Kapitel 133: Vidurāputrasaṃvādaḥ (Tṛtīyo Bhāgaḥ)
Das Zwiegespräch der Vidurā mit ihrem Sohn (Dritter Teil)
Der Sohn erwidert Vidurās harte Rede, sie erwidert ihm wiederum: mit rechtem, tugendhaftem Wandel könne er ihr wieder lieb werden; Untätigkeit bringe nie Erfolg, nur Tatkraft berge zumindest die Möglichkeit. Der Sohn wendet ein, ohne Schatzkammer und Verbündete sei ihm der Sinn für das Königreich vergangen; Vidurā entgegnet mit konkreten Ratschlägen zur Bündnispolitik - Unzufriedene und Rivalen als Verbündete gewinnen, durch Freigebigkeit und frühes Handeln Vertrauen schaffen, den Ruf vor Verleumdung schützen. Ihre Rede setzt sich über das Kapitelende hinaus fort.
putra uvāca kṛṣṇāyasasyeva ca te saṃhatya hṛdayaṃ kṛtam mama mātas tv akaruṇe vairaprajñe hy amarṣaṇe
Der Sohn sprach: „Dein Herz, o Mutter, ist mir gegenüber wahrhaftig zusammengeschmiedet wie aus schwarzem Eisen — du Mitleidlose, in Feindschaft Kundige, Zornerfüllte.
Wort für Wort
kṛṣṇāyasasya iva
wie aus schwarzem Eisen (Gen.Sg. + Vergleich)
te saṃhatya hṛdayam kṛtam
dein Herz ist zusammengeschmiedet gemacht (Gen. + Gerundium + Nom.Sg.n. + Ptz.)
mama mātaḥ
mir gegenüber, o Mutter (Gen. + Vok.)
akaruṇe vairaprajñe amarṣaṇe
du Mitleidlose, in Feindschaft Kundige, Zornerfüllte (Vok.Sg.f. je)
Der Sohn antwortet nun ausführlicher auf Vidurās Rede.
Die Mutter sprach: „Alle Unternehmungen der Weisen, mein Sohn, geschehen um des Rechts und des Nutzens willen; eben dies erwägend habe ich dich angetrieben, Saṃjaya.
Wort für Wort
sarvārambhāḥ hi viduṣām
alle Unternehmungen der Weisen (Nom.Pl. + Partikel + Gen.Pl.)
dharmārthakāraṇāt
um des Rechts und Nutzens willen (Abl.Sg.n.)
tān eva abhisamīkṣya
eben dies erwägend (Akk.Pl. + Partikel + Gerundium)
sa samīkṣyakramopeto mukhyaḥ kālo 'yam āgataḥ asmiṃś ced āgate kāle kāryaṃ na pratipadyase asaṃbhāvitarūpas tvaṃ sunṛśaṃsaṃ kariṣyasi
Dieser entscheidende, durch rechte Erwägung gefundene Augenblick ist gekommen; wenn du, da dieser Augenblick gekommen ist, das Nötige nicht in Angriff nimmst, wirst du, von zweifelhaftem Ansehen, äußerst Grausames an dir selbst verüben.
Wort für Wort
sa samīkṣyakramopetaḥ mukhyaḥ kālaḥ
dieser entscheidende, durch Erwägung gefundene Augenblick (Nom.Sg. je)
ayam āgataḥ
ist gekommen (Nom.Sg. + Ptz.)
asmin ced āgate kāle
wenn dieser Augenblick gekommen ist (Loc.Absol.)
kāryam na pratipadyase
du nimmst das Nötige nicht in Angriff (Akk.Sg.n. + Verneinung + 2.Sg.Präs.Ā.)
asaṃbhāvitarūpaḥ
von zweifelhaftem Ansehen (Nom.Sg.)
sunṛśaṃsam kariṣyasi
du wirst äußerst Grausames verüben (Akk.Sg.n. + 2.Sg.Fut.)
taṃ tvām ayaśasā spṛṣṭaṃ na brūyāṃ yadi saṃjaya kharīvātsalyam āhus tan niḥsāmarthyam ahetukam
Würde ich zu dir, der du von Schande berührt bist, nicht sprechen, o Saṃjaya, so nennte man das eine eselinnenhafte, grundlose, unbegründete Zärtlichkeit.
