Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 36: vidura-praśna-anuvṛttiḥ Weitere Fragen Viduras

Skandha 3, Adhyāya 7. Quelle: vedabase.io, individuell verifizierte Einzelverse (1-42, keine vom Quelltext ausgewiesenen Gruppierungen). Vidura fragt, wie mit dem unveränderlichen, von den Guṇas freien Erhabenen dennoch Eigenschaften, Taten und ein Spiel der Schöpfung verbunden sein können, ohne dass ihm Leid oder Unglück zukäme (V.1-7); Maitreya antwortet mit dem Gleichnis vom zitternden Mondbild im Wasser: die scheinbare Verkehrung des Selbst ist Māyā, die durch Bhakti-Yoga zum Verschwinden gebracht wird (V.8-14); nach Viduras Eingeständnis fortbestehender Zweifel und der Bitte um hingebungsvollen Dienst (V.15-20) leitet Maitreya zur Fortsetzung der kosmogonischen Erzählung über, indem er den tausendgliedrigen Puruṣa/Virāṭ erwähnt (V.21-23); Vidura stellt daraufhin einen ausführlichen Fragenkatalog zur weiteren Schöpfung: Manvantaras und Prajāpatis, Erd- und Himmelswelten, Tierarten und Entstehungsweisen, Guṇa-Inkarnationen, Stände und Lebensstufen, Opfer, Yoga, Sāṅkhya, häretische Pfade, die vier Lebensziele, Totenriten, Zeitrechnung, sowie die Ursachen von Wissen, Hingabe und Entsagung, mit dem abschließenden Diktum, dass das Gewähren von Furchtlosigkeit für Lebewesen alle Veden, Opfer und Askese an Verdienst übertrifft (V.24-42).

evaṁ bruvāṇaṁ maitreyaṁ dvaipāyana-suto budhaḥ prīṇayann iva bhāratyā viduraḥ pratyabhāṣata

[Śrī Śuka sprach:] Vidura, der weise Sohn Dvaipāyanas, antwortete dem so sprechenden Maitreya, ihn gleichsam mit seiner Rede erfreuend.

Wort für Wort
evaṁ bruvāṇaṁ maitreyam
dem so sprechenden Maitreya
dvaipāyana-sutaḥ budhaḥ viduraḥ
Vidura, der weise Sohn Dvaipāyanas
prīṇayann iva bhāratyā
gleichsam erfreuend mit [seiner] Rede
pratyabhāṣata
antwortete

brahman kathaṁ bhagavataś cin-mātrasyāvikāriṇaḥ līlayā cāpi yujyeran nirguṇasya guṇāḥ kriyāḥ

[Vidura sprach:] Oh Brahmane, wie können mit dem Erhabenen, der reines Bewusstsein und unveränderlich ist, auch durch sein Spiel Eigenschaften und Taten verbunden sein, obwohl er jenseits der Guṇas steht?

Wort für Wort
brahman
oh Brahmane
katham bhagavataḥ cin-mātrasya avikāriṇaḥ
wie [können] des Erhabenen, der reines Bewusstsein und unveränderlich ist
līlayā ca api yujyeran
auch durch [sein] Spiel verbunden sein
nirguṇasya guṇāḥ kriyāḥ
die Eigenschaften und Taten dessen, der jenseits der Guṇas ist

krīḍāyām udyamo 'rbhasya kāmaś cikrīḍiṣānyataḥ svatas-tṛptasya ca kathaṁ nivṛttasya sadānyataḥ

Das Bemühen im Spiel ist typisch für ein Kind, und der Wunsch zu spielen entsteht aus einem anderen Motiv - doch wie kann dies für den gelten, der von sich aus immer schon erfüllt und stets von allem anderen abgewandt ist?

Wort für Wort
krīḍāyām udyamaḥ arbhasya
das Bemühen im Spiel [ist typisch] für ein Kind
kāmaḥ cikrīḍiṣā anyataḥ
der Wunsch zu spielen entsteht aus einem anderen [Grund]
svataḥ-tṛptasya ca katham
doch wie für den, der von sich aus erfüllt ist
nivṛttasya sadā anyataḥ
der stets von allem anderen abgewandt ist

asrākṣīd bhagavān viśvaṁ guṇa-mayyātma-māyayā tayā saṁsthāpayaty etad bhūyaḥ pratyapidhāsyati

Der Erhabene erschuf das Universum durch seine aus den Guṇas bestehende eigene Māyā; durch sie erhält er es, und wird es wiederum in sich zurückziehen.

