Fortsetzung der Vṛtra-Erzählung: Auf Rat Viṣṇus schließen die Weisen zwischen Vṛtra und Indra einen Waffenstillstand, in dem sich Indra verpflichtet, Vṛtra nicht durch Trockenes/Feuchtes, Stein/Holz, Waffe/Blitz, bei Tag oder Nacht zu töten. Indra bricht diesen Eid formal-juristisch, aber inhaltlich verräterisch: In der Dämmerung (weder Tag noch Nacht) tötet er Vṛtra mit Meeresschaum (weder trocken noch feucht, keine Waffe), in dem sich der unsichtbare Viṣṇu verborgen hält. Nach Vṛtras Tod wird Indra von der doppelten Sünde des Brahmanenmords (Triśiras, vorheriges Kapitel) und des Bündnisbruchs/der Lüge überwältigt, verschwindet verborgen im Wasser, und die Welt versinkt ohne Götterkönig in Dürre und Chaos.
tasmād viniścayam imaṃ śṛṇudhvaṃ me divaukasaḥ viṣṇoḥ kṣayam upāgamya sametya ca mahātmanā tena saṃmantrya vetsyāmo vadhopāyaṃ durātmanaḥ
Deshalb hört diesen meinen Entschluss, ihr Himmelsbewohner: Lasst uns zur Wohnstatt Viṣṇus gehen, mit dem Hochherzigen zusammenkommen, und nachdem wir uns mit ihm beraten haben, werden wir das Mittel zur Tötung des Bösgesinnten erfahren.“
Wort für Wort
tasmād viniścayam imaṃ śṛṇudhvaṃ me divaukasaḥ viṣṇoḥ kṣayam upāgamya sametya ca mahātmanā tena saṃmantrya vetsyāmo vadhopāyaṃ durātmanaḥ
Deshalb hört diesen meinen Entschluss, ihr Himmelsbewohner: Lasst uns zur Wohnstatt Viṣṇus gehen, mit dem Hochherzigen zusammenkommen, und nachdem wir uns mit ihm beraten haben, werden wir das Mittel zur Tötung des Bösgesinnten erfahren.“
Śalya sprach: Nachdem Maghavan so gesprochen hatte, begaben sich die Götter samt den Scharen der Weisen zum schutzgewährenden, schützenden Gott, dem hochmächtigen Viṣṇu.
Śalya sprach: Nachdem Maghavan so gesprochen hatte, begaben sich die Götter samt den Scharen der Weisen zum schutzgewährenden, schützenden Gott, dem hochmächtigen Viṣṇu.
Der Nektar wurde geraubt, Viṣṇu, und die Daityas im Kampf erschlagen; nachdem du den großen Daitya Bali gebunden hattest, wurde Śakra zum Herrscher der Götter gemacht.
Der Nektar wurde geraubt, Viṣṇu, und die Daityas im Kampf erschlagen; nachdem du den großen Daitya Bali gebunden hattest, wurde Śakra zum Herrscher der Götter gemacht.
gacchadhvam ṛṣibhiḥ sārdhaṃ gandharvaiś ca surottamāḥ vṛtrasya saha śakreṇa saṃdhiṃ kuruta māciram
Geht, zusammen mit den Weisen und Gandharven, ihr Vortrefflichsten der Götter, und schließt ohne Zögern zwischen Vṛtra und Śakra einen Waffenstillstand.“
Wort für Wort
gacchadhvam ṛṣibhiḥ sārdhaṃ gandharvaiś ca surottamāḥ vṛtrasya saha śakreṇa saṃdhiṃ kuruta māciram
Geht, zusammen mit den Weisen und Gandharven, ihr Vortrefflichsten der Götter, und schließt ohne Zögern zwischen Vṛtra und Śakra einen Waffenstillstand.“
na ca śaknoṣi nirjetuṃ vāsavaṃ bhūrivikramam yudhyatoś cāpi vāṃ kālo vyatītaḥ sumahān iha
Doch vermagst du auch nicht, Vāsava, den von großer Kraft, zu besiegen; und für euch beide, die ihr kämpft, ist hier schon sehr lange Zeit verstrichen.
