Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 160: Śiva-viṣa-pāna Śiva rettet das Universum, indem er das Gift trinkt

śrī-śuka uvāca te nāga-rājam āmantrya phala-bhāgena vāsukim parivīya girau tasmin netram abdhiṁ mudānvitāḥ ārebhire surā yattā amṛtārthe kurūdvaha

Śrī Śuka sprach: Nachdem sie den Schlangenkönig Vāsuki mit dem Versprechen eines Anteils [am Nektar] eingeladen und ihn rings um jenen Berg als Zugseil gewickelt hatten, begannen die von Freude erfüllten, eifrig bemühten Götter, o Bester der Kurus, den Ozean um des Nektars willen zu quirlen.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
te
sie
nāga-rājam
den Schlangenkönig
āmantrya
einladend
phala-bhāgena
mit dem Versprechen eines Anteils (am Lohn/Nektar)
vāsukim
Vāsuki
parivīya
rings umwindend
girau tasmin
um jenen Berg
netram
als Zugseil
abdhim
den Ozean
mudā anvitāḥ
von Freude erfüllt
ārebhire
sie begannen
surāḥ yattāḥ
die eifrig bemühten Götter
amṛta-arthe
um des Nektars willen
kuru-udvaha
o Bester der Kurus

hariḥ purastāj jagṛhe pūrvaṁ devās tato 'bhavan

Hari ergriff zuerst das vordere Ende [der Schlange], danach nahmen die Götter [dort ihren Platz] ein.

Wort für Wort
hariḥ
Hari
purastāt
das vordere Ende / von vorne
jagṛhe
ergriff
pūrvam
zuerst
devāḥ
die Götter
tataḥ
danach
abhavan
traten [dort ein], nahmen [ihren Platz ein]

tan naicchan daitya-patayo mahā-puruṣa-ceṣṭitam na gṛhṇīmo vayaṁ puccham aher aṅgam amaṅgalam svādhyāya-śruta-sampannāḥ prakhyātā janma-karmabhiḥ

Das gefiel den Anführern der Daityas nicht - diese Anordnung der Höchsten Person: „Wir nehmen den Schwanz, dieses unheilvolle Glied der Schlange, nicht - wir, die wir mit eigenem [vedischem] Studium und heiligem Wissen ausgestattet und durch Geburt und Taten berühmt sind.“

Wort für Wort
tat
das, dies
na aicchan
sie mochten/wollten nicht
daitya-patayaḥ
die Anführer der Daityas
mahā-puruṣa-ceṣṭitam
die Anordnung/Tat der Höchsten Person
na gṛhṇīmaḥ
wir nehmen nicht
vayam
wir
puccham
den Schwanz
aheḥ
der Schlange
aṅgam
das Glied
amaṅgalam
unheilvoll
svādhyāya-śruta-sampannāḥ
ausgestattet mit eigenem Studium und heiligem [vedischem] Wissen
prakhyātāḥ
berühmt
janma-karmabhiḥ
durch Geburt und Taten

iti tūṣṇīṁ sthitān daityān vilokya puruṣottamaḥ smayamāno visṛjyāgraṁ pucchaṁ jagrāha sāmaraḥ

Als die Höchste Person die so schweigend dastehenden Daityas erblickte, ließ sie lächelnd das vordere Ende los und ergriff, zusammen mit den Unsterblichen, den Schwanz.

Wort für Wort
iti
so [sprechend]
tūṣṇīm sthitān
die schweigend Dastehenden
daityān
die Daityas
vilokya
erblickend
puruṣa-uttamaḥ
die Höchste Person
smayamānaḥ
lächelnd
visṛjya
loslassend
agram
das vordere Ende
puccham
den Schwanz
jagrāha
ergriff
sa-amaraḥ
zusammen mit den Unsterblichen

kṛta-sthāna-vibhāgās ta evaṁ kaśyapa-nandanāḥ mamanthuḥ paramaṁ yattā amṛtārthaṁ payo-nidhim

Nachdem sie so die Aufteilung der Plätze vorgenommen hatten, quirlten die Söhne Kaśyapas mit höchster Anstrengung den Milchozean, um Nektar zu erlangen.

Wort für Wort
kṛta-sthāna-vibhāgāḥ
nachdem sie die Aufteilung der Plätze vorgenommen hatten
te
sie
evam
so
kaśyapa-nandanāḥ
die Söhne Kaśyapas
mamanthuḥ
sie quirlten
paramam yattāḥ
mit höchster Anstrengung
amṛta-artham
um des Nektars willen
payaḥ-nidhim
den Milchozean

mathyamāne 'rṇave so 'drir anādhāro hy apo 'viśat dhriyamāṇo 'pi balibhir gauravāt pāṇḍu-nandana

Während [so] im Ozean gequirlt wurde, sank jener stützenlose Berg ins Wasser, obwohl er von den Starken gehalten wurde - wegen seiner Schwere, o Sohn Pāṇḍus.

Wort für Wort
mathyamāne
während gequirlt wurde
arṇave
im Ozean
saḥ adriḥ
jener Berg
anādhāraḥ
ohne Stütze
hi
denn, gewiss
apaḥ aviśat
sank ins Wasser
dhriyamāṇaḥ api
obwohl gehalten
balibhiḥ
von den Starken
gauravāt
wegen der Schwere
pāṇḍu-nandana
o Sohn Pāṇḍus

te sunirviṇṇamanasaḥ parimlānamukhaśriyaḥ āsan svapauruṣe naṣṭe daivenātibalīyasā

Sie waren, mit sehr niedergeschlagenem Geist und verblasster Gesichtsschönheit, [ganz verzweifelt], da ihre eigene Kraft durch das übermächtige Schicksal zunichte gemacht worden war.

