Kapitel 52: Yudhiṣṭhiraguṇavarṇanam
Dhṛtarāṣṭras Schilderung von Yudhiṣṭhiras Tugenden und Friedensappell
Dhṛtarāṣṭra setzt seine Rede an Saṃjaya fort (SQ bleibt Tiefe 1, kein neuer Sprecherwechsel): zählt die Verbündeten der Pāṇḍavas auf (Pāñcālas, Kekayas, Matsyas, Māgadhas, Vatsa-Herrscher, Kṛṣṇa, Sātyaki, Dhṛṣṭadyumna), nennt seine Furcht vor Yudhiṣṭhiras Zorn, Arjunas Tapferkeit, den Zwillingen und Bhīmasena, und gibt dann ein ausführliches Tugend- und Erscheinungsporträt Yudhiṣṭhiras (V.8-13, mit Feuer-Metapher V.11-12). Endet mit einem direkten Friedensappell an die versammelten Kauravas ('kuravas tan nibodhata') und der resignierten Einsicht, dass Yudhiṣṭhira angesichts des begangenen Unrechts keine Schonung gewähren wird. Die Redeebene bleibt am Kapitelende offen (Tiefe 1) und läuft in Kap.53 weiter.
Dhṛtarāṣṭra fuhr fort: Ebenso wie alle Pāṇḍavas tapfer und siegbegierig sind, so sind auch ihre Verbündeten, selbstaufopfernd, fest auf den Sieg bedacht.
Wort für Wort
yathā eva pāṇḍavāḥ sarve parākrāntāḥ jigīṣavaḥ
ebenso wie alle Pāṇḍavas tapfer und siegbegierig sind (Konj. + Partikel + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
tathaiva abhisarās teṣāṃ
so auch sind ihre Verbündeten (Konj. + Nom.Pl. + Gen.Pl.)
tyaktātmāno jaye dhṛtāḥ
selbstaufopfernd, fest auf den Sieg bedacht (Nom.Pl., Kompositum + Lok. + Ptz.Perf.Nom.Pl.)
[Anm.: Weiterhin dieselbe, ununterbrochen fortlaufende Rede Dhṛtarāṣṭras (SQ bleibt Tiefe 1, keine neuen Anführungszeichen trotz erneutem 'uvāca').]
yaś ca sendrān imāṃl lokān icchan kuryād vaśe balī sa śreṣṭho jagataḥ kṛṣṇaḥ pāṇḍavānāṃ jaye dhṛtaḥ
Und Kṛṣṇa, der Beste der Welt, der, wenn er es wollte, mächtig genug wäre, diese Welten samt Indra unter seine Herrschaft zu bringen - er ist fest auf den Sieg der Pāṇḍavas bedacht.
Wort für Wort
yaś ca sendrān imān lokān icchan
und wer, wollend, diese Welten samt Indra (Nom. + Konj. + Akk.Pl., Kompositum + Akk.Pl. + Ptz.Präs.Nom.)
kuryād vaśe balī
der Mächtige könnte unter seine Herrschaft bringen (Opt.3.Sg. + Lok. + Nom.)
sa śreṣṭho jagataḥ kṛṣṇaḥ
er, der Beste der Welt, Kṛṣṇa (Nom. + Nom. + Gen. + Nom.)
pāṇḍavānāṃ jaye dhṛtaḥ
ist fest auf den Sieg der Pāṇḍavas bedacht (Gen.Pl. + Lok. + Ptz.Perf.Nom.)
darśanīyo manasvī ca lakṣmīvān brahmavarcasī medhāvī sukṛtaprajño dharmātmā pāṇḍunandanaḥ
Von ansehnlicher Gestalt und hochgesinnt, glanzvoll, von geistlichem Glanz erfüllt, klug, von wohlgebildeter Weisheit, rechtschaffenen Herzens - der Sohn des Pāṇḍu.
Wort für Wort
darśanīyo manasvī ca
von ansehnlicher Gestalt und hochgesinnt (Nom. + Nom. + Konj.)
lakṣmīvān brahmavarcasī
glanzvoll, von geistlichem Glanz erfüllt (Nom. + Nom., Kompositum)
medhāvī sukṛtaprajño
klug, von wohlgebildeter Weisheit (Nom. + Nom., Kompositum)
dharmātmā pāṇḍunandanaḥ
rechtschaffenen Herzens, der Sohn des Pāṇḍu (Nom., Kompositum + Nom., Kompositum)
[Anm.: Beginn eines ausführlichen Porträts Yudhiṣṭhiras (V.8-13), das mit einer erneuten Feuer-Metapher (V.11-12) endet.]
Wohl versehen mit Freunden und Ministern, versehen mit fähigen Lenkern der Staatsgeschäfte, ausgestattet mit Brüdern, Schwiegervätern und Söhnen, die alle große Wagenkämpfer sind.
Wort für Wort
mitrāmātyaiḥ susaṃpannaḥ
wohl versehen mit Freunden und Ministern (Instr.Pl., Kompositum + Nom.)
saṃpanno yojyayojakaiḥ
versehen mit fähigen Lenkern der Staatsgeschäfte (Nom. + Instr.Pl., Kompositum)
bhrātṛbhiḥ śvaśuraiḥ putrair
mit Brüdern, Schwiegervätern und Söhnen (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
upapanno mahārathaiḥ
ausgestattet mit großen Wagenkämpfern (Nom. + Instr.Pl., Kompositum)
dhṛtyā ca puruṣavyāghro naibhṛtyena ca pāṇḍavaḥ anṛśaṃso vadānyaś ca hrīmān satyaparākramaḥ
Durch Standhaftigkeit ein Tiger unter den Männern, durch Bescheidenheit der Pāṇḍava, nicht grausam und freigebig, von Ehrgefühl und wahrhaftiger Tapferkeit.
