Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 94: Dambhodbhavopākhyānam Paraśurāmas Gleichnis vom König Dambhodbhava

Nach Kṛṣṇas Rede sitzt die Versammlung sprachlos - niemand wagt eine Antwort. Da erhebt sich Paraśurāma (Jāmadagnya) und erzählt zur Mahnung ein altes Gleichnis: Der hochmütige Weltherrscher Dambhodbhava, der sich für unbesiegbar hielt, wurde von den Asketen Nara und Nārāyaṇa auf dem Gandhamādana gedemütigt - Nara besiegte ihn allein mit Schilfgrashalmen, ohne eine einzige Waffe. Paraśurāma deutet die Parabel: Nara und Nārāyaṇa sind niemand anders als Arjuna und Kṛṣṇa selbst, und ebenso unaufhaltsam wie Nara werde Arjuna sein, sollte es zum Krieg kommen. Er schließt mit der eindringlichen Mahnung, Frieden mit den Pāṇḍavas zu suchen und das eigene Geschlecht nicht durch Hochmut zu gefährden.

vaiśaṃpāyana uvāca tasminn abhihite vākye keśavena mahātmanā stimitā hṛṣṭaromāṇa āsan sarve sabhāsadaḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Als jenes Wort von dem hochgesinnten Keśava gesprochen war, saßen alle Versammlungsmitglieder erstarrt, mit gesträubtem Haar.

Wort für Wort
tasmin abhihite vākye
als jenes Wort gesprochen war (Lok. Sg. absol. Ppp.)
stimitāḥ hṛṣṭaromāṇaḥ
erstarrt, mit gesträubtem Haar (Nom. Pl., Bahuvrīhi)
āsan sarve sabhāsadaḥ
alle Versammlungsmitglieder saßen so (3. Pl. Ipf. Akt.)

kaḥ svid uttaram etasmād vaktum utsahate pumān iti sarve manobhis te cintayanti sma pārthivāḥ

‚Wer wohl wagt es, hierauf eine Antwort zu sprechen?‘ - so dachten alle jene Fürsten in ihren Herzen.

Wort für Wort
kaḥ svid uttaram ... vaktum utsahate pumān
wer wohl wagt es, eine Antwort zu sprechen (Nom. Sg. + Inf. + 3. Sg. Präs.)
sarve manobhiḥ te cintayanti sma pārthivāḥ
so dachten alle jene Fürsten in ihren Herzen (3. Pl. Ipf. periphr.)

[Anm.: SQ öffnet und schließt hier - kurzes, mit ,iti' markiertes Gedankenzitat der gesamten Versammlung, direkt in der Rahmenerzählung, da SQ nach Kap.93 auf Nullebene stand.]

tathā teṣu ca sarveṣu tūṣṇīṃbhūteṣu rājasu jāmadagnya idaṃ vākyam abravīt kurusaṃsadi

Während so alle jene Könige schweigend verharrten, sprach der Jāmadagnya (Paraśurāma) dieses Wort in der Kuru-Versammlung:

Wort für Wort
teṣu sarveṣu tūṣṇīṃbhūteṣu rājasu
während alle jene Könige schweigend verharrten (Lok. Pl. absol.)
jāmadagnyaḥ idaṃ vākyam abravīt
der Jāmadagnya sprach dieses Wort (Nom. Sg. + 3. Sg. Ipf. Akt.)
kurusaṃsadi
in der Kuru-Versammlung (Lok. Sg.)

[Anm.: ,Jāmadagnya' (,Sohn des Jamadagni') ist ein Beiname Paraśurāmas.]

imām ekopamāṃ rājañ śṛṇu satyām aśaṅkitaḥ tāṃ śrutvā śreya ādatsva yadi sādhv iti manyase

‚Höre, o König, ohne Zweifel dieses eine, wahre Gleichnis; nachdem du es gehört hast, nimm dir das Heilsame zu Herzen, wenn du es für gut hältst.

Wort für Wort
imām ekopamāṃ ... śṛṇu
höre dieses eine Gleichnis (Akk. Sg. + Imperativ)
satyām aśaṅkitaḥ
wahr, ohne Zweifel (Akk. Sg. fem. + Nom. Sg. Adj.)
śrutvā śreyaḥ ādatsva
gehört habend, nimm dir das Heilsame (Ger. + Imperativ Med.)

[Anm.: SQ öffnet hier - erste tatsächlich zitierte Rede Paraśurāmas, nachdem V.003 nur die Ankündigung berichtete.]

rājā dambhodbhavo nāma sārvabhaumaḥ purābhavat akhilāṃ bubhuje sarvāṃ pṛthivīm iti naḥ śrutam

Es gab einst einen König namens Dambhodbhava, einen Weltherrscher; er genoss, wie wir gehört haben, die ganze Erde vollständig.

