Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 183 Der Fall des Weisen Saubhari

Kapitel 6 aus Skandha 9: Genealogie von Ambarīṣa über Rathītara, Ikṣvāku, Vikukṣi, Purañjaya bis Yuvanāśva und Māndhātā; Erzählung vom Weisen Saubhari, der durch die Beobachtung paarender Fische von Begierde ergriffen wurde, fünfzig Königstöchter heiratete und schließlich, seinen Fall erkennend, in die Entsagung zurückkehrte.

śrī-śuka uvāca / virūpaḥ ketumān śambhur ambarīṣa-sutās trayaḥ / virūpāt pṛṣadaśvo 'bhūt tat-putras tu rathītaraḥ

Śrī Śuka sprach: Virūpa, Ketumān und Śambhu waren die drei Söhne Ambarīṣas. Von Virūpa wurde Pṛṣadaśva geboren, und dessen Sohn war Rathītara.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
virūpaḥ ketumān śambhuḥ
Virūpa, Ketumān, Śambhu
ambarīṣa-sutāḥ trayaḥ
die drei Söhne Ambarīṣas
virūpāt
von Virūpa
pṛṣadaśvaḥ abhūt
wurde Pṛṣadaśva (geboren)
tat-putraḥ tu rathītaraḥ
dessen Sohn aber (war) Rathītara

rathītarasyāprajasya bhāryāyāṃ tantave 'rthitaḥ / aṅgirā janayāmāsa brahma-varcasvinaḥ sutān

Da Rathītara kinderlos war, wurde der Weise Aṅgirā gebeten, mit dessen Gattin zur Fortführung der Nachkommenschaft Söhne zu zeugen; so zeugte Aṅgirā Söhne, die von brahmanischer Kraft erfüllt waren.

Wort für Wort
rathītarasya aprajasya
des kinderlosen Rathītara
bhāryāyām
in (dessen) Gattin
tantave arthitaḥ
zur Fortführung (der Linie) gebeten
aṅgirāḥ janayām āsa
Aṅgirā zeugte
brahma-varcasvinaḥ sutān
brahmanisch-kraftvolle Söhne

ete kṣetra-prasūtā vai punas tv āṅgirasāḥ smṛtāḥ / rathītarāṇāṃ pravarāḥ kṣetropetā dvi-jātayaḥ

Diese, obgleich aus dem Feld [der Gattin Rathītaras] geboren, galten dennoch als Nachkommen Aṅgirās; sie wurden zu den Vorzüglichsten unter den Rathītaras gezählt, doch wegen ihrer Herkunft aus fremdem Samen als zweimal geboren [Brahmanen] angesehen.

Wort für Wort
ete kṣetra-prasūtāḥ vai
diese, aus dem Feld (der Gattin) geboren, fürwahr
punaḥ tu āṅgirasāḥ smṛtāḥ
wurden dennoch als Aṅgirās (Nachkommen Aṅgirās) bezeichnet
rathītarāṇām pravarāḥ
die Vorzüglichsten der Rathītaras
kṣetra-upetāḥ dvi-jātayaḥ
aus dem (fremden) Feld hervorgegangen, zweimal geboren

Anspielung auf das Niyoga-Prinzip (Zeugung durch einen Ersatzvater im 'Feld' der Gattin eines kinderlosen Mannes).

kṣuvatas tu manor jajñe ikṣvākur ghrāṇataḥ sutaḥ / tasya putra-śata-jyeṣṭhā vikukṣi-nimi-daṇḍakāḥ

Als Manu niesen musste, wurde ihm aus der Nase der Sohn Ikṣvāku geboren. Unter dessen hundert Söhnen waren Vikukṣi, Nimi und Daṇḍaka die bedeutendsten.

Wort für Wort
kṣuvataḥ tu manoḥ
des niesenden Manu aber
jajñe ikṣvākuḥ ghrāṇataḥ sutaḥ
wurde der Sohn Ikṣvāku aus der Nase geboren
tasya putra-śata-jyeṣṭhāḥ
die ältesten/bedeutendsten unter dessen hundert Söhnen
vikukṣi-nimi-daṇḍakāḥ
Vikukṣi, Nimi, Daṇḍaka

teṣāṃ purastād abhavann āryāvarte nṛpā nṛpa / pañca-viṃśatiḥ paścāc ca trayo madhye 'pare 'nyataḥ

Von diesen [hundert Söhnen] wurden fünfundzwanzig im Osten Āryāvartas Könige, o König, [ebenso viele] im Westen, drei in der Mitte, und die übrigen anderswo im Land.

Wort für Wort
teṣām
von diesen (Söhnen)
purastāt āryāvarte nṛpāḥ abhavan
wurden im Osten Āryāvartas Könige
nṛpa
o König (Parīkṣit)
pañca-viṃśatiḥ
fünfundzwanzig
paścāt ca
und im Westen
trayaḥ madhye
drei in der Mitte
apare anyataḥ
die übrigen anderswo

[Anm.: Die Verszählung ist elliptisch - die Zahl 'fünfundzwanzig' scheint für Ost UND West zu gelten (25+25+3+Rest=100 Söhne); eigene Deutung, da der Sanskrittext die zweite Zahl nicht wiederholt.]

sa ekadāṣṭakā-śrāddhe ikṣvākuḥ sutam ādiśat / māṃsam ānīyatāṃ medhyaṃ vikukṣe gaccha mā ciram

Einst, beim Aṣṭakā-Totenopfer, befahl Ikṣvāku seinem Sohn: 'Opfertaugliches Fleisch soll herbeigebracht werden - geh, Vikukṣi, und säume nicht!'