Wort für Wort
te
sie
su-nirviṇṇa-manasaḥ
mit sehr entmutigtem Geist
parimlāna-mukha-śriyaḥ
mit verblasster Gesichtsschönheit
āsan
sie waren
sva-pauruṣe naṣṭe
als ihre eigene Kraft zunichte gemacht war
daivena
durch das Schicksal
ati-balīyasā
das übermächtig war

Verszählung ab hier via GRETIL-Fallback (vedabase 429), Offset gegenüber GRETIL-Nummerierung (v=G-1) anhand mehrerer Anker (v1-6,8,41,42,45,46) verifiziert.

vilokya vighneśa-vidhiṁ tadeśvaro duranta-vīryo 'vitathābhisandhiḥ kṛtvā vapuḥ kacchapam adbhutaṁ mahat praviśya toyaṁ girim ujjahāra

Als der Herr, von unermesslicher Kraft und unfehlbarem Entschluss, diese [vom Schicksal verursachte] Behinderung sah, nahm er die Gestalt einer wunderbaren, gewaltigen Schildkröte an, tauchte ins Wasser und hob den Berg empor.

Wort für Wort
vilokya
erblickend
vighna-īśa-vidhim
die (vom Schicksal gelenkte) Fügung des Hindernisses
tadā
da, dann
īśvaraḥ
der Herr
duranta-vīryaḥ
von unermesslicher Kraft
avitatha-abhisandhiḥ
dessen Entschluss nie fehlgeht
kṛtvā
annehmend
vapuḥ
Gestalt
kacchapam
eine Schildkröte
adbhutam mahat
wunderbar groß
praviśya
eintretend
toyam
in das Wasser
girim
den Berg
ujjahāra
hob empor

tam utthitaṁ vīkṣya kulācalaṁ punaḥ samudyatā nirmathituṁ surāsurāḥ dadhāra pṛṣṭhena sa lakṣayojana-prastāriṇā dvīpa ivāparo mahān

Als die Götter und Dämonen den [nun wieder] emporgehobenen Bergfürsten sahen, machten sie sich wieder bereit zu quirlen; und er [die Schildkröte] trug ihn auf seinem Rücken, der sich über hunderttausend Yojanas erstreckte, wie eine andere, gewaltige Insel.

Wort für Wort
tam
jenen
utthitam
emporgehobenen
vīkṣya
erblickend
kula-acalam
den Stammesberg [Mandara]
punaḥ
wieder
samudyatāḥ
bereit
nirmathitum
zu quirlen
sura-asurāḥ
die Götter und Dämonen
dadhāra
trug
pṛṣṭhena
mit dem Rücken
saḥ
er [die Schildkröte]
lakṣa-yojana-prastāriṇā
der sich über hunderttausend Yojanas erstreckte
dvīpaḥ iva aparaḥ mahān
wie eine andere gewaltige Insel

surāsurendrair bhuja-vīrya-vepitaṁ paribhramantaṁ girim aṅga pṛṣṭhataḥ bibhrat tad-āvartanam ādi-kacchapo mene 'ṅga-kaṇḍūyanam aprameyaḥ

O [Parīkṣit], während er auf seinem Rücken den Berg trug, der durch die Armkraft der Fürsten der Götter und Dämonen zum Zittern gebracht wurde und sich [dort] herumdrehte, empfand die unermessliche Urschildkröte jene Drehung nur wie ein Kratzen an ihrem Körper.

Wort für Wort
sura-asura-indraiḥ
durch die Fürsten der Götter und Dämonen
bhuja-vīrya-vepitam
durch Armkraft zum Zittern gebracht
paribhramantam
sich herumdrehend
girim
den Berg
aṅga
o [Parīkṣit]
pṛṣṭhataḥ
auf dem Rücken
bibhrat
tragend
tat-āvartanam
jene Drehung
ādi-kacchapaḥ
die Urschildkröte
mene
empfand, hielt für
aṅga-kaṇḍūyanam
ein Kratzen des Körpers
aprameyaḥ
der Unermessliche

tathāsurān āviśad āsureṇa rūpeṇa teṣāṁ bala-vīryam īrayan uddīpayan deva-gaṇāṁś ca viṣṇur daivena nāgendram abodha-rūpaḥ

Ebenso durchdrang Viṣṇu, mit unerkannter Gestalt, die Dämonen mit dämonischer Form und regte so deren Kraft und Stärke an; und er entflammte die Schar der Götter [mit göttlicher Form], und ebenso [belebte er] mit göttlicher Kraft, unbemerkt, den Schlangenkönig.

Wort für Wort
tathā
ebenso
asurān
in die Dämonen
āviśat
drang ein
āsureṇa rūpeṇa
mit dämonischer Gestalt
teṣām
deren
bala-vīryam
Kraft und Stärke
īrayan
anregend
uddīpayan
entflammend
deva-gaṇān ca
und die Schar der Götter
viṣṇuḥ
Viṣṇu
daivena
mit göttlicher [Kraft/Form]
nāga-indram
den Schlangenkönig [Vāsuki]
abodha-rūpaḥ
mit unbemerkter Gestalt

Vers syntaktisch verdichtet; genaue Zuordnung von 'daivena' zu 'nāgendram' unsicher [?].

upary agendraṁ girirāḍ ivānya ākramya hastena sahasra-bāhuḥ tasthau divi brahma-bhavendra-mukhyair abhiṣṭuvadbhiḥ sumano 'bhivṛṣṭaḥ

Oben, auf den Bergfürsten tretend, [ihn] mit der Hand [haltend], stand der Tausendarmige, wie ein weiterer Bergkönig, am Himmel, während Brahmā, Śiva, Indra und andere ihn priesen; und er wurde mit Blumen beregnet.

Wort für Wort
upari
oben
agendram
auf den Bergfürsten
giri-rāṭ iva anyaḥ
wie ein anderer Bergkönig
ākramya
tretend auf, besteigend
hastena
mit der Hand
sahasra-bāhuḥ
der Tausendarmige
tasthau
stand
divi
am Himmel
brahma-bhava-indra-mukhyaiḥ
von Brahmā, Śiva, Indra und anderen angeführt
abhiṣṭuvadbhiḥ
die ihn priesen
sumanaḥ-abhivṛṣṭaḥ
mit Blumen beregnet

upary adhaścātmani gotra-netrayoḥ pareṇa te prāviśatā samedhitāḥ mamanthur abdhiṁ tarasā madotkaṭā mahādriṇā kṣobhita-nakra-cakram

Da der Höchste oben und unten, [sowie] in eigener Gestalt, am Berg und am Zugseil eingetreten war [und sie so] gestärkt hatte, quirlten sie, übermütig [vor Kraft], mit Eile den Ozean mit dem großen Berg, dessen Schar von Krokodilen aufgewühlt wurde.

