Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 39: Prajāgara-parva (39) Vidura-nīti VIII: Verwandtenpflicht und Freundschaft; Geduld als höchste Tugend; die Makel-Reihen

Nach einer kurzen resignierten Zwischenbemerkung Dhṛtarāṣṭras (V.1: der Mensch als von Fäden gezogene Puppe im Griff des Schicksals) und einer weiteren kurzen Unterbrechung (V.7: er könne seinen Sohn dennoch nicht aufgeben) setzt Vidura seine Rede ein letztes Mal fort mit eindringlichen Mahnungen zur Verwandtenpflicht (die Pāṇḍavas sollen mit Dörfern versorgt und in ihre Rechte eingesetzt werden), gefolgt von dichten Spruchreihen über Freundschaft, Geduld als der höchsten aller Tugenden, die acht das Gelübde nicht brechenden Dinge, sowie den berühmten 'Makel-Reihen' (das Altern von Körper, Bergen, Frauen und Gemüt; der Makel von Gold, Silber, Zinn und Blei). Das Kapitel endet mitten in einem Bedingungssatz, der in Kap.40 fortgeführt wird.

dhṛtarāṣṭra uvāca anīśvaro 'yaṃ puruṣo bhavābhave; sūtraprotā dārumayīva yoṣā dhātrā tu diṣṭasya vaśe kilāyaṃ; tasmād vada tvaṃ śravaṇe dhṛto 'ham

‘ Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Machtlos ist dieser Mensch über Werden und Vergehen, wie eine an Fäden gezogene hölzerne Puppe; er steht, so heißt es, in der Gewalt dessen, was der Schöpfer bestimmt hat - darum sprich weiter, ich bin aufs Zuhören gerichtet.‘

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca anīśvaro 'yaṃ puruṣo bhavābhave; sūtraprotā dārumayīva yoṣā dhātrā tu diṣṭasya vaśe kilāyaṃ; tasmād vada tvaṃ śravaṇe dhṛto 'ham
‘ Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Machtlos ist dieser Mensch über Werden und Vergehen, wie eine an Fäden gezogene hölzerne Puppe; er steht, so heißt es, in der Gewalt dessen, was der Schöpfer bestimmt hat - darum sprich weiter, ich bin aufs Zuhören gerichtet.‘

Hier schließt kurz Viduras seit Kap.34 offene Rede, bevor Dhṛtarāṣṭras Bitte um Fortsetzung eine neue, sofort wieder geschlossene Rahmung bildet.

vidura uvāca aprāptakālaṃ vacanaṃ bṛhaspatir api bruvan labhate buddhyavajñānam avamānaṃ ca bhārata

Vidura sprach: ‚Selbst Bṛhaspati erntet, wenn er ein Wort zur Unzeit spricht, Missachtung seiner Klugheit und Verachtung, o Bhārata.

Wort für Wort
vidura uvāca aprāptakālaṃ vacanaṃ bṛhaspatir api bruvan labhate buddhyavajñānam avamānaṃ ca bhārata
Vidura sprach: ‚Selbst Bṛhaspati erntet, wenn er ein Wort zur Unzeit spricht, Missachtung seiner Klugheit und Verachtung, o Bhārata.

priyo bhavati dānena priyavādena cāparaḥ mantraṃ mūlabalenānyo yaḥ priyaḥ priya eva saḥ

Der eine wird durch Freigebigkeit beliebt, ein anderer durch freundliche Rede, ein anderer durch Ratschluss und eigene Machtgrundlage - wer ohnehin beliebt ist, bleibt beliebt.

Wort für Wort
priyo bhavati dānena priyavādena cāparaḥ mantraṃ mūlabalenānyo yaḥ priyaḥ priya eva saḥ
Der eine wird durch Freigebigkeit beliebt, ein anderer durch freundliche Rede, ein anderer durch Ratschluss und eigene Machtgrundlage - wer ohnehin beliebt ist, bleibt beliebt.

dveṣyo na sādhur bhavati na medhāvī na paṇḍitaḥ priye śubhāni karmāṇi dveṣye pāpāni bhārata

Der Verhasste gilt nicht als gut, nicht als klug, nicht als weise; dem Beliebten schreibt man gute Taten zu, dem Verhassten böse, o Bhārata.

Wort für Wort
dveṣyo na sādhur bhavati na medhāvī na paṇḍitaḥ priye śubhāni karmāṇi dveṣye pāpāni bhārata
Der Verhasste gilt nicht als gut, nicht als klug, nicht als weise; dem Beliebten schreibt man gute Taten zu, dem Verhassten böse, o Bhārata.

na sa kṣayo mahārāja yaḥ kṣayo vṛddhim āvahet kṣayaḥ sa tv iha mantavyo yaṃ labdhvā bahu nāśayet

Das ist kein wahrer Verlust, o Großkönig, der zugleich Wachstum mit sich bringt; als wahren Verlust aber betrachte man hier das, wodurch man, es erlangend, vieles andere zunichtemacht.

Wort für Wort
na sa kṣayo mahārāja yaḥ kṣayo vṛddhim āvahet kṣayaḥ sa tv iha mantavyo yaṃ labdhvā bahu nāśayet
Das ist kein wahrer Verlust, o Großkönig, der zugleich Wachstum mit sich bringt; als wahren Verlust aber betrachte man hier das, wodurch man, es erlangend, vieles andere zunichtemacht.

samṛddhā guṇataḥ ke cid bhavanti dhanato 'pare dhanavṛddhān guṇair hīnān dhṛtarāṣṭra vivarjayet

Manche gedeihen durch ihre Tugenden, andere durch Reichtum; die an Reichtum Gewachsenen, aber an Tugend Mangelnden meide, o Dhṛtarāṣṭra.

Wort für Wort
samṛddhā guṇataḥ ke cid bhavanti dhanato 'pare dhanavṛddhān guṇair hīnān dhṛtarāṣṭra vivarjayet
Manche gedeihen durch ihre Tugenden, andere durch Reichtum; die an Reichtum Gewachsenen, aber an Tugend Mangelnden meide, o Dhṛtarāṣṭra.

dhṛtarāṣṭra uvāca sarvaṃ tvam āyatīyuktaṃ bhāṣase prājñasaṃmatam na cotsahe sutaṃ tyaktuṃ yato dharmas tato jayaḥ

‘ Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Alles, was du sprichst, ist auf die Zukunft bedacht und von den Weisen gebilligt; doch ich bringe es nicht über mich, meinen Sohn aufzugeben - wo das Recht ist, dort ist der Sieg.‘

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca sarvaṃ tvam āyatīyuktaṃ bhāṣase prājñasaṃmatam na cotsahe sutaṃ tyaktuṃ yato dharmas tato jayaḥ
‘ Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Alles, was du sprichst, ist auf die Zukunft bedacht und von den Weisen gebilligt; doch ich bringe es nicht über mich, meinen Sohn aufzugeben - wo das Recht ist, dort ist der Sieg.‘

Dhṛtarāṣṭras Schlussformel wirkt hier resignierend-ironisch, da er zugleich unfähig bleibt, aus der erkannten Wahrheit Konsequenzen zu ziehen.

vidura uvāca svabhāvaguṇasaṃpanno na jātu vinayānvitaḥ susūkṣmam api bhūtānām upamardaṃ prayokṣyate

Vidura sprach: ‚Wer von Natur aus mit guten Eigenschaften ausgestattet und von Bescheidenheit erfüllt ist, wird niemals, auch nicht im Geringsten, Wesen Schaden zufügen.