Wort für Wort
saḥ ekadā
er einst
aṣṭakā-śrāddhe
beim Aṣṭakā-Ahnenopfer
ikṣvākuḥ sutam ādiśat
befahl Ikṣvāku dem Sohn
māṃsam ānīyatām medhyam
opfertaugliches Fleisch soll herbeigebracht werden
vikukṣe gaccha mā ciram
Vikukṣi, geh, ohne Verzug

tatheti sa vanaṃ gatvā mṛgān hatvā kriyārhaṇān / śrānto bubhukṣito vīraḥ śaśaṃ cādad apasmṛtiḥ

'So sei es', (sprach er) und ging in den Wald; nachdem er für das Ritual geeignete Wildtiere erlegt hatte, aß der erschöpfte und hungrige Held, seiner selbst nicht mehr bewusst, unbedacht einen Hasen.

Wort für Wort
tathā iti saḥ vanam gatvā
'So sei es', (sagend) ging er in den Wald
mṛgān hatvā kriyā-arhaṇān
Wildtiere erlegend, die für das Ritual geeignet waren
śrāntaḥ bubhukṣitaḥ vīraḥ
der erschöpfte, hungrige Held
śaśam ca adat apasmṛtiḥ
aß auch einen Hasen, die Besinnung verlierend

śeṣaṃ nivedayāmāsa pitre tena ca tadguruḥ / coditaḥ prokṣaṇāyāha duṣṭametadakarmakam

Den Rest brachte er seinem Vater dar; und als dessen Priester [Vasiṣṭha] aufgefordert wurde, es (rituell) zu weihen, sprach er: 'Dies ist verunreinigt und für das Opfer untauglich.'

Wort für Wort
śeṣam nivedayām āsa pitre
den Rest überbrachte er dem Vater
tena ca tat-guruḥ
und mit diesem (Fleisch beauftragt,) dessen Priester
coditaḥ prokṣaṇāya āha
aufgefordert zur Weihung, sprach er
duṣṭam etat akarmakam
dies ist verunreinigt, für das Ritual untauglich

jñātvā putrasya tat karma guruṇābhihitaṃ nṛpaḥ / deśān niḥsārayāmāsa sutaṃ tyaktavidhiṃ ruṣā

Als der König durch den Priester von der Tat seines Sohnes erfuhr, verbannte er zornentbrannt den Sohn, der die heiligen Vorschriften missachtet hatte, aus dem Land.

Wort für Wort
jñātvā putrasya tat karma
erkennend jene Tat des Sohnes
guruṇā abhihitam nṛpaḥ
dem König vom Priester mitgeteilt
deśāt niḥsārayām āsa
verbannte aus dem Land
sutam tyakta-vidhim ruṣā
den Sohn, der die Vorschriften missachtet hatte, aus Zorn

sa tu vipreṇa saṃvādaṃ jñāpakena samācaran / tyaktvā kalevaraṃ yogī sa tenāvāpa yat param

Er aber [Ikṣvāku], indem er mit dem kundigen Brahmanen [Vasiṣṭha] die Unterweisung (über die Wahrheit) pflegte, gab als Yogi den Körper auf und erlangte dadurch das Höchste.

Wort für Wort
sa tu vipreṇa saṃvādam
er aber (im) Zwiegespräch mit dem Brahmanen
jñāpakena samācaran
mit dem Kundigen pflegend
tyaktvā kalevaram yogī
den Körper aufgebend, als Yogi
sa tena avāpa yat param
er erlangte dadurch das Höchste

pitaryuparate 'bhyetya vikukṣiḥ pṛthivīmimām / śāsadīje hariṃ yajñaiḥ śaśāda iti viśrutaḥ

Als der Vater verschieden war, kehrte Vikukṣi zurück, beherrschte diese Erde und verehrte Hari mit Opfern; so wurde er als Śaśāda ['Hasenesser'] bekannt.

Wort für Wort
pitari uparate abhyetya
als der Vater verschieden war, zurückgekehrt
vikukṣiḥ pṛthivīm imām śāsat
Vikukṣi, diese Erde beherrschend
īje harim yajñaiḥ
verehrte Hari mit Opfern
śaśādaḥ iti viśrutaḥ
als Śaśāda bekannt

purañjayastasya suta indravāha itīritaḥ / kakutstha iti cāpyuktaḥ śṛṇu nāmāni karmabhiḥ

Dessen Sohn war Purañjaya, der auch Indravāha ['Indra-Träger'] und Kakutstha ['der auf dem Buckel Sitzende'] genannt wurde. Höre, wie er diese Namen durch seine Taten erhielt.

Wort für Wort
purañjayaḥ tasya sutaḥ
Purañjaya, dessen Sohn
indravāhaḥ iti īritaḥ
'Indra-Träger' genannt
kakutstha iti ca api uktaḥ
auch 'Kakutstha' genannt
śṛṇu nāmāni karmabhiḥ
höre die Namen durch (seine) Taten

kṛtānta āsīt samaro devānāṃ saha dānavaiḥ / pārṣṇigrāho vṛto vīro devairdaityaparājitaiḥ

Es gab eine verhängnisvolle Schlacht zwischen den Göttern und den Dānavas; von den Daityas besiegt, erwählten die Götter den Helden [Purañjaya] als ihren Bundesgenossen.

Wort für Wort
kṛta-antaḥ āsīt samaraḥ
es gab eine entscheidende/verhängnisvolle Schlacht
devānām saha dānavaiḥ
der Götter mit den Dānavas
pārṣṇigrāhaḥ vṛtaḥ vīraḥ
als Bundesgenosse erwählt, der Held
devaiḥ daitya-parājitaiḥ
von den Göttern, die von den Daityas besiegt worden waren

vacanāddevadevasya viṣṇorviśvātmanaḥ prabhoḥ / vāhanatve vṛtastasya babhūvendro mahāvṛṣaḥ

Auf das Wort Viṣṇus, des Herrn der Götter, der Weltseele, hin wurde Indra bestimmt, für ihn [Purañjaya] als Reittier zu dienen, und Indra wurde ein großer Stier.

