Kapitel 193: Sthūṇaśāpaḥ
Der Tausch mit dem Yakṣa und der Abschluss von Bhīṣmas Erzählung
Der Yakṣa Sthūṇa willigt ein, mit Śikhaṇḍinī für eine Zeit die Geschlechtsmerkmale zu tauschen, damit sie als Mann nach Hause zurückkehren kann; beide schwören, einander nicht zu hintergehen. Als Mann kehrt Śikhaṇḍin - nun endgültig als Sohn Drupadas anerkannt - in die Stadt zurück; der misstrauische König von Daśārṇa lässt die Wahrheit durch Botinnen überprüfen und zieht sich, zufrieden gestellt, versöhnt zurück. Kurz darauf entdeckt Kubera bei einem Besuch, dass Sthūṇa sich aus Scham nicht zeigt, und verflucht ihn, dauerhaft eine Frau zu bleiben; auf Fürbitten der Yakṣas mildert er den Fluch dahingehend, dass Sthūṇa seine ursprüngliche Gestalt erst nach Śikhaṇḍins Tod im Kampf zurückerhalten wird. Śikhaṇḍin selbst wird zusammen mit den Kuru-Prinzen und Dhṛṣṭadyumna von Droṇa in der Bogenkunst unterwiesen. Bhīṣma beschließt seinen langen Bericht mit der Bekräftigung seines Gelübdes, niemals gegen eine Frau, eine vormalige Frau oder eine Person mit weiblichem Namen oder weiblicher Gestalt zu kämpfen, und erklärt, warum er Śikhaṇḍin - die wiedergeborene Ambā - unter keinen Umständen töten werde. Mit dem letzten Vers endet Bhīṣmas seit Kap.189 durchgehend offener Bericht; die Erzählung kehrt zu Saṃjayas Bericht an Dhṛtarāṣṭra über Duryodhanas Reaktion zurück.
bhīṣma uvāca śikhaṇḍivākyaṃ śrutvātha sa yakṣo bharatarṣabha provāca manasā cintya daivenopanipīḍitaḥ bhavitavyaṃ tathā tad dhi mama duḥkhāya kaurava
Bhīṣma sprach weiter: Nachdem er Śikhaṇḍins Worte gehört hatte, habe jener Yakṣa, Stier der Bharatas, in seinem Sinn nachdenkend, vom Schicksal bedrängt, gesprochen: es müsse wohl so sein; dies gereiche ihm freilich zum Leide, Kaurava.
Wort für Wort
bhīṣmaḥ uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
śikhaṇḍivākyam śrutvā atha
nachdem er Śikhaṇḍins Worte gehört hatte (Absolutiv)
saḥ yakṣaḥ
jener Yakṣa (Nom. Sg.)
bharatarṣabha
o Stier der Bharatas (Vok. Sg.)
provāca manasā cintya
er sprach, nachdem er in seinem Sinn nachgedacht hatte (Perf. + Absolutiv)
bhadre kāmaṃ kariṣyāmi samayaṃ tu nibodha me kiṃ cit kālāntaraṃ dāsye puṃliṅgaṃ svam idaṃ tava āgantavyaṃ tvayā kāle satyam etad bravīmi te
Er werde, Gute, den Wunsch erfüllen; sie möge aber seine Bedingung vernehmen: für eine gewisse Zeitspanne werde er ihr sein eigenes männliches Wesen geben; zur rechten Zeit müsse sie wiederkommen - dies sage er ihr wahrhaftig.
Wort für Wort
bhadre
o Gute (Vok. Sg.)
kāmam kariṣyāmi
ich werde den Wunsch erfüllen (Fut. 1.Sg.)
samayam tu nibodha me
vernimm aber meine Bedingung! (Imp. 2.Sg.)
kiṃ cit kālāntaram
für eine gewisse Zeitspanne (Akk. Sg.)
dāsye puṃliṅgam svam idam
ich werde dieses mein eigenes männliches Merkmal geben (Fut. Med. 1.Sg.)
tava
dir (Dat. Sg.)
āgantavyam tvayā kāle
du musst zur rechten Zeit wiederkommen (Ger. + Instr.)
Er sprach weiter: er sei ein Herr, vollkommen durch Willenskraft, ein Gestaltwandler, der sich nach Belieben durch die Lüfte bewege; durch seine Gnade möge sie die Stadt sowie ihre Verwandten allein retten.
