śrī-nārada uvāca
bhakti-yogasya tat sarvam
antarāyatayārbhakaḥ
manyamāno hṛṣīkeśaṁ
smayamāna uvāca ha
Śrī Nārada sprach: Das Kind [Prahlāda], welches all jenes als Hindernis für die Hingabe (bhakti-yoga) erachtete, sprach lächelnd zu Hṛṣīkeśa (dem Herrn der Sinne).
Śrī Prahlāda sprach: Verführe mich nicht durch [meine] Geburt, mich, der an Sinnesgenüssen haftet, mit jenen Segnungen. Aus Furcht vor der Verbindung mit ihnen, der Welt überdrüssig und nach Befreiung verlangend, habe ich bei dir Zuflucht genommen.
Da du die Kennzeichen eines [wahren] Dieners kennenlernen wolltest, hast du den Hingebungsvollen [mich] mit Begierden angespornt, [Begierden,] die die Samen des Weltenkreislaufs sind, [sitzend] in den Herzensknoten, o Herr.
Wort für Wort
bhṛtya-lakṣaṇa-jijñāsuḥ
wünschend, die Kennzeichen eines Dieners zu erfahren (Nom.)
nānyathā te 'khila-guro
ghaṭeta karuṇātmanaḥ
yas ta āśiṣa āśāste
na sa bhṛtyaḥ sa vai vaṇik
Nicht anders könnte es sich verhalten bei dir, o Lehrer allen [Seins], dessen Wesen Mitleid ist. Wer von dir Segnungen erhofft, der ist kein Diener, der ist wahrlich ein Händler.
āśāsāno na vai bhṛtyaḥ
svāminy āśiṣa ātmanaḥ
na svāmī bhṛtyataḥ svāmyam
icchan yo rāti cāśiṣaḥ
Wer beim Herrn für sich selbst Segnungen erhofft, ist wahrlich kein Diener; und ebenso ist kein wahrer Herr, wer, indem er vom Diener Gehorsam begehrt, [ihm dafür] Segnungen gewährt.
ahaṁ tv akāmas tvad-bhaktas
tvaṁ ca svāmy anapāśrayaḥ
nānyathehāvayor artho
rāja-sevakayor iva
Ich aber bin wunschlos, dein Hingebungsvoller, und du bist [mein] Herr ohne [weitere] Abhängigkeit; unser beider Verhältnis ist hier nicht anders [angelegt] als das von König und Diener [d.h. frei von Gewinnstreben].
Wort für Wort
aham tu akāmaḥ
ich aber [bin] wunschlos
tvat-bhaktaḥ
dein Hingebungsvoller (Nom.)
tvam ca svāmī
und du [bist der] Herr
anapāśrayaḥ
ohne [weitere] Abhängigkeit (Nom.)
na anyathā
nicht anders
iha
hier
āvayoḥ arthaḥ
unser beider Zweck/Verhältnis (Gen. Dual + Nom.)
rāja-sevakayoḥ iva
wie bei König und Diener
[?] rāja-sevakayor iva ist im Sinnzusammenhang etwas mehrdeutig; hier als Bild für ein pflichtgebundenes, nicht transaktionales Verhältnis gedeutet.
yadi dāsyasi me kāmān
varāṁs tvaṁ varadarṣabha
kāmānāṁ hṛdy asaṁrohaṁ
bhavatas tu vṛṇe varam
Wenn du mir begehrte Segnungen geben willst, o Bester der Segenspender, dann erbitte ich von dir als Segen das Nicht-Aufkeimen der Begierden im Herzen.
[jene Begierden,] durch die einem von Geburt an die Sinne, der Geist, die Lebensluft, das Selbst, die Tugend, die Standhaftigkeit, der Verstand, die Scham, die Herrlichkeit, die Kraft, die Erinnerung und die Wahrhaftigkeit zugrunde gehen.
Wort für Wort
indriyāṇi
die Sinne (Nom. Pl.)
manaḥ
der Geist (Nom.)
prāṇaḥ
die Lebensluft (Nom.)
ātmā
das Selbst, der Körper (Nom.)
dharmaḥ
die Tugend (Nom.)
dhṛtiḥ
die Standhaftigkeit (Nom.)
matiḥ
der Verstand (Nom.)
hrīḥ
die Scham (Nom.)
