Kapitel 66: satī-deha-tyāga [?]
Satī gibt ihren Körper auf
Kapiteltitel (Sanskrit) ist aus dem Inhalt erschlossen, da vedabase.io für dieses Kapitel keinen Sanskrit-Kolophon anzeigt; die vedabase-Kapitelüberschrift lautet englisch 'Sati Quits Her Body'.
Maitreya sprach: Nachdem Śaṅkara so viel gesagt hatte, verstummte er, indem er an die Vernichtung des Körpers seiner Gattin in beiderlei Hinsicht dachte. Sie [Satī], begierig, ihre Verwandten zu sehen, doch ängstlich vor Bhava, bald hinausgehend, bald wieder eintretend, war zwiegespalten.
Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya (Nom.) sprach (3.Sg.Perf.)
etāvat
so viel / dermaßen (Adv./Akk.)
uktvā
nachdem gesagt (Absolutiv)
virarāma
er verstummte / hielt inne (3.Sg.Perf. von vi-ram)
śaṅkaraḥ
Śaṅkara [Śiva] (Nom.Sg.)
patni-aṅga-nāśam
die Vernichtung des Körpers der Gattin (Akk.Sg., Kompositum)
hi
denn / da (Partikel)
ubhayatra
auf beiderlei Weise (Adv.)
cintayan
denkend (Part.Präs.Akt., Nom.Sg.m.)
suhṛt-didṛkṣuḥ
begierig, die Verwandten zu sehen (Nom.Sg.f., Desiderativ-Kompositum)
pariśaṅkitā
furchtsam / besorgt (Nom.Sg.f., PPP)
bhavān/bhavāt
vor Bhava [Śiva] (Abl.Sg., textkr. unsicher) [?]
niṣkrāmatī
hinausgehend (Part.Präs., Nom.Sg.f.)
nirviśatī
hineingehend (Part.Präs., Nom.Sg.f.)
dvidhā āsa
war zwiefach / gespalten (Adv. + 3.Sg.Perf. von as)
sā
sie (Nom.Sg.f.)
„bhavān“ im Wortlaut, aber wohl Ablativ „bhavāt“ (von Bhava/Śiva) gemeint, wie die Wortglosse nahelegt [?].
Bekümmert, da ihr Wunsch, die Verwandten zu sehen, vereitelt war, aus Zuneigung weinend, von Tränentropfen sehr überwältigt, blickte Bhavānī [Satī] den Bhava, den Unvergleichlichen, zornerfüllt an, als wollte sie ihn verbrennen, am ganzen Leib zitternd.
Wort für Wort
suhṛt-didṛkṣā-pratighāta
die Vereitelung des Wunsches, die Verwandten zu sehen (Kompositum)
durmanāḥ
missgestimmt / traurig (Nom.Sg.f.)
snehāt
aus Zuneigung (Abl.Sg.)
rudatī
weinend (Part.Präs., Nom.Sg.f.)
aśru-kalā-ativihvalā
von Tränentropfen sehr überwältigt (Nom.Sg.f., Kompositum)
tato viniḥśvasya satī vihāya taṁ
śokena roṣeṇa ca dūyatā hṛdā
pitror agāt straiṇa-vimūḍha-dhīr gṛhān
premṇātmano yo 'rdham adāt satāṁ priyaḥ
Dann, schwer aufseufzend, verließ Satī, deren Verstand durch weibliche Schwäche verwirrt war, mit von Kummer und Zorn gequältem Herzen jenen – der aus Liebe die Hälfte seines eigenen Körpers gegeben hatte und den Heiligen lieb ist – und ging zum Haus ihres Vaters.
Wort für Wort
tataḥ
dann (Adv.)
viniḥśvasya
schwer aufseufzend (Absolutiv)
satī
Satī (Nom.Sg.)
vihāya
verlassend (Absolutiv)
tam
ihn (Akk.Sg.m.)
