Kapitel 119: Yayātisvargapatanam
Yayātis Fall vom Himmel
Vom Hochmut ergriffen und von den himmlischen Wächtern nicht mehr erkannt, stürzt Yayāti vom Himmel und fällt inmitten seiner vier Enkel (Söhne Mādhavīs), die gerade ein Vājapeya-Opfer feiern. Sie bieten ihm die Frucht ihres Opfers an, doch Yayāti weist dies als Kṣatriya zurück. Mādhavī selbst kommt hinzu, gibt sich als seine Tochter zu erkennen und bietet die Hälfte ihres eigenen asketischen Verdienstes an; schließlich trägt auch Gālava mit einem Achtel seiner Buße bei.
atīva madamattas tvaṃ na kaṃ cin nāvamanyase mānena bhraṣṭaḥ svargas te nārhas tvaṃ pārthivātmaja na ca prajñāyase gaccha patasveti tam abravīt
„Allzu sehr vom Rausch berauscht bist du - keinen gibt es, den du nicht verachtest; durch Hochmut ist dir der Himmel entfallen, seiner nicht wert bist du, Königssohn, und wirst nicht mehr erkannt - geh, falle!“ - so sprach er zu ihm.
Wort für Wort
atīva madamattaḥ tvam
allzu sehr vom Rausch berauscht bist du (Adv. + Bahuvrīhi-Adj., Nom.Sg. + Pron.)
na kam cit na avamanyase
keinen gibt es, den du nicht verachtest (Neg. + Indefinitpron.Akk.Sg. + Neg. + Verb, Präs. 2.Sg.)
mānena bhraṣṭaḥ svargaḥ te
durch Hochmut ist dir der Himmel entfallen (Instr.Sg. + Partizip Perf., Nom.Sg. + Subst.Nom.Sg. + Gen.Sg.)
na arhaḥ tvam pārthivātmaja
nicht wert bist du, Königssohn (Neg. + Adj., Nom.Sg. + Pron. + Vok.Sg.)
na ca prajñāyase
und wirst nicht mehr erkannt (Neg. + Partikel + Verb Passiv, Präs. 2.Sg.)
gaccha patasva iti tam abravīt
geh, falle - so sprach er zu ihm (Verb, Imp. 2.Sg. + Verb, Imp. 2.Sg. + Zitatpartikel + Akk.Sg. + Verb, Impf. 3.Sg.)
„Möge ich unter den Guten fallen“ - dieses Wort dreimal sprechend, dachte der Sohn des Nahuṣa, im Begriff zu fallen, über das Ziel der Wandelnden nach, der Beste der Wandelnden.
Wort für Wort
pateyam satsu iti vacaḥ
möge ich unter den Guten fallen - dieses Wort (Verb, Opt. 1.Sg. + Adj.Lok.Pl. + Zitatpartikel + Subst.Akk.Sg.)
triḥ uktvā nahuṣātmajaḥ
dreimal sprechend der Sohn des Nahuṣa (Adv. + Absolutiv + Patronymikon, Nom.Sg.)
patiṣyan cintayām āsa
im Begriff zu fallen, dachte er nach (Partizip Fut., Nom.Sg. + Verb, Perf.periphr. 3.Sg.)
gatim gatimatām varaḥ
über das Ziel, der Beste der Wandelnden (Subst.Akk.Sg. + Gen.Pl. + Subst., Nom.Sg.)
inmitten der vier, dem Opferfeuer gleichenden, königslöwenhaften großen Feuer, fiel der königliche Weise Yayāti nieder, als sein Verdienst erschöpft war.
Wort für Wort
caturṣu hutakalpeṣu
unter den vier, dem Opferfeuer gleichenden (Zahlw.Lok.Pl. + Adj.Lok.Pl.)
rājasiṃhamahāgniṣu
den königslöwenhaften großen Feuern (Adj., Lok.Pl.)
tam āhuḥ pārthivāḥ sarve pratimānam iva śriyaḥ ko bhavān kasya vā bandhur deśasya nagarasya vā
Zu ihm sprachen alle Fürsten, der wie ein Abbild der Glücksgöttin war: „Wer bist du, Verehrter, oder wessen Verwandter, welchen Landes oder welcher Stadt?