Wort für Wort
vidura uvāca svabhāvaguṇasaṃpanno na jātu vinayānvitaḥ susūkṣmam api bhūtānām upamardaṃ prayokṣyate
Vidura sprach: ‚Wer von Natur aus mit guten Eigenschaften ausgestattet und von Bescheidenheit erfüllt ist, wird niemals, auch nicht im Geringsten, Wesen Schaden zufügen.

parāpavādaniratāḥ paraduḥkhodayeṣu ca parasparavirodhe ca yatante satatotthitāḥ

Manche aber finden Freude daran, andere zu verleumden, sich am Leid anderer zu erfreuen, und mühen sich unablässig um gegenseitigen Streit.

Wort für Wort
parāpavādaniratāḥ paraduḥkhodayeṣu ca parasparavirodhe ca yatante satatotthitāḥ
Manche aber finden Freude daran, andere zu verleumden, sich am Leid anderer zu erfreuen, und mühen sich unablässig um gegenseitigen Streit.

sadoṣaṃ darśanaṃ yeṣāṃ saṃvāse sumahad bhayam arthādāne mahān doṣaḥ pradāne ca mahad bhayam

Deren Anblick schon fehlerhaft ist, deren Umgang sehr gefährlich ist, bei denen die Annahme von Gut ein großer Fehler und deren Gabe eine große Gefahr ist -

Wort für Wort
sadoṣaṃ darśanaṃ yeṣāṃ saṃvāse sumahad bhayam arthādāne mahān doṣaḥ pradāne ca mahad bhayam
Deren Anblick schon fehlerhaft ist, deren Umgang sehr gefährlich ist, bei denen die Annahme von Gut ein großer Fehler und deren Gabe eine große Gefahr ist -

ye pāpā iti vikhyātāḥ saṃvāse parigarhitāḥ yuktāś cānyair mahādoṣair ye narās tān vivarjayet

- Menschen, die als böse bekannt sind, deren Umgang verachtet wird, und die mit anderen schweren Fehlern behaftet sind, die meide man.

Wort für Wort
ye pāpā iti vikhyātāḥ saṃvāse parigarhitāḥ yuktāś cānyair mahādoṣair ye narās tān vivarjayet
- Menschen, die als böse bekannt sind, deren Umgang verachtet wird, und die mit anderen schweren Fehlern behaftet sind, die meide man.

nivartamāne sauhārde prītir nīce praṇaśyati yā caiva phalanirvṛttiḥ sauhṛde caiva yat sukham

Wenn sich Freundschaft wieder löst, geht bei einem Niedrigen die Zuneigung zugrunde, ebenso die daraus entstandene Frucht, und ebenso das Glück, das in der Freundschaft lag.

Wort für Wort
nivartamāne sauhārde prītir nīce praṇaśyati yā caiva phalanirvṛttiḥ sauhṛde caiva yat sukham
Wenn sich Freundschaft wieder löst, geht bei einem Niedrigen die Zuneigung zugrunde, ebenso die daraus entstandene Frucht, und ebenso das Glück, das in der Freundschaft lag.

yatate cāpavādāya yatnam ārabhate kṣaye alpe 'py apakṛte mohān na śāntim upagacchati

Er bemüht sich um Verleumdung, unternimmt Anstrengungen zum Schaden des anderen, und findet, selbst bei geringem Unrecht, aus Verblendung keine Ruhe.

Wort für Wort
yatate cāpavādāya yatnam ārabhate kṣaye alpe 'py apakṛte mohān na śāntim upagacchati
Er bemüht sich um Verleumdung, unternimmt Anstrengungen zum Schaden des anderen, und findet, selbst bei geringem Unrecht, aus Verblendung keine Ruhe.

tādṛśaiḥ saṃgataṃ nīcair nṛśaṃsair akṛtātmabhiḥ niśāmya nipuṇaṃ buddhyā vidvān dūrād vivarjayet

Nachdem er die Gemeinschaft mit solchen Niedrigen, Grausamen, Unbeherrschten mit scharfer Klugheit genau erkannt hat, meide sie der Wissende von Weitem.

Wort für Wort
tādṛśaiḥ saṃgataṃ nīcair nṛśaṃsair akṛtātmabhiḥ niśāmya nipuṇaṃ buddhyā vidvān dūrād vivarjayet
Nachdem er die Gemeinschaft mit solchen Niedrigen, Grausamen, Unbeherrschten mit scharfer Klugheit genau erkannt hat, meide sie der Wissende von Weitem.

yo jñātim anugṛhṇāti daridraṃ dīnam āturam sa putrapaśubhir vṛddhiṃ yaśaś cāvyayam aśnute

Wer einem Verwandten Gnade erweist, der arm, elend und krank ist, der erlangt Wachstum an Söhnen und Vieh und unvergänglichen Ruhm.

Wort für Wort
yo jñātim anugṛhṇāti daridraṃ dīnam āturam sa putrapaśubhir vṛddhiṃ yaśaś cāvyayam aśnute
Wer einem Verwandten Gnade erweist, der arm, elend und krank ist, der erlangt Wachstum an Söhnen und Vieh und unvergänglichen Ruhm.

jñātayo vardhanīyās tair ya icchanty ātmanaḥ śubham kulavṛddhiṃ ca rājendra tasmāt sādhu samācara

Von denen, die ihr eigenes Wohl und das Wachstum der Familie wünschen, o Herrscher der Könige, sollen die Verwandten gefördert werden - darum handle recht.

Wort für Wort
jñātayo vardhanīyās tair ya icchanty ātmanaḥ śubham kulavṛddhiṃ ca rājendra tasmāt sādhu samācara
Von denen, die ihr eigenes Wohl und das Wachstum der Familie wünschen, o Herrscher der Könige, sollen die Verwandten gefördert werden - darum handle recht.

