Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 12: Sainyoddyoga-parva (12) Śalyas Erzählung (Fortsetzung): Bṛhaspatis Weigerung und Śacīs Hinhaltetaktik

Die Götter versuchen vergeblich, Nahuṣas Begierde zu besänftigen; dieser rechtfertigt sich mit Indras eigenen früheren Verfehlungen (Ahalyā u.a.) und verlangt weiterhin Śacī. Bṛhaspati weigert sich standhaft, die bei ihm Zuflucht suchende Indrāṇī auszuliefern, und begründet dies mit alten, Brahmā zugeschriebenen Lehrversen über die Sünde des Verrats an einem Schutzsuchenden. Auf Bṛhaspatis Rat hin soll Śacī selbst Nahuṣa um Aufschub bitten, da die Zeit seinen Übermut zu Fall bringen werde. Die Götter bestärken Śacī in diesem Plan; sie begibt sich, äußerlich gefügig, zu Nahuṣa.

śalya uvāca kruddhaṃ tu nahuṣaṃ jñātvā devāḥ sarṣipurogamāḥ abruvan devarājānaṃ nahuṣaṃ ghoradarśanam

Śalya sprach: Als sie erkannten, dass Nahuṣa zornig war, sprachen die Götter, angeführt von den Weisen, zu Nahuṣa, dem Götterkönig von schrecklichem Aussehen:

Wort für Wort
śalya uvāca kruddhaṃ tu nahuṣaṃ jñātvā devāḥ sarṣipurogamāḥ abruvan devarājānaṃ nahuṣaṃ ghoradarśanam
Śalya sprach: Als sie erkannten, dass Nahuṣa zornig war, sprachen die Götter, angeführt von den Weisen, zu Nahuṣa, dem Götterkönig von schrecklichem Aussehen:

devarāja jahi krodhaṃ tvayi kruddhe jagadvibho trastaṃ sāsuragandharvaṃ sakiṃnaramahoragam

„Götterkönig, lege deinen Zorn ab; wenn du zornig bist, Herrscher der Welt, ist die Welt samt Asuras, Gandharven, Kiṃnaras und großen Schlangen in Furcht.

Wort für Wort
devarāja jahi krodhaṃ tvayi kruddhe jagadvibho trastaṃ sāsuragandharvaṃ sakiṃnaramahoragam
„Götterkönig, lege deinen Zorn ab; wenn du zornig bist, Herrscher der Welt, ist die Welt samt Asuras, Gandharven, Kiṃnaras und großen Schlangen in Furcht.

jahi krodham imaṃ sādho na krudhyanti bhavadvidhāḥ parasya patnī sā devī prasīdasva sureśvara

Lege diesen Zorn ab, Rechtschaffener; solche wie du werden nicht zornig. Jene Göttin ist eines anderen Gattin; sei gnädig, Herrscher der Götter.

Wort für Wort
jahi krodham imaṃ sādho na krudhyanti bhavadvidhāḥ parasya patnī sā devī prasīdasva sureśvara
Lege diesen Zorn ab, Rechtschaffener; solche wie du werden nicht zornig. Jene Göttin ist eines anderen Gattin; sei gnädig, Herrscher der Götter.

nivartaya manaḥ pāpāt paradārābhimarśanāt devarājo 'si bhadraṃ te prajā dharmeṇa pālaya

Wende deinen Sinn ab von der Sünde, der fremden Gattin zu nahen; du bist der Götterkönig - Segen sei mit dir - beschütze die Geschöpfe nach dem Dharma.“

Wort für Wort
nivartaya manaḥ pāpāt paradārābhimarśanāt devarājo 'si bhadraṃ te prajā dharmeṇa pālaya
Wende deinen Sinn ab von der Sünde, der fremden Gattin zu nahen; du bist der Götterkönig - Segen sei mit dir - beschütze die Geschöpfe nach dem Dharma.“

evam ukto na jagrāha tad vacaḥ kāmamohitaḥ atha devān uvācedam indraṃ prati surādhipaḥ

So angesprochen, nahm er, von Begierde verblendet, jenes Wort nicht an; darauf sprach der Götterherrscher folgendes zu den Göttern über Indra:

Wort für Wort
evam ukto na jagrāha tad vacaḥ kāmamohitaḥ atha devān uvācedam indraṃ prati surādhipaḥ
So angesprochen, nahm er, von Begierde verblendet, jenes Wort nicht an; darauf sprach der Götterherrscher folgendes zu den Göttern über Indra:

ahalyā dharṣitā pūrvam ṛṣipatnī yaśasvinī jīvato bhartur indreṇa sa vaḥ kiṃ na nivāritaḥ

„Ahalyā, die ruhmreiche Gattin eines Weisen, wurde einst von Indra geschändet, während ihr Gatte noch lebte - warum wurde er da nicht von euch gehindert?

