Bhīṣma erzählt weiter: Mit Erlaubnis Satyavatīs und der Berater zog Ambā zu Śālva. Doch dieser weist sie zurück, da sie, von Bhīṣma im Kampf erobert, ihm nicht mehr als reine Braut gelten könne. Ambā fleht ihn vielfach an, schwört ihm ihre Treue und erklärt, sie sei nur mit Erlaubnis Bhīṣmas gekommen, der sie gar nicht begehrt habe. Śālva bleibt jedoch aus Furcht vor Bhīṣma hart und verstößt sie endgültig; verzweifelt verlässt Ambā die Stadt. (Der gesamte Dialog wird, da er innerhalb von Bhīṣmas eigener wörtlicher Erzählung eine dritte Zitierebene beanspruchen würde, als indirekte Rede wiedergegeben.)
bhīṣma uvāca tato 'haṃ samanujñāpya kālīṃ satyavatīṃ tadā mantriṇaś ca dvijāṃś caiva tathaiva ca purohitān samanujñāsiṣaṃ kanyāṃ jyeṣṭhām ambāṃ narādhipa
Darauf, nachdem ich die dunkle Satyavatī um Erlaubnis gebeten hatte, und ebenso die Minister und die Brahmanen und die Hauspriester, gab ich der ältesten Prinzessin Ambā die Erlaubnis, Herrscher der Menschen.
anujñātā yayau sā tu kanyā śālvapateḥ puram vṛddhair dvijātibhir guptā dhātryā cānugatā tadā atītya ca tam adhvānam āsasāda narādhipam
Mit dieser Erlaubnis zog die Prinzessin zur Stadt des Herrn von Śālva, von alten Brahmanen beschützt und von ihrer Amme begleitet; und nachdem sie diesen Weg zurückgelegt hatte, erreichte sie den Herrscher.
Als sie diesen König Śālva erreicht hatte, sagte sie ihm, dass sie, Starkarmiger, gekommen sei, ihn, den Glanzvollen, aufzusuchen.
Wort für Wort
sā
sie (Nom. Sg.)
tam
diesen (Akk. Sg.)
āsādya
erreicht habend (Absol.)
rājānam
König (Akk. Sg.)
śālvam
Śālva (Akk. Sg.)
vacanam
Worte (Akk. Sg.)
abravīt
sagte (Impf. 3. Sg.)
āgatā
gekommen (Nom. Sg. Past Part.)
aham
sie (Nom. Sg., hier indirekt)
mahābāho
o Starkarmiger (Vok. Sg., hier indirekt)
tvām
ihn (Akk. Sg., hier indirekt für 'dich')
uddiśya
aufsuchend (Absol.)
mahādyute
o Glanzvoller (Vok. Sg., hier indirekt)
[?] Ab hier folgt der ausführliche Dialog zwischen Ambā und Śālva; da er innerhalb von Bhīṣmas eigener, bereits wörtlich zitierter Erzählung liegt (dritte Zitierebene), wird er durchgängig als indirekte Rede wiedergegeben.
Der Herr von Śālva erwiderte ihr, gleichsam lächelnd, Herr der Völker, dass er sie, die einem anderen zuvor gehört habe, nicht zur Gattin begehre, Schönfarbige.
Wort für Wort
tām
ihr (Akk. Sg.)
abravīt
erwiderte (Impf. 3. Sg.)
śālvapatiḥ
der Herr von Śālva (Nom. Sg.)
smayan
lächelnd (Nom. Sg. Präs. Part.)
iva
gleichsam (Partikel)
viśām
der Völker (Gen. Pl.)
pate
o Herr (Vok. Sg., hier indirekt)
tvayā
durch dich (Instr. Sg., hier indirekt)
anyapūrvayā
die einem anderen zuvor gehörte (Instr. Sg. Bahuvrīhi)
gaccha bhadre punas tatra sakāśaṃ bhāratasya vai nāham icchāmi bhīṣmeṇa gṛhītāṃ tvāṃ prasahya vai
Er sagte, sie möge, Gute, wieder dorthin zurückkehren, in die Gegenwart des Bhārata; er wolle sie, die von Bhīṣma mit Gewalt genommen worden sei, nicht zur Frau.
Er sagte, sie sei, von Bhīṣma besiegt und fortgeführt, damals wohl zufrieden gewesen, ergriffen in der großen Schlacht, nachdem er die Könige der Erde besiegt hatte; er begehre sie, die einem anderen zuvor gehört habe, nicht zur Gattin, Schönfarbige.