Wort für Wort
asrākṣīt bhagavān viśvam
der Erhabene erschuf das Universum
guṇa-mayyā ātma-māyayā
durch seine aus den Guṇas bestehende eigene Māyā
tayā saṁsthāpayati etat
durch sie erhält er es
bhūyaḥ pratyapidhāsyati
und wird es wieder verbergen

deśataḥ kālato yo 'sāv avasthātaḥ svato 'nyataḥ aviluptāvabodhātmā sa yujyetājayā katham

Wie könnte er, der unberührt von Ort, Zeit, äußerem Zustand, von sich selbst und von anderem ist, dessen Wesen ungetrübtes Bewusstsein ist, überhaupt mit der Ungeborenen [Māyā] verbunden sein?

Wort für Wort
deśataḥ kālataḥ
von Ort und Zeit her
yaḥ asau avasthātaḥ svataḥ anyataḥ
der [unberührt] von Zustand, von sich selbst, von anderem
avilupta-avabodha-ātmā
dessen Wesen ungetrübtes Bewusstsein ist
saḥ yujyeta ajayā katham
wie könnte er mit der Ungeborenen verbunden sein

bhagavān eka evaiṣa sarva-kṣetreṣv avasthitaḥ amuṣya durbhagatvaṁ vā kleśo vā karmabhiḥ kutaḥ

Der Erhabene, dieser Eine allein, ist in allen Körper-Feldern gegenwärtig - woher käme denn sein Unglück oder sein durch Taten bedingtes Leid?

Wort für Wort
bhagavān ekaḥ eva eṣaḥ
der Erhabene, dieser Eine allein
sarva-kṣetreṣu avasthitaḥ
in allen Feldern gegenwärtig
amuṣya durbhagatvam vā
dessen Unglück
kleśaḥ vā karmabhiḥ kutaḥ
oder Leid durch Taten, woher

etasmin me mano vidvan khidyate 'jñāna-saṅkaṭe tan naḥ parāṇuda vibho kaśmalaṁ mānasaṁ mahat

In dieser Frage, oh Wissender, leidet mein Geist in der Enge des Unwissens; vertreibe, oh Allmächtiger, diese große Verwirrung meines Geistes von uns.

Wort für Wort
etasmin me manaḥ vidvan
in dieser [Frage], oh Wissender, mein Geist
khidyate ajñāna-saṅkaṭe
leidet in der Enge des Unwissens
tat naḥ parāṇuda vibho
das vertreibe von uns, oh Allmächtiger
kaśmalam mānasam mahat
die große Verwirrung des Geistes

sa itthaṁ coditaḥ kṣattrā tattva-jijñāsunā muniḥ pratyāha bhagavac-cittaḥ smayann iva gata-smayaḥ

[Śrī Śuka sprach:] So von Kṣattā, dem nach der Wahrheit Fragenden, angesprochen, antwortete der Weise Maitreya, dessen Geist auf den Erhabenen gerichtet war, gleichsam lächelnd, obwohl frei von jeglichem Stolz.

Wort für Wort
saḥ ittham coditaḥ kṣattrā
er, so angesprochen von Kṣattā
tattva-jijñāsunā muniḥ
von dem nach der Wahrheit Fragenden, der Weise
pratyāha bhagavat-cittaḥ
antwortete, dessen Geist auf den Erhabenen gerichtet war
smayan iva gata-smayaḥ
gleichsam lächelnd, frei von Stolz

seyaṁ bhagavato māyā yan nayena virudhyate īśvarasya vimuktasya kārpaṇyam uta bandhanam

[Maitreya sprach:] Eben dies ist die Māyā des Erhabenen, wodurch der Logik scheinbar widersprochen wird, wenn dem Herrscher, dem von Natur aus ewig Befreiten, Elend oder Bindung zugeschrieben wird.

