Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 148 Prahlāda, der Beste unter den großen Gottgeweihten

śrī-nārada uvāca bhakti-yogasya tat sarvam antarāyatayārbhakaḥ manyamāno hṛṣīkeśaṁ smayamāna uvāca ha

Śrī Nārada sprach: Das Kind [Prahlāda], welches all jenes als Hindernis für die Hingabe (bhakti-yoga) erachtete, sprach lächelnd zu Hṛṣīkeśa (dem Herrn der Sinne).

Wort für Wort
śrī-nāradaḥ uvāca
Śrī Nārada sprach
bhakti-yogasya
des bhakti-yoga (Gen.)
tat sarvam
all jenes (Akk.)
antarāyatayā
als Hindernis (Instr.)
arbhakaḥ
das Kind (Nom., Prahlāda)
manyamānaḥ
erachtend, denkend (Nom. Ptz. Med.)
hṛṣīkeśam
zu Hṛṣīkeśa, dem Herrn der Sinne (Akk.)
smayamānaḥ
lächelnd (Nom. Ptz.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
ha
fürwahr, einst (Partikel)

śrī-prahrāda uvāca mā māṁ pralobhayotpattyā saktaṁ kāmeṣu tair varaiḥ tat-saṅga-bhīto nirviṇṇo mumukṣus tvām upāśritaḥ

Śrī Prahlāda sprach: Verführe mich nicht durch [meine] Geburt, mich, der an Sinnesgenüssen haftet, mit jenen Segnungen. Aus Furcht vor der Verbindung mit ihnen, der Welt überdrüssig und nach Befreiung verlangend, habe ich bei dir Zuflucht genommen.

Wort für Wort
śrī-prahrādaḥ uvāca
Śrī Prahlāda sprach
mā māṁ pralobhaya
verführe mich nicht (Prohibitiv)
utpattyā
durch (meine) Geburt (Instr.)
saktam
angehaftet (Akk.)
kāmeṣu
an Sinnesgenüsse (Lok. Pl.)
taiḥ varaiḥ
durch jene Segnungen (Instr. Pl.)
tat-saṅga-bhītaḥ
aus Furcht vor der Verbindung mit ihnen (Nom.)
nirviṇṇaḥ
der Welt überdrüssig (Nom.)
mumukṣuḥ
nach Befreiung verlangend (Nom.)
tvām upāśritaḥ
habe bei dir Zuflucht genommen (Nom.+Akk.)

bhṛtya-lakṣaṇa-jijñāsur bhaktaṁ kāmeṣv acodayat bhavān saṁsāra-bījeṣu hṛdaya-granthiṣu prabho

Da du die Kennzeichen eines [wahren] Dieners kennenlernen wolltest, hast du den Hingebungsvollen [mich] mit Begierden angespornt, [Begierden,] die die Samen des Weltenkreislaufs sind, [sitzend] in den Herzensknoten, o Herr.

Wort für Wort
bhṛtya-lakṣaṇa-jijñāsuḥ
wünschend, die Kennzeichen eines Dieners zu erfahren (Nom.)
bhaktam
den Hingebungsvollen (Akk.)
kāmeṣu
mit Begierden (Lok.)
acodayat
hast angespornt (3. Sg. Impf.)
bhavān
du (Nom., Ehrenform)
saṁsāra-bījeṣu
in den Samen des Weltenkreislaufs (Lok. Pl.)
hṛdaya-granthiṣu
in den Herzensknoten (Lok. Pl.)
prabho
o Herr (Vok.)

nānyathā te 'khila-guro ghaṭeta karuṇātmanaḥ yas ta āśiṣa āśāste na sa bhṛtyaḥ sa vai vaṇik

Nicht anders könnte es sich verhalten bei dir, o Lehrer allen [Seins], dessen Wesen Mitleid ist. Wer von dir Segnungen erhofft, der ist kein Diener, der ist wahrlich ein Händler.

Wort für Wort
na anyathā
nicht anders
te
von dir (Gen.)
akhila-guro
o Lehrer von allem (Vok.)
ghaṭeta
könnte geschehen (Opt.)
karuṇātmanaḥ
dessen Wesen Mitleid ist (Gen.)
yaḥ
wer (Nom.)
te
von dir (Gen.)
āśiṣaḥ
Segnungen (Akk. Pl.)
āśāste
erhofft (3. Sg. Med.)
na sa bhṛtyaḥ
der ist kein Diener
sa vai vaṇik
der ist wahrlich ein Händler

āśāsāno na vai bhṛtyaḥ svāminy āśiṣa ātmanaḥ na svāmī bhṛtyataḥ svāmyam icchan yo rāti cāśiṣaḥ

Wer beim Herrn für sich selbst Segnungen erhofft, ist wahrlich kein Diener; und ebenso ist kein wahrer Herr, wer, indem er vom Diener Gehorsam begehrt, [ihm dafür] Segnungen gewährt.

Wort für Wort
āśāsānaḥ
der (etwas) Erhoffende (Nom.)
na vai bhṛtyaḥ
ist wahrlich kein Diener
svāmini
beim Herrn (Lok.)
āśiṣaḥ
Segnungen (Akk. Pl.)
ātmanaḥ
für sich selbst (Gen.)
na svāmī
[und] kein [wahrer] Herr
bhṛtyataḥ
vom Diener (Abl.)
svāmyam icchan
Herrschaft/Gehorsam begehrend (Nom. Ptz.)
yaḥ
wer
rāti
gewährt (3. Sg.)
ca āśiṣaḥ
auch Segnungen

ahaṁ tv akāmas tvad-bhaktas tvaṁ ca svāmy anapāśrayaḥ nānyathehāvayor artho rāja-sevakayor iva

Ich aber bin wunschlos, dein Hingebungsvoller, und du bist [mein] Herr ohne [weitere] Abhängigkeit; unser beider Verhältnis ist hier nicht anders [angelegt] als das von König und Diener [d.h. frei von Gewinnstreben].

Wort für Wort
aham tu akāmaḥ
ich aber [bin] wunschlos
tvat-bhaktaḥ
dein Hingebungsvoller (Nom.)
tvam ca svāmī
und du [bist der] Herr
anapāśrayaḥ
ohne [weitere] Abhängigkeit (Nom.)
na anyathā
nicht anders
iha
hier
āvayoḥ arthaḥ
unser beider Zweck/Verhältnis (Gen. Dual + Nom.)
rāja-sevakayoḥ iva
wie bei König und Diener

[?] rāja-sevakayor iva ist im Sinnzusammenhang etwas mehrdeutig; hier als Bild für ein pflichtgebundenes, nicht transaktionales Verhältnis gedeutet.

yadi dāsyasi me kāmān varāṁs tvaṁ varadarṣabha kāmānāṁ hṛdy asaṁrohaṁ bhavatas tu vṛṇe varam

Wenn du mir begehrte Segnungen geben willst, o Bester der Segenspender, dann erbitte ich von dir als Segen das Nicht-Aufkeimen der Begierden im Herzen.

Wort für Wort
yadi
wenn
dāsyasi
du geben wirst (2. Sg. Fut.)
me
mir (Dat.)
kāmān varān
begehrte Segnungen (Akk. Pl.)
tvam
du
varada-ṛṣabha
o Bester der Segenspender (Vok.)
kāmānām
der Begierden (Gen. Pl.)
hṛdi
im Herzen (Lok.)
asaṁroham
Nicht-Aufkeimen (Akk.)
bhavataḥ
von dir (Abl.)
tu
dann
vṛṇe
ich erbitte (1. Sg. Med.)
varam
als Segen (Akk.)

indriyāṇi manaḥ prāṇa ātmā dharmo dhṛtir matiḥ hrīḥ śrīs tejaḥ smṛtiḥ satyaṁ yasya naśyanti janmanā

[jene Begierden,] durch die einem von Geburt an die Sinne, der Geist, die Lebensluft, das Selbst, die Tugend, die Standhaftigkeit, der Verstand, die Scham, die Herrlichkeit, die Kraft, die Erinnerung und die Wahrhaftigkeit zugrunde gehen.

Wort für Wort
indriyāṇi
die Sinne (Nom. Pl.)
manaḥ
der Geist (Nom.)
prāṇaḥ
die Lebensluft (Nom.)
ātmā
das Selbst, der Körper (Nom.)
dharmaḥ
die Tugend (Nom.)
dhṛtiḥ
die Standhaftigkeit (Nom.)
matiḥ
der Verstand (Nom.)
hrīḥ
die Scham (Nom.)
śrīḥ
die Herrlichkeit (Nom.)
tejaḥ
die Kraft, der Glanz (Nom.)
smṛtiḥ
die Erinnerung (Nom.)
satyam
die Wahrhaftigkeit (Nom.)
yasya
dessen (Gen.)
naśyanti
gehen zugrunde (3. Pl.)
janmanā
von Geburt an (Instr.)

Setzt den Gedanken von Vers 7 fort (Objekt des vorigen 'varam').

vimuñcati yadā kāmān mānavo manasi sthitān tarhy eva puṇḍarīkākṣa bhagavattvāya kalpate

Wenn der Mensch die im Geist befindlichen Begierden aufgibt, o Lotusäugiger, dann erst wird er fähig zur Gottgleichheit.