śreyasā yokṣyase rājan kurvāṇo jñātisatkriyām viguṇā hy api saṃrakṣyā jñātayo bharatarṣabha

Du wirst mit Heil verbunden sein, o König, wenn du den Verwandten Gutes tust; denn selbst untugendhafte Verwandte sind zu beschützen, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
śreyasā yokṣyase rājan kurvāṇo jñātisatkriyām viguṇā hy api saṃrakṣyā jñātayo bharatarṣabha
Du wirst mit Heil verbunden sein, o König, wenn du den Verwandten Gutes tust; denn selbst untugendhafte Verwandte sind zu beschützen, o Stier der Bharatas.

kiṃ punar guṇavantas te tvatprasādābhikāṅkṣiṇaḥ prasādaṃ kuru dīnānāṃ pāṇḍavānāṃ viśāṃ pate

Wie viel mehr gilt dies für jene Tugendhaften, die nach deiner Gunst verlangen - erweise den bedrängten Pāṇḍavas deine Gunst, o Herr der Untertanen.

Wort für Wort
kiṃ punar guṇavantas te tvatprasādābhikāṅkṣiṇaḥ prasādaṃ kuru dīnānāṃ pāṇḍavānāṃ viśāṃ pate
Wie viel mehr gilt dies für jene Tugendhaften, die nach deiner Gunst verlangen - erweise den bedrängten Pāṇḍavas deine Gunst, o Herr der Untertanen.

dīyantāṃ grāmakāḥ ke cit teṣāṃ vṛttyartham īśvara evaṃ loke yaśaḥprāpto bhaviṣyasi narādhipa

Gib ihnen einige Dörfer zu ihrem Unterhalt, o Herr; so wirst du in der Welt Ruhm erlangen, o Herrscher der Menschen.

Wort für Wort
dīyantāṃ grāmakāḥ ke cit teṣāṃ vṛttyartham īśvara evaṃ loke yaśaḥprāpto bhaviṣyasi narādhipa
Gib ihnen einige Dörfer zu ihrem Unterhalt, o Herr; so wirst du in der Welt Ruhm erlangen, o Herrscher der Menschen.

vṛddhena hi tvayā kāryaṃ putrāṇāṃ tāta rakṣaṇam mayā cāpi hitaṃ vācyaṃ viddhi māṃ tvaddhitaiṣiṇam

Als Betagter obliegt dir die Aufgabe, alle deine Söhne gleichermaßen zu schützen, o Vater; und auch mir obliegt es, Heilsames zu sagen - erkenne mich als einen, der dein Wohl sucht.

Wort für Wort
vṛddhena hi tvayā kāryaṃ putrāṇāṃ tāta rakṣaṇam mayā cāpi hitaṃ vācyaṃ viddhi māṃ tvaddhitaiṣiṇam
Als Betagter obliegt dir die Aufgabe, alle deine Söhne gleichermaßen zu schützen, o Vater; und auch mir obliegt es, Heilsames zu sagen - erkenne mich als einen, der dein Wohl sucht.

jñātibhir vigrahas tāta na kartavyo bhavārthinā sukhāni saha bhojyāni jñātibhir bharatarṣabha

Streit mit den Verwandten soll, o Vater, nicht führen, wer sein eigenes Gedeihen sucht; Genüsse sollen mit den Verwandten gemeinsam genossen werden, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
jñātibhir vigrahas tāta na kartavyo bhavārthinā sukhāni saha bhojyāni jñātibhir bharatarṣabha
Streit mit den Verwandten soll, o Vater, nicht führen, wer sein eigenes Gedeihen sucht; Genüsse sollen mit den Verwandten gemeinsam genossen werden, o Stier der Bharatas.

saṃbhojanaṃ saṃkathanaṃ saṃprītiś ca parasparam jñātibhiḥ saha kāryāṇi na virodhaḥ kathaṃ cana

Gemeinsames Essen, gemeinsames Gespräch und gegenseitige Zuneigung soll man mit den Verwandten pflegen, niemals aber Feindschaft.

Wort für Wort
saṃbhojanaṃ saṃkathanaṃ saṃprītiś ca parasparam jñātibhiḥ saha kāryāṇi na virodhaḥ kathaṃ cana
Gemeinsames Essen, gemeinsames Gespräch und gegenseitige Zuneigung soll man mit den Verwandten pflegen, niemals aber Feindschaft.

jñātayas tārayantīha jñātayo majjayanti ca suvṛttās tārayantīha durvṛttā majjayanti ca

Verwandte lassen einen hier hindurchtragen, Verwandte lassen einen aber auch untergehen; die von gutem Wandel tragen hindurch, die von schlechtem Wandel lassen untergehen.

Wort für Wort
jñātayas tārayantīha jñātayo majjayanti ca suvṛttās tārayantīha durvṛttā majjayanti ca
Verwandte lassen einen hier hindurchtragen, Verwandte lassen einen aber auch untergehen; die von gutem Wandel tragen hindurch, die von schlechtem Wandel lassen untergehen.

suvṛtto bhava rājendra pāṇḍavān prati mānada adharṣaṇīyaḥ śatrūṇāṃ tair vṛtas tvaṃ bhaviṣyasi

Sei von gutem Wandel gegenüber den Pāṇḍavas, o Herrscher der Könige, du Ehrengebender; von ihnen umgeben, wirst du für Feinde unangreifbar sein.

Wort für Wort
suvṛtto bhava rājendra pāṇḍavān prati mānada adharṣaṇīyaḥ śatrūṇāṃ tair vṛtas tvaṃ bhaviṣyasi
Sei von gutem Wandel gegenüber den Pāṇḍavas, o Herrscher der Könige, du Ehrengebender; von ihnen umgeben, wirst du für Feinde unangreifbar sein.

śrīmantaṃ jñātim āsādya yo jñātir avasīdati digdhahastaṃ mṛga iva sa enas tasya vindati

[?] Wer, einen wohlhabenden Verwandten habend, selbst dennoch als Verwandter verkümmert, der lädt Schuld auf sich, wie ein Wild, das in eine vergiftete Falle gerät.

Wort für Wort
śrīmantaṃ jñātim āsādya yo jñātir avasīdati digdhahastaṃ mṛga iva sa enas tasya vindati
[?] Wer, einen wohlhabenden Verwandten habend, selbst dennoch als Verwandter verkümmert, der lädt Schuld auf sich, wie ein Wild, das in eine vergiftete Falle gerät.

'digdhahastam' (wörtlich 'mit vergifteter Hand/Falle') ist ein Jagdbild, dessen genaue Konstruktion im Deutschen nur sinngemäß wiederzugeben ist.

paścād api naraśreṣṭha tava tāpo bhaviṣyati tān vā hatān sutān vāpi śrutvā tad anucintaya

Auch später noch, o bester der Männer, wird dich Reue befallen, hörst du von jenen oder deinen eigenen Söhnen als Getöteten - bedenke dies.