Wort für Wort
prabhuḥ saṃkalpasiddhaḥ asmi
ich bin ein durch Willenskraft vollkommener Herr (Nom. Sg. + Präs. 1.Sg.)
kāmarūpī vihaṃgamaḥ
ein nach Belieben gestaltwandelnder Luftwandler (Nom. Sg.)
Śikhaṇḍī habe gesprochen: sie werde ihm dieses Merkmal wieder zurückgeben, Herr; für eine gewisse Zeitspanne möge er das Frausein tragen, Nachtwandler.
Wenn der Daśārṇa-König Hemavarman wieder abgereist sei, werde sie wieder ein Mädchen werden, und er werde ein Mann sein.
Wort für Wort
pratiprayāte
als er wieder abgereist ist (Lok. abs., Absolutiv-artig)
dāśārṇe pārthive hemavarmaṇi
der Daśārṇa-König Hemavarman (Lok. Sg.)
kanyā eva aham bhaviṣyāmi
ich werde wieder ein Mädchen werden (Fut. 1.Sg.)
puruṣaḥ tvam bhaviṣyasi
du wirst ein Mann sein (Fut. 2.Sg.)
[?] 'Hemavarman' ist offenbar ein weiterer Name desselben zuvor als Hiraṇyavarman bzw. Kāñcanavarman bezeichneten Königs von Daśārṇa (alle drei Namen bedeuten sinngemäß 'goldene Rüstung').
bhīṣma uvāca ity uktvā samayaṃ tatra cakrāte tāv ubhau nṛpa anyonyasyānabhidrohe tau saṃkrāmayatāṃ tataḥ
Bhīṣma sprach weiter: Nachdem sie so gesprochen hatten, hätten jene beiden dort, König, eine Übereinkunft der gegenseitigen Nicht-Hintergehung getroffen; dann hätten sie beide ihre Wesensart getauscht.
Wort für Wort
bhīṣmaḥ uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
iti uktvā
nachdem sie so gesprochen hatten (Absolutiv)
samayam tatra cakrāte
sie schlossen dort eine Übereinkunft (Perf. Med. 3.Du.)
tataḥ śikhaṇḍī pāñcālyaḥ puṃstvam āsādya pārthiva viveśa nagaraṃ hṛṣṭaḥ pitaraṃ ca samāsadat yathāvṛttaṃ tu tat sarvam ācakhyau drupadasya ca
Dann sei Śikhaṇḍin, der Pāñcālya, nachdem er die Männlichkeit erlangt hatte, König, freudig in die Stadt eingetreten und habe sich zu seinem Vater begeben; und er habe Drupada alles, wie es sich zugetragen hatte, berichtet.
Wort für Wort
tataḥ śikhaṇḍī pāñcālyaḥ
dann Śikhaṇḍin, der Pāñcālya (Nom. Sg.)
puṃstvam āsādya
nachdem er die Männlichkeit erlangt hatte (Absolutiv)
pārthiva
o König (Vok. Sg.)
viveśa nagaram hṛṣṭaḥ
er trat freudig in die Stadt ein (Perf. 3.Sg.)
pitaram ca samāsadat
und er begab sich zu seinem Vater (Impf. 3.Sg.)
yathāvṛttam tu tat sarvam
aber all dies, wie es sich zugetragen hatte (Akk. Sg.)
Drupada habe, nachdem er dies von ihm gehört hatte, höchste Freude empfunden, zusammen mit seiner Gemahlin; und er habe sich da an das Wort des großen Herrn erinnert.
Wort für Wort
drupadaḥ tasya tat śrutvā
Drupada, nachdem er dies von ihm gehört hatte (Absolutiv)
brūhi madvacanād dūta pāñcālyaṃ taṃ nṛpādhamam yad vai kanyāṃ svakanyārthe vṛtavān asi durmate phalaṃ tasyāvalepasya drakṣyasy adya na saṃśayaḥ
Er sprach: der Bote möge in seinem Namen jenem niederträchtigen König der Pāñcālas sagen: weil er fürwahr um seine Tochter für seine eigene Tochter geworben habe, Übelgesinnter, werde er heute ohne Zweifel die Frucht dieser Vermessenheit sehen.
