Kapitel 116: Gālavacaritam (Uśīnaraparigraha)
Die Geschichte Gālavas (König Uśīnara)
Dritter der vier Könige: Uśīnara, Herrscher der Bhojas, erhält Mādhavī und zeugt mit ihr den Sohn Śibi, der später als vorbildlicher König berühmt wird.
Nārada sprach: Ebenso folgte, ihre Herrlichkeit aufgebend und wieder Jungfrau geworden, die ruhmreiche Mādhavī, in ihrem Versprechen wahrhaftig, dem Brahmanen Gālava.
Wort für Wort
nāradaḥ uvāca
Nārada sprach (Verb, Perf. 3.Sg.)
tathā eva
ebenso (Adv. + Partikel)
sā śriyam tyaktvā
sie, die Herrlichkeit aufgebend (Pron. + Subst.Akk.Sg. + Absolutiv)
kanyā bhūtvā
wieder Jungfrau geworden (Subst.Nom.Sg. + Absolutiv)
yaśasvinī mādhavī
die ruhmreiche Mādhavī (Adj. + Eigenname, Nom.Sg.)
gālavam vipram anvayāt
sie folgte dem Brahmanen Gālava (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Verb, Impf. 3.Sg.)
gālavo vimṛśann eva svakāryagatamānasaḥ jagāma bhojanagaraṃ draṣṭum auśīnaraṃ nṛpam
Gālava, noch nachsinnend, seinen Sinn auf sein eigenes Anliegen gerichtet, ging zur Stadt der Bhojas, um den König Uśīnara [?] zu sehen.
Wort für Wort
gālavaḥ
Gālava (Eigenname, Nom.Sg.)
vimṛśan eva
noch nachsinnend (Partizip Präs., Nom.Sg. + Partikel)
svakāryagatamānasaḥ
seinen Sinn auf sein eigenes Anliegen gerichtet habend (Bahuvrīhi-Kompositum, Nom.Sg.)
jagāma
er ging (Verb, Perf. 3.Sg.)
bhojanagaram
zur Stadt der Bhojas (Subst., Akk.Sg.)
draṣṭum
um zu sehen (Infinitiv)
auśīnaram nṛpam
den König Uśīnara [wörtl. 'Sohn Uśīnaras'] (Adj./Patron. + Subst., Akk.Sg.)
'auśīnaram' ist die patronymische Adjektivform zu 'Uśīnara' (,der zu Uśīnara Gehörige') und bezeichnet denselben König, der ab Vers 9 direkt als 'Uśīnara' genannt wird; hier zur Einheitlichkeit ebenso wiedergegeben.
gurvartho 'yaṃ samārambho na hayaiḥ kṛtyam asti me yadi śakyaṃ mahārāja kriyatāṃ mā vicāryatām
Dies Unterfangen dient dem Zweck meines Lehrers, nicht habe ich ein eigenes Bedürfnis nach Rossen; wenn es möglich ist, großer König, so werde es getan, zögere nicht.
Wort für Wort
gurvarthaḥ ayam samārambhaḥ
dies Unterfangen dient dem Zweck des Lehrers (Adj.Kompositum + Pron. + Subst., Nom.Sg.)
na hayaiḥ kṛtyam asti me
nicht ist mir ein Bedürfnis nach Rossen (Neg. + Instr.Pl. + Adj. + Verb + Dat.Sg.)
yadi śakyam mahārāja
wenn es möglich ist, großer König (Konj. + Gerundivum + Vok.Sg.)
kriyatām mā vicāryatām
es werde getan, zögere nicht (Passiv-Imp. 3.Sg. + Verbotspartikel + Passiv-Imp. 3.Sg.)
na putraphalabhoktā hi rājarṣe pātyate divaḥ na yāti narakaṃ ghoraṃ yatra gacchanty anātmajāḥ
Denn wer die Frucht eines Sohnes genießt, königlicher Weiser, stürzt nicht vom Himmel und geht nicht in jene schreckliche Hölle, in die die Kinderlosen gehen.“
Wort für Wort
na putraphalabhoktā hi
denn wer die Frucht eines Sohnes genießt, nicht (Neg. + Subst.Nom.Sg. + Partikel)
rājarṣe
königlicher Weiser (Vok.Sg.)
pātyate divaḥ
er wird vom Himmel gestürzt (Verb Passiv, Präs. 3.Sg. + Abl.Sg.)
na yāti narakam ghoram
er geht nicht in die schreckliche Hölle (Neg. + Verb, Präs. 3.Sg. + Akk.Sg. + Adj.Akk.Sg.)
mūlyenāpi samaṃ kuryāṃ tavāhaṃ dvijasattama paurajānapadārthaṃ tu mamārtho nātmabhogataḥ
Auch mit diesem Kaufpreis würde ich mit dir gleichziehen, bester der Zweifachgeborenen - doch mein Anliegen gilt dem Wohl von Stadt und Land, nicht dem eigenen Genuss.
Wort für Wort
mūlyena api samam kuryām
auch mit dem Kaufpreis würde ich gleichziehen (Instr.Sg. + Partikel + Adv. + Verb, Opt. 1.Sg.)
tava aham dvijasattama
ich mit dir, bester der Zweifachgeborenen (Gen.Sg. + Pron. + Vok.Sg.)
paurajānapadārtham tu
aber um des Wohls von Stadt und Land willen (Subst.Akk.Sg. + Partikel)
mama arthaḥ na ātmabhogataḥ
mein Anliegen [gilt] nicht dem eigenen Genuss (Gen.Sg. + Subst.Nom.Sg. + Neg. + Adv.)
Nachdem Gālava sie dem Uśīnara übergeben hatte, ging er in den Wald; jener König ergötzte sich, nachdem er sie erlangt hatte, wie ein Verdienstvoller an der Glücksgöttin.
Wort für Wort
uśīnaram pratigrāhya
nachdem er [sie] dem Uśīnara übergeben hatte (Akk.Sg. + Absolutiv)
gālavaḥ prayayau vanam
Gālava ging in den Wald (Eigenname, Nom.Sg. + Verb, Perf. 3.Sg. + Akk.Sg.)
reme sa
jener ergötzte sich (Verb, Impf.Med. 3.Sg. + Pron.)
tām samāsādya
nachdem er sie erlangt hatte (Akk.Sg. + Absolutiv)
kṛtapuṇyaḥ iva śriyam
wie ein Verdienstvoller an der Glücksgöttin (Adj., Nom.Sg. + Vgl.-Partikel + Subst.Akk.Sg.)