śokena
durch Kummer (Instr.Sg.)
roṣeṇa
durch Zorn (Instr.Sg.)
ca
und (Partikel)
dūyatā hṛdā
mit gequältem Herzen (Instr.Sg.)
pitroḥ
der Eltern (Gen.Dual)
agāt
sie ging (3.Sg.Aor. von gam)
straiṇa-vimūḍha-dhīḥ
deren Verstand durch weibliches Wesen verwirrt war (Nom.Sg.f., Bahuvrīhi)
Die Gefolgsleute des Dreiäugigen folgten ihr, der allein rasch dahineilenden Satī, zu Tausenden – zusammen mit den Pārṣadas und Yakṣas, angeführt von Maṇimān und Mada, mit dem Stierfürsten voran – eilends und ohne Furcht.
Wort für Wort
tām
sie (Akk.Sg.f.)
anvagacchan
sie folgten (3.Pl.Impf. von anu-gam)
druta-vikramām
rasch dahineilend (Akk.Sg.f., Kompositum)
satīm
Satī (Akk.Sg.)
ekām
allein (Akk.Sg.f.)
tri-netra-anucarāḥ
die Gefolgsleute des Dreiäugigen (Nom.Pl.)
sahasraśaḥ
zu Tausenden (Adv.)
sa-pārṣada-yakṣāḥ
zusammen mit Pārṣadas und Yakṣas (Nom.Pl., Bahuvrīhi)
Nachdem sie Satī auf den Stierfürsten gesetzt hatten, zogen die Gefolgsleute, ausgestattet mit ihrem Singvogel, Ball, Spiegel, Lotus, weißem Sonnenschirm, Fächer, Blumengirlande und dergleichen, unter Gesangbegleitung, mit Pauken, Muschelhörnern und Flöten, dahin.
ābrahma-ghoṣorjita-yajña-vaiśasaṁ
viprarṣi-juṣṭaṁ vibudhaiś ca sarvaśaḥ
mṛd-dārv-ayaḥ-kāñcana-darbha-carmabhir
nisṛṣṭa-bhāṇḍaṁ yajanaṁ samāviśat
Sie betrat den Opferplatz, der überall vom Klang vedischer Hymnen erfüllt und durch das Schlachten der Opfertiere verstärkt war, von brahmanischen Weisen und überall von Weisen besucht, dessen Geräte aus Lehm, Holz, Eisen, Gold, Kuśa-Gras und Fellen bereitet waren.
Wort für Wort
ā-brahma-ghoṣa
überall vom Klang der vedischen Hymnen (Kompositionsglied)
ūrjita-yajña-vaiśasam
verstärkt durch das Schlachten der Opfertiere (Akk.Sg., Kompositum)
vipra-ṛṣi-juṣṭam
von brahmanischen Weisen besucht (Akk.Sg.)
vibudhaiḥ
von den Weisen (Instr.Pl.)
ca
und (Partikel)
sarvaśaḥ
überall (Adv.)
mṛt-dāru-ayaḥ-kāñcana-darbha-carmabhiḥ
mit Lehm, Holz, Eisen, Gold, Kuśa-Gras und Fellen (Instr.Pl.)
tām āgatāṁ tatra na kaścanādriyad
vimānitāṁ yajña-kṛto bhayāj janaḥ
ṛte svasṝr vai jananīṁ ca sādarāḥ
premāśru-kaṇṭhyaḥ pariṣasvajur mudā
Als sie dort ankam, ehrte niemand sie, aus Furcht vor dem Opferherrn wurde sie missachtet – außer ihren Schwestern und ihrer Mutter, die sie ehrfurchtsvoll, mit vor Freudentränen erstickter Kehle, freudig umarmten.
Wort für Wort
tām
sie (Akk.Sg.f.)
āgatām
die Angekommene (Akk.Sg.f., PPP)
tatra
dort (Adv.)
na kaścana
niemand (Nom.Sg.)
ādriyat
er ehrte (3.Sg.Impf. von ā-dṛ)
vimānitām
missachtet (Akk.Sg.f., PPP)
yajña-kṛtaḥ
des Opferveranstalters [Dakṣa] (Gen.Sg.)
bhayāt
aus Furcht (Abl.Sg.)
janaḥ
die Leute (Nom.Sg. koll.)