śrīḥ
die Herrlichkeit (Nom.)
tejaḥ
die Kraft, der Glanz (Nom.)
smṛtiḥ
die Erinnerung (Nom.)
satyam
die Wahrhaftigkeit (Nom.)
yasya
dessen (Gen.)
naśyanti
gehen zugrunde (3. Pl.)
janmanā
von Geburt an (Instr.)
Setzt den Gedanken von Vers 7 fort (Objekt des vorigen 'varam').
śrī-bhagavān uvāca
naikāntino me mayi jātv ihāśiṣa
āśāsate 'mutra ca ye bhavad-vidhāḥ
tathāpi manvantaram etad atra
daityeśvarāṇām anubhuṅkṣva bhogān
Der Erhabene Herr sprach: Die ausschließlich mir Ergebenen erhoffen niemals von mir Segnungen, weder hier noch im Jenseits, sie, die dir gleichen. Dennoch: Genieße für dieses Manvantara hier die Genüsse der Herrscher der Daityas.
Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der Erhabene Herr sprach
na ekāntinaḥ
nicht die einzig [auf mich] Gerichteten (Nom. Pl.)
Indem du dich stets meinen lieben Erzählungen widmest und mich in dein Selbst aufnimmst, verehre [mich als] den Einen, der in allen Wesen als Herr der Opfer weilt, durch Hingabe, während du zugleich das fruchtbringende Handeln aufgibst.
Wort für Wort
kathāḥ madīyāḥ
meine Erzählungen (Akk. Pl.)
juṣamāṇaḥ
stets pflegend, genießend (Nom. Ptz.)
priyāḥ
liebe (Akk. Pl.)
tvam
du
āveśya
nachdem du [mich] aufgenommen hast (Absol.)
mām
mich (Akk.)
ātmani santam
im Selbst weilend (Lok./Akk.)
ekam
den Einen (Akk.)
sarveṣu bhūteṣu
in allen Wesen (Lok. Pl.)
adhiyajñam
den Herrn der Opfer (Akk.)
īśam
den Herrn (Akk.)
yajasva
verehre (Imperativ)
yogena
durch Hingabe (Instr.)
ca karma hinvan
und das [fruchtbringende] Handeln aufgebend (Nom. Ptz.)
Nachdem du durch Genuss [angesammeltes] Verdienst, durch frommes Handeln [angesammelte] Sünde und durch die Macht der Zeit den Körper aufgegeben hast, und nachdem du reinen, in der Götterwelt besungenen Ruhm verbreitet hast, wirst du, von aller Bindung befreit, zu mir gelangen.
ya etat kīrtayen mahyaṁ
tvayā gītam idaṁ naraḥ
tvāṁ ca māṁ ca smaran kāle
karma-bandhāt pramucyate
Wer immer, mir zu Ehren, dieses von dir gesungene [Lob] rezitiert - wer, an dich und an mich denkend, [lebt], der wird zu gegebener Zeit von der Bindung des Handelns befreit.
śrī-prahrāda uvāca
varaṁ varaya etat te
varadeśān maheśvara
yad anindat pitā me
tvām avidvāṁs teja aiśvaram
viddhāmarṣāśayaḥ sākṣāt
sarva-loka-guruṁ prabhum
bhrātṛ-heti mṛṣā-dṛṣṭis
tvad-bhakte mayi cāghavān
tasmāt pitā me pūyeta
durantād dustarād aghāt
pūtas te 'pāṅga-saṁdṛṣṭas
tadā kṛpaṇa-vatsala
Śrī Prahlāda sprach: Ich erbitte von dir, dem Herrn der Segenspender, o großer Herrscher, diesen Segen: dass mein Vater, der in Unwissenheit deine Macht und Erhabenheit schmähte, dessen Herz von Zorn durchdrungen war, der dich, den Lehrer aller Welten, den Herrn, unmittelbar als 'Brudermörder' [ansah] - von falscher Sicht geleitet -, und der gegen mich, deinen Hingebungsvollen, sündig handelte, dadurch von diesem endlosen, schwer zu überwindenden Übel geläutert werde - gereinigt durch deinen [gnädigen] Seitenblick, o du, der den Elenden liebevoll zugetan ist.