Wort für Wort
brūhi madvacanāt
sage in meinem Namen! (Imp. 2.Sg.)
dūta
o Bote (Vok. Sg.)
pāñcālyam tam nṛpādhamam
jenem niederträchtigen König der Pāñcālas (Akk. Sg.)
yat vai kanyām svakanyārthe vṛtavān asi
weil du fürwahr um meine Tochter für deine eigene Tochter geworben hast (Perf. Part. + Präs. 2.Sg.)
durmate
o Übelgesinnter (Vok. Sg.)
phalam tasya avalepasya
die Frucht dieser Vermessenheit (Akk. Sg.)
drakṣyasi adya na saṃśayaḥ
du wirst heute ohne Zweifel sehen (Fut. 2.Sg.)
[?] Die vom König von Daśārṇa an seinen Boten übergebene, im Folgenden übermittelte Botschaft (V.014, V.018-019) bleibt als eingebettete Rede indirekt wiedergegeben.
tata āsādayām āsa purodhā drupadaṃ pure tasmai pāñcālako rājā gām arghyaṃ ca susatkṛtam prāpayām āsa rājendra saha tena śikhaṇḍinā
Dann habe der Priester Drupada in der Stadt aufgesucht; der König der Pāñcālas habe ihm, gebührend geehrt, zusammen mit Śikhaṇḍin eine Kuh und die Ehrengabe dargebracht, bester der Könige.
Wort für Wort
tataḥ āsādayām āsa
dann suchte er auf (Perf. periphr. 3.Sg.)
purodhā drupadam pure
der Priester Drupada in der Stadt (Nom. + Akk.)
tasmai pāñcālakaḥ rājā
ihm der König der Pāñcālas (Dat. + Nom.)
gām arghyam ca susatkṛtam
eine Kuh und die gebührend dargebrachte Ehrengabe (Akk. Sg.)
tāṃ pūjāṃ nābhyanandat sa vākyaṃ cedam uvāca ha yad uktaṃ tena vīreṇa rājñā kāñcanavarmaṇā
Er habe jene Ehrung nicht willkommen geheißen und habe fürwahr dieses Wort gesprochen, das ihm von jenem heldenhaften König Kāñcanavarman aufgetragen worden war.
Wort für Wort
tām pūjām na abhyanandat
er hieß jene Ehrung nicht willkommen (Impf. 3.Sg., negiert)
saḥ vākyam ca idam uvāca ha
und er sprach fürwahr dieses Wort (Perf. 3.Sg.)
yat uktam tena vīreṇa rājñā
das von jenem heldenhaften König gesagt worden war (PPP Nom.)
Weil er von ihm, dem niederträchtig Handelnden, um der Tochter willen betrogen worden sei - für die Begehung dieser Sünde möge er, Übelgesinnter, die Frucht empfangen.
Wort für Wort
yat te aham
weil ich von dir (Instr. + Nom. 1.Sg.)
adhamācāra
o niederträchtig Handelnder (Vok. Sg.)
duhitrarthe asmi vañcitaḥ
ich bin um der Tochter willen betrogen worden (PPP + Präs. 1.Sg.)
dehi yuddhaṃ narapate mamādya raṇamūrdhani uddhariṣyāmi te sadyaḥ sāmātyasutabāndhavam
Er möge ihm heute, Herr der Menschen, an der Spitze der Schlacht Kampf liefern; er werde ihn sogleich samt Ministern, Söhnen und Verwandten vernichten.
Wort für Wort
dehi yuddham
gib Kampf! (Imp. 2.Sg.)
narapate
o Herr der Menschen (Vok. Sg.)
mama adya raṇamūrdhani
mir heute an der Spitze der Schlacht (Dat. + Lok.)
tad upālambhasaṃyuktaṃ śrāvitaḥ kila pārthivaḥ daśārṇapatidūtena mantrimadhye purodhasā
Diese mit Vorwurf verbundene Botschaft habe der König, so heißt es, durch den Boten des Herrschers von Daśārṇa - den Priester - inmitten seiner Minister zu hören bekommen.
Wort für Wort
tat upālambhasaṃyuktam
diese mit Vorwurf verbundene Botschaft (Akk. Sg.)
śrāvitaḥ kila pārthivaḥ
der König wurde, so heißt es, zu hören gemacht (PPP Nom.)
daśārṇapatidūtena
durch den Boten des Herrschers von Daśārṇa (Instr. Sg.)
abravīd bharataśreṣṭha drupadaḥ praṇayānataḥ yad āha māṃ bhavān brahman saṃbandhivacanād vacaḥ tasyottaraṃ prativaco dūta eva vadiṣyati
Drupada, bester der Bharatas, in Höflichkeit sich verneigend, habe gesagt: was auch immer er, Brahmane, ihm im Namen seines Verwandten durch Heirat an Worten gesagt habe, dessen Erwiderung werde eben der Bote selbst überbringen.
