nicht einmal bis heute
tuṣyati
wird er zufrieden

tathāhaṃ kṛpaṇaḥ subhru bhavatyāḥ prema-yantritaḥ / ātmānaṃ nābhijānāmi mohitas tava māyayā

Ebenso, o Schönbrauige, erkenne auch ich Elender, durch deine Liebe gefesselt und durch deine Trugkraft verblendet, mein wahres Selbst nicht.

Wort für Wort
tathā
ebenso
aham kṛpaṇaḥ
ich Elender
subhru
o Schönbrauige
bhavatyāḥ prema-yantritaḥ
durch deine Liebe gefesselt
ātmānam
das (eigene) Selbst
na abhijānāmi
erkenne ich nicht
mohitaḥ
verblendet
tava māyayā
durch deine Trugkraft

yat pṛthivyāṃ vrīhi-yavaṃ hiraṇyaṃ paśavaḥ striyaḥ / na duhyanti manaḥ-prītiṃ puṃsaḥ kāma-hatasya te

Denn selbst wenn Reis und Gerste, Gold, Vieh und Frauen auf der ganzen Erde vorhanden wären - diese Dinge können für den von Begierde geschlagenen Mann keine wahre Zufriedenheit des Geistes hervorbringen.

Wort für Wort
yat
was (selbst wenn)
pṛthivyām
auf Erden
vrīhi-yavam
Reis und Gerste
hiraṇyam
Gold
paśavaḥ
Vieh
striyaḥ
Frauen
na duhyanti
sie können nicht hervorbringen
manaḥ-prītim
die Zufriedenheit des Geistes
puṃsaḥ kāma-hatasya
für den von Begierde geschlagenen Mann
te
diese (Dinge)

na jātu kāmaḥ kāmānām upabhogena śāṃyati / haviṣā kṛṣṇa-vartmeva bhūya evābhivardhate

Niemals kommt die Begierde durch den Genuss der Objekte der Begierde zur Ruhe; wie das Feuer durch Opferschmalz wächst sie nur immer weiter an.

Wort für Wort
na jātu
niemals
kāmaḥ
die Begierde
kāmānām
der (Objekte der) Begierden
upabhogena
durch Genuss
śāṃyati
kommt zur Ruhe
haviṣā
durch Opferschmalz
kṛṣṇa-vartmā iva
wie das Feuer (der Schwarzspurige)
bhūyaḥ eva
immer weiter
abhivardhate
wächst an

yadā na kurute bhāvaṃ sarva-bhūteṣv amaṅgalam / sama-dṛṣṭes tadā puṃsaḥ sarvāḥ sukha-mayā diśaḥ

Wenn ein Mensch keine unheilvolle Gesinnung mehr gegenüber irgendeinem Wesen hegt, dann sind für diesen Menschen der Gleichsicht alle Richtungen von Glückseligkeit erfüllt.

Wort für Wort
yadā
wenn
na kurute
er nicht hegt
bhāvam
eine Gesinnung
sarva-bhūteṣu
gegenüber allen Wesen
amaṅgalam
unheilvoll
sama-dṛṣṭeḥ
dessen, der Gleichsicht besitzt
tadā
dann
puṃsaḥ
für den Menschen
sarvāḥ diśaḥ
alle Richtungen
sukha-mayāḥ
von Glückseligkeit erfüllt

yā dustyajā durmatibhir jīryato yā na jīryate / tāṃ tṛṣṇāṃ duḥkha-nivahāṃ śarma-kāmo drutaṃ tyajet

Dieses Verlangen, das von den Toren nur schwer aufgegeben wird und das, selbst wenn der Mensch altert, nicht mitaltert - dieses Verlangen, das eine Ansammlung von Leid ist, sollte, wer nach wahrem Glück strebt, rasch aufgeben.

