Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 19: śrī-śukāgamanam Die Ankunft Śrī Śukas

Parīkṣit, im Wissen um den nahenden Tod durch Takṣakas Biss, erkennt in der Fluchtat des Brahmanenknaben eine gerechte Fügung für seine eigene frühere Verfehlung und beschließt, unter Aufgabe von Reich und Körper am Ufer der Gaṅgā das Fasten bis zum Tod (prāyopaveśa) anzutreten (V.1-8). Zahlreiche große Weise versammeln sich dort (V.9-19), und der junge, gottgleiche Śukadeva Gosvāmī, der Sohn Vyāsas, erscheint unerwartet in der Gestalt eines von Weltlichem losgelösten Asketen (V.20-31). Parīkṣit begrüßt ihn ehrfürchtig und stellt ihm die entscheidende Frage nach der rechten Pflicht eines Sterbenden — was zu hören, zu tun, zu erinnern und zu verehren sei (V.32-39). Śukas Antwort, mit der die eigentliche Erzählung des Bhāgavata-Purāṇa beginnt, folgt im nächsten Kapitel.

sūta uvāca mahī-patis tv atha tat-karma garhyaṁ vicintayann ātma-kṛtaṁ sudurmanāḥ aho mayā nīcam anārya-vat kṛtaṁ nirāgasi brahmaṇi gūḍha-tejasi

Sūta sprach: Der Herr der Erde [Parīkṣit] aber, über jene tadelnswerte, von ihm selbst begangene Tat nachsinnend, war überaus betrübten Sinnes: „Ach, Niederträchtiges habe ich getan, wie ein Unedler, an einem schuldlosen Brahmanen, dessen Macht verborgen ist.“

Wort für Wort
sūta uvāca
Sūta sprach
mahī-patiḥ tu atha
der Herr der Erde aber, da/nun
tat-karma garhyam
jene tadelnswerte Tat
vicintayan ātma-kṛtam
nachsinnend, von sich selbst getan
su-durmanāḥ
überaus betrübten Sinnes
aho
ach!
mayā nīcam anārya-vat kṛtam
von mir Niederträchtiges wie ein Unedler getan
nirāgasi brahmaṇi
an dem schuldlosen Brahmanen
gūḍha-tejasi
dessen Glanz/Macht verborgen ist

dhruvaṁ tato me kṛta-deva-helanād duratyayaṁ vyasanaṁ nāti-dīrghāt tad astu kāmaṁ hy agha-niṣkṛtāya me yathā na kuryāṁ punar evam addhā

Gewiss wird mich, weil ich einen Gottgleichen missachtet habe, bald ein unüberwindliches Unglück ereilen, nicht nach langer Zeit. Nun, das sei mir willkommen zur Tilgung meiner Sünde, auf dass ich dergleichen wahrlich nie wieder tue.

Wort für Wort
dhruvam tataḥ
gewiss deshalb
me kṛta-deva-helanāt
durch die von mir begangene Missachtung eines Gottgleichen
duratyayam vyasanam
ein unüberwindliches Unglück
na ati-dīrghāt
nicht nach langer Zeit
tat astu kāmam hi
das sei denn gern [gewährt]
agha-niṣkṛtāya me
zur Tilgung meiner Sünde
yathā na kuryām punar evam addhā
auf dass ich dergleichen wahrlich nie wieder tue

adyaiva rājyaṁ balam ṛddha-kośaṁ prakopita-brahma-kulānalo me dahatv abhadrasya punar na me 'bhūt pāpīyasī dhīr dvija-deva-gobhyaḥ

Noch heute möge das Feuer der von mir erzürnten Brahmanenfamilie mein Königreich, meine Macht und meine angewachsene Schatzkammer verbrennen — des Unheilvollen [wie ich es bin] —, auf dass mir nie wieder ein so sündiger Gedanke gegen Brahmanen, Götter und Kühe entstehe.

Wort für Wort
adya eva
noch heute
rājyam balam ṛddha-kośam me
mein Königreich, meine Macht, meine angewachsene Schatzkammer
prakopita-brahma-kula-analaḥ
das Feuer der erzürnten Brahmanenfamilie
dahatu abhadrasya
möge verbrennen des Unheilvollen [meines]
punaḥ na me abhūt
nie mehr soll mir entstehen
pāpīyasī dhīḥ
ein sündigerer Gedanke
dvija-deva-gobhyaḥ
gegen Brahmanen, Götter, Kühe

sa cintayann ittham athāśṛṇod yathā muneḥ sutokto nirṛtis takṣakākhyaḥ sa sādhu mene na cireṇa takṣakā- nalaṁ prasaktasya virakti-kāraṇam

So denkend, vernahm er, dass vom Sohn des Weisen das Verderben namens Takṣaka verkündet worden war. Er hielt es für gut, dass binnen kurzer Zeit das Gift des Takṣaka für den [an der Welt] Gebundenen zur Ursache der Entsagung werden würde.