Wort für Wort
abravīt
er sprach (Impf. 3.Sg.)
bharataśreṣṭha
o bester der Bharatas (Vok. Sg.)
drupadaḥ praṇayānataḥ
Drupada, in Höflichkeit sich verneigend (Nom. Sg.)
yat āha mām bhavān
was du, Verehrter, mir gesagt hast (Perf. 3.Sg.)
brahman
o Brahmane (Vok. Sg.)
saṃbandhivacanāt vacaḥ
das Wort im Namen des Verwandten durch Heirat (Abl. + Akk.)
tasya uttaram prativacaḥ
dessen erwidernde Antwort (Akk. Sg.)
dūtaḥ eva vadiṣyati
der Bote selbst wird sagen (Fut. 3.Sg.)
[?] Drupadas Antwort und die anschließende diplomatische Klärung (V.021-027) bleiben indirekt wiedergegeben.
samāgamya tu rājñā sa daśārṇapatinā tadā tad vākyam ādade rājan yad uktaṃ drupadena ha
Nachdem er sich mit dem König, dem Herrscher von Daśārṇa, getroffen hatte, habe er da jenes Wort überbracht, König, das von Drupada fürwahr gesprochen worden war.
Wort für Wort
samāgamya tu rājñā
nachdem er sich aber mit dem König getroffen hatte (Absolutiv)
saḥ daśārṇapatinā tadā
er mit dem Herrscher von Daśārṇa da (Instr. Sg.)
tat vākyam ādade
er überbrachte jenes Wort (Perf. Med. 3.Sg.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
yat uktam drupadena ha
das von Drupada fürwahr gesprochen worden war (PPP Nom.)
āgamaḥ kriyatāṃ vyaktaṃ kumāro vai suto mama mithyaitad uktaṃ kenāpi tan na śraddheyam ity uta
Er ließ übermitteln: eine klare Untersuchung solle angestellt werden; sein Sohn sei fürwahr männlich; dies sei von irgendjemandem fälschlich behauptet worden; man solle dem keinen Glauben schenken.
Wort für Wort
āgamaḥ kriyatām vyaktam
eine klare Untersuchung soll angestellt werden (Pass. Imp. 3.Sg.)
kumāraḥ vai sutaḥ mama
mein Sohn ist fürwahr [ein Mann] (Nom. Sg.)
mithyā etat uktam kena api
dies wurde von irgendjemandem fälschlich gesagt (PPP Nom.)
tat na śraddheyam iti uta
dem soll kein Glauben geschenkt werden, so (Ger. Nom., negiert)
tataḥ sa rājā drupadasya śrutvā; vimarśayukto yuvatīr variṣṭhāḥ saṃpreṣayām āsa sucārurūpāḥ; śikhaṇḍinaṃ strī pumān veti vettum
Dann habe jener König, nachdem er dies von Drupada gehört hatte, mit prüfendem Sinn vorzügliche, sehr schöne junge Frauen entsandt, um zu erfahren, ob Śikhaṇḍin eine Frau oder ein Mann sei.
Wort für Wort
tataḥ saḥ rājā drupadasya śrutvā
dann jener König, nachdem er von Drupada gehört hatte (Absolutiv)
vimarśayuktaḥ
mit prüfendem Sinn (Nom. Sg.)
yuvatīḥ variṣṭhāḥ
vorzügliche junge Frauen (Akk. Pl.)
saṃpreṣayām āsa sucārurūpāḥ
er entsandte sehr schöne (Perf. periphr. 3.Sg. + Akk. Pl.)
śikhaṇḍinam strī pumān vā iti vettum
um zu erfahren, ob Śikhaṇḍin Frau oder Mann sei (Inf.)
Jene Entsandten hätten, nachdem sie den wahren Sachverhalt erkannt hatten, mit Freude dem König, dem Herrscher von Daśārṇa, alles berichtet, Herr der Kauravas: dass Śikhaṇḍin fürwahr ein hochherziger Mann sei.
Wort für Wort
tāḥ preṣitāḥ
jene Entsandten (Nom. Pl.)
tattvabhāvam viditvā
nachdem sie den wahren Sachverhalt erkannt hatten (Absolutiv)
tataḥ kṛtvā tu rājā sa āgamaṃ prītimān atha saṃbandhinā samāgamya hṛṣṭo vāsam uvāsa ha
Dann habe jener König, nachdem er die Untersuchung durchgeführt hatte, erfreut, nachdem er sich mit seinem Verwandten durch Heirat getroffen hatte, hocherfreut fürwahr dort geweilt.