Wort für Wort
yā dustyajā
die (Gier), die schwer aufzugeben ist
durmatibhiḥ
von den Toren
jīryataḥ
während (der Mensch) altert
yā na jīryate
die nicht mitaltert
tām tṛṣṇām
dieses Verlangen
duḥkha-nivahām
das eine Ansammlung von Leid ist
śarma-kāmaḥ
wer nach (wahrem) Glück verlangt
drutam
rasch
tyajet
sollte aufgeben

mātrā svasrā duhitrā vā nāviviktāsano bhavet / balavān indriya-grāmo vidvāṃsam api karṣati

Man sollte nicht mit der Mutter, der Schwester oder der Tochter an einem allzu abgeschiedenen Ort verweilen; denn die mächtige Schar der Sinne zieht selbst den Wissenden in ihren Bann.

Wort für Wort
mātrā
mit der Mutter
svasrā
mit der Schwester
duhitrā vā
oder mit der Tochter
na avivikta-āsanaḥ bhavet
man sollte nicht an einem (zu) abgeschiedenen Ort sitzen
balavān
mächtig
indriya-grāmaḥ
die Schar der Sinne
vidvāṃsam api
selbst den Wissenden
karṣati
zieht (mit sich fort)

pūrṇaṃ varṣa-sahasraṃ me viṣayān sevato 'sakṛt / tathāpi cānusavanaṃ tṛṣṇā teṣūpajāyate

Obwohl ich ein volles Jahrtausend lang unablässig die Sinnesobjekte genossen habe, entsteht dennoch fortwährend neues Verlangen nach ihnen.

Wort für Wort
pūrṇam varṣa-sahasram
ein volles Jahrtausend
me
von mir
viṣayān
die Sinnesobjekte
sevataḥ
während (ich) genoss
asakṛt
unablässig
tathāpi ca
und dennoch
anusavanam
fortwährend
tṛṣṇā
das Verlangen
teṣu
nach diesen
upajāyate
entsteht (immer wieder)

tasmād etām ahaṃ tyaktvā brahmaṇy adhyāya mānasam / nirdvandvo nirahaṅkāraś cariṣyāmi mṛgaiḥ saha

Deshalb werde ich diese Begierde aufgeben, meinen Geist auf das Brahman richten und, frei von den Gegensatzpaaren und frei vom Ich-Bewusstsein, zusammen mit den wilden Tieren umherziehen.

Wort für Wort
tasmāt
deshalb
etām
diese (Begierde)
aham tyaktvā
ich, aufgebend
brahmaṇi
auf das Brahman
adhyāya mānasam
den Geist richtend
nirdvandvaḥ
frei von den Gegensatzpaaren
nirahaṅkāraḥ
frei vom Ich-Bewusstsein
cariṣyāmi
ich werde umherziehen
mṛgaiḥ saha
zusammen mit den (wilden) Tieren

dṛṣṭaṃ śrutam asad buddhvā nānudhyāyen na sandiśet / saṃsṛtiṃ cātma-nāśaṃ ca tatra vidvān sa ātma-dṛk

Wer das Gesehene und das Gehörte als unwirklich erkennt, sollte weder darüber nachsinnen noch sich danach ausrichten; wer darin sowohl den Weltenkreislauf als auch den Verlust des Selbst erkennt, der ist der wahrhaft Wissende, der Selbst-Schauende.

Wort für Wort
dṛṣṭam śrutam
das Gesehene, das Gehörte
asat buddhvā
als unwirklich erkennend
na anudhyāyet
man sollte nicht darüber nachsinnen
na sandiśet
man sollte sich (ihm) nicht zuwenden
saṃsṛtim ca
und den Weltenkreislauf
ātma-nāśam ca
und den Verlust des Selbst
tatra
darin
vidvān
der Wissende
saḥ ātma-dṛk
er, der Selbst-Schauende

ity uktvā nāhuṣo jāyāṃ tadīyaṃ pūrave vayaḥ / dattvā sva-jarasaṃ tasmād ādade vigata-spṛhaḥ

Nachdem er dies zu seiner Gattin gesagt hatte, gab der Sohn des Nahuṣa, nunmehr frei von jeglichem Verlangen, dem Pūru dessen eigene Jugend zurück und nahm sein eigenes Alter von ihm wieder an sich.