Wort für Wort
sā iyam bhagavataḥ māyā
eben dies ist die Māyā des Erhabenen
yat nayena virudhyate
wodurch [scheinbar] der Logik widersprochen wird
īśvarasya vimuktasya
des Herrschers, des Befreiten
kārpaṇyam uta bandhanam
Elend oder Bindung [zuzuschreiben]

yad arthena vināmuṣya puṁsa ātma-viparyayaḥ pratīyata upadraṣṭuḥ sva-śiraś chedanādikaḥ

So wie ohne wirklichen Grund beim träumenden Zuschauer eine Verkehrung seines Selbst wahrgenommen wird - wie etwa das Abschneiden des eigenen Kopfes und dergleichen im Traum -

Wort für Wort
yat arthena vinā
wie ohne [wirklichen] Grund
amuṣya puṁsaḥ ātma-viparyayaḥ
die Verkehrung des Selbst dieses Menschen
pratīyate upadraṣṭuḥ
wahrgenommen wird beim Zuschauer
sva-śiraḥ chedana-ādikaḥ
das Abschneiden des eigenen Kopfes und dergleichen

yathā jale candramasaḥ kampādis tat-kṛto guṇaḥ dṛśyate 'sann api draṣṭur ātmano 'nātmano guṇaḥ

- so wie im Wasser das Zittern des gespiegelten Mondes, eine durch dieses Wasser hervorgerufene, obwohl in Wirklichkeit nicht vorhandene Eigenschaft erscheint - ebenso erscheint beim Sehenden eine scheinbare Eigenschaft des Selbst, die in Wahrheit nicht zum Selbst gehört.

Wort für Wort
yathā jale candramasaḥ kampa-ādiḥ
so wie im Wasser das Zittern usw. des Mondes
tat-kṛtaḥ guṇaḥ dṛśyate
eine durch dieses verursachte Eigenschaft erscheint
asan api
obwohl nicht vorhanden
draṣṭuḥ ātmanaḥ anātmanaḥ guṇaḥ
eine Eigenschaft des Selbst des Sehenden, die nicht zum Selbst gehört

sa vai nivṛtti-dharmeṇa vāsudevānukampayā bhagavad-bhakti-yogena tirodhatte śanair iha

Eben dies wird durch die Praxis der Entsagung, durch Vāsudevas Gnade, durch den Yoga der Hingabe an den Erhabenen hier allmählich zum Verschwinden gebracht.

Wort für Wort
saḥ vai nivṛtti-dharmeṇa
eben dies durch die Praxis der Entsagung
vāsudeva-anukampayā
durch die Gnade Vāsudevas
bhagavat-bhakti-yogena
durch den Yoga der Hingabe an den Erhabenen
tirodhatte śanaiḥ iha
allmählich hier zum Verschwinden gebracht

yadendriyoparāmo 'tha draṣṭrātmani pare harau vilīyante tadā kleśāḥ saṁsuptasyeva kṛtsnaśaḥ

Wenn dann das Aufhören der Sinne eintritt im höchsten Selbst, dem Sehenden innewohnenden höchsten Hari, dann lösen sich die Leiden vollständig auf, wie bei einem tief Schlafenden.

Wort für Wort
yadā indriya-uparāmaḥ atha
wenn das Aufhören der Sinne eintritt
draṣṭṛ-ātmani pare harau
im höchsten Selbst, dem Sehenden innewohnend, im höchsten Hari
vilīyante tadā kleśāḥ
lösen sich dann die Leiden auf
saṁsuptasya iva kṛtsnaśaḥ
wie bei einem tief Schlafenden, vollständig

aśeṣa-saṅkleśa-śamaṁ vidhatte guṇānuvāda-śravaṇaṁ murāreḥ kiṁ vā punas tac-caraṇāravinda-parāga-sevā-ratir ātma-labdhā

Schon das Hören der Lobpreisung der Eigenschaften Murāris [Kṛṣṇas] bewirkt das Erlöschen aller Leiden - wie viel mehr erst die aus dem Selbst gewonnene Freude am Dienst am Blütenstaub seiner Lotosfüße?

Wort für Wort
aśeṣa-saṅkleśa-śamam vidhatte
bewirkt das Erlöschen aller Leiden
guṇa-anuvāda-śravaṇam murāreḥ
das Hören der Lobpreisung der Eigenschaften Murāris
kim vā punaḥ
wie viel mehr noch
tat-caraṇa-aravinda-parāga-sevā-ratiḥ ātma-labdhā
die aus dem Selbst gewonnene Freude am Dienst am Blütenstaub seiner Lotosfüße

sañchinnaḥ saṁśayo mahyaṁ tava sūktāsinā vibho ubhayatrāpi bhagavan mano me sampradhāvati

[Vidura sprach:] Zerschnitten ist mein Zweifel durch dein Schwert der wohlgesprochenen Worte, oh Allmächtiger; und doch, oh Erhabener, eilt mein Geist noch auf beide Seiten hin und her.