Wort für Wort
vacanāt deva-devasya
auf das Wort des Gottes der Götter
viṣṇoḥ viśvātmanaḥ prabhoḥ
Viṣṇus, der Weltseele, des Herrn
vāhanatve vṛtaḥ tasya
zum Reittier für ihn bestimmt
babhūva indraḥ mahā-vṛṣaḥ
wurde Indra ein großer Stier

sa sannaddho dhanurdivyamādāya viśikhān chitān / stūyamānastamāruhya yuyutsuḥ kakudi sthitaḥ

Gerüstet, den göttlichen Bogen und scharfe Pfeile ergreifend, bestieg er, von den Göttern gepriesen, kampfbegierig den Stier und nahm auf dessen Buckel Platz.

Wort für Wort
sa sannaddhaḥ
er, gerüstet
dhanuḥ divyam ādāya
den göttlichen Bogen ergreifend
viśikhān chitān
scharfe Pfeile
stūyamānaḥ tam āruhya
gepriesen, ihn (den Stier) besteigend
yuyutsuḥ kakudi sthitaḥ
kampfbegierig, auf dem Buckel stehend

tejasāpyāyito viṣṇoḥ puruṣasya mahātmanaḥ / pratīcyāṃ diśi daityānāṃ nyaruṇat tridaśaiḥ puram

Mit der Kraft Viṣṇus, der großen Urperson, gestärkt, belagerte er zusammen mit den Göttern die Stadt der Daityas im Westen.

Wort für Wort
tejasā āpyāyitaḥ
mit (dessen) Kraft gestärkt
viṣṇoḥ puruṣasya mahātmanaḥ
Viṣṇus, der großen Urperson
pratīcyām diśi
in westlicher Richtung
daityānām puram nyaruṇat
belagerte die Stadt der Daityas
tridaśaiḥ
mit den Göttern

taistasya cābhūtpradhanaṃ tumulaṃ lomaharṣaṇam / yamāya bhallairanayaddaityān abhiyayurmṛdhe

Mit ihnen entbrannte für ihn eine heftige, haarsträubende Schlacht; mit seinen Pfeilen schickte er die Daityas, die ihm im Kampf entgegentraten, zu Yama.

Wort für Wort
taiḥ tasya ca abhūt pradhanam
mit ihnen entstand für ihn eine Schlacht
tumulam loma-harṣaṇam
tumultartig, haarsträubend
yamāya bhallaiḥ anayat
schickte mit (breiten) Pfeilen zu Yama
daityān abhiyayuḥ mṛdhe
die Daityas, die im Kampf entgegentraten

tasyeṣupātābhimukhaṃ yugāntāgnimivolbaṇam / visṛjya dudruvurdaityā hanyamānāḥ svamālayam

Vor seinem Pfeilhagel, der einem furchtbaren Feuer am Ende des Weltzeitalters glich, gaben die niedergestreckten Daityas den Kampf auf und flohen zu ihren Wohnstätten.

Wort für Wort
tasya iṣu-pāta-abhimukham
seinem Pfeilhagel gegenüber
yuga-anta-agnim iva ulbaṇam
wie einem furchtbaren Feuer am Weltzeitalterende
visṛjya dudruvuḥ daityāḥ
(den Kampf) aufgebend, flohen die Daityas
hanyamānāḥ svam ālayam
niedergestreckt, zu ihrer eigenen Wohnstätte

jitvā paraṃ dhanaṃ sarvaṃ sastrīkaṃ vajrapāṇaye / pratyayacchat sa rājarṣiriti nāmabhirāhṛtaḥ

Nachdem er den Feind besiegt hatte, übergab der königliche Weise all deren Reichtum samt ihren Frauen dem Blitzbewaffneten [Indra]; so wurde er mit diesen Namen bekannt.

Wort für Wort
jitvā param dhanam sarvam
nachdem er den Feind besiegt hatte, all den Reichtum
sa-strīkam vajra-pāṇaye
samt (deren) Frauen, dem Blitzbewaffneten
pratyayacchat sa rāja-ṛṣiḥ
übergab jener königliche Weise
iti nāmabhiḥ āhṛtaḥ
wurde so mit (diesen) Namen benannt

purañjayasya putro 'bhūdanenāstatsutaḥ pṛthuḥ / viśvagandhistataścandro yuvanāśvastu tatsutaḥ

Purañjayas Sohn war Anenas, dessen Sohn Pṛthu, [dessen Sohn] Viśvagandhi, danach Candra, und dessen Sohn wiederum war Yuvanāśva.

Wort für Wort
purañjayasya putraḥ abhūt anenāḥ
Purañjayas Sohn war Anenas
tat-sutaḥ pṛthuḥ
dessen Sohn Pṛthu
viśvagandhiḥ tataḥ candraḥ
Viśvagandhi, danach Candra
yuvanāśvaḥ tu tat-sutaḥ
Yuvanāśva aber (war) dessen Sohn

śrāvastastatsuto yena śrāvastī nirmame purī / bṛhadaśvastu śrāvastistataḥ kuvalayāśvakaḥ

Dessen [Yuvanāśvas] Sohn war Śrāvasta, durch den die Stadt Śrāvastī erbaut wurde. Śrāvastas Sohn war Bṛhadaśva, dessen Sohn Kuvalayāśva.