Wort für Wort
śrī-prahrādaḥ uvāca
Śrī Prahlāda sprach
varam varaye
ich erbitte einen Segen (1. Sg. Med.)
etat te varada-īśāt
diesen von dir, dem Herrn der Segenspender (Abl.)
mahā-īśvara
o großer Herrscher (Vok.)
yat anindat
dass/weil er schmähte (3. Sg. Impf.)
pitā me
mein Vater (Nom.)
tvām
dich (Akk.)
avidvān
unwissend (Nom.)
tejaḥ aiśvaram
Macht und Erhabenheit (Akk.)
viddha-amarṣa-āśayaḥ
dessen Herz von Zorn durchdrungen war (Nom.)
sākṣāt
unmittelbar
sarva-loka-gurum
den Lehrer aller Welten (Akk.)
prabhum
den Herrn (Akk.)
bhrātṛ-hā iti
'[er sei ein] Brudermörder', so [denkend]
mṛṣā-dṛṣṭiḥ
von falscher Sicht [geleitet] (Nom.)
tvat-bhakte mayi
gegen mich, deinen Hingebungsvollen (Lok.)
ca aghavān
und sündig (Nom.)
tasmāt
dadurch
pitā me pūyeta
möge mein Vater geläutert werden (Opt.)
durantāt dustarāt aghāt
vom endlosen, schwer zu überwindenden Übel (Abl.)
pūtaḥ
gereinigt (Nom.)
te apāṅga-saṁdṛṣṭaḥ
von deinem Seitenblick erblickt (Nom.)
tadā
dann
kṛpaṇa-vatsala
o den Elenden liebevoll Zugetaner (Vok.)
Drei Verse zu einer Einheit zusammengefasst (ein Satzgefüge).
śrī-bhagavān uvāca
triḥ-saptabhiḥ pitā pūtaḥ
pitṛbhiḥ saha te 'nagha
yat sādho 'sya kule jāto
bhavān vai kula-pāvanaḥ
Der Erhabene Herr sprach: Dein Vater ist zusammen mit dreimal sieben Vorfahren gereinigt, o Sündloser, weil du, o Tugendhafter, in dessen Geschlecht geboren wurdest; du bist wahrlich der Läuterer des Geschlechts.
yatra yatra ca mad-bhaktāḥ
praśāntāḥ sama-darśinaḥ
sādhavaḥ samudācārās
te pūyante 'pi kīkaṭāḥ
Wo immer meine Hingebungsvollen [weilen] - die Befriedeten, Gleichmütigen, Tugendhaften, von vorbildlichem Verhalten -, dort wird selbst [ein Land] wie Kīkaṭa geläutert.
sarvātmanā na hiṁsanti
bhūta-grāmeṣu kiñcana
uccāvaceṣu daityendra
mad-bhāva-vigata-spṛhāḥ
In jeder Hinsicht schaden sie keinem Wesen, weder den höheren noch den niederen, o Herrscher der Daityas, sie, deren Verlangen durch die Hingabe an mich geschwunden ist.
Wort für Wort
sarva-ātmanā
in jeder Hinsicht (Instr.)
na hiṁsanti
sie schaden nicht (3. Pl.)
bhūta-grāmeṣu kiñcana
irgendeinem Wesen (Lok. Pl.)
ucca-avaceṣu
unter den höheren und niederen (Lok. Pl.)
daitya-indra
o Herrscher der Daityas (Vok.)
mat-bhāva-vigata-spṛhāḥ
deren Verlangen durch Hingabe an mich geschwunden ist (Nom. Pl.)
In der Welt gibt es Menschen, die meine Hingebungsvollen sind, indem sie dir nacheifern; du bist wahrlich der, der für alle meine Hingebungsvollen das [ihnen entsprechende] Abbild trägt.
Wort für Wort
bhavanti puruṣāḥ
es gibt Menschen (3. Pl. / Nom. Pl.)
loke
in der Welt (Lok.)
mat-bhaktāḥ
meine Hingebungsvollen (Nom. Pl.)
tvām anuvratāḥ
dir nacheifernd, dir ergeben (Nom. Pl.)
bhavān
du (Nom.)
me
mein (Gen.)
khalu
wahrlich
bhaktānāṁ sarveṣām
von allen Hingebungsvollen (Gen. Pl.)
pratirūpa-dhṛk
der das entsprechende Abbild trägt (Nom.)