Wort für Wort
paścād api naraśreṣṭha tava tāpo bhaviṣyati tān vā hatān sutān vāpi śrutvā tad anucintaya
Auch später noch, o bester der Männer, wird dich Reue befallen, hörst du von jenen oder deinen eigenen Söhnen als Getöteten - bedenke dies.

yena khaṭvāṃ samārūḍhaḥ paritapyeta karmaṇā ādāv eva na tat kuryād adhruve jīvite sati

Was einen, hat man sich erst todkrank aufs Krankenlager gelegt, wegen der eigenen Tat quälen würde, das tue man von vornherein nicht, da das Leben unsicher ist.

Wort für Wort
yena khaṭvāṃ samārūḍhaḥ paritapyeta karmaṇā ādāv eva na tat kuryād adhruve jīvite sati
Was einen, hat man sich erst todkrank aufs Krankenlager gelegt, wegen der eigenen Tat quälen würde, das tue man von vornherein nicht, da das Leben unsicher ist.

na kaś cin nāpanayate pumān anyatra bhārgavāt śeṣasaṃpratipattis tu buddhimatsv eva tiṣṭhati

[?] Es gibt keinen Menschen, der sich nicht je verfehlt, außer etwa dem Bhārgava; doch das rechte Handhaben dessen, was übrigbleibt, ist allein den Klugen eigen.

Wort für Wort
na kaś cin nāpanayate pumān anyatra bhārgavāt śeṣasaṃpratipattis tu buddhimatsv eva tiṣṭhati
[?] Es gibt keinen Menschen, der sich nicht je verfehlt, außer etwa dem Bhārgava; doch das rechte Handhaben dessen, was übrigbleibt, ist allein den Klugen eigen.

'Bhārgava' bezieht sich wohl auf den sagenhaften, als fehlerlos geltenden Weisen Śukra; die genaue Pointe des Verses bleibt unsicher, daher [?].

duryodhanena yady etat pāpaṃ teṣu purā kṛtam tvayā tat kulavṛddhena pratyāneyaṃ nareśvara

Wenn Duryodhana ihnen früher dieses Unrecht angetan hat, so ist es von dir, dem Alten der Familie, o Herrscher der Menschen, wiedergutzumachen.

Wort für Wort
duryodhanena yady etat pāpaṃ teṣu purā kṛtam tvayā tat kulavṛddhena pratyāneyaṃ nareśvara
Wenn Duryodhana ihnen früher dieses Unrecht angetan hat, so ist es von dir, dem Alten der Familie, o Herrscher der Menschen, wiedergutzumachen.

tāṃs tvaṃ pade pratiṣṭhāpya loke vigatakalmaṣaḥ bhaviṣyasi naraśreṣṭha pūjanīyo manīṣiṇām

Setzt du sie wieder in ihre rechtmäßige Stellung ein, wirst du, von Schuld befreit, o bester der Männer, von den Weisen verehrt werden.

Wort für Wort
tāṃs tvaṃ pade pratiṣṭhāpya loke vigatakalmaṣaḥ bhaviṣyasi naraśreṣṭha pūjanīyo manīṣiṇām
Setzt du sie wieder in ihre rechtmäßige Stellung ein, wirst du, von Schuld befreit, o bester der Männer, von den Weisen verehrt werden.

suvyāhṛtāni dhīrāṇāṃ phalataḥ pravicintya yaḥ adhyavasyati kāryeṣu ciraṃ yaśasi tiṣṭhati

Wer die wohlgesprochenen Worte der Weisen nach ihrer Frucht bedenkt und danach in seinen Handlungen verfährt, verweilt lange im Ruhm.

Wort für Wort
suvyāhṛtāni dhīrāṇāṃ phalataḥ pravicintya yaḥ adhyavasyati kāryeṣu ciraṃ yaśasi tiṣṭhati
Wer die wohlgesprochenen Worte der Weisen nach ihrer Frucht bedenkt und danach in seinen Handlungen verfährt, verweilt lange im Ruhm.

avṛttiṃ vinayo hanti hanty anarthaṃ parākramaḥ hanti nityaṃ kṣamā krodham ācāro hanty alakṣaṇam

Bescheidenheit vertreibt den Mangel an Auskommen, Tatkraft vertreibt Unheil, Geduld vertreibt stets den Zorn, gutes Betragen vertreibt schlechte Charakterzüge.

Wort für Wort
avṛttiṃ vinayo hanti hanty anarthaṃ parākramaḥ hanti nityaṃ kṣamā krodham ācāro hanty alakṣaṇam
Bescheidenheit vertreibt den Mangel an Auskommen, Tatkraft vertreibt Unheil, Geduld vertreibt stets den Zorn, gutes Betragen vertreibt schlechte Charakterzüge.

paricchadena kṣetreṇa veśmanā paricaryayā parīkṣeta kulaṃ rājan bhojanācchādanena ca

An der Ausstattung, am Grundbesitz, am Haus, an der Dienerschaft, an Speise und Kleidung erkenne man eine Familie, o König.

Wort für Wort
paricchadena kṣetreṇa veśmanā paricaryayā parīkṣeta kulaṃ rājan bhojanācchādanena ca
An der Ausstattung, am Grundbesitz, am Haus, an der Dienerschaft, an Speise und Kleidung erkenne man eine Familie, o König.

yayoś cittena vā cittaṃ naibhṛtaṃ naibhṛtena vā sameti prajñayā prajñā tayor maitrī na jīryate

Deren Herz sich mit dem anderen Herzen, deren verborgenes Wesen mit dem verborgenen Wesen des anderen, deren Einsicht sich mit der anderen Einsicht trifft - deren Freundschaft altert nicht.

Wort für Wort
yayoś cittena vā cittaṃ naibhṛtaṃ naibhṛtena vā sameti prajñayā prajñā tayor maitrī na jīryate
Deren Herz sich mit dem anderen Herzen, deren verborgenes Wesen mit dem verborgenen Wesen des anderen, deren Einsicht sich mit der anderen Einsicht trifft - deren Freundschaft altert nicht.

durbuddhim akṛtaprajñaṃ channaṃ kūpaṃ tṛṇair iva vivarjayīta medhāvī tasmin maitrī praṇaśyati

Den Übelgesinnten, Uneinsichtigen meide der Kluge wie einen mit Gras verdeckten Brunnen; mit einem solchen geht Freundschaft zugrunde.