Wort für Wort
rājā dambhodbhavaḥ nāma sārvabhaumaḥ
ein König namens Dambhodbhava, ein Weltherrscher (Nom. Sg.)
purā abhavat
er lebte einst (3. Sg. Ipf. Akt.)
akhilāṃ sarvāṃ pṛthivīm bubhuje
er genoss die ganze, vollständige Erde (Akk. Sg. + 3. Sg. Perf. Med.)

sa sma nityaṃ niśāpāye prātar utthāya vīryavān brāhmaṇān kṣatriyāṃś caiva pṛcchann āste mahārathaḥ

Dieser, der kraftvolle Großwagenkämpfer, pflegte stets, am Ende der Nacht in der Frühe erhoben, Brahmanen und Kṣatriyas zu befragen, indem er dasaß:

Wort für Wort
nityaṃ niśāpāye prātar utthāya
stets am Ende der Nacht in der Frühe erhoben (Adv. + Lok. + Ger.)
vīryavān ... mahārathaḥ
der kraftvolle Großwagenkämpfer (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
brāhmaṇān kṣatriyān ca eva pṛcchan āste
Brahmanen und Kṣatriyas befragend saß er da (Akk. Pl. + Part. Präs. + 3. Sg. Präs.)

asti kaś cid viśiṣṭo vā madvidho vā bhaved yudhi śūdro vaiśyaḥ kṣatriyo vā brāhmaṇo vāpi śastrabhṛt

„Gibt es irgendeinen, der überlegen oder mir gleich wäre im Kampf - ein Śūdra, ein Vaiśya, ein Kṣatriya oder auch ein waffentragender Brahmane?“

Wort für Wort
asti kaś cid viśiṣṭaḥ vā madvidhaḥ vā
gibt es irgendeinen Überlegenen oder mir Gleichen (3. Sg. Präs. + Nom. Sg.)
bhavet yudhi
er möge sein im Kampf (Opt. + Lok.)
śūdraḥ vaiśyaḥ kṣatriyaḥ vā brāhmaṇaḥ vā api śastrabhṛt
ein Śūdra, Vaiśya, Kṣatriya oder auch ein waffentragender Brahmane (Nom. Sg., Aufzählung)

[Anm.: CQ öffnet und schließt hier - Dambhodbhavas eigene, in V.008 mit ,iti bruvan' (,so sprechend') gerahmte Prahlerei, als eingebettetes Zitat innerhalb Paraśurāmas Erzählung (zweite Zitatebene).]

iti bruvann anvacarat sa rājā pṛthivīm imām darpeṇa mahatā mattaḥ kaṃ cid anyam acintayan

So sprechend durchzog jener König diese Erde, von großem Hochmut berauscht, ohne an irgendjemand anderen zu denken.

Wort für Wort
iti bruvan anvacarat
so sprechend durchzog er (Part. Präs. + 3. Sg. Ipf. Akt.)
darpeṇa mahatā mattaḥ
von großem Hochmut berauscht (Instr. Sg. + Nom. Sg. Ppp.)
kaṃ cid anyam acintayan
ohne an irgendjemand anderen zu denken (Akk. + Part. Präs. Neg.)

taṃ sma vaidyā akṛpaṇā brāhmaṇāḥ sarvato 'bhayāḥ pratyaṣedhanta rājānaṃ ślāghamānaṃ punaḥ punaḥ

Ihn pflegten weise, unbekümmerte, von allen Seiten furchtlose Brahmanen, den sich immer wieder rühmenden König, zurückzuweisen.

Wort für Wort
vaidyāḥ akṛpaṇāḥ ... abhayāḥ brāhmaṇāḥ
weise, unbekümmerte, furchtlose Brahmanen (Nom. Pl., Adj.)
pratyaṣedhanta rājānaṃ
sie wiesen den König zurück (3. Pl. Ipf. Med.)
ślāghamānaṃ punaḥ punaḥ
den sich immer wieder rühmenden (Akk. Sg. Part. Präs. Med.)

pratiṣidhyamāno 'py asakṛt pṛcchaty eva sa vai dvijān abhimānī śriyā mattas tam ūcur brāhmaṇās tadā

Obwohl er wiederholt zurückgewiesen wurde, fragte jener Hochmütige, von seiner Herrlichkeit Berauschte, die Zweifachgeborenen dennoch immer wieder; da sprachen die Brahmanen zu ihm:

Wort für Wort
pratiṣidhyamānaḥ api asakṛt
obwohl wiederholt zurückgewiesen (Nom. Sg. Part. Präs. Pass.)
abhimānī śriyā mattaḥ
der Hochmütige, von seiner Herrlichkeit berauscht (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
tam ūcuḥ brāhmaṇāḥ tadā
da sprachen die Brahmanen zu ihm (3. Pl. Perf. Akt.)

tapasvino mahātmāno vedavratasamanvitāḥ udīryamāṇaṃ rājānaṃ krodhadīptā dvijātayaḥ

die büßenden, hochgesinnten, mit Veda-Gelübden ausgestatteten, vor Zorn entflammten Zweifachgeborenen, zu dem sich rühmenden König:

Wort für Wort
tapasvinaḥ mahātmānaḥ vedavratasamanvitāḥ
büßend, hochgesinnt, mit Veda-Gelübden ausgestattet (Nom. Pl., Adj.)
udīryamāṇaṃ rājānaṃ
zu dem sich rühmenden König (Akk. Sg. Part. Präs. Pass.)
krodhadīptāḥ dvijātayaḥ
die vor Zorn entflammten Zweifachgeborenen (Nom. Pl., Bahuvrīhi)

[Anm.: Reine Beschreibung der Sprecher vor dem eigentlichen Zitatbeginn in V.012 - noch keine SQ/CQ-Markierung, dem etablierten Prinzip folgend (Zitatmarkierung erst dort, wo der tatsächliche Inhalt beginnt).]

anekajananaṃ sakhyaṃ yayoḥ puruṣasiṃhayoḥ tayos tvaṃ na samo rājan bhavitāsi kadā cana