Wort für Wort
taṃ tvām ayaśasā spṛṣṭam
zu dir, der du von Schande berührt bist (Akk.Sg. je + Instr. + Ptz.)
na brūyām yadi saṃjaya
wenn ich nicht spräche, o Saṃjaya (Verneinung + 1.Sg.Optativ + Konj. + Vok.)
kharīvātsalyam āhuḥ
man nennte das eine eselinnenhafte Zärtlichkeit (Akk.Sg.n. + 3.Pl.Präs.)
tava syād yadi sadvṛttaṃ tena me tvaṃ priyo bhaveḥ dharmārthaguṇayuktena netareṇa kathaṃ cana daivamānuṣayuktena sadbhir ācaritena ca
Hättest du guten Wandel, verbunden mit den Vorzügen von Recht und Nutzen — durch keinen anderen [Wandel] auf irgendeine Weise —, verbunden mit göttlicher und menschlicher [Billigung] und von den Guten geübt, so würdest du mir dadurch lieb sein.
Zum Kampf wurde der Kṣatriya geschaffen, o Saṃjaya, und zum Sieg, für das harte Werk, die Untertanen beständig zu beschützen; ob siegend oder erschlagen werdend, erlangt er Gemeinschaft mit Indras Welt.
Wort für Wort
yuddhāya kṣatriyaḥ sṛṣṭaḥ
zum Kampf wurde der Kṣatriya geschaffen (Dat. + Nom.Sg. + Ptz.)
saṃjaya iha jayāya ca
o Saṃjaya, hier auch zum Sieg (Vok. + Adv. + Dat.)
na śakrabhavane puṇye divi tad vidyate sukham yad amitrān vaśe kṛtvā kṣatriyaḥ sukham aśnute
Nicht einmal in Śakras heiliger Wohnstatt im Himmel findet sich jenes Glück, das ein Kṣatriya genießt, wenn er seine Feinde in seine Gewalt gebracht hat.
Wort für Wort
na śakrabhavane puṇye divi
nicht in Śakras heiliger Wohnstatt im Himmel (Verneinung + Loc. + Loc. + Loc.)
tat vidyate sukham
jenes Glück findet sich (Nom.Sg.n. + 3.Sg.Präs.Pass. + Nom.Sg.n.)
yat amitrān vaśe kṛtvā
das, nachdem er die Feinde in seine Gewalt gebracht hat (Relativ + Akk.Pl. + Loc. + Gerundium)
kṣatriyaḥ sukham aśnute
ein Kṣatriya Glück genießt (Nom.Sg. + Akk.Sg.n. + 3.Sg.Präs.Ā.)
Und durch das Fehlen des Angenehmen erlangt ein Mann niemals etwas Glänzendes, und geht gewiss dem Untergang entgegen, wie der [Fluss] Gaṅgā, dahinfließend, dem Ozean.“
Wort für Wort
priyābhāvāt ca puruṣaḥ
und durch das Fehlen des Angenehmen ein Mann (Abl. + Konj. + Nom.Sg.)
na eva prāpnoti śobhanam
erlangt niemals etwas Glänzendes (Verneinung + Partikel + 3.Sg.Präs. + Akk.Sg.n.)
dhruvam ca abhāvam abhyeti
und geht gewiss dem Untergang entgegen (Adv. + Konj. + Akk.Sg.m. + 3.Sg.Präs.)
gatvā gaṅgā iva sāgaram
wie die Gaṅgā, dahinfließend, dem Ozean (Gerundium + Nom.Sg. + Vergleich + Akk.Sg.)
