Kapitel 46: hiraṇyākṣasya dig-vijayaḥ
Sieg Hiraṇyākṣas über alle Weltrichtungen des Universums
Skandha 3, Adhyāya 17. Quelle: vedabase.io. title_sa als eigene knappe IAST-Kurzbezeichnung des Inhalts gebildet, da vedabase.io keinen Sanskrit-IAST-Kapiteltitel angibt (nur Englisch 'Victory of Hiranyaksa Over All the Directions of the Universe').
Maitreya sprach: Nachdem sie den vom Selbstgeborenen (Brahmā) besungenen Grund vernommen hatten und so von ihrem Zweifel befreit waren, kehrten darauf alle Himmelsbewohner zum dritten Himmel zurück.
Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
niśamya ātma-bhuvā gītam kāraṇam
nachdem sie den vom Selbstgeborenen besungenen Grund vernommen hatten
Diti aber, dem Befehl ihres Gemahls folgend, um ihre Nachkommenschaft besorgt, gebar, als hundert Jahre voll geworden waren, die Tugendhafte, Zwillingssöhne.
Wort für Wort
ditiḥ tu bhartuḥ ādeśāt
Diti aber, dem Befehl ihres Gemahls folgend
apatya-pariśaṅkinī
um ihre Nachkommenschaft besorgt
pūrṇe varṣa-śate sādhvī
als hundert Jahre voll geworden waren, die Tugendhafte
Zusammen mit den Bergen erbebte die Erde, alle Himmelsrichtungen loderten auf, Feuerbälle samt Blitzen fielen herab, und Kometen erschienen als Ursachen des Unheils.
Ein Wind wehte, sehr schmerzhaft zu berühren, wiederholt zischende Laute von sich gebend, die Herren der Bäume/Berge entwurzelnd, ein Sturmheer mit Staub als Banner.
uddhasat-taḍid-ambhoda-ghaṭayā naṣṭa-bhāgaṇe
vyomni praviṣṭa-tamasā na sma vyādṛśyate padam
Durch die Menge laut lachender, blitzender Regenwolken war das Sternbild-Geflecht ausgelöscht; da der Himmel von Finsternis erfüllt war, ließ sich kein Ort mehr erblicken.
Wort für Wort
uddhasat-taḍit-ambhoda-ghaṭayā
durch die Menge laut lachender, blitzender Regenwolken
naṣṭa-bhāgaṇe vyomni
als das Sternbild-Geflecht am Himmel ausgelöscht war
dṛṣṭvānyāṁś ca mahotpātān
atat-tattva-vidaḥ prajāḥ
brahma-putrān ṛte bhītā
menire viśva-samplavam
Als sie diese und andere große Vorzeichen sahen, hielten die Menschen, die deren wahre Bedeutung nicht kannten - mit Ausnahme der Söhne Brahmās -, in ihrer Furcht dies für die Auflösung des Universums.
Wort für Wort
dṛṣṭvā anyān ca mahā-utpātān
als sie diese und andere große Vorzeichen sahen
atat-tattva-vidaḥ prajāḥ
die Menschen, die deren wahre Bedeutung nicht kannten
Jene beiden ursprünglichen Dämonen, deren eigene Manneskraft sich plötzlich offenbarte, wuchsen mit einem Körper hart wie Diamant/Stahl heran, wie zwei Herren der Berge.
Wort für Wort
tau ādi-daityau sahasā
jene beiden ursprünglichen Dämonen, plötzlich
vyajyamāna-ātma-pauruṣau
deren eigene Manneskraft sich offenbarte
vavṛdhāte aśma-sāreṇa kāyena
wuchsen mit einem hart wie Stein/Diamant [gewordenen] Körper heran
Den Himmel berührend, mit den Spitzen goldener Kronen die Himmelsrichtungen versperrend, mit Armen, an denen glänzende Armreifen aufblitzten, mit ihren Füßen bei jedem Schritt die Erde erschütternd, standen sie da, mit ihrem schönen Gürtel an der Hüfte die Sonne überragend.
Wort für Wort
divi-spṛśau
den Himmel berührend
hema-kirīṭa-koṭibhiḥ niruddha-kāṣṭhau
mit den Spitzen goldener Kronen die Himmelsrichtungen versperrend
sphurat-aṅgadā-bhujau
mit Armen, an denen glänzende Armreifen aufblitzten
gām kampayantau caraṇaiḥ pade pade
die Erde mit ihren Füßen bei jedem Schritt erschütternd
kaṭyā su-kāñcyā arkam atītya tasthatuḥ
standen sie da, mit dem schönen Gürtel an der Hüfte die Sonne überragend
Der Herr der Geschöpfe (Kaśyapa) gab den beiden Namen: Wer von den Zwillingen zuerst aus seinem (Kaśyapas) eigenen Leib geboren wurde, den kennen die Menschen als Hiraṇyakaśipu; wen sie zugleich mit ihm gebar, den [nennen sie] Hiraṇyākṣa.