[Anm.: Für diesen Vers war auf der Quellseite keine wfw-Gloss-Tabelle vorhanden; Übersetzung direkt aus dem IAST-Text erarbeitet. 'pratirūpa-dhṛk' ist eine ungewöhnliche Wendung, hier als 'Träger des entsprechenden Abbilds/Vorbilds' gedeutet [?].]
kuru tvaṁ preta-kṛtyāni
pituḥ pūtasya sarvaśaḥ
mad-aṅga-sparśanenāṅga
lokān yāsyati suprajāḥ
Vollziehe du die Totenriten für deinen bereits gereinigten Vater in jeder Hinsicht; durch die Berührung meines Körpers, mein Kind, wird er, zu einem guten Nachkommen [der himmlischen Welt] gewandelt, zu [höheren] Welten gelangen.
pitryaṁ ca sthānam ātiṣṭha
yathoktaṁ brahmavādibhiḥ
mayy āveśya manas tāta
kuru karmāṇi mat-paraḥ
Und besteige den väterlichen Thron, wie es von den Kennern des Brahman vorgeschrieben ist; nachdem du deinen Geist in mich versenkt hast, mein Kind, vollziehe [deine] Pflichten, mir hingegeben.
Śrī Nārada sprach: Auch Prahlāda vollzog ebenso für seinen Vater die Totenriten, wie es der Erhabene aufgetragen hatte, o König, und wurde von den Brahmanen inthronisiert.
Als Brahmā Narahari, Hari, sah, dessen Antlitz von Wohlwollen heiter war, pries er ihn mit reinen Worten und sprach, umgeben von den Göttern und anderen [Wesen]:
śrī-brahmovāca
deva-devākhilādhyakṣa
bhūta-bhāvana pūrvaja
diṣṭyā te nihataḥ pāpo
loka-santāpano 'suraḥ
Śrī Brahmā sprach: O Gott der Götter, Herrscher über das All, Urheber der Wesen, Urgeborener - zu unserem Glück wurde von dir der sündige, die Welt quälende Dämon getötet.
yo 'sau labdha-varo matto
na vadhyo mama sṛṣṭibhiḥ
tapo-yoga-balonnaddhaḥ
samasta-nigamān ahan
Er, der von mir einen Segen erlangt hatte, [wonach er] durch keines meiner Geschöpfe zu töten [war], wurde durch die Kraft von Askese und Yoga hochmütig und missachtete alle vedischen Gebote.
Wort für Wort
yaḥ asau
er, der da
labdha-varaḥ
der einen Segen erlangt hatte (Nom.)
mattaḥ
von mir (Abl.)
na vadhyaḥ
nicht zu töten (Nom.)
mama sṛṣṭibhiḥ
durch meine Geschöpfe (Instr. Pl.)
tapaḥ-yoga-bala-unnaddhaḥ
durch die Kraft von Askese und Yoga hochmütig geworden (Nom.)
Zum Glück wurde dessen Sohn, der tugendhafte, große Hingebungsvolle - obwohl [nur] ein Kind - von dir vom Tod befreit, und zum Glück ist er nun mit dir vereint.
etad vapus te bhagavan
dhyāyataḥ paramātmanaḥ
sarvato goptṛ santrāsān
mṛtyor api jighāṁsataḥ
Diese deine Gestalt, o Erhabener, ist für den, der über die höchste Seele meditiert, von allen Seiten Beschützerin vor Schrecken - selbst vor dem Tod, [ausgehend] von dem, der [ihn] zu töten trachtet.
Der Erhabene Herr sprach: Tu nicht so, o Mächtiger, o Lotusgeborener! Segen sollte von dir nicht den Dämonen gewährt werden, deren Natur grausam ist - ebenso wenig wie man Schlangen Nektar [gäbe].
Śrī Nārada sprach: Nachdem der Erhabene dies gesagt hatte, o König, verschwand Hari daraufhin, unsichtbar für alle Wesen, nachdem er von Brahmā verehrt worden war.
Daraufhin verehrte Prahlāda [sie] und huldigte mit gesenktem Haupt Brahmā, Śiva, den Prajāpatis und den Göttern - welche allesamt Teilaspekte des Erhabenen sind.
Wort für Wort
tataḥ
daraufhin
sampūjya
nachdem er verehrt hatte (Absol.)
