Kapitel 28: Sainyoddyoga-parva (28)
Yudhiṣṭhiras Antwort: Das Āpaddharma und die Übergabe der Entscheidung an Kṛṣṇa
Yudhiṣṭhira erwidert mit einer differenzierten Reflexion über die Ununterscheidbarkeit von Recht und Unrecht in Notlagen (Āpaddharma) und betont, dass er nichts durch Unrecht begehren wolle. Statt selbst über Krieg oder Frieden zu entscheiden, überträgt er die letzte Entscheidung ausdrücklich Kṛṣṇa als dem unparteiischen, beiden Seiten wohlgesinnten Richter - eine wichtige Vorbereitung auf Kṛṣṇas bevorstehende eigene Friedensgesandtschaft nach Hastināpura.
Yudhiṣṭhira sprach: ‚Zweifellos, Sañjaya, ist das wahr, was du sagst: dass das Recht die vornehmste der Taten sei; doch tadle mich, Sañjaya, erst dann, wenn du weißt, ob ich Recht oder Unrecht übe.
Yudhiṣṭhira sprach: ‚Zweifellos, Sañjaya, ist das wahr, was du sagst: dass das Recht die vornehmste der Taten sei; doch tadle mich, Sañjaya, erst dann, wenn du weißt, ob ich Recht oder Unrecht übe.
Wo das Unrecht, die Gestalt des Rechts annehmend, gänzlich als Recht erscheint, und wo ebenso das Recht, scheinbar die Gestalt des Unrechts tragend, in Wahrheit Recht bleibt - dies erkennen die Weisen mit ihrem Verstand.
Wo das Unrecht, die Gestalt des Rechts annehmend, gänzlich als Recht erscheint, und wo ebenso das Recht, scheinbar die Gestalt des Unrechts tragend, in Wahrheit Recht bleibt - dies erkennen die Weisen mit ihrem Verstand.
So nehmen in der Notlage Recht und Unrecht, beide beständig im Verhalten, dieses wechselnde Merkmal an; wessen ursprüngliches Merkmal das Recht ist, dessen Handeln ist maßgeblich - vernimm dies, Sañjaya, als das 'Recht der Notlage' (Āpaddharma).
So nehmen in der Notlage Recht und Unrecht, beide beständig im Verhalten, dieses wechselnde Merkmal an; wessen ursprüngliches Merkmal das Recht ist, dessen Handeln ist maßgeblich - vernimm dies, Sañjaya, als das 'Recht der Notlage' (Āpaddharma).
luptāyāṃ tu prakṛtau yena karma; niṣpādayet tat parīpsed vihīnaḥ prakṛtisthaś cāpadi vartamāna; ubhau garhyau bhavataḥ saṃjayaitau
Wer aber, wenn seine natürliche Grundlage geschwunden ist, durch eine Tat sein verlorenes Wesen wiederherstellen will, während er in Wahrheit nur vorgibt verloren zu sein, und wer, obwohl er noch auf seiner Grundlage steht, sich dennoch als in einer Notlage befindlich ausgibt - beide sind tadelnswert, Sañjaya.
Wort für Wort
luptāyāṃ tu prakṛtau yena karma; niṣpādayet tat parīpsed vihīnaḥ prakṛtisthaś cāpadi vartamāna; ubhau garhyau bhavataḥ saṃjayaitau
Wer aber, wenn seine natürliche Grundlage geschwunden ist, durch eine Tat sein verlorenes Wesen wiederherstellen will, während er in Wahrheit nur vorgibt verloren zu sein, und wer, obwohl er noch auf seiner Grundlage steht, sich dennoch als in einer Notlage befindlich ausgibt - beide sind tadelnswert, Sañjaya.
Für die Brahmanen, die keinen Bruch ihrer Pflichten wünschen, hat der Ordner eine Buße für den Notfall vorgesehen; wer sich aber, ohne in einer Notlage zu sein, dennoch verbotenen Taten hingibt, den sollte man tadeln, Sañjaya.
