Kapitel 66: Kṛṣṇa-Māhātmyam
Saṃjayas Lobpreis von Kṛṣṇas Größe
Sprecherwechsel Vyāsa->Saṃjaya (close-reopen, SQ bleibt Tiefe 1, V.1): Saṃjaya beginnt seine berühmte Beschreibung von Kṛṣṇas und Arjunas übermenschlicher Macht. Kṛṣṇas frühere Siege (Naraka, Śambara, Kaṃsa, Śiśupāla, V.4), seine Kontrolle über Erde/Luftraum/Himmel allein durch den Geist (V.5, V.10), das berühmte Diktum 'wo Kṛṣṇa ist, dort ist der Sieg' (V.9), das Bild der Pāṇḍavas als Werkzeug eines verborgenen Opfers zur Vernichtung von Duryodhanas Söhnen (V.11), Kṛṣṇas Herrschaft über die Zeit-, Welt- und Zeitalter-Räder (V.12), über Zeit und Tod (V.13), sein bescheidenes Handeln trotz absoluter Macht (Pflüger-Gleichnis [?], V.14), und der Schluss, dass nur wer sich ihm ergibt, seiner Täuschungsmacht (māyā) entgeht (V.15). Kein CQ in diesem Kapitel - durchgehend Saṃjayas eigene Rede. SQ bleibt am Kapitelende offen (Tiefe 1), Fortsetzung vermutlich Kap.67.
‘Saṃjaya sprach: ‚Arjuna und Vāsudeva, die beiden hochverehrten Bogenträger - nicht aus bloßem Verlangen entstanden, sondern beide bestimmt zur Vernichtung alles Feindlichen.
Wort für Wort
saṃjaya uvāca
Saṃjaya sprach (Nom. + 3.Sg.Perf.)
arjuno vāsudevaś ca dhanvinau paramārcitau
Arjuna und Vāsudeva, die beiden hochverehrten Bogenträger (Nom. + Nom. + Konj. + Nom.Dual + Nom.Dual, Kompositum)
kāmād anyatra saṃbhūtau sarvābhāvāya saṃmitau
nicht aus bloßem Verlangen entstanden, sondern beide bestimmt zur Vernichtung alles Feindlichen (Abl. + Adv. + Nom.Dual.Ptz.Perf. + Dat., Kompositum + Nom.Dual.Ptz.Perf.)
[Anm.: Sprecherwechsel Vyāsa->Saṃjaya (close-then-reopen, SQ bleibt Tiefe 1). Beginn von Saṃjayas berühmter Kṛṣṇa-Beschreibung.]
Nachdem sie, wie es sich für die Weisen geziemt, einen Platz im Zwischenraum des Himmels eingenommen haben [?], bewegt sich jenes Rad des Vāsudeva durch seine Zaubermacht, o Mächtiger.
Wort für Wort
dyām antaraṃ samāsthāya yathāyuktaṃ manasvinaḥ
nachdem sie, wie es sich für die Weisen geziemt, einen Platz im Zwischenraum des Himmels eingenommen haben (Akk. + Akk. + Absolutiv + Adv. + Nom.Pl.)
cakraṃ tad vāsudevasya māyayā vartate vibho
bewegt sich jenes Rad des Vāsudeva durch seine Zaubermacht, o Mächtiger (Nom. + Nom. + Gen. + Instr. + 3.Sg.Präs.Med. + Vok.)
[Anm.: Genauer Sinn von 'dyām antaraṃ samāsthāya' unsicher [?] - evtl. Anspielung auf göttlichen Ursprung/Rang von Arjuna und Kṛṣṇa; 'cakram' vermutlich das Sudarśana-Diskus-Rad.]
sāpahnavaṃ pāṇḍaveṣu pāṇḍavānāṃ susaṃmatam sārāsārabalaṃ jñātvā tat samāsena me śṛṇu
Über die unter den Pāṇḍavas wohlanerkannte, unbestreitbare [?] Stärke der Pāṇḍavas - das Wesentliche und Unwesentliche daran erkennend - höre dies von mir in Kürze.
Wort für Wort
sāpahnavaṃ pāṇḍaveṣu pāṇḍavānāṃ susaṃmatam
über die unter den Pāṇḍavas wohlanerkannte, unbestreitbare Stärke der Pāṇḍavas (Akk. + Lok.Pl. + Gen.Pl. + Akk.)
sārāsārabalaṃ jñātvā tat samāsena me śṛṇu
das Wesentliche und Unwesentliche daran erkennend, höre dies von mir in Kürze (Akk., Kompositum + Absolutiv + Akk. + Instr. + Gen. + 2.Sg.Imp.)
[Anm.: 'sāpahnavam' ('unleugbar/unbestreitbar') unsicher [?] in seiner genauen syntaktischen Anbindung.]
Die Erde, den Luftraum und den Himmel lenkt der höchste Puruṣa, von überragendem Wesen, der Beherrscher, allein durch seinen Geist unter seine Gewalt.