„Die Freundschaft jener beiden Löwen unter den Männern, die sich durch viele Geburten erstreckt - ihnen wirst du, o König, niemals gleichkommen.“

Wort für Wort
anekajananaṃ sakhyaṃ yayoḥ puruṣasiṃhayoḥ
die Freundschaft jener beiden Löwen unter den Männern, die sich über viele Geburten erstreckt (Nom. Sg. + Gen. Dual)
tayoḥ tvaṃ na samaḥ ... bhavitāsi kadā cana
ihnen wirst du niemals gleichkommen (Gen. Dual + Fut. Periphr.)

evam uktaḥ sa rājā tu punaḥ papraccha tān dvijān kva tau vīrau kvajanmānau kiṃkarmāṇau ca kau ca tau

So angesprochen, fragte jener König die Zweifachgeborenen abermals: „Wo sind jene beiden Helden? Von welcher Geburt? Welcher Taten? Und wer sind sie?“

Wort für Wort
evam uktaḥ sa rājā
so angesprochen, jener König (Nom. Sg. Ppp.)
punaḥ papraccha tān dvijān
abermals fragte er die Zweifachgeborenen (3. Sg. Perf. Akt. + Akk. Pl.)
kva tau vīrau kvajanmānau kiṃkarmāṇau ca kau ca tau
wo, von welcher Geburt, welcher Taten, wer sind jene beiden (Fragepronomina, Nom./Lok. Dual)

brāhmaṇā ūcuḥ naro nārāyaṇaś caiva tāpasāv iti naḥ śrutam āyātau mānuṣe loke tābhyāṃ yudhyasva pārthiva

Die Brahmanen sprachen: „Nara und Nārāyaṇa, die beiden Asketen - so haben wir gehört - sind in die Welt der Menschen gekommen; mit ihnen kämpfe, o Fürst.

Wort für Wort
brāhmaṇāḥ ūcuḥ
die Brahmanen sprachen (3. Pl. Perf. Akt.)
naraḥ nārāyaṇaḥ ca eva tāpasau
Nara und Nārāyaṇa, die beiden Asketen (Nom. Dual)
iti naḥ śrutam āyātau mānuṣe loke
so haben wir gehört, sie seien in die Menschenwelt gekommen (Nom. Dual Ppp. + Lok.)
tābhyāṃ yudhyasva pārthiva
mit ihnen kämpfe, o Fürst (Instr. Dual + Imperativ Med.)

śrūyate tau mahātmānau naranārāyaṇāv ubhau tapo ghoram anirdeśyaṃ tapyete gandhamādane

Man hört, dass jene beiden Hochgesinnten, Nara und Nārāyaṇa, eine schreckliche, unbeschreibliche Askese auf dem Gandhamādana üben.“

Wort für Wort
śrūyate
man hört (3. Sg. Präs. Pass.)
tau mahātmānau naranārāyaṇau ubhau
jene beiden Hochgesinnten, Nara und Nārāyaṇa (Nom. Dual)
tapaḥ ghoram anirdeśyaṃ tapyete
sie üben eine schreckliche, unbeschreibliche Askese (Akk. Sg. + 3. Dual Präs. Med.)
gandhamādane
auf dem Gandhamādana-Berg (Lok. Sg.)

[Anm.: CQ schließt hier - Ende der Antwort der Brahmanen; ab V.016 kehrt mit ,rāma uvāca' Paraśurāmas eigene Erzählstimme zurück (kein neues SQ nötig, da derselbe Sprecher fortfährt).]

rāma uvāca sa rājā mahatīṃ senāṃ yojayitvā ṣaḍaṅginīm amṛṣyamāṇaḥ saṃprāyād yatra tāv aparājitau

Rāma sprach: Jener König, nachdem er ein großes, sechsteiliges Heer aufgeboten hatte, unfähig, dies zu ertragen, zog dorthin, wo jene beiden Unbesiegten waren.

Wort für Wort
mahatīṃ senāṃ yojayitvā ṣaḍaṅginīm
ein großes, sechsteiliges Heer aufgeboten habend (Ger. + Akk.)
amṛṣyamāṇaḥ
unfähig es zu ertragen (Nom. Sg. Part. Präs. Med.)
saṃprāyāt yatra tau aparājitau
er zog dorthin, wo jene beiden Unbesiegten waren (3. Sg. Ipf. Akt. + Akk. Dual)

sa gatvā viṣamaṃ ghoraṃ parvataṃ gandhamādanam mṛgayāṇo 'nvagacchat tau tāpasāv aparājitau

Er, dorthin gegangen zu dem unwegsamen, schrecklichen Berg Gandhamādana, suchend, näherte er sich jenen beiden unbesiegten Asketen.

Wort für Wort
viṣamaṃ ghoraṃ parvataṃ gandhamādanam gatvā
zu dem unwegsamen, schrecklichen Berg Gandhamādana gegangen (Ger. + Akk.)
mṛgayāṇaḥ anvagacchat
suchend näherte er sich (Part. Präs. Med. + 3. Sg. Ipf. Akt.)
tau tāpasau aparājitau
jene beiden unbesiegten Asketen (Akk. Dual)

tau dṛṣṭvā kṣutpipāsābhyāṃ kṛśau dhamanisaṃtatau śītavātātapaiś caiva karśitau puruṣottamau abhigamyopasaṃgṛhya paryapṛcchad anāmayam

Als er die beiden sah, abgezehrt von Hunger und Durst, deren Adern hervortraten, von Kälte, Wind und Sonnenhitze ausgemergelt, die beiden vortrefflichsten Männer, trat er heran, umarmte sie und erkundigte sich nach ihrem Wohlergehen.