ṛte
außer (Präp. + Akk.)
svasṝḥ
die Schwestern (Akk.Pl.)
vai
wahrlich (Partikel)
jananīm
die Mutter (Akk.Sg.)
ca
und (Partikel)
sa-ādarāḥ
mit Ehrerbietung (Nom.Pl.)
prema-aśru-kaṇṭhyaḥ
deren Kehlen von Freudentränen erstickt waren (Nom.Pl.f., Bahuvrīhi)
saudarya-sampraśna-samartha-vārtayā
mātrā ca mātṛ-ṣvasṛbhiś ca sādaram
dattāṁ saparyāṁ varam āsanaṁ ca sā
nādatta pitrāpratinanditā satī
Die von ihrem Vater nicht willkommen geheißene Satī nahm die von ihrer Mutter und ihren Tanten ehrfurchtsvoll dargebotene Verehrung, die Geschenke und den Sitz nicht an, obwohl diese mit angemessenen Worten schwesterlicher Begrüßung dargebracht wurden.
Wort für Wort
saudarya-sampraśna-samartha-vārtayā
mit für schwesterliches Grüßen geeigneten Worten (Instr.Sg.)
arudra-bhāgaṁ tam avekṣya cādhvaraṁ
pitrā ca deve kṛta-helanaṁ vibhau
anādṛtā yajña-sadasy adhīśvarī
cukopa lokān iva dhakṣyatī ruṣā
Als sie sah, dass jenes Opfer keinen Anteil für Rudra hatte, und dass ihr Vater dem mächtigen Gott Verachtung erwiesen hatte, und da sie selbst in der Opferversammlung missachtet wurde, wurde die Herrin zornig, wie im Begriff, mit ihrem Zorn die Welten zu verbrennen.
Mit vor Zorn stockender Stimme tadelte die Göttin den Feind Śivas, der stolz war auf die Mühe des Rauchpfades der Opfer, während sie durch ihre eigene Macht die aufgestandenen Geisterscharen zurückhielt, vor den Ohren aller Anwesenden.
Wort für Wort
jagarha
sie tadelte (3.Sg.Perf. von garh)
sa-amarṣa-vipannayā
von Zorn gebrochen (Instr.Sg.f.)
girā
mit Stimme (Instr.Sg.)
śiva-dviṣam
den Śiva-Hasser [Dakṣa] (Akk.Sg.)
dhūma-patha-śrama-smayam
stolz auf die Mühe des Rauchpfades (Akk.Sg., Bahuvrīhi)
Die Göttin sprach: Für den, welcher der Seele allen verkörperten Wesens der Liebste ist, gibt es in der Welt keinen, der ihm übermäßig lieb oder ebenso verhasst wäre. Wer außer dir könnte gegen ihn, der die Seele von allem ist und von aller Feindschaft frei ist, feindselig sein?
Wort für Wort
devī uvāca
die Göttin sprach
na
nicht
yasya
dessen (Gen.Sg.m.)
loke
in der Welt (Lok.Sg.)
asti
es gibt (3.Sg.Präs.)
atiśāyanaḥ
übertreffend / übermäßig (Nom.Sg.m.)
priyaḥ
lieb (Nom.Sg.m.)
tathā
ebenso (Adv.)
apriyaḥ
unlieb / verhasst (Nom.Sg.m.)
deha-bhṛtām
der verkörperten Wesen (Gen.Pl.)
priya-ātmanaḥ
dem die Seele lieb ist (Gen.Sg., Bahuvrīhi)
tasmin
in Bezug auf jenen (Lok.Sg.)
samasta-ātmani
der die Seele von allem ist (Lok.Sg.)
mukta-vairake
der frei von Feindschaft ist (Lok.Sg.)
ṛte
außer (Präp.)
bhavantam
dich (Akk.Sg., Ehrenform)
katamaḥ
wer (von vielen) (Nom.Sg.)
pratīpayet
könnte feindselig sein (3.Sg.Opt.Kaus. von prati-i)
doṣān pareṣāṁ hi guṇeṣu sādhavo
gṛhṇanti kecin na bhavādṛśo dvija
guṇāṁś ca phalgūn bahulīkariṣṇavo
mahattamās teṣv avidad bhavān agham
Manche Rechtschaffene finden zwar, o Zweimalgeborener, Fehler in den guten Eigenschaften anderer – doch nicht solche wie du. Die Größten unter ihnen pflegen vielmehr selbst geringe gute Eigenschaften noch zu vergrößern; du aber hast bei ihm Sünde gefunden.
