Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 100: Rasātalavarṇanam Rasātala, die Welt der Kuhmutter Surabhi

Nārada führt seine ununterbrochene Rede fort (ohne dass die vorige CQ zwischenzeitlich schloss) und beschreibt nun Rasātala, die siebente Erdebene, wo Surabhi, die aus Brahmās Mund entstandene Kuhmutter, den Milchozean speist. Dort wohnen die asketischen Phenapa-Weisen, vor denen selbst die Götter sich fürchten, sowie Surabhis vier Töchter als Hüterinnen der vier Himmelsrichtungen. Nārada erwähnt das Quirlen des Milchozeans, bei dem Vāruṇī, Lakṣmī, Amṛta, Uccaiḥśravas und der Kaustubha-Edelstein emporgeholt wurden, und schließt mit dem Lob, dass es nirgends - weder bei den Nāgas noch im Götterhimmel - einen so glücklichen Aufenthaltsort gebe wie in Rasātala.

nārada uvāca idaṃ rasātalaṃ nāma saptamaṃ pṛthivītalam yatrāste surabhir mātā gavām amṛtasaṃbhavā

Dies ist die sogenannte Rasātala, die siebente Erdebene, wo Surabhi weilt, die Mutter der Kühe, aus Amṛta entstanden.

Wort für Wort
idaṃ rasātalaṃ nāma saptamaṃ pṛthivītalam
dies ist die sogenannte Rasātala, die siebente Erdebene (Nom. Sg. + Nom. Sg.)
yatra āste surabhiḥ mātā gavām amṛtasaṃbhavā
wo Surabhi weilt, die Mutter der Kühe, aus Amṛta entstanden (Rel. + 3. Sg. Präs. Med. + Nom. + Nom. + Gen. Pl. + Nom., Bahuvrīhi)

[Anm.: ,nārada uvāca' erscheint hier erneut, doch OHNE dass die vorige CQ (Nāradas Rede in Kap.99) zuvor geschlossen wurde - Nāradas Rede läuft ununterbrochen weiter (Kap.99 endete offen bei CQ=1), daher KEIN neues CQ_OPEN hier, sondern bloße Fortsetzung derselben Rede mit neuem Thema (Rasātala statt Suparṇas).]

kṣarantī satataṃ kṣīraṃ pṛthivīsārasaṃbhavam ṣaṇṇāṃ rasānāṃ sāreṇa rasam ekam anuttamam

beständig Milch vergießend, die aus dem Kern der Erde entstanden ist - aus dem Kern der sechs Geschmäcker den einen, unübertrefflichen Geschmack.

Wort für Wort
kṣarantī satataṃ kṣīraṃ pṛthivīsārasaṃbhavam
beständig Milch vergießend, die aus dem Kern der Erde entstanden ist (Nom. Sg. Part. Präs. + Adv. + Akk. + Akk., Bahuvrīhi)
ṣaṇṇāṃ rasānāṃ sāreṇa rasam ekam anuttamam
aus dem Kern der sechs Geschmäcker den einen, unübertrefflichen Geschmack (Gen. + Instr. + Akk. + Akk. + Akk.)

amṛtenābhitṛptasya sāram udgirataḥ purā pitāmahasya vadanād udatiṣṭhad aninditā

Einst, als er, von Amṛta gesättigt, den Kern ausspie, erhob sie sich, die Untadelige, aus dem Mund des Großvaters.

Wort für Wort
amṛtena abhitṛptasya sāram udgirataḥ purā
als er, von Amṛta gesättigt, einst den Kern ausspie (Instr. + Gen. Sg. Ppp. + Akk. + Part. Präs. Gen. + Adv.)
pitāmahasya vadanād udatiṣṭhad aninditā
erhob sie sich, die Untadelige, aus dem Mund des Großvaters (Gen. + Abl. + 3. Sg. Ipf. Akt. + Nom. Sg.)

[Anm.: ,der Großvater' (pitāmaha) bezeichnet Brahmā.]

yasyāḥ kṣīrasya dhārāyā nipatantyā mahītale hradaḥ kṛtaḥ kṣīranidhiḥ pavitraṃ param uttamam

Von deren Milchstrom, der auf die Erde herabfiel, wurde ein See gebildet, der Milchozean, rein, höchst und vorzüglich.

Wort für Wort
yasyāḥ kṣīrasya dhārāyā nipatantyā mahītale
von deren Milchstrom, der auf die Erde herabfiel (Gen. + Gen. + Instr. Sg. Part. Präs. + Lok.)
hradaḥ kṛtaḥ kṣīranidhiḥ pavitraṃ param uttamam
wurde ein See gebildet, der Milchozean, rein, höchst und vorzüglich (Nom. Sg. Ppp. + Nom. + Adj.)

puṣpitasyeva phenasya paryantam anuveṣṭitam pibanto nivasanty atra phenapā munisattamāḥ

An dessen Rand, der wie blühender Schaum sich ringsum windet, dort wohnen, ihn trinkend, die Phenapas, die besten der Weisen.