Wort für Wort
vimuñcati
er lässt los, gibt auf (3. Sg.)
yadā
wenn
kāmān
die Begierden (Akk. Pl.)
mānavaḥ
der Mensch (Nom.)
manasi sthitān
die im Geist befindlichen (Akk. Pl.)
tarhi eva
dann erst
puṇḍarīka-akṣa
o Lotusäugiger (Vok.)
bhagavattvāya
zur Gottgleichheit (Dat.)
kalpate
wird fähig (3. Sg. Med.)

oṁ namo bhagavate tubhyaṁ puruṣāya mahātmane haraye 'dbhuta-siṁhāya brahmaṇe paramātmane

Oṁ, Verehrung dir, dem Erhabenen, der Urperson, der Großen Seele, Hari, dem wunderbaren Löwen, dem Brahman, der höchsten Seele.

Wort für Wort
oṁ
Oṁ
namaḥ
Verehrung
bhagavate
dem Erhabenen (Dat.)
tubhyam
dir (Dat.)
puruṣāya
der Urperson (Dat.)
mahātmane
der Großen Seele (Dat.)
haraye
Hari (Dat.)
adbhuta-siṁhāya
dem wunderbaren Löwen (Dat.)
brahmaṇe
dem Brahman (Dat.)
paramātmane
der höchsten Seele (Dat.)

śrī-bhagavān uvāca naikāntino me mayi jātv ihāśiṣa āśāsate 'mutra ca ye bhavad-vidhāḥ tathāpi manvantaram etad atra daityeśvarāṇām anubhuṅkṣva bhogān

Der Erhabene Herr sprach: Die ausschließlich mir Ergebenen erhoffen niemals von mir Segnungen, weder hier noch im Jenseits, sie, die dir gleichen. Dennoch: Genieße für dieses Manvantara hier die Genüsse der Herrscher der Daityas.

Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der Erhabene Herr sprach
na ekāntinaḥ
nicht die einzig [auf mich] Gerichteten (Nom. Pl.)
me mayi
von mir, in mir (Gen./Lok.)
jātu
jemals
iha
hier
āśiṣaḥ
Segnungen (Akk. Pl.)
āśāsate
erhoffen (3. Pl.)
amutra ca
und im Jenseits
ye bhavad-vidhāḥ
die dir gleichen (Nom. Pl.)
tathāpi
dennoch
manvantaram etat
dieses Manvantara (Akk.)
atra
hier
daitya-īśvarāṇām
der Herrscher der Daityas (Gen. Pl.)
anubhuṅkṣva
genieße (Imperativ)
bhogān
die Genüsse (Akk. Pl.)

kathā madīyā juṣamāṇaḥ priyās tvam āveśya mām ātmani santam ekam sarveṣu bhūteṣv adhiyajñam īśaṁ yajasva yogena ca karma hinvan

Indem du dich stets meinen lieben Erzählungen widmest und mich in dein Selbst aufnimmst, verehre [mich als] den Einen, der in allen Wesen als Herr der Opfer weilt, durch Hingabe, während du zugleich das fruchtbringende Handeln aufgibst.

Wort für Wort
kathāḥ madīyāḥ
meine Erzählungen (Akk. Pl.)
juṣamāṇaḥ
stets pflegend, genießend (Nom. Ptz.)
priyāḥ
liebe (Akk. Pl.)
tvam
du
āveśya
nachdem du [mich] aufgenommen hast (Absol.)
mām
mich (Akk.)
ātmani santam
im Selbst weilend (Lok./Akk.)
ekam
den Einen (Akk.)
sarveṣu bhūteṣu
in allen Wesen (Lok. Pl.)
adhiyajñam
den Herrn der Opfer (Akk.)
īśam
den Herrn (Akk.)
yajasva
verehre (Imperativ)
yogena
durch Hingabe (Instr.)
ca karma hinvan
und das [fruchtbringende] Handeln aufgebend (Nom. Ptz.)

bhogena puṇyaṁ kuśalena pāpaṁ kalevaraṁ kāla-javena hitvā kīrtiṁ viśuddhāṁ sura-loka-gītāṁ vitāya mām eṣyasi mukta-bandhaḥ

Nachdem du durch Genuss [angesammeltes] Verdienst, durch frommes Handeln [angesammelte] Sünde und durch die Macht der Zeit den Körper aufgegeben hast, und nachdem du reinen, in der Götterwelt besungenen Ruhm verbreitet hast, wirst du, von aller Bindung befreit, zu mir gelangen.

Wort für Wort
bhogena
durch Genuss (Instr.)
puṇyam
das [angesammelte] Verdienst (Akk.)
kuśalena
durch frommes Handeln (Instr.)
pāpam
die Sünde (Akk.)
kalevaram
den Körper (Akk.)
kāla-javena
durch die Macht der Zeit (Instr.)
hitvā
nachdem du aufgegeben hast (Absol.)
kīrtim
Ruhm (Akk.)
viśuddhām
reinen (Akk.)
sura-loka-gītām
in der Götterwelt besungenen (Akk.)
vitāya
nachdem du verbreitet hast (Absol.)
mām
zu mir (Akk.)
eṣyasi
du wirst gelangen (2. Sg. Fut.)
mukta-bandhaḥ
von aller Bindung befreit (Nom.)

ya etat kīrtayen mahyaṁ tvayā gītam idaṁ naraḥ tvāṁ ca māṁ ca smaran kāle karma-bandhāt pramucyate

Wer immer, mir zu Ehren, dieses von dir gesungene [Lob] rezitiert - wer, an dich und an mich denkend, [lebt], der wird zu gegebener Zeit von der Bindung des Handelns befreit.

Wort für Wort
yaḥ
wer
etat kīrtayet
dies rezitiert (Opt.)
mahyam
mir zu Ehren (Dat.)
tvayā gītam
von dir gesungen (Instr.+Akk.)
idam naraḥ
dieser Mensch (Nom.)
tvām ca māṁ ca
dich und mich
smaran
sich erinnernd (Ptz.)
kāle
zu [gegebener] Zeit (Lok.)
karma-bandhāt
von der Bindung des Handelns (Abl.)
pramucyate
wird befreit (3. Sg. Pass.)

śrī-prahrāda uvāca varaṁ varaya etat te varadeśān maheśvara yad anindat pitā me tvām avidvāṁs teja aiśvaram viddhāmarṣāśayaḥ sākṣāt sarva-loka-guruṁ prabhum bhrātṛ-heti mṛṣā-dṛṣṭis tvad-bhakte mayi cāghavān tasmāt pitā me pūyeta durantād dustarād aghāt pūtas te 'pāṅga-saṁdṛṣṭas tadā kṛpaṇa-vatsala

Śrī Prahlāda sprach: Ich erbitte von dir, dem Herrn der Segenspender, o großer Herrscher, diesen Segen: dass mein Vater, der in Unwissenheit deine Macht und Erhabenheit schmähte, dessen Herz von Zorn durchdrungen war, der dich, den Lehrer aller Welten, den Herrn, unmittelbar als 'Brudermörder' [ansah] - von falscher Sicht geleitet -, und der gegen mich, deinen Hingebungsvollen, sündig handelte, dadurch von diesem endlosen, schwer zu überwindenden Übel geläutert werde - gereinigt durch deinen [gnädigen] Seitenblick, o du, der den Elenden liebevoll zugetan ist.

Wort für Wort
śrī-prahrādaḥ uvāca
Śrī Prahlāda sprach
varam varaye
ich erbitte einen Segen (1. Sg. Med.)
etat te varada-īśāt
diesen von dir, dem Herrn der Segenspender (Abl.)
mahā-īśvara
o großer Herrscher (Vok.)
yat anindat
dass/weil er schmähte (3. Sg. Impf.)
pitā me
mein Vater (Nom.)
tvām
dich (Akk.)
avidvān
unwissend (Nom.)
tejaḥ aiśvaram
Macht und Erhabenheit (Akk.)
viddha-amarṣa-āśayaḥ
dessen Herz von Zorn durchdrungen war (Nom.)
sākṣāt
unmittelbar
sarva-loka-gurum
den Lehrer aller Welten (Akk.)
prabhum
den Herrn (Akk.)
bhrātṛ-hā iti
'[er sei ein] Brudermörder', so [denkend]
mṛṣā-dṛṣṭiḥ
von falscher Sicht [geleitet] (Nom.)
tvat-bhakte mayi
gegen mich, deinen Hingebungsvollen (Lok.)
ca aghavān
und sündig (Nom.)
tasmāt
dadurch
pitā me pūyeta
möge mein Vater geläutert werden (Opt.)
durantāt dustarāt aghāt
vom endlosen, schwer zu überwindenden Übel (Abl.)
pūtaḥ
gereinigt (Nom.)
te apāṅga-saṁdṛṣṭaḥ
von deinem Seitenblick erblickt (Nom.)
tadā
dann
kṛpaṇa-vatsala
o den Elenden liebevoll Zugetaner (Vok.)

Drei Verse zu einer Einheit zusammengefasst (ein Satzgefüge).