Wort für Wort
sa cintayan ittham
er, solchermaßen denkend
atha aśṛṇot
da vernahm er
yathā muneḥ sutoktaḥ
dass vom Sohn des Weisen verkündet
nirṛtiḥ takṣaka-ākhyaḥ
das Verderben, Takṣaka genannt
sa sādhu mene
er hielt es für gut
na cireṇa
binnen kurzer Zeit
takṣaka-analam
das Gift/Feuer des Takṣaka
prasaktasya virakti-kāraṇam
für den Gebundenen die Ursache der Entsagung

atho vihāyemam amuṁ ca lokaṁ vimarśitau heyatayā purastāt kṛṣṇāṅghri-sevām adhimanyamāna upāviśat prāyam amartya-nadyām

So gab er, da beide — diese und jene Welt — schon zuvor als verwerflich erkannt waren, sie auf, und den Dienst an Kṛṣṇas Füßen höher schätzend, setzte er sich zum Fasten bis zum Tod am unsterblichen Fluss [der Gaṅgā] nieder.

Wort für Wort
atho vihāya
so denn aufgebend
imam amum ca lokam
diese und jene Welt
vimarśitau heyatayā purastāt
beide zuvor als verwerflich erwogen
kṛṣṇa-aṅghri-sevām adhimanyamānaḥ
den Dienst an Kṛṣṇas Füßen höher schätzend
upāviśat prāyam
setzte er sich zum Fasten bis zum Tod nieder
amartya-nadyām
am unsterblichen Fluss

yā vai lasac-chrī-tulasī-vimiśra- kṛṣṇāṅghri-reṇv-abhyadhikāmbu-netrī punāti lokān ubhayatra seśān kas tāṁ na seveta mariṣyamāṇaḥ

Wer, der im Sterben begriffen ist, sollte jenem [Fluss] nicht dienen, der, mit dem glänzenden Staub von Kṛṣṇas Füßen und der schönen Tulasī vermischt, ein noch vorzüglicheres Wasser führt und die Welten in beiderlei Hinsicht [diesseits und jenseits] samt ihren Herren reinigt?

Wort für Wort
yā vai
die fürwahr
lasat-śrī-tulasī-vimiśra-kṛṣṇa-aṅghri-reṇu
mit dem glänzenden, mit Tulasī vermischten Staub von Kṛṣṇas Füßen
abhyadhika-ambu-netrī
die vorzüglicheres Wasser führt
punāti lokān ubhayatra sa-īśān
reinigt die Welten beiderseits samt ihren Herren
kaḥ tām na seveta mariṣyamāṇaḥ
wer, im Sterben begriffen, sollte ihr nicht dienen

iti vyavacchidya sa pāṇḍaveyaḥ prāyopaveśaṁ prati viṣṇu-padyām dadhau mukundāṅghrim ananya-bhāvo muni-vrato mukta-samasta-saṅgaḥ

So entschlossen, richtete jener Nachkomme der Pāṇḍavas im Hinblick auf das Fasten bis zum Tod am [Fluss aus] Viṣṇus Fuß seinen Geist mit ungeteilter Gesinnung auf Mukundas Füße, das Gelübde eines Weisen befolgend, von aller Bindung befreit.

Wort für Wort
iti vyavacchidya
so entscheidend/festlegend
sa pāṇḍaveyaḥ
jener Nachkomme der Pāṇḍavas
prāyopaveśam prati
im Hinblick auf das Fasten bis zum Tod
viṣṇu-padyām
am [Fluss aus] Viṣṇus Fuß
dadhau mukunda-aṅghrim
richtete auf Mukundas Füße
ananya-bhāvaḥ
mit ungeteilter Gesinnung
muni-vrataḥ
das Gelübde eines Weisen befolgend
mukta-samasta-saṅgaḥ
von aller Bindung befreit

tatropajagmur bhuvanaṁ punānā mahānubhāvā munayaḥ sa-śiṣyāḥ prāyeṇa tīrthābhigamāpadeśaiḥ svayaṁ hi tīrthāni punanti santaḥ

Dorthin kamen die Weisen samt ihren Schülern, jene, die die Welt reinigen, von großer Erhabenheit, meist unter dem Vorwand, Pilgerstätten aufzusuchen — denn die Heiligen reinigen ja selbst die Pilgerstätten [durch ihre Anwesenheit].

Wort für Wort
tatra upajagmuḥ
dorthin kamen
bhuvanam punānāḥ
die die Welt reinigen
mahā-anubhāvāḥ munayaḥ sa-śiṣyāḥ
die erhabenen Weisen samt Schülern
prāyeṇa tīrtha-abhigama-apadeśaiḥ
meist unter dem Vorwand, Pilgerstätten aufzusuchen
svayam hi tīrthāni punanti santaḥ
denn die Guten reinigen selbst die Pilgerstätten

atrir vasiṣṭhaś cyavanaḥ śaradvān ariṣṭanemir bhṛgur aṅgirāś ca parāśaro gādhi-suto 'tha rāma utathya indrapramadedhmavāhau medhātithir devala ārṣṭiṣeṇo bhāradvājo gautamaḥ pippalādaḥ maitreya aurvaḥ kavaṣaḥ kumbhayonir dvaipāyano bhagavān nāradaś ca

Atri, Vasiṣṭha, Cyavana, Śaradvān, Ariṣṭanemi, Bhṛgu und Aṅgiras, Parāśara und der Sohn des Gādhi [Viśvāmitra], sodann Rāma, Utathya, Indrapramada und Idhmavāha, Medhātithi, Devala, Ārṣṭiṣeṇa, Bhāradvāja, Gautama, Pippalāda, Maitreya, Aurva, Kavaṣa, der aus dem Wasserkrug Geborene [Agastya], Dvaipāyana [Vyāsa] und der erhabene Nārada —