śirasā
mit dem Haupt (Instr.)
vavande
huldigte (3. Sg. Perf.)
parameṣṭhinam
vor Brahmā (Akk.)
bhavam
vor Śiva (Akk.)
prajāpatīn
vor den Prajāpatis (Akk. Pl.)
devān
vor den Göttern (Akk. Pl.)
prahrādaḥ
Prahlāda (Nom.)
bhagavat-kalāḥ
[welche] Teilaspekte des Erhabenen [sind] (Akk. Pl.)
pratinandya tato devāḥ
prayujya paramāśiṣaḥ
sva-dhāmāni yayū rājan
brahmādyāḥ pratipūjitāḥ
Daraufhin, o König, gingen die Götter, angeführt von Brahmā, nachdem sie [Prahlāda] beglückwünscht und höchste Segnungen dargebracht hatten und [selbst von ihm] geehrt worden waren, zu ihren eigenen Wohnstätten.
evaṁ ca pārṣadau viṣṇoḥ
putratvaṁ prāpitau diteḥ
hṛdi sthitena hariṇā
vaira-bhāvena tau hatau
Und so wurden die beiden Gefährten Viṣṇus, die zur Sohnschaft der Diti gebracht worden waren, von dem im Herzen [beider] weilenden Hari - [ihrer] feindseligen Gesinnung [entsprechend] - getötet.
punaś ca vipra-śāpena
rākṣasau tau babhūvatuḥ
kumbhakarṇa-daśa-grīvau
hatau tau rāma-vikramaiḥ
Und wiederum wurden die beiden durch den Fluch eines Brahmanen zu zwei Rākṣasas, [nämlich] Kumbhakarṇa und dem Zehnhalsigen [Rāvaṇa]; die beiden wurden durch die heldenhaften Taten Rāmas getötet.
Auf dem Schlachtfeld liegend, das Herz von Rāmas Pfeilen durchbohrt, gaben die beiden - den Geist auf ihn gerichtet - den Körper auf, so wie schon in der früheren Geburt.
tāv ihātha punar jātau
śiśupāla-karūṣa-jau
harau vairānubandhena
paśyatas te samīyatuḥ
Die beiden, hier wiederum geboren als Śiśupāla und der in Karūṣa Geborene [Dantavakra], gingen - durch die fortdauernde Feindschaft gegenüber Hari - vor deinen Augen [wieder] in ihn ein.
enaḥ pūrva-kṛtaṁ yat tad
rājānaḥ kṛṣṇa-vairiṇaḥ
jahus te 'nte tad-ātmānaḥ
kīṭaḥ peśaskṛto yathā
Jene [zuvor begangene] Sünde gaben die Könige, die Feinde Kṛṣṇas waren, [durch ihren Tod] auf und erlangten am Ende dessen Wesen - gleichwie die Larve das Wesen der Grabwespe [annimmt, die sie gefangen hält].
In dem Maße, wie die Könige, angeführt von Caidya [Śiśupāla], durch höchste [wenn auch feindselige] Gesinnung, durch das stete Denken an Hari, [an ihn dachten wie in] Hingabe, erlangten sie Wesensgleichheit mit ihm.
Wort für Wort
yathā yathā
je mehr, wie
bhagavataḥ
des Erhabenen (Gen.)
bhaktyā
durch Hingabe (Instr.)
paramayā abhidā
durch höchste Gesinnung (Instr.)
nṛpāḥ
die Könige (Nom. Pl.)
caidya-ādayaḥ
angeführt von Caidya [Śiśupāla] (Nom. Pl.)
sātmyam
Wesensgleichheit (Akk.)
hareḥ
mit Hari (Gen.)
tat-cintayā
durch das stete Denken an ihn (Instr.)
yayuḥ
erlangten (3. Pl. Perf.)
[?] 'bhaktyā ... abhidā' ist eine schwer aufzulösende Doppelkonstruktion; hier als Vergleich zwischen der Intensität feindseliger Gesinnung und der Hingabe der Gottgeweihten gedeutet.