Wort für Wort
ahalyā dharṣitā pūrvam ṛṣipatnī yaśasvinī jīvato bhartur indreṇa sa vaḥ kiṃ na nivāritaḥ
„Ahalyā, die ruhmreiche Gattin eines Weisen, wurde einst von Indra geschändet, während ihr Gatte noch lebte - warum wurde er da nicht von euch gehindert?

Anspielung auf die bekannte Ahalyā-Indra-Episode (Indras Verführung der Gattin des Weisen Gautama).

bahūni ca nṛśaṃsāni kṛtānīndreṇa vai purā vaidharmyāṇy upadhāś caiva sa vaḥ kiṃ na nivāritaḥ

Und viele grausame Taten hat Indra einst begangen, Verstöße gegen den Dharma und Betrügereien - warum wurde er da nicht von euch gehindert?

Wort für Wort
bahūni ca nṛśaṃsāni kṛtānīndreṇa vai purā vaidharmyāṇy upadhāś caiva sa vaḥ kiṃ na nivāritaḥ
Und viele grausame Taten hat Indra einst begangen, Verstöße gegen den Dharma und Betrügereien - warum wurde er da nicht von euch gehindert?

upatiṣṭhatu māṃ devī etad asyā hitaṃ param yuṣmākaṃ ca sadā devāḥ śivam evaṃ bhaviṣyati

Die Göttin soll mir aufwarten - das ist ihr höchstes Wohl; und für euch, ihr Götter, wird es so stets heilsam sein.“

Wort für Wort
upatiṣṭhatu māṃ devī etad asyā hitaṃ param yuṣmākaṃ ca sadā devāḥ śivam evaṃ bhaviṣyati
Die Göttin soll mir aufwarten - das ist ihr höchstes Wohl; und für euch, ihr Götter, wird es so stets heilsam sein.“

devā ūcuḥ indrāṇīm ānayiṣyāmo yathecchasi divaspate jahi krodham imaṃ vīra prīto bhava sureśvara

Die Götter sprachen: „Wir werden Indrāṇī herbeibringen, wie du wünschst, Herr des Himmels; lege diesen Zorn ab, Held, sei zufrieden, Herrscher der Götter.“

Wort für Wort
devā ūcuḥ indrāṇīm ānayiṣyāmo yathecchasi divaspate jahi krodham imaṃ vīra prīto bhava sureśvara
Die Götter sprachen: „Wir werden Indrāṇī herbeibringen, wie du wünschst, Herr des Himmels; lege diesen Zorn ab, Held, sei zufrieden, Herrscher der Götter.“

śalya uvāca ity uktvā te tadā devā ṛṣibhiḥ saha bhārata jagmur bṛhaspatiṃ vaktum indrāṇīṃ cāśubhaṃ vacaḥ

Śalya sprach: Nachdem sie so gesprochen hatten, gingen jene Götter mit den Weisen, o Bhārata, zu Bṛhaspati, um ihm und Indrāṇī die unheilvolle Botschaft mitzuteilen.

Wort für Wort
śalya uvāca ity uktvā te tadā devā ṛṣibhiḥ saha bhārata jagmur bṛhaspatiṃ vaktum indrāṇīṃ cāśubhaṃ vacaḥ
Śalya sprach: Nachdem sie so gesprochen hatten, gingen jene Götter mit den Weisen, o Bhārata, zu Bṛhaspati, um ihm und Indrāṇī die unheilvolle Botschaft mitzuteilen.

jānīmaḥ śaraṇaṃ prāptam indrāṇīṃ tava veśmani dattābhayāṃ ca viprendra tvayā devarṣisattama

„Wir wissen, dass Indrāṇī in deinem Hause Zuflucht gefunden hat und dass ihr von dir, Fürst der Brahmanen, du Vortrefflichster der Götterweisen, Schutz gewährt wurde.