Wort für Wort
iti uktvā
so sprechend
nāhuṣaḥ
der Sohn des Nahuṣa (Yayāti)
jāyām
zu (seiner) Gattin
tadīyam vayaḥ
dessen (Pūrus) Jugend
pūrave dattvā
dem Pūru zurückgebend
sva-jarasam
sein eigenes Alter
tasmāt
von ihm
ādade
nahm er wieder an sich
vigata-spṛhaḥ
frei von Verlangen

Bezug auf die frühere Episode, in der Yayāti sein Alter gegen die Jugend seines Sohnes Pūru eingetauscht hatte.

diśi dakṣiṇa-pūrvasyāṃ druhyuṃ dakṣiṇato yadum / pratīcyāṃ turvasuṃ cakra udīcyām anum īśvaram

Er machte Druhyu zum Herrscher im Südosten, Yadu im Süden, Turvasu im Westen und Anu im Norden.

Wort für Wort
diśi dakṣiṇa-pūrvasyām
in der südöstlichen Richtung
druhyum
Druhyu
dakṣiṇataḥ
im Süden
yadum
Yadu
pratīcyām
im Westen
turvasum
Turvasu
cakre
er machte (zum Herrscher)
udīcyām
im Norden
anum īśvaram
Anu zum Herrscher

bhū-maṇḍalasya sarvasya pūrum arhattamaṃ viśām / abhiṣicyāgrajāṃs tasya vaśe sthāpya vanaṃ yayau

Nachdem er Pūru, den Würdigsten unter den Untertanen, zum Herrscher der gesamten Erdenscheibe gesalbt und dessen ältere Brüder unter seine Herrschaft gestellt hatte, ging er in den Wald.

Wort für Wort
bhū-maṇḍalasya sarvasya
der gesamten Erdenscheibe
pūrum
Pūru
arhattamam viśām
den Würdigsten unter den Untertanen
abhiṣicya
salbend (zum König weihend)
agrajān
die älteren Brüder
tasya vaśe
unter dessen Herrschaft
sthāpya
einsetzend
vanam yayau
er ging in den Wald

āsevitaṃ varṣa-pūgān ṣaḍ-vargaṃ viṣayeṣu saḥ / kṣaṇena mumuce nīḍaṃ jāta-pakṣa iva dvijaḥ

Er, der viele Jahre lang die Sechsergruppe der Sinne in Bezug auf die Sinnesobjekte gepflegt hatte, gab sie alle in einem Augenblick auf, wie ein Vogel, dem neue Flügel gewachsen sind, sein Nest verlässt.

Wort für Wort
āsevitam
das (lange) Gepflegte
varṣa-pūgān
viele Jahre lang
ṣaḍ-vargam
die Sechsergruppe (der Sinne)
viṣayeṣu
in Bezug auf die Sinnesobjekte
saḥ
er
kṣaṇena
in einem Augenblick
mumuce
er gab auf
nīḍam
das Nest
jāta-pakṣaḥ
dem neue Flügel gewachsen sind
iva dvijaḥ
wie ein Vogel

'ṣaḍ-varga' bezeichnet die Sechsergruppe der Sinnesorgane samt Geist bzw. der aus ihnen entspringenden Triebe.

sa tatra nirmukta-samasta-saṅga ātmānubhūtyā vidhuta-tri-liṅgaḥ / pare 'male brahmaṇi vāsudeve lebhe gatiṃ bhāgavatīṃ pratītaḥ

Dort, gänzlich von allen Bindungen befreit, hatte er durch die Verwirklichung des Selbst die drei Merkmale der materiellen Natur abgeschüttelt und erlangte, gewiss geworden, in das höchste, makellose Brahman - welches Vāsudeva ist - den Zustand der Erlösung, der den reinen Gottgeweihten zuteilwird.