Wort für Wort
durbuddhim akṛtaprajñaṃ channaṃ kūpaṃ tṛṇair iva vivarjayīta medhāvī tasmin maitrī praṇaśyati
Den Übelgesinnten, Uneinsichtigen meide der Kluge wie einen mit Gras verdeckten Brunnen; mit einem solchen geht Freundschaft zugrunde.

avalipteṣu mūrkheṣu raudrasāhasikeṣu ca tathaivāpetadharmeṣu na maitrīm ācared budhaḥ

Mit Überheblichen, mit Toren, mit Grausamen und Verwegenen sowie mit den vom Recht Abgewichenen schließe der Kluge keine Freundschaft.

Wort für Wort
avalipteṣu mūrkheṣu raudrasāhasikeṣu ca tathaivāpetadharmeṣu na maitrīm ācared budhaḥ
Mit Überheblichen, mit Toren, mit Grausamen und Verwegenen sowie mit den vom Recht Abgewichenen schließe der Kluge keine Freundschaft.

kṛtajñaṃ dhārmikaṃ satyam akṣudraṃ dṛḍhabhaktikam jitendriyaṃ sthitaṃ sthityāṃ mitram atyāgi ceṣyate

Als Freund wünscht man sich einen Dankbaren, Rechtschaffenen, Wahrhaftigen, nicht Kleinlichen, fest Ergebenen, der seine Sinne beherrscht, in Beständigkeit fest und nicht treulos ist.

Wort für Wort
kṛtajñaṃ dhārmikaṃ satyam akṣudraṃ dṛḍhabhaktikam jitendriyaṃ sthitaṃ sthityāṃ mitram atyāgi ceṣyate
Als Freund wünscht man sich einen Dankbaren, Rechtschaffenen, Wahrhaftigen, nicht Kleinlichen, fest Ergebenen, der seine Sinne beherrscht, in Beständigkeit fest und nicht treulos ist.

indriyāṇām anutsargo mṛtyunā na viśiṣyate atyarthaṃ punar utsargaḥ sādayed daivatāny api

Die völlige Unterdrückung der Sinne unterscheidet sich nicht vom Tod; ihre gänzliche Zügellosigkeit hingegen würde selbst Götter zugrunde richten.

Wort für Wort
indriyāṇām anutsargo mṛtyunā na viśiṣyate atyarthaṃ punar utsargaḥ sādayed daivatāny api
Die völlige Unterdrückung der Sinne unterscheidet sich nicht vom Tod; ihre gänzliche Zügellosigkeit hingegen würde selbst Götter zugrunde richten.

mārdavaṃ sarvabhūtānām anasūyā kṣamā dhṛtiḥ āyuṣyāṇi budhāḥ prāhur mitrāṇāṃ cāvimānanā

Sanftmut gegenüber allen Wesen, Freiheit von Missgunst, Geduld, Standhaftigkeit und Nichtgeringschätzung der Freunde - dies, sagen die Weisen, verlängert das Leben.

Wort für Wort
mārdavaṃ sarvabhūtānām anasūyā kṣamā dhṛtiḥ āyuṣyāṇi budhāḥ prāhur mitrāṇāṃ cāvimānanā
Sanftmut gegenüber allen Wesen, Freiheit von Missgunst, Geduld, Standhaftigkeit und Nichtgeringschätzung der Freunde - dies, sagen die Weisen, verlängert das Leben.

apanītaṃ sunītena yo 'rthaṃ pratyāninīṣate matim āsthāya sudṛḍhāṃ tad akāpuruṣavratam

Wer, mit fest gefasstem Entschluss, verlorenes Gut auf rechtem Wege zurückzugewinnen sucht - das ist das Gelübde keines Feiglings.

Wort für Wort
apanītaṃ sunītena yo 'rthaṃ pratyāninīṣate matim āsthāya sudṛḍhāṃ tad akāpuruṣavratam
Wer, mit fest gefasstem Entschluss, verlorenes Gut auf rechtem Wege zurückzugewinnen sucht - das ist das Gelübde keines Feiglings.

āyatyāṃ pratikārajñas tadātve dṛḍhaniścayaḥ atīte kāryaśeṣajño naro 'rthair na prahīyate

Wer für die Zukunft die Abhilfe kennt, in der Gegenwart fest entschlossen ist und über Vergangenes weiß, was noch zu tun übrigbleibt - ein solcher Mensch geht seiner Güter nicht verlustig.

Wort für Wort
āyatyāṃ pratikārajñas tadātve dṛḍhaniścayaḥ atīte kāryaśeṣajño naro 'rthair na prahīyate
Wer für die Zukunft die Abhilfe kennt, in der Gegenwart fest entschlossen ist und über Vergangenes weiß, was noch zu tun übrigbleibt - ein solcher Mensch geht seiner Güter nicht verlustig.

karmaṇā manasā vācā yad abhīkṣṇaṃ niṣevate tad evāpaharaty enaṃ tasmāt kalyāṇam ācaret

Was man durch Tat, Gedanke und Wort beständig pflegt, das eben nimmt einen am Ende mit sich fort; darum übe man das Gute.

Wort für Wort
karmaṇā manasā vācā yad abhīkṣṇaṃ niṣevate tad evāpaharaty enaṃ tasmāt kalyāṇam ācaret
Was man durch Tat, Gedanke und Wort beständig pflegt, das eben nimmt einen am Ende mit sich fort; darum übe man das Gute.

maṅgalālambhanaṃ yogaḥ śrutam utthānam ārjavam bhūtim etāni kurvanti satāṃ cābhīkṣṇadarśanam

Das Ergreifen des Heilsamen, geistige Sammlung, heilige Gelehrsamkeit, Tatkraft, Aufrichtigkeit und der beständige Umgang mit den Guten - diese Dinge bewirken Wohlstand.

Wort für Wort
maṅgalālambhanaṃ yogaḥ śrutam utthānam ārjavam bhūtim etāni kurvanti satāṃ cābhīkṣṇadarśanam
Das Ergreifen des Heilsamen, geistige Sammlung, heilige Gelehrsamkeit, Tatkraft, Aufrichtigkeit und der beständige Umgang mit den Guten - diese Dinge bewirken Wohlstand.

anirvedaḥ śriyo mūlaṃ duḥkhanāśe sukhasya ca mahān bhavaty anirviṇṇaḥ sukhaṃ cātyantam aśnute

Nicht-Verzagen ist die Wurzel des Glücks, sowohl bei der Beendigung des Leids als auch beim Glück selbst; wer nicht verzagt, wird groß und erlangt äußerstes Glück.