Wort für Wort
upari adhaḥ ca
oben und unten
ātmani
in eigener Gestalt
gotra-netrayoḥ
am Berg und am Zugseil
pareṇa
durch den Höchsten
te
sie
prāviśatā
der eingetreten war
samedhitāḥ
gestärkt
mamanthuḥ
sie quirlten
abdhim
den Ozean
tarasā
mit Eile, Kraft
mada-utkaṭāḥ
übermütig, berauscht [von Kraft]
mahā-adriṇā
mit dem großen Berg
kṣobhita-nakra-cakram
dessen Krokodilsschar aufgewühlt wurde

ahīndra-sāhasra-kaṭhora-dṛṅ-mukha-śvāsāgni-dhūmāhata-varcaso 'surāḥ paulomakāleya-balīlvalādayo davāgni-dagdhāḥ saralā ivābhavan

Die Dämonen - angeführt von den Paulomas, Kāleyas, Bali, Ilvala und anderen -, deren Glanz vom Feuer und Rauch des Atems aus den tausend harten Augen und Mäulern des Schlangenkönigs getroffen wurde, wurden [dadurch] wie von einem Waldbrand verbrannte Kiefern.

Wort für Wort
ahīndra-sāhasra
des Schlangenkönigs tausendfach
kaṭhora-dṛk-mukha
mit harten Augen und Mund
śvāsa-agni-dhūma
vom Feuer und Rauch des Atems
āhata-varcasaḥ
deren Glanz getroffen wurde
asurāḥ
die Dämonen
paulomaka-āleya-bali-ilvala-ādayaḥ
angeführt von Paulomas, Kāleyas, Bali, Ilvala u.a.
dava-agni-dagdhāḥ
von einem Waldbrand verbrannt
saralāḥ iva
wie Kiefern/Föhren
abhavan
wurden

devāṁś ca tac-chvāsa-śikhāhata-prabhān dhūmrāmbara-srag-vara-kañcukānanān samabhyavarṣan bhagavad-vaśā ghanā vavuḥ samudrormy-upagūḍha-vāyavaḥ

Und auch die Götter, deren Glanz von den Flammen jenes [Schlangen-]Atems getroffen und deren Gewänder, Girlanden, edle Panzer und Gesichter rauchgrau geworden waren, wurden von den Wolken, die vom Herrn gelenkt wurden, beregnet; und Winde, umschlossen von den Wogen des Ozeans, wehten [ihnen Kühlung zu].

Wort für Wort
devān ca
und die Götter
tat-śvāsa-śikhā-āhata-prabhān
deren Glanz von den Flammen jenes Atems getroffen wurde
dhūmra-ambara-srak-vara-kañcuka-ānanān
deren Gewänder, Girlanden, edle Panzer und Gesichter rauchgrau geworden waren
samabhyavarṣan
beregneten
bhagavat-vaśāḥ
vom Herrn gelenkt
ghanāḥ
die Wolken
vavuḥ
wehten
samudra-ūrmi-upagūḍha-vāyavaḥ
Winde, umschlossen von den Wogen des Ozeans

mathyamānāt tathā sindhor devāsura-varūthapaiḥ yadā sudhā na jāyeta nirmamanthājitaḥ svayam

Als aus dem so von den Heerführern der Götter und Dämonen gequirlten Ozean [dennoch] kein Nektar entstand, quirlte der Unbesiegte [Viṣṇu] selbst.

Wort für Wort
mathyamānāt
aus dem gequirlten
tathā
so
sindhoḥ
Ozean
deva-asura-varūthapaiḥ
durch die Heerführer der Götter und Dämonen
yadā
als
sudhā
Nektar
na jāyeta
nicht entstand
nirmamantha
er quirlte [selbst]
ajitaḥ
der Unbesiegte
svayam
selbst

meghaśyāmaḥ kanaka-paridhiḥ karṇa-vidyota-vidyun mūrdhni bhrājad-vilulita-kacaḥ srag-dharo rakta-netraḥ jaitrair dorbhir jagad-abhaya-dair danda-śūkaṁ gṛhītvā mathnan mathnā pratigirir ivāśobhatātho dhṛtādriḥ

Wolkendunkel, mit goldenem Gewand, mit blitzgleich an den Ohren aufleuchtenden [Ohrringen], mit strahlendem, zerzaustem Haar auf dem Haupt, eine Girlande tragend, mit roten Augen - er, der die Schlange mit seinen siegreichen, der Welt Furchtlosigkeit schenkenden Armen ergriffen hatte, quirlte mit dem Quirlstab [dem Berg] und erstrahlte, den Berg haltend, wie ein zweiter Berg.

Wort für Wort
megha-śyāmaḥ
wolkendunkel
kanaka-paridhiḥ
mit goldenem Gewand
karṇa-vidyota-vidyut
an den Ohren wie Blitze aufleuchtend
mūrdhni
auf dem Haupt
bhrājat-vilulita-kacaḥ
mit strahlendem, zerzaustem Haar
srak-dharaḥ
eine Girlande tragend
rakta-netraḥ
mit roten Augen
jaitraiḥ dorbhiḥ
mit siegreichen Armen
jagat-abhaya-daiḥ
die der Welt Furchtlosigkeit schenken
danda-śūkam
die Schlange
gṛhītvā
ergreifend
mathnan
quirlend
mathnā
mit dem Quirlstab
prati-giriḥ iva
wie ein zweiter Berg
aśobhata
erstrahlte
atho
und dann
dhṛta-adriḥ
der den Berg hielt

nirmathyamānād udadher abhūd viṣaṁ maholbaṇaṁ hālahalāhvam agrataḥ sambhrānta-mīnon-makarāhi-kacchapāt timi-dvipa-grāha-timiṅgilākulāt

Aus dem gequirlten Ozean, dessen Fische, Krokodile, Schlangen und Schildkröten in Verwirrung gerieten und der von den Riesenfischen Timi, Dvipa, Grāha und Timiṅgila durcheinandergebracht wurde, entstand zuerst ein gewaltiges Gift namens Hālahala.