Wort für Wort
pṛthivīṃ cāntarikṣaṃ ca dyāṃ caiva puruṣottamaḥ
die Erde, den Luftraum und den Himmel [lenkt] der höchste Puruṣa (Akk. + Konj.+Akk. + Konj. + Akk. + Konj.+Partikel + Nom., Kompositum)
manasaiva viśiṣṭātmā nayaty ātmavaśaṃ vaśī
von überragendem Wesen, der Beherrscher, allein durch seinen Geist unter seine Gewalt (Instr.+Partikel + Nom., Kompositum + 3.Sg.Präs. + Akk., Kompositum + Nom.)
bhūyo bhūyo hi yad rājan pṛcchase pāṇḍavān prati sārāsārabalaṃ jñātuṃ tan me nigadataḥ śṛṇu
Denn was du, o König, immer wieder über die Pāṇḍavas fragst, um ihre wesentliche und unwesentliche Stärke zu erkennen - höre dies, wie ich es dir verkünde.
Wort für Wort
bhūyo bhūyo hi yad rājan pṛcchase pāṇḍavān prati
denn was du, o König, immer wieder über die Pāṇḍavas fragst (Adv.+Adv. + Partikel + Akk. + Vok. + 2.Sg.Präs.Med. + Akk. + Präp.)
sārāsārabalaṃ jñātuṃ tan me nigadataḥ śṛṇu
um ihre wesentliche und unwesentliche Stärke zu erkennen - höre dies, wie ich es dir verkünde (Akk., Kompositum + Infinitiv + Akk. + Gen. + Gen.Ptz.Präs. + 2.Sg.Imp.)
sa kṛtvā pāṇḍavān satraṃ lokaṃ saṃmohayann iva adharmaniratān mūḍhān dagdhum icchati te sutān
Er, der die Pāṇḍavas zu einem Opfer gemacht hat, als ob er die Welt täuschte, will deine Söhne verbrennen, die töricht und dem Unrecht ergeben sind.
Wort für Wort
sa kṛtvā pāṇḍavān satraṃ lokaṃ saṃmohayann iva
er, der die Pāṇḍavas zu einem Opfer gemacht hat, als ob er die Welt täuschte (Nom. + Absolutiv + Akk. + Akk. + Akk. + Nom.Ptz.Präs. + Partikel)
adharmaniratān mūḍhān dagdhum icchati te sutān
will deine Söhne verbrennen, die töricht und dem Unrecht ergeben sind (Akk.Pl., Kompositum + Akk.Pl. + Infinitiv + 3.Sg.Präs. + Gen. + Akk.Pl.)
[Anm.: 'satram' (Opfer-Sitzung) - Bild: Kṛṣṇa gebraucht die Pāṇḍavas als Werkzeug eines Opferrituals, dessen wahrer Zweck (die Vernichtung von Duryodhanas Söhnen) der Welt verborgen bleibt.]
kālacakraṃ jagaccakraṃ yugacakraṃ ca keśavaḥ ātmayogena bhagavān parivartayate 'niśam
Das Rad der Zeit, das Rad der Welt und das Rad der Weltzeitalter dreht Keśava, der Herr, durch seine eigene Yoga-Macht unaufhörlich.
Wort für Wort
kālacakraṃ jagaccakraṃ yugacakraṃ ca keśavaḥ
das Rad der Zeit, das Rad der Welt und das Rad der Weltzeitalter [dreht] Keśava (Akk., Kompositum + Akk., Kompositum + Akk., Kompositum + Konj. + Nom.)
ātmayogena bhagavān parivartayate 'niśam
der Herr, durch seine eigene Yoga-Macht, unaufhörlich (Instr., Kompositum + Nom. + 3.Sg.Präs.Kaus.Med. + Adv.)
Obwohl er der Herr der ganzen Welt ist, unternimmt Hari, der große Yogin, es, Taten zu vollbringen, wie ein schwacher Pflüger [?] die seinen.
Wort für Wort
īśann api mahāyogī sarvasya jagato hariḥ
obwohl er der Herr der ganzen Welt ist, Hari, der große Yogin (Nom.Ptz.Präs. + Partikel + Nom., Kompositum + Gen. + Gen. + Nom.)
karmāṇy ārabhate kartuṃ kīnāśa iva durbalaḥ
unternimmt er, Taten zu vollbringen, wie ein schwacher Pflüger die seinen (Akk.Pl. + 3.Sg.Präs.Med. + Infinitiv + Nom. + Partikel + Nom.)
[Anm.: 'kīnāśa' selten und mehrdeutig [?] - meist 'Pflüger/Landmann', vereinzelt auch Beiname Yamas; hier als Bild der Bescheidenheit im Handeln trotz höchster Macht gedeutet.]
tena vañcayate lokān māyāyogena keśavaḥ ye tam eva prapadyante na te muhyanti mānavāḥ
Dadurch täuscht Keśava die Welt durch seine Zaubermacht; doch jene Menschen, die sich allein ihm ergeben, werden nicht getäuscht.
Wort für Wort
tena vañcayate lokān māyāyogena keśavaḥ
dadurch täuscht Keśava die Welt durch seine Zaubermacht (Instr. + 3.Sg.Präs.Med. + Akk.Pl. + Instr., Kompositum + Nom.)
ye tam eva prapadyante na te muhyanti mānavāḥ
doch jene Menschen, die sich allein ihm ergeben, werden nicht getäuscht (Nom.Pl. + Akk. + Partikel + 3.Pl.Präs.Med. + Neg. + Nom.Pl. + 3.Pl.Präs. + Nom.Pl.)
[Anm.: Kapitelende - Saṃjayas Kṛṣṇa-Beschreibung bleibt offen (SQ Tiefe 1), Fortsetzung vermutlich Kap.67. Kein CQ in diesem Kapitel.]