Wort für Wort
sañchinnaḥ saṁśayaḥ mahyam
zerschnitten ist mein Zweifel
tava sūkta-asinā vibho
durch dein Schwert der wohlgesprochenen Worte, oh Allmächtiger
ubhayatra api bhagavan
auf beide Weisen, oh Erhabener
manaḥ me sampradhāvati
eilt mein Geist [noch]

sādhv etad vyāhṛtaṁ vidvan nātma-māyāyanaṁ hareḥ ābhāty apārthaṁ nirmūlaṁ viśva-mūlaṁ na yad bahiḥ

Trefflich ist dies gesprochen, oh Wissender - dass nichts außerhalb von Haris eigener Māyā ist, in der die Zuflucht aller Dinge liegt; alles andere erscheint bedeutungslos und wurzellos, da die Wurzel des Universums nichts ist, das außerhalb liegt.

Wort für Wort
sādhu etat vyāhṛtam vidvan
trefflich ist dies gesprochen, oh Wissender
na ātma-māyā-ayanam hareḥ
nicht die Zuflucht außerhalb von Haris eigener Māyā
ābhāti apārtham nirmūlam
erscheint bedeutungslos, wurzellos
viśva-mūlam na yat bahiḥ
da die Wurzel des Universums nichts Äußeres ist

yaś ca mūḍhatamo loke yaś ca buddheḥ paraṁ gataḥ tāv ubhau sukham edhete kliśyaty antarito janaḥ

Wer auch immer der Verblendetste in der Welt ist, und wer über den gewöhnlichen Intellekt hinausgelangt ist - diese beiden gedeihen beide im Glück; nur der Mensch, der dazwischen steht, leidet.

Wort für Wort
yaḥ ca mūḍhatamaḥ loke
wer der Verblendetste in der Welt ist
yaḥ ca buddheḥ param gataḥ
und wer jenseits des Intellekts gelangt ist
tau ubhau sukham edhete
diese beiden gedeihen im Glück
kliśyati antaritaḥ janaḥ
nur der dazwischen stehende Mensch leidet

arthābhāvaṁ viniścitya pratītasyāpi nātmanaḥ tāṁ cāpi yuṣmac-caraṇa-sevayāhaṁ parāṇude

Nachdem ich die Bedeutungslosigkeit dessen erkannt habe, was nur scheinbar wahrgenommen wird, in Wahrheit aber nicht zum Selbst gehört, will ich auch diese verbleibende Verwirrung durch den Dienst an euren Füßen vertreiben.

Wort für Wort
artha-abhāvam viniścitya
nachdem ich die Bedeutungslosigkeit erkannt habe
pratītasya api na ātmanaḥ
dessen, was wahrgenommen, aber nicht zum Selbst gehört
tām ca api yuṣmat-caraṇa-sevayā
auch diese, durch den Dienst an euren Füßen
aham parāṇude
will ich vertreiben

yat-sevayā bhagavataḥ kūṭa-sthasya madhu-dviṣaḥ rati-rāso bhavet tīvraḥ pādayor vyasanārdanaḥ

Ich bitte um den Dienst, durch den intensive, alles Unheil vernichtende Zuneigung zu den Füßen des unveränderlichen Erhabenen, des Feindes Madhus [Kṛṣṇas], entstehen möge.

Wort für Wort
yat-sevayā bhagavataḥ kūṭa-sthasya madhu-dviṣaḥ
durch dessen Dienst, des unveränderlichen Erhabenen, des Feindes Madhus
rati-rāsaḥ bhavet tīvraḥ
intensive Zuneigung entstehen möge
pādayoḥ vyasana-ardanaḥ
an [seinen] Füßen, der alles Unheil vernichtet

durāpā hy alpa-tapasaḥ sevā vaikuṇṭha-vartmasu yatropagīyate nityaṁ deva-devo janārdanaḥ

Fürwahr schwer erlangbar für den, dessen Verdienst gering ist, ist der Dienst auf den Pfaden zu Vaikuṇṭha, worin der Gott der Götter, Janārdana, stets besungen wird.