Wort für Wort
nirmathyamānāt
aus dem gequirlten
udadheḥ
Ozean
abhūt
entstand
viṣam
Gift
mahā-ulbaṇam
sehr heftig, gewaltig
hālahala-āhvam
mit Namen Hālahala
agrataḥ
zuerst
sambhrānta-mīna-ut-makara-ahi-kacchapāt
dessen Fische, Krokodile, Schlangen und Schildkröten in Verwirrung gerieten
timi-dvipa-grāha-timiṅgila-ākulāt
der von den Riesenfischen Timi, Dvipa, Grāha und Timiṅgila durcheinandergebracht wurde

tad ugra-vegaṁ diśi diśy upary adho visarpad utsarpad asahyam aprati bhītāḥ prajā dudruvur aṅga seśvarā arakṣyamāṇāḥ śaraṇaṁ sadāśivam

Jenes Gift, schrecklich schnell, breitete sich in jede Richtung, oben und unten, aus, emporquellend, unerträglich, unaufhaltsam; die erschrockenen Geschöpfe, o [Parīkṣit], liefen, zusammen mit ihren Herrschern, ungeschützt, zu Sadāśiva als Zuflucht.

Wort für Wort
tat
jenes [Gift]
ugra-vegam
schrecklich schnell
diśi diśi
in jede Richtung
upari adhaḥ
oben und unten
visarpat
sich ausbreitend
utsarpat
emporquellend
asahyam
unerträglich
aprati
unaufhaltsam, ohnegleichen
bhītāḥ
erschrocken
prajāḥ
die Geschöpfe
dudruvuḥ
liefen, flohen
aṅga
o [Parīkṣit]
sa-īśvarāḥ
zusammen mit ihren Herrschern
arakṣyamāṇāḥ
ungeschützt
śaraṇam
zur Zuflucht
sadāśivam
zu Sadāśiva

vilokya taṁ deva-varaṁ trilokyā bhavāya devyābhimataṁ munīnām āsīnam adrāv apavarga-hetos tapo juṣāṇaṁ stutibhiḥ praṇemuḥ

Als sie jenen Besten der Götter erblickten, der zum Wohl der drei Welten [dort weilte], der Devī und den Weisen lieb, wie er auf dem Berg saß und um der Befreiung willen Buße übte, verneigten sie sich mit Lobpreisungen.

Wort für Wort
vilokya
erblickend
tam deva-varam
jenen Besten der Götter
trilokyāḥ bhavāya
zum Wohl der drei Welten
devyā abhimatam
der Devī lieb
munīnām
den Weisen [lieb]
āsīnam
sitzend
adrau
auf dem Berg
apavarga-hetoḥ
um der Befreiung willen
tapaḥ juṣāṇam
Buße übend
stutibhiḥ praṇemuḥ
verneigten sich mit Lobpreisungen

śrī-prajāpataya ūcuḥ deva-deva mahā-deva bhūtātman bhūta-bhāvana trāhi naḥ śaraṇāpannāṁs trailokya-dahanād viṣāt

Die Prajāpatis sprachen: O Gott der Götter, o großer Gott, o Seele aller Wesen, o Wohltäter der Wesen! Rette uns, die Zuflucht Suchenden, vor dem Gift, das die drei Welten verbrennt.

Wort für Wort
śrī-prajāpatayaḥ ūcuḥ
die Prajāpatis sprachen
deva-deva
o Gott der Götter
mahā-deva
o großer Gott
bhūta-ātman
o Seele aller Wesen
bhūta-bhāvana
o Wohltäter der Wesen
trāhi
rette
naḥ
uns
śaraṇa-āpannān
die Zuflucht Suchenden
trailokya-dahanāt
vor dem, die drei Welten Verbrennenden
viṣāt
Gift

tvam ekaḥ sarva-jagata īśvaro bandha-mokṣayoḥ taṁ tvām arcanti kuśalāḥ prapannārti-haraṁ gurum

Du allein bist der Herr der ganzen Welt über Bindung und Befreiung. Dich verehren die Weisen als den Meister, der das Leid derer hinwegnimmt, die sich [dir] ergeben.

Wort für Wort
tvam ekaḥ
du allein
sarva-jagataḥ
der ganzen Welt
īśvaraḥ
Herr
bandha-mokṣayoḥ
über Bindung und Befreiung
tam tvām
dich
arcanti
verehren
kuśalāḥ
die Weisen, Geschickten
prapanna-ārti-haram
der das Leid der sich Ergebenden hinwegnimmt
gurum
als Meister

guṇa-mayyā sva-śaktyāsya sarga-sthity-apyayān vibho dhatse yadā sva-dṛg bhūman brahma-viṣṇu-śivābhidhām

Wenn du, o Allmächtiger, durch deine aus den [drei] Erscheinungsweisen bestehende eigene Kraft Schöpfung, Erhaltung und Auflösung dieses [Universums] bewirkst, nimmst du, o Allumfassender, der du selbst-erkennend bist, die Namen Brahmā, Viṣṇu und Śiva an.

Wort für Wort
guṇa-mayyā
aus den [drei] Erscheinungsweisen bestehenden
sva-śaktyā
durch die eigene Kraft
asya
dieses [Universums]
sarga-sthiti-apyayān
Schöpfung, Erhaltung und Auflösung
vibho
o Allmächtiger
dhatse
du nimmst an
yadā
wenn
sva-dṛk
selbst-erkennend
bhūman
o Allumfassender
brahma-viṣṇu-śiva-abhidhām
die Namen Brahmā, Viṣṇu, Śiva

tvaṁ brahma paramaṁ guhyaṁ sad-asad-bhāva-bhāvanam nānā-śaktibhir ābhātas tvam ātmā jagad-īśvaraḥ

Du bist das höchste geheimnisvolle Brahman, das die Zustände von Sein und Nichtsein hervorbringt; durch mannigfaltige Kräfte erscheinend, bist du die Seele, der Herr der Welt.