Der Sohn sprach: „Diese Meinung solltest du nicht aussprechen, Mutter, zumal nicht einem Sohn gegenüber; sieh hierin nur Mitleid, und werde hier wie einer, der stumm und sprachlos ist.“
Wort für Wort
na iyam matiḥ tvayā vācyā
diese Meinung solltest du nicht aussprechen (Verneinung + Nom.Sg.f. + Instr. + Verbaladj.)
mātaḥ putre viśeṣataḥ
Mutter, zumal einem Sohn gegenüber (Vok. + Loc. + Adv.)
kāruṇyam eva atra paśya
sieh hierin nur Mitleid (Akk.Sg.n. + Partikel + Adv. + 2.Sg.Imperativ)
bhūtvā iha jaḍamūkavat
werde hier wie ein Stummer und Sprachloser (Gerundium + Adv. + Adv.)
mātovāca ato me bhūyasī nandir yad evam anupaśyasi codyaṃ māṃ codayasy etad bhṛśaṃ vai codayāmi te
Die Mutter sprach: „Umso größer ist meine Freude, dass du dies so siehst; du forderst mich mit diesem Vorwurf heraus — genau dies fordere ich heftig von dir zurück.
Wort für Wort
ataḥ me bhūyasī nandiḥ
umso größer ist meine Freude (Adv. + Gen. + Adj. + Nom.Sg.)
yat evam anupaśyasi
dass du dies so siehst (Konj. + Adv. + 2.Sg.Präs.)
codyam mām codayasi
du forderst mich mit einem Vorwurf heraus (Akk.Sg.n. + Akk. + 2.Sg.Präs.)
etat bhṛśaṃ vai codayāmi te
genau dies fordere ich heftig von dir (Akk.Sg.n. + Adv. + Partikel + 1.Sg.Präs. + Dat.)
putra uvāca akośasyāsahāyasya kutaḥ svid vijayo mama ity avasthāṃ viditvemām ātmanātmani dāruṇām rājyād bhāvo nivṛtto me tridivād iva duṣkṛteḥ
Der Sohn sprach: „Wie sollte mir, dem ohne Schatzkammer, dem ohne Verbündete, wohl Sieg zuteilwerden? Da ich diesen, meinen eigenen, in mir selbst erkannten schrecklichen Zustand erkannt habe, hat sich meine Neigung zum Königreich abgewandt, wie die eines Übeltäters vom dritten Himmel.
Wort für Wort
akośasya asahāyasya
dessen, der ohne Schatzkammer, ohne Verbündete ist (Gen.Sg. je)
kutaḥ svid vijayaḥ mama
wie sollte mir wohl Sieg [zuteilwerden] (Frage + Partikel + Nom.Sg. + Gen.)
īdṛśaṃ bhavatī kaṃ cid upāyam anupaśyati tan me pariṇataprajñe samyak prabrūhi pṛcchate kariṣyāmi hi tat sarvaṃ yathāvad anuśāsanam
Siehst du, du von gereifter Weisheit, ein solches Mittel — so sage es mir, der ich frage, recht und deutlich; ich werde alles genau nach der Unterweisung tun.“
Wort für Wort
īdṛśam bhavatī kaṃ cit upāyam
siehst du ein solches Mittel (Akk.Sg. + Nom.Sg.f. + Pron. + Akk.Sg.)
anupaśyati
siehst du (2./3.Sg.Präs.)
tat me pariṇataprajñe
so [sage es] mir, du von gereifter Weisheit (Akk.Sg.n. + Dat. + Vok.)
samyak prabrūhi pṛcchate
sage es recht dem Fragenden (Adv. + 2.Sg.Imperativ + Dat.Ptz.)
kariṣyāmi hi tat sarvam
ich werde all dies tun (1.Sg.Fut. + Partikel + Akk.Sg.n. + Akk.Sg.n.)
Die Mutter sprach: „Das Selbst eines Sohnes sollte nicht wegen früherer Fehlschläge verachtet werden; denn manche Erfolge entstehen, ohne vorher da gewesen zu sein, andere wiederum vergehen, nachdem sie da gewesen sind.