Für die Brahmanen, die keinen Bruch ihrer Pflichten wünschen, hat der Ordner eine Buße für den Notfall vorgesehen; wer sich aber, ohne in einer Notlage zu sein, dennoch verbotenen Taten hingibt, den sollte man tadeln, Sañjaya.
manīṣiṇāṃ tattvavicchedanāya; vidhīyate satsu vṛttiḥ sadaiva abrāhmaṇāḥ santi tu ye na vaidyāḥ; sarvocchedaṃ sādhu manyeta tebhyaḥ
Zur Unterscheidung des Wesentlichen ist für die Weisen stets ein Verhalten nach den Rechtschaffenen vorgeschrieben; wer aber, ohne in den heiligen Schriften kundig zu sein, kein wahrer Brahmane ist, dessen gänzliche Verwerfung [aus dem Stand] könnte man für angemessen halten [?].
Wort für Wort
manīṣiṇāṃ tattvavicchedanāya; vidhīyate satsu vṛttiḥ sadaiva abrāhmaṇāḥ santi tu ye na vaidyāḥ; sarvocchedaṃ sādhu manyeta tebhyaḥ
Zur Unterscheidung des Wesentlichen ist für die Weisen stets ein Verhalten nach den Rechtschaffenen vorgeschrieben; wer aber, ohne in den heiligen Schriften kundig zu sein, kein wahrer Brahmane ist, dessen gänzliche Verwerfung [aus dem Stand] könnte man für angemessen halten [?].
Die genaue Reichweite dieser Aussage (Aberkennung des Brahmanenstatus bei fehlender Gelehrsamkeit) bleibt im Kontext unsicher.
tadarthā naḥ pitaro ye ca pūrve; pitāmahā ye ca tebhyaḥ pare 'nye prajñaiṣiṇo ye ca hi karma cakrur; nāsty antato nāsti nāstīti manye
Zu diesem Zweck haben unsere Väter, die früheren, die Großväter und die vor ihnen, die nach Weisheit strebten, gehandelt - am Ende, meine ich, gibt es kein Vergehen, kein Vergehen ihrer Taten.
Wort für Wort
tadarthā naḥ pitaro ye ca pūrve; pitāmahā ye ca tebhyaḥ pare 'nye prajñaiṣiṇo ye ca hi karma cakrur; nāsty antato nāsti nāstīti manye
Zu diesem Zweck haben unsere Väter, die früheren, die Großväter und die vor ihnen, die nach Weisheit strebten, gehandelt - am Ende, meine ich, gibt es kein Vergehen, kein Vergehen ihrer Taten.
yat kiṃ cid etad vittam asyāṃ pṛthivyāṃ; yad devānāṃ tridaśānāṃ paratra prājāpatyaṃ tridivaṃ brahmalokaṃ; nādharmataḥ saṃjaya kāmaye tat
Was auch immer an Reichtum es auf dieser Erde gibt, was den dreißig Göttern im Jenseits gehört, die Prajāpati-Welt, den dreifachen Himmel, die Brahma-Welt - all dies begehre ich nicht durch Unrecht, Sañjaya.
Wort für Wort
yat kiṃ cid etad vittam asyāṃ pṛthivyāṃ; yad devānāṃ tridaśānāṃ paratra prājāpatyaṃ tridivaṃ brahmalokaṃ; nādharmataḥ saṃjaya kāmaye tat
Was auch immer an Reichtum es auf dieser Erde gibt, was den dreißig Göttern im Jenseits gehört, die Prajāpati-Welt, den dreifachen Himmel, die Brahma-Welt - all dies begehre ich nicht durch Unrecht, Sañjaya.
Kṛṣṇa, der Herr des Rechts, geschickt, der Klugheit kundig, ein Verehrer der weisen Brahmanen, beherrscht die mancherlei überaus mächtigen Königs- und Bhoja-Fürsten.
Kṛṣṇa, der Herr des Rechts, geschickt, der Klugheit kundig, ein Verehrer der weisen Brahmanen, beherrscht die mancherlei überaus mächtigen Königs- und Bhoja-Fürsten.
yadi hy ahaṃ visṛjan syām agarhyo; yudhyamāno yadi jahyāṃ svadharmam mahāyaśāḥ keśavas tad bravītu; vāsudevas tūbhayor arthakāmaḥ
Wenn ich, indem ich auf Krieg verzichte, untadelig wäre, oder wenn ich, indem ich kämpfe, meine eigene Pflicht verletzen würde - so möge der hochberühmte Keśava dies entscheiden; denn Vāsudeva ist auf das Wohl beider Seiten bedacht.