Wort für Wort
tau dṛṣṭvā
als er die beiden sah (Ger. + Akk. Dual)
kṣutpipāsābhyāṃ kṛśau dhamanisaṃtatau
abgezehrt von Hunger und Durst, mit hervortretenden Adern (Akk. Dual, Bahuvrīhi)
śītavātātapaiḥ karśitau puruṣottamau
von Kälte, Wind, Hitze ausgemergelt, die beiden vortrefflichsten Männer (Akk. Dual Ppp.)
abhigamya upasaṃgṛhya paryapṛcchad anāmayam
herangetreten, umarmt, er erkundigte sich nach dem Wohlergehen (Ger. + 3. Sg. Ipf. Akt. + Akk.)

tam arcitvā mūlaphalair āsanenodakena ca nyamantrayetāṃ rājānaṃ kiṃ kāryaṃ kriyatām iti

Nachdem sie ihn mit Wurzeln und Früchten, mit einem Sitz und mit Wasser geehrt hatten, luden die beiden den König ein: „Was ist zu tun? Was sollen wir für dich tun?“

Wort für Wort
tam arcitvā mūlaphalaiḥ āsanena udakena ca
ihn mit Wurzeln, Früchten, Sitz und Wasser geehrt habend (Ger. + Instr.)
nyamantrayetāṃ rājānaṃ
die beiden luden den König ein (3. Dual Ipf. Med.)
kiṃ kāryaṃ kriyatām
was ist zu tun, was soll getan werden (Frage + 3. Sg. Imperativ Pass.)

dambhodbhava uvāca bāhubhyāṃ me jitā bhūmir nihatāḥ sarvaśatravaḥ bhavadbhyāṃ yuddham ākāṅkṣann upayāto 'smi parvatam ātithyaṃ dīyatām etat kāṅkṣitaṃ me ciraṃ prati

Dambhodbhava sprach: „Mit meinen beiden Armen habe ich die Erde erobert, alle Feinde erschlagen; nach einem Kampf mit euch beiden verlangend bin ich zu diesem Berg gekommen. Gewährt mir diese Gastfreundschaft - dies habe ich lange ersehnt.“

Wort für Wort
bāhubhyāṃ me jitā bhūmiḥ
mit meinen beiden Armen habe ich die Erde erobert (Instr. Dual + Nom. Sg. fem. Ppp.)
nihatāḥ sarvaśatravaḥ
alle Feinde erschlagen (Nom. Pl. Ppp.)
bhavadbhyāṃ yuddham ākāṅkṣan upayātaḥ asmi parvatam
nach Kampf mit euch beiden verlangend bin ich zum Berg gekommen (Instr. Dual + Part. Präs. + Nom. Sg. Ppp.)
ātithyaṃ dīyatām etat kāṅkṣitaṃ me ciraṃ prati
diese Gastfreundschaft werde gewährt, dies habe ich lange ersehnt (3. Sg. Imperativ Pass. + Akk.)

naranārāyaṇāv ūcatuḥ apetakrodhalobho 'yam āśramo rājasattama na hy asminn āśrame yuddhaṃ kutaḥ śastraṃ kuto 'nṛjuḥ anyatra yuddham ākāṅkṣva bahavaḥ kṣatriyāḥ kṣitau

Nara und Nārāyaṇa sprachen: „Frei von Zorn und Gier ist diese Einsiedelei, o Bester der Könige; denn in dieser Einsiedelei gibt es keinen Kampf - woher eine Waffe, woher Arglist? Suche den Kampf anderswo; viele Kṣatriyas gibt es auf Erden.“

Wort für Wort
apetakrodhalobhaḥ ayam āśramaḥ
frei von Zorn und Gier ist diese Einsiedelei (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
na asmin āśrame yuddhaṃ kutaḥ śastraṃ kutaḥ anṛjuḥ
in dieser Einsiedelei gibt es keinen Kampf, keine Waffe, keine Arglist (Neg. + Lok. + Fragepartikel)
anyatra yuddham ākāṅkṣva
suche den Kampf anderswo (Adv. + Imperativ Med.)
bahavaḥ kṣatriyāḥ kṣitau
viele Kṣatriyas gibt es auf Erden (Nom. Pl. + Lok.)

[Anm.: Sprecherwechsel innerhalb der offenen SQ - CQ schließt V.020 (Dambhodbhava) und öffnet unmittelbar neu in V.021 (Nara-Nārāyaṇa), close-then-reopen wie bei echtem Sprecherwechsel üblich; hier vollständig innerhalb je eines Verses.]

rāma uvāca ucyamānas tathāpi sma bhūya evābhyabhāṣata punaḥ punaḥ kṣamyamāṇaḥ sāntvyamānaś ca bhārata dambhodbhavo yuddham icchann āhvayaty eva tāpasau

Rāma sprach: Obwohl so angesprochen, redete Dambhodbhava dennoch immer wieder von Neuem; obgleich um Nachsicht gebeten und besänftigt, o Bhārata, forderte er, nach Kampf begehrend, die beiden Asketen immer wieder heraus.