Wort für Wort
tvam
du
brahma
das Brahman
paramam
höchste
guhyam
geheimnisvoll
sat-asat-bhāva-bhāvanam
das die Zustände von Sein und Nichtsein hervorbringt
nānā-śaktibhiḥ
durch mannigfaltige Kräfte
ābhātaḥ
erscheinend
tvam ātmā
du [bist] die Seele
jagat-īśvaraḥ
der Herr der Welt

tvaṁ śabda-yonir jagad-ādir ātmā prāṇendriya-dravya-guṇaḥ svabhāvaḥ kālaḥ kratuḥ satyam ṛtaṁ ca dharmas tvayy akṣaraṁ yat trivṛd āmananti

Du bist der Ursprung des heiligen Klangs [des Veda], der Anfang der Welt, die Seele, [du bist] Lebenshauch, Sinne, Substanz und Eigenschaft, die Eigennatur, die Zeit, das Opfer, Wahrheit und [kosmische] Ordnung, die Tugend; in dir, so verkünden [die Weisen], ruht jenes unvergängliche Dreifache [des Veda].

Wort für Wort
tvam
du
śabda-yoniḥ
der Ursprung des [heiligen] Klangs
jagat-ādiḥ
der Anfang der Welt
ātmā
die Seele
prāṇa-indriya-dravya-guṇaḥ
Lebenshauch, Sinne, Substanz, Eigenschaft
svabhāvaḥ
die Eigennatur
kālaḥ
die Zeit
kratuḥ
das Opfer
satyam ṛtam ca
Wahrheit und [kosmische] Ordnung
dharmaḥ
die Tugend
tvayi
in dir
akṣaram yat trivṛt
jenes unvergängliche Dreifache
āmananti
sie verkünden [die Weisen]

agnir mukhaṁ te 'khila-devatātmā kṣitiṁ vidur loka-bhavāṅghri-paṅkajam kālaṁ gatiṁ te 'khila-devatātmano diśaś ca karṇau rasanaṁ jaleśam

Agni ist dein Mund, du, der die Seele aller Gottheiten bist; die Erde erkennen sie als deine lotusgleichen Füße, aus denen die Welten entstehen; die Zeit ist dein Gang, und die Himmelsrichtungen sind deine Ohren, o Seele aller Gottheiten, und Varuṇa, der Herr des Wassers, ist deine Zunge.

Wort für Wort
agniḥ
Agni [das Feuer]
mukham
der Mund
te
dein
akhila-devatā-ātmā
die Seele aller Gottheiten
kṣitim
die Erde
viduḥ
sie erkennen
loka-bhava-aṅghri-paṅkajam
als lotusgleiche Füße, aus denen die Welt entsteht
kālam
die Zeit
gatim
der Gang
te
dein
akhila-devatā-ātmanaḥ
o Seele aller Gottheiten
diśaḥ ca
und die Himmelsrichtungen
karṇau
die Ohren
rasanam
die Zunge
jala-īśam
der Herr des Wassers [Varuṇa]

nābhir nabhas te śvasanaṁ nabhasvān sūryaś ca cakṣūṁṣi jalaṁ sma retaḥ parāvarātmāśrayaṇaṁ tavātmā somo mano dyaur bhagavan śiras te

Der Raum ist dein Nabel, der Wind dein Atem, und die Sonne sind deine Augen, Wasser ist wahrlich dein Same; [du bist] die Zuflucht des höheren und niederen Selbst [alles Seienden]; deine Seele ist der Mond, der Geist, und der Himmel, o Herr, ist dein Haupt.

Wort für Wort
nābhiḥ
der Nabel
nabhaḥ
der Raum
te
dein
śvasanam
der Atem
nabhasvān
der Wind
sūryaḥ ca
und die Sonne
cakṣūṃṣi
die Augen
jalam
Wasser
sma retaḥ
ist [dein] Same
para-avara-ātma-āśrayaṇam
die Zuflucht des höheren und niederen Selbst
tava ātmā
deine Seele
somaḥ
der Mond
manaḥ
der Geist
dyauḥ
der Himmel
bhagavan
o Herr
śiraḥ te
dein Haupt

kukṣiḥ samudrā girayo 'sthi-saṅghā romāṇi sarvauṣadhi-vīrudhas te chandāṁsi sākṣāt tava sapta dhātavas trayī-mayātman hṛdayaṁ sarva-dharmaḥ

Die Ozeane sind dein Bauch, die Berge deine Knochenmassen, alle Kräuter und Pflanzen deine Körperhaare; die vedischen Versmaße sind unmittelbar deine sieben [Körper-]Substanzen, o [du], dessen Wesen aus den drei Veden besteht; dein Herz ist alles Dharma.

Wort für Wort
kukṣiḥ
der Bauch
samudrāḥ
die Ozeane
girayaḥ
die Berge
asthi-saṅghāḥ
die Knochenmassen
romāṇi
die Körperhaare
sarva-oṣadhi-vīrudhaḥ
alle Kräuter und Pflanzen
te
dein
chandāṃsi
die vedischen Versmaße
sākṣāt
unmittelbar
tava
deine
sapta dhātavaḥ
die sieben [Körper-]Substanzen
trayī-maya-ātman
o [du], dessen Wesen aus den drei Veden besteht
hṛdayam
das Herz
sarva-dharmaḥ
alles Dharma

mukhāni pañcopaniṣadas taveśa yais triṁśad-aṣṭottara-mantra-vargaḥ yat tac chivākhyaṁ paramātma-tattvaṁ deva svayaṁ-jyotir avasthitis te

Deine fünf Gesichter, o Herr, sind die [fünf] Upaniṣaden, durch die die Gruppe der achtunddreißig Mantras [entsteht]; jenes, das den Namen „Śiva“ trägt, das Prinzip des Höchsten Selbst, o Gott - das selbstleuchtende [Licht] ist dein wahrer Zustand.