Wort für Wort
anirvedaḥ śriyo mūlaṃ duḥkhanāśe sukhasya ca mahān bhavaty anirviṇṇaḥ sukhaṃ cātyantam aśnute
Nicht-Verzagen ist die Wurzel des Glücks, sowohl bei der Beendigung des Leids als auch beim Glück selbst; wer nicht verzagt, wird groß und erlangt äußerstes Glück.

nātaḥ śrīmattaraṃ kiṃ cid anyat pathyatamaṃ tathā prabhaviṣṇor yathā tāta kṣamā sarvatra sarvadā

Nichts anderes ist glückbringender noch heilsamer für den Mächtigen als Geduld, überall und allzeit, o Vater.

Wort für Wort
nātaḥ śrīmattaraṃ kiṃ cid anyat pathyatamaṃ tathā prabhaviṣṇor yathā tāta kṣamā sarvatra sarvadā
Nichts anderes ist glückbringender noch heilsamer für den Mächtigen als Geduld, überall und allzeit, o Vater.

kṣamed aśaktaḥ sarvasya śaktimān dharmakāraṇāt arthānarthau samau yasya tasya nityaṃ kṣamā hitā

Der Schwache übe gegenüber allem Geduld aus Not; der Mächtige übe sie um der Rechtschaffenheit willen; wem Nutzen und Schaden gleich gelten, dem ist Geduld stets zuträglich.

Wort für Wort
kṣamed aśaktaḥ sarvasya śaktimān dharmakāraṇāt arthānarthau samau yasya tasya nityaṃ kṣamā hitā
Der Schwache übe gegenüber allem Geduld aus Not; der Mächtige übe sie um der Rechtschaffenheit willen; wem Nutzen und Schaden gleich gelten, dem ist Geduld stets zuträglich.

yat sukhaṃ sevamāno 'pi dharmārthābhyāṃ na hīyate kāmaṃ tad upaseveta na mūḍhavratam ācaret

Welches Vergnügen man auch pflegen mag, ohne dabei Recht und Nutzen zu vernachlässigen, das pflege man ruhig; man befolge nicht das Gelübde der Toren.

Wort für Wort
yat sukhaṃ sevamāno 'pi dharmārthābhyāṃ na hīyate kāmaṃ tad upaseveta na mūḍhavratam ācaret
Welches Vergnügen man auch pflegen mag, ohne dabei Recht und Nutzen zu vernachlässigen, das pflege man ruhig; man befolge nicht das Gelübde der Toren.

duḥkhārteṣu pramatteṣu nāstikeṣv alaseṣu ca na śrīr vasaty adānteṣu ye cotsāhavivarjitāḥ

Bei den vom Leid Geplagten, den Nachlässigen, den Gottlosen, den Trägen, den Unbeherrschten und denen, die der Tatkraft entbehren, wohnt kein Glück.

Wort für Wort
duḥkhārteṣu pramatteṣu nāstikeṣv alaseṣu ca na śrīr vasaty adānteṣu ye cotsāhavivarjitāḥ
Bei den vom Leid Geplagten, den Nachlässigen, den Gottlosen, den Trägen, den Unbeherrschten und denen, die der Tatkraft entbehren, wohnt kein Glück.

ārjavena naraṃ yuktam ārjavāt savyapatrapam aśaktimantaṃ manyanto dharṣayanti kubuddhayaḥ

Einen Menschen, der aufrichtig und aus Aufrichtigkeit auch schamhaft ist, halten die Übelgesinnten für schwach und bedrängen ihn.

Wort für Wort
ārjavena naraṃ yuktam ārjavāt savyapatrapam aśaktimantaṃ manyanto dharṣayanti kubuddhayaḥ
Einen Menschen, der aufrichtig und aus Aufrichtigkeit auch schamhaft ist, halten die Übelgesinnten für schwach und bedrängen ihn.

atyāryam atidātāram atiśūram ativratam prajñābhimāninaṃ caiva śrīr bhayān nopasarpati

Dem allzu Edlen, dem allzu Freigebigen, dem allzu Tapferen, dem allzu Gelübdetreuen und dem, der sich seiner Klugheit rühmt, naht sich das Glück aus Furcht nicht.

Wort für Wort
atyāryam atidātāram atiśūram ativratam prajñābhimāninaṃ caiva śrīr bhayān nopasarpati
Dem allzu Edlen, dem allzu Freigebigen, dem allzu Tapferen, dem allzu Gelübdetreuen und dem, der sich seiner Klugheit rühmt, naht sich das Glück aus Furcht nicht.

agnihotraphalā vedāḥ śīlavṛttaphalaṃ śrutam ratiputraphalā dārā dattabhuktaphalaṃ dhanam

Die Frucht der Veden ist das Feueropfer, die Frucht der heiligen Gelehrsamkeit ist guter Charakter und Wandel, die Frucht der Gattin ist Liebesfreude und Sohn, die Frucht des Reichtums ist sein Verschenken und Genießen.

Wort für Wort
agnihotraphalā vedāḥ śīlavṛttaphalaṃ śrutam ratiputraphalā dārā dattabhuktaphalaṃ dhanam
Die Frucht der Veden ist das Feueropfer, die Frucht der heiligen Gelehrsamkeit ist guter Charakter und Wandel, die Frucht der Gattin ist Liebesfreude und Sohn, die Frucht des Reichtums ist sein Verschenken und Genießen.

adharmopārjitair arthair yaḥ karoty aurdhvadehikam na sa tasya phalaṃ pretya bhuṅkte 'rthasya durāgamāt

Wer mit unrechtmäßig erworbenem Gut die Totenriten vollzieht, genießt nach dem Tod nicht die Frucht davon, wegen der schlechten Herkunft des Gutes.

Wort für Wort
adharmopārjitair arthair yaḥ karoty aurdhvadehikam na sa tasya phalaṃ pretya bhuṅkte 'rthasya durāgamāt
Wer mit unrechtmäßig erworbenem Gut die Totenriten vollzieht, genießt nach dem Tod nicht die Frucht davon, wegen der schlechten Herkunft des Gutes.

kāntāravanadurgeṣu kṛcchrāsv āpatsu saṃbhrame udyateṣu ca śastreṣu nāsti śeṣavatāṃ bhayam

In unwegsamen Wäldern und Wildnissen, in schwierigen Notlagen, in Verwirrung und wenn Waffen erhoben sind - für die, denen genügend übrigbleibt, gibt es keine Furcht.

Wort für Wort
kāntāravanadurgeṣu kṛcchrāsv āpatsu saṃbhrame udyateṣu ca śastreṣu nāsti śeṣavatāṃ bhayam
In unwegsamen Wäldern und Wildnissen, in schwierigen Notlagen, in Verwirrung und wenn Waffen erhoben sind - für die, denen genügend übrigbleibt, gibt es keine Furcht.

utthānaṃ saṃyamo dākṣyam apramādo dhṛtiḥ smṛtiḥ samīkṣya ca samārambho viddhi mūlaṃ bhavasya tat

Tatkraft, Selbstbeherrschung, Geschicklichkeit, Unachtsamkeitslosigkeit, Standhaftigkeit, Erinnerungsvermögen und wohlerwogenes Beginnen - das, wisse, ist die Wurzel des Gedeihens.