Wort für Wort
atriḥ vasiṣṭhaḥ cyavanaḥ śaradvān
Atri, Vasiṣṭha, Cyavana, Śaradvān
ariṣṭanemiḥ bhṛguḥ aṅgirāḥ ca
Ariṣṭanemi, Bhṛgu und Aṅgiras
parāśaraḥ gādhi-sutaḥ atha rāma
Parāśara, der Sohn des Gādhi, sodann Rāma
utathyaḥ indrapramada-idhmavāhau
Utathya, Indrapramada und Idhmavāha
medhātithiḥ devalaḥ ārṣṭiṣeṇaḥ
Medhātithi, Devala, Ārṣṭiṣeṇa
bhāradvājaḥ gautamaḥ pippalādaḥ
Bhāradvāja, Gautama, Pippalāda
maitreyaḥ aurvaḥ kavaṣaḥ kumbhayoniḥ
Maitreya, Aurva, Kavaṣa, der Krugentsprossene
dvaipāyanaḥ bhagavān nāradaḥ ca
Dvaipāyana und der erhabene Nārada

[Anm.: Zwei Verse, die eine reine Namensaufzählung der versammelten Weisen bilden; die Identität einzelner Namen (etwa 'Rāma' = Paraśurāma, 'Kumbhayoniḥ' = Agastya) folgt der allgemein bekannten Tradition, ist aber aus dem Text selbst nicht beweisbar.]

anye ca devarṣi-brahmarṣi-varyā rājarṣi-varyā aruṇādayaś ca nānārṣeya-pravarān sametān abhyarcya rājā śirasā vavande

Und andere, die vortrefflichsten unter den Götter- und Brahmanenweisen, die vortrefflichsten Königsweisen, Aruṇa und andere — die versammelten Vorzüglichsten verschiedener Weisengeschlechter verehrend, verneigte sich der König mit dem Haupt vor ihnen.

Wort für Wort
anye ca
und andere
devarṣi-brahmarṣi-varyāḥ
die vortrefflichsten Götter- und Brahmanenweisen
rājarṣi-varyāḥ aruṇa-ādayaḥ ca
die vortrefflichsten Königsweisen, Aruṇa und andere
nānā-ārṣeya-pravarān sametān
die versammelten Vorzüglichsten verschiedener Weisengeschlechter
abhyarcya rājā śirasā vavande
verehrend verneigte sich der König mit dem Haupt

sukhopaviṣṭeṣv atha teṣu bhūyaḥ kṛta-praṇāmaḥ sva-cikīrṣitaṁ yat vijñāpayām āsa vivikta-cetā upasthito 'gre 'bhigṛhīta-pāṇiḥ

Als sie sich nun bequem niedergelassen hatten, verneigte er sich abermals und teilte, mit geklärtem Sinn vor ihnen stehend, mit gefalteten Händen mit, was er selbst zu tun beabsichtigte.

Wort für Wort
sukha-upaviṣṭeṣu atha teṣu
als sie nun bequem Platz genommen hatten
bhūyaḥ kṛta-praṇāmaḥ
abermals eine Verneigung ausführend
sva-cikīrṣitam yat
was er selbst zu tun beabsichtigte
vijñāpayām āsa
teilte er mit
vivikta-cetāḥ
mit geklärtem Sinn
upasthitaḥ agre abhigṛhīta-pāṇiḥ
vor ihnen stehend, mit gefalteten Händen

rājovāca aho vayaṁ dhanyatamā nṛpāṇāṁ mahattamānugrahaṇīya-śīlāḥ rājñāṁ kulaṁ brāhmaṇa-pāda-śaucād dūrād visṛṣṭaṁ bata garhya-karma

Der König sprach: Ach, wir sind die Gesegnetsten unter den Königen, von einer Wesensart, die der Gnade der Größten würdig ist — [ist doch] das Geschlecht der Könige durch die Reinheit an den Füßen der Brahmanen das tadelnswerte Handeln, ach, weit von sich gewiesen.

Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
aho vayam dhanyatamāḥ nṛpāṇām
ach, wir sind die Gesegnetsten der Könige
mahattama-anugrahaṇīya-śīlāḥ
von einer der Gnade der Größten würdigen Wesensart
rājñām kulam
das Geschlecht der Könige
brāhmaṇa-pāda-śaucāt
durch die Reinheit der Brahmanenfüße
dūrāt visṛṣṭam bata garhya-karma
weit von sich gewiesen, ach, das tadelnswerte Handeln

[?: Die genaue syntaktische Verbindung von 'dūrād visṛṣṭam' — ob das Königsgeschlecht selbst das Unrecht 'von sich weist' oder ob es 'von der Sünde befreit wird' — bleibt im Kompositum offen.]

tasyaiva me 'ghasya parāvareśo vyāsakta-cittasya gṛheṣv abhīkṣṇam nirveda-mūlo dvija-śāpa-rūpo yatra prasakto bhayam āśu dhatte

Für eben diese meine Sünde — da mein Geist beständig an häusliche Dinge gebunden war — hat der Herr über Höheres und Niederes mir, dem [an weltlichen Dingen] Verhafteten, rasch Furcht verliehen, in Gestalt eines Brahmanenfluches, dessen Wurzel [heilsame] Ernüchterung ist.