Wort für Wort
putrātmā na avamantavyaḥ
das Selbst eines Sohnes sollte nicht verachtet werden (Nom.Sg. + Verneinung + Verbaladj.)
pūrvābhiḥ asamṛddhibhiḥ
wegen früherer Fehlschläge (Instr.Pl.)
abhūtvā hi bhavanti arthāḥ
denn manche Erfolge entstehen, ohne vorher da gewesen zu sein (Gerundium + Partikel + 3.Pl.Präs. + Nom.Pl.)
bhūtvā naśyanti ca apare
andere wiederum vergehen, nachdem sie da gewesen sind (Gerundium + 3.Pl.Präs. + Konj. + Nom.Pl.)
Vidurās abschließende Rede, reicht über das Kapitelende hinaus fort (Kap.134 setzt mit erneutem 'mātovāca' ohne Sprecherwechsel fort).
Und Unternehmungen sollten von den überaus Törichten niemals nur aus Zorn begonnen werden; in der Frucht aller Taten, mein Sohn, herrscht stets Unbeständigkeit.
Wort für Wort
amarṣeṇa eva ca api arthāḥ
und Unternehmungen [nur] aus Zorn (Instr. + Partikel + Konj. + Partikel + Nom.Pl.)
na ārabdhavyāḥ subāliśaiḥ
sollten nicht begonnen werden von den überaus Törichten (Verneinung + Verbaladj.Pl. + Instr.Pl.)
sarveṣām karmaṇām tāta
aller Taten, mein Sohn (Gen.Pl. + Vok.)
phale nityam anityatā
in der Frucht herrscht stets Unbeständigkeit (Loc. + Adv. + Nom.Sg.)
In der Untätigkeit gibt es nur eine Möglichkeit: das Fehlen der Fruchtwirkung der Taten; im [tatkräftigen] Streben aber gibt es eine zweifache: die Frucht kommt zustande, oder auch nicht.
Wort für Wort
aikaguṇyam anīhāyām
eine einzige Möglichkeit in der Untätigkeit (Nom.Sg.n. + Loc.Sg.)
abhāvaḥ karmaṇām phalam
das Fehlen der Fruchtwirkung der Taten (Nom.Sg. + Gen.Pl. + Nom.Sg.n.)
atha dvaiguṇyam īhāyām
im Streben aber eine zweifache (Adv. + Nom.Sg.n. + Loc.Sg.)
phalam bhavati vā na vā
die Frucht kommt zustande oder nicht (Nom.Sg.n. + 3.Sg.Präs. + Alt. + Verneinung + Alt.)
yasya prāg eva viditā sarvārthānām anityatā nuded vṛddhisamṛddhī sa pratikūle nṛpātmaja
Wer die Unbeständigkeit aller Unternehmungen bereits im Voraus kennt, der sollte, o Königssohn, bei widrigen [Umständen] die Erwartung von Wachstum und Gedeihen beiseitelassen.
Wort für Wort
yasya prāk eva viditā
wer bereits im Voraus kennt (Gen. + Adv. + Partikel + Ptz.f.)
sarvārthānām anityatā
die Unbeständigkeit aller Unternehmungen (Gen.Pl. + Nom.Sg.f.)
nudet vṛddhisamṛddhī
sollte die Erwartung von Wachstum und Gedeihen beiseitelassen (3.Sg.Optativ + Akk.Du.f.)
sa pratikūle nṛpātmaja
der, bei widrigen [Umständen], o Königssohn (Nom.Sg. + Loc. + Vok.)
utthātavyaṃ jāgṛtavyaṃ yoktavyaṃ bhūtikarmasu bhaviṣyatīty eva manaḥ kṛtvā satatam avyathaiḥ maṅgalāni puraskṛtya brāhmaṇaiś ceśvaraiḥ saha
Man muss sich erheben, wachsam sein, sich den Werken des Gedeihens widmen; man muss den Sinn beständig, von Unruhe frei, auf 'es wird geschehen' gerichtet halten, glückverheißende Riten voranstellend, gemeinsam mit Brahmanen und Mächtigen.