Wort für Wort
prajāpatiḥ nāma tayoḥ akārṣīt
der Herr der Geschöpfe gab den beiden Namen
yaḥ prāk sva-dehāt yamayoḥ ajāyata
wer von den Zwillingen zuerst aus [seinem] eigenen Leib geboren wurde
tam vai hiraṇyakaśipum viduḥ prajāḥ
den kennen die Menschen wahrlich als Hiraṇyakaśipu
yam tam hiraṇyākṣam asūta sa-agrataḥ
wen sie zugleich mit ihm als Hiraṇyākṣa gebar
[?] Reihenfolge der Geburt und Bezug von 'sāgrataḥ' (zugleich mit ihm / ihm voran) im Vers unsicher; traditionell gilt Hiraṇyakaśipu als der ältere der beiden.
Hiraṇyakaśipu, unangreifbar im Tod von irgendeiner Seite (durch den Brahmā-Segen unverwundbar) und übermütig geworden, brachte mit seinen beiden Armen und durch Brahmās Segnung die drei Welten samt ihren Hütern in seine Gewalt.
Wort für Wort
cakre hiraṇyakaśipuḥ dorbhyām
Hiraṇyakaśipu brachte mit [seinen] beiden Armen
brahma-vareṇa ca
und durch Brahmās Segnung
vaśe sa-pālān lokān trīn
die drei Welten samt ihren Hütern unter [seine] Gewalt
Hiraṇyākṣa, sein jüngerer Bruder, ihm lieb und ihm Tag für Tag Freude bereitend, zog, die Keule in der Hand, kampfbegierig, nach Kampf suchend, zum Himmel.
Als sie ihn erblickten, von unerträglicher Geschwindigkeit, mit klirrenden goldenen Fußreifen, geschmückt mit einer Vaijayantī-Girlande, die große Keule auf der Schulter ruhend...
Wort für Wort
tam vīkṣya duḥsaha-javam
als sie ihn erblickten, von unerträglicher Geschwindigkeit
mano-vīrya-varotsiktam asṛṇyam akuto-bhayam bhītā nililyire devās tārkṣya-trastā ivāhayaḥ
... an Geist und Heldenkraft von Übermut geschwellt, ohne Mitleid, ohne Furcht von irgendeiner Seite - da verbargen sich die erschrockenen Götter, wie vor Garuḍa (Tārkṣya) geängstigte Schlangen.
sa vai tirohitān dṛṣṭvā mahasā svena daitya-rāṭ sendrān deva-gaṇān kṣībān apaśyan vyanadad bhṛśam
Der Dämonenkönig, der sah, dass sie durch seine eigene Macht verschwunden waren, und die Schar der Götter samt Indra, trunken [vor Stolz], nicht erblickte, brüllte heftig auf.
Wort für Wort
saḥ vai tirohitān dṛṣṭvā
der [Dämonenkönig], als er sah, dass sie verschwunden waren
mahasā svena daitya-rāṭ
durch seine eigene Macht, der Dämonenkönig
sa-indrān deva-gaṇān kṣībān
trunken [vor Stolz], die Schar der Götter samt Indra
Als er dort eingedrungen war, flohen Varuṇas Soldaten, die Scharen der Wassergeschöpfe, mit mutlosem Sinn und Angst erfüllt, obwohl sie nicht geschlagen wurden, doch von seinem bloßen Glanz überwältigt, weit hinweg.
sa varṣa-pūgān udadhau mahā-balaś caran mahormīñ chvasaneritān muhuḥ maurvyābhijaghne gadayā vibhāvarīm āsedivāṁs tāta purīṁ pracetasaḥ
Er, der Gewaltige, im Ozean umherziehend, schlug viele Jahre lang wiederholt mit seiner sehnenumwundenen Keule auf die vom Wind aufgepeitschten großen Wellen ein, bis er, o Vater (Vidura), nachts zur Stadt des Pracetas (Varuṇa) gelangte.