Wort für Wort
tasya eva me aghasya
für eben diese meine Sünde
parāvareśaḥ
der Herr über Höheres und Niederes
vyāsakta-cittasya gṛheṣu abhīkṣṇam
dessen Geist beständig an häusliche Dinge gebunden war
nirveda-mūlaḥ dvija-śāpa-rūpaḥ
in Gestalt eines Brahmanenfluches, dessen Wurzel Ernüchterung ist
yatra prasaktaḥ bhayam āśu dhatte
dem Verhafteten verleiht er rasch Furcht

[?: Die genaue Konstruktion — wer/was 'prasaktaḥ' ist und worauf sich 'yatra' bezieht — lässt mehrere Lesarten zu; hier als Bezug auf den an häusliche Bindung verhafteten König gedeutet.]

taṁ mopayātaṁ pratiyantu viprā gaṅgā ca devī dhṛta-cittam īśe dvijopasṛṣṭaḥ kuhakas takṣako vā daśatv alaṁ gāyata viṣṇu-gāthāḥ

Mich, der ich [zu euch] gekommen bin, meinen Geist auf den Herrn gerichtet, mögen die Brahmanen und die göttliche Gaṅgā annehmen. Mag der vom Brahmanensohn entsandte, trügerische Takṣaka mich nur beißen — singt die Lieder von Viṣṇu!

Wort für Wort
tam mā upayātam
mich, der ich gekommen bin
pratiyantu viprāḥ
mögen die Brahmanen aufnehmen
gaṅgā ca devī
und die göttliche Gaṅgā
dhṛta-cittam īśe
den Geist auf den Herrn gerichtet
dvija-upasṛṣṭaḥ kuhakaḥ takṣakaḥ vā
der vom Brahmanensohn entsandte, trügerische Takṣaka
daśatu alam
er möge nur zubeißen
gāyata viṣṇu-gāthāḥ
singt die Lieder Viṣṇus

punaś ca bhūyād bhagavaty anante ratiḥ prasaṅgaś ca tad-āśrayeṣu mahatsu yāṁ yām upayāmi sṛṣṭiṁ maitry astu sarvatra namo dvijebhyaḥ

Und wiederum möge mir Zuneigung zum unendlichen Herrn und Umgang mit den Großen, die bei ihm Zuflucht suchen, zuteilwerden, in welche Geburt auch immer ich eingehen mag; Wohlwollen sei überall, Verehrung den Brahmanen!

Wort für Wort
punaḥ ca bhūyāt
und wiederum möge werden
bhagavati anante ratiḥ
Zuneigung zum unendlichen Herrn
prasaṅgaḥ ca tad-āśrayeṣu mahatsu
und Umgang mit den bei ihm Zuflucht suchenden Großen
yām yām upayāmi sṛṣṭim
in welche Geburt auch immer ich eingehe
maitrī astu sarvatra
Wohlwollen sei überall
namaḥ dvijebhyaḥ
Verehrung den Brahmanen

iti sma rājādhyavasāya-yuktaḥ prācīna-mūleṣu kuśeṣu dhīraḥ udaṅ-mukho dakṣiṇa-kūla āste samudra-patnyāḥ sva-suta-nyasta-bhāraḥ

So verweilte der standhafte König, von Entschlossenheit erfüllt, nachdem er die Last [des Reiches] seinem eigenen Sohn übergeben hatte, auf Kuśagras mit ostwärts gerichteten Wurzeln, das Antlitz nach Norden gewandt, am Südufer des Flusses, der Gattin des Ozeans [der Gaṅgā].

Wort für Wort
iti sma rājā adhyavasāya-yuktaḥ
so [verweilte] der König, von Entschlossenheit erfüllt
prācīna-mūleṣu kuśeṣu dhīraḥ
der Standhafte auf ostwärts wurzelndem Kuśagras
udak-mukhaḥ dakṣiṇa-kūle āste
das Antlitz nach Norden, verweilte er am Südufer
samudra-patnyāḥ
des Flusses, der Gattin des Ozeans
sva-suta-nyasta-bhāraḥ
die Last seinem eigenen Sohn übergeben habend

evaṁ ca tasmin nara-deva-deve prāyopaviṣṭe divi deva-saṅghāḥ praśasya bhūmau vyakiran prasūnair mudā muhur dundubhayaś ca neduḥ

Und so, als jener Gott unter den Königen sich zum Fasten bis zum Tod niedergesetzt hatte, lobpreisten die Scharen der Götter im Himmel [ihn] und bestreuten die Erde mit Blüten, und vor Freude ertönten wiederholt die [himmlischen] Kesselpauken.

Wort für Wort
evam ca tasmin nara-deva-deve
und so, als jener Gott unter den Königen
prāyopaviṣṭe
sich zum Fasten bis zum Tod niedergesetzt hatte
divi deva-saṅghāḥ praśasya
die Götterscharen im Himmel lobpreisend
bhūmau vyakiran prasūnaiḥ
bestreuten die Erde mit Blüten
mudā muhuḥ dundubhayaḥ ca neduḥ
vor Freude ertönten wiederholt die Kesselpauken

maharṣayo vai samupāgatā ye praśasya sādhv ity anumodamānāḥ ūcuḥ prajānugraha-śīla-sārā yad uttama-śloka-guṇābhirūpam

Die großen Weisen, die dort versammelt waren, lobten [ihn] und, „wohlgetan!“ billigend, sprachen sie — sie, deren Wesenskern die Gnade gegenüber den Geschöpfen ist — was der Herrlichkeit des Hochgepriesenen [Viṣṇus] angemessen war.