Wort für Wort
durāpā hi alpa-tapasaḥ
fürwahr schwer erlangbar für den, dessen Askese gering ist
sevā vaikuṇṭha-vartmasu
der Dienst auf den Pfaden zu Vaikuṇṭha
yatra upagīyate nityam
worin stets besungen wird
deva-devaḥ janārdanaḥ
der Gott der Götter, Janārdana

sṛṣṭvāgre mahad-ādīni sa-vikārāṇy anukramāt tebhyo virājam uddhṛtya tam anu prāviśad vibhuḥ

Nachdem er zuerst Mahat und die weiteren Prinzipien samt ihren Umwandlungen der Reihe nach erschaffen und daraus den Virāṭ hervorgebracht hatte, trat der Allmächtige danach in ihn ein -

Wort für Wort
sṛṣṭvā agre mahat-ādīni
nachdem er zuerst Mahat und die weiteren erschaffen hatte
sa-vikārāṇi anukramāt
mit ihren Umwandlungen, der Reihe nach
tebhyaḥ virājam uddhṛtya
aus ihnen den Virāṭ hervorbringend
tam anu prāviśat vibhuḥ
trat der Allmächtige danach in ihn ein

yam āhur ādyaṁ puruṣaṁ sahasrāṅghry-ūru-bāhukam yatra viśva ime lokāḥ sa-vikāśaṁ ta āsate

- den sie den ursprünglichen Puruṣa nennen, mit tausend Füßen, Schenkeln und Armen, in dem diese Welten und Universen in ihrer vollen Entfaltung ruhen.

Wort für Wort
yam āhuḥ ādyam puruṣam
den sie den ursprünglichen Puruṣa nennen
sahasra-aṅghri-ūru-bāhukam
mit tausend Füßen, Schenkeln, Armen
yatra viśve ime lokāḥ
worin diese Universen, diese Welten
sa-vikāśam te āsate
mit [ihrer] Entfaltung ruhen

yasmin daśa-vidhaḥ prāṇaḥ sendriyārthendriyas tri-vṛt tvayerito yato varṇās tad-vibhūtīr vadasva naḥ

In welchem die zehnfache Lebenskraft, dreifach zusammengesetzt aus Sinnen, Sinnesobjekten und Sinnesorganen, enthalten ist, und woraus, wie von dir dargelegt, die vier Stände entstanden - dessen weitere Herrlichkeiten erzähle uns.

Wort für Wort
yasmin daśa-vidhaḥ prāṇaḥ
in welchem die zehnfache Lebenskraft
sa-indriya-artha-indriyaḥ tri-vṛt
mit Sinnen, Sinnesobjekten, Sinnesorganen, dreifach
tvayā īritaḥ yataḥ varṇāḥ
von dir dargelegt, woraus die Stände
tad-vibhūtīḥ vadasva naḥ
dessen Herrlichkeiten erzähle uns

yatra putraiś ca pautraiś ca naptṛbhiḥ saha gotrajaiḥ prajā vicitrākṛtaya āsan yābhir idaṁ tatam

Worin durch Söhne, Enkel, Nachkommen und Sippenverwandte die Geschöpfe von mannigfaltiger Gestalt entstanden, durch welche dieses Universum ausgebreitet wurde -

Wort für Wort
yatra putraiḥ ca pautraiḥ ca
worin durch Söhne und Enkel
naptṛbhiḥ saha gotrajaiḥ
samt den Nachkommen und Sippenverwandten
prajāḥ vicitra-ākṛtayaḥ āsan
die Geschöpfe von mannigfaltiger Gestalt waren
yābhiḥ idam tatam
durch die dies ausgebreitet wurde

prajāpatīnāṁ sa patiś cakḷpe kān prajāpatīn sargāṁś caivānusargāṁś ca manūn manvantarādhipān

- welche Prajāpatis der Herr der Prajāpatis [Brahmā] einsetzte, sowohl die Erst- als auch die Folgeschöpfungen, sowie die Manus, die Herren der Manvantaras.

Wort für Wort
prajāpatīnāṁ saḥ patiḥ
der Herr der Prajāpatis
cakḷpe kān prajāpatīn
welche Prajāpatis er einsetzte
sargān ca eva anusargān ca
sowohl Erst- als auch Folgeschöpfungen
manūn manvantara-adhipān
die Manus, die Herren der Manvantaras

upary adhaś ca ye lokā bhūmer mitrātmajāsate teṣāṁ saṁsthāṁ pramāṇaṁ ca bhūr-lokasya ca varṇaya

Und die Welten, die oberhalb und unterhalb der Erde liegen, oh Sohn Mitras [Maitreya] - beschreibe deren Anordnung und Ausmaß, sowie das der Erdenwelt.