Wort für Wort
tvam
sie (Nom. Sg., hier indirekt)
hi
wahrlich (Partikel)
nirjitya
besiegt habend (Absol.)
bhīṣmeṇa
von Bhīṣma (Instr. Sg.)
nītā
fortgeführt (Nom. Sg. Past Part.)
prītimatī
wohl zufrieden (Nom. Sg. Bahuvrīhi)
tadā
damals (Adv.)
parāmṛśya
ergriffen habend (Absol.)
mahāyuddhe
in der großen Schlacht (Loc. Sg.)
nirjitya
besiegt habend (Absol.)
pṛthivīpatīn
die Könige der Erde (Akk. Pl.)
na
nicht (Neg.)
aham
er (Nom. Sg., hier indirekt)
tvayi
sie (Loc. Sg., hier indirekt)
anyapūrvāyām
die einem anderen zuvor gehörte (Loc. Sg. Bahuvrīhi)
Er fragte, wie ein König wie er, der die Lehre kenne und anderen die Rechtsordnung vorschreibe, eine Frau, die einem anderen zuvor gehört habe, in sein Haus aufnehmen könne; sie möge, Gute, nach Belieben gehen - diese Zeit möge ihr nicht entgehen.
Wort für Wort
katham
wie (Interrog.)
asmadvidhaḥ
einer wie er/ich (Nom. Sg.)
rājā
König (Nom. Sg.)
parapūrvām
die einem anderen zuvor gehörte (Akk. Sg. Bahuvrīhi)
praveśayet
könnte aufnehmen (Opt. Kaus. 3. Sg.)
nārīm
Frau (Akk. Sg.)
viditavijñānaḥ
der die Lehre kennt (Nom. Sg. Bahuvrīhi)
pareṣām
anderen (Gen. Pl.)
dharmam
die Rechtsordnung (Akk. Sg.)
ādiśan
vorschreibend (Nom. Sg. Präs. Part.)
yatheṣṭam
nach Belieben (Adv.)
gamyatām
möge gegangen werden (Pass. Imp. 3. Sg., hier indirekt)
Sie sagte, sie sei nicht willig fortgeführt worden von Bhīṣma, Bezwinger der Feinde; sie sei mit Gewalt fortgeführt worden, weinend, nachdem er die Könige der Erde in die Flucht geschlagen habe.
bhajasva māṃ śālvapate bhaktāṃ bālām anāgasam bhaktānāṃ hi parityāgo na dharmeṣu praśasyate
Sie bat, er, Herr von Śālva, möge sie annehmen, sie, die Ergebene, das schuldlose Mädchen; denn das Verlassen der Ergebenen werde in den Rechtslehren nicht gepriesen.
Sie sagte, sie habe den Sohn der Gaṅgā, der im Kampf nie zurückweiche, um Erlaubnis gebeten, und von ihm die Erlaubnis erhalten, und sei eben zu seinem Haus gekommen.
bhaginyau mama ye nīte ambikāmbālike nṛpa prādād vicitravīryāya gāṅgeyo hi yavīyase
Sie sagte, ihre beiden Schwestern, die fortgeführt worden seien, Ambikā und Ambālikā, o König, habe der Sohn der Gaṅgā dem jüngeren Vicitravīrya gegeben.
Sie sagte, sie sei nicht einem anderen zuvor angehörig gewesen, als sie zu ihm, Indra der Könige, gekommen sei; sie spreche die Wahrheit, Śālva, dies berühre sie mit der Wahrheit sich selbst.
Wort für Wort
na
nicht (Neg.)
ca
und (Partikel)
anyapūrvā
einem anderen zuvor angehörig (Nom. Sg. Bahuvrīhi)
Sie bat, er, Großäugiger, möge sie annehmen, das Mädchen, das aus eigenem Willen gekommen sei, die keinem anderen zuvor angehört habe, Indra der Könige, die nach seiner Gnade verlange.
Wort für Wort
bhajasva
nimm an (Imp. Med. 2. Sg., hier indirekt)
mām
sie (Akk. Sg., hier indirekt)
viśālākṣa
o Großäugiger (Vok. Sg., hier indirekt)
svayam
aus eigenem Willen (Adv.)
kanyām
das Mädchen (Akk. Sg.)
upasthitām
gekommen (Akk. Sg. Past Part.)
ananyapūrvām
die keinem anderen zuvor angehörte (Akk. Sg. Bahuvrīhi)
rājendra
o Indra der Könige (Vok. Sg., hier indirekt)
tvatprasādābhikāṅkṣiṇīm
die nach seiner Gnade verlangt (Akk. Sg. Bahuvrīhi)
tvayā tyaktā gamiṣyāmi yatra yatra viśāṃ pate tatra me santu gatayaḥ santaḥ satyaṃ yathābruvam
sie sagte, von ihm verlassen, werde sie gehen, wohin auch immer, Herr der Völker; dorthin mögen ihre Wege führen, so wahr wie sie eben die Wahrheit gesprochen habe.