Kapitel 4: Sainyoddyoga-parva (4)
Drupadas Gegenrede und die Bündnisliste
Drupada widerspricht Baladevas Rat zur Sanftmut: Ein Bösgesinnter wie Duryodhana deute Milde als Schwäche. Stattdessen solle man rasch Bündnispartner mobilisieren, bevor Duryodhana selbst dies tut. Es folgt eine lange Aufzählung von Königen und Völkern, die als Verbündete herbeigerufen werden sollen (ein typischer epischer Katalog). Abschließend schlägt Drupada vor, seinen eigenen Hauspriester als Gesandten an Dhṛtarāṣṭras Hof zu senden.
drupada uvāca evam etan mahābāho bhaviṣyati na saṃśayaḥ na hi duryodhano rājyaṃ madhureṇa pradāsyati
Drupada sprach: So wird es sich verhalten, Starkarmiger, daran besteht kein Zweifel; denn Duryodhana wird das Königreich nicht auf gütliche Weise hergeben.
Wort für Wort
drupada uvāca evam etan mahābāho bhaviṣyati na saṃśayaḥ na hi duryodhano rājyaṃ madhureṇa pradāsyati
Drupada sprach: So wird es sich verhalten, Starkarmiger, daran besteht kein Zweifel; denn Duryodhana wird das Königreich nicht auf gütliche Weise hergeben.
anuvartsyati taṃ cāpi dhṛtarāṣṭraḥ sutapriyaḥ bhīṣmadroṇau ca kārpaṇyān maurkhyād rādheyasaubalau
Und Dhṛtarāṣṭra, der seinem Sohn zugetan ist, wird ihm folgen, ebenso Bhīṣma und Droṇa aus Mitleid, und aus Torheit der Sohn der Rādhā und der Sohn Subalas.
Wort für Wort
anuvartsyati taṃ cāpi dhṛtarāṣṭraḥ sutapriyaḥ bhīṣmadroṇau ca kārpaṇyān maurkhyād rādheyasaubalau
Und Dhṛtarāṣṭra, der seinem Sohn zugetan ist, wird ihm folgen, ebenso Bhīṣma und Droṇa aus Mitleid, und aus Torheit der Sohn der Rādhā und der Sohn Subalas.
'Sohn der Rādhā' ist Karṇa, 'Sohn Subalas' ist Śakuni - beide bereits bekannte Beinamen.
baladevasya vākyaṃ tu mama jñāne na yujyate etad dhi puruṣeṇāgre kāryaṃ sunayam icchatā
Baladevas Wort aber erscheint mir, meinem Wissen nach, nicht angemessen; denn dies ist es, was ein Mann tun muss, der von Anfang an kluges Handeln wünscht:
Wort für Wort
baladevasya vākyaṃ tu mama jñāne na yujyate etad dhi puruṣeṇāgre kāryaṃ sunayam icchatā
Baladevas Wort aber erscheint mir, meinem Wissen nach, nicht angemessen; denn dies ist es, was ein Mann tun muss, der von Anfang an kluges Handeln wünscht:
Wer dem Esel gegenüber Sanftmut übte und gegen Kühe Schärfe anwendete - ebenso töricht handelte, wer gegenüber dem bösgesinnten Duryodhana ein sanftes Wort spräche.
Wer dem Esel gegenüber Sanftmut übte und gegen Kühe Schärfe anwendete - ebenso töricht handelte, wer gegenüber dem bösgesinnten Duryodhana ein sanftes Wort spräche.
[?] Bildhafter Vergleich: falsch angewandte Sanftmut (beim Esel statt bei den Kühen) versinnbildlicht die Torheit, einem Bösgesinnten gegenüber milde zu sein.
mṛdu vai manyate pāpo bhāṣyamāṇam aśaktijam jitam arthaṃ vijānīyād abudho mārdave sati
Der Böse hält eine ihm gegenüber gesprochene sanfte Rede für aus Schwäche entstanden; ist Sanftmut vorhanden, so glaubt der Unkluge, die Sache sei für ihn schon gewonnen.
Wort für Wort
mṛdu vai manyate pāpo bhāṣyamāṇam aśaktijam jitam arthaṃ vijānīyād abudho mārdave sati
Der Böse hält eine ihm gegenüber gesprochene sanfte Rede für aus Schwäche entstanden; ist Sanftmut vorhanden, so glaubt der Unkluge, die Sache sei für ihn schon gewonnen.
Dies eben wollen wir tun, und Anstrengung soll hier unternommen werden: Lasst uns Boten zu den Freunden entsenden, sie sollen für uns Streitkräfte aufbieten.
Dies eben wollen wir tun, und Anstrengung soll hier unternommen werden: Lasst uns Boten zu den Freunden entsenden, sie sollen für uns Streitkräfte aufbieten.
So wie zu Duryodhana gesprochen werden soll, wie zu dem Fürsten, dem Sohn des Śāṃtanu, wie zu Dhṛtarāṣṭra gesprochen werden soll, und zu Droṇa, dem Besten der Kundigen -
So wie zu Duryodhana gesprochen werden soll, wie zu dem Fürsten, dem Sohn des Śāṃtanu, wie zu Dhṛtarāṣṭra gesprochen werden soll, und zu Droṇa, dem Besten der Kundigen -
'Sohn des Śāṃtanu' ist Bhīṣma. Der Satz führt unvollendet in das folgende Kapitel über, in dem vermutlich der Inhalt der Botschaft an den Hof folgt.