Wort für Wort
upari adhaḥ ca ye lokāḥ
und welche Welten oberhalb und unterhalb
bhūmeḥ mitra-ātmaja āsate
der Erde, oh Sohn Mitras, sich befinden
teṣāṁ saṁsthām pramāṇam ca
deren Anordnung und Ausmaß
bhūḥ-lokasya ca varṇaya
und der Erdenwelt beschreibe

tiryaṅ-mānuṣa-devānāṁ sarīsṛpa-patattriṇām vada naḥ sarga-saṁvyūhaṁ gārbha-sveda-dvijodbhidām

Erzähle uns die Ordnung der Schöpfung der Tiere, Menschen, Götter, Kriechtiere und Vögel - derer, die aus Mutterleib, Schweiß, Ei oder wie Pflanzen aus dem Boden entstehen.

Wort für Wort
tiryak-mānuṣa-devānām
der Tiere, Menschen, Götter
sarīsṛpa-patattriṇām
der Kriechtiere und Vögel
vada naḥ sarga-saṁvyūham
erzähle uns die Ordnung der Schöpfung
gārbha-sveda-dvija-udbhidām
derer, die aus Mutterleib, Schweiß, Ei, Pflanzen entstehen

guṇāvatārair viśvasya sarga-sthity-apyayāśrayam sṛjataḥ śrīnivāsasya vyācakṣvodāra-vikramam

Beschreibe das erhabene Heldentum des Śrīnivāsa [Viṣṇus], der durch seine Guṇa-Inkarnationen die Zuflucht von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung des Universums erschafft.

Wort für Wort
guṇa-avatāraiḥ viśvasya
durch die Guṇa-Inkarnationen des Universums
sarga-sthiti-apyaya-āśrayam
die Zuflucht von Schöpfung, Erhaltung, Auflösung
sṛjataḥ śrīnivāsasya
des Erschaffenden, Śrīnivāsas
vyācakṣva udāra-vikramam
beschreibe das erhabene Heldentum

varṇāśrama-vibhāgāṁś ca rūpa-śīla-svabhāvataḥ ṛṣīṇāṁ janma-karmāṇi vedasya ca vikarṣaṇam

Beschreibe auch die Einteilungen der Stände und Lebensstufen nach Gestalt, Charakter und Wesensart, die Geburten und Taten der Weisen, sowie die Aufgliederung der Veden.

Wort für Wort
varṇa-āśrama-vibhāgān ca
und die Einteilungen der Stände und Lebensstufen
rūpa-śīla-svabhāvataḥ
nach Gestalt, Charakter, Wesensart
ṛṣīṇāṁ janma-karmāṇi
die Geburten und Taten der Weisen
vedasya ca vikarṣaṇam
und die Aufgliederung der Veden

yajñasya ca vitānāni yogasya ca pathaḥ prabho naiṣkarmyasya ca sāṅkhyasya tantraṁ vā bhagavat-smṛtam

Und die Formen des Opfers, die Pfade des Yoga, oh Herr, sowie das System des Sāṅkhya und der Handlungsfreiheit, das dem Erhabenen zugedacht ist.

Wort für Wort
yajñasya ca vitānāni
und die Formen des Opfers
yogasya ca pathaḥ prabho
und die Pfade des Yoga, oh Herr
naiṣkarmyasya ca sāṅkhyasya
und des handlungsfreien Zustands, des Sāṅkhya
tantram vā bhagavat-smṛtam
das System, das dem Erhabenen zugedacht ist

pāṣaṇḍa-patha-vaiṣamyaṁ pratiloma-niveśanam jīvasya gatayo yāś ca yāvatīr guṇa-karmajāḥ

Die Verschiedenartigkeit der häretischen Pfade, die gesellschaftliche Einordnung der gegen die natürliche Ordnung entstandenen Mischkasten, sowie die Daseinswege der individuellen Seele, so viele, wie aus Guṇa und Karma entstehen -

Wort für Wort
pāṣaṇḍa-patha-vaiṣamyam
die Verschiedenartigkeit der ketzerischen Pfade
pratiloma-niveśanam
die Einordnung der gegen die Ordnung entstandenen [Kasten]
jīvasya gatayaḥ yāḥ ca
und welche Daseinswege der Seele
yāvatīḥ guṇa-karma-jāḥ
so viele wie aus Guṇa und Karma entstehen

dharmārtha-kāma-mokṣāṇāṁ nimittāny avirodhataḥ vārtāyā daṇḍa-nīteś ca śrutasya ca vidhiṁ pṛthak

- die Ursachen von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa, ohne gegenseitigen Widerspruch zueinander, sowie die Vorschriften des Broterwerbs, der Staatskunst und der heiligen Überlieferung, jedes für sich.