ākhyātaṁ sarvam etat te
yan māṁ tvaṁ paripṛṣṭavān
damaghoṣa-sutādīnāṁ
hareḥ sātmyam api dviṣām
All dies wurde dir erzählt, was du mich gefragt hast: wie der Sohn des Damaghoṣa [Śiśupāla] und andere - obwohl [Haris] Feinde - Wesensgleichheit mit Hari [erlangten].
eṣā brahmaṇya-devasya
kṛṣṇasya ca mahātmanaḥ
avatāra-kathā puṇyā
vadho yatrādi-daityayoḥ
Dies ist die heilige Erzählung von der Herabkunft Kṛṣṇas, des den Brahmanen zugetanen Gottes, der Großen Seele, worin die Tötung der beiden Urdämonen [enthalten ist].
prahrādasyānucaritaṁ
mahā-bhāgavatasya ca
bhaktir jñānaṁ viraktiś ca
yāthārthyaṁ cāsya vai hareḥ
sarga-sthity-apyayeśasya
guṇa-karmānuvarṇanam
parāvareṣāṁ sthānānāṁ
kālena vyatyayo mahān
[Ebenso beschrieben ist] der Lebenswandel Prahlādas, des großen Hingebungsvollen, [seine] Hingabe, [sein] Wissen und [seine] Entsagung, sowie das wahre Wesen Haris selbst; [enthalten ist] die Beschreibung der Eigenschaften und Taten des Herrn von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung, sowie der große, durch die Zeit bewirkte Wandel der höheren und niederen Bereiche.
Wort für Wort
prahrādasya anucaritam
der Lebenswandel Prahlādas (Nom.)
mahā-bhāgavatasya
des großen Hingebungsvollen (Gen.)
ca bhaktiḥ
und Hingabe (Nom.)
jñānam
Wissen (Nom.)
viraktiḥ ca
und Entsagung (Nom.)
yāthārthyam
das wahre Wesen (Nom.)
ca asya vai hareḥ
und wahrlich von diesem Hari (Gen.)
sarga-sthiti-apyaya-īśasya
des Herrn von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung (Gen.)
guṇa-karma-anuvarṇanam
die Beschreibung [seiner] Eigenschaften und Taten (Nom.)
Die Pflicht der Hingebungsvollen, wodurch der Erhabene erkannt wird, ist in dieser Erzählung vollständig, ohne Rest, als das geistig-Transzendente dargelegt.
Wer diese fromme, von der Macht Viṣṇus erfüllte Erzählung, nachdem er sie mit Glauben gehört hat, rezitiert, der wird von den Fesseln des Handelns befreit.
etad ya ādi-puruṣasya
mṛgendra-līlāṁ
daityendra-yūtha-pa-vadhaṁ
prayataḥ paṭheta
daityātmajasya ca satāṁ
pravarasya puṇyaṁ
śrutvānubhāvam akuto-bhayam
eti lokam
Wer dies mit Sorgfalt liest - das Spiel der Urperson als Löwenherrscher, die Tötung des Herrn der Dämonenschar - und zugleich von der frommen Macht des Sohnes des Dämons [Prahlāda], des Besten der Tugendhaften, hört, der erreicht die Welt, in der es keinerlei Furcht [mehr] gibt.
Ihr [Pāṇḍavas] seid wahrlich höchst gesegnet in der Menschenwelt, [da] die Weisen, welche die Welten reinigen, zu euch kommen, in deren Häusern das verborgene höchste Brahman in Menschengestalt unmittelbar wohnt.
sa vā ayaṁ brahma mahad-vimṛgya-
kaivalya-nirvāṇa-sukhānubhūtiḥ
priyaḥ suhṛd vaḥ khalu mātuleya
ātmārhaṇīyo vidhi-kṛd guruś ca
Eben er, dieses Brahman, das von den Großen gesucht wird, dessen [wahre] Erfahrung die Glückseligkeit der Alleinheit und Erlösung ist, ist euer teurer Freund, wahrlich der Sohn eures Mutterbruders, [euer eigenes] Selbst, verehrungswürdig, Lenker [der Weltordnung] und Lehrer zugleich.
Wort für Wort
saḥ vā ayam
eben er, dieser
brahma
das Brahman (Nom.)
mahat-vimṛgya
von den Großen gesucht (Nom.)
kaivalya-nirvāṇa-sukha-anubhūtiḥ
dessen Erfahrung die Glückseligkeit der Alleinheit und Erlösung ist (Nom.)
na yasya sākṣād bhava-padmajādibhī
rūpaṁ dhiyā vastutayopavarṇitam
maunena bhaktyopaśamena pūjitaḥ
prasīdatām eṣa sa sātvatāṁ patiḥ
Dessen Gestalt selbst von Śiva, dem Lotusgeborenen [Brahmā] und anderen durch [bloßen] Verstand der Wesenheit nach nicht unmittelbar erfasst wird - er, verehrt durch [meditatives] Schweigen, Hingabe und innere Ruhe - möge er, dieser Herr der Gottgeweihten, gnädig sein.