Wort für Wort
tataḥ kṛtvā tu rājā saḥ āgamam
dann jener König, nachdem er die Untersuchung durchgeführt hatte (Absolutiv)
prītimān atha
erfreut da (Nom. Sg.)
saṃbandhinā samāgamya
nachdem er sich mit dem Verwandten getroffen hatte (Absolutiv)
śikhaṇḍine ca muditaḥ prādād vittaṃ janeśvaraḥ hastino 'śvāṃś ca gāś caiva dāsyo bahuśatās tathā pūjitaś ca pratiyayau nivartya tanayāṃ kila
Und der hocherfreute Herr der Menschen habe Śikhaṇḍin Reichtümer gegeben - Elefanten, Pferde und Kühe, sowie ebenso viele hundert Dienerinnen; und, geehrt, sei er, nachdem er die Angelegenheit seiner Tochter geregelt hatte, fürwahr abgereist.
Wort für Wort
śikhaṇḍine ca muditaḥ
und dem Śikhaṇḍin, erfreut (Dat. + Nom.)
prādāt vittam janeśvaraḥ
der Herr der Menschen gab Reichtum (Impf. 3.Sg.)
hastinaḥ aśvān ca gāḥ ca eva
Elefanten, Pferde und Kühe (Akk. Pl.)
dāsyaḥ bahuśatāḥ tathā
und ebenso viele hundert Dienerinnen (Akk. Pl.)
pūjitaḥ ca pratiyayau
und, geehrt, reiste er ab (Perf. 3.Sg.)
nivartya tanayām kila
nachdem er die Angelegenheit seiner Tochter geregelt hatte, so heißt es (Absolutiv)
[?] 'nivartya tanayāṃ' ist unsicher - wörtlich 'nachdem er seine Tochter zur Umkehr gebracht/zurückgewendet hatte'; vermutlich ist gemeint, dass Hiraṇyavarman die Angelegenheit um seine Tochter (ihre bestätigte Ehe mit Śikhaṇḍin) endgültig beilegte, bevor er abreiste.
vinītakilbiṣe prīte hemavarmaṇi pārthive pratiyāte tu dāśārṇe hṛṣṭarūpā śikhaṇḍinī
Als der König Hemavarman, von seiner Schuld befreit und versöhnt, abgereist war - der Herrscher von Daśārṇa - da sei Śikhaṇḍinī von freudiger Gestalt gewesen.
Wort für Wort
vinītakilbiṣe prīte
als er von Schuld befreit und versöhnt war (Lok. abs.)
Er, der Hüter der Schätze, über jenem Haus schwebend, habe hinabgeschaut, als er die Wohnstätte des Yakṣa Sthūṇa erblickte - schön geschmückt, bunt mit Blumengirlanden.
Wort für Wort
saḥ tadgṛhasya upari vartamānaḥ
er, über jenem Haus befindlich (Nom. Sg. Part.)
ālokayām āsa
er blickte hinab (Perf. periphr. 3.Sg.)
dhanādhigoptā
der Hüter der Schätze (Nom. Sg.)
sthūṇasya yakṣasya niśāmya veśma
als er die Wohnstätte des Yakṣa Sthūṇa erblickte (Absolutiv + Akk.)
svalaṃkṛtam mālyaguṇaiḥ vicitram
schön geschmückt, bunt mit Blumengirlanden (Akk. Sg.)
lājaiś ca gandhaiś ca tathā vitānair; abhyarcitaṃ dhūpanadhūpitaṃ ca dhvajaiḥ patākābhir alaṃkṛtaṃ ca; bhakṣyānnapeyāmiṣadattahomam
Mit geröstetem Korn und Wohlgerüchen sowie mit Baldachinen geehrt und mit Räucherwerk durchduftet, mit Bannern und Fahnen geschmückt, mit dargebrachten Opfergaben von Speise, Trank und Fleisch.
Wort für Wort
lājaiḥ ca gandhaiḥ ca tathā vitānaiḥ
mit geröstetem Korn, Wohlgerüchen und Baldachinen (Instr. Pl.)
abhyarcitam
geehrt (Nom./Akk. Sg.)
dhūpanadhūpitam ca
und mit Räucherwerk durchduftet (Nom./Akk. Sg.)
dhvajaiḥ patākābhiḥ alaṃkṛtam ca
und mit Bannern und Fahnen geschmückt (Instr. + Nom./Akk.)
bhakṣyānnapeyāmiṣadattahomam
mit dargebrachten Opfergaben von Speise, Trank und Fleisch (Nom./Akk. Sg.)