śrī-bhagavān uvāca triḥ-saptabhiḥ pitā pūtaḥ pitṛbhiḥ saha te 'nagha yat sādho 'sya kule jāto bhavān vai kula-pāvanaḥ

Der Erhabene Herr sprach: Dein Vater ist zusammen mit dreimal sieben Vorfahren gereinigt, o Sündloser, weil du, o Tugendhafter, in dessen Geschlecht geboren wurdest; du bist wahrlich der Läuterer des Geschlechts.

Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der Erhabene Herr sprach
triḥ-saptabhiḥ
durch dreimal sieben [=21] (Instr.)
pitā
der Vater (Nom.)
pūtaḥ
gereinigt (Nom.)
pitṛbhiḥ saha
zusammen mit den Vorfahren (Instr.)
te
dein (Gen.)
anagha
o Sündloser (Vok.)
yat
weil
sādho
o Tugendhafter (Vok.)
asya kule
in dessen Geschlecht (Lok.)
jātaḥ
geboren (Nom.)
bhavān
du (Nom.)
vai
wahrlich
kula-pāvanaḥ
der Läuterer des Geschlechts (Nom.)

yatra yatra ca mad-bhaktāḥ praśāntāḥ sama-darśinaḥ sādhavaḥ samudācārās te pūyante 'pi kīkaṭāḥ

Wo immer meine Hingebungsvollen [weilen] - die Befriedeten, Gleichmütigen, Tugendhaften, von vorbildlichem Verhalten -, dort wird selbst [ein Land] wie Kīkaṭa geläutert.

Wort für Wort
yatra yatra
wo immer
ca mat-bhaktāḥ
und meine Hingebungsvollen (Nom. Pl.)
praśāntāḥ
befriedet, ruhig (Nom. Pl.)
sama-darśinaḥ
gleichmütig schauend (Nom. Pl.)
sādhavaḥ
tugendhaft (Nom. Pl.)
samudācārāḥ
von vorbildlichem Verhalten (Nom. Pl.)
te pūyante
jene werden geläutert (3. Pl. Pass.)
api kīkaṭāḥ
selbst [ein Land] wie Kīkaṭa

sarvātmanā na hiṁsanti bhūta-grāmeṣu kiñcana uccāvaceṣu daityendra mad-bhāva-vigata-spṛhāḥ

In jeder Hinsicht schaden sie keinem Wesen, weder den höheren noch den niederen, o Herrscher der Daityas, sie, deren Verlangen durch die Hingabe an mich geschwunden ist.

Wort für Wort
sarva-ātmanā
in jeder Hinsicht (Instr.)
na hiṁsanti
sie schaden nicht (3. Pl.)
bhūta-grāmeṣu kiñcana
irgendeinem Wesen (Lok. Pl.)
ucca-avaceṣu
unter den höheren und niederen (Lok. Pl.)
daitya-indra
o Herrscher der Daityas (Vok.)
mat-bhāva-vigata-spṛhāḥ
deren Verlangen durch Hingabe an mich geschwunden ist (Nom. Pl.)

bhavanti puruṣā loke mad-bhaktās tvām anuvratāḥ bhavān me khalu bhaktānāṁ sarveṣāṁ pratirūpa-dhṛk

In der Welt gibt es Menschen, die meine Hingebungsvollen sind, indem sie dir nacheifern; du bist wahrlich der, der für alle meine Hingebungsvollen das [ihnen entsprechende] Abbild trägt.

Wort für Wort
bhavanti puruṣāḥ
es gibt Menschen (3. Pl. / Nom. Pl.)
loke
in der Welt (Lok.)
mat-bhaktāḥ
meine Hingebungsvollen (Nom. Pl.)
tvām anuvratāḥ
dir nacheifernd, dir ergeben (Nom. Pl.)
bhavān
du (Nom.)
me
mein (Gen.)
khalu
wahrlich
bhaktānāṁ sarveṣām
von allen Hingebungsvollen (Gen. Pl.)
pratirūpa-dhṛk
der das entsprechende Abbild trägt (Nom.)

[Anm.: Für diesen Vers war auf der Quellseite keine wfw-Gloss-Tabelle vorhanden; Übersetzung direkt aus dem IAST-Text erarbeitet. 'pratirūpa-dhṛk' ist eine ungewöhnliche Wendung, hier als 'Träger des entsprechenden Abbilds/Vorbilds' gedeutet [?].]

kuru tvaṁ preta-kṛtyāni pituḥ pūtasya sarvaśaḥ mad-aṅga-sparśanenāṅga lokān yāsyati suprajāḥ

Vollziehe du die Totenriten für deinen bereits gereinigten Vater in jeder Hinsicht; durch die Berührung meines Körpers, mein Kind, wird er, zu einem guten Nachkommen [der himmlischen Welt] gewandelt, zu [höheren] Welten gelangen.

Wort für Wort
kuru tvam
vollziehe du (Imperativ)
preta-kṛtyāni
die Totenriten (Akk. Pl.)
pituḥ pūtasya
deines gereinigten Vaters (Gen.)
sarvaśaḥ
in jeder Hinsicht
mat-aṅga-sparśanena
durch die Berührung meines Körpers (Instr.)
aṅga
mein Kind (Vok.)
lokān
zu [höheren] Welten (Akk. Pl.)
yāsyati
er wird gelangen (3. Sg. Fut.)
suprajāḥ
[als] guter Nachkomme/Bürger [geworden] (Nom.)

pitryaṁ ca sthānam ātiṣṭha yathoktaṁ brahmavādibhiḥ mayy āveśya manas tāta kuru karmāṇi mat-paraḥ

Und besteige den väterlichen Thron, wie es von den Kennern des Brahman vorgeschrieben ist; nachdem du deinen Geist in mich versenkt hast, mein Kind, vollziehe [deine] Pflichten, mir hingegeben.

Wort für Wort
pitryam sthānam
den väterlichen Thron (Akk.)
ca ātiṣṭha
und besteige (Imperativ)
yathā-uktam
wie vorgeschrieben
brahmavādibhiḥ
von den Kennern des Brahman (Instr. Pl.)
mayi āveśya
nachdem in mich versenkt (Absol.)
manaḥ
den Geist (Akk.)
tāta
mein Kind (Vok.)
kuru karmāṇi
vollziehe [deine] Pflichten (Imperativ + Akk. Pl.)
mat-paraḥ
mir hingegeben (Nom.)

śrī-nārada uvāca prahrādo 'pi tathā cakre pitur yat sāmparāyikam yathāha bhagavān rājann abhiṣikto dvijātibhiḥ

Śrī Nārada sprach: Auch Prahlāda vollzog ebenso für seinen Vater die Totenriten, wie es der Erhabene aufgetragen hatte, o König, und wurde von den Brahmanen inthronisiert.

Wort für Wort
śrī-nāradaḥ uvāca
Śrī Nārada sprach
prahrādaḥ api
auch Prahlāda
tathā cakre
vollzog ebenso (3. Sg. Perf.)
pituḥ
für den Vater (Gen.)
yat sāmparāyikam
was die Totenriten [sind] (Akk.)
yathā āha bhagavān
wie es der Erhabene gesagt hatte
rājan
o König (Vok.)
abhiṣiktaḥ
inthronisiert (Nom.)
dvijātibhiḥ
von den Zweimalgeborenen [Brahmanen] (Instr. Pl.)

prasāda-sumukhaṁ dṛṣṭvā brahmā narahariṁ harim stutvā vāgbhiḥ pavitrābhiḥ prāha devādibhir vṛtaḥ

Als Brahmā Narahari, Hari, sah, dessen Antlitz von Wohlwollen heiter war, pries er ihn mit reinen Worten und sprach, umgeben von den Göttern und anderen [Wesen]:

Wort für Wort
prasāda-sumukham
dessen Antlitz von Wohlwollen heiter war (Akk.)
dṛṣṭvā
nachdem er gesehen hatte (Absol.)
brahmā
Brahmā (Nom.)
nara-harim harim
Narahari, Hari (Akk.)
stutvā
nachdem er gepriesen hatte (Absol.)
vāgbhiḥ pavitrābhiḥ
mit reinen Worten (Instr. Pl.)
prāha
sprach (3. Sg. Perf.)
deva-ādibhiḥ vṛtaḥ
umgeben von den Göttern und anderen (Nom.)

śrī-brahmovāca deva-devākhilādhyakṣa bhūta-bhāvana pūrvaja diṣṭyā te nihataḥ pāpo loka-santāpano 'suraḥ

Śrī Brahmā sprach: O Gott der Götter, Herrscher über das All, Urheber der Wesen, Urgeborener - zu unserem Glück wurde von dir der sündige, die Welt quälende Dämon getötet.