Wort für Wort
saḥ tatra
er, dort
nirmukta-samasta-saṅgaḥ
von dem alle Bindungen völlig gelöst waren
ātma-anubhūtyā
durch die Verwirklichung des Selbst
vidhuta-tri-liṅgaḥ
der die drei Merkmale (der drei Guṇas) abgeschüttelt hatte
pare amale brahmaṇi
in das höchste, makellose Brahman
vāsudeve
welches Vāsudeva ist
lebhe
er erlangte
gatim bhāgavatīm
den Zustand, der den Gottgeweihten (zuteilwird)
pratītaḥ
gewiss geworden

śrutvā gāthāṃ devayānī mene prastobham ātmanaḥ / strī-puṃsoḥ sneha-vaiklavyāt parihāsam iveritam

Als Devayānī das Lied gehört hatte, hielt sie es für eine bloße Neckerei an ihre eigene Adresse, geäußert wie ein Scherz, entstanden aus der Verwirrung der ehelichen Zuneigung zwischen Mann und Frau.

Wort für Wort
śrutvā gāthām
nachdem sie das Lied gehört hatte
devayānī
Devayānī
mene
sie hielt (es) für
prastobham ātmanaḥ
eine Neckerei an ihre eigene Adresse
strī-puṃsoḥ
zwischen Mann und Frau
sneha-vaiklavyāt
aus der Verwirrung der Zuneigung
parihāsam iva
wie einen Scherz
īritam
ausgesprochen

sā sannivāsaṃ suhṛdāṃ prapāyām iva gacchatām / vijñāyeśvara-tantrāṇāṃ māyā-viracitaṃ prabhoḥ // sarvatra saṅgam utsṛjya svapnaupamyena bhārgavī / kṛṣṇe manaḥ samāveśya vyadhunol liṅgam ātmanaḥ

Sie erkannte, dass das Zusammensein mit Angehörigen nur wie das kurze Beisammensein Reisender an einer Wasserstelle ist - Angehörige, die alle der Herrschaft des Herrn unterworfen sind, und dass dieses Zusammensein durch die Māyā des Herrn bewirkt ist. Da gab Bhārgavī, indem sie alles mit einem Traum verglich, jede Anhaftung überall auf und schüttelte, ihren Geist auf Kṛṣṇa richtend, die feinstoffliche Hülle ihres Selbst ab.

Wort für Wort
sā
sie
sannivāsam suhṛdām
das Zusammensein der Angehörigen
prapāyām iva gacchatām
wie (das Beisammensein) Reisender an einer Wasserstelle
vijñāya
erkennend
īśvara-tantrāṇām
derer, die der Herrschaft des Herrn unterworfen sind
māyā-viracitam
durch (dessen) Trugkraft bewirkt
prabhoḥ
des Herrn
sarvatra saṅgam utsṛjya
jede Anhaftung überall aufgebend
svapna-aupamyena
durch den Vergleich mit einem Traum
bhārgavī
die Tochter Bhṛgus (Devayānī)
kṛṣṇe manaḥ samāveśya
den Geist auf Kṛṣṇa richtend
vyadhunot
sie schüttelte ab
liṅgam ātmanaḥ
die feinstoffliche Hülle des Selbst

Verse 27 und 28 bilden im Original einen zusammenhängenden Satz und werden daher, wie bei vedabase.io üblich, hier zusammengefasst.

namas tubhyaṃ bhagavate vāsudevāya vedhase / sarva-bhūtādhivāsāya śāntāya bṛhate namaḥ

Verehrung dir, dem Erhabenen, Vāsudeva, dem Schöpfer, dem in allen Wesen Wohnenden, dem Friedvollen, dem Großen - Verehrung!

Wort für Wort
namaḥ tubhyam
Verehrung dir
bhagavate
dem Erhabenen
vāsudevāya
Vāsudeva
vedhase
dem Schöpfer/Ordner
sarva-bhūta-adhivāsāya
dem in allen Wesen Wohnenden
śāntāya
dem Friedvollen
bṛhate
dem Großen
namaḥ
Verehrung

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