Wort für Wort
ucyamānaḥ tathāpi
obwohl so angesprochen (Nom. Sg. Part. Präs. Pass.)
bhūyaḥ eva abhyabhāṣata punaḥ punaḥ
er redete immer wieder von Neuem (3. Sg. Ipf. Med.)
kṣamyamāṇaḥ sāntvyamānaḥ ca
um Nachsicht gebeten und besänftigt (Nom. Sg. Part. Präs. Pass.)
yuddham icchan āhvayati eva tāpasau
kampfbegierig forderte er die beiden Asketen heraus (Part. Präs. + 3. Sg. Präs. Akt. + Akk. Dual)

tato naras tv iṣīkāṇāṃ muṣṭim ādāya kaurava abravīd ehi yudhyasva yuddhakāmuka kṣatriya

Da nahm Nara, o Kaurava, ein Bündel Schilfgras und sprach: „Komm, kämpfe, o kampflustiger Kṣatriya.

Wort für Wort
naraḥ iṣīkāṇāṃ muṣṭim ādāya
Nara, ein Bündel Schilfgras genommen habend (Ger. + Akk.)
abravīt ehi yudhyasva
er sprach: komm, kämpfe (3. Sg. Ipf. Akt. + 2 Imperative)
yuddhakāmuka kṣatriya
o kampflustiger Kṣatriya (Vok. Sg.)

sarvaśastrāṇi cādatsva yojayasva ca vāhinīm ahaṃ hi te vineṣyāmi yuddhaśraddhām itaḥ param

Und nimm alle deine Waffen und stelle dein Heer bereit; denn ich werde dir von nun an die Lust am Kämpfen austreiben.“

Wort für Wort
sarvaśastrāṇi ca ādatsva
und nimm alle deine Waffen (Akk. Pl. + Imperativ Med.)
yojayasva ca vāhinīm
und stelle dein Heer bereit (Imperativ Med. + Akk.)
ahaṃ te vineṣyāmi yuddhaśraddhām itaḥ param
ich werde dir von nun an die Kampflust austreiben (1. Sg. Fut. Akt.)

[Anm.: CQ schließt hier - Ende von Naras kurzer Herausforderung.]

dambhodbhava uvāca yady etad astram asmāsu yuktaṃ tāpasa manyase etenāpi tvayā yotsye yuddhārthī hy aham āgataḥ

Dambhodbhava sprach: „Wenn du meinst, o Asket, dass diese Waffe gegen uns angemessen sei, so werde ich auch mit dieser gegen dich kämpfen; denn kampfbegierig bin ich gekommen.“

Wort für Wort
yadi etat astram asmāsu yuktaṃ ... manyase
wenn du meinst, diese Waffe sei gegen uns angemessen (Bed. + Akk. + 2. Sg. Präs. Med.)
etena api tvayā yotsye
auch mit dieser werde ich gegen dich kämpfen (Instr. + 1. Sg. Fut. Med.)
yuddhārthī hi aham āgataḥ
denn kampfbegierig bin ich gekommen (Nom. Sg., Bahuvrīhi + Nom. Sg. Ppp.)

[Anm.: Erneuter Sprecherwechsel, CQ schließt V.024 und öffnet/schließt wieder in V.025.]

rāma uvāca ity uktvā śaravarṣeṇa sarvataḥ samavākirat dambhodbhavas tāpasaṃ taṃ jighāṃsuḥ sahasainikaḥ

Rāma sprach: So sprechend überschüttete Dambhodbhava, ihn (den Asketen) zu töten trachtend, samt seinen Kriegern, jenen Asketen von allen Seiten mit einem Pfeilregen.

Wort für Wort
ity uktvā
so gesprochen habend (Ger.)
śaravarṣeṇa sarvataḥ samavākirat
er überschüttete ihn von allen Seiten mit einem Pfeilregen (Instr. + 3. Sg. Ipf. Akt.)
tāpasaṃ taṃ jighāṃsuḥ sahasainikaḥ
jenen Asketen zu töten trachtend, samt seinen Kriegern (Akk. + Nom. Sg., Bahuvrīhi)

tasya tān asyato ghorān iṣūn paratanucchidaḥ kadarthīkṛtya sa munir iṣīkābhir apānudat

Dessen schreckliche, fremde Leiber durchtrennende, geschossene Pfeile machte jener Weise zunichte und wehrte sie mit Schilfgrashalmen ab.

Wort für Wort
tasya asyataḥ ghorān iṣūn paratanucchidaḥ
dessen geschossene, schreckliche, fremde Leiber durchtrennende Pfeile (Gen. + Part. Präs. + Akk. Pl., Bahuvrīhi)
kadarthīkṛtya
zunichte gemacht habend (Ger., Denom.)
sa muniḥ iṣīkābhiḥ apānudat
jener Weise wehrte sie mit Schilfgrashalmen ab (Nom. Sg. + Instr. Pl. + 3. Sg. Ipf. Akt.)

tato 'smai prāsṛjad ghoram aiṣīkam aparājitaḥ astram apratisaṃdheyaṃ tad adbhutam ivābhavat

Dann entsandte der Unbesiegte gegen ihn die schreckliche Schilfgras-Waffe, jene nicht wieder zurücknehmbare Waffe; dies erschien wie ein Wunder.