Wort für Wort
na ca śaknoṣi nirjetuṃ vāsavaṃ bhūrivikramam yudhyatoś cāpi vāṃ kālo vyatītaḥ sumahān iha
Doch vermagst du auch nicht, Vāsava, den von großer Kraft, zu besiegen; und für euch beide, die ihr kämpft, ist hier schon sehr lange Zeit verstrichen.
pīḍyante ca prajāḥ sarvāḥ sadevāsuramānavāḥ sakhyaṃ bhavatu te vṛtra śakreṇa saha nityadā avāpsyasi sukhaṃ tvaṃ ca śakralokāṃś ca śāśvatān
Und alle Geschöpfe, Götter, Dämonen und Menschen, werden gequält; Freundschaft möge zwischen dir, Vṛtra, und Śakra für immer bestehen; du wirst Glück erlangen und die ewigen Welten Śakras.“
Wort für Wort
pīḍyante ca prajāḥ sarvāḥ sadevāsuramānavāḥ sakhyaṃ bhavatu te vṛtra śakreṇa saha nityadā avāpsyasi sukhaṃ tvaṃ ca śakralokāṃś ca śāśvatān
Und alle Geschöpfe, Götter, Dämonen und Menschen, werden gequält; Freundschaft möge zwischen dir, Vṛtra, und Śakra für immer bestehen; du wirst Glück erlangen und die ewigen Welten Śakras.“
Die Weisen sprachen: „Auch nur eine einzige Begegnung mit den Rechtschaffenen ist erstrebenswert; danach wird gewiss nur Gutes geschehen - man soll die Begegnung mit einem rechtschaffenen Menschen nicht gering achten; deshalb ist die Begegnung mit den Rechtschaffenen erstrebenswert.
Die Weisen sprachen: „Auch nur eine einzige Begegnung mit den Rechtschaffenen ist erstrebenswert; danach wird gewiss nur Gutes geschehen - man soll die Begegnung mit einem rechtschaffenen Menschen nicht gering achten; deshalb ist die Begegnung mit den Rechtschaffenen erstrebenswert.
dṛḍhaṃ satāṃ saṃgataṃ cāpi nityaṃ brūyāc cārthaṃ hy arthakṛcchreṣu dhīraḥ mahārthavat satpuruṣeṇa saṃgataṃ tasmāt santaṃ na jighāṃseta dhīraḥ
Und die Begegnung mit den Rechtschaffenen ist beständig und fest; der Kluge soll in Notlagen die rechte Sache benennen - von großem Wert ist die Begegnung mit einem rechtschaffenen Menschen; deshalb soll der Kluge einem Rechtschaffenen nicht nach dem Leben trachten.
Wort für Wort
dṛḍhaṃ satāṃ saṃgataṃ cāpi nityaṃ brūyāc cārthaṃ hy arthakṛcchreṣu dhīraḥ mahārthavat satpuruṣeṇa saṃgataṃ tasmāt santaṃ na jighāṃseta dhīraḥ
Und die Begegnung mit den Rechtschaffenen ist beständig und fest; der Kluge soll in Notlagen die rechte Sache benennen - von großem Wert ist die Begegnung mit einem rechtschaffenen Menschen; deshalb soll der Kluge einem Rechtschaffenen nicht nach dem Leben trachten.
indraḥ satāṃ saṃmataś ca nivāsaś ca mahātmanām satyavādī hy adīnaś ca dharmavit suviniścitaḥ
Indra ist bei den Rechtschaffenen angesehen und eine Zuflucht der Hochherzigen; er ist wahrhaftig redend, unverzagt, dharmakundig und von festem Entschluss.
Wort für Wort
indraḥ satāṃ saṃmataś ca nivāsaś ca mahātmanām satyavādī hy adīnaś ca dharmavit suviniścitaḥ
Indra ist bei den Rechtschaffenen angesehen und eine Zuflucht der Hochherzigen; er ist wahrhaftig redend, unverzagt, dharmakundig und von festem Entschluss.
bravīmi yad ahaṃ devās tat sarvaṃ kriyatām iha tataḥ sarvaṃ kariṣyāmi yad ūcur māṃ dvijarṣabhāḥ
Was ich jetzt sage, ihr Götter, das soll hier alles ausgeführt werden; danach werde ich alles tun, was die Stiere der Zweifachgeborenen mir gesagt haben.