Diese Wohnstätte des Sthūṇa sei wohlgeschmückt, ihr von unermesslicher Kraft; doch warum nahe er sich ihm heute nicht, der Schwachsinnige?
Wort für Wort
svalaṃkṛtam idam veśma sthūṇasya
diese wohlgeschmückte Wohnstätte des Sthūṇa (Nom. Sg.)
amitavikramāḥ
o ihr von unermesslicher Kraft (Vok. Pl.)
na upasarpati mām ca api
und er naht sich mir auch nicht (Präs. 3.Sg., negiert)
kasmāt adya sumandadhīḥ
warum heute, der Schwachsinnige (Nom. Sg.)
[?] Kuberas Rede an die Yakṣas und ihre Antwort (V.034-038) sowie das folgende Strafgericht (V.039-052) bleiben, wie alle übrige Figurenrede innerhalb von Bhīṣmas fortlaufendem Zitat, indirekt wiedergegeben.
Die Yakṣas hätten gesprochen: die Tochter des Königs Drupada, o König, sei als Śikhaṇḍinī geboren worden; ihr habe er aus einem gewissen Grund das Merkmal der Männlichkeit gegeben.
etasmāt kāraṇād rājan sthūṇo na tvādya paśyati śrutvā kuru yathānyāyaṃ vimānam iha tiṣṭhatām
Aus diesem Grund, o König, erscheine Sthūṇa jetzt nicht vor ihm; nachdem er dies gehört habe, möge er tun, was recht sei - sein Wagen möge hier verweilen.
Wort für Wort
etasmāt kāraṇāt
aus diesem Grund (Abl. Sg.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
sthūṇaḥ na tvā adya paśyati
Sthūṇa sieht dich jetzt nicht (Präs. 3.Sg., negiert)
śrutvā kuru yathānyāyam
nachdem du gehört hast, tue wie es recht ist! (Absolutiv + Imp.)
bhīṣma uvāca ānīyatāṃ sthūṇa iti tato yakṣādhipo 'bravīt kartāsmi nigrahaṃ tasyety uvāca sa punaḥ punaḥ
Bhīṣma sprach weiter: Sthūṇa solle herbeigebracht werden - so habe da der Herr der Yakṣas gesagt; er werde ihn bestrafen - so habe er immer wieder gesagt.
Wort für Wort
bhīṣmaḥ uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
ānīyatām sthūṇaḥ iti
Sthūṇa soll herbeigebracht werden, so (Pass. Imp. 3.Sg.)
tataḥ yakṣādhipaḥ abravīt
da sprach der Herr der Yakṣas (Impf. 3.Sg.)
kartā asmi nigraham tasya iti
ich werde ihn bestrafen, so (Nom. Sg. + Präs. 1.Sg.)
tato 'bravīd yakṣapatir mahātmā; yasmād adās tv avamanyeha yakṣān śikhaṇḍine lakṣaṇaṃ pāpabuddhe; strīlakṣaṇaṃ cāgrahīḥ pāpakarman
Dann habe der hochherzige Herr der Yakṣas gesprochen: weil er, die Yakṣas hier missachtend, Übelgesinnter, Śikhaṇḍin das Merkmal gegeben und das Merkmal der Frau angenommen habe, Übeltäter -
Wort für Wort
tataḥ abravīt yakṣapatiḥ mahātmā
dann sprach der hochherzige Herr der Yakṣas (Impf. 3.Sg.)
yasmāt adāḥ tu avamanya iha yakṣān
weil du, die Yakṣas hier missachtend, gabst (Impf. 2.Sg. + Absolutiv)
śikhaṇḍine lakṣaṇam
dem Śikhaṇḍin das Merkmal (Dat. + Akk.)
pāpabuddhe
o Übelgesinnter (Vok. Sg.)
strīlakṣaṇam ca agrahīḥ
und das Merkmal der Frau nahmst du an (Impf. 2.Sg.)
apravṛttaṃ sudurbuddhe yasmād etat kṛtaṃ tvayā tasmād adya prabhṛty eva tvaṃ strī sa puruṣas tathā
Weil dieses unrechte Tun von ihm, dem Übelgesinnten, begangen worden sei, deshalb solle er von nun an eine Frau sein, und jener Śikhaṇḍin ebenso ein Mann.