Wort für Wort
puṣpitasya iva phenasya paryantam anuveṣṭitam
an dessen Rand, der wie blühender Schaum sich ringsum windet (Gen. + Vergleich + Gen. + Akk., Bahuvrīhi)
pibantaḥ nivasanti atra phenapāḥ munisattamāḥ
dort wohnen, ihn trinkend, die Phenapas, die besten der Weisen (Nom. Pl. Part. Präs. + 3. Pl. Präs. + Adv. + Nom. Pl. + Nom. Pl.)

phenapā nāma nāmnā te phenāhārāś ca mātale ugre tapasi vartante yeṣāṃ bibhyati devatāḥ

Phenapas mit Namen sind sie, o Mātali, vom Schaum sich nährend; in strengster Askese verharren sie, vor denen selbst die Götter sich fürchten.

Wort für Wort
phenapāḥ nāma nāmnā te phenāhārāḥ ca mātale
Phenapas mit Namen sind sie, o Mātali, vom Schaum sich nährend (Nom. Pl. + Instr. + Nom. + Nom. Pl., Bahuvrīhi + Vok.)
ugre tapasi vartante yeṣāṃ bibhyati devatāḥ
in strengster Askese verharren sie, vor denen die Götter sich fürchten (Lok. + Lok. + 3. Pl. Präs. Med. + Rel. Gen. + 3. Pl. Präs. + Nom.)

asyāś catasro dhenvo 'nyā dikṣu sarvāsu mātale nivasanti diśāpālyo dhārayantyo diśaḥ smṛtāḥ

Von dieser gibt es vier andere Kühe, o Mātali, in allen Himmelsrichtungen; sie wohnen als Hüterinnen der Richtungen, bekannt als die, die die Richtungen tragen.

Wort für Wort
asyāḥ catasraḥ dhenvaḥ anyāḥ dikṣu sarvāsu mātale
von dieser gibt es vier andere Kühe in allen Himmelsrichtungen, o Mātali (Gen. + Num. Nom. Pl. + Nom. Pl. + Lok. Pl. + Vok.)
nivasanti diśāpālyaḥ dhārayantyaḥ diśaḥ smṛtāḥ
sie wohnen als Hüterinnen der Richtungen, bekannt als die, die die Richtungen tragen (3. Pl. Präs. + Nom. Pl. + Nom. Pl. Part. Präs. + Akk. + Nom. Pl. Ppp.)

pūrvāṃ diśaṃ dhārayate surūpā nāma saurabhī dakṣiṇāṃ haṃsakā nāma dhārayaty aparāṃ diśam

[?] Die östliche Richtung trägt Surūpā genannt, die Tochter Surabhis; die südliche, weitere Richtung trägt Haṃsakā genannt.

Wort für Wort
pūrvāṃ diśaṃ dhārayate surūpā nāma saurabhī
die östliche Richtung trägt Surūpā genannt, die Tochter Surabhis (Akk. + Akk. + 3. Sg. Präs. Med. + Nom. + Instr. + Nom.)
dakṣiṇāṃ haṃsakā nāma dhārayati aparāṃ diśam
die südliche, weitere Richtung trägt Haṃsakā genannt (Akk. + Nom. + Instr. + 3. Sg. Präs. + Akk. + Akk.)

[Anm.: die Doppelbezeichnung ,dakṣiṇām...aparām diśam' (,die südliche, die weitere/andere Richtung') bleibt syntaktisch leicht unsicher [?] - evtl. epexegetische Doppelung von ,dakṣiṇā' im Sinn von ,rechts/südlich', sinngemäß als eine einzige (südliche) Richtung wiedergegeben.]

paścimā vāruṇī dik ca dhāryate vai subhadrayā mahānubhāvayā nityaṃ mātale viśvarūpayā

Und die westliche, Vāruṇī-Richtung wird fürwahr von Subhadrā getragen, der Großmütigen, stets, o Mātali, der Allgestaltigen.

Wort für Wort
paścimā vāruṇī dik ca dhāryate vai subhadrayā
und die westliche, Vāruṇī-Richtung wird fürwahr von Subhadrā getragen (Nom. + Nom. + Nom. + 3. Sg. Präs. Pass. + Instr.)
mahānubhāvayā nityaṃ mātale viśvarūpayā
der Großmütigen, stets, o Mātali, der Allgestaltigen (Instr. + Adv. + Vok. + Instr.)

sarvakāmadughā nāma dhenur dhārayate diśam uttarāṃ mātale dharmyāṃ tathailavilasaṃjñitām

Die Kuh, genannt Sarvakāmadughā, trägt die Richtung, die nördliche, o Mātali, die rechtmäßige, auch Ailavila genannt.

Wort für Wort
sarvakāmadughā nāma dhenuḥ dhārayate diśam
die Kuh, genannt Sarvakāmadughā, trägt die Richtung (Nom. + Instr. + Nom. + 3. Sg. Präs. Med. + Akk.)
uttarāṃ mātale dharmyāṃ tathā ailavilasaṃjñitām
die nördliche, o Mātali, die rechtmäßige, auch Ailavila genannt (Akk. + Vok. + Akk. + Adv. + Akk. Ppp.)

