Kapitel 152: Senāvibhāgaḥ
Die Einteilung von Duryodhanas Heer und die Ernennung der Heerführer
Reine Erzählpartie ohne wörtliche Rede: Vaiśaṃpāyana schildert, wie Duryodhana seine elf Akṣauhiṇīs organisiert - Ausrüstung von Wagen, Elefanten und Pferden, das Zahlenverhältnis der Truppengattungen zueinander, die klassische Terminologie-Hierarchie der Heereseinheiten (Patti, Senāmukha, Gulma, Gaṇa, Senā, Pṛtanā, Vāhinī u.a. Synonyme) sowie den berühmten Vers, der die Gesamtstärke beider Heere festhält (sieben Akṣauhiṇīs bei den Pāṇḍavas, elf bei den Kauravas). Das Kapitel schließt mit der Ernennung der elf Divisionskommandanten: Kṛpa, Droṇa, Śalya, Jayadratha (als 'saindhava'), Sudakṣiṇa (Kamboja-König), Kṛtavarman, Aśvatthāman (als 'droṇaputra'), Karṇa, Bhūriśravas, Śakuni und Bāhlīka.
Die Wagen waren mit Zuggeschirr, mit Köchern, mit Schutzschilden, mit Lanzen, mit Köcherbehältern, mit Speeren, mit Pfeilköchern, mit Keulen ausgestattet,
Wohlgeboren, kundig der Pferdeabstammung, im Lenken eingesetzt, mit befestigten Schutzamuletten, mit befestigtem Sattelgurt, mit befestigten Feldzeichen und Bannern.
Wort für Wort
kulīnāḥ
wohlgeboren (Nom. Pl.)
hayayonijñāḥ
kundig der Pferdeabstammung (Nom. Pl. Bahuvrīhi)
sārathye
im Lenken, Wagenlenken (Loc. Sg.)
viniveśitāḥ
eingesetzt (Nom. Pl. Past Part.)
baddhāriṣṭāḥ
mit befestigten Schutzamuletten (Nom. Pl. Bahuvrīhi)
baddhakakṣyāḥ
mit befestigtem Sattelgurt (Nom. Pl. Bahuvrīhi)
baddhadhvajapatākinaḥ
mit befestigten Feldzeichen und Bannern (Nom. Pl. Bahuvrīhi)
dhuryayor hayayor ekas tathānyau pārṣṇisārathī tau cāpi rathināṃ śreṣṭhau rathī ca hayavit tathā
Bei den beiden Zugpferden war einer als Lenker, ebenso zwei weitere als Hilfslenker; auch diese beiden waren die Besten der Wagenkämpfer, und jeder Wagenkämpfer zugleich ein Pferdekenner.
Wie die Wagen, so waren auch die Elefanten, mit befestigtem Sattelgurt, wohlgeschmückt; sieben Männer saßen auf jedem, wie mit Juwelen versehene Berge.
Unter ihnen waren zwei Elefantenstachel-Träger, zwei Träger vorzüglicher Bögen, zwei Träger ausgezeichneter Schwerter, o König, und einer, der Speer und Banner trug.
susaṃgrāhāḥ susaṃtoṣā hemabhāṇḍaparicchadāḥ anekaśatasāhasrās te ca sādivaśe sthitāḥ
Gut lenkbar, wohlzufrieden, mit goldenem Zaumzeug und Ausrüstung versehen, viele hunderttausend an Zahl - und diese standen unter dem Willen ihrer Reiter.
Wort für Wort
susaṃgrāhāḥ
gut lenkbar, leicht zu fassen (Nom. Pl. Bahuvrīhi)
susaṃtoṣāḥ
wohlzufrieden (Nom. Pl. Bahuvrīhi)
hemabhāṇḍaparicchadāḥ
mit goldenem Zaumzeug und Ausrüstung versehen (Nom. Pl. Bahuvrīhi)
In anderer Zählweise: fünfzig Elefanten für einen Wagen, hundert Pferde für einen Elefanten, sieben Männer für ein Pferd, die zerbrochene Waffen wieder zusammenfügen.
Wort für Wort
rathasya
für einen Wagen (Gen. Sg.)
nāgāḥ
Elefanten (Nom. Pl.)
pañcāśat
fünfzig (Zahlwort)
nāgasya
für einen Elefanten (Gen. Sg.)
āsan
waren, gab es (Impf. 3. Pl.)