Wort für Wort
asmai prāsṛjad ghoram aiṣīkam
gegen ihn entsandte er die schreckliche Schilfgras-Waffe (Dat. + 3. Sg. Ipf. Akt. + Akk.)
aparājitaḥ
der Unbesiegte (Nom. Sg., Beiname Naras)
astram apratisaṃdheyaṃ
die nicht wieder zurücknehmbare Waffe (Akk. Sg. Ger.)
tad adbhutam iva abhavat
dies erschien wie ein Wunder (3. Sg. Ipf. Akt. + Vergleich)

teṣām akṣīṇi karṇāṃś ca nastakāṃś caiva māyayā nimittavedhī sa munir iṣīkābhiḥ samarpayat

Deren Augen, Ohren und Nasen durchbohrte jener Weise, der jedes Ziel trifft, mit den Schilfgrashalmen, wie durch Zauberkraft.

Wort für Wort
teṣām akṣīṇi karṇān ca nastakān ca
deren Augen, Ohren und Nasen (Gen. Pl. + Akk. Pl.)
māyayā nimittavedhī
wie durch Zauberkraft, der jedes Ziel trifft (Instr. + Nom. Sg., Bahuvrīhi)
sa munir iṣīkābhiḥ samarpayat
jener Weise durchbohrte sie mit den Schilfgrashalmen (Nom. Sg. + Instr. Pl. + 3. Sg. Ipf. Kausativ)

sa dṛṣṭvā śvetam ākāśam iṣīkābhiḥ samācitam pādayor nyapatad rājā svasti me 'stv iti cābravīt

Als jener König den Himmel weiß sah, angefüllt mit Schilfgrashalmen, fiel er ihm zu Füßen und sprach: „Möge es mir wohl ergehen!“

Wort für Wort
śvetam ākāśam iṣīkābhiḥ samācitam dṛṣṭvā
den Himmel weiß, mit Schilfgrashalmen angefüllt, gesehen habend (Ger. + Akk.)
pādayoḥ nyapatad rājā
der König fiel ihm zu Füßen (Lok. Dual + 3. Sg. Ipf. Akt.)
svasti me astu iti abravīt
er sprach: möge es mir wohl ergehen (Opt. 3. Sg. + Zitatpartikel + 3. Sg. Ipf. Akt.)

tam abravīn naro rājañ śaraṇyaḥ śaraṇaiṣiṇām brahmaṇyo bhava dharmātmā mā ca smaivaṃ punaḥ kṛthāḥ

Zu ihm sprach Nara, o König, der Zuflucht der Zuflucht-Suchenden: „Sei den Brahmanen zugetan, sei von rechtem Sinn, und tue dies nie wieder.

Wort für Wort
tam abravīn naro rājan
zu ihm sprach Nara, o König (3. Sg. Ipf. Akt.)
śaraṇyaḥ śaraṇaiṣiṇām
der Zuflucht der Zuflucht-Suchenden (Nom. Sg. + Gen. Pl.)
brahmaṇyo bhava dharmātmā
sei den Brahmanen zugetan, von rechtem Sinn (Imperativ + Nom. Sg. Adj.)
mā ca sma evaṃ punaḥ kṛthāḥ
und tue dies nie wieder (Neg. Aor. Inj.)

[Anm.: Erneuter Sprecherwechsel - CQ öffnet neu für Naras Mahnrede an den nun gedemütigten Dambhodbhava.]

mā ca darpasamāviṣṭaḥ kṣepsīḥ kāṃś cit kadā cana alpīyāṃsaṃ viśiṣṭaṃ vā tat te rājan paraṃ hitam

Und, von Hochmut ergriffen, verachte niemals irgendjemanden, sei er geringer oder überlegen - dies, o König, ist dein höchstes Heil.

Wort für Wort
mā ca darpasamāviṣṭaḥ kṣepsīḥ kāṃś cit kadā cana
und, von Hochmut ergriffen, verachte niemals irgendjemanden (Neg. Aor. Inj. + Nom. Sg. Ppp.)
alpīyāṃsaṃ viśiṣṭaṃ vā
sei er geringer oder überlegen (Akk. Sg., Komp./Superl.)
tat te ... paraṃ hitam
dies ist dein höchstes Heil (Nom. Sg.)

kṛtaprajño vītalobho nirahaṃkāra ātmavān dāntaḥ kṣānto mṛduḥ kṣemaḥ prajāḥ pālaya pārthiva

Sei einsichtig, frei von Gier, ohne Ich-Dünkel, selbstbeherrscht, gezähmt, geduldig, milde, sicher - beschütze dein Volk, o Fürst.

Wort für Wort
kṛtaprajñaḥ vītalobhaḥ nirahaṃkāraḥ ātmavān
einsichtig, frei von Gier, ohne Ich-Dünkel, selbstbeherrscht (Nom. Sg., Adj.-Reihe)
dāntaḥ kṣāntaḥ mṛduḥ kṣemaḥ
gezähmt, geduldig, milde, sicher (Nom. Sg., Adj.-Reihe)
prajāḥ pālaya pārthiva
beschütze dein Volk, o Fürst (Akk. Pl. + Imperativ)

anujñātaḥ svasti gaccha maivaṃ bhūyaḥ samācareḥ kuśalaṃ brāhmaṇān pṛccher āvayor vacanād bhṛśam

Mit unserer Erlaubnis gehe in Frieden; handle nie wieder so; erkundige dich eifrig nach dem Wohlergehen der Brahmanen, auf unser beider Wort hin.“

Wort für Wort
anujñātaḥ svasti gaccha
mit Erlaubnis entlassen, gehe in Frieden (Nom. Sg. Ppp. + Imperativ)
mā evaṃ bhūyaḥ samācareḥ
handle nie wieder so (Neg. Opt. 2. Sg.)
kuśalaṃ brāhmaṇān pṛccheḥ āvayoḥ vacanād bhṛśam
erkundige dich eifrig nach dem Wohlergehen der Brahmanen, auf unser beider Wort (Akk. + 2. Sg. Opt. + Gen. Dual + Abl.)