Wort für Wort
tam āhuḥ pārthivāḥ sarve
zu ihm sprachen alle Fürsten (Akk.Sg. + Verb, Perf. 3.Pl. + Subst.Nom.Pl. + Adj.Nom.Pl.)
pratimānam iva śriyaḥ
wie ein Abbild der Glücksgöttin (Subst.Akk.Sg. + Vgl.-Partikel + Subst.Gen.Sg.)
kaḥ bhavān
wer bist du, Verehrter (Interr. + Pron.)
kasya vā bandhuḥ
oder wessen Verwandter (Gen.Sg. + Partikel + Subst.Nom.Sg.)
deśasya nagarasya vā
welchen Landes oder welcher Stadt (Gen.Sg. + Gen.Sg. + Partikel)
Yayāti sprach: „Yayāti bin ich, ein königlicher Weiser, an Verdienst erschöpft, vom Himmel gefallen - im Gedanken, unter die Guten zu fallen, bin ich daher unter euch gefallen.“
Wort für Wort
yayātiḥ uvāca
Yayāti sprach (Verb, Perf. 3.Sg.)
yayātiḥ asmi rājarṣiḥ
Yayāti bin ich, ein königlicher Weiser (Eigenname, Nom.Sg. + Verb, Präs. 1.Sg. + Subst.Nom.Sg.)
kṣīṇapuṇyaḥ cyutaḥ divaḥ
an Verdienst erschöpft, vom Himmel gefallen (Bahuvrīhi-Adj., Nom.Sg. + Partizip Perf., Nom.Sg. + Abl.Sg.)
pateyam satsu iti dhyāyan
im Gedanken 'möge ich unter den Guten fallen' (Verb, Opt. 1.Sg. + Adj.Lok.Pl. + Zitatpartikel + Partizip Präs., Nom.Sg.)
bhavatsu patitaḥ tataḥ
bin ich daher unter euch gefallen (Lok.Pl. + Partizip Perf., Nom.Sg. + Adv.)
Yayātis eigenes wörtliches Zitat seines früheren Gedankens ('pateyaṃ satsv iti') wird hier indirekt wiedergegeben, um innerhalb seiner eigenen Rede eine dritte Zitatebene zu vermeiden.
rājāna ūcuḥ satyam etad bhavatu te kāṅkṣitaṃ puruṣarṣabha sarveṣāṃ naḥ kratuphalaṃ dharmaś ca pratigṛhyatām
Die Könige sprachen: „Wahr ist dies; es werde dir zuteil, was du ersehnst, Stier unter den Männern - möge die Opferfrucht und die Tugend von uns allen angenommen werden.“
Wort für Wort
rājānaḥ ūcuḥ
die Könige sprachen (Subst.Nom.Pl. + Verb, Perf. 3.Pl.)
satyam etat
wahr ist dies (Adj.Nom.Sg. + Pron.)
bhavatu te kāṅkṣitam puruṣarṣabha
es werde dir zuteil, was du ersehnst, Stier unter den Männern (Verb, Imp. 3.Sg. + Dat.Sg. + Partizip Perf.Pass., Nom.Sg. + Vok.Sg.)
sarveṣām naḥ kratuphalam
die Opferfrucht von uns allen (Gen.Pl. + Gen.Pl. + Subst.Nom.Sg.)
dharmaḥ ca pratigṛhyatām
und die Tugend möge angenommen werden (Subst.Nom.Sg. + Partikel + Passiv-Imp. 3.Sg.)
yayātir uvāca nāhaṃ pratigrahadhano brāhmaṇaḥ kṣatriyo hy aham na ca me pravaṇā buddhiḥ parapuṇyavināśane
Yayāti sprach: „Nicht bin ich einer, dessen Reichtum aus Geschenk-Annahme stammt, ein Brahmane - ein Kṣatriya bin ich ja; und nicht ist mein Sinn dazu geneigt, fremdes Verdienst zu vernichten.“
Wort für Wort
na aham pratigrahadhanaḥ brāhmaṇaḥ
nicht bin ich ein Brahmane, dessen Reichtum aus Geschenk-Annahme stammt (Neg. + Pron. + Bahuvrīhi-Adj., Nom.Sg. + Subst.Nom.Sg.)
kṣatriyaḥ hi aham
ein Kṣatriya bin ich ja (Subst.Nom.Sg. + Partikel + Pron.)