Wort für Wort
utthānaṃ saṃyamo dākṣyam apramādo dhṛtiḥ smṛtiḥ samīkṣya ca samārambho viddhi mūlaṃ bhavasya tat
Tatkraft, Selbstbeherrschung, Geschicklichkeit, Unachtsamkeitslosigkeit, Standhaftigkeit, Erinnerungsvermögen und wohlerwogenes Beginnen - das, wisse, ist die Wurzel des Gedeihens.

tapo balaṃ tāpasānāṃ brahma brahmavidāṃ balam hiṃsā balam asādhūnāṃ kṣamā guṇavatāṃ balam

Askese ist die Kraft der Asketen, das Brahman die Kraft der Brahman-Kenner, Gewalt die Kraft der Schlechten, Geduld die Kraft der Tugendhaften.

Wort für Wort
tapo balaṃ tāpasānāṃ brahma brahmavidāṃ balam hiṃsā balam asādhūnāṃ kṣamā guṇavatāṃ balam
Askese ist die Kraft der Asketen, das Brahman die Kraft der Brahman-Kenner, Gewalt die Kraft der Schlechten, Geduld die Kraft der Tugendhaften.

aṣṭau tāny avrataghnāni āpo mūlaṃ phalaṃ payaḥ havir brāhmaṇakāmyā ca guror vacanam auṣadham

Diese acht Dinge brechen kein Gelübde: Wasser, Wurzeln, Früchte, Milch, Opferspende, das von einem Brahmanen aus Verlangen Genossene, das Wort des Lehrers und Heilmittel.

Wort für Wort
aṣṭau tāny avrataghnāni āpo mūlaṃ phalaṃ payaḥ havir brāhmaṇakāmyā ca guror vacanam auṣadham
Diese acht Dinge brechen kein Gelübde: Wasser, Wurzeln, Früchte, Milch, Opferspende, das von einem Brahmanen aus Verlangen Genossene, das Wort des Lehrers und Heilmittel.

na tatparasya saṃdadhyāt pratikūlaṃ yadātmanaḥ saṃgraheṇaiṣa dharmaḥ syāt kāmād anyaḥ pravartate

Man tue einem anderen nicht das an, was einem selbst zuwider wäre; dies ist, in Kürze gesagt, die Rechtschaffenheit - alles andere entspringt bloßem Begehren.

Wort für Wort
na tatparasya saṃdadhyāt pratikūlaṃ yadātmanaḥ saṃgraheṇaiṣa dharmaḥ syāt kāmād anyaḥ pravartate
Man tue einem anderen nicht das an, was einem selbst zuwider wäre; dies ist, in Kürze gesagt, die Rechtschaffenheit - alles andere entspringt bloßem Begehren.

akrodhena jayet krodham asādhuṃ sādhunā jayet jayet kadaryaṃ dānena jayet satyena cānṛtam

Durch Zornlosigkeit besiege man den Zorn, den Schlechten besiege man durch Güte, den Geizigen besiege man durch Freigebigkeit, die Lüge besiege man durch Wahrheit.

Wort für Wort
akrodhena jayet krodham asādhuṃ sādhunā jayet jayet kadaryaṃ dānena jayet satyena cānṛtam
Durch Zornlosigkeit besiege man den Zorn, den Schlechten besiege man durch Güte, den Geizigen besiege man durch Freigebigkeit, die Lüge besiege man durch Wahrheit.

strīdhūrtake 'lase bhīrau caṇḍe puruṣamānini caure kṛtaghne viśvāso na kāryo na ca nāstike

Einer Frau, einem Betrüger, einem Trägen, einem Feigling, einem Jähzornigen, einem übertrieben auf seine Ehre Bedachten, einem Dieb, einem Undankbaren und einem Gottlosen darf man nicht vertrauen.

Wort für Wort
strīdhūrtake 'lase bhīrau caṇḍe puruṣamānini caure kṛtaghne viśvāso na kāryo na ca nāstike
Einer Frau, einem Betrüger, einem Trägen, einem Feigling, einem Jähzornigen, einem übertrieben auf seine Ehre Bedachten, einem Dieb, einem Undankbaren und einem Gottlosen darf man nicht vertrauen.

abhivādanaśīlasya nityaṃ vṛddhopasevinaḥ catvāri saṃpravardhante kīrtir āyur yaśobalam

Wer stets ehrerbietig grüßt und beständig den Alten dient, dem wachsen vier Dinge: Ruhm, Lebensalter, Ehre und Kraft.

Wort für Wort
abhivādanaśīlasya nityaṃ vṛddhopasevinaḥ catvāri saṃpravardhante kīrtir āyur yaśobalam
Wer stets ehrerbietig grüßt und beständig den Alten dient, dem wachsen vier Dinge: Ruhm, Lebensalter, Ehre und Kraft.

atikleśena ye 'rthāḥ syur dharmasyātikrameṇa ca arer vā praṇipātena mā sma teṣu manaḥ kṛthāḥ

Güter, die durch übergroße Mühsal, durch Übertretung der Rechtschaffenheit oder durch Unterwerfung unter einen Feind erworben würden - richte deinen Sinn nicht auf solche.

Wort für Wort
atikleśena ye 'rthāḥ syur dharmasyātikrameṇa ca arer vā praṇipātena mā sma teṣu manaḥ kṛthāḥ
Güter, die durch übergroße Mühsal, durch Übertretung der Rechtschaffenheit oder durch Unterwerfung unter einen Feind erworben würden - richte deinen Sinn nicht auf solche.

avidyaḥ puruṣaḥ śocyaḥ śocyaṃ mithunam aprajam nirāhārāḥ prajāḥ śocyāḥ śocyaṃ rāṣṭram arājakam

Zu beklagen ist der ungebildete Mensch, zu beklagen ein kinderloses Paar, zu beklagen ein Volk ohne Nahrung, zu beklagen ein Reich ohne König.

Wort für Wort
avidyaḥ puruṣaḥ śocyaḥ śocyaṃ mithunam aprajam nirāhārāḥ prajāḥ śocyāḥ śocyaṃ rāṣṭram arājakam
Zu beklagen ist der ungebildete Mensch, zu beklagen ein kinderloses Paar, zu beklagen ein Volk ohne Nahrung, zu beklagen ein Reich ohne König.

adhvā jarā dehavatāṃ parvatānāṃ jalaṃ jarā asaṃbhogo jarā strīṇāṃ vākśalyaṃ manaso jarā

Der beschwerliche Weg ist das Altern der Körperlichen, Wasser ist das Altern der Berge, Entbehrung der Liebe ist das Altern der Frauen, ein verletzendes Wort ist das Altern des Gemüts.