nāścaryam etad yad asatsu sarvadā
mahad-vinindā kuṇapātma-vādiṣu
serṣyaṁ mahāpūruṣa-pāda-pāṁsubhir
nirasta-tejaḥsu tad eva śobhanam
Nicht verwunderlich ist es, dass unter den Bösen, die den Leichnam für das Selbst halten, stets Verleumdung der Großen geschieht; dass sie aber, deren Glanz durch den Staub der Füße großer Seelen bereits ausgelöscht ist, dies voll Neid tun – eben das ist ihnen wohl angemessen.
Wort für Wort
na
nicht
āścaryam
verwunderlich (Nom.Sg.n.)
etat
dies (Nom.Sg.n.)
yat
dass (Konj.)
asatsu
unter den Bösen (Lok.Pl.)
sarvadā
stets (Adv.)
mahat-vinindā
Verleumdung der Großen (Nom.Sg.)
kuṇapa-ātma-vādiṣu
unter denen, die den Leichnam für das Selbst erklären (Lok.Pl.)
sa-īrṣyam
mit Neid (Adv.)
mahā-pūruṣa-pāda-pāṁsubhiḥ
durch den Staub der Füße großer Seelen (Instr.Pl.)
nirasta-tejaḥsu
unter denen, deren Glanz vernichtet ist (Lok.Pl., Bahuvrīhi)
yad dvy-akṣaraṁ nāma gireritaṁ nṛṇāṁ
sakṛt prasaṅgād agham āśu hanti tat
pavitra-kīrtiṁ tam alaṅghya-śāsanaṁ
bhavān aho dveṣṭi śivaṁ śivetaraḥ
Der Name, der aus zwei Silben besteht, welcher, auch nur einmal beiläufig von der Zunge der Menschen ausgesprochen, sogleich ihre Sünde vernichtet – den, dessen Ruhm rein ist und dessen Gebot unübertretbar ist, den Śiva, hasst du, obwohl du selbst nicht gütig bist, o Wunder!
Wort für Wort
yat
welcher (Rel.Pron.)
dvi-akṣaram
zweisilbig (Nom.Sg.n.)
nāma
Name (Nom.Sg.)
girā
durch die Zunge (Instr.Sg.)
īritam
ausgesprochen (Nom.Sg.n., PPP)
nṛṇām
der Menschen (Gen.Pl.)
sakṛt
einmal (Adv.)
prasaṅgāt
beiläufig (Abl.Sg.)
agham
Sünde (Akk.Sg.)
āśu
sogleich (Adv.)
hanti
vernichtet (3.Sg.Präs.)
tat
dieser (Nom.Sg.n.)
pavitra-kīrtim
dessen Ruhm rein ist (Akk.Sg., Bahuvrīhi)
tam
jenen (Akk.Sg.m.)
alaṅghya-śāsanam
dessen Gebot unübertretbar ist (Akk.Sg., Bahuvrīhi)
Dessen Lotusfüße von den Bienen des Geistes der Großen, die nach dem Nektartrank der Wonne des Brahman verlangen, aufgesucht werden, und der den nach Segen verlangenden Menschen der Welt ihre Wünsche gewährt – gegen den, den Freund des Universums, hegst du Feindschaft.
Wort für Wort
yat-pāda-padmam
dessen Lotusfüße (Bezugswort)
mahatām
der Großen (Gen.Pl.)
manaḥ-alibhiḥ
von den Bienen des Geistes (Instr.Pl.)
niṣevitam
aufgesucht (Nom.Sg.n., PPP)
brahma-rasa-āsava-arthibhiḥ
die nach dem Nektartrank der Brahman-Wonne verlangen (Instr.Pl.)
kiṁ vā śivākhyam aśivaṁ na vidus tvad anye
brahmādayas tam avakīrya jaṭāḥ śmaśāne
tan-mālya-bhasma-nṛkapāly avasat piśācair
ye mūrdhabhir dadhati tac-caraṇāvasṛṣṭam
Oder wissen andere als du, angefangen mit Brahmā, etwa nicht, dass der mit Namen Śiva scheinbar Unheilvolle – der mit zerzausten Haarflechten im Leichenacker weilt, mit Girlande und Asche und Menschenschädel geschmückt, unter Gespenstern wohnend – in Wahrheit der Gütige ist? Sie sind es, die auf ihrem Haupt tragen, was von seinen Füßen herabgefallen ist.