Wort für Wort
śrī-brahmā uvāca
Śrī Brahmā sprach
deva-deva
o Gott der Götter (Vok.)
akhila-adhyakṣa
o Herrscher über das All (Vok.)
bhūta-bhāvana
o Urheber der Wesen (Vok.)
pūrva-ja
o Urgeborener (Vok.)
diṣṭyā
zu [unserem] Glück
te nihataḥ
von dir getötet (Nom.)
pāpaḥ
der sündige (Nom.)
loka-santāpanaḥ
der die Welt quälende (Nom.)
asuraḥ
Dämon (Nom.)

yo 'sau labdha-varo matto na vadhyo mama sṛṣṭibhiḥ tapo-yoga-balonnaddhaḥ samasta-nigamān ahan

Er, der von mir einen Segen erlangt hatte, [wonach er] durch keines meiner Geschöpfe zu töten [war], wurde durch die Kraft von Askese und Yoga hochmütig und missachtete alle vedischen Gebote.

Wort für Wort
yaḥ asau
er, der da
labdha-varaḥ
der einen Segen erlangt hatte (Nom.)
mattaḥ
von mir (Abl.)
na vadhyaḥ
nicht zu töten (Nom.)
mama sṛṣṭibhiḥ
durch meine Geschöpfe (Instr. Pl.)
tapaḥ-yoga-bala-unnaddhaḥ
durch die Kraft von Askese und Yoga hochmütig geworden (Nom.)
samasta-nigamān
alle vedischen Gebote (Akk. Pl.)
ahan
missachtete (3. Sg. Impf.)

diṣṭyā tat-tanayaḥ sādhur mahā-bhāgavato 'rbhakaḥ tvayā vimocito mṛtyor diṣṭyā tvāṁ samito 'dhunā

Zum Glück wurde dessen Sohn, der tugendhafte, große Hingebungsvolle - obwohl [nur] ein Kind - von dir vom Tod befreit, und zum Glück ist er nun mit dir vereint.

Wort für Wort
diṣṭyā
zum Glück
tat-tanayaḥ
dessen Sohn (Nom.)
sādhuḥ
der Tugendhafte (Nom.)
mahā-bhāgavataḥ
der große Hingebungsvolle (Nom.)
arbhakaḥ
[obwohl nur] ein Kind (Nom.)
tvayā vimocitaḥ
von dir befreit (Nom.)
mṛtyoḥ
vom Tod (Abl.)
diṣṭyā
zum Glück
tvām samitaḥ
mit dir vereint (Nom.)
adhunā
jetzt

etad vapus te bhagavan dhyāyataḥ paramātmanaḥ sarvato goptṛ santrāsān mṛtyor api jighāṁsataḥ

Diese deine Gestalt, o Erhabener, ist für den, der über die höchste Seele meditiert, von allen Seiten Beschützerin vor Schrecken - selbst vor dem Tod, [ausgehend] von dem, der [ihn] zu töten trachtet.

Wort für Wort
etat vapuḥ
diese Gestalt (Nom./Akk.)
te
dein (Gen.)
bhagavan
o Erhabener (Vok.)
dhyāyataḥ
für den, der meditiert (Gen.)
parama-ātmanaḥ
über die höchste Seele (Gen.)
sarvataḥ
von allen Seiten
goptṛ
Beschützerin (Nom.)
santrāsāt
vor Schrecken (Abl.)
mṛtyoḥ api
selbst vor dem Tod (Abl.)
jighāṁsataḥ
von dem, der zu töten trachtet (Gen.)

śrī-bhagavān uvāca maivaṁ vibho 'surāṇāṁ te pradeyaḥ padma-sambhava varaḥ krūra-nisargāṇām ahīnām amṛtaṁ yathā

Der Erhabene Herr sprach: Tu nicht so, o Mächtiger, o Lotusgeborener! Segen sollte von dir nicht den Dämonen gewährt werden, deren Natur grausam ist - ebenso wenig wie man Schlangen Nektar [gäbe].

Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der Erhabene Herr sprach
mā evam
tu nicht so
vibho
o Mächtiger (Vok.)
asurāṇām
den Dämonen (Dat./Gen. Pl.)
te pradeyaḥ
von dir zu gewähren (Ger.)
padma-sambhava
o Lotusgeborener (Vok.)
varaḥ
Segen (Nom.)
krūra-nisargāṇām
deren Natur grausam ist (Gen. Pl.)
ahīnām
den Schlangen (Gen./Dat. Pl.)
amṛtam yathā
wie [man] Nektar [gäbe]

śrī-nārada uvāca ity uktvā bhagavān rājaṁs tataś cāntardadhe hariḥ adṛśyaḥ sarva-bhūtānāṁ pūjitaḥ parameṣṭhinā

Śrī Nārada sprach: Nachdem der Erhabene dies gesagt hatte, o König, verschwand Hari daraufhin, unsichtbar für alle Wesen, nachdem er von Brahmā verehrt worden war.

Wort für Wort
śrī-nāradaḥ uvāca
Śrī Nārada sprach
iti uktvā
nachdem er dies gesagt hatte (Absol.)
bhagavān
der Erhabene (Nom.)
rājan
o König (Vok.)
tataḥ ca
und daraufhin
antardadhe
verschwand (3. Sg. Perf. Med.)
hariḥ
Hari (Nom.)
adṛśyaḥ
unsichtbar (Nom.)
sarva-bhūtānām
für alle Wesen (Gen. Pl.)
pūjitaḥ
verehrt (Nom.)
parameṣṭhinā
von Brahmā (Instr.)

tataḥ sampūjya śirasā vavande parameṣṭhinam bhavaṁ prajāpatīn devān prahrādo bhagavat-kalāḥ

Daraufhin verehrte Prahlāda [sie] und huldigte mit gesenktem Haupt Brahmā, Śiva, den Prajāpatis und den Göttern - welche allesamt Teilaspekte des Erhabenen sind.

Wort für Wort
tataḥ
daraufhin
sampūjya
nachdem er verehrt hatte (Absol.)
śirasā
mit dem Haupt (Instr.)
vavande
huldigte (3. Sg. Perf.)
parameṣṭhinam
vor Brahmā (Akk.)
bhavam
vor Śiva (Akk.)
prajāpatīn
vor den Prajāpatis (Akk. Pl.)
devān
vor den Göttern (Akk. Pl.)
prahrādaḥ
Prahlāda (Nom.)
bhagavat-kalāḥ
[welche] Teilaspekte des Erhabenen [sind] (Akk. Pl.)

tataḥ kāvyādibhiḥ sārdhaṁ munibhiḥ kamalāsanaḥ daityānāṁ dānavānāṁ ca prahrādam akarot patim

Daraufhin machte der Lotusthronende [Brahmā], zusammen mit Kāvya [Śukrācārya] und anderen Weisen, Prahlāda zum Herrscher der Daityas und Dānavas.

Wort für Wort
tataḥ
daraufhin
kāvya-ādibhiḥ sārdham
zusammen mit Kāvya und anderen (Instr.)
munibhiḥ
mit den Weisen (Instr. Pl.)
kamala-āsanaḥ
der Lotusthronende [Brahmā] (Nom.)
daityānām dānavānām ca
der Daityas und der Dānavas (Gen. Pl.)
prahrādam
Prahlāda (Akk.)
akarot
machte (3. Sg. Impf.)
patim
zum Herrn (Akk.)

pratinandya tato devāḥ prayujya paramāśiṣaḥ sva-dhāmāni yayū rājan brahmādyāḥ pratipūjitāḥ

Daraufhin, o König, gingen die Götter, angeführt von Brahmā, nachdem sie [Prahlāda] beglückwünscht und höchste Segnungen dargebracht hatten und [selbst von ihm] geehrt worden waren, zu ihren eigenen Wohnstätten.

Wort für Wort
pratinandya
nachdem sie beglückwünscht hatten (Absol.)
tataḥ
daraufhin
devāḥ
die Götter (Nom. Pl.)
prayujya
nachdem sie dargebracht hatten (Absol.)
parama-āśiṣaḥ
höchste Segnungen (Akk. Pl.)
sva-dhāmāni
zu ihren eigenen Wohnstätten (Akk. Pl.)
yayuḥ
gingen (3. Pl. Perf.)
rājan
o König (Vok.)
brahma-ādyāḥ
angeführt von Brahmā (Nom. Pl.)
pratipūjitāḥ
[selbst] geehrt (Nom. Pl.)

evaṁ ca pārṣadau viṣṇoḥ putratvaṁ prāpitau diteḥ hṛdi sthitena hariṇā vaira-bhāvena tau hatau

Und so wurden die beiden Gefährten Viṣṇus, die zur Sohnschaft der Diti gebracht worden waren, von dem im Herzen [beider] weilenden Hari - [ihrer] feindseligen Gesinnung [entsprechend] - getötet.

Wort für Wort
evam ca
und so
pārṣadau
die zwei Gefährten (Nom. Dual)
viṣṇoḥ
Viṣṇus (Gen.)
putratvam
den Zustand der Sohnschaft (Akk.)
prāpitau
[die] dazu gebracht worden waren (Nom. Dual)
diteḥ
der Diti (Gen.)
hṛdi sthitena hariṇā
von dem im Herzen weilenden Hari (Instr.)
vaira-bhāvena
mit feindseliger Gesinnung (Instr.)
tau hatau
die beiden wurden getötet (Nom. Dual)

punaś ca vipra-śāpena rākṣasau tau babhūvatuḥ kumbhakarṇa-daśa-grīvau hatau tau rāma-vikramaiḥ

Und wiederum wurden die beiden durch den Fluch eines Brahmanen zu zwei Rākṣasas, [nämlich] Kumbhakarṇa und dem Zehnhalsigen [Rāvaṇa]; die beiden wurden durch die heldenhaften Taten Rāmas getötet.