Wort für Wort
śrāvastaḥ tat-sutaḥ
Śrāvasta, dessen Sohn
yena śrāvastī nirmame purī
durch den die Stadt Śrāvastī erbaut wurde
bṛhadaśvaḥ tu śrāvastiḥ
Bṛhadaśva aber (war Sohn) Śrāvastas
tataḥ kuvalayāśvakaḥ
dessen (Sohn) Kuvalayāśva

[Anm.: Verse 21, 23 und 24 konnten wegen wiederholter 429-Sperren bei vedabase.io nicht online abgeglichen werden; Übersetzung beruht eigenständig auf dem GRETIL-Sanskrittext.]

yaḥ priyārthamutaṅkasya dhundhunāmāsuraṃ balī / sutānāmekaviṃśatyā sahasrairahanadvṛtaḥ

Er, der Starke, der von einundzwanzigtausend Söhnen umgeben war, erschlug zum Wohlgefallen des Weisen Utaṅka den Dämon namens Dhundhu.

Wort für Wort
yaḥ priya-artham utaṅkasya
der zum Wohlgefallen Utaṅkas
dhundhu-nāma asuram balī
den Dämon namens Dhundhu, der Starke
sutānām eka-viṃśatyā sahasraiḥ
mit einundzwanzigtausend Söhnen
ahanat vṛtaḥ
erschlug, umgeben (von ihnen)

dhundhumāra iti khyātastatsutāste ca jajvaluḥ / dhundhormukhāgninā sarve traya evāvaśeṣitāḥ

So wurde er als Dhundhumāra ['Dhundhu-Töter'] bekannt. Doch dessen Söhne verbrannten fast alle durch das Feuer aus Dhundhus Maul; nur drei blieben übrig.

Wort für Wort
dhundhumāraḥ iti khyātaḥ
als 'Dhundhu-Töter' bekannt
tat-sutāḥ te ca jajvaluḥ
und dessen Söhne verbrannten
dhundhoḥ mukha-agninā sarve
alle durch das Mundfeuer des Dhundhu
trayaḥ eva avaśeṣitāḥ
nur drei blieben übrig

dṛḍhāśvaḥ kapilāśvaśca bhadrāśva iti bhārata / dṛḍhāśvaputro haryaśvo nikumbhastatsutaḥ smṛtaḥ

[Diese drei waren] Dṛḍhāśva, Kapilāśva und Bhadrāśva, o Nachkomme Bharatas. Dṛḍhāśvas Sohn war Haryaśva, und dessen Sohn, so wird überliefert, war Nikumbha.

Wort für Wort
dṛḍhāśvaḥ kapilāśvaḥ ca bhadrāśvaḥ
Dṛḍhāśva, Kapilāśva und Bhadrāśva
iti bhārata
so, o Nachkomme Bharatas
dṛḍhāśva-putraḥ haryaśvaḥ
Dṛḍhāśvas Sohn Haryaśva
nikumbhaḥ tat-sutaḥ smṛtaḥ
Nikumbha wird als dessen Sohn überliefert

bahulāśvo nikumbhasya kṛśāśvo 'thāsya senajit / yuvanāśvo 'bhavat tasya so 'napatyo vanaṃ gataḥ

Nikumbhas Sohn war Bahulāśva, dessen Sohn Kṛśāśva, dessen Sohn Senajit, und dessen Sohn wiederum Yuvanāśva. Da dieser kinderlos war, zog er sich in den Wald zurück.

Wort für Wort
bahulāśvaḥ nikumbhasya
Bahulāśva, (Sohn) Nikumbhas
kṛśāśvaḥ atha asya senajit
danach dessen (Sohn) Kṛśāśva, (dann) Senajit
yuvanāśvaḥ abhavat tasya
Yuvanāśva wurde dessen (Sohn)
saḥ anapatyaḥ vanam gataḥ
er, kinderlos, zog in den Wald

bhāryāśatena nirviṇṇa ṛṣayo 'sya kṛpālavaḥ / iṣṭiṃ sma vartayāṃ cakruraindrīṃ te susamāhitāḥ

Obwohl er hundert Gattinnen hatte, blieb er verdrossen und kinderlos; da vollzogen mitleidsvolle Weise für ihn hochkonzentriert ein Indra geweihtes Opfer.

Wort für Wort
bhāryā-śatena nirviṇṇaḥ
trotz hundert Gattinnen verdrossen
ṛṣayaḥ asya kṛpālavaḥ
die für ihn mitleidsvollen Weisen
iṣṭim sma vartayāṃ cakruḥ
vollzogen ein Opfer
aindrīm te su-samāhitāḥ
dem Indra geweiht, sie, hochkonzentriert

rājā tadyajñasadanaṃ praviṣṭo niśi tarṣitaḥ / dṛṣṭvā śayānān viprāṃstān papau mantrajalaṃ svayam

Der durstige König betrat in der Nacht jene Opferhalle und trank, da er die Brahmanen schlafend sah, selbst das mit Mantras geweihte Wasser.

Wort für Wort
rājā tat-yajña-sadanam praviṣṭaḥ
der König, jene Opferhalle betreten habend
niśi tarṣitaḥ
in der Nacht, durstig
dṛṣṭvā śayānān viprān tān
jene schlafenden Brahmanen sehend
papau mantra-jalam svayam
trank selbst das (mit Mantras) geweihte Wasser

utthitāste niśamyātha vyudakaṃ kalaśaṃ prabho / papracchuḥ kasya karmedaṃ pītaṃ puṃsavanaṃ jalam

Als sie aufwachten und den Krug ohne Wasser bemerkten, o Herr [Parīkṣit], fragten sie: 'Wessen Werk ist dies? Wer hat das männerzeugende Wasser getrunken?'