Wort für Wort
mahā-ṛṣayaḥ vai samupāgatāḥ ye
die großen Weisen, die dort versammelt waren
praśasya sādhu iti anumodamānāḥ
lobend, 'wohlgetan!' billigend
ūcuḥ
sprachen
prajā-anugraha-śīla-sārāḥ
deren Wesenskern die Gnade gegenüber den Geschöpfen ist
yat uttama-śloka-guṇa-abhirūpam
was der Herrlichkeit des Hochgepriesenen angemessen war

na vā idaṁ rājarṣi-varya citraṁ bhavatsu kṛṣṇaṁ samanuvrateṣu ye 'dhyāsanaṁ rāja-kirīṭa-juṣṭaṁ sadyo jahur bhagavat-pārśva-kāmāḥ

Dies, o Vortrefflichster der Königsweisen, ist bei euch, die ihr Kṛṣṇa nachfolgt, wahrlich nicht verwunderlich — bei denen, die den von Königskronen besuchten Thron sogleich verlassen haben, aus Verlangen nach der Nähe des Herrn.

Wort für Wort
na vā idam rājarṣi-varya citram
dies ist, o Vortrefflichster der Königsweisen, wahrlich nicht verwunderlich
bhavatsu kṛṣṇam samanuvrateṣu
bei euch, die ihr Kṛṣṇa nachfolgt
ye adhyāsanam rāja-kirīṭa-juṣṭam
die den von Königskronen besuchten Thron
sadyaḥ jahuḥ bhagavat-pārśva-kāmāḥ
sogleich verlassen haben, aus Verlangen nach der Nähe des Herrn

sarve vayaṁ tāvad ihāsmahe 'tha kalevaraṁ yāvad asau vihāya lokaṁ paraṁ virajaskaṁ viśokaṁ yāsyaty ayaṁ bhāgavata-pradhānaḥ

Wir alle wollen nun solange hier verweilen, bis dieser Vorzüglichste unter den Gottgeweihten, seinen Körper aufgebend, zur höchsten, staublosen, leidlosen Welt eingehen wird.

Wort für Wort
sarve vayam tāvat iha āsmahe atha
wir alle wollen nun solange hier verweilen
kalevaram yāvat asau vihāya
solange bis dieser seinen Körper aufgibt
lokam param virajaskam viśokam
zur höchsten, staublosen, leidlosen Welt
yāsyati ayam bhāgavata-pradhānaḥ
wird dieser Vorzüglichste unter den Gottgeweihten eingehen

āśrutya tad ṛṣi-gaṇa-vacaḥ parīkṣit samaṁ madhu-cyud guru cāvyalīkam ābhāṣatainān abhinandya yuktān śuśrūṣamāṇaś caritāni viṣṇoḥ

Nachdem er jene gleichermaßen honigsüßen, gewichtigen und wahrhaftigen Worte der Schar der Weisen vernommen hatte, hieß Parīkṣit sie, die Geeigneten, willkommen und sprach zu ihnen, begierig, von den Taten Viṣṇus zu hören.

Wort für Wort
āśrutya tat ṛṣi-gaṇa-vacaḥ
jene Worte der Weisenschar vernommen habend
parīkṣit samam madhu-cyut guru ca avyalīkam
Parīkṣit — gleichermaßen honigsüß, gewichtig und wahrhaftig
ābhāṣata enān abhinandya yuktān
sprach zu ihnen, den Geeigneten, sie willkommen heißend
śuśrūṣamāṇaḥ caritāni viṣṇoḥ
begierig zuzuhören von den Taten Viṣṇus

samāgatāḥ sarvata eva sarve vedā yathā mūrti-dharās tri-pṛṣṭhe nehātha nāmutra ca kaścanārtha ṛte parānugraham ātma-śīlam

Allesamt von überallher versammelt, wie die Veden in verkörperter Gestalt [an höchster Stätte thronend], habt ihr weder hier noch dort irgendein [eigennütziges] Anliegen außer der Gnade gegenüber anderen, die euer ureigenes Wesen ist.

Wort für Wort
samāgatāḥ sarvataḥ eva sarve
allesamt von überallher versammelt
vedāḥ yathā mūrti-dharāḥ tri-pṛṣṭhe
wie die Veden in verkörperter Gestalt am höchsten Ort
na iha atha na amutra ca kaścana arthaḥ
weder hier noch dort irgendein Anliegen
ṛte parānugraham ātma-śīlam
außer der Gnade gegenüber anderen, die euer Wesen ist

[?: 'Tri-pṛṣṭhe' — wörtlich 'auf dem dreifachen Rücken' — bezeichnet wohl den höchsten Himmelsbereich oberhalb der drei Welten; die genaue kosmologische Referenz bleibt unsicher.]

tataś ca vaḥ pṛcchyam imaṁ vipṛcche viśrabhya viprā iti kṛtyatāyām sarvātmanā mriyamāṇaiś ca kṛtyaṁ śuddhaṁ ca tatrāmṛśatābhiyuktāḥ

Und deshalb frage ich euch, o Brahmanen, dieses vertrauensvoll: was in Bezug auf das zu Tuende [zu tun] ist, und was die reine, [rechte] Pflicht derer ist, die mit ganzer Seele im Sterben liegen — darüber möget ihr, Vertiefte, urteilen.

