Kapitel 43: Sanatsujāta-parva (3) / Sanatsujātīya II
Askese, die zwölf Tugenden des Brahmanen und das Wesen des wahren Vedenkenners
Ein dichter Frage-Antwort-Wechsel eröffnet das Kapitel: Können die Veden selbst vor Sünde retten? Sanatsujāta verneint - nicht die heiligen Verse, sondern nur die Wahrheit selbst rettet, und Askese trägt Frucht nur jenseits dieser Welt. Auf Dhṛtarāṣṭras Bitte um Klärung, was 'vollkommene Askese' bedeute, entfaltet Sanatsujāta einen langen Katalog: die zwölf Fehler des Menschen (Zorn u.a.), die sechs und sieben Merkmale von Grausamkeit, die zwölf großen Gelübde des Brahmanen, sowie die detaillierten Fehlerlisten von Selbstbeherrschung (18 Fehler) und Nicht-Nachlässigkeit (8 Fehler). Ein zweiter Frage-Antwort-Wechsel schließt sich an: welcher Grad der Vedenkenntnis macht einen wahren Brahmanen aus? Sanatsujātas Antwort gipfelt in der berühmten Unterscheidung zwischen bloßem Vedenwissen und dem wahren, in der Wahrheit gegründeten Erkennen des 'Erkennbaren' (vedya) - wer nur die Veden kennt, kennt noch nicht das eigentlich Wissenswerte; nur wer in der Wahrheit steht, schaut das Brahman. Sanatsujātas Rede bleibt auch am Kapitelende offen.
dhṛtarāṣṭra uvāca ṛco yajūṃṣy adhīte yaḥ sāmavedaṃ ca yo dvijaḥ pāpāni kurvan pāpena lipyate na sa lipyate
‘ Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Der Zweifachgeborene, der die Ṛc-, Yajus- und Sāmaveden studiert - wird er, Sünden begehend, von der Sünde befleckt, oder wird er nicht befleckt?‘
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca ṛco yajūṃṣy adhīte yaḥ sāmavedaṃ ca yo dvijaḥ pāpāni kurvan pāpena lipyate na sa lipyate
‘ Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Der Zweifachgeborene, der die Ṛc-, Yajus- und Sāmaveden studiert - wird er, Sünden begehend, von der Sünde befleckt, oder wird er nicht befleckt?‘
Hier schließt Sanatsujātas seit Kap.42 V.18 offene Rede; Dhṛtarāṣṭras neue Frage über das Verhältnis von Vedenstudium und Sünde eröffnet einen dichten Frage-Antwort-Wechsel.
sanatsujāta uvāca nainaṃ sāmāny ṛco vāpi na yajūṃṣi vicakṣaṇa trāyante karmaṇaḥ pāpān na te mithyā bravīmy aham
Sanatsujāta sprach: ‚Weder die Sāma- noch die Ṛc-Verse noch die Yajus-Sprüche retten ihn, o Kluger, vor den bösen Taten - dies sage ich dir nicht als Lüge.
Wort für Wort
sanatsujāta uvāca nainaṃ sāmāny ṛco vāpi na yajūṃṣi vicakṣaṇa trāyante karmaṇaḥ pāpān na te mithyā bravīmy aham
Sanatsujāta sprach: ‚Weder die Sāma- noch die Ṛc-Verse noch die Yajus-Sprüche retten ihn, o Kluger, vor den bösen Taten - dies sage ich dir nicht als Lüge.
Die heiligen Versmaße retten den Betrüger, der in Betrug lebt, nicht aus dem Unrecht; wie Vögel mit gewachsenem Gefieder das Nest verlassen, so verlassen ihn die Versmaße zur Stunde des Todes.‘
Die heiligen Versmaße retten den Betrüger, der in Betrug lebt, nicht aus dem Unrecht; wie Vögel mit gewachsenem Gefieder das Nest verlassen, so verlassen ihn die Versmaße zur Stunde des Todes.‘
Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Wenn die Veden den Vedenkenner nicht zu retten vermögen, o Kluger, warum gibt es dann dieses seit alters übliche Gerede der Brahmanen über die Veden?‘
Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Wenn die Veden den Vedenkenner nicht zu retten vermögen, o Kluger, warum gibt es dann dieses seit alters übliche Gerede der Brahmanen über die Veden?‘
sanatsujāta uvāca asmiṃl loke tapas taptaṃ phalam anyatra dṛśyate brāhmaṇānām ime lokā ṛddhe tapasi saṃyatāḥ
Sanatsujāta sprach: ‚Die in dieser Welt vollzogene Askese zeigt ihre Frucht anderswo; diese verheißenen Welten der Brahmanen sind an gediehene Askese gebunden.‘
Wort für Wort
sanatsujāta uvāca asmiṃl loke tapas taptaṃ phalam anyatra dṛśyate brāhmaṇānām ime lokā ṛddhe tapasi saṃyatāḥ
Sanatsujāta sprach: ‚Die in dieser Welt vollzogene Askese zeigt ihre Frucht anderswo; diese verheißenen Welten der Brahmanen sind an gediehene Askese gebunden.‘
dhṛtarāṣṭra uvāca kathaṃ samṛddham apy ṛddhaṃ tapo bhavati kevalam sanatsujāta tad brūhi yathā vidyāma tad vayam
Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Wie wird Askese, selbst wenn sie reichlich vollzogen ist, wahrhaft vollkommen - sage mir dies, o Sanatsujāta, damit wir es erkennen.‘
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca kathaṃ samṛddham apy ṛddhaṃ tapo bhavati kevalam sanatsujāta tad brūhi yathā vidyāma tad vayam
Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Wie wird Askese, selbst wenn sie reichlich vollzogen ist, wahrhaft vollkommen - sage mir dies, o Sanatsujāta, damit wir es erkennen.‘
Sanatsujāta sprach: ‚Zorn und ähnliche Regungen sind zwölf Fehler, ebenso Grausamkeit und Ähnliches sechs, o König, hier nun aufgezählt; Rechtschaffenheit und Ähnliches sind zwölf ausgebreitete Tugenden, die in der Lehre den Zweifachgeborenen bekannt sind.
Sanatsujāta sprach: ‚Zorn und ähnliche Regungen sind zwölf Fehler, ebenso Grausamkeit und Ähnliches sechs, o König, hier nun aufgezählt; Rechtschaffenheit und Ähnliches sind zwölf ausgebreitete Tugenden, die in der Lehre den Zweifachgeborenen bekannt sind.
krodhaḥ kāmo lobhamohau vivitsā;kṛpāsūyā mānaśokau spṛhā ca īrṣyā jugupsā ca manuṣyadoṣā; varjyāḥ sadā dvādaśaite nareṇa
Zorn, Begierde, Gier und Verblendung, Neugier