Wort für Wort
bravīmi yad ahaṃ devās tat sarvaṃ kriyatām iha tataḥ sarvaṃ kariṣyāmi yad ūcur māṃ dvijarṣabhāḥ
Was ich jetzt sage, ihr Götter, das soll hier alles ausgeführt werden; danach werde ich alles tun, was die Stiere der Zweifachgeborenen mir gesagt haben.
na śuṣkeṇa na cārdreṇa nāśmanā na ca dāruṇā na śastreṇa na vajreṇa na divā na tathā niśi
Weder durch Trockenes noch durch Feuchtes, weder durch Stein noch durch Holz, weder durch eine Waffe noch durch den Blitz, weder bei Tag noch ebenso bei Nacht
Wort für Wort
na śuṣkeṇa na cārdreṇa nāśmanā na ca dāruṇā na śastreṇa na vajreṇa na divā na tathā niśi
Weder durch Trockenes noch durch Feuchtes, weder durch Stein noch durch Holz, weder durch eine Waffe noch durch den Blitz, weder bei Tag noch ebenso bei Nacht
Śakra aber war stets wachsam und von Groll erfüllt; über Mittel zur Tötung Vṛtras nachsinnend, nach einer Schwachstelle suchend, war der Bezwinger Balas und Vṛtras stets in Unruhe.
Śakra aber war stets wachsam und von Groll erfüllt; über Mittel zur Tötung Vṛtras nachsinnend, nach einer Schwachstelle suchend, war der Bezwinger Balas und Vṛtras stets in Unruhe.
tataḥ saṃcintya bhagavān varadānaṃ mahātmanaḥ saṃdhyeyaṃ vartate raudrā na rātrir divasaṃ na ca vṛtraś cāvaśyavadhyo 'yaṃ mama sarvaharo ripuḥ
Da dachte der erhabene Herr über die Gabe des Hochherzigen nach: „Diese schreckliche Dämmerung ist im Gange, weder Nacht noch Tag; und Vṛtra, dieser mich um alles bringende Feind, muss unbedingt getötet werden.
Wort für Wort
tataḥ saṃcintya bhagavān varadānaṃ mahātmanaḥ saṃdhyeyaṃ vartate raudrā na rātrir divasaṃ na ca vṛtraś cāvaśyavadhyo 'yaṃ mama sarvaharo ripuḥ
Da dachte der erhabene Herr über die Gabe des Hochherzigen nach: „Diese schreckliche Dämmerung ist im Gange, weder Nacht noch Tag; und Vṛtra, dieser mich um alles bringende Feind, muss unbedingt getötet werden.
nāyaṃ śuṣko na cārdro 'yaṃ na ca śastram idaṃ tathā enaṃ kṣepsyāmi vṛtrasya kṣaṇād eva naśiṣyati
„Dieser ist weder trocken noch feucht, und dies ist auch keine Waffe; diesen werde ich gegen ihn schleudern - Vṛtra wird augenblicklich vernichtet sein.“
Wort für Wort
nāyaṃ śuṣko na cārdro 'yaṃ na ca śastram idaṃ tathā enaṃ kṣepsyāmi vṛtrasya kṣaṇād eva naśiṣyati
„Dieser ist weder trocken noch feucht, und dies ist auch keine Waffe; diesen werde ich gegen ihn schleudern - Vṛtra wird augenblicklich vernichtet sein.“
Er schleuderte darauf rasch jenen Schaum, mit dem Blitz verbunden, gegen Vṛtra; und Viṣṇu, der in jenen Schaum eingegangen war, vernichtete darauf den Vṛtra.
Er schleuderte darauf rasch jenen Schaum, mit dem Blitz verbunden, gegen Vṛtra; und Viṣṇu, der in jenen Schaum eingegangen war, vernichtete darauf den Vṛtra.
[?] Auflösung des im vorigen Kapitel gegebenen Bündnis-Versprechens: Der Schaum ist weder trocken noch feucht, weder Waffe noch Blitz, und die Tat geschieht in der Dämmerung (weder Tag noch Nacht) - so wird der Eid technisch nicht gebrochen, obwohl sein Sinn verraten wird. Dies begründet Indras nachfolgende Sünde (Lüge/Bündnisbruch, anṛta).