Wort für Wort
mukhāni
die Gesichter
pañca upaniṣadaḥ
die fünf Upaniṣaden
tava
deine
īśa
o Herr
yaiḥ
durch die
triṃśat-aṣṭa-uttara-mantra-vargaḥ
die Gruppe der achtunddreißig Mantras
yat tat śiva-ākhyam
jenes, das den Namen Śiva trägt
parama-ātma-tattvam
das Prinzip des Höchsten Selbst
deva
o Gott
svayam-jyotiḥ
selbstleuchtend
avasthitiḥ te
ist dein wahrer Zustand

chāyā tvad-dharmormiṣu yair visargo netra-trayaṁ sattva-rajas-tamāṁsi sāṅkhyātmanaḥ śāstra-kṛtas tavekṣā chandomayo deva ṛṣiḥ purāṇaḥ

Der Schatten [waltet] in den Wogen deines Wesens, wodurch die Schöpfung [des Universums entsteht]; deine drei Augen sind Güte, Leidenschaft und Unwissenheit; du, dessen Wesen das Sāṅkhya ist, der die Schriften verfasst hat - dein Blick, o Gott, ist der aus Versmaßen bestehende, uralte Seher [Ṛṣi].

Wort für Wort
chāyā
der Schatten
tvat-dharma-ūrmiṣu
in den Wogen deines Wesens
yaiḥ
wodurch
visargaḥ
die Schöpfung, Emanation
netra-trayam
die drei Augen
sattva-rajaḥ-tamāṃsi
Güte, Leidenschaft, Unwissenheit
sāṅkhya-ātmanaḥ
dessen Wesen das Sāṅkhya ist
śāstra-kṛtaḥ
der die Schriften verfasst hat
tava īkṣā
dein Blick
chandaḥ-mayaḥ
aus Versmaßen bestehend
deva
o Gott
ṛṣiḥ
der Seher
purāṇaḥ
uralt

Sehr verdichteter, obskurer Vers (Schatten-/Emanationslehre); Lesart unsicher [?], sparsamste Lesart gewählt.

na te giritrākhila-loka-pāla viriñca-vaikuṇṭha-surendra-gamyam jyotiḥ paraṁ yatra rajas tamaś ca sattvaṁ na yad brahma nirasta-bhedam

O Giritra, Beschützer aller Welten! Jenes höchste Licht, das [selbst] für Brahmā, Viṣṇu und den Herrn der Götter [Indra] nicht erreichbar ist, worin es weder Leidenschaft noch Unwissenheit noch Güte gibt - jenes Brahman, frei von aller Unterscheidung, ist [nichts anderes als] du [?].

Wort für Wort
na
nicht
te
dir / dein
giritra
o Giritra [Beiname Śivas]
akhila-loka-pāla
o Beschützer aller Welten
viriñca-vaikuṇṭha-surendra-gamyam
für Brahmā, Viṣṇu und Indra erreichbar
jyotiḥ param
das höchste Licht
yatra
worin
rajaḥ tamaḥ ca sattvam
Leidenschaft, Unwissenheit und Güte
na
nicht [sind]
yat brahma
jenes Brahman, das
nirasta-bhedam
frei von Unterscheidung

Syntax des Verses unklar (Bezug von 'na te...gamyam' auf 'jyotiḥ'); Lesart als 'für Brahmā/Viṣṇu/Indra unerreichbares Licht = dein wahres Wesen' gewählt, aber mit Unsicherheit markiert [?].

kāmādhvara-tripura-kāla-garādy-aneka-bhūta-druhaḥ kṣapayataḥ stutaye na tat te yas tv antakāla idam ātma-kṛtaṁ sva-netra-vahni-sphuliṅga-śikhayā bhasitaṁ na veda

Dass du Kāma, das [Dakṣa-]Opfer, die drei Städte [Tripura], Zeit/Tod, Gift und viele andere, den Wesen schadende [Dämonen] vernichtest - das reicht nicht aus, dich [gebührend] zu preisen; denn du, der du zur Zeit der [kosmischen] Auflösung dieses von dir selbst geschaffene [Universum] mit dem Funken der Flamme deines [dritten] Auges zu Asche verbrennst, bemerkst es nicht einmal.

Wort für Wort
kāma
Kāma [der Liebesgott]
adhvara
das Opfer [Dakṣas]
tripura
die drei Städte
kāla
Zeit, Tod
gara-ādi
Gift und andere
aneka-bhūta-druhaḥ
die vielen Wesen Schädigenden
kṣapayataḥ
der du vernichtest
stutaye
zum Lobpreis
na tat te
das reicht nicht aus für dich
yaḥ tu
der du aber
anta-kāle
zur Zeit des Endes
idam ātma-kṛtam
dieses von dir selbst Geschaffene
sva-netra-vahni-sphuliṅga-śikhayā
mit dem Flammenfunken deines [dritten] Auges
bhasitam
zu Asche verbrannt
na veda
bemerkst nicht einmal

ye tvātma-rāma-gurubhir hṛdi cintitāṅghri-dvandvaṁ carantam umayā tapasābhitaptam katthanta ugra-paruṣaṁ nirataṁ śmaśāne te nūnam ūtim avidaṁs tava hātalajjāḥ

Diejenigen, die dich, dessen Fußpaar von den selbst-erfreuten [Weisen] und Lehrern im Herzen kontempliert wird, wie du, mit Umā wandelnd, von Buße erhitzt, [dennoch] als grausam-schroff, auf dem Leichenplatz verweilend, schmähen - sie, die alle Scham verloren haben, kennen gewiss dein wahres Wesen nicht.