Wort für Wort
tataḥ ca vaḥ pṛcchyam imam vipṛcche
und deshalb frage ich euch dieses, was zu erfragen ist
viśrabhya viprāḥ
vertrauensvoll, o Brahmanen
iti kṛtyatāyām
in Bezug auf das, was zu tun ist
sarva-ātmanā mriyamāṇaiḥ ca kṛtyam śuddham ca
und was die reine Pflicht der mit ganzer Seele Sterbenden ist
tatra āmṛśata abhiyuktāḥ
darüber möget ihr Vertieften urteilen

[?: Der genaue syntaktische Aufbau dieses Verses ist stark komprimiert; die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Lesart der Frage nach der Sterbepflicht (kṛtya).]

tatrābhavad bhagavān vyāsa-putro yadṛcchayā gām aṭamāno 'napekṣaḥ alakṣya-liṅgo nija-lābha-tuṣṭo vṛtaś ca bālair avadhūta-veṣaḥ

Dort erschien der erhabene Sohn des Vyāsa, nach eigenem Belieben über die Erde wandernd, unabhängig, dessen [wahre] Kennzeichen nicht erkennbar waren, zufrieden mit dem, was ihm von selbst zufiel, umgeben von Kindern, in der Erscheinung eines von allen Bindungen Losgelösten.

Wort für Wort
tatra abhavat bhagavān vyāsa-putraḥ
dort erschien der erhabene Sohn des Vyāsa
yadṛcchayā gām aṭamānaḥ anapekṣaḥ
nach eigenem Belieben über die Erde wandernd, unabhängig
alakṣya-liṅgaḥ nija-lābha-tuṣṭaḥ
dessen Kennzeichen unerkennbar, zufrieden mit dem, was ihm zufiel
vṛtaḥ ca bālaiḥ avadhūta-veṣaḥ
umgeben von Kindern, in der Erscheinung eines Losgelösten

taṁ dvyaṣṭa-varṣaṁ su-kumāra-pāda- karoru-bāhv-aṁsa-kapola-gātram cārv-āyatākṣonnasa-tulya-karṇa- subhrv-ānanaṁ kambu-sujāta-kaṇṭham

Ihn, sechzehn Jahre alt, mit zarten Füßen, Händen, Schenkeln, Armen, Schultern, Wangen und Gliedern, mit schönen, weiten Augen, erhabener Nase, ebenmäßigen Ohren, schönen Brauen und Antlitz, mit einem muschelgleichen, wohlgeformten Hals —

Wort für Wort
tam dvi-aṣṭa-varṣam
ihn, sechzehn Jahre alt
su-kumāra-pāda-kara-uru-bāhu-aṁsa-kapola-gātram
mit zarten Füßen, Händen, Schenkeln, Armen, Schultern, Wangen, Gliedern
cāru-āyata-akṣa-unnasa-tulya-karṇa
mit schönen weiten Augen, erhabener Nase, ebenmäßigen Ohren
su-bhrū-ānanam kambu-sujāta-kaṇṭham
mit schönen Brauen, Antlitz, muschelgleichem wohlgeformtem Hals

nigūḍha-jatruṁ pṛthu-tuṅga-vakṣasam āvarta-nābhiṁ vali-valgūdaraṁ ca dig-ambaraṁ vaktra-vikīrṇa-keśaṁ pralamba-bāhuṁ svamarottamābham

— mit verborgenen Schlüsselbeinen, breiter, erhabener Brust, eingezogenem Nabel, einem von Falten anmutig gezierten Bauch, unbekleidet, mit über das Antlitz fallenden Haaren, mit langen, herabhängenden Armen, von einem Glanz wie der vorzüglichste der Unsterblichen.

Wort für Wort
nigūḍha-jatrum pṛthu-tuṅga-vakṣasam
mit verborgenen Schlüsselbeinen, breiter erhabener Brust
āvarta-nābhim vali-valgu-udaram ca
mit eingezogenem Nabel und einem von Falten anmutig gezierten Bauch
dik-ambaram vaktra-vikīrṇa-keśam
unbekleidet, mit über das Antlitz fallenden Haaren
pralamba-bāhum sva-amara-uttama-ābham
mit langen Armen, von einem Glanz wie der Vorzüglichste der Unsterblichen

śyāmaṁ sadāpīvya-vayo-'ṅga-lakṣmyā strīṇāṁ mano-jñaṁ rucira-smitena pratyutthitās te munayaḥ svāsanebhyas tal-lakṣaṇa-jñā api gūḍha-varcasam

[Ihn,] dunkel von Hautfarbe, durch die stets liebliche Schönheit seines Alters und seiner Glieder und durch sein anmutiges Lächeln das Herz der Frauen gewinnend, [ihn,] dessen Glanz verborgen war — vor ihm erhoben sich jene Weisen von ihren eigenen Sitzen, obwohl sie um seine [wahren] Merkmale wussten.

Wort für Wort
śyāmam
dunkel von Hautfarbe
sadā-apīvya-vayaḥ-aṅga-lakṣmyā
durch die stets liebliche Schönheit von Alter und Gliedern
strīṇām manojñam rucira-smitena
das Herz der Frauen gewinnend durch anmutiges Lächeln
pratyutthitāḥ te munayaḥ sva-āsanebhyaḥ
jene Weisen erhoben sich von ihren eigenen Sitzen
tat-lakṣaṇa-jñāḥ api gūḍha-varcasam
obwohl sie um seine Merkmale wussten, [ihn] dessen Glanz verborgen war

sa viṣṇu-rāta atithaya āgatāya tasmai saparyāṁ śirasājahāra tato nivṛttā hy abudhāḥ striyo 'rbhakā mahāsane sopaviveśa pūjitaḥ

Jener von Viṣṇu Beschützte [Parīkṣit] brachte ihm, dem als Gast Gekommenen, mit dem Haupt [sich verneigend] Ehrerbietung dar; daraufhin zogen sich die unwissenden Frauen und Kinder zurück, und er [Śuka] setzte sich, geehrt, auf dem großen Sitz nieder.