Wort für Wort
jānīmaḥ śaraṇaṃ prāptam indrāṇīṃ tava veśmani dattābhayāṃ ca viprendra tvayā devarṣisattama
„Wir wissen, dass Indrāṇī in deinem Hause Zuflucht gefunden hat und dass ihr von dir, Fürst der Brahmanen, du Vortrefflichster der Götterweisen, Schutz gewährt wurde.

te tvāṃ devāḥ sagandharvā ṛṣayaś ca mahādyute prasādayanti cendrāṇī nahuṣāya pradīyatām

Dich bitten die Götter samt den Gandharven und die Weisen, o Glanzvoller, um Gnade: Indrāṇī soll dem Nahuṣa übergeben werden.

Wort für Wort
te tvāṃ devāḥ sagandharvā ṛṣayaś ca mahādyute prasādayanti cendrāṇī nahuṣāya pradīyatām
Dich bitten die Götter samt den Gandharven und die Weisen, o Glanzvoller, um Gnade: Indrāṇī soll dem Nahuṣa übergeben werden.

indrād viśiṣṭo nahuṣo devarājo mahādyutiḥ vṛṇotv iyaṃ varārohā bhartṛtve varavarṇinī

Nahuṣa, der Götterkönig von großem Glanz, übertrifft Indra; diese Schönhüftige, die von schöner Gestalt, soll ihn zum Gatten wählen.“

Wort für Wort
indrād viśiṣṭo nahuṣo devarājo mahādyutiḥ vṛṇotv iyaṃ varārohā bhartṛtve varavarṇinī
Nahuṣa, der Götterkönig von großem Glanz, übertrifft Indra; diese Schönhüftige, die von schöner Gestalt, soll ihn zum Gatten wählen.“

evam ukte tu sā devī bāṣpam utsṛjya sasvaram uvāca rudatī dīnā bṛhaspatim idaṃ vacaḥ

Als dies gesagt war, vergoss die Göttin unter lautem Weinen Tränen und sprach kläglich weinend zu Bṛhaspati folgendes Wort:

Wort für Wort
evam ukte tu sā devī bāṣpam utsṛjya sasvaram uvāca rudatī dīnā bṛhaspatim idaṃ vacaḥ
Als dies gesagt war, vergoss die Göttin unter lautem Weinen Tränen und sprach kläglich weinend zu Bṛhaspati folgendes Wort:

nāham icchāmi nahuṣaṃ patim anvāsya taṃ prabhum śaraṇāgatāsmi te brahmaṃs trāhi māṃ mahato bhayāt

„Ich wünsche nicht, Nahuṣa als Gatten zu haben, diesen Herrscher; ich bin zu dir Zuflucht suchend gekommen, Brahmane - errette mich aus großer Furcht.“

Wort für Wort
nāham icchāmi nahuṣaṃ patim anvāsya taṃ prabhum śaraṇāgatāsmi te brahmaṃs trāhi māṃ mahato bhayāt
„Ich wünsche nicht, Nahuṣa als Gatten zu haben, diesen Herrscher; ich bin zu dir Zuflucht suchend gekommen, Brahmane - errette mich aus großer Furcht.“

bṛhaspatir uvāca śaraṇāgatāṃ na tyajeyam indrāṇi mama niścitam dharmajñāṃ dharmaśīlāṃ ca na tyaje tvām anindite

Bṛhaspati sprach: „Ich werde eine Zufluchtsuchende nicht preisgeben, Indrāṇī - das ist mein fester Entschluss; dich, die Dharmakundige und Dharmagesinnte, werde ich nicht preisgeben, du Tadellose.

Wort für Wort
bṛhaspatir uvāca śaraṇāgatāṃ na tyajeyam indrāṇi mama niścitam dharmajñāṃ dharmaśīlāṃ ca na tyaje tvām anindite
Bṛhaspati sprach: „Ich werde eine Zufluchtsuchende nicht preisgeben, Indrāṇī - das ist mein fester Entschluss; dich, die Dharmakundige und Dharmagesinnte, werde ich nicht preisgeben, du Tadellose.

nākāryaṃ kartum icchāmi brāhmaṇaḥ san viśeṣataḥ śrutadharmā satyaśīlo jānan dharmānuśāsanam

Ich will keine unrechte Tat begehen, zumal ich ein Brahmane bin, der die Dharma-Lehre gehört hat, wahrhaftigen Wesens, der die Unterweisung im Dharma kennt.