Wort für Wort
dhṛtyā ca puruṣavyāghro
und durch Standhaftigkeit ein Tiger unter den Männern (Instr. + Konj. + Nom., Kompositum)
naibhṛtyena ca pāṇḍavaḥ
und durch Bescheidenheit der Pāṇḍava (Instr. + Konj. + Nom.)
anṛśaṃso vadānyaś ca
nicht grausam und freigebig (Nom. + Nom. + Konj.)
hrīmān satyaparākramaḥ
von Ehrgefühl und wahrhaftiger Tapferkeit (Nom. + Nom., Kompositum)
tanur uccaḥ śikhī rājā śuddhajāmbūnadaprabhaḥ mandānāṃ mama putrāṇāṃ yuddhenāntaṃ kariṣyati
Schlank, hochgewachsen, mit prächtigem Haarschopf, der König, von reinem Goldglanz wie Jambūnada-Gold - er wird mit meinen törichten Söhnen durch den Krieg ein Ende machen.
Wort für Wort
tanur uccaḥ śikhī rājā
schlank, hochgewachsen, mit prächtigem Haarschopf, der König (Nom. + Nom. + Nom. + Nom.)
śuddhajāmbūnadaprabhaḥ
von reinem Goldglanz wie Jambūnada-Gold (Nom., Kompositum)
mandānāṃ mama putrāṇāṃ
meiner törichten Söhne (Gen.Pl. + Gen. + Gen.Pl.)
yuddhenāntaṃ kariṣyati
wird durch Krieg ein Ende machen (Instr. + Akk. + 3.Sg.Fut.)
tair ayuddhaṃ sādhu manye kuravas tan nibodhata yuddhe vināśaḥ kṛtsnasya kulasya bhavitā dhruvam
Mit ihnen halte ich das Vermeiden des Krieges für das Bessere - Kauravas, nehmt dies zur Kenntnis: im Krieg wird gewiss der Untergang des gesamten Geschlechts eintreten.
Wort für Wort
tair ayuddhaṃ sādhu manye
mit ihnen halte ich das Vermeiden des Krieges für das Bessere (Instr.Pl. + Akk. + Adv. + 1.Sg.Präs.)
kuravas tan nibodhata
Kauravas, nehmt dies zur Kenntnis (Vok.Pl. + Akk. + 2.Pl.Imp.)
yuddhe vināśaḥ kṛtsnasya kulasya bhavitā dhruvam
im Krieg wird gewiss der Untergang des gesamten Geschlechts eintreten (Lok. + Nom. + Gen. + Gen. + periphr.Fut. + Adv.)
[Anm.: Wendepunkt der Rede - von der Klage zur direkten Ermahnung an die versammelten Kauravas, den Krieg zu vermeiden.]
eṣā me paramā śāntir yayā śāmyati me manaḥ yadi tv ayuddham iṣṭaṃ vo vayaṃ śāntyai yatāmahe
Dies ist mein höchster Wunsch nach Frieden, durch den mein Gemüt zur Ruhe kommt - wenn euch also das Vermeiden des Krieges lieb ist, so lasst uns um des Friedens willen bemühen.
Wort für Wort
eṣā me paramā śāntir
dies ist mein höchster Wunsch nach Frieden (Nom. + Gen. + Nom. + Nom.)
yayā śāmyati me manaḥ
durch den mein Gemüt zur Ruhe kommt (Instr. + 3.Sg.Präs. + Gen. + Nom.)
yadi tv ayuddham iṣṭaṃ vo
wenn euch aber das Vermeiden des Krieges lieb ist (Konj. + Partikel + Nom. + Nom. + Gen.Pl.)
vayaṃ śāntyai yatāmahe
so lasst uns um des Friedens willen uns bemühen (Nom. + Dat. + 1.Pl.Präs.Med.)
na tu naḥ śikṣamāṇānām upekṣeta yudhiṣṭhiraḥ jugupsati hy adharmeṇa mām evoddiśya kāraṇam
Doch Yudhiṣṭhira wird uns, auch wenn wir uns bemühen, nicht schonen - denn er verabscheut unser Unrecht und sieht gerade mich als die Ursache dafür an.
Wort für Wort
na tu naḥ śikṣamāṇānām upekṣeta yudhiṣṭhiraḥ
doch Yudhiṣṭhira wird uns, auch wenn wir uns bemühen, nicht schonen (Neg. + Partikel + Gen.Pl. + Ptz.Präs.Gen.Pl. + Opt.3.Sg. + Nom.)
jugupsati hy adharmeṇa
denn er verabscheut wegen unseres Unrechts (3.Sg.Präs.Desid. + Partikel + Instr.)
mām evoddiśya kāraṇam
und sieht gerade mich als die Ursache an (Akk. + Partikel + Absolutiv + Akk.)
[Anm.: Kapitelschluss - Dhṛtarāṣṭras Rede an Saṃjaya bleibt inhaltlich und formal offen (SQ Tiefe 1), läuft in Kap.53 weiter.]