Wort für Wort
ye
die, welche
tvā
dich
ātma-rāma-gurubhiḥ
von den selbst-erfreuten [Weisen] und Lehrern
hṛdi cintita-aṅghri-dvandvam
dessen Fußpaar im Herzen kontempliert wird
carantam
wandelnd
umayā
mit Umā
tapasā abhitaptam
von Buße erhitzt
katthante
sie schmähen, verhöhnen
ugra-paruṣam
als grausam-schroff
niratam
verweilend
śmaśāne
auf dem Leichenplatz
te
sie
nūnam
gewiss
ūtim
dein wahres Wesen, deine Macht
avidan
kannten nicht
tava
dein
hāta-lajjāḥ
die die Scham verloren haben

tat tasya te sad-asatoḥ parataḥ parasya nāñjaḥ sva-rūpa-gamane prabhavanti bhūmnaḥ brahmādayaḥ kim uta saṁstavane vayaṁ tu tat-sarga-sarga-viṣayā api śakti-mātram

Selbst Brahmā und die anderen [Götter] vermögen nicht, unmittelbar zur wahren Gestalt von dir, dem Allumfassenden, der jenseits von Sein und Nichtsein und noch darüber hinaus ist, zu gelangen - wie viel weniger [vermögen wir], dich vollständig zu preisen; wir aber, die wir [nur] Geschöpfe innerhalb deiner Schöpfung sind, [preisen dich] nur nach unserem [begrenzten] Vermögen.

Wort für Wort
tat
das
tasya te
von dir
sat-asatoḥ parataḥ parasya
der jenseits von Sein und Nichtsein und noch darüber hinaus ist
na añjaḥ
nicht unmittelbar
sva-rūpa-gamane
im Erreichen der wahren Gestalt
prabhavanti
sie vermögen
bhūmnaḥ
des Allumfassenden
brahma-ādayaḥ
Brahmā und andere
kim uta
wie viel mehr, geschweige denn
saṃstavane
im vollständigen Lobpreisen
vayam tu
wir aber
tat-sarga-sarga-viṣayāḥ
die [nur] Gegenstand der Schöpfung deiner Schöpfung sind
api
sogar, nur
śakti-mātram
nur nach [unserem] Vermögen

etat paraṁ prapaśyāmo na paraṁ te maheśvara mṛḍanāya hi lokasya vyaktis te 'vyakta-karmaṇaḥ

Dies erkennen wir als das Höchste - nicht [aber] dein [eigentliches] höchstes Wesen selbst, o großer Herr; denn deine Erscheinung, [du], dessen Taten unergründlich sind, [geschieht] zur Gnade der Welt.

Wort für Wort
etat param
dies [als] das Höchste
prapaśyāmaḥ
wir erblicken, erkennen
na param te
nicht [dein] höchstes [Wesen selbst]
mahā-īśvara
o großer Herr
mṛḍanāya
zur Gnade, zum Wohl
hi
denn
lokasya
der Welt
vyaktiḥ te
deine Erscheinung
avyakta-karmaṇaḥ
dessen Taten unergründlich sind

śrī-śuka uvāca tad vīkṣya vyasanaṁ tāsāṁ kṛpayā bhṛśa-pīḍitaḥ sarva-bhūta-suhṛd deva idam āha satīṁ priyām

Śrī Śuka sprach: Als er dies erblickte, die Not jener [Geschöpfe], von Mitleid heftig bewegt, sprach der Gott [Śiva], der Freund aller Wesen, dies zu seiner geliebten Satī.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
tat vīkṣya
dies erblickend
vyasanam
die Not
tāsām
jener [Geschöpfe]
kṛpayā
von Mitleid
bhṛśa-pīḍitaḥ
heftig bewegt, gequält
sarva-bhūta-suhṛt
der Freund aller Wesen
devaḥ
der Gott [Śiva]
idam āha
sprach dies
satīm priyām
zu [seiner] geliebten Satī

śrī-śiva uvāca aho bata bhavāny etat prajānāṁ paśya vaiśasam kṣīroda-mathanodbhūtāt kālakūṭād upasthitam

Śrī Śiva sprach: Ach, o Bhavānī, sieh das Unheil der Geschöpfe, das durch das Kālakūṭa[-Gift], entstanden aus dem Quirlen des Milchozeans, hereingebrochen ist.

Wort für Wort
śrī-śivaḥ uvāca
Śrī Śiva sprach
aho bata
ach, wehe
bhavāni
o Bhavānī
etat prajānām
dieses der Geschöpfe
paśya
sieh
vaiśasam
Unheil, Verderben
kṣīra-uda-mathana-udbhūtāt
das aus dem Quirlen des Milchozeans entstand
kālakūṭāt
durch das Kālakūṭa-Gift
upasthitam
eingetreten, hereingebrochen

āsāṁ prāṇa-parīpsūnāṁ vidheyam abhayaṁ hi me etāvān hi prabhor artho yad dīna-paripālanam

Diesen, die ihr Leben zu bewahren wünschen, muss ich gewiss Furchtlosigkeit gewähren; denn so groß ist der Sinn eines Herrn [Beschützers]: dass er die Elenden beschützt.

Wort für Wort
āsām
von diesen [Geschöpfen]
prāṇa-parīpsūnām
die ihr Leben zu bewahren wünschen
vidheyam
zu gewähren
abhayam
Furchtlosigkeit
hi
gewiss
me
von mir
etāvān hi
so groß nämlich
prabhoḥ arthaḥ
der Sinn eines Herrn
yat
dass, nämlich
dīna-paripālanam
die Beschützung der Elenden

prāṇaiḥ svaiḥ prāṇinaḥ pānti sādhavaḥ kṣaṇa-bhaṅguraiḥ baddha-vaireṣu bhūteṣu mohiteṣv ātma-māyayā

Die Guten beschützen die Lebewesen mit ihrem eigenen, [nur] einen Augenblick währenden Leben - [selbst] unter Wesen, die, durch [des Herrn] Māyā verblendet, in Feindschaft verstrickt sind.

Wort für Wort
prāṇaiḥ svaiḥ
mit ihrem eigenen Leben
prāṇinaḥ
die Lebewesen
pānti
beschützen
sādhavaḥ
die Guten
kṣaṇa-bhaṅguraiḥ
das einen Augenblick währt, vergänglich
baddha-vaireṣu
die in Feindschaft verstrickt sind
bhūteṣu
unter den Wesen
mohiteṣu
die verblendet sind
ātma-māyayā
durch [des Herrn] Māyā

puṁsaḥ kṛpayato bhadre sarvātmā prīyate hariḥ prīte harau bhagavati prīye 'haṁ sacarācaraḥ tasmād idaṁ garaṁ bhuñje prajānāṁ svastir astu me

Wenn ein Mensch Mitleid übt, o Holde, wird Hari, die Seele aller Wesen, erfreut; und wenn Hari, der Herr, erfreut ist, bin ich, zusammen mit allem Beweglichen und Unbeweglichen, erfreut. Deshalb will ich dieses Gift verzehren; um der Geschöpfe willen - möge es mir wohl ergehen.