na ca me pravaṇā buddhiḥ
und nicht ist mein Sinn geneigt (Neg. + Partikel + Gen.Sg. + Adj., Nom.Sg. + Subst.Nom.Sg.)
parapuṇyavināśane
zur Vernichtung fremden Verdienstes (Subst., Lok.Sg.)
nārada uvāca etasminn eva kāle tu mṛgacaryākramāgatām mādhavīṃ prekṣya rājānas te 'bhivādyedam abruvan
Nārada sprach: Eben zu dieser Zeit aber, als sie Mādhavī erblickten, die im Gang ihrer Wildtier-Wanderung herbeigekommen war, grüßten jene Könige sie und sprachen dies:
Wort für Wort
nāradaḥ uvāca
Nārada sprach (Verb, Perf. 3.Sg.)
etasmin eva kāle tu
eben zu dieser Zeit aber (Pron.Lok.Sg. + Partikel + Subst.Lok.Sg. + Partikel)
mṛgacaryākramāgatām mādhavīm
Mādhavī, die im Gang ihrer Wildtier-Wanderung herbeigekommen war (Adj.Akk.Sg. + Eigenname, Akk.Sg.)
prekṣya rājānaḥ te
nachdem sie erblickt hatten, jene Könige (Absolutiv + Subst.Nom.Pl. + Pron.)
abhivādya idam abruvan
grüßten sie und sprachen dies (Absolutiv + Pron.Akk.Sg. + Verb, Impf. 3.Pl.)
dṛṣṭvā mūrdhnā natān putrāṃs tāpasī vākyam abravīt dauhitrās tava rājendra mama putrā na te parāḥ ime tvāṃ tārayiṣyanti diṣṭam etat purātanam
Als sie die mit dem Haupt sich verneigenden Söhne sah, sprach die Asketin das Wort: „Enkelsöhne mütterlicherseits sind dir, König der Könige, diese meine Söhne, dir nicht fremd - sie werden dich erretten, dies ist eine uralte Bestimmung.
Wort für Wort
dṛṣṭvā mūrdhnā natān putrān
als sie die mit dem Haupt sich verneigenden Söhne sah (Absolutiv + Instr.Sg. + Partizip Perf.Akk.Pl. + Akk.Pl.)
tāpasī vākyam abravīt
die Asketin sprach das Wort (Subst.Nom.Sg. + Subst.Akk.Sg. + Verb, Impf. 3.Sg.)
dauhitrāḥ tava rājendra
Enkelsöhne mütterlicherseits sind dir, König der Könige (Subst.Nom.Pl. + Gen.Sg. + Vok.Sg.)
mama putrāḥ na te parāḥ
meine Söhne sind dir nicht fremd (Gen.Sg. + Subst.Nom.Pl. + Neg. + Gen.Sg. + Adj.Nom.Pl.)
ime tvām tārayiṣyanti
diese werden dich erretten (Pron.Nom.Pl. + Akk.Sg. + Verb, Fut. 3.Pl.)
diṣṭam etat purātanam
dies ist eine uralte Bestimmung (Subst.Nom.Sg. + Pron. + Adj.Nom.Sg.)
ahaṃ te duhitā rājan mādhavī mṛgacāriṇī mayāpy upacito dharmas tato 'rdhaṃ pratigṛhyatām
Ich bin deine Tochter, König, Mādhavī, die mit den Wildtieren Wandelnde - auch von mir ist Tugend angehäuft worden, davon möge die Hälfte angenommen werden.
Wort für Wort
aham te duhitā rājan
ich bin deine Tochter, König (Pron. + Gen.Sg. + Subst.Nom.Sg. + Vok.Sg.)
mādhavī mṛgacāriṇī
Mādhavī, die mit Wildtieren Wandelnde (Eigenname, Nom.Sg. + Adj., Nom.Sg.)
mayā api upacitaḥ dharmaḥ
auch von mir ist Tugend angehäuft worden (Instr.Sg. + Partikel + Partizip Perf.Pass., Nom.Sg. + Subst.Nom.Sg.)
tataḥ ardham pratigṛhyatām
davon möge die Hälfte angenommen werden (Adv. + Subst.Akk.Sg. + Passiv-Imp. 3.Sg.)