Wort für Wort
nākāryaṃ kartum icchāmi brāhmaṇaḥ san viśeṣataḥ śrutadharmā satyaśīlo jānan dharmānuśāsanam
Ich will keine unrechte Tat begehen, zumal ich ein Brahmane bin, der die Dharma-Lehre gehört hat, wahrhaftigen Wesens, der die Unterweisung im Dharma kennt.

nāham etat kariṣyāmi gacchadhvaṃ vai surottamāḥ asmiṃś cārthe purā gītaṃ brahmaṇā śrūyatām idam

Dies werde ich nicht tun - geht nur, ihr Vortrefflichsten der Götter; höret, was zu dieser Sache einst von Brahmā gesungen wurde:

Wort für Wort
nāham etat kariṣyāmi gacchadhvaṃ vai surottamāḥ asmiṃś cārthe purā gītaṃ brahmaṇā śrūyatām idam
Dies werde ich nicht tun - geht nur, ihr Vortrefflichsten der Götter; höret, was zu dieser Sache einst von Brahmā gesungen wurde:

na tasya bījaṃ rohati bījakāle na cāsya varṣaṃ varṣati varṣakāle bhītaṃ prapannaṃ pradadāti śatrave na so 'ntaraṃ labhate trāṇam icchan

Wer einen furchtsam Zuflucht Suchenden dem Feind ausliefert, dessen Samen keimt nicht zur Aussaatzeit, für ihn regnet es nicht zur Regenzeit, und er findet, obwohl er Schutz sucht, keine Zuflucht.

Wort für Wort
na tasya bījaṃ rohati bījakāle na cāsya varṣaṃ varṣati varṣakāle bhītaṃ prapannaṃ pradadāti śatrave na so 'ntaraṃ labhate trāṇam icchan
Wer einen furchtsam Zuflucht Suchenden dem Feind ausliefert, dessen Samen keimt nicht zur Aussaatzeit, für ihn regnet es nicht zur Regenzeit, und er findet, obwohl er Schutz sucht, keine Zuflucht.

mogham annaṃ vindati cāpy acetāḥ svargāl lokād bhraśyati naṣṭaceṣṭaḥ bhītaṃ prapannaṃ pradadāti yo vai na tasya havyaṃ pratigṛhṇanti devāḥ

Und der Unbesonnene erhält nur nutzlose Speise, er fällt, seiner Wirkkraft beraubt, aus der Himmelswelt; wer einen furchtsam Zuflucht Suchenden ausliefert, dessen Opfergabe nehmen die Götter nicht an.

Wort für Wort
mogham annaṃ vindati cāpy acetāḥ svargāl lokād bhraśyati naṣṭaceṣṭaḥ bhītaṃ prapannaṃ pradadāti yo vai na tasya havyaṃ pratigṛhṇanti devāḥ
Und der Unbesonnene erhält nur nutzlose Speise, er fällt, seiner Wirkkraft beraubt, aus der Himmelswelt; wer einen furchtsam Zuflucht Suchenden ausliefert, dessen Opfergabe nehmen die Götter nicht an.

pramīyate cāsya prajā hy akāle sadā vivāsaṃ pitaro 'sya kurvate bhītaṃ prapannaṃ pradadāti śatrave sendrā devāḥ praharanty asya vajram

Und seine Nachkommenschaft stirbt vorzeitig, seine Vorväter verstoßen ihn für immer; wer einen furchtsam Zuflucht Suchenden dem Feind ausliefert, gegen den schleudern die Götter samt Indra den Blitz.“

Wort für Wort
pramīyate cāsya prajā hy akāle sadā vivāsaṃ pitaro 'sya kurvate bhītaṃ prapannaṃ pradadāti śatrave sendrā devāḥ praharanty asya vajram
Und seine Nachkommenschaft stirbt vorzeitig, seine Vorväter verstoßen ihn für immer; wer einen furchtsam Zuflucht Suchenden dem Feind ausliefert, gegen den schleudern die Götter samt Indra den Blitz.“

Diese drei Verse (V.19-21) sind als von Bṛhaspati zitierte, angeblich von Brahmā stammende Lehrverse gekennzeichnet - eine dritte, hier typographisch nicht eigens markierte Zitatebene innerhalb Bṛhaspatis Rede.

etad evaṃ vijānan vai na dāsyāmi śacīm imām indrāṇīṃ viśrutāṃ loke śakrasya mahiṣīṃ priyām

„Dies wohl wissend, werde ich diese Śacī nicht ausliefern, die in der Welt berühmte Indrāṇī, Śakras geliebte Hauptgemahlin.