Wort für Wort
utthitāḥ te niśamya atha
sie, aufgewacht, dann bemerkend
vyudakam kalaśam prabho
den wasserlosen Krug, o Herr
papracchuḥ kasya karma idam
fragten: wessen Tat ist dies
pītam puṃsavanam jalam
getrunken, das männerzeugende Wasser

rājñā pītaṃ viditvā vai īśvaraprahitena te / īśvarāya namaścakruraho daivabalaṃ balam

Als sie erkannten, dass der König, von göttlicher Fügung veranlasst, es getrunken hatte, erwiesen sie dem Herrn (der Vorsehung) Verehrung: 'Wahrlich, die Macht des Schicksals ist die (wahre) Macht!'

Wort für Wort
rājñā pītam viditvā vai
erkennend, dass vom König getrunken
īśvara-prahitena te
durch göttliche Fügung veranlasst, sie
īśvarāya namaḥ cakruḥ
erwiesen dem Herrn Verehrung
aho daiva-balam balam
ach, die Macht des Schicksals ist (die wahre) Macht

tataḥ kāla upāvṛtte kukṣiṃ nirbhidya dakṣiṇam / yuvanāśvasya tanayaścakravartī jajāna ha

Danach, als die Zeit gekommen war, wurde, die rechte Seite (des Leibes) durchbrechend, Yuvanāśvas Sohn geboren, ein künftiger Weltherrscher.

Wort für Wort
tataḥ kāle upāvṛtte
danach, als die Zeit herangekommen war
kukṣim nirbhidya dakṣiṇam
die rechte Seite durchbrechend
yuvanāśvasya tanayaḥ
Yuvanāśvas Sohn
cakravartī jajāna ha
wurde als Weltherrscher geboren

kaṃ dhāsyati kumāro 'yaṃ stanye rorūyate bhṛśam / māṃ dhātā vatsa mā rodīritīndro deśinīmadāt

'Wessen Brust wird dieses Kind trinken?' - so schrie es heftig nach Milch. Da sprach Indra: 'Mich soll es saugen - weine nicht, Kindchen!', und reichte ihm seinen Zeigefinger.

Wort für Wort
kam dhāsyati kumāraḥ ayam
wessen (Brust) wird dieses Kind trinken
stanye rorūyate bhṛśam
es schreit heftig nach der Brust
mām dhātā vatsa mā rodīḥ
'mich soll es saugen, Kindchen, weine nicht'
iti indraḥ deśinīm adāt
so (sprach) Indra, reichte den Zeigefinger

na mamāra pitā tasya vipradevaprasādataḥ / yuvanāśvo 'tha tatraiva tapasā siddhimanvagāt

Durch die Gnade der Brahmanen und Götter starb dessen Vater [Yuvanāśva] nicht; er erlangte eben dort durch Askese die Vollkommenheit.

Wort für Wort
na mamāra pitā tasya
dessen Vater starb nicht
vipra-deva-prasādataḥ
durch die Gnade der Brahmanen und Götter
yuvanāśvaḥ atha tatra eva
Yuvanāśva, dann eben dort
tapasā siddhim anvagāt
erlangte durch Askese die Vollkommenheit

trasaddasyuritīndro 'ṅga vidadhe nāma yasya vai / yasmāt trasanti hyudvignā dasyavo rāvaṇādayaḥ

Indra gab ihm den Namen Trasaddasyu ['vor dem die Übeltäter erzittern'], o Lieber - denn vor ihm erzittern beunruhigt die Übeltäter, Rāvaṇa und andere.

Wort für Wort
trasat-dasyuḥ iti indraḥ
'vor dem die Übeltäter erzittern', so Indra
aṅga vidadhe nāma yasya vai
o Lieber, gab dessen Namen fürwahr
yasmāt trasanti hi udvignāḥ
vor dem fürwahr beunruhigt erzittern
dasyavaḥ rāvaṇa-ādayaḥ
die Übeltäter, Rāvaṇa und andere

yauvanāśvo 'tha māndhātā cakravatyavanīṃ prabhuḥ / saptadvīpavatīmekaḥ śaśāsācyutatejasā

Yuvanāśvas Sohn Māndhātā, der Weltherrscher und Gebieter, beherrschte allein, mit der Kraft des Unfehlbaren [Viṣṇus] ausgestattet, die aus sieben Kontinenten bestehende Erde.

Wort für Wort
yauvanāśvaḥ atha māndhātā
Yuvanāśvas Sohn, dann Māndhātā
cakravartī avanīm prabhuḥ
der Weltherrscher, die Erde, der Gebieter
sapta-dvīpavatīm ekaḥ śaśāsa
beherrschte allein die siebenkontinentige (Erde)
acyuta-tejasā
mit der Kraft des Unfehlbaren

īje ca yajñaṃ kratubhirātmavidbhūridakṣiṇaiḥ / sarvadevamayaṃ devaṃ sarvātmakamatīndriyam

Und er, der Selbsterkennende, verehrte mit Opferriten und reichen Priestergaben den Gott, der alle Götter in sich vereint, der die Seele von allem und jenseits der Sinne ist.

Wort für Wort
īje ca yajñam kratubhiḥ
und verehrte den Opfer(gott) mit Opferriten
ātma-vit bhūri-dakṣiṇaiḥ
der Selbsterkennende, mit reichen Priestergaben
sarva-deva-mayam devam
den Gott, der alle Götter in sich vereint
sarva-ātmakam atīndriyam
der die Seele von allem, jenseits der Sinne (ist)

dravyaṃ mantro vidhiryajño yajamānastathartvijaḥ / dharmo deśaśca kālaśca sarvametadyadātmakam

Das Opfermaterial, der Mantra, die Vorschrift, das Opfer, der Opferherr und die Priester, die Pflicht, der Ort und die Zeit - all dies ist von seinem Wesen erfüllt.