[Anm.: ,Sarvakāmadughā' bedeutet ,die alle Wünsche Melkende'.]

āsāṃ tu payasā miśraṃ payo nirmathya sāgare manthānaṃ mandaraṃ kṛtvā devair asurasaṃhitaiḥ

Deren Milch nun, mit anderer Milch vermischt, wurde im Ozean gebuttert, als man den Mandara zum Butterstab machte, von den Göttern zusammen mit den Asuras.

Wort für Wort
āsāṃ tu payasā miśraṃ payaḥ nirmathya sāgare
deren Milch nun, mit anderer Milch vermischt, wurde im Ozean gebuttert (Gen. Pl. + Partikel + Instr. + Akk. + Akk. + Ger. + Lok.)
manthānaṃ mandaraṃ kṛtvā devaiḥ asurasaṃhitaiḥ
als man den Mandara zum Butterstab machte, von den Göttern zusammen mit den Asuras (Akk. + Akk. + Ger. + Instr. + Instr., Bahuvrīhi)

[Anm.: Anspielung auf das Quirlen des Milchozeans (samudramanthana).]

uddhṛtā vāruṇī lakṣmīr amṛtaṃ cāpi mātale uccaiḥśravāś cāśvarājo maṇiratnaṃ ca kaustubham

Emporgeholt wurden Vāruṇī, Lakṣmī und auch das Amṛta, o Mātali, und Uccaiḥśravas, der Pferdekönig, und der Juwelenedelstein Kaustubha.

Wort für Wort
uddhṛtā vāruṇī lakṣmīḥ amṛtaṃ ca api mātale
emporgeholt wurden Vāruṇī, Lakṣmī und auch das Amṛta, o Mātali (Nom. Sg. Ppp. + Nom. + Nom. + Nom. + Vok.)
uccaiḥśravāḥ ca aśvarājaḥ maṇiratnaṃ ca kaustubham
und Uccaiḥśravas, der Pferdekönig, und der Juwelenedelstein Kaustubha (Nom. + Nom. + Nom. + Nom.)

sudhāhāreṣu ca sudhāṃ svadhābhojiṣu ca svadhām amṛtaṃ cāmṛtāśeṣu surabhiḥ kṣarate payaḥ

Denen, die sich von Sudhā nähren, gibt sie Sudhā, denen, die sich von Svadhā nähren, Svadhā, und denen, die sich von Amṛta nähren, Amṛta - so vergießt Surabhi ihre Milch.

Wort für Wort
sudhāhāreṣu ca sudhāṃ svadhābhojiṣu ca svadhām
denen, die sich von Sudhā nähren, Sudhā, denen, die sich von Svadhā nähren, Svadhā (Lok. Pl. + Akk. + Lok. Pl. + Akk.)
amṛtaṃ ca amṛtāśeṣu surabhiḥ kṣarate payaḥ
und denen, die sich von Amṛta nähren, Amṛta - so vergießt Surabhi ihre Milch (Akk. + Lok. Pl. + Nom. + 3. Sg. Präs. Med. + Akk.)

atra gāthā purā gītā rasātalanivāsibhiḥ paurāṇī śrūyate loke gīyate yā manīṣibhiḥ

Hier wird ein Lied gesungen, einst gesungen von den Bewohnern Rasātalas, uralt, das in der Welt gehört wird, das von den Weisen gesungen wird.

Wort für Wort
atra gāthā purā gītā rasātalanivāsibhiḥ
hier ist ein Lied, einst gesungen von den Bewohnern Rasātalas (Adv. + Nom. + Adv. + Nom. Sg. Ppp. + Instr.)
paurāṇī śrūyate loke gīyate yā manīṣibhiḥ
uralt, das in der Welt gehört wird, das von den Weisen gesungen wird (Nom. + 3. Sg. Präs. Pass. + Lok. + 3. Sg. Präs. Pass. + Rel. + Instr.)

na nāgaloke na svarge na vimāne triviṣṭape parivāsaḥ sukhas tādṛg rasātalatale yathā

Weder in der Welt der Nāgas, noch im Himmel, noch im Flugwagen des Dreiunddreißig-Götter-Himmels gibt es einen so glücklichen Aufenthalt wie im Grund von Rasātala.

Wort für Wort
na nāgaloke na svarge na vimāne triviṣṭape
weder in der Welt der Nāgas, noch im Himmel, noch im Flugwagen des Götterhimmels (Neg. + Lok. + Neg. + Lok. + Neg. + Lok. + Lok.)
parivāsaḥ sukhaḥ tādṛk rasātalatale yathā
gibt es einen so glücklichen Aufenthalt wie im Grund von Rasātala (Nom. + Nom. + Adj. + Lok. + Vergleich)

[Anm.: ,triviṣṭapa' (,die Dreiunddreißig') ist ein Name für den Götterhimmel/Svarga; ,vimāna' bezeichnet den himmlischen Flugwagen/Palast.]

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