śatam
hundert (Zahlwort)
hayāḥ
Pferde (Nom. Pl.)
hayasya
für ein Pferd (Gen. Sg.)
puruṣāḥ
Männer (Nom. Pl.)
sapta
sieben (Zahlwort)
bhinnasaṃdhānakāriṇaḥ
die zerbrochene Waffen wieder zusammenfügen (Nom. Pl. Bahuvrīhi)
[?] Diese Verszählung scheint eine alternative bzw. ergänzende Proportionsangabe zur vorherigen (V019) zu sein; das Verhältnis der Einheiten zueinander ist im Sanskrit-Text nicht widerspruchsfrei und wird hier wörtlich wiedergegeben.
'Vāhinī', 'Pṛtanā', 'Senā', 'Dhvajinī', 'Sādinī', 'Camū', 'Akṣauhiṇī' und 'Varūthinī' - mit diesen Wechselbegriffen wurden sie benannt; so wurden die Heeresabteilungen vom weisen Kauravya geordnet.
narāṇāṃ pañcapañcāśad eṣā pattir vidhīyate senāmukhaṃ ca tisras tā gulma ity abhisaṃjñitaḥ
Fünfundfünfzig Männer werden als eine 'Patti' festgesetzt; drei Pattis ergeben ein 'Senāmukha'; das wird als 'Gulma' bezeichnet.
Wort für Wort
narāṇām
von Männern (Gen. Pl.)
pañcapañcāśat
fünfundfünfzig (Zahlwort)
eṣā
diese (Nom. Sg.)
pattiḥ
Patti (Nom. Sg.)
vidhīyate
wird festgesetzt (Pass. Präs. 3. Sg.)
senāmukham
Senāmukha (Nom. Sg.)
ca
und (Partikel)
tisraḥ
drei (Zahlwort, Fem.)
tāḥ
diese (Nom. Pl.)
gulmaḥ
Gulma (Nom. Sg.)
iti
so (Partikel)
abhisaṃjñitaḥ
bezeichnet (Nom. Sg. Past Part.)
[?] Die genaue zahlenmäßige Abfolge der Heereseinheiten (Patti, Senāmukha, Gulma usw.) ist im Sanskrit-Text stark verknappt/teleskopiert wiedergegeben; die traditionelle Militärhierarchie des Mahābhārata wird hier vorausgesetzt, aber nicht vollständig ausbuchstabiert.
kṛpaṃ droṇaṃ ca śalyaṃ ca saindhavaṃ ca mahāratham sudakṣiṇaṃ ca kāmbojaṃ kṛtavarmāṇam eva ca
Kṛpa und Droṇa, und Śalya, und den großen Wagenkämpfer, den Sindhu-König, und Sudakṣiṇa, den Kamboja-König, und ebenso Kṛtavarman,
Wort für Wort
kṛpam
Kṛpa (Akk. Sg.)
droṇam
Droṇa (Akk. Sg.)
ca
und (Partikel)
śalyam
Śalya (Akk. Sg.)
ca
und (Partikel)
saindhavam
den Sindhu-König (Akk. Sg.)
ca
und (Partikel)
mahāratham
den großen Wagenkämpfer (Akk. Sg.)
sudakṣiṇam
Sudakṣiṇa (Akk. Sg.)
ca
und (Partikel)
kāmbojam
den Kamboja-König (Akk. Sg.)
kṛtavarmāṇam
Kṛtavarman (Akk. Sg.)
eva
gerade, auch (Partikel)
ca
und (Partikel)
[?] 'saindhava' (wörtl. 'der Sindhu-Herrscher') bezeichnet hier Jayadratha, den König der Sindhus; der Name wird im Sanskrit-Text durch das Patronym bzw. den Herrschertitel ersetzt.
droṇaputraṃ ca karṇaṃ ca bhūriśravasam eva ca śakuniṃ saubalaṃ caiva bāhlīkaṃ ca mahāratham
...und den Sohn Droṇas, und Karṇa, und ebenso Bhūriśravas, und Śakuni, den Sohn Subalas, und den großen Wagenkämpfer Bāhlīka -
Wort für Wort
droṇaputram
den Sohn Droṇas (Akk. Sg.)
ca
und (Partikel)
karṇam
Karṇa (Akk. Sg.)
ca
und (Partikel)
bhūriśravasam
Bhūriśravas (Akk. Sg.)
eva
auch, gerade (Partikel)
ca
und (Partikel)
śakunim
Śakuni (Akk. Sg.)
saubalam
den Sohn Subalas (Akk. Sg.)
ca eva
und ebenso (Partikeln)
bāhlīkam
Bāhlīka (Akk. Sg.)
ca
und (Partikel)
mahāratham
den großen Wagenkämpfer (Akk. Sg.)
[?] 'droṇaputra' (wörtl. 'Droṇas Sohn') bezeichnet Aśvatthāman; 'saubala' (wörtl. 'Sohn Subalas') bezeichnet Śakuni erneut durch sein Patronym - beide Namen werden im Sanskrit-Text durch Patronyme ersetzt.