Wort für Wort
dravyam mantraḥ vidhiḥ yajñaḥ
das Opfermaterial, der Mantra, die Vorschrift, das Opfer
yajamānaḥ tathā ṛtvijaḥ
der Opferherr sowie die Priester
dharmaḥ deśaḥ ca kālaḥ ca
die Pflicht, der Ort und die Zeit
sarvam etat yad-ātmakam
all dies ist von dessen Wesen (erfüllt)

yāvat sūrya udeti sma yāvac ca pratitiṣṭhati / tat sarvaṃ yauvanāśvasya māndhātuḥ kṣetramucyate

Soweit die Sonne aufgeht und soweit sie untergeht - all dies wird als das Reich Māndhātās, des Sohnes Yuvanāśvas, bezeichnet.

Wort für Wort
yāvat sūryaḥ udeti sma
soweit die Sonne aufgeht
yāvat ca pratitiṣṭhati
und soweit sie untergeht
tat sarvam
all dies
yauvanāśvasya māndhātuḥ kṣetram ucyate
wird als das Reich Māndhātās, des Sohnes Yuvanāśvas, bezeichnet

śaśabindorduhitari bindumatyāmadhān nṛpaḥ / purukutsamambarīṣaṃ mucukundaṃ ca yoginam / teṣāṃ svasāraḥ pañcāśat saubhariṃ vavrire patim

Mit Bindumatī, der Tochter Śaśabindus, zeugte der König Purukutsa, Ambarīṣa und Mucukunda, den Yogi. Deren fünfzig Schwestern erwählten (allesamt) Saubhari zum Gatten.

Wort für Wort
śaśabindoḥ duhitari bindumatyām
in Bindumatī, der Tochter Śaśabindus
adhāt nṛpaḥ
zeugte der König
purukutsam ambarīṣam
Purukutsa (und) Ambarīṣa
mucukundam ca yoginam
und Mucukunda, den Yogi
teṣām svasāraḥ pañcāśat
deren Schwestern, fünfzig
saubharim vavrire patim
erwählten Saubhari zum Gatten

yamunāntarjale magnastapyamānaḥ paraṃ tapaḥ / nirvṛtiṃ mīnarājasya dṛṣṭvā maithunadharmiṇaḥ

Im Wasser der Yamunā versunken, höchste Askese übend, sah er [Saubhari] das Liebesglück eines Fischkönigs, der sich der Paarung hingab.

Wort für Wort
yamunā-antaḥ-jale magnaḥ
im Wasser der Yamunā versunken
tapyamānaḥ param tapaḥ
höchste Askese übend
nirvṛtim mīna-rājasya dṛṣṭvā
das Glück des Fischkönigs sehend
maithuna-dharmiṇaḥ
der sich der Paarung hingab

jātaspṛho nṛpaṃ vipraḥ kanyāmekāmayācata / so 'pyāha gṛhyatāṃ brahman kāmaṃ kanyā svayaṃvare

Von Verlangen ergriffen, erbat der Brahmane [Saubhari] vom König eine seiner Töchter. Dieser aber sprach: 'O Brahmane, gerne magst du beim Svayaṃvara nach Belieben eine Tochter (zur Gattin) erwählen.'

Wort für Wort
jāta-spṛhaḥ nṛpam vipraḥ
der von Verlangen ergriffene Brahmane, vom König
kanyām ekām ayācata
erbat eine Tochter
saḥ api āha gṛhyatām brahman
jener aber sprach: sie möge genommen werden, o Brahmane
kāmam kanyā svayaṃvare
nach Belieben eine Tochter beim Svayaṃvara

sa vicintyāpriyaṃ strīṇāṃ jaraṭho 'hamasanmataḥ / valīpalita ejatka ityahaṃ pratyudāhṛtaḥ

Er bedachte: 'Ich bin alt und den Frauen unlieb, man wird mich für ungeeignet halten - runzlig, weißhaarig und zitternd - so würde ich zurückgewiesen werden.'

Wort für Wort
sa vicintya apriyam strīṇām
er, bedenkend: den Frauen unlieb
jaraṭhaḥ aham asat-mataḥ
ich bin alt, für ungeeignet gehalten
valī-palitaḥ ejat-kaḥ
runzlig, weißhaarig, zitternd
iti aham pratyudāhṛtaḥ
so würde ich zurückgewiesen

sādhayiṣye tathātmānaṃ surastrīṇāmabhīpsitam / kiṃ punarmanujendrāṇāmiti vyavasitaḥ prabhuḥ

'Ich werde mich so gestalten, dass ich selbst den Götterfrauen begehrenswert erscheine - wieviel mehr dann den Königstöchtern!' So entschlossen sich der mächtige (Weise).

Wort für Wort
sādhayiṣye tathā ātmānam
ich werde mich so gestalten
sura-strīṇām abhīpsitam
für die Götterfrauen begehrenswert
kim punaḥ manuja-indrāṇām
wieviel mehr für die Königstöchter
iti vyavasitaḥ prabhuḥ
so entschlossen, der Mächtige

muniḥ praveśitaḥ kṣatrā kanyāntaḥpuramṛddhimat / vṛtaḥ sa rājakanyābhirekaṃ pañcāśatā varaḥ

Der Weise wurde vom König in das prächtige Frauengemach der Töchter geführt; dort wurde er, ein Einziger, von allen fünfzig Königstöchtern zugleich als Bräutigam erwählt.

Wort für Wort
muniḥ praveśitaḥ kṣatrā
der Weise, geführt vom König
kanyā-antaḥpuram ṛddhimat
in das prächtige Frauengemach der Töchter
vṛtaḥ sa rāja-kanyābhiḥ
er wurde von den Königstöchtern erwählt
ekam pañcāśatā varaḥ
als einziger von den fünfzig, als Bräutigam

tāsāṃ kalirabhūdbhūyāṃstadarthe 'pohya sauhṛdam / mamānurūpo nāyaṃ va iti tadgatacetasām

Unter ihnen entstand darüber ein heftiger Streit; ihre (geschwisterliche) Zuneigung beiseite lassend, dachte, den Sinn ganz auf ihn gerichtet, eine jede: 'Er passt zu mir, nicht zu euch!'