Wort für Wort
dharma-artha-kāma-mokṣāṇām
von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa
nimittāni avirodhataḥ
die Ursachen, ohne Widerspruch
vārtāyāḥ daṇḍa-nīteḥ ca
des Broterwerbs und der Staatskunst
śrutasya ca vidhim pṛthak
und der Vorschrift der Überlieferung, gesondert

śrāddhasya ca vidhiṁ brahman pitṝṇāṁ sargam eva ca graha-nakṣatra-tārāṇāṁ kālāvayava-saṁsthitim

Und die Vorschrift des Totenopfers, oh Brahmane, sowie die Schöpfung der Ahnen, und die Anordnung der Zeitabschnitte durch Planeten, Mondhäuser und Sterne.

Wort für Wort
śrāddhasya ca vidhim brahman
und die Vorschrift des Totenopfers, oh Brahmane
pitṝṇāṁ sargam eva ca
und auch die Schöpfung der Ahnen
graha-nakṣatra-tārāṇām
der Planeten, Mondhäuser, Sterne
kāla-avayava-saṁsthitim
die Anordnung der Zeitabschnitte

dānasya tapaso vāpi yac ceṣṭā-pūrtayoḥ phalam pravāsa-sthasya yo dharmo yaś ca puṁsa utāpadi

Erzähle von der Frucht des Almosengebens, der Askese sowie der Opferarten Iṣṭā und Pūrta, von der Pflicht dessen, der in der Fremde weilt, und von der des Menschen in Not.

Wort für Wort
dānasya tapasaḥ vā api
des Almosengebens oder auch der Askese
yat ca iṣṭā-pūrtayoḥ phalam
und welche Frucht von Iṣṭā und Pūrta
pravāsa-sthasya yaḥ dharmaḥ
welche Pflicht dessen, der in der Fremde weilt
yaḥ ca puṁsaḥ uta āpadi
und welche des Menschen in Not

yena vā bhagavāṁs tuṣyed dharma-yonir janārdanaḥ samprasīdati vā yeṣām etad ākhyāhi me 'nagha

Wodurch der Erhabene, Janārdana, der Ursprung des Dharma, zufriedengestellt wird, und mit wem er wohlwollend zufrieden ist - dies erkläre mir, oh Sündloser.

Wort für Wort
yena vā bhagavān tuṣyet
wodurch der Erhabene zufriedengestellt wird
dharma-yoniḥ janārdanaḥ
der Ursprung des Dharma, Janārdana
samprasīdati vā yeṣām
oder mit wem er zufrieden ist
etat ākhyāhi me anagha
dies erkläre mir, oh Sündloser

anuvratānāṁ śiṣyāṇāṁ putrāṇāṁ ca dvijottama anāpṛṣṭam api brūyur guravo dīna-vatsalāḥ

Den treu Ergebenen, den Schülern und Söhnen, oh Bester der Zweifachgeborenen, erklären die Lehrer, die den Demütigen zugetan sind, wichtige Dinge auch ohne danach gefragt zu werden.

Wort für Wort
anuvratānām śiṣyāṇām
den treu Ergebenen, den Schülern
putrāṇāṁ ca dvija-uttama
und den Söhnen, oh Bester der Zweifachgeborenen
anāpṛṣṭam api brūyuḥ
sprechen auch ohne gefragt zu werden
guravaḥ dīna-vatsalāḥ
die Lehrer, den Demütigen zugetan

tattvānāṁ bhagavaṁs teṣāṁ katidhā pratisaṅkramaḥ tatremaṁ ka upāsīran ka u svid anuśerate

Auf wie viele Arten geschieht, oh Erhabener, die Rückauflösung jener 23 Prinzipien - und wer verehrt darin diesen Puruṣa, und wer ruht zuletzt in ihm?