Wort für Wort
adhvā jarā dehavatāṃ parvatānāṃ jalaṃ jarā asaṃbhogo jarā strīṇāṃ vākśalyaṃ manaso jarā
Der beschwerliche Weg ist das Altern der Körperlichen, Wasser ist das Altern der Berge, Entbehrung der Liebe ist das Altern der Frauen, ein verletzendes Wort ist das Altern des Gemüts.

anāmnāyamalā vedā brāhmaṇasyāvrataṃ malam kautūhalamalā sādhvī vipravāsamalāḥ striyaḥ

Die Vernachlässigung des Rezitierens ist der Makel der Veden, das Fehlen von Gelübden ist der Makel des Brahmanen, Neugier ist der Makel der tugendhaften Frau, zu langes Getrenntsein vom Gatten ist der Makel der Frauen.

Wort für Wort
anāmnāyamalā vedā brāhmaṇasyāvrataṃ malam kautūhalamalā sādhvī vipravāsamalāḥ striyaḥ
Die Vernachlässigung des Rezitierens ist der Makel der Veden, das Fehlen von Gelübden ist der Makel des Brahmanen, Neugier ist der Makel der tugendhaften Frau, zu langes Getrenntsein vom Gatten ist der Makel der Frauen.

suvarṇasya malaṃ rūpyaṃ rūpyasyāpi malaṃ trapu jñeyaṃ trapumalaṃ sīsaṃ sīsasyāpi malaṃ malam

Silber ist der Makel des Goldes, Zinn wiederum ist der Makel des Silbers, Blei ist, wisse, der Makel des Zinns, und Schlacke ist der Makel des Bleis selbst.

Wort für Wort
suvarṇasya malaṃ rūpyaṃ rūpyasyāpi malaṃ trapu jñeyaṃ trapumalaṃ sīsaṃ sīsasyāpi malaṃ malam
Silber ist der Makel des Goldes, Zinn wiederum ist der Makel des Silbers, Blei ist, wisse, der Makel des Zinns, und Schlacke ist der Makel des Bleis selbst.

na svapnena jayen nidrāṃ na kāmena striyaṃ jayet nendhanena jayed agniṃ na pānena surāṃ jayet

Nicht durch Schlaf besiegt man den Schlaf, nicht durch Begehren besiegt man das Verlangen nach einer Frau, nicht durch Brennstoff besiegt man das Feuer, nicht durch Trinken besiegt man das Verlangen nach Wein.

Wort für Wort
na svapnena jayen nidrāṃ na kāmena striyaṃ jayet nendhanena jayed agniṃ na pānena surāṃ jayet
Nicht durch Schlaf besiegt man den Schlaf, nicht durch Begehren besiegt man das Verlangen nach einer Frau, nicht durch Brennstoff besiegt man das Feuer, nicht durch Trinken besiegt man das Verlangen nach Wein.

yasya dānajitaṃ mitram amitrā yudhi nirjitāḥ annapānajitā dārāḥ saphalaṃ tasya jīvitam

Wessen Freund durch Freigebigkeit gewonnen, wessen Feinde im Kampf besiegt und wessen Gattin durch Speise und Trank für sich gewonnen ist - dessen Leben ist fruchtbringend.

Wort für Wort
yasya dānajitaṃ mitram amitrā yudhi nirjitāḥ annapānajitā dārāḥ saphalaṃ tasya jīvitam
Wessen Freund durch Freigebigkeit gewonnen, wessen Feinde im Kampf besiegt und wessen Gattin durch Speise und Trank für sich gewonnen ist - dessen Leben ist fruchtbringend.

sahasriṇo 'pi jīvanti jīvanti śatinas tathā dhṛtarāṣṭraṃ vimuñcecchāṃ na kathaṃ cin na jīvyate

[?] Manche leben mit Tausenden, ebenso leben andere mit nur Hunderten - gib, o Dhṛtarāṣṭra, das maßlose Verlangen auf; auf keine Weise bleibt einem das Leben gänzlich versagt.

Wort für Wort
sahasriṇo 'pi jīvanti jīvanti śatinas tathā dhṛtarāṣṭraṃ vimuñcecchāṃ na kathaṃ cin na jīvyate
[?] Manche leben mit Tausenden, ebenso leben andere mit nur Hunderten - gib, o Dhṛtarāṣṭra, das maßlose Verlangen auf; auf keine Weise bleibt einem das Leben gänzlich versagt.

Sinngemäß: Menschen kommen mit dem zurecht, was sie haben, ob viel oder wenig - eine Mahnung gegen Dhṛtarāṣṭras Gier nach uneingeschränkter Herrschaft.

yat pṛthivyāṃ vrīhiyavaṃ hiraṇyaṃ paśavaḥ striyaḥ nālam ekasya tat sarvam iti paśyan na muhyati

Was auf Erden an Reis, Gerste, Gold, Vieh und Frauen ist - all das genügt nicht einem Einzigen; wer dies erkennt, verfällt nicht der Verblendung.

Wort für Wort
yat pṛthivyāṃ vrīhiyavaṃ hiraṇyaṃ paśavaḥ striyaḥ nālam ekasya tat sarvam iti paśyan na muhyati
Was auf Erden an Reis, Gerste, Gold, Vieh und Frauen ist - all das genügt nicht einem Einzigen; wer dies erkennt, verfällt nicht der Verblendung.

rājan bhūyo bravīmi tvāṃ putreṣu samam ācara samatā yadi te rājan sveṣu pāṇḍusuteṣu ca

O König, noch einmal sage ich dir: verhalte dich gegenüber allen Söhnen gleich - dann wirst du, wenn Gleichheit zwischen den Deinen und den Söhnen des Pāṇḍu herrscht, [wahrhaft glücklich sein].

Wort für Wort
rājan bhūyo bravīmi tvāṃ putreṣu samam ācara samatā yadi te rājan sveṣu pāṇḍusuteṣu ca
O König, noch einmal sage ich dir: verhalte dich gegenüber allen Söhnen gleich - dann wirst du, wenn Gleichheit zwischen den Deinen und den Söhnen des Pāṇḍu herrscht, [wahrhaft glücklich sein].

Der Bedingungssatz ("wenn du Gleichheit übst...") bleibt im Sanskrit ohne ausgeführten Hauptsatz (elliptischer Sentenzenstil); die Übersetzung ergänzt sinngemäß in eckigen Klammern. Kap.40 setzt danach mit einem neuen Thema fort, keine wörtliche Fortführung.

Dieses Kapitel in der Leseansicht