Kapitel 102: Sumukhasyāyuṣprāptiḥ Vivāhaś ca
Sumukha erlangt langes Leben, und die Hochzeit
Nārada preist Mātali gegenüber Āryaka (Sumukhas Großvater) und wirbt für die Verbindung mit dessen Enkel Sumukha. Āryaka ist hin- und hergerissen: geehrt durch den Antrag, doch von Sorge erfüllt, da Garuḍa angekündigt hat, Sumukha binnen eines Monats zu verschlingen (nachdem er bereits Sumukhas Vater Cikura getötet hat). Mātali beschließt daraufhin, mit Nārada und Sumukha zu Indra zu gehen, um für Sumukhas Lebensspanne zu sorgen und Garuḍa abzuwehren. Bei Indra treffen sie auch auf Viṣṇu, der Indra bittet, Sumukha Amṛta und Unsterblichkeit zu gewähren; Indra verweist zurück an Viṣṇu, der erklärt, dass niemand rückgängig machen könne, was Viṣṇu selbst gebe. Indra gewährt Sumukha darauf höchste Lebensdauer, jedoch ohne ihn tatsächlich Amṛta trinken zu lassen. Sumukha wird wieder froh, heiratet Guṇakeśī, und Nārada und Āryaka kehren mit erfülltem Anliegen zurück - damit findet die zentrale Handlung der Mātali-Sumukha-Werbung ihren Abschluss.
“Nārada sprach: „Dieser Wagenlenker, Mātali genannt, ist Śakras Liebling, sein Freund, lauter, mit Charakter und Tugenden ausgestattet, energiegeladen, heldenhaft und stark.
Wort für Wort
sūtaḥ ayaṃ mātaliḥ nāma śakrasya dayitaḥ suhṛt
dieser Wagenlenker, Mātali genannt, ist Śakras Liebling, sein Freund (Nom. + Nom. + Instr. + Gen. + Nom. + Nom.)
śuciḥ śīlaguṇopetas tejasvī vīryavān balī
lauter, mit Charakter und Tugenden ausgestattet, energiegeladen, heldenhaft und stark (Nom. Sg., Bahuvrīhi-Reihe)
[Anm.: CQ schließt hier zunächst - Ende von Mātalis am Kapitelende von Kap.101 offengebliebener Rede - und öffnet sogleich neu für Nāradas Lobrede an Āryaka (Sumukhas Großvater); die SQ-Rahmenerzählung Kaṇvas bleibt seit Kap.95 durchgehend offen.]
Für diesen, der mühevoll die drei Welten durchwandert, o Glanzvoller - Sumukha, dein Enkel, gefällt als Gatte für seine Tochter.
Wort für Wort
tasya asya yatnāt caratas trailokyam amaradyute
für diesen, der mühevoll die drei Welten durchwandert, o Glanzvoller (Gen. + Gen. + Abl. + Gen. Sg. Part. Präs. + Akk. + Vok.)
sumukhaḥ bhavataḥ pautraḥ rocate duhituḥ patiḥ
Sumukha, dein Enkel, gefällt als Gatte für seine Tochter (Nom. + Gen. + Nom. + 3. Sg. Präs. Med. + Gen. + Nom.)
[Anm.: gemeint ist Mātali, der auf der Suche nach einem Bräutigam für seine Tochter durch alle Welten gereist ist; Anrede ,amaradyute' (,o Glanzvoller') gilt Āryaka.]
pitṛhīnam api hy enaṃ guṇato varayāmahe bahumānāc ca bhavatas tathaivairāvatasya ca sumukhasya guṇaiś caiva śīlaśaucadamādibhiḥ
Obgleich er vaterlos ist, wählen wir ihn dennoch wegen seiner Tugenden, aus hoher Achtung vor dir und ebenso vor Airāvata, und wegen Sumukhas eigenen Tugenden, Charakter, Reinheit, Selbstbeherrschung und dergleichen.