Wort für Wort
na
nicht
yasya
dessen (Gen.)
sākṣāt
unmittelbar
bhava-padma-ja-ādibhiḥ
von Śiva, dem Lotusgeborenen und anderen (Instr. Pl.)
Eben dieser Erhabene, o König, stellte einst den verloren gegangenen Ruhm des Gottes Rudra [Śiva] wieder her, [den Ruhm, der] durch Maya, [den Dämon] von unendlicher [magischer] Kunstfertigkeit, [verloren gegangen war].
Wort für Wort
saḥ eṣaḥ bhagavān
eben dieser Erhabene (Nom.)
rājan
o König (Vok.)
vyatanot
stellte wieder her (3. Sg. Impf.)
vihatam yaśaḥ
den verlorenen Ruhm (Akk.)
purā
einst
rudrasya devasya
des Gottes Rudra (Gen.)
mayena
durch Maya (Instr.)
ananta-māyinā
der über unendliche [magische] Kunstfertigkeit verfügte (Instr.)
Der König sprach: Durch welche Tat schlug Maya [den Ruhm] des Gottes, des Weltenherrschers, und wie der Ruhm durch diesen Kṛṣṇa wiederhergestellt wurde - das möge [mir] erzählt werden.
Śrī Nārada sprach: Von den Göttern, die durch diesen [Kṛṣṇa] gestärkt waren, in der Schlacht besiegt, nahmen die Dämonen Zuflucht bei Maya, dem höchsten Lehrer der [magisch] Kundigen.
sa nirmāya puras tisro
haimī-raupyāyasīr vibhuḥ
durlakṣyāpāya-saṁyogā
durvitarkya-paricchadāḥ
tābhis te 'sura-senānyo
lokāṁs trīn seśvarān nṛpa
smaranto nāśayāṁ cakruḥ
pūrva-vairam alakṣitāḥ
Nachdem der mächtige [Maya] drei Festungen erschaffen hatte - aus Gold, Silber und Eisen -, deren Bewegen [im Raum] schwer wahrnehmbar war und die mit unvorstellbarer Ausstattung versehen waren, begannen jene Heerführer der Asuras, o König, mit jenen [Festungen], unbemerkt, sich der früheren Feindschaft erinnernd, die drei Welten samt ihren Herrschern zu vernichten.
tatas te seśvarā lokā
upāsādyeśvaraṁ natāḥ
trāhi nas tāvakān deva
vinaṣṭāṁs tripurālayaiḥ
Daraufhin näherten sich jene Welten samt ihren Herrschern Śiva und sprachen sich verneigend: Rette uns, die Deinigen, o Gott, die wir durch die Bewohner der drei Burgen zugrunde gehen!
Da erwies der mächtige Erhabene [Śiva] den Göttern Gnade, [indem er sprach:] 'Fürchtet euch nicht', legte den Pfeil auf den Bogen und schoss die Waffe auf die Festungen ab.
tato 'gni-varṇā iṣava
utpetuḥ sūrya-maṇḍalāt
yathā mayūkha-sandohā
nādṛśyanta puro yataḥ
Daraufhin flogen feuerfarbene Pfeile hervor, wie Bündel von [Sonnen]strahlen aus der Sonnenscheibe, so dass die Festungen dadurch nicht mehr zu sehen waren.
Von diesen [Pfeilen] berührt, fielen alle Bewohner der Festungen leblos nieder; der große Mystiker Maya brachte sie herbei und warf sie in den Brunnen mit [Lebens-]Nektar.
Vom vollkommenen Nektarsaft berührt, [ihr Wesen nun] hart wie Donnerkeile, von großer Kraft, standen sie [wieder] auf - wie Feuer, das blitzartig die Wolken zerteilt.
Wort für Wort
siddha-amṛta-rasa-spṛṣṭāḥ
berührt vom vollkommenen Nektarsaft (Nom. Pl.)
vajra-sārāḥ
deren Wesenskern wie ein Donnerkeil war (Nom. Pl.)