Wort für Wort
sa viṣṇu-rātaḥ
jener von Viṣṇu Beschützte
atithaye āgatāya tasmai saparyām
dem als Gast Gekommenen die Ehrerbietung
śirasā ājahāra
brachte er mit dem Haupt dar
tataḥ nivṛttāḥ hi abudhāḥ striyaḥ arbhakāḥ
daraufhin zogen sich die unwissenden Frauen und Kinder zurück
mahāsane sa upaviveśa pūjitaḥ
auf dem großen Sitz setzte er sich, geehrt, nieder

sa saṁvṛtas tatra mahān mahīyasāṁ brahmarṣi-rājarṣi-devarṣi-saṅghaiḥ vyarocatālaṁ bhagavān yathendur graharkṣa-tārā-nikaraiḥ parītaḥ

Er, der Erhabene, Größte unter den Großen, dort umgeben von den Scharen der Brahmanen-, Königs- und Götterweisen, erstrahlte sehr, wie der Mond, umgeben von der Menge der Planeten, Sternbilder und Sterne.

Wort für Wort
sa saṁvṛtaḥ tatra mahān mahīyasām
er, umgeben dort, der Große unter den Großen
brahmarṣi-rājarṣi-devarṣi-saṅghaiḥ
von den Scharen der Brahmanen-, Königs- und Götterweisen
vyarocata alam bhagavān
erstrahlte sehr der Erhabene
yathā induḥ graha-ṛkṣa-tārā-nikaraiḥ parītaḥ
wie der Mond, umgeben von der Menge der Planeten, Sternbilder, Sterne

praśāntam āsīnam akuṇṭha-medhasaṁ muniṁ nṛpo bhāgavato 'bhyupetya praṇamya mūrdhnāvahitaḥ kṛtāñjalir natvā girā sūnṛtayānvapṛcchat

Der gottgeweihte König näherte sich dem ruhevoll sitzenden Weisen, dessen Weisheit unerschöpflich war, verneigte sich andächtig mit dem Haupt, und mit gefalteten Händen sich neigend, befragte er ihn mit sanfter, wahrhaftiger Stimme.

Wort für Wort
praśāntam āsīnam akuṇṭha-medhasam munim
den ruhevoll sitzenden Weisen, dessen Weisheit unerschöpflich ist
nṛpaḥ bhāgavataḥ abhyupetya
der gottgeweihte König sich nähernd
praṇamya mūrdhnā avahitaḥ kṛta-añjaliḥ
sich verneigend mit dem Haupt, andächtig, mit gefalteten Händen
natvā girā sūnṛtayā anvapṛcchat
sich neigend befragte er mit sanfter Stimme

parīkṣid uvāca aho adya vayaṁ brahman sat-sevyāḥ kṣatra-bandhavaḥ kṛpayātithi-rūpeṇa bhavadbhis tīrthakāḥ kṛtāḥ

Parīkṣit sprach: Ach, o Brahmane, heute sind wir, bloße Kṣatriyas, die eigentlich den Guten dienen sollten, von dir aus Gnade, in Gestalt eines Gastes, zu Pilgerstätten gemacht worden.

Wort für Wort
parīkṣit uvāca
Parīkṣit sprach
aho adya vayam brahman
ach, heute [sind] wir, o Brahmane
sat-sevyāḥ kṣatra-bandhavaḥ
bloße Kṣatriyas, die den Guten dienen sollten
kṛpayā atithi-rūpeṇa
aus Gnade, in Gestalt eines Gastes
bhavadbhiḥ tīrthakāḥ kṛtāḥ
von dir zu Pilgerstätten gemacht

yeṣāṁ saṁsmaraṇāt puṁsāṁ sadyaḥ śuddhyanti vai gṛhāḥ kiṁ punar darśana-sparśa- pāda-śaucāsanādibhiḥ

Durch deren bloße Erinnerung allein werden die Häuser der Menschen sogleich gereinigt — wieviel mehr [dann] durch ihr Erblicken, Berühren, das Waschen ihrer Füße, das Anbieten eines Sitzes und dergleichen!

Wort für Wort
yeṣām saṁsmaraṇāt puṁsām
durch deren bloße Erinnerung der Menschen
sadyaḥ śuddhyanti vai gṛhāḥ
werden sogleich fürwahr die Häuser gereinigt
kim punaḥ
wieviel mehr dann
darśana-sparśa-pāda-śauca-āsana-ādibhiḥ
durch Erblicken, Berühren, Fußwaschung, Sitzanbieten und dergleichen

sānnidhyāt te mahā-yogin pātakāni mahānty api sadyo naśyanti vai puṁsāṁ viṣṇor iva suretarāḥ

Durch deine bloße Gegenwart, o großer Yogin, vergehen selbst große Sünden der Menschen sogleich — so wie durch [die Gegenwart] Viṣṇus die Nicht-Götter [vergehen].