Wort für Wort
punaḥ ca
und wiederum
vipra-śāpena
durch den Fluch eines Brahmanen (Instr.)
rākṣasau
[als] zwei Rākṣasas (Nom. Dual)
tau babhūvatuḥ
die beiden wurden (3. Dual Perf.)
kumbhakarṇa-daśa-grīvau
Kumbhakarṇa und der Zehnhalsige (Nom. Dual)
hatau
getötet (Nom. Dual)
tau
die beiden
rāma-vikramaiḥ
durch die heldenhaften Taten Rāmas (Instr. Pl.)

śayānau yudhi nirbhinna- hṛdayau rāma-śāyakaiḥ tac-cittau jahatur dehaṁ yathā prāktana-janmani

Auf dem Schlachtfeld liegend, das Herz von Rāmas Pfeilen durchbohrt, gaben die beiden - den Geist auf ihn gerichtet - den Körper auf, so wie schon in der früheren Geburt.

Wort für Wort
śayānau
daliegend (Nom. Dual)
yudhi
auf dem Schlachtfeld (Lok.)
nirbhinna-hṛdayau
deren Herz durchbohrt war (Nom. Dual)
rāma-śāyakaiḥ
durch Rāmas Pfeile (Instr. Pl.)
tat-cittau
deren Geist auf jenen gerichtet war (Nom. Dual)
jahatuḥ
gaben auf (3. Dual Perf.)
deham
den Körper (Akk.)
yathā prāktana-janmani
wie [schon] in der früheren Geburt

tāv ihātha punar jātau śiśupāla-karūṣa-jau harau vairānubandhena paśyatas te samīyatuḥ

Die beiden, hier wiederum geboren als Śiśupāla und der in Karūṣa Geborene [Dantavakra], gingen - durch die fortdauernde Feindschaft gegenüber Hari - vor deinen Augen [wieder] in ihn ein.

Wort für Wort
tau iha atha
die beiden hier dann
punar jātau
wiederum geboren (Nom. Dual)
śiśupāla-karūṣa-jau
Śiśupāla und der in Karūṣa Geborene (Nom. Dual)
harau
gegenüber Hari (Lok.)
vaira-anubandhena
durch die fortdauernde Feindschaft (Instr.)
paśyataḥ te
während du zusahst (Gen. Absol.)
samīyatuḥ
gingen ein, vereinigten sich (3. Dual Perf.)

enaḥ pūrva-kṛtaṁ yat tad rājānaḥ kṛṣṇa-vairiṇaḥ jahus te 'nte tad-ātmānaḥ kīṭaḥ peśaskṛto yathā

Jene [zuvor begangene] Sünde gaben die Könige, die Feinde Kṛṣṇas waren, [durch ihren Tod] auf und erlangten am Ende dessen Wesen - gleichwie die Larve das Wesen der Grabwespe [annimmt, die sie gefangen hält].

Wort für Wort
enaḥ pūrva-kṛtam
die zuvor begangene Sünde (Akk.)
yat tat
welche jene
rājānaḥ
die Könige (Nom. Pl.)
kṛṣṇa-vairiṇaḥ
Feinde Kṛṣṇas (Nom. Pl.)
jahuḥ
gaben auf (3. Pl. Perf.)
te
sie
ante
am Ende (Lok.)
tat-ātmānaḥ
dessen Wesen [erlangend] (Nom. Pl.)
kīṭaḥ
die Larve (Nom.)
peśaskṛtaḥ
der Grabwespe (Gen.)
yathā
gleichwie

yathā yathā bhagavato bhaktyā paramayābhidā nṛpāś caidyādayaḥ sātmyaṁ hares tac-cintayā yayuḥ

In dem Maße, wie die Könige, angeführt von Caidya [Śiśupāla], durch höchste [wenn auch feindselige] Gesinnung, durch das stete Denken an Hari, [an ihn dachten wie in] Hingabe, erlangten sie Wesensgleichheit mit ihm.

Wort für Wort
yathā yathā
je mehr, wie
bhagavataḥ
des Erhabenen (Gen.)
bhaktyā
durch Hingabe (Instr.)
paramayā abhidā
durch höchste Gesinnung (Instr.)
nṛpāḥ
die Könige (Nom. Pl.)
caidya-ādayaḥ
angeführt von Caidya [Śiśupāla] (Nom. Pl.)
sātmyam
Wesensgleichheit (Akk.)
hareḥ
mit Hari (Gen.)
tat-cintayā
durch das stete Denken an ihn (Instr.)
yayuḥ
erlangten (3. Pl. Perf.)

[?] 'bhaktyā ... abhidā' ist eine schwer aufzulösende Doppelkonstruktion; hier als Vergleich zwischen der Intensität feindseliger Gesinnung und der Hingabe der Gottgeweihten gedeutet.

ākhyātaṁ sarvam etat te yan māṁ tvaṁ paripṛṣṭavān damaghoṣa-sutādīnāṁ hareḥ sātmyam api dviṣām

All dies wurde dir erzählt, was du mich gefragt hast: wie der Sohn des Damaghoṣa [Śiśupāla] und andere - obwohl [Haris] Feinde - Wesensgleichheit mit Hari [erlangten].

Wort für Wort
ākhyātam
erzählt (Nom.)
sarvam etat
all dies (Nom.)
te
dir (Dat.)
yat
was
mām tvam paripṛṣṭavān
du mich gefragt hast (Nom. Ptz. Perf.)
damaghoṣa-suta-ādīnām
des Sohnes des Damaghoṣa und anderer (Gen. Pl.)
hareḥ
mit Hari (Gen.)
sātmyam
Wesensgleichheit (Akk.)
api dviṣām
obwohl [seiner] Feinde (Gen. Pl.)

eṣā brahmaṇya-devasya kṛṣṇasya ca mahātmanaḥ avatāra-kathā puṇyā vadho yatrādi-daityayoḥ

Dies ist die heilige Erzählung von der Herabkunft Kṛṣṇas, des den Brahmanen zugetanen Gottes, der Großen Seele, worin die Tötung der beiden Urdämonen [enthalten ist].

Wort für Wort
eṣā
dies [ist]
brahmaṇya-devasya
des den Brahmanen zugetanen Gottes (Gen.)
kṛṣṇasya ca
und Kṛṣṇas (Gen.)
mahā-ātmanaḥ
der Großen Seele (Gen.)
avatāra-kathā
die Erzählung der Herabkunft (Nom.)
puṇyā
heilig (Nom.)
vadhaḥ
die Tötung (Nom.)
yatra
worin
ādi-daityayoḥ
der beiden Urdämonen (Gen. Dual)

prahrādasyānucaritaṁ mahā-bhāgavatasya ca bhaktir jñānaṁ viraktiś ca yāthārthyaṁ cāsya vai hareḥ sarga-sthity-apyayeśasya guṇa-karmānuvarṇanam parāvareṣāṁ sthānānāṁ kālena vyatyayo mahān

[Ebenso beschrieben ist] der Lebenswandel Prahlādas, des großen Hingebungsvollen, [seine] Hingabe, [sein] Wissen und [seine] Entsagung, sowie das wahre Wesen Haris selbst; [enthalten ist] die Beschreibung der Eigenschaften und Taten des Herrn von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung, sowie der große, durch die Zeit bewirkte Wandel der höheren und niederen Bereiche.

Wort für Wort
prahrādasya anucaritam
der Lebenswandel Prahlādas (Nom.)
mahā-bhāgavatasya
des großen Hingebungsvollen (Gen.)
ca bhaktiḥ
und Hingabe (Nom.)
jñānam
Wissen (Nom.)
viraktiḥ ca
und Entsagung (Nom.)
yāthārthyam
das wahre Wesen (Nom.)
ca asya vai hareḥ
und wahrlich von diesem Hari (Gen.)
sarga-sthiti-apyaya-īśasya
des Herrn von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung (Gen.)
guṇa-karma-anuvarṇanam
die Beschreibung [seiner] Eigenschaften und Taten (Nom.)
para-avareṣām sthānānām
der höheren und niederen Bereiche (Gen. Pl.)
kālena
durch die Zeit (Instr.)
vyatyayaḥ mahān
der große Wandel (Nom.)

Zwei Verse zu einer Einheit zusammengefasst.

dharmo bhāgavatānāṁ ca bhagavān yena gamyate ākhyāne 'smin samāmnātam ādhyātmikam aśeṣataḥ

Die Pflicht der Hingebungsvollen, wodurch der Erhabene erkannt wird, ist in dieser Erzählung vollständig, ohne Rest, als das geistig-Transzendente dargelegt.