Wort für Wort
apravṛttam sudurbuddhe
dieses unrechte Tun, o Übelgesinnter (Nom. Sg. + Vok.)
Der Hochgesinnte habe gesagt: wenn Śikhaṇḍin in der Schlacht erschlagen sei, werde der Yakṣa Sthūṇa seine eigene Gestalt wiedererlangen; er möge frei von Sorge sein.
Wort für Wort
hate śikhaṇḍini raṇe
wenn Śikhaṇḍin in der Schlacht erschlagen ist (Lok. abs.)
svarūpam pratipatsyate
er wird seine eigene Gestalt wiedererlangen (Fut. Med. 3.Sg.)
ity uktvā bhagavān devo yakṣarākṣasapūjitaḥ prayayau saha taiḥ sarvair nimeṣāntaracāribhiḥ
Nachdem er so gesprochen hatte, sei der erhabene Gott, von Yakṣas und Rākṣasas verehrt, zusammen mit all jenen, die sich in einem Augenblick fortbewegen, davongezogen.
Der Yakṣa habe gesprochen: er sei ihretwegen von Vaiśravaṇa verflucht worden, Königssohn; sie möge nun gehen, wie sie wolle - die Welten durchwandern, wie es ihr beliebe.
Wort für Wort
śaptaḥ vaiśravaṇena asmi
ich bin von Vaiśravaṇa verflucht worden (PPP + Präs. 1.Sg.)
tvatkṛte
deinetwegen (Adv.)
pārthivātmaja
o Königssohn (Vok. Sg.)
gaccha idānīm yathākāmam
gehe nun, wie du willst! (Imp. 2.Sg.)
cara lokān yathāsukham
durchwandere die Welten, wie es dir beliebt! (Imp. 2.Sg.)
Er habe die Zweifachgeborenen sowie auch die Gottheiten, die Heiligtümer und die Kreuzwege mit mannigfachen kostbaren Wohlgerüchen und Girlanden verehrt.
Wort für Wort
pūjayām āsa vividhaiḥ
er verehrte mit mannigfachen (Perf. periphr. 3.Sg.)
gandhamālyaiḥ mahādhanaiḥ
kostbaren Wohlgerüchen und Girlanden (Instr. Pl.)
dvijātīn devatāḥ ca api
die Zweifachgeborenen und auch die Gottheiten (Akk. Pl.)
drupadaḥ saha putreṇa siddhārthena śikhaṇḍinā mudaṃ ca paramāṃ lebhe pāñcālyaḥ saha bāndhavaiḥ
Drupada, der Pāñcālya, habe zusammen mit seinem Sohn Śikhaṇḍin, dessen Anliegen sich erfüllt hatte, sowie mit seinen Verwandten, höchste Freude erlangt.
Wort für Wort
drupadaḥ saha putreṇa siddhārthena śikhaṇḍinā
Drupada zusammen mit seinem Sohn Śikhaṇḍin, dessen Anliegen erfüllt war (Instr. Sg.)
mudam ca paramām lebhe
und er erlangte höchste Freude (Perf. Med. 3.Sg.)
pāñcālyaḥ saha bāndhavaiḥ
der Pāñcālya zusammen mit seinen Verwandten (Nom. + Instr.)
mama tv etac carās tāta yathāvat pratyavedayan jaḍāndhabadhirākārā ye yuktā drupade mayā
Aber meine Kundschafter, Kind, die ich in der Gestalt von Stummen, Blinden und Tauben bei Drupada eingesetzt hatte, haben mir dies der Reihe nach berichtet.
Wort für Wort
mama tu etat carāḥ
aber meine Kundschafter (Nom. Pl.)
tāta
o Kind (Vok. Sg.)
yathāvat pratyavedayan
sie berichteten mir der Reihe nach (Impf. 3.Pl.)
jaḍāndhabadhirākārāḥ
in der Gestalt von Stummen, Blinden und Tauben (Nom. Pl.)
ye yuktāḥ drupade mayā
die von mir bei Drupada eingesetzt worden waren (PPP Nom. Pl.)
[?] Ab hier spricht Bhīṣma wieder unmittelbar in eigener Person von sich selbst; dies bleibt, wie sein gesamter durchgehender Bericht seit Kap.189, ohne neuen Redemarker, da es sich um dieselbe fortlaufende Rede handelt.