Wort für Wort
tattvānāṁ bhagavan teṣām
der Prinzipien, oh Erhabener, jener
katidhā pratisaṅkramaḥ
auf wie viele Arten die Rückauflösung
tatra imam kaḥ upāsīran
darin, wer verehrt diesen
ka u svit anuśerate
und wer ruht [in ihm]

puruṣasya ca saṁsthānaṁ svarūpaṁ vā parasya ca jñānaṁ ca naigamaṁ yat tad guru-śiṣya-prayojanam

Und die Beschaffenheit des Puruṣa, oder das eigentliche Wesen des Höchsten, sowie jenes aus den Veden stammende Wissen, das dem Zweck der Übertragung von Lehrer zu Schüler dient -

Wort für Wort
puruṣasya ca saṁsthānam
und die Beschaffenheit des Puruṣa
svarūpaṁ vā parasya ca
oder das eigentliche Wesen des Höchsten
jñānaṁ ca naigamam yat tat
und jenes aus den Veden stammende Wissen
guru-śiṣya-prayojanam
das dem Zweck von Lehrer und Schüler dient

nimittāni ca tasyeha proktāny anagha-sūribhiḥ svato jñānaṁ kutaḥ puṁsāṁ bhaktir vairāgyam eva vā

- und dessen Ursachen, wie sie von den sündlosen Weisen dargelegt wurden: woher entsteht bei den Menschen von selbst Wissen, oder Hingabe und Entsagung?

Wort für Wort
nimittāni ca tasya iha
und dessen Ursachen hier
proktāni anagha-sūribhiḥ
die von den sündlosen Weisen dargelegt wurden
svataḥ jñānam kutaḥ puṁsām
woher von selbst Wissen bei den Menschen
bhaktiḥ vairāgyam eva vā
oder Hingabe und Entsagung

etān me pṛcchataḥ praśnān hareḥ karma-vivitsayā brūhi me 'jñasya mitratvād ajayā naṣṭa-cakṣuṣaḥ

Diese von mir aus dem Wunsch, Haris Taten zu kennen, gestellten Fragen erkläre mir, dem Unwissenden, aus deiner Freundschaft - mir, dessen Augen durch Māyā geblendet sind.

Wort für Wort
etān me pṛcchataḥ praśnān
diese von mir gestellten Fragen
hareḥ karma-vivitsayā
aus dem Wunsch, Haris Taten zu kennen
brūhi me ajñasya mitratvāt
erkläre mir, dem Unwissenden, aus Freundschaft
ajayā naṣṭa-cakṣuṣaḥ
dessen Augen durch die Ungeborene geblendet sind

sarve vedāś ca yajñāś ca tapo dānāni cānagha jīvābhaya-pradānasya na kurvīran kalām api

Alle Veden, Opfer, Askese und Wohltätigkeit zusammen, oh Sündloser, erreichen nicht einmal einen Bruchteil des Verdienstes, Lebewesen Furchtlosigkeit zu gewähren.

Wort für Wort
sarve vedāḥ ca yajñāḥ ca
alle Veden und Opfer
tapaḥ dānāni ca anagha
Askese und Wohltätigkeit, oh Sündloser
jīva-abhaya-pradānasya
des Gewährens von Furchtlosigkeit für Lebewesen
na kurvīran kalām api
erreichen nicht einmal einen Bruchteil

sa ittham āpṛṣṭa-purāṇa-kalpaḥ kuru-pradhānena muni-pradhānaḥ pravṛddha-harṣo bhagavat-kathāyāṁ sañcoditas taṁ prahasann ivāha

[Śrī Śuka sprach:] So von dem Besten der Kurus [Vidura] befragt, begann er, der Beste der Weisen, dessen Wissen einem Purāṇa an Fülle gleicht, mit wachsender Freude an der Erzählung vom Erhabenen angeregt, gleichsam lächelnd zu ihm zu sprechen.

Wort für Wort
saḥ ittham āpṛṣṭa-purāṇa-kalpaḥ
er, so befragt, [dessen Wissen] gleich einem Purāṇa
kuru-pradhānena muni-pradhānaḥ
von dem Besten der Kurus [befragt, er,] der Beste der Weisen
pravṛddha-harṣaḥ bhagavat-kathāyām
mit gewachsener Freude bei der Erzählung vom Erhabenen
sañcoditaḥ tam prahasan iva āha
angeregt, sprach er zu ihm gleichsam lächelnd

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