Wort für Wort
tāsām kaliḥ abhūt bhūyān
unter ihnen entstand ein großer Streit
tat-arthe apohya sauhṛdam
deswegen, die Zuneigung beiseite lassend
mama anurūpaḥ na ayam vaḥ
'er passt zu mir, nicht zu euch'
iti tat-gata-cetasām
so (dachten sie), deren Sinn darauf gerichtet

sa bahvṛcastābhirapāraṇīya-tapaḥśriyānarghyaparicchadeṣu / gṛheṣu nānopavanāmalāmbhaḥsaraḥsu saugandhikakānaneṣu

Er, der Kenner des Ṛgveda, [lebte] mit jenen [fünfzig Gattinnen] - durch die Pracht seiner unermesslichen Askese - in Palästen mit unschätzbaren Gerätschaften, mit vielfältigen Parkanlagen, reinen Wasserseen und duftenden (Lotos-)Hainen,

Wort für Wort
sa bahu-ṛcaḥ tābhiḥ
er, der Ṛgveda-Kenner, mit jenen (Frauen)
apāraṇīya-tapaḥ-śriyā
durch die Pracht unermesslicher Askese
anarghya-paricchadeṣu gṛheṣu
in Häusern mit unschätzbaren Gerätschaften
nānā-upavana-amala-ambhaḥ-saraḥsu
mit vielfältigen Parks und reinen Wasserseen
saugandhika-kānaneṣu
mit duftenden (Lotos-)Hainen

Satz wird in Vers 46 fortgeführt.

mahārhaśayyāsanavastrabhūṣaṇasnānānulepābhyavahāramālyakaiḥ / svalaṅkṛtastrīpuruṣeṣu nityadā reme 'nugāyaddvijabhṛṅgavandiṣu

... mit kostbaren Betten, Sitzen, Gewändern, Schmuckstücken, Bädern, Salben, Speisen und Blumengirlanden, wo schön geschmückte Diener und Dienerinnen (bereitstanden) und Vögel und Bienen gleich Lobsängern sangen und summten - beständig ergötzte er sich (dort).

Wort für Wort
mahārha-śayyā-āsana-vastra-bhūṣaṇa
mit kostbaren Betten, Sitzen, Gewändern, Schmuckstücken
snāna-anulepa-abhyavahāra-mālyakaiḥ
mit Bädern, Salben, Speisen, Girlanden
su-alaṅkṛta-strī-puruṣeṣu
wo (Diener-)Frauen und -Männer schön geschmückt waren
nityadā reme
beständig ergötzte er sich
anugāyat-dvija-bhṛṅga-vandiṣu
wo Vögel und Bienen wie Lobsänger sangen

'dvija' hier im Sinne von 'Vögel' (wörtl. 'zweimal geboren').

yadgārhasthyaṃ tu saṃvīkṣya saptadvīpavatīpatiḥ / vismitaḥ stambhamajahāt sārvabhaumaśriyānvitam

Als aber der Herr der sieben Kontinente [Māndhātā], selbst mit universaler Herrscherpracht ausgestattet, dessen Hausstand erblickte, war er erstaunt und legte seinen Hochmut ab.

Wort für Wort
yat-gārhasthyam tu saṃvīkṣya
dessen Hausstand aber erblickend
sapta-dvīpavatī-patiḥ
der Herr der sieben Kontinente
vismitaḥ stambham ajahāt
erstaunt, legte er (seinen) Hochmut ab
sārva-bhauma-śriyā anvitam
obwohl mit universaler Herrscherpracht ausgestattet

evaṃ gṛheṣvabhirato viṣayān vividhaiḥ sukhaiḥ / sevamāno na cātuṣyadājyastokairivānalaḥ

So im Hausleben ergötzt und die Sinnesgenüsse mit mannigfaltigen Freuden genießend, wurde er dennoch nicht befriedigt - wie ein Feuer, dem man nur wenige Tropfen Ghee zuführt.

Wort für Wort
evam gṛheṣu abhirataḥ
so im Hausleben ergötzt
viṣayān vividhaiḥ sukhaiḥ
die Sinnesobjekte mit mannigfaltigen Freuden
sevamānaḥ na ca atuṣyat
genießend, wurde er nicht befriedigt
ājya-stokaiḥ iva analaḥ
wie ein Feuer durch wenige Tropfen Ghee

sa kadācidupāsīna ātmāpahnavamātmanaḥ / dadarśa bahvṛcācāryo mīnasaṅgasamutthitam

Einst, während er (so) verweilte, erkannte der Ṛgveda-Lehrer [Saubhari] die Verleugnung seines eigenen wahren Selbst, die aus jenem Kontakt mit dem (paarenden) Fisch entstanden war.

Wort für Wort
sa kadācit upāsīnaḥ
er, einst (so) verweilend
ātma-apahnavam ātmanaḥ
die Verleugnung des eigenen Selbst
dadarśa bahu-ṛca-ācāryaḥ
erkannte der Ṛgveda-Lehrer
mīna-saṅga-samutthitam
aus dem Kontakt mit dem Fisch entstanden

aho imaṃ paśyata me vināśaṃ tapasvinaḥ saccaritavratasya / antarjale vāricaraprasaṅgāt pracyāvitaṃ brahma ciraṃ dhṛtaṃ yat

'Ach, seht diesen meinen Verfall - eines Asketen, der (einst) guten Wandel und (strenge) Gelübde hielt! Durch die Verbindung mit einem Wasserbewohner im (Fluss-)Wasser wurde die geistige Kraft, die ich so lange bewahrt hatte, zu Fall gebracht.'