Wort für Wort
etad evaṃ vijānan vai na dāsyāmi śacīm imām indrāṇīṃ viśrutāṃ loke śakrasya mahiṣīṃ priyām
„Dies wohl wissend, werde ich diese Śacī nicht ausliefern, die in der Welt berühmte Indrāṇī, Śakras geliebte Hauptgemahlin.

asyā hitaṃ bhaved yac ca mama cāpi hitaṃ bhavet kriyatāṃ tat suraśreṣṭhā na hi dāsyāmy ahaṃ śacīm

Was ihr zum Wohl gereicht und auch mir zum Wohl gereicht, das möge geschehen, ihr Vortrefflichsten der Götter; doch ausliefern werde ich Śacī nicht.“

Wort für Wort
asyā hitaṃ bhaved yac ca mama cāpi hitaṃ bhavet kriyatāṃ tat suraśreṣṭhā na hi dāsyāmy ahaṃ śacīm
Was ihr zum Wohl gereicht und auch mir zum Wohl gereicht, das möge geschehen, ihr Vortrefflichsten der Götter; doch ausliefern werde ich Śacī nicht.“

śalya uvāca atha devās tam evāhur gurum aṅgirasāṃ varam kathaṃ sunītaṃ tu bhaven mantrayasva bṛhaspate

Śalya sprach: Darauf sprachen die Götter zu ihm, dem Guru, dem Vortrefflichsten der Aṅgirasas: „Wie könnte eine gute Lösung gefunden werden? Berate uns, Bṛhaspati.“

Wort für Wort
śalya uvāca atha devās tam evāhur gurum aṅgirasāṃ varam kathaṃ sunītaṃ tu bhaven mantrayasva bṛhaspate
Śalya sprach: Darauf sprachen die Götter zu ihm, dem Guru, dem Vortrefflichsten der Aṅgirasas: „Wie könnte eine gute Lösung gefunden werden? Berate uns, Bṛhaspati.“

bṛhaspatir uvāca nahuṣaṃ yācatāṃ devī kiṃ cit kālāntaraṃ śubhā indrāṇīhitam etad dhi tathāsmākaṃ bhaviṣyati

Bṛhaspati sprach: „Die heilvolle Göttin soll Nahuṣa um eine gewisse Zeitspanne bitten; dies wird sowohl Indrāṇī als auch uns zum Wohl gereichen.

Wort für Wort
bṛhaspatir uvāca nahuṣaṃ yācatāṃ devī kiṃ cit kālāntaraṃ śubhā indrāṇīhitam etad dhi tathāsmākaṃ bhaviṣyati
Bṛhaspati sprach: „Die heilvolle Göttin soll Nahuṣa um eine gewisse Zeitspanne bitten; dies wird sowohl Indrāṇī als auch uns zum Wohl gereichen.

bahuvighnakaraḥ kālaḥ kālaḥ kālaṃ nayiṣyati darpito balavāṃś cāpi nahuṣo varasaṃśrayāt

Die Zeit bringt viele Hindernisse hervor, die Zeit wird die Zeit vergehen lassen; auch Nahuṣa, so hochmütig und mächtig geworden durch die erlangte Gunst, [wird so seinem Fall entgegengehen].“

Wort für Wort
bahuvighnakaraḥ kālaḥ kālaḥ kālaṃ nayiṣyati darpito balavāṃś cāpi nahuṣo varasaṃśrayāt
Die Zeit bringt viele Hindernisse hervor, die Zeit wird die Zeit vergehen lassen; auch Nahuṣa, so hochmütig und mächtig geworden durch die erlangte Gunst, [wird so seinem Fall entgegengehen].“

[?] Die Konstruktion ist elliptisch (kein eigenes Verb für den Nahuṣa-Satzteil); Sinn erschlossen aus dem Kontext: die Zeit selbst wird Nahuṣas Übermut zu Fall bringen.