Wort für Wort
kim vā
oder ob (Partikel, rhetorische Frage)
śiva-ākhyam
den mit Namen Śiva (Akk.Sg.)
aśivam
den [scheinbar] Unheilvollen (Akk.Sg.) [?]
na viduḥ
kennen nicht (3.Pl.Präs.)
tvat anye
andere als du (Nom.Pl.)
brahma-ādayaḥ
angefangen mit Brahmā (Nom.Pl.)
tam
ihn (Akk.Sg.)
avakīrya jaṭāḥ
mit zerzausten Haarflechten (Kompositum) [?]
śmaśāne
im Leichenacker (Lok.Sg.)
tat-mālya-bhasma-nṛkapālī
mit dessen Girlande, Asche und Menschenschädel [geschmückt] (Nom.Sg.) [?]
avasat
er weilte (3.Sg.Impf.)
piśācaiḥ
mit den Gespenstern (Instr.Pl.)
ye
die (Nom.Pl., Rel.Pron.)
mūrdhabhiḥ
mit dem Haupt (Instr.Pl.)
dadhati
sie tragen (3.Pl.Präs.)
tat-caraṇa-avasṛṣṭam
das von seinen Füßen Herabgefallene (Akk.Sg.)
Grammatisch sehr dichter, textkritisch schwieriger Vers; Aufteilung der Komposita und genauer Bezug von „aśivam“ unsicher [?].
karṇau pidhāya nirayād yad akalpa īśe
dharmāvitary asṛṇibhir nṛbhir asyamāne
chindyāt prasahya ruśatīm asatīṁ prabhuś
cej jihvām asūn api tato visṛjet sa dharmaḥ
Wenn man, unfähig einzugreifen, sich beide Ohren zuhaltend, davongehen sollte, während der Herr, der Beschützer der Religion, von rücksichtslosen Menschen beschimpft wird; wenn man aber dazu imstande ist, sollte man gewaltsam die schmähende, üble Zunge abschneiden, und wenn nötig sogar das eigene Leben aufgeben – das ist die rechte Pflicht.
Wort für Wort
karṇau
beide Ohren (Akk.Dual)
pidhāya
zuhaltend (Absolutiv)
nirayāt
man sollte weggehen (3.Sg.Opt. von nir-i)
yat
wenn (Konj.)
akalpaḥ
unfähig (Nom.Sg.m.)
īśe
während der Herr (Lok.Sg.Abs.)
dharma-avitari
der Beschützer der Religion (Lok.Sg.)
asṛṇibhiḥ
von rücksichtslosen (Instr.Pl.)
nṛbhiḥ
von Menschen (Instr.Pl.)
asyamāne
während er beschimpft wird (Lok.Sg.Abs., Part.Präs.Pass.)
atas tavotpannam idaṁ kalevaraṁ
na dhārayiṣye śiti-kaṇṭha-garhiṇaḥ
jagdhasya mohād dhi viśuddhim andhaso
jugupsitasyoddharaṇaṁ pracakṣate
Daher werde ich diesen von dir, dem Verächter des Blauhalsigen, hervorgebrachten Körper nicht länger tragen; denn man sagt, dass die Reinigung nach dem versehentlichen Verzehr widerwärtiger Speise im Ausspeien derselben besteht.
na veda-vādān anuvartate matiḥ
sva eva loke ramato mahā-muneḥ
yathā gatir deva-manuṣyayoḥ pṛthak
sva eva dharme na paraṁ kṣipet sthitaḥ
Der Sinn des großen Weisen, der allein in seinem eigenen Selbst Freude findet, folgt nicht notwendig den Lehrmeinungen der Veden – ebenso wie der Weg der Götter und der Menschen jeweils verschieden ist. Wer in seiner eigenen Pflicht fest steht, sollte einen anderen nicht tadeln.
karma pravṛttaṁ ca nivṛttam apy ṛtaṁ
vede vivicyobhaya-liṅgam āśritam
virodhi tad yaugapadaika-kartari
dvayaṁ tathā brahmaṇi karma narcchati
Handeln, das Weltzuwendung fördert, sowie Enthaltung davon – beides ist in den Veden als wahr, unterschieden nach ihren jeweiligen Kennzeichen, dargelegt. Diese beiden Arten von Handeln stehen einander entgegen, wenn sie gleichzeitig einem einzigen Handelnden zukommen sollen; ebenso findet sich dieses zweifache Handeln nicht bei einem im Brahman Gegründeten.
Wort für Wort
karma
Handeln (Nom.Sg.)
pravṛttam
hinwendendes [weltbejahendes] (Nom.Sg.n.)
ca
und
nivṛttam
abwendendes (Nom.Sg.n.)
api
auch (Partikel)
ṛtam
wahr (Nom.Sg.n.)
vede
in den Veden (Lok.Sg.)
vivicya
unterschieden (Absolutiv)
ubhaya-liṅgam
mit beiderlei Kennzeichen (Nom.Sg.n., Bahuvrīhi)
āśritam
dargelegt (Nom.Sg.n., PPP)
virodhi
widersprüchlich (Nom.Sg.n.)
tat
dieses (Nom.Sg.n.)
yaugapada-eka-kartari
bei einem, der beides gleichzeitig verrichtet (Lok.Sg.)
O Vater, jene deine Herrlichkeiten, die von uns Gewöhnlichen nicht erreicht sind – die nicht in den Opferhallen durch die Rauchpfade erlangt werden, nicht von denen gepriesen, die, durch die Speise jener Opfer gesättigt, nur ihr Leben erhalten, sondern deren Merkmal unmanifest ist und die von den Avadhūtas verehrt werden – sind nicht wahrhaft dein Eigen.
Wort für Wort
mā
nicht (poet. Negationspartikel)
vaḥ
deine (Gen.Sg., Ehrenform)
padavyaḥ
Herrlichkeiten / Wege (Nom.Pl.f.)
pitaḥ
o Vater (Vok.Sg.)
asmat-āsthitāḥ
von uns erreicht (Nom.Pl.f.)
yāḥ
die (Rel.Pron. Nom.Pl.f.)
yajña-śālāsu
in den Opferhallen (Lok.Pl.)
na
nicht
dhūma-vartmabhiḥ
durch die Rauchpfade (Instr.Pl.)
tat-anna-tṛptaiḥ
von den durch jene Speise Gesättigten (Instr.Pl.)
asu-bhṛdbhiḥ
von den ihr Leben Erhaltenden (Instr.Pl.)
īḍitāḥ
gepriesen (Nom.Pl.f., PPP)
avyakta-liṅgāḥ
deren Merkmal unmanifest ist (Nom.Pl.f.)
avadhūta-sevitāḥ
von den Avadhūtas verehrt (Nom.Pl.f.)
Sehr elliptischer und textkritisch diskutierter Vers; Satzbezug von „mā ... āsthitāḥ“ unsicher [?].
naitena dehena hare kṛtāgaso
dehodbhavenālam alaṁ kujanmanā
vrīḍā mamābhūt kujana-prasaṅgatas
taj janma dhig yo mahatām avadya-kṛt
Nicht werde ich fortan leben mit diesem Körper, der aus dem Leib von dir entstand, der du gegen Hara eine Untat begangen hast – genug, genug mit dieser niederen Geburt! Scham befiel mich durch die Verbindung mit einem bösen Menschen; verflucht sei jene Geburt, die einen Beleidiger der Großen zum Vater hat!
Wort für Wort
na
nicht
etena dehena
mit diesem Körper (Instr.Sg.)
hare
gegen Hara [Śiva] (Dat.Sg.)
kṛta-āgasaḥ
von dir, der die Untat begangen hat (Gen.Sg.)
deha-udbhavena
der aus deinem Körper entstanden ist (Instr.Sg.n.)
alam alam
genug, genug (Interjektion)
ku-janmanā
mit dieser niederen Geburt (Instr.Sg.)
vrīḍā
Scham (Nom.Sg.)
mama
meine (Gen.Sg.)
abhūt
kam auf (3.Sg.Aor. von bhū)
ku-jana-prasaṅgataḥ
durch die Verbindung mit einem bösen Menschen (Abl.Sg.)
Wenn der erhabene Stierbanner-Träger, sehr betrübt gestimmt, mich unter Nennung deines Geschlechts 'Dākṣāyaṇī' nennt, dabei Scherz und Lächeln sogleich verschwindend – dann werde ich diesen aus deinem Körper entstandenen Leichnam von mir werfen.
Wort für Wort
gotram
Geschlecht (Akk.Sg.)
tvadīyam
dein (Akk.Sg.n.)
bhagavān
der Erhabene (Nom.Sg.)
vṛṣa-dhvajaḥ
der mit dem Stierbanner [Śiva] (Nom.Sg.)
dākṣāyaṇī
Dākṣāyaṇī, Tochter des Dakṣa (Anrede)
iti
so (Zitatpartikel)
āha
er nennt (3.Sg.Perf. von ah)
yadā
wenn (Konj.)
sudurmanāḥ
sehr betrübt (Nom.Sg.m.)
vyapeta-narma-smitam
dessen Scherz und Lächeln verschwunden ist (Adv.)
āśu
sogleich (Adv.)
tadā
dann (Adv.)
aham
ich (Nom.Sg.)
vyutsrakṣye
ich werde von mir werfen (1.Sg.Fut.Med.)
etat
diesen (Akk.Sg.n.)
kuṇapam
Leichnam (Akk.Sg.)
tvat-aṅga-jam
aus deinem Körper entstanden (Akk.Sg.n., Bahuvrīhi)
Maitreya sprach: Nachdem sie so im Opferareal zu Dakṣa gesprochen hatte, o Feindevernichter, setzte sie sich, nun schweigend, auf den Boden, nach Norden gewandt; nachdem sie Wasser berührt hatte und in ein gelbes Gewand gehüllt war, schloss sie die Augen und trat in den Pfad des Yoga ein.
Nachdem sie, die den Sitz gemeistert hatte, den Prāṇa- und den Apāna-Atem in Gleichgewicht gebracht hatte, und den Udāna-Atem vom Kreis des Nabels emporgehoben hatte, brachte die Makellose ihn langsam mit ihrem Geist zum Herzen, von dort zur Brust, und führte ihn von der Kehle zur Mitte der Augenbrauen empor.
Wort für Wort
kṛtvā
gemacht habend (Absolutiv)
samānau
im Gleichgewicht (Akk.Dual)
anilau
die beiden Atemströme [Prāṇa, Apāna] (Akk.Dual)
jita-āsanā
die den Sitz gemeistert hat (Nom.Sg.f., Bahuvrīhi)
So, im Begriff, aus Zorn auf Dakṣa ihren eigenen Körper aufzugeben – der wiederholt und ehrfürchtig vom Größten der Großen auf den Schoß gehoben worden war –, hielt die Willensstarke in ihren Gliedern die Fixierung auf Luft und Feuer aufrecht.
Dann, über den Nektar der Lotusfüße ihres eigenen Gatten, des Lehrers des Universums, meditierend und an nichts anderes denkend, sah Satī nichts anderes mehr; ihr Körper, dessen Verunreinigungen vernichtet waren, entflammte sogleich durch das im Trance entstandene Feuer.
Wort für Wort
tataḥ
dann (Adv.)
sva-bhartuḥ
ihres eigenen Gatten (Gen.Sg.)
caraṇa-ambuja-āsavam
den Nektar der Lotusfüße (Akk.Sg.)
jagat-guroḥ
des Lehrers der Welt (Gen.Sg.)
cintayatī
meditierend (Nom.Sg.f., Part.Präs.)
na ca aparam
und nichts anderes (Akk.Sg.n.)
dadarśa
sie sah (3.Sg.Perf. von dṛś)
dehaḥ
Körper (Nom.Sg.)
hata-kalmaṣaḥ
dessen Verunreinigungen vernichtet waren (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
satī
Satī (Nom.Sg.)
sadyaḥ
sogleich (Adv.)
prajajvāla
er entflammte (3.Sg.Perf. von pra-jval)
samādhi-ja-agninā
durch das aus der Meditation entstandene Feuer (Instr.Sg.)
tat paśyatāṁ khe bhuvi cādbhutaṁ mahad
hā heti vādaḥ sumahān ajāyata
hanta priyā daivatamasya devī
jahāv asūn kena satī prakopitā
Während die Wesen am Himmel und auf Erden dies Wunderbare und Gewaltige sahen, erhob sich ein gewaltiger Aufschrei „Ach! Ach!“. Wehe! Die von wem erzürnte Satī, die Geliebte des erhabensten Gottes, hat ihr Leben aufgegeben!
Ach, seht die große Herzlosigkeit dieses Prajāpati, dessen Nachkommen im weiteren Sinn alle beweglichen und unbeweglichen Wesen sind: Satī, seine eigene, von ihm missachtete Tochter, die Willensstarke, die doch stets Ehre verdient hätte, hat ihr Leben aufgegeben!
Wort für Wort
aho
ach! (Interjektion)
anātmyam
Herzlosigkeit (Akk.Sg.n.)
mahat
groß (Akk.Sg.n.)
asya
dieses (Gen.Sg.m.)
paśyata
seht! (2.Pl.Imp. von paś)
prajāpateḥ
des Prajāpati [Dakṣa] (Gen.Sg.)
yasya
dessen (Gen.Sg.)
cara-acaram
das Bewegliche und Unbewegliche (Nom.Sg.n.)
prajāḥ
Nachkommenschaft (Nom.Pl.)
jahau
sie gab auf (3.Sg.Perf.)
asūn
das Leben (Akk.Pl.)
yat-vimatā-ātma-jā
die von ihm missachtete eigene Tochter (Nom.Sg.f., Bahuvrīhi)
so 'yaṁ durmarṣa-hṛdayo brahma-dhruk ca
loke 'pakīrtiṁ mahatīm avāpsyati
yad-aṅgajāṁ svāṁ puruṣa-dviḍ udyatāṁ
na pratyaṣedhan mṛtaye 'parādhataḥ
Dieser Dakṣa, hartherzig und ein Verräter am Brahman, wird großen Schimpf in der Welt erlangen, weil er, der Feind dieses Mannes, seine eigene Tochter, die sich zum Tod anschickte, wegen seiner eigenen Vergehen nicht vom Tod abhielt.
Während die Leute so sprachen, nachdem sie das wundersame Aufgeben des Lebens durch Satī gesehen hatten, erhoben sich Śivas Gefolgsleute mit erhobenen Waffen, um Dakṣa zu töten.
Als der erhabene Bhṛgu ihren heranstürmenden Ansturm bemerkte, brachte er im südlichen Opferfeuer mit einer die Zerstörer des Opfers zerstörenden vedischen Hymne ein Opfer dar.
Wort für Wort
teṣām
von ihnen (Gen.Pl.)
āpatatām
die heranstürmten (Gen.Pl., Part.Präs.)
vegam
den Ansturm (Akk.Sg.)
niśāmya
bemerkend (Absolutiv)
bhagavān
der Erhabene (Nom.Sg.)
bhṛguḥ
Bhṛgu (Nom.Sg.)
yajña-ghna-ghnena
mit der die Opferzerstörer zerstörenden (Instr.Sg.)
Während der Adhvaryu-Priester die Opferung vollzog, erschienen mit Kraft die Götter, genannt Ṛbhus, die durch Askese den Soma-Rang erlangt hatten, zu Tausenden.
Wort für Wort
adhvaryuṇā
durch den Adhvaryu-Priester (Instr.Sg.)
hūyamāne
während geopfert wurde (Lok.Sg.Abs., Part.Präs.Pass.)
tair alātāyudhaiḥ sarve
pramathāḥ saha-guhyakāḥ
hanyamānā diśo bhejur
uśadbhir brahma-tejasā
Von jenen, mit brennenden Feuerscheiten als Waffen ausgerüstet und von deren leuchtender brahmanischer Kraft geschlagen, flohen alle Pramathas zusammen mit den Guhyakas in verschiedene Richtungen.