Wort für Wort
dharmaḥ
die Pflicht, Religion (Nom.)
bhāgavatānām ca
und der Hingebungsvollen (Gen. Pl.)
bhagavān
der Erhabene (Nom.)
yena gamyate
wodurch erkannt wird (3. Sg. Pass.)
ākhyāne asmin
in dieser Erzählung (Lok.)
samāmnātam
vollständig dargelegt (Nom.)
ādhyātmikam
das geistig-Transzendente (Nom.)
aśeṣataḥ
ohne Rest, vollständig

ya etat puṇyam ākhyānaṁ viṣṇor vīryopabṛṁhitam kīrtayec chraddhayā śrutvā karma-pāśair vimucyate

Wer diese fromme, von der Macht Viṣṇus erfüllte Erzählung, nachdem er sie mit Glauben gehört hat, rezitiert, der wird von den Fesseln des Handelns befreit.

Wort für Wort
yaḥ
wer
etat puṇyam ākhyānam
diese fromme Erzählung (Akk.)
viṣṇoḥ vīrya-upabṛṁhitam
erfüllt von der Macht Viṣṇus (Akk.)
kīrtayet
rezitiert (Opt.)
śraddhayā
mit Glauben (Instr.)
śrutvā
nachdem er gehört hat (Absol.)
karma-pāśaiḥ
von den Fesseln des Handelns (Instr. Pl.)
vimucyate
wird befreit (3. Sg. Pass.)

etad ya ādi-puruṣasya mṛgendra-līlāṁ daityendra-yūtha-pa-vadhaṁ prayataḥ paṭheta daityātmajasya ca satāṁ pravarasya puṇyaṁ śrutvānubhāvam akuto-bhayam eti lokam

Wer dies mit Sorgfalt liest - das Spiel der Urperson als Löwenherrscher, die Tötung des Herrn der Dämonenschar - und zugleich von der frommen Macht des Sohnes des Dämons [Prahlāda], des Besten der Tugendhaften, hört, der erreicht die Welt, in der es keinerlei Furcht [mehr] gibt.

Wort für Wort
etat
dies
yaḥ
wer
ādi-puruṣasya
der Urperson (Gen.)
mṛga-indra-līlām
das Spiel als Löwenherrscher (Akk.)
daitya-indra-yūtha-pa-vadham
die Tötung des Herrn der Dämonenschar (Akk.)
prayataḥ
mit Sorgfalt (Nom.)
paṭheta
lesen möge (Opt.)
daitya-ātma-jasya
des Sohnes des Dämons (Gen.)
ca satām pravarasya
und des Besten der Tugendhaften (Gen.)
puṇyam anubhāvam
die fromme Macht (Akk.)
śrutvā
nachdem er gehört hat (Absol.)
akutaḥ-bhayam lokam
die Welt ohne jegliche Furcht (Akk.)
eti
erreicht (3. Sg.)

yūyaṁ nṛ-loke bata bhūri-bhāgā lokaṁ punānā munayo 'bhiyanti yeṣāṁ gṛhān āvasatīti sākṣād gūḍhaṁ paraṁ brahma manuṣya-liṅgam

Ihr [Pāṇḍavas] seid wahrlich höchst gesegnet in der Menschenwelt, [da] die Weisen, welche die Welten reinigen, zu euch kommen, in deren Häusern das verborgene höchste Brahman in Menschengestalt unmittelbar wohnt.

Wort für Wort
yūyam
ihr
nṛ-loke
in der Menschenwelt (Lok.)
bata
wahrlich
bhūri-bhāgāḥ
höchst gesegnet (Nom. Pl.)
lokam punānāḥ
die die Welt(en) reinigen (Nom. Pl.)
munayaḥ
die Weisen (Nom. Pl.)
abhiyanti
kommen hin (3. Pl.)
yeṣāṁ gṛhān
in deren Häuser (Akk. Pl.)
āvasati iti sākṣāt
unmittelbar so wohnt
gūḍham
verborgen (Nom.)
param brahma
das höchste Brahman (Nom.)
manuṣya-liṅgam
in Menschengestalt (Nom.)

sa vā ayaṁ brahma mahad-vimṛgya- kaivalya-nirvāṇa-sukhānubhūtiḥ priyaḥ suhṛd vaḥ khalu mātuleya ātmārhaṇīyo vidhi-kṛd guruś ca

Eben er, dieses Brahman, das von den Großen gesucht wird, dessen [wahre] Erfahrung die Glückseligkeit der Alleinheit und Erlösung ist, ist euer teurer Freund, wahrlich der Sohn eures Mutterbruders, [euer eigenes] Selbst, verehrungswürdig, Lenker [der Weltordnung] und Lehrer zugleich.

Wort für Wort
saḥ vā ayam
eben er, dieser
brahma
das Brahman (Nom.)
mahat-vimṛgya
von den Großen gesucht (Nom.)
kaivalya-nirvāṇa-sukha-anubhūtiḥ
dessen Erfahrung die Glückseligkeit der Alleinheit und Erlösung ist (Nom.)
priyaḥ suhṛt
teurer Freund (Nom.)
vaḥ khalu
wahrlich euer (Gen. Pl.)
mātuleyaḥ
der Sohn des Mutterbruders (Nom.)
ātmā
[euer eigenes] Selbst (Nom.)
arhaṇīyaḥ
verehrungswürdig (Nom.)
vidhi-kṛt
Lenker [der Weltordnung] (Nom.)
guruḥ ca
und Lehrer (Nom.)

na yasya sākṣād bhava-padmajādibhī rūpaṁ dhiyā vastutayopavarṇitam maunena bhaktyopaśamena pūjitaḥ prasīdatām eṣa sa sātvatāṁ patiḥ

Dessen Gestalt selbst von Śiva, dem Lotusgeborenen [Brahmā] und anderen durch [bloßen] Verstand der Wesenheit nach nicht unmittelbar erfasst wird - er, verehrt durch [meditatives] Schweigen, Hingabe und innere Ruhe - möge er, dieser Herr der Gottgeweihten, gnädig sein.

Wort für Wort
na
nicht
yasya
dessen (Gen.)
sākṣāt
unmittelbar
bhava-padma-ja-ādibhiḥ
von Śiva, dem Lotusgeborenen und anderen (Instr. Pl.)
rūpam
die Gestalt (Nom.)
dhiyā
durch Verstand (Instr.)
vastutayā
der Wesenheit nach (Instr.)
upavarṇitam
erfasst, beschrieben (Nom.)
maunena
durch Schweigen (Instr.)
bhaktyā
durch Hingabe (Instr.)
upaśamena
durch innere Ruhe (Instr.)
pūjitaḥ
verehrt (Nom.)
prasīdatām
er möge gnädig sein (Opt. 3. Sg.)
eṣa sa
eben dieser
sātvatām patiḥ
der Herr der Gottgeweihten (Nom.)

sa eṣa bhagavān rājan vyatanod vihataṁ yaśaḥ purā rudrasya devasya mayenānanta-māyinā

Eben dieser Erhabene, o König, stellte einst den verloren gegangenen Ruhm des Gottes Rudra [Śiva] wieder her, [den Ruhm, der] durch Maya, [den Dämon] von unendlicher [magischer] Kunstfertigkeit, [verloren gegangen war].

Wort für Wort
saḥ eṣaḥ bhagavān
eben dieser Erhabene (Nom.)
rājan
o König (Vok.)
vyatanot
stellte wieder her (3. Sg. Impf.)
vihatam yaśaḥ
den verlorenen Ruhm (Akk.)
purā
einst
rudrasya devasya
des Gottes Rudra (Gen.)
mayena
durch Maya (Instr.)
ananta-māyinā
der über unendliche [magische] Kunstfertigkeit verfügte (Instr.)

rājovāca kasmin karmaṇi devasya mayo 'hañ jagad-īśituḥ yathā copacitā kīrtiḥ kṛṣṇenānena kathyatām

Der König sprach: Durch welche Tat schlug Maya [den Ruhm] des Gottes, des Weltenherrschers, und wie der Ruhm durch diesen Kṛṣṇa wiederhergestellt wurde - das möge [mir] erzählt werden.

Wort für Wort
rājā uvāca
der König sprach
kasmin karmaṇi
durch welche Tat (Lok.)
devasya
des Gottes (Gen.)
mayaḥ ahan
Maya schlug (3. Sg. Impf.)
jagat-īśituḥ
des Weltenherrschers (Gen.)
yathā ca upacitā kīrtiḥ
und wie der Ruhm wiederhergestellt wurde (Nom.)
kṛṣṇena anena
durch diesen Kṛṣṇa (Instr.)
kathyatām
möge erzählt werden (Imperativ Pass.)

śrī-nārada uvāca nirjitā asurā devair yudhy anenopabṛṁhitaiḥ māyināṁ paramācāryaṁ mayaṁ śaraṇam āyayuḥ

Śrī Nārada sprach: Von den Göttern, die durch diesen [Kṛṣṇa] gestärkt waren, in der Schlacht besiegt, nahmen die Dämonen Zuflucht bei Maya, dem höchsten Lehrer der [magisch] Kundigen.