Wort für Wort
puṃsaḥ
eines Menschen
kṛpayataḥ
der Mitleid übt
bhadre
o Holde
sarva-ātmā
die Seele aller Wesen
prīyate
wird erfreut
hariḥ
Hari
prīte harau
wenn Hari erfreut ist
bhagavati
der Herr
prīye aham
bin ich erfreut
sa-cara-acaraḥ
zusammen mit allem Beweglichen und Unbeweglichen
tasmāt
deshalb
idam garam
dieses Gift
bhuñje
will ich verzehren
prajānām
um der Geschöpfe willen
svastiḥ astu me
möge mir Wohlergehen sein

Dreizeiliger Vers (6 Padas) - im Quelltext (GRETIL) unter einer fortlaufenden Nummer ohne Lücke; vedabase-Zählung als eigenständiger Text 40 bestätigt.

śrī-śuka uvāca evam āmantrya bhagavān bhavānīṁ viśva-bhāvanaḥ tad viṣaṁ jagdhum ārebhe prabhāva-jñānvamodata

Śrī Śuka sprach: Nachdem er, der Wohltäter des Universums, so Bhavānī angesprochen hatte, begann der Herr [Śiva], jenes Gift zu verschlingen; und [Bhavānī], die seine Macht kannte, gab ihre Zustimmung.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
evam āmantrya
so ansprechend
bhagavān
der Herr
bhavānīm
Bhavānī
viśva-bhāvanaḥ
der Wohltäter des Universums
tat viṣam
jenes Gift
jagdhum
zu verschlingen
ārebhe
begann
prabhāva-jñā
die [seine] Macht kannte
anvamodata
gab ihre Zustimmung

tataḥ karatalī-kṛtya vyāpi hālāhalaṁ viṣam abhakṣayan mahā-devaḥ kṛpayā bhūta-bhāvanaḥ

Darauf sammelte Mahādeva, der Wohltäter der Wesen, das sich ausgebreitete Hālāhala-Gift in seiner Handfläche und verzehrte es aus Mitleid.

Wort für Wort
tataḥ
darauf
karatalī-kṛtya
in der Handfläche sammelnd
vyāpi
das sich ausgebreitet hatte
hālāhalam viṣam
das Hālāhala-Gift
abhakṣayat
verzehrte
mahā-devaḥ
der große Gott [Śiva]
kṛpayā
aus Mitleid
bhūta-bhāvanaḥ
der Wohltäter der Wesen

tasyāpi darśayām āsa sva-vīryaṁ jala-kalmaṣaḥ yac cakāra gale nīlaṁ tac ca sādhor vibhūṣaṇam

Auch bei ihm zeigte der Makel des Wassers [das Gift] seine Wirkung: Es machte [Śivas] Hals blau, und das wurde zum Schmuck des Heiligen.

Wort für Wort
tasya api
auch bei ihm
darśayām āsa
zeigte
sva-vīryam
seine eigene Wirkung, Kraft
jala-kalmaṣaḥ
der Makel des Wassers [das Gift]
yat cakāra
das machte
gale
am Hals
nīlam
blau
tat ca
und das
sādhoḥ vibhūṣaṇam
zum Schmuck des Heiligen

tapyante loka-tāpena sādhavaḥ prāyaśo janāḥ paramārādhanaṁ tad dhi puruṣasyākhilātmanaḥ

Die Guten leiden meist durch das Leid der Welt [mit] - das ist nämlich die höchste Verehrung der Höchsten Person, die die Seele von allem ist.

Wort für Wort
tapyante
sie leiden, werden gequält
loka-tāpena
durch das Leid der Welt
sādhavaḥ
die Guten
prāyaśaḥ
meistens
janāḥ
Menschen
parama-ārādhanam
die höchste Verehrung
tat hi
das ist nämlich
puruṣasya
der [Höchsten] Person
akhila-ātmanaḥ
die die Seele von allem ist

niśamya karma tac chambhor deva-devasya mīḍhuṣaḥ prajā dākṣāyaṇī brahmā vaikuṇṭhaś ca śaśaṁsire

Als sie jene Tat Śambhus, des Gottes der Götter, der [reichlich] Segen gewährt, vernahmen, priesen die Geschöpfe, die Tochter Dakṣas, Brahmā und Viṣṇu ihn sehr.

Wort für Wort
niśamya
vernehmend
karma tat
jene Tat
śambhoḥ
Śambhus [Śivas]
deva-devasya
des Gottes der Götter
mīḍhuṣaḥ
der Segen gewährt
prajāḥ
die Geschöpfe
dākṣāyaṇī
die Tochter Dakṣas [Satī]
brahmā
Brahmā
vaikuṇṭhaḥ ca
und Viṣṇu
śaśaṃsire
priesen sehr

praskannaṁ pibataḥ pāṇer yat kiñcij jagṛhuḥ sma tat vṛścikāhi-viṣauṣadhyo danda-śūkāś ca ye 'pare

Was auch immer von seiner Hand verschüttet wurde, während er [das Gift] trank - das nahmen sich die Skorpione, Schlangen, Giftkräuter und die anderen bissig-giftigen [Wesen].

Wort für Wort
praskannam
das Verschüttete
pibataḥ
während er trank
pāṇeḥ
von der Hand
yat kiñcit
was auch immer [wenig]
jagṛhuḥ sma
nahmen sich
tat
das
vṛścika-ahi-viṣa-oṣadhyaḥ
Skorpione, Schlangen, Giftkräuter
danda-śūkāḥ ca
und die bissig-giftigen [Tiere]
ye apare
die anderen, die

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