Die älteste Tochter des Herrschers von Kāśi, unter dem Namen Ambā bekannt, sei in Drupadas Geschlecht als Śikhaṇḍin wiedergeboren worden, Stier der Bharatas.
Wort für Wort
jyeṣṭhā kāśipateḥ kanyā
die älteste Tochter des Herrschers von Kāśi (Nom. Sg.)
vratam etan mama sadā pṛthivyām api viśrutam striyāṃ strīpūrvake cāpi strīnāmni strīsvarūpiṇi
Dies sei mein stets auf der Erde bekanntes Gelübde: gegen eine Frau, sowie gegen eine ehemalige Frau, eine mit Frauennamen, eine in weiblicher Gestalt -
Wort für Wort
vratam etat mama sadā
dies mein stetes Gelübde (Nom. Sg.)
pṛthivyām api viśrutam
auf der Erde bekannt (Nom. Sg.)
striyām strīpūrvake ca api
gegen eine Frau und auch gegen eine ehemalige Frau (Lok. Sg.)
strīnāmni strīsvarūpiṇi
gegen eine mit Frauennamen, in weiblicher Gestalt (Lok. Sg.)
etat tattvam ahaṃ veda janma tāta śikhaṇḍinaḥ tato nainaṃ haniṣyāmi samareṣv ātatāyinam
Diese Wahrheit über Śikhaṇḍins Geburt kenne ich, mein Kind; deshalb werde ich ihn in den Schlachten nicht töten, selbst wenn er als Angreifer auftritt.
Wort für Wort
etat tattvam aham veda
diese Wahrheit kenne ich (Perf. 1.Sg.)
janma tāta śikhaṇḍinaḥ
die Geburt Śikhaṇḍins, Kind (Akk. Sg.)
tataḥ na enam haniṣyāmi
deshalb werde ich ihn nicht töten (Fut. 1.Sg., negiert)
samareṣu ātatāyinam
in den Schlachten, selbst als Angreifer (Lok. Pl. + Akk.)
Wenn Bhīṣma eine Frau erschlüge, würde er sich selbst vernichten; deshalb werde ich ihn nicht töten, auch wenn ich ihn in der Schlacht stehen sehe.“
Wort für Wort
yadi bhīṣmaḥ striyam hanyāt
wenn Bhīṣma eine Frau erschlüge (Opt. 3.Sg.)
hanyāt ātmānam api uta
er würde auch sich selbst vernichten (Opt. 3.Sg.)
na enam tasmāt haniṣyāmi
deshalb werde ich ihn nicht töten (Fut. 1.Sg., negiert)
dṛṣṭvā api samare sthitam
auch wenn ich ihn in der Schlacht stehend sehe (Absolutiv + Akk.)
[?] Bhīṣma bezeichnet sich hier, wie gelegentlich in feierlicher Rede, selbst mit seinem Namen in der dritten Person. Mit diesem Vers endet Bhīṣmas gesamter, seit Kap.189 V.002 durchgehend offener Bericht an Duryodhana; V.066 kehrt zur Erzählung Saṃjayas an Dhṛtarāṣṭra zurück.
saṃjaya uvāca etac chrutvā tu kauravyo rājā duryodhanas tadā muhūrtam iva sa dhyātvā bhīṣme yuktam amanyata
Saṃjaya sprach: Nachdem er dies gehört hatte, habe der Kaurava-König Duryodhana da, wie einen Augenblick lang nachdenkend, es für angemessen hinsichtlich Bhīṣmas erachtet.
Wort für Wort
saṃjayaḥ uvāca
Saṃjaya sprach (Perf.)
etat śrutvā tu
nachdem er dies aber gehört hatte (Absolutiv)
kauravyaḥ rājā duryodhanaḥ tadā
der Kaurava-König Duryodhana da (Nom. Sg.)
muhūrtam iva saḥ dhyātvā
wie einen Augenblick lang nachdenkend (Absolutiv)
bhīṣme yuktam amanyata
er erachtete es hinsichtlich Bhīṣmas für angemessen (Impf. Med. 3.Sg.)
[?] Mit diesem Vers kehrt die Erzählung von Bhīṣmas eigenem, seit Kap.189 fortlaufendem Bericht an Duryodhana zur äußeren Rahmenerzählung Saṃjayas an Dhṛtarāṣṭra zurück - dem ersten echten Sprecherwechsel auf dieser Ebene seit Kap.169/170.