Wort für Wort
saḥ varṣa-pūgān udadhau mahā-balaḥ caran
er, der Gewaltige, viele Jahre lang im Ozean umherziehend
mahā-ūrmīn śvasana-īritān muhuḥ
wiederholt auf die vom Wind aufgepeitschten großen Wellen
maurvyā abhijaghne gadayā
schlug mit seiner sehnenumwundenen Keule ein
vibhāvarīm āsedivān tāta purīm pracetasaḥ
gelangte nachts, o Vater, zur Stadt des Pracetas
[?] 'maurvyā' (mit der aus Sehne/Bogensehne [gefertigten Keule]) sinngemäß erschlossen.
Dort, den den Dämonen furchtbaren Weltenhüter, den Ersten der Wassergeschöpfe, Pracetas (Varuṇa), antreffend, verneigte er sich lächelnd, um ihn zu verspotten, wie ein Niedriger, und sprach: 'Gib mir Kampf, o Oberkönig.'
Wort für Wort
tatra upalabhya
dort, [ihn] antreffend
asura-loka-pālakam
den den Dämonen [furchtbaren] Weltenhüter
yādaḥ-gaṇānām ṛṣabham pracetasam
den Ersten der Wassergeschöpfe, Pracetas (Varuṇa)
smayan pralabdhum praṇipatya nīcavat
lächelnd, um ihn zu verspotten, sich verneigend wie ein Niedriger
Du bist der Weltenhüter, der Oberherr, von großem Ruhm, der die Kraft der überheblichen, sich für Helden Haltenden nimmt, da du einst, alle Dämonen und Dānavas in der Welt besiegend, das Rājasūya-Opfer dargebracht hast, o Herr.
Wort für Wort
tvam loka-pālaḥ adhipatiḥ bṛhat-śravāḥ
du bist der Weltenhüter, der Oberherr, von großem Ruhm
vīrya-apahaḥ durmada-vīra-māninām
der die Kraft der überheblichen, sich für Helden haltenden [Krieger] nimmt
vijitya loke akhila-daitya-dānavān
da du, alle Dämonen und Dānavas in der Welt besiegend
yat rājasūyena purā ayajat prabho
einst mit dem Rājasūya-Opfer geopfert hast, o Herr
Er, der Erhabene, der Herr der Gewässer (Varuṇa), so von dem in Übermut geschwellten Feind heftig verspottet, den aufsteigenden Zorn durch seine eigene Klugheit bezähmend, sprach: 'Mein Lieber, wir sind zur Kampfesenthaltung gelangt.'
Wort für Wort
saḥ evam utsikta-madena vidviṣā
er, so von dem in Übermut geschwellten Feind
dṛḍham pralabdhaḥ bhagavān apām patiḥ
heftig verspottet, der Erhabene, der Herr der Gewässer
roṣam samuttham śamayan svayā dhiyā
den aufsteigenden Zorn durch eigene Klugheit bezähmend
vyavocat aṅga upaśamam gatāḥ vayam
sprach: 'Mein Lieber, wir sind zur Kampfesenthaltung gelangt'
Ich sehe keinen anderen außer dem uralten Puruṣa, der dich, den im Pfad des Kampfes Kundigen, im Kampf zufriedenstellen könnte, o Bester der Dämonen; geh zu ihm, den auch Verständige wie du preisen.
Wort für Wort
paśyāmi na anyam puruṣāt purātanāt
ich sehe keinen anderen außer dem uralten Puruṣa
yaḥ saṁyuge tvām raṇa-mārga-kovidam
der dich, den im Pfad des Kampfes Kundigen, im Kampf
ārādhayiṣyati asura-ṛṣabha ihi tam
zufriedenstellen wird, o Bester der Dämonen, geh zu ihm
Sobald du diesem Helden nahegekommen bist, wirst du, von Staunen [ergriffen], auf dem Heldenlager liegen, von Hunden umgeben - er, der um der Befriedung der Übeltäter deiner Art willen, aus dem Wunsch heraus, den Guten Gnade zu erweisen, [seine verschiedenen] Gestalten annimmt.
Wort für Wort
tam vīram ārāt abhipadya
sobald du diesem Helden nahegekommen bist
vismayaḥ śayiṣyase vīra-śaye
wirst du, von Staunen [ergriffen], auf dem Heldenlager liegen
śvabhiḥ vṛtaḥ
von Hunden umgeben
yaḥ tvat-vidhānām asatām praśāntaye
er, der um der Befriedung der Übeltäter deiner Art willen
rūpāṇi dhatte sat-anugraha-icchayā
[seine] Gestalten annimmt, aus dem Wunsch, den Guten Gnade zu erweisen