Wort für Wort
pitṛhīnam api hi enaṃ guṇataḥ varayāmahe
obgleich er vaterlos ist, wählen wir ihn dennoch wegen seiner Tugenden (Akk., Bahuvrīhi + Partikel + Akk. + Adv. + 1. Pl. Präs. Med.)
bahumānāt ca bhavatas tathā eva airāvatasya ca
aus hoher Achtung vor dir und ebenso vor Airāvata (Abl. + Gen. + Adv. + Gen.)
sumukhasya guṇaiḥ ca eva śīlaśaucadamādibhiḥ
und wegen Sumukhas eigenen Tugenden, Charakter, Reinheit, Selbstbeherrschung und dergleichen (Gen. + Instr. Pl.)
kaṇva uvāca sa tu dīnaḥ prahṛṣṭaś ca prāha nāradam āryakaḥ vriyamāṇe tathā pautre putre ca nidhanaṃ gate
Kaṇva sprach: Er aber, Āryaka, zugleich bekümmert und erfreut, sprach zu Nārada, da so sein Enkel zum Bräutigam erwählt wurde, während sein Sohn dem Tod anheimgefallen war.
Wort für Wort
sa tu dīnaḥ prahṛṣṭaḥ ca prāha nāradam āryakaḥ
er aber, Āryaka, zugleich bekümmert und erfreut, sprach zu Nārada (Nom. + Partikel + Nom. + Nom. + 3. Sg. Perf. + Akk. + Nom.)
vriyamāṇe tathā pautre putre ca nidhanaṃ gate
da so sein Enkel zum Bräutigam erwählt wurde, während sein Sohn dem Tod anheimgefallen war (Lok. Abs. Part. Präs. Pass. + Adv. + Lok. + Lok. + Akk. + Lok. Abs. Ppp.)
[Anm.: reine Übergangs-Erzählung Kaṇvas (Rahmenebene SQ) - kein Zitat; die eigentliche Rede Āryakas beginnt erst in V.013.]
kāraṇasya tu daurbalyāc cintayāmi mahāmune asya dehakaras tāta mama putro mahādyute bhakṣito vainateyena duḥkhārtās tena vai vayam
[?] Doch wegen der Schwäche des Grundes bin ich besorgt, o großer Weiser. Dieses Sumukhas Erzeuger, mein Sohn, o Glanzvoller, wurde von Vainateya verschlungen - dadurch sind wir von Schmerz gequält.
Wort für Wort
kāraṇasya tu daurbalyāt cintayāmi mahāmune
doch wegen der Schwäche des Grundes bin ich besorgt, o großer Weiser (Gen. + Partikel + Abl. + 1. Sg. Präs. + Vok.)
asya dehakaraḥ tāta mama putraḥ mahādyute
dieses Erzeuger, o Väterchen, mein Sohn, o Glanzvoller (Gen. + Nom. + Vok. + Gen. + Nom. + Vok.)
bhakṣitaḥ vainateyena duḥkhārtāḥ tena vai vayam
wurde von Vainateya verschlungen - dadurch sind wir wahrlich von Schmerz gequält (Nom. Sg. Ppp. + Instr. + Nom. Pl., Bahuvrīhi + Instr. + Partikel + Nom.)
[Anm.: die genaue Bedeutung von ,kāraṇasya daurbalyāt' (wörtlich ,wegen der Schwäche des Grundes/der Ursache') bleibt unsicher [?] - evtl. im Sinn von ,aus einem schwachen/unzureichenden Grund [zur Sorge]' oder ,wegen meiner schwachen Fassung/meines schwachen Urteils'; sinngemäß als allgemeine Besorgnis wiedergegeben. ,Vainateya' ist Garuḍa.]
punar eva ca tenoktaṃ vainateyena gacchatā māsenānyena sumukhaṃ bhakṣayiṣya iti prabho
Und wiederum, als jener Vainateya davonging, wurde von ihm gesagt, dass er Sumukha binnen eines weiteren Monats verschlingen werde, o Herr.
Wort für Wort
punar eva ca tena uktaṃ vainateyena gacchatā
und wiederum wurde von jenem Vainateya, der davonging, gesagt (Adv. + Partikel + Instr. + Nom. Sg. Ppp. + Instr. + Instr. Sg. Part. Präs.)
māsena anyena sumukhaṃ bhakṣayiṣye iti prabho
dass er Sumukha binnen eines weiteren Monats verschlingen werde, o Herr (Instr. + Instr. + Akk. + 1. Sg. Fut. Med. [in indirekter Rede] + Partikel + Vok.)