Da wurde Brahmā selbst zum Kalb, und dieser Viṣṇu wahrlich zur Kuh; beide drangen in die drei Festungen ein und tranken zur [rechten] Zeit den Nektar des Brunnens.
te 'surā hy api paśyanto
na nyaṣedhan vimohitāḥ
tad vijñāya mahā-yogī
rasa-pālān idaṁ jagau
smayan viśokaḥ śokārtān
smaran daiva-gatiṁ ca tām
Jene Dämonen, obwohl sie es sahen, hinderten [Kalb und Kuh] nicht, verblendet [wie sie waren]. Dies erkennend sprach der große Mystiker [Maya], selbst kummerlos, doch lächelnd, zu den vom Kummer geplagten Wächtern des Nektars dies, sich an jenen unausweichlichen [Lauf des] Schicksals erinnernd:
Wort für Wort
te asurāḥ hi api
jene Dämonen fürwahr, obwohl
paśyantaḥ
zusehend (Nom. Pl.)
na nyaṣedhan
hinderten nicht (3. Pl. Impf.)
vimohitāḥ
verblendet (Nom. Pl.)
tat vijñāya
dies erkennend (Absol.)
mahā-yogī
der große Mystiker (Nom.)
rasa-pālān
zu den Wächtern des Nektars (Akk. Pl.)
idam jagau
sprach dies (3. Sg. Perf.)
smayan
lächelnd (Nom. Ptz.)
viśokaḥ
kummerlos (Nom.)
śoka-ārtān
zu den vom Kummer Geplagten (Akk. Pl.)
smaran
sich erinnernd (Nom. Ptz.)
daiva-gatim ca tām
und an jenen unausweichlichen Lauf des Schicksals (Akk.)
Sei es ein Gott, ein Dämon, ein Mensch oder ein anderer - es gibt hier niemanden, der die Macht hätte, das vom Schicksal zugewiesene Los, sei es das eigene oder das eines anderen, von beiden abzuwenden.
Wort für Wort
devaḥ asuraḥ naraḥ anyaḥ vā
[sei es] ein Gott, ein Dämon, ein Mensch oder ein anderer
Darauf stattete er [Viṣṇu] mit seinen eigenen Kräften Śiva [mit dessen] Grundausrüstung aus - mit Tugend, Wissen, Entsagung, Fülle, Askese, Bildung, Tatkraft und anderem; mit Wagen, Wagenlenker, Banner, Zugtieren, Bogen, Rüstung, Pfeilen und was sonst [nötig war]; gewappnet bestieg [Śiva] den Wagen und ergriff Pfeil und Bogen.
Nachdem er den Pfeil auf den Bogen gelegt hatte, verbrannte der Herr [Śiva] zur [günstigen] Stunde Abhijit damit die schwer zu durchdringenden drei Festungen, o König.
Am Himmel dröhnten Kesseltrommeln, erfüllt von hunderten Flugwagen; Götter, Weise, Vorväter und Herren der Siddhas [riefen] 'Sieg!' und bestreuten [ihn] mit Blütenmassen; erfreut sangen sie, und die Scharen der Apsaras tanzten.
Wort für Wort
divi
am Himmel (Lok.)
dundubhayaḥ neduḥ
Kesseltrommeln dröhnten (3. Pl. Impf.)
vimāna-śata-saṅkulāḥ
erfüllt von hunderten Flugwagen (Nom. Pl.)
deva-ṛṣi-pitṛ-siddha-īśāḥ
Götter, Weise, Vorväter und Herren der Siddhas (Nom. Pl.)
So kehrte, o König, der Erhabene, der Zerstörer der Festungen, nachdem er die drei Festungen verbrannt hatte, von Brahmā und anderen gepriesen, zu seiner eigenen Wohnstatt zurück.
evaṁ vidhāny asya hareḥ
sva-māyayā viḍambamānasya
nṛ-lokam ātmanaḥ
vīryāṇi gītāny ṛṣibhir
jagad-guror lokaṁ
punānāny aparaṁ vadāmi kim
Solcherart sind die Heldentaten dieses Hari, des Weltenlehrers, der durch seine eigene [Täuschungs-]Macht selbst die Menschenwelt nachahmt - Heldentaten, von den Weisen besungen, die die Welt reinigen. Was [weiteres] soll ich [noch] sagen?