[Anm.: CQ schließt hier - Ende von Naras Mahnrede an Dambhodbhava.]

tato rājā tayoḥ pādāv abhivādya mahātmanoḥ pratyājagāma svapuraṃ dharmaṃ caivācinod bhṛśam

Da verneigte sich der König vor den Füßen der beiden Hochgesinnten und kehrte in seine eigene Stadt zurück und widmete sich fortan eifrig dem Dharma.

Wort für Wort
tayoḥ pādau abhivādya mahātmanoḥ
vor den Füßen der beiden Hochgesinnten sich verneigt habend (Ger. + Akk. Dual)
pratyājagāma svapuraṃ
er kehrte in seine eigene Stadt zurück (3. Sg. Perf. Akt. + Akk.)
dharmaṃ ca eva ācinod bhṛśam
und widmete sich fortan eifrig dem Dharma (Akk. + 3. Sg. Ipf. Akt.)

sumahac cāpi tat karma yan nareṇa kṛtaṃ purā tato guṇaiḥ subahubhiḥ śreṣṭho nārāyaṇo 'bhavat

Und sehr groß war auch jene Tat, die einst von Nara vollbracht wurde; doch durch seine überaus zahlreichen Tugenden wurde Nārāyaṇa der Vorzüglichere.

Wort für Wort
sumahat ... tat karma yat nareṇa kṛtaṃ purā
sehr groß war jene Tat, die einst von Nara vollbracht wurde (Nom. Sg. + Instr. + Ppp.)
guṇaiḥ subahubhiḥ śreṣṭhaḥ nārāyaṇaḥ abhavat
durch überaus zahlreiche Tugenden wurde Nārāyaṇa der Vorzüglichere (Instr. Pl. + Nom. Sg. Komp. + 3. Sg. Ipf. Akt.)

tasmād yāvad dhanuḥśreṣṭhe gāṇḍīve 'straṃ na yujyate tāvat tvaṃ mānam utsṛjya gaccha rājan dhanaṃjayam

Darum: solange am vorzüglichsten Bogen Gāṇḍīva noch kein Geschoss angelegt ist, so lange gehe du, deinen Stolz aufgebend, o König, zu Dhanaṃjaya.

Wort für Wort
yāvad dhanuḥśreṣṭhe gāṇḍīve astraṃ na yujyate
solange am vorzüglichsten Bogen Gāṇḍīva kein Geschoss angelegt ist (Konj. + Lok. + Neg. + 3. Sg. Präs. Pass.)
tāvat tvaṃ mānam utsṛjya gaccha
so lange gehe du, deinen Stolz aufgebend (Ger. + Imperativ)
rājan dhanaṃjayam
o König, zu Dhanaṃjaya (Vok. + Akk.)

[Anm.: Der Adressat ,rājan' wechselt hier möglicherweise faktisch von Dhṛtarāṣṭra zu Duryodhana, an den sich die konkrete Mahnung richtet, persönlich vor Arjuna nachzugeben - die formale Anrede an den ,König' bleibt jedoch, wie im Sanskrit, uneindeutig [?] und wird entsprechend beibehalten.]

kākudīkaṃ śukaṃ nākam akṣisaṃtarjanaṃ tathā saṃtānaṃ nartanaṃ ghoram āsyamodakam aṣṭamam

die acht Geschosse: Kākudīka, Śuka, Nāka, ebenso Akṣisaṃtarjana, Saṃtāna, das schreckliche Nartana und als achtes Āsyamodaka -

Wort für Wort
kākudīkaṃ śukaṃ nākam
Kākudīka, Śuka, Nāka (Akk. Sg., Eigennamen der Waffen)
akṣisaṃtarjanaṃ saṃtānaṃ nartanaṃ ghoram
Akṣisaṃtarjana, Saṃtāna, das schreckliche Nartana (Akk. Sg., Eigennamen)
āsyamodakam aṣṭamam
Āsyamodaka als achtes (Akk. Sg.)

[Anm.: Aufzählung von acht besonderen, mythischen Pfeilwaffen Arjunas; die genauen Wirkweisen mancher Namen (z.B. ,Kākudīka') sind unsicher [?] und werden daher unübersetzt als Eigennamen belassen.]

etair viddhāḥ sarva eva maraṇaṃ yānti mānavāḥ unmattāś ca viceṣṭante naṣṭasaṃjñā vicetasaḥ

von diesen getroffen, gehen alle Menschen dem Tod entgegen, oder sie gebärden sich wie von Sinnen, ihres Bewusstseins beraubt, verwirrten Geistes,

Wort für Wort
etaiḥ viddhāḥ sarve eva maraṇaṃ yānti mānavāḥ
von diesen getroffen, gehen alle Menschen dem Tod entgegen (Instr. Pl. Ppp. + 3. Pl. Präs. Akt.)
unmattāḥ ca viceṣṭante
oder sie gebärden sich wie von Sinnen (Nom. Pl. + 3. Pl. Präs. Med.)
naṣṭasaṃjñāḥ vicetasaḥ
ihres Bewusstseins beraubt, verwirrten Geistes (Nom. Pl., Bahuvrīhi)

svapante ca plavante ca chardayanti ca mānavāḥ mūtrayante ca satataṃ rudanti ca hasanti ca

sie schlafen ein, sie taumeln, sie erbrechen, die Menschen, sie lassen fortwährend Wasser, sie weinen und sie lachen.