[Anm.: hier bewusst in indirekte Rede umgewandelt statt einer dritten wörtlichen Zitatebene (Garuḍas eigene Worte innerhalb Āryakas Rede innerhalb Kaṇvas Rahmenerzählung), gemäß Standardregel gegen Drittebenen-Zitate.]
“Da, nachdem Puraṃdara über Vainateyas Macht nachgedacht hatte, sprach er zu Viṣṇu: „Du selbst mögest es geben.“
Wort für Wort
puraṃdaraḥ atha saṃcintya vainateyaparākramam
da, nachdem Puraṃdara über Vainateyas Macht nachgedacht hatte (Nom. + Adv. + Ger. + Akk.)
viṣṇum eva abravīd enaṃ bhavān eva dadātu iti
sprach er zu Viṣṇu: du selbst mögest es geben (Akk. + Partikel + 3. Sg. Ipf. + Akk. + Nom. + Partikel + 3. Sg. Imperativ + Partikel)
[Anm.: drei Ereignisse in einem Vers - CQ schließt zunächst (Ende von Viṣṇus Rede an Indra), dann öffnet und schließt sofort wieder eine kurze eingebettete Erwiderung Indras an Viṣṇu.]
viṣṇur uvāca īśas tvam asi lokānāṃ carāṇām acarāś ca ye tvayā dattam adattaṃ kaḥ kartum utsahate vibho
Viṣṇu sprach: „Du bist der Herr der Welten, der beweglichen und der unbeweglichen; was von dir gegeben wurde, wer wagte es, es ungegeben zu machen, o Mächtiger?“
Wort für Wort
īśaḥ tvam asi lokānāṃ carāṇām acarāḥ ca ye
du bist der Herr der Welten, der beweglichen und der unbeweglichen (Nom. + Nom. + 2. Sg. Präs. + Gen. Pl. + Gen. Pl. + Nom. Pl. + Rel.)
tvayā dattam adattaṃ kaḥ kartum utsahate vibho
was von dir gegeben wurde, wer wagte es, es ungegeben zu machen, o Mächtiger (Instr. + Akk. Sg. Ppp. + Akk. + Nom. + Inf. + 3. Sg. Präs. Med. + Vok.)
[Anm.: CQ öffnet und schließt hier innerhalb eines Verses - Viṣṇus kurze abschließende Erwiderung; danach kehrt die Erzählung zu Kaṇvas reiner Rahmenerzählung zurück (V.027 ,kaṇva uvāca').]
kaṇva uvāca prādāc chakras tatas tasmai pannagāyāyur uttamam na tv enam amṛtaprāśaṃ cakāra balavṛtrahā
Kaṇva sprach: Śakra gab darauf jenem Schlangenwesen höchste Lebensdauer, doch machte ihn der Bezwinger Balas und Vṛtras nicht zu einem Trinker des Amṛta.
labdhvā varaṃ tu sumukhaḥ sumukhaḥ saṃbabhūva ha kṛtadāro yathākāmaṃ jagāma ca gṛhān prati
Nachdem er die Gunst erlangt hatte, wurde Sumukha wieder wahrhaft gutgesichtig und froh, und nachdem er sich vermählt hatte, ging er wunschgemäß nach Hause.
Wort für Wort
labdhvā varaṃ tu sumukhaḥ sumukhaḥ saṃbabhūva ha
nachdem er die Gunst erlangt hatte, wurde Sumukha wahrhaft gutgesichtig/froh (Ger. + Akk. + Nom. + Nom. + 3. Sg. Perf. + Partikel)
kṛtadāraḥ yathākāmaṃ jagāma ca gṛhān prati
und nachdem er sich vermählt hatte, ging er wunschgemäß nach Hause (Nom. Sg. Ppp., Bahuvrīhi + Adv. + 3. Sg. Perf. + Akk. + Postp.)
[Anm.: Wortspiel im Sanskrit - der Name ,Sumukha' bedeutet wörtlich ,Gutgesichtiger'; ,sumukhaḥ sumukhaḥ saṃbabhūva' spielt darauf an, dass er (dem Namen entsprechend) wieder froh/heiter wurde.]