Wort für Wort
yadi hy ahaṃ visṛjan syām agarhyo; yudhyamāno yadi jahyāṃ svadharmam mahāyaśāḥ keśavas tad bravītu; vāsudevas tūbhayor arthakāmaḥ
Wenn ich, indem ich auf Krieg verzichte, untadelig wäre, oder wenn ich, indem ich kämpfe, meine eigene Pflicht verletzen würde - so möge der hochberühmte Keśava dies entscheiden; denn Vāsudeva ist auf das Wohl beider Seiten bedacht.
Yudhiṣṭhira überlässt hier die letzte Entscheidung ausdrücklich Kṛṣṇa - Vorbereitung auf dessen bevorstehende Friedensgesandtschaft nach Hastināpura.
śaineyā hi caitrakāś cāndhakāś ca; vārṣṇeyabhojāḥ kaukurāḥ sṛñjayāś ca upāsīnā vāsudevasya buddhiṃ; nigṛhya śatrūn suhṛdo nandayanti
Denn die Śaineyas, Caitrakas, Andhakas, die Vārṣṇeyas und Bhojas, die Kukuras und Sṛñjayas, die sich Vāsudevas Rat anschließen, erfreuen, nachdem sie die Feinde bezwungen haben, ihre Freunde.
Wort für Wort
śaineyā hi caitrakāś cāndhakāś ca; vārṣṇeyabhojāḥ kaukurāḥ sṛñjayāś ca upāsīnā vāsudevasya buddhiṃ; nigṛhya śatrūn suhṛdo nandayanti
Denn die Śaineyas, Caitrakas, Andhakas, die Vārṣṇeyas und Bhojas, die Kukuras und Sṛñjayas, die sich Vāsudevas Rat anschließen, erfreuen, nachdem sie die Feinde bezwungen haben, ihre Freunde.
Die Vṛṣṇis und Andhakas, angeführt von Ugrasena, alle von Kṛṣṇa geleitet, Indra gleich, klug und von wahrhaftiger Tapferkeit, sind überaus mächtige, wohlhabende Yādavas.
Die Vṛṣṇis und Andhakas, angeführt von Ugrasena, alle von Kṛṣṇa geleitet, Indra gleich, klug und von wahrhaftiger Tapferkeit, sind überaus mächtige, wohlhabende Yādavas.
Babhru aus Kāśī gelangte zu höchstem Glanz, nachdem er Kṛṣṇa als seinen herrschenden Bruder gewonnen hatte - ihm lässt Vāsudeva Wünsche regnen wie eine Wolke am Ende des Sommers den Geschöpfen Regen bringt.
Babhru aus Kāśī gelangte zu höchstem Glanz, nachdem er Kṛṣṇa als seinen herrschenden Bruder gewonnen hatte - ihm lässt Vāsudeva Wünsche regnen wie eine Wolke am Ende des Sommers den Geschöpfen Regen bringt.
Dieser Babhru ist nicht mit Babhruvāhana, Arjunas Sohn, zu verwechseln, sondern ein sonst kaum belegter Yādava/Kāśi-Fürst.
īdṛśo 'yaṃ keśavas tāta bhūyo; vidmo hy enaṃ karmaṇāṃ niścayajñam priyaś ca naḥ sādhutamaś ca kṛṣṇo; nātikrame vacanaṃ keśavasya
Von solcher Art ist dieser Keśava, mein Lieber; wir kennen ihn ja als kundig in der Entschlossenheit seiner Taten; und Kṛṣṇa ist uns lieb und der Beste der Rechtschaffenen - ich werde das Wort Keśavas nicht übertreten.‘
Wort für Wort
īdṛśo 'yaṃ keśavas tāta bhūyo; vidmo hy enaṃ karmaṇāṃ niścayajñam priyaś ca naḥ sādhutamaś ca kṛṣṇo; nātikrame vacanaṃ keśavasya
Von solcher Art ist dieser Keśava, mein Lieber; wir kennen ihn ja als kundig in der Entschlossenheit seiner Taten; und Kṛṣṇa ist uns lieb und der Beste der Rechtschaffenen - ich werde das Wort Keśavas nicht übertreten.‘