Wort für Wort
utthātavyam jāgṛtavyam
man muss sich erheben, wachsam sein (Verbaladj.n. je)
yoktavyam bhūtikarmasu
man muss sich den Werken des Gedeihens widmen (Verbaladj.n. + Loc.Pl.)
bhaviṣyati iti eva manaḥ kṛtvā
den Sinn auf 'es wird geschehen' gerichtet habend (3.Sg.Fut. + Zitatpartikel + Partikel + Akk.Sg.n. + Gerundium)
nidarśanāny upāyāṃś ca bahūny uddharṣaṇāni ca anudarśitarūpo 'si paśyāmi kuru pauruṣam puruṣārtham abhipretaṃ samāhartum ihārhasi
Viele Beispiele, Mittel und Ermutigungen [habe ich dir gezeigt]; dir ist [deine wahre] Gestalt gezeigt worden, wie ich sehe; übe Manneskraft; du solltest hier das beabsichtigte menschliche Ziel vollbringen.
Wort für Wort
nidarśanāni upāyān ca bahūn
viele Beispiele und Mittel (Akk.Pl. je)
uddharṣaṇāni ca
und Ermutigungen (Akk.Pl.)
anudarśitarūpaḥ asi
dir ist [deine] Gestalt gezeigt worden (Nom.Sg.Ptz. + 2.Sg.Präs.)
paśyāmi kuru pauruṣam
wie ich sehe, übe Manneskraft (1.Sg.Präs. + 2.Sg.Imperativ + Akk.Sg.n.)
puruṣārtham abhipretam
das beabsichtigte menschliche Ziel (Akk.Sg. je)
samāhartum iha arhasi
du solltest hier vollbringen (Inf. + Adv. + 2.Sg.Präs.)
kruddhāṃl lubdhān parikṣīṇān avakṣiptān vimānitān spardhinaś caiva ye ke cit tān yukta upadhāraya
Die Zornigen, die Gierigen, die Geschwächten, die Verstoßenen, die Missachteten, und ebenso alle, die [mit deinem Feind] wetteifern, wer immer sie seien — diese nimm dir, wenn es angebracht ist, zur Unterstützung.
Wort für Wort
kruddhān lubdhān parikṣīṇān
die Zornigen, Gierigen, Geschwächten (Akk.Pl. je)
avakṣiptān vimānitān
die Verstoßenen, Missachteten (Akk.Pl. je)
spardhinaḥ ca eva ye ke cit
und ebenso alle, die wetteifern, wer sie auch seien (Akk.Pl. + Konj. + Partikel + Relativ)
tān yukta upadhāraya
diese nimm dir, wenn angebracht, zur Unterstützung (Akk.Pl. + Adj. + 2.Sg.Imperativ Ā.)
Sobald der Feind erkennt, dass sein Widersacher sein Leben aufgegeben hat, sogleich schreckt er vor diesem zurück wie vor einer ins Haus eingedrungenen Schlange.
Wort für Wort
yadā eva śatruḥ jānīyāt
sobald der Feind erkennt (Adv. + Partikel + Nom.Sg. + 3.Sg.Optativ)
sapatnam tyaktajīvitam
dass sein Widersacher sein Leben aufgegeben hat (Akk.Sg. + Akk.Sg.)
tadā eva asmāt udvijate
sogleich schreckt er vor diesem zurück (Adv. + Partikel + Abl. + 3.Sg.Präs.Ā.)
sarpāt veśmagatāt iva
wie vor einer ins Haus eingedrungenen Schlange (Abl. + Abl.Ptz. + Vergleich)
taṃ viditvā parākrāntaṃ vaśe na kurute yadi nirvādair nirvaded enam antatas tad bhaviṣyati
Erkennt er ihn als einen, der seine Kraft gezeigt hat, und bringt ihn dennoch nicht in seine Gewalt, so wird er ihn schließlich mit Verleumdungen verleumden — das wird geschehen.