śalya uvāca tatas tena tathokte tu prītā devās tam abruvan brahman sādhv idam uktaṃ te hitaṃ sarvadivaukasām evam etad dvijaśreṣṭha devī ceyaṃ prasādyatām

Śalya sprach: Als er so gesprochen hatte, sprachen die erfreuten Götter zu ihm: „Gut gesprochen hast du, Brahmane, zum Wohl aller Himmelsbewohner; so sei es, du Vortrefflichster der Zweifachgeborenen - und diese Göttin möge nun besänftigt werden.“

Wort für Wort
śalya uvāca tatas tena tathokte tu prītā devās tam abruvan brahman sādhv idam uktaṃ te hitaṃ sarvadivaukasām evam etad dvijaśreṣṭha devī ceyaṃ prasādyatām
Śalya sprach: Als er so gesprochen hatte, sprachen die erfreuten Götter zu ihm: „Gut gesprochen hast du, Brahmane, zum Wohl aller Himmelsbewohner; so sei es, du Vortrefflichster der Zweifachgeborenen - und diese Göttin möge nun besänftigt werden.“

tataḥ samastā indrāṇīṃ devāḥ sāgnipurogamāḥ ūcur vacanam avyagrā lokānāṃ hitakāmyayā

Darauf sprachen alle Götter, angeführt von Agni, gelassen und im Wunsch nach dem Wohl der Welten zu Indrāṇī folgendes Wort:

Wort für Wort
tataḥ samastā indrāṇīṃ devāḥ sāgnipurogamāḥ ūcur vacanam avyagrā lokānāṃ hitakāmyayā
Darauf sprachen alle Götter, angeführt von Agni, gelassen und im Wunsch nach dem Wohl der Welten zu Indrāṇī folgendes Wort:

tvayā jagad idaṃ sarvaṃ dhṛtaṃ sthāvarajaṅgamam ekapatny asi satyā ca gacchasva nahuṣaṃ prati

„Von dir wird diese ganze Welt getragen, das Bewegliche und Unbewegliche; du bist deinem einen Gatten treu und wahrhaftig - geh zu Nahuṣa.

Wort für Wort
tvayā jagad idaṃ sarvaṃ dhṛtaṃ sthāvarajaṅgamam ekapatny asi satyā ca gacchasva nahuṣaṃ prati
„Von dir wird diese ganze Welt getragen, das Bewegliche und Unbewegliche; du bist deinem einen Gatten treu und wahrhaftig - geh zu Nahuṣa.

kṣipraṃ tvām abhikāmaś ca vinaśiṣyati pārthivaḥ nahuṣo devi śakraś ca suraiśvaryam avāpsyati

Der dich begehrende Fürst Nahuṣa wird bald zugrunde gehen, Göttin, und Śakra wird die Herrschaft über die Götter wiedererlangen.“

Wort für Wort
kṣipraṃ tvām abhikāmaś ca vinaśiṣyati pārthivaḥ nahuṣo devi śakraś ca suraiśvaryam avāpsyati
Der dich begehrende Fürst Nahuṣa wird bald zugrunde gehen, Göttin, und Śakra wird die Herrschaft über die Götter wiedererlangen.“

evaṃ viniścayaṃ kṛtvā indrāṇī kāryasiddhaye abhyagacchata savrīḍā nahuṣaṃ ghoradarśanam

Nachdem sie diesen Entschluss gefasst hatte, ging Indrāṇī, um die Sache zum guten Ende zu bringen, verschämt zu Nahuṣa von schrecklichem Aussehen.

Wort für Wort
evaṃ viniścayaṃ kṛtvā indrāṇī kāryasiddhaye abhyagacchata savrīḍā nahuṣaṃ ghoradarśanam
Nachdem sie diesen Entschluss gefasst hatte, ging Indrāṇī, um die Sache zum guten Ende zu bringen, verschämt zu Nahuṣa von schrecklichem Aussehen.

dṛṣṭvā tāṃ nahuṣaś cāpi vayorūpasamanvitām samahṛṣyata duṣṭātmā kāmopahatacetanaḥ

Als Nahuṣa sie sah, ausgestattet mit jugendlicher Schönheit, freute sich der Bösgesinnte, dessen Sinn von Begierde geschlagen war.

Wort für Wort
dṛṣṭvā tāṃ nahuṣaś cāpi vayorūpasamanvitām samahṛṣyata duṣṭātmā kāmopahatacetanaḥ
Als Nahuṣa sie sah, ausgestattet mit jugendlicher Schönheit, freute sich der Bösgesinnte, dessen Sinn von Begierde geschlagen war.

Die Erzählung setzt sich im nächsten Kapitel fort (Śacīs Hinhaltetaktik und Nahuṣas endgültiger Sturz); Śalyas Rahmenrede bleibt weiterhin offen.

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