Wort für Wort
śrī-nāradaḥ uvāca
Śrī Nārada sprach
nirjitāḥ asurāḥ
besiegt, die Dämonen (Nom. Pl.)
devaiḥ
von den Göttern (Instr. Pl.)
yudhi
in der Schlacht (Lok.)
anena upabṛṁhitaiḥ
durch diesen [Kṛṣṇa] gestärkt (Instr. Pl.)
māyinām parama-ācāryam
zum höchsten Lehrer der Kundigen (Akk.)
mayam
Maya (Akk.)
śaraṇam āyayuḥ
nahmen Zuflucht (3. Pl. Perf.)

sa nirmāya puras tisro haimī-raupyāyasīr vibhuḥ durlakṣyāpāya-saṁyogā durvitarkya-paricchadāḥ tābhis te 'sura-senānyo lokāṁs trīn seśvarān nṛpa smaranto nāśayāṁ cakruḥ pūrva-vairam alakṣitāḥ

Nachdem der mächtige [Maya] drei Festungen erschaffen hatte - aus Gold, Silber und Eisen -, deren Bewegen [im Raum] schwer wahrnehmbar war und die mit unvorstellbarer Ausstattung versehen waren, begannen jene Heerführer der Asuras, o König, mit jenen [Festungen], unbemerkt, sich der früheren Feindschaft erinnernd, die drei Welten samt ihren Herrschern zu vernichten.

Wort für Wort
saḥ
er [Maya]
nirmāya
nachdem er erschaffen hatte (Absol.)
puraḥ tisraḥ
drei Festungen (Akk. Pl.)
haimī-raupya-āyasīḥ
aus Gold, Silber und Eisen (Akk. Pl.)
vibhuḥ
der Mächtige (Nom.)
durlakṣya-apāya-saṁyogāḥ
deren Bewegung schwer wahrnehmbar war (Nom. Pl.)
durvitarkya-paricchadāḥ
mit unvorstellbarer Ausstattung (Nom. Pl.)
tābhiḥ
mit jenen (Instr. Pl.)
te asura-senā-anyaḥ
jene Heerführer der Asuras (Nom. Pl.)
lokān trīn
die drei Welten (Akk. Pl.)
sa-īśvarān
samt ihren Herrschern (Akk. Pl.)
nṛpa
o König (Vok.)
smarantaḥ
sich erinnernd (Nom. Ptz.)
nāśayāṁ cakruḥ
begannen zu vernichten (3. Pl. Perf.)
pūrva-vairam
die frühere Feindschaft (Akk.)
alakṣitāḥ
unbemerkt (Nom. Pl.)

Zwei Verse zu einer Einheit zusammengefasst.

tatas te seśvarā lokā upāsādyeśvaraṁ natāḥ trāhi nas tāvakān deva vinaṣṭāṁs tripurālayaiḥ

Daraufhin näherten sich jene Welten samt ihren Herrschern Śiva und sprachen sich verneigend: Rette uns, die Deinigen, o Gott, die wir durch die Bewohner der drei Burgen zugrunde gehen!

Wort für Wort
tataḥ
daraufhin
te sa-īśvarāḥ lokāḥ
jene Welten samt ihren Herrschern (Nom. Pl.)
upāsādya
sich nähernd (Absol.)
īśvaram
zu Śiva (Akk.)
natāḥ
sich verneigend (Nom. Pl.)
trāhi
rette (Imperativ)
naḥ tāvakān
uns, die Deinigen (Akk. Pl.)
deva
o Gott (Vok.)
vinaṣṭān
zugrunde gehende (Akk. Pl.)
tripura-ālayaiḥ
durch die Bewohner der drei Burgen (Instr. Pl.)

athānugṛhya bhagavān mā bhaiṣṭeti surān vibhuḥ śaraṁ dhanuṣi sandhāya pureṣv astraṁ vyamuñcata

Da erwies der mächtige Erhabene [Śiva] den Göttern Gnade, [indem er sprach:] 'Fürchtet euch nicht', legte den Pfeil auf den Bogen und schoss die Waffe auf die Festungen ab.

Wort für Wort
atha
dann
anugṛhya
Gnade erweisend (Absol.)
bhagavān
der Erhabene (Nom.)
mā bhaiṣṭa iti
'fürchtet euch nicht', so [sprechend]
surān
zu den Göttern (Akk. Pl.)
vibhuḥ
der Mächtige (Nom.)
śaram
den Pfeil (Akk.)
dhanuṣi sandhāya
auf den Bogen legend (Absol.)
pureṣu
auf die Festungen (Lok. Pl.)
astram vyamuñcata
schoss die Waffe ab (3. Sg. Impf. Med.)

tato 'gni-varṇā iṣava utpetuḥ sūrya-maṇḍalāt yathā mayūkha-sandohā nādṛśyanta puro yataḥ

Daraufhin flogen feuerfarbene Pfeile hervor, wie Bündel von [Sonnen]strahlen aus der Sonnenscheibe, so dass die Festungen dadurch nicht mehr zu sehen waren.

Wort für Wort
tataḥ
daraufhin
agni-varṇāḥ iṣavaḥ
feuerfarbene Pfeile (Nom. Pl.)
utpetuḥ
flogen hervor (3. Pl. Perf.)
sūrya-maṇḍalāt
aus der Sonnenscheibe (Abl.)
yathā mayūkha-sandohāḥ
wie Bündel von Strahlen (Nom. Pl.)
na adṛśyanta
wurden nicht [mehr] gesehen (3. Pl. Impf. Pass.)
puraḥ
die Festungen (Nom. Pl.)
yataḥ
weswegen

taiḥ spṛṣṭā vyasavaḥ sarve nipetuḥ sma puraukasaḥ tān ānīya mahā-yogī mayaḥ kūpa-rase 'kṣipat

Von diesen [Pfeilen] berührt, fielen alle Bewohner der Festungen leblos nieder; der große Mystiker Maya brachte sie herbei und warf sie in den Brunnen mit [Lebens-]Nektar.

Wort für Wort
taiḥ spṛṣṭāḥ
von diesen berührt (Nom. Pl.)
vyasavaḥ
leblos (Nom. Pl.)
sarve
alle (Nom. Pl.)
nipetuḥ sma
fielen nieder (3. Pl. Perf.)
pura-okasaḥ
die Bewohner der Festungen (Nom. Pl.)
tān ānīya
nachdem er sie hergebracht hatte (Absol.)
mahā-yogī
der große Mystiker (Nom.)
mayaḥ
Maya (Nom.)
kūpa-rase
in den Brunnen mit Nektar (Lok.)
akṣipat
warf (3. Sg. Impf.)

siddhāmṛta-rasa-spṛṣṭā vajra-sārā mahaujasaḥ uttasthur megha-dalanā vaidyutā iva vahnayaḥ

Vom vollkommenen Nektarsaft berührt, [ihr Wesen nun] hart wie Donnerkeile, von großer Kraft, standen sie [wieder] auf - wie Feuer, das blitzartig die Wolken zerteilt.

Wort für Wort
siddha-amṛta-rasa-spṛṣṭāḥ
berührt vom vollkommenen Nektarsaft (Nom. Pl.)
vajra-sārāḥ
deren Wesenskern wie ein Donnerkeil war (Nom. Pl.)
mahā-ojasaḥ
von großer Kraft (Nom. Pl.)
uttasthuḥ
standen [wieder] auf (3. Pl. Perf.)
megha-dalanāḥ
die Wolken zerteilend (Nom. Pl.)
vaidyutāḥ iva vahnayaḥ
wie blitzartiges Feuer (Nom. Pl.)

vilokya bhagna-saṅkalpaṁ vimanaskaṁ vṛṣa-dhvajam tadāyaṁ bhagavān viṣṇus tatropāyam akalpayat

Als er [Śiva] mit dem Stierbanner sah, [dass sein] Vorhaben zunichte gemacht und er mutlos [war], da ersann dieser Erhabene, Viṣṇu, dafür ein Mittel.

Wort für Wort
vilokya
erblickend (Absol.)
bhagna-saṅkalpam
dessen Vorhaben zunichte gemacht war (Akk.)
vimanaskam
mutlos (Akk.)
vṛṣa-dhvajam
den [Gott] mit dem Stierbanner [Śiva] (Akk.)
tadā
da
ayam bhagavān viṣṇuḥ
dieser Erhabene, Viṣṇu (Nom.)
tatra upāyam
dafür ein Mittel (Akk.)
akalpayat
ersann (3. Sg. Impf.)

vatsaś cāsīt tadā brahmā svayaṁ viṣṇur ayaṁ hi gauḥ praviśya tripuraṁ kāle rasa-kūpāmṛtaṁ papau

Da wurde Brahmā selbst zum Kalb, und dieser Viṣṇu wahrlich zur Kuh; beide drangen in die drei Festungen ein und tranken zur [rechten] Zeit den Nektar des Brunnens.