Wort für Wort
taṃ viditvā parākrāntam
ihn als einen, der seine Kraft gezeigt hat, erkannt habend (Akk. + Gerundium + Akk.Sg.Ptz.)
vaśe na kurute yadi
wenn er ihn nicht in seine Gewalt bringt (Loc. + Verneinung + 3.Sg.Präs.Ā. + Konj.)
nirvādaiḥ nirvadet enam
er wird ihn mit Verleumdungen verleumden (Instr.Pl. + 3.Sg.Optativ + Akk.)
antataḥ tat bhaviṣyati
schließlich wird das geschehen (Adv. + Nom.Sg.n. + 3.Sg.Fut.)
[?] Der genaue Sinn dieses Verses ist knapp; gemeint ist wohl, dass ein Feind, der einen entschlossenen Gegner nicht bezwingen kann, zuletzt zu Verleumdung greift.
nirvādād āspadaṃ labdhvā dhanavṛddhir bhaviṣyati dhanavantaṃ hi mitrāṇi bhajante cāśrayanti ca
Hat man, frei von Verleumdung, festen Stand gewonnen, wird Vermehrung des Vermögens erfolgen; denn dem Vermögenden wenden sich Freunde zu und suchen bei ihm Zuflucht.
Wort für Wort
nirvādāt āspadam labdhvā
frei von Verleumdung, festen Stand gewonnen habend (Abl. + Akk.Sg.n. + Gerundium)
dhanavṛddhiḥ bhaviṣyati
Vermehrung des Vermögens wird erfolgen (Nom.Sg. + 3.Sg.Fut.)
dhanavantaṃ hi mitrāṇi
denn dem Vermögenden die Freunde (Akk.Sg. + Partikel + Nom.Pl.)
bhajante ca āśrayanti ca
wenden sich zu und suchen Zuflucht (3.Pl.Präs.Ā. + Konj. + 3.Pl.Präs. + Konj.)
skhalitārthaṃ punas tāta saṃtyajanty api bāndhavāḥ apy asminn āśrayante ca jugupsanti ca tādṛśam
Doch wessen Glück gestrauchelt ist, mein Sohn, den verlassen selbst die Verwandten; ist er [wieder aufgestiegen], suchen sie zwar bei ihm Zuflucht, verachten aber gleichwohl einen solchen [Wankelmütigen].
Wort für Wort
skhalitārtham punaḥ tāta
doch wessen Glück gestrauchelt ist, mein Sohn (Akk.Sg. + Adv. + Vok.)
saṃtyajanti api bāndhavāḥ
den verlassen selbst die Verwandten (3.Pl.Präs. + Partikel + Nom.Pl.)
api asmin āśrayante ca
bei ihm suchen sie [wieder] Zuflucht (Partikel + Loc. + 3.Pl.Präs.Ā. + Konj.)
jugupsanti ca tādṛśam
und verachten einen solchen (3.Pl.Präs. + Konj. + Akk.Sg.)
[?] Der zweite Halbvers ist knapp und lässt offen, ob sich die Verachtung auf den einst Gescheiterten selbst oder auf das eigene wankelmütige Verhalten der Verwandten bezieht; sinngemäß wiedergegeben.
Wer einen Feind zum Verbündeten gemacht hat und dessen Vertrauen gewinnt — daher ist eben dies zu erwarten, dass er das Königreich erlangen werde.
Wort für Wort
śatruṃ kṛtvā sahāyam
einen Feind zum Verbündeten gemacht (Akk.Sg. + Gerundium + Akk.Sg.)
yaḥ viśvāsam upagacchati
wer dessen Vertrauen gewinnt (Relativ + Akk.Sg. + 3.Sg.Präs.)
ataḥ saṃbhāvyam eva etat
daher ist eben dies zu erwarten (Adv. + Verbaladj.n. + Partikel + Nom.Sg.n.)
yat rājyaṃ prāpnuyāt iti
dass er das Königreich erlangen werde (Konj. + Akk.Sg.n. + 3.Sg.Optativ + Zitatpartikel)
Vidurās Rede schließt hier nicht endgültig ab, sondern wird, da Kap.134 mit erneutem 'mātovāca' ohne Sprecherwechsel fortsetzt, über das Kapitelende hinaus fortgeführt.