Von allen Wesen verehrt, alle Wesen besänftigend, den Feind erschlagen, freudigen Herzens, ehrte Vāsava, der Dharmakundige, samt den Göttern den Viṣṇu, den Vorzüglichsten der drei Welten.
Von allen Wesen verehrt, alle Wesen besänftigend, den Feind erschlagen, freudigen Herzens, ehrte Vāsava, der Dharmakundige, samt den Göttern den Viṣṇu, den Vorzüglichsten der drei Welten.
tato hate mahāvīrye vṛtre devabhayaṃkare anṛtenābhibhūto 'bhūc chakraḥ paramadurmanāḥ traiśīrṣayābhibhūtaś ca sa pūrvaṃ brahmahatyayā
Doch nachdem der überaus mächtige, den Göttern Furcht einflößende Vṛtra erschlagen war, wurde Śakra von der Sünde der Lüge überwältigt und überaus schwermütig; schon zuvor war er durch die Tötung des Dreiköpfigen von der Sünde des Brahmanenmords überwältigt gewesen.
Wort für Wort
tato hate mahāvīrye vṛtre devabhayaṃkare anṛtenābhibhūto 'bhūc chakraḥ paramadurmanāḥ traiśīrṣayābhibhūtaś ca sa pūrvaṃ brahmahatyayā
Doch nachdem der überaus mächtige, den Göttern Furcht einflößende Vṛtra erschlagen war, wurde Śakra von der Sünde der Lüge überwältigt und überaus schwermütig; schon zuvor war er durch die Tötung des Dreiköpfigen von der Sünde des Brahmanenmords überwältigt gewesen.
Damit tragen auf Indra nun zwei Sünden zugleich: der frühere Brahmanenmord an Triśiras und nun der Bündnisbruch/die Lüge (anṛta) gegenüber Vṛtra - dies begründet die im nächsten Kapitel geschilderte tiefe Krise.
so 'ntam āśritya lokānāṃ naṣṭasaṃjño vicetanaḥ na prājñāyata devendras tv abhibhūtaḥ svakalmaṣaiḥ praticchanno vasaty apsu ceṣṭamāna ivoragaḥ
Er, an den Rand der Welten geflohen, ohne Bewusstsein und von Sinnen, wurde nicht mehr erkannt; der von seinen eigenen Verfehlungen überwältigte Götterkönig hielt sich verborgen im Wasser auf, sich regend wie eine Schlange.
Wort für Wort
so 'ntam āśritya lokānāṃ naṣṭasaṃjño vicetanaḥ na prājñāyata devendras tv abhibhūtaḥ svakalmaṣaiḥ praticchanno vasaty apsu ceṣṭamāna ivoragaḥ
Er, an den Rand der Welten geflohen, ohne Bewusstsein und von Sinnen, wurde nicht mehr erkannt; der von seinen eigenen Verfehlungen überwältigte Götterkönig hielt sich verborgen im Wasser auf, sich regend wie eine Schlange.
Als darauf der Götterkönig, von der Furcht vor dem Brahmanenmord gepeinigt, verschwunden war, wurde die Erde von zerstörtem Aussehen, baumlos, mit verdorrten Wäldern, die Flüsse mit unterbrochenen Strömen, und die Seen ohne Wasser.
Als darauf der Götterkönig, von der Furcht vor dem Brahmanenmord gepeinigt, verschwunden war, wurde die Erde von zerstörtem Aussehen, baumlos, mit verdorrten Wäldern, die Flüsse mit unterbrochenen Strömen, und die Seen ohne Wasser.
divi devarṣayaś cāpi devarājavinākṛtāḥ na ca sma kaś cid devānāṃ rājyāya kurute manaḥ
Auch im Himmel, des Götterkönigs beraubt, richtete keiner der Götter seinen Sinn auf die Königsherrschaft.
Wort für Wort
divi devarṣayaś cāpi devarājavinākṛtāḥ na ca sma kaś cid devānāṃ rājyāya kurute manaḥ
Auch im Himmel, des Götterkönigs beraubt, richtete keiner der Götter seinen Sinn auf die Königsherrschaft.
Śalyas Erzählung setzt sich im nächsten Kapitel fort (das im Epos übliche Nahuṣa-Zwischenspiel: ein zeitweiliger Ersatz-Götterkönig). Die einfache Anführung (Śalyas Rahmenrede) bleibt weiterhin offen.