Wort für Wort
svapante ca plavante ca chardayanti ca
sie schlafen ein, sie taumeln, sie erbrechen (3. Pl. Präs., Verbreihe)
mūtrayante ca satataṃ
sie lassen fortwährend Wasser (3. Pl. Präs. Denom. + Adv.)
rudanti ca hasanti ca
sie weinen und sie lachen (3. Pl. Präs.)

asaṃkhyeyā guṇāḥ pārthe tadviśiṣṭo janārdanaḥ tvam eva bhūyo jānāsi kuntīputraṃ dhanaṃjayam

Unzählbar sind die Vorzüge des Pārtha (Arjuna); Janārdana (Kṛṣṇa) ist noch überlegener als er; du selbst kennst den Sohn der Kuntī, Dhanaṃjaya, besser als andere.

Wort für Wort
asaṃkhyeyāḥ guṇāḥ pārthe
unzählbar sind die Vorzüge des Pārtha (Nom. Pl. + Lok.)
tadviśiṣṭaḥ janārdanaḥ
Janārdana, der ihn noch übertrifft (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
tvam eva bhūyaḥ jānāsi kuntīputraṃ dhanaṃjayam
du selbst kennst den Sohn der Kuntī, Dhanaṃjaya, noch mehr (2. Sg. Präs. + Akk.)

naranārāyaṇau yau tau tāv evārjunakeśavau vijānīhi mahārāja pravīrau puruṣarṣabhau

Jene beiden, Nara und Nārāyaṇa - erkenne, dass eben sie Arjuna und Keśava sind, o Großkönig, jene beiden gewaltigen Helden, Stiere unter den Männern.

Wort für Wort
naranārāyaṇau yau tau
jene beiden, die Nara und Nārāyaṇa sind (Nom. Dual)
tau eva arjunakeśavau vijānīhi
erkenne, dass eben sie Arjuna und Keśava sind (Nom. Dual + Imperativ)
pravīrau puruṣarṣabhau
die beiden gewaltigen Helden, Stiere unter den Männern (Nom. Dual, Apposition)

yady etad evaṃ jānāsi na ca mām atiśaṅkase āryāṃ matiṃ samāsthāya śāmya bhārata pāṇḍavaiḥ

Wenn du dies so weißt und mir nicht übermäßig misstraust, so fasse einen edlen Entschluss und mache Frieden, o Bhārata, mit den Pāṇḍavas.

Wort für Wort
yadi etad evaṃ jānāsi
wenn du dies so weißt (Bed. + 2. Sg. Präs.)
na ca mām atiśaṅkase
und mir nicht übermäßig misstraust (Neg. + 2. Sg. Präs. Med.)
āryāṃ matiṃ samāsthāya śāmya bhārata pāṇḍavaiḥ
einen edlen Entschluss gefasst habend, mache Frieden mit den Pāṇḍavas (Ger. + Imperativ + Instr.)

atha cen manyase śreyo na me bhedo bhaved iti praśāmya bharataśreṣṭha mā ca yuddhe manaḥ kṛthāḥ

Wenn du aber denkst, es sei besser, wenn durch mich keine Zwietracht entstehe, so besänftige dich dennoch, o Vorzüglichster der Bharatas, und richte deinen Sinn nicht auf den Krieg.

Wort für Wort
atha cet manyase śreyaḥ
wenn du aber denkst, es sei besser (Bed. + 2. Sg. Präs. Med.)
na me bhedo bhaved iti
dass durch mich keine Zwietracht entstehe (Neg. + Nom. Sg. + Opt. + Zitatpartikel)
praśāmya bharataśreṣṭha
besänftige dich, o Vorzüglichster der Bharatas (Imperativ + Vok.)
mā ca yuddhe manaḥ kṛthāḥ
und richte deinen Sinn nicht auf den Krieg (Neg. Aor. Inj. + Lok. + Akk.)

[Anm.: V.044ab (,na me bhedo bhaved iti') ist syntaktisch nicht eindeutig [?] - möglich ist auch die Lesart, dass Duryodhana/Dhṛtarāṣṭra es vorzieht, sich nicht durch Paraśurāmas Eingreifen von seinem Kurs abbringen zu lassen; die Grundaussage (Mahnung zum Frieden trotzdem) bleibt in beiden Lesarten gleich.]

bhavatāṃ ca kuruśreṣṭha kulaṃ bahumataṃ bhuvi tat tathaivāstu bhadraṃ te svārtham evānucintaya

Und euer Geschlecht, o Vorzüglichster der Kurus, ist auf Erden hochgeachtet; möge es auch fernerhin so bleiben - Heil dir; bedenke wohl deinen eigenen wahren Vorteil.‘

Wort für Wort
bhavatāṃ ... kulaṃ bahumataṃ bhuvi
euer Geschlecht ist auf Erden hochgeachtet (Gen. Pl. + Nom. Sg. Ppp. + Lok.)
tat tathā eva astu
möge es ebenso bleiben (Opt. 3. Sg.)
bhadraṃ te
Heil dir (formelhafter Segenswunsch)
svārtham eva anucintaya
bedenke deinen eigenen wahren Vorteil (Akk. + Imperativ)

[Anm.: SQ schließt hier final - Paraśurāmas große Mahn- und Gleichnisrede endet, die in V.004 begonnen hatte.]

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