Wort für Wort
aho imam paśyata me vināśam
ach, seht diesen meinen Verfall
tapasvinaḥ sac-carita-vratasya
eines Asketen mit gutem Wandel und Gelübde
antaḥ-jale vāri-cara-prasaṅgāt
im (Fluss-)Wasser, durch die Verbindung mit einem Wasserbewohner
pracyāvitam brahma ciraṃ dhṛtam yat
zu Fall gebracht die geistige Kraft, die lange bewahrt worden war

saṅgaṃ tyajeta mithunavratīnāṃ mumukṣuḥ / sarvātmanā na visṛjedbahirindriyāṇi / ekaścaran rahasi cittamananta īśe / yuñjīta tadvratiṣu sādhuṣu cet prasaṅgaḥ

Wer nach Befreiung strebt, meide die Gemeinschaft derer, die dem Sinnenleben (der Paarung) ergeben sind; mit ganzem Wesen lasse er die Sinne nicht nach außen schweifen. Allein in der Einsamkeit wandelnd, richte er seinen Geist auf den unendlichen Herrn - und wenn überhaupt Gemeinschaft (gesucht wird), dann nur unter den Heiligen, die (Ihm) ergeben sind.

Wort für Wort
saṅgam tyajeta mithuna-vratīnām
er meide die Gemeinschaft der dem Sinnenleben Ergebenen
mumukṣuḥ
wer nach Befreiung strebt
sarvātmanā na visṛjet bahiḥ indriyāṇi
mit ganzem Wesen lasse er die Sinne nicht nach außen
ekaḥ caran rahasi cittam
allein wandelnd in Einsamkeit, den Geist
anante īśe yuñjīta
auf den unendlichen Herrn richte er
tat-vratiṣu sādhuṣu cet prasaṅgaḥ
unter den (Ihm) ergebenen Heiligen, wenn überhaupt Gemeinschaft (gesucht wird)

Lehrrede Saubharis (Selbstanklage) in Versmaß.

ekastapasvyahamathāmbhasi matsyasaṅgāt / pañcāśadāsamuta pañcasahasrasargaḥ / nāntaṃ vrajāmyubhayakṛtyamanorathānāṃ / māyāguṇairhṛtamatirviṣaye 'rthabhāvaḥ

Ich war ein einzelner Asket; dann wurde ich durch die Verbindung mit dem Fisch im Wasser zum Gatten von fünfzig (Frauen) und zum Vater einer fünftausendfachen Nachkommenschaft. Und (dennoch) gelange ich nicht ans Ende meiner Wünsche nach häuslichen und (anderen) Pflichten - meines Verstandes durch die Erscheinungsweisen der Māyā beraubt, halte ich die Sinnesobjekte für wertvoll.

Wort für Wort
ekaḥ tapasvī aham atha
ich war ein einzelner Asket, dann
ambhasi matsya-saṅgāt
im Wasser, durch die Verbindung mit dem Fisch
pañcāśat āsam uta
wurde ich (Gatte) von fünfzig, und
pañca-sahasra-sargaḥ
(Vater) einer fünftausendfachen Nachkommenschaft
na antam vrajāmi ubhaya-kṛtya-manorathānām
ich gelange nicht ans Ende der Wünsche nach beiderlei Pflichten
māyā-guṇaiḥ hṛta-matiḥ
meines Verstandes durch die Erscheinungsweisen der Māyā beraubt
viṣaye artha-bhāvaḥ
(mit dem Gefühl) des Wertes in den Sinnesobjekten

evaṃ vasan gṛhe kālaṃ virakto nyāsamāsthitaḥ / vanaṃ jagāmānuyayustatpatnyaḥ patidevatāḥ

So, nachdem er (lange) Zeit im Haus verbracht hatte, wurde er entsagt, nahm den Stand des Entsagten an und zog in den Wald; seine Gattinnen, die ihren Gatten als ihre Gottheit betrachteten, folgten ihm.

Wort für Wort
evam vasan gṛhe kālam
so, im Haus die Zeit verbringend
viraktaḥ nyāsam āsthitaḥ
entsagt, den Stand der Entsagung annehmend
vanam jagāma
zog in den Wald
anuyayuḥ tat-patnyaḥ pati-devatāḥ
es folgten seine Gattinnen, die den Gatten als Gottheit betrachteten

tatra taptvā tapastīkṣṇamātmadarśanamātmavān / sahaivāgnibhirātmānaṃ yuyoja paramātmani

Dort übte der Selbstbeherrschte strenge, zur Selbsterkenntnis führende Askese und verband, zusammen mit den (heiligen) Feuern, sein Selbst mit der höchsten Seele.

Wort für Wort
tatra taptvā tapaḥ tīkṣṇam
dort strenge Askese übend
ātma-darśanam ātmavān
zur Selbsterkenntnis (führend), der Selbstbeherrschte
saha eva agnibhiḥ ātmānam
zusammen mit den (heiligen) Feuern, sein Selbst
yuyoja paramātmani
verband mit der höchsten Seele

tāḥ svapatyurmahārāja nirīkṣyādhyātmikīṃ gatim / anvīyustatprabhāveṇa agniṃ śāntamivārciṣaḥ

Jene (Gattinnen), o großer König, erblickten den geistigen Weg ihres Gatten und folgten ihm, durch dessen (geistige) Macht, wie die Flammen einem erloschenen Feuer folgen.

Wort für Wort
tāḥ sva-patyuḥ mahārāja
jene (Frauen), ihres Gatten, o großer König
nirīkṣya ādhyātmikīm gatim
erblickend den geistigen Weg
anvīyuḥ tat-prabhāveṇa
folgten durch dessen Macht
agnim śāntam iva arciṣaḥ
wie die Flammen einem erloschenen Feuer

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