Wort für Wort
vatsaḥ ca āsīt
und wurde zum Kalb (3. Sg. Impf.)
tadā brahmā
da Brahmā (Nom.)
svayam viṣṇuḥ
Viṣṇu selbst (Nom.)
ayam hi gauḥ
dieser wahrlich zur Kuh (Nom.)
praviśya
nachdem er eingedrungen war (Absol.)
tripuram
in die drei Festungen (Akk.)
kāle
zur [rechten] Zeit (Lok.)
rasa-kūpa-amṛtam
den Nektar des Brunnens (Akk.)
papau
trank (3. Sg. Perf.)

te 'surā hy api paśyanto na nyaṣedhan vimohitāḥ tad vijñāya mahā-yogī rasa-pālān idaṁ jagau smayan viśokaḥ śokārtān smaran daiva-gatiṁ ca tām

Jene Dämonen, obwohl sie es sahen, hinderten [Kalb und Kuh] nicht, verblendet [wie sie waren]. Dies erkennend sprach der große Mystiker [Maya], selbst kummerlos, doch lächelnd, zu den vom Kummer geplagten Wächtern des Nektars dies, sich an jenen unausweichlichen [Lauf des] Schicksals erinnernd:

Wort für Wort
te asurāḥ hi api
jene Dämonen fürwahr, obwohl
paśyantaḥ
zusehend (Nom. Pl.)
na nyaṣedhan
hinderten nicht (3. Pl. Impf.)
vimohitāḥ
verblendet (Nom. Pl.)
tat vijñāya
dies erkennend (Absol.)
mahā-yogī
der große Mystiker (Nom.)
rasa-pālān
zu den Wächtern des Nektars (Akk. Pl.)
idam jagau
sprach dies (3. Sg. Perf.)
smayan
lächelnd (Nom. Ptz.)
viśokaḥ
kummerlos (Nom.)
śoka-ārtān
zu den vom Kummer Geplagten (Akk. Pl.)
smaran
sich erinnernd (Nom. Ptz.)
daiva-gatim ca tām
und an jenen unausweichlichen Lauf des Schicksals (Akk.)

devo 'suro naro 'nyo vā neśvaro 'stīha kaścana ātmano 'nyasya vā diṣṭaṁ daivenāpohituṁ dvayoḥ

Sei es ein Gott, ein Dämon, ein Mensch oder ein anderer - es gibt hier niemanden, der die Macht hätte, das vom Schicksal zugewiesene Los, sei es das eigene oder das eines anderen, von beiden abzuwenden.

Wort für Wort
devaḥ asuraḥ naraḥ anyaḥ vā
[sei es] ein Gott, ein Dämon, ein Mensch oder ein anderer
na īśvaraḥ asti
es gibt keinen Mächtigen (Nom.)
iha kaścana
hier irgendeiner
ātmanaḥ anyasya vā
des eigenen [Selbst] oder eines anderen (Gen.)
diṣṭam
das Zugewiesene, Schicksal (Akk.)
daivena
durch das Schicksal (Instr.)
apohitum
abzuwenden (Inf.)
dvayoḥ
von beiden (Gen. Dual)

athāsau śaktibhiḥ svābhiḥ śambhoḥ prādhānikaṁ vyadhāt dharma-jñāna-virakty-ṛddhi- tapo-vidyā-kriyādibhiḥ rathaṁ sūtaṁ dhvajaṁ vāhān dhanur varma-śarādi yat sannaddho ratham āsthāya śaraṁ dhanur upādade

Darauf stattete er [Viṣṇu] mit seinen eigenen Kräften Śiva [mit dessen] Grundausrüstung aus - mit Tugend, Wissen, Entsagung, Fülle, Askese, Bildung, Tatkraft und anderem; mit Wagen, Wagenlenker, Banner, Zugtieren, Bogen, Rüstung, Pfeilen und was sonst [nötig war]; gewappnet bestieg [Śiva] den Wagen und ergriff Pfeil und Bogen.

Wort für Wort
atha asau
darauf er [Viṣṇu]
śaktibhiḥ svābhiḥ
durch seine eigenen Kräfte (Instr. Pl.)
śambhoḥ
Śivas (Gen.)
prādhānikam
die Grundausrüstung (Akk.)
vyadhāt
stattete aus (3. Sg. Impf.)
dharma-jñāna-virakti-ṛddhi-tapo-vidyā-kriyā-ādibhiḥ
mit Tugend, Wissen, Entsagung, Fülle, Askese, Bildung, Tatkraft und anderem (Instr. Pl.)
ratham
den Wagen (Akk.)
sūtam
den Wagenlenker (Akk.)
dhvajam
das Banner (Akk.)
vāhān
die Zugtiere (Akk. Pl.)
dhanuḥ
den Bogen (Akk.)
varma-śara-ādi
Rüstung, Pfeile und anderes (Akk.)
yat
was [nötig war]
sannaddhaḥ
gewappnet (Nom.)
ratham āsthāya
den Wagen besteigend (Absol.)
śaram dhanuḥ upādade
ergriff Pfeil und Bogen (3. Sg. Impf.)

Zwei Verse zu einer Einheit zusammengefasst.

śaraṁ dhanuṣi sandhāya muhūrte 'bhijitīśvaraḥ dadāha tena durbhedyā haro 'tha tripuro nṛpa

Nachdem er den Pfeil auf den Bogen gelegt hatte, verbrannte der Herr [Śiva] zur [günstigen] Stunde Abhijit damit die schwer zu durchdringenden drei Festungen, o König.

Wort für Wort
śaram
den Pfeil (Akk.)
dhanuṣi sandhāya
auf den Bogen legend (Absol.)
muhūrte abhijiti
zur Stunde Abhijit (Lok.)
īśvaraḥ
der Herr (Nom.)
dadāha
verbrannte (3. Sg. Perf.)
tena
damit (Instr.)
durbhedyāḥ
die schwer zu durchdringenden (Akk. Pl.)
haraḥ atha
Śiva darauf (Nom.)
tripuraḥ
die drei Festungen (Akk. Pl.)
nṛpa
o König (Vok.)

divi dundubhayo nedur vimāna-śata-saṅkulāḥ devarṣi-pitṛ-siddheśā jayeti kusumotkaraiḥ avākirañ jagur hṛṣṭā nanṛtuś cāpsaro-gaṇāḥ

Am Himmel dröhnten Kesseltrommeln, erfüllt von hunderten Flugwagen; Götter, Weise, Vorväter und Herren der Siddhas [riefen] 'Sieg!' und bestreuten [ihn] mit Blütenmassen; erfreut sangen sie, und die Scharen der Apsaras tanzten.

Wort für Wort
divi
am Himmel (Lok.)
dundubhayaḥ neduḥ
Kesseltrommeln dröhnten (3. Pl. Impf.)
vimāna-śata-saṅkulāḥ
erfüllt von hunderten Flugwagen (Nom. Pl.)
deva-ṛṣi-pitṛ-siddha-īśāḥ
Götter, Weise, Vorväter und Herren der Siddhas (Nom. Pl.)
jaya iti
'Sieg!' so [rufend]
kusuma-utkaraiḥ
mit Blütenmassen (Instr. Pl.)
avākiran
bestreuten (3. Pl. Impf.)
jaguḥ hṛṣṭāḥ
erfreut sangen sie (3. Pl. Impf.)
nanṛtuḥ ca
und tanzten (3. Pl. Impf.)
apsaraḥ-gaṇāḥ
die Scharen der Apsaras (Nom. Pl.)

evaṁ dagdhvā puras tisro bhagavān pura-hā nṛpa brahmādibhiḥ stūyamānaḥ svaṁ dhāma pratyapadyata

So kehrte, o König, der Erhabene, der Zerstörer der Festungen, nachdem er die drei Festungen verbrannt hatte, von Brahmā und anderen gepriesen, zu seiner eigenen Wohnstatt zurück.

Wort für Wort
evam
so
dagdhvā
nachdem er verbrannt hatte (Absol.)
puraḥ tisraḥ
die drei Festungen (Akk. Pl.)
bhagavān
der Erhabene (Nom.)
pura-hā
der Zerstörer der Festungen (Nom.)
nṛpa
o König (Vok.)
brahma-ādibhiḥ stūyamānaḥ
von Brahmā und anderen gepriesen (Nom.)
svam dhāma
zu seiner eigenen Wohnstatt (Akk.)
pratyapadyata
kehrte zurück (3. Sg. Impf. Med.)

evaṁ vidhāny asya hareḥ sva-māyayā viḍambamānasya nṛ-lokam ātmanaḥ vīryāṇi gītāny ṛṣibhir jagad-guror lokaṁ punānāny aparaṁ vadāmi kim

Solcherart sind die Heldentaten dieses Hari, des Weltenlehrers, der durch seine eigene [Täuschungs-]Macht selbst die Menschenwelt nachahmt - Heldentaten, von den Weisen besungen, die die Welt reinigen. Was [weiteres] soll ich [noch] sagen?

Wort für Wort
evaṁ-vidhāni
solcherart beschaffene (Akk. Pl.)
asya hareḥ
dieses Hari (Gen.)
sva-māyayā
durch seine eigene Täuschungsmacht (Instr.)
viḍambamānasya
der nachahmt (Gen. Ptz.)
nṛ-lokam
die Menschenwelt (Akk.)
ātmanaḥ
selbst (Gen.)
vīryāṇi
die Heldentaten (Akk. Pl.)
gītāni
besungen (Akk. Pl.)
ṛṣibhiḥ
von den Weisen (Instr. Pl.)
jagat-guroḥ
des Weltenlehrers (Gen.)
lokam punānāni
die die Welt reinigen (Akk. Pl.)
aparam vadāmi kim
was Weiteres soll ich sagen

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