Wort für Wort
sānnidhyāt te mahā-yogin
durch deine Gegenwart, o großer Yogin
pātakāni mahānti api
selbst große Sünden
sadyaḥ naśyanti vai puṁsām
vergehen sogleich fürwahr der Menschen
viṣṇoḥ iva sura-itarāḥ
wie [durch] Viṣṇu die Nicht-Götter

api me bhagavān prītaḥ kṛṣṇaḥ pāṇḍu-suta-priyaḥ paitṛ-ṣvaseya-prīty-arthaṁ tad-gotrasyātta-bāndhavaḥ

Ist mir wohl der erhabene Kṛṣṇa gewogen, der den Söhnen des Pāṇḍu lieb ist, der um der Liebe zum Sohn seiner Vaterschwester [Arjuna] willen die Verwandtschaft mit dessen Geschlecht angenommen hat?

Wort für Wort
api me bhagavān prītaḥ
ist mir der Erhabene wohl gewogen
kṛṣṇaḥ pāṇḍu-suta-priyaḥ
Kṛṣṇa, den Söhnen des Pāṇḍu lieb
paitṛ-ṣvaseya-prīti-artham
um der Liebe zum Sohn der Vaterschwester willen
tad-gotrasya ātta-bāndhavaḥ
der die Verwandtschaft mit dessen Geschlecht angenommen hat

[Anm.: 'Paitṛ-ṣvaseya' bezeichnet den Sohn der Schwester des eigenen Vaters — Kuntī war die Schwester Vasudevas, sodass die Pāṇḍavas Kṛṣṇas Cousins mütterlicherseits (über seinen Vater) sind.]

anyathā te 'vyakta-gater darśanaṁ naḥ kathaṁ nṛṇām nitarāṁ mriyamāṇānāṁ saṁsiddhasya vanīyasaḥ

Andernfalls, wie sollte für uns Menschen, die wir geradewegs im Sterben liegen, das Erblicken deiner, dessen Wandel unergründlich ist, des Vollendeten, des am meisten Ersehnten, [überhaupt] geschehen?

Wort für Wort
anyathā te avyakta-gateḥ
andernfalls deiner, dessen Wandel unergründlich ist
darśanam naḥ katham nṛṇām
wie [sollte] das Erblicken für uns Menschen [geschehen]
nitarām mriyamāṇānām
die geradewegs im Sterben liegen
saṁsiddhasya vanīyasaḥ
des Vollendeten, des am meisten Ersehnten

ataḥ pṛcchāmi saṁsiddhiṁ yogināṁ paramaṁ gurum puruṣasyeha yat kāryaṁ mriyamāṇasya sarvathā

Deshalb frage ich dich, o Vollendung der Yogīs, o höchster Lehrer, was für einen Menschen hier zu tun ist, der ganz und gar im Sterben liegt.

Wort für Wort
ataḥ pṛcchāmi
deshalb frage ich
saṁsiddhim yogīnām paramam gurum
o Vollendung der Yogīs, o höchster Lehrer
puruṣasya iha yat kāryam
was für einen Menschen hier zu tun ist
mriyamāṇasya sarvathā
der ganz und gar im Sterben liegt

yac chrotavyam atho japyaṁ yat kartavyaṁ nṛbhiḥ prabho smartavyaṁ bhajanīyaṁ vā brūhi yad vā viparyayam

Was zu hören, was zu murmeln [rezitieren], was von Menschen zu tun ist, o Herr, was zu erinnern oder zu verehren ist — sprich, oder auch, was das Gegenteil davon [zu Meidende] ist.

Wort für Wort
yat śrotavyam atho japyam
was zu hören und was zu murmeln ist
yat kartavyam nṛbhiḥ prabho
was von Menschen zu tun ist, o Herr
smartavyam bhajanīyam vā
was zu erinnern oder zu verehren ist
brūhi yat vā viparyayam
sprich, oder auch was das Gegenteil ist

nūnaṁ bhagavato brahman gṛheṣu gṛha-medhinām na lakṣyate hy avasthānam api go-dohanaṁ kvacit

Gewiss, o Erhabener, o Brahmane, wird dein Verweilen in den Häusern der Haushälter nirgends bemerkt, nicht einmal für die Dauer, die man braucht, um eine Kuh zu melken.

Wort für Wort
nūnam bhagavataḥ brahman
gewiss, o Erhabener, o Brahmane
gṛheṣu gṛha-medhinām
in den Häusern der Haushälter
na lakṣyate hi avasthānam
wird ja kein Verweilen bemerkt
api go-dohanam kvacit
auch nur für die Dauer eines Kuhmelkens, irgendwo

sūta uvāca evam ābhāṣitaḥ pṛṣṭaḥ sa rājñā ślakṣṇayā girā pratyabhāṣata dharma-jño bhagavān bādarāyaṇiḥ

Sūta sprach: So angesprochen und mit sanfter Stimme vom König befragt, antwortete er, der alle Dharma kennende, erhabene Sohn des Bādarāyaṇa [Śuka].

Wort für Wort
sūta uvāca
Sūta sprach
evam ābhāṣitaḥ pṛṣṭaḥ
so angesprochen [und] befragt
sa rājñā ślakṣṇayā girā
er, vom König mit sanfter Stimme
pratyabhāṣata dharma-jñaḥ
antwortete der Dharma-Kundige
bhagavān bādarāyaṇiḥ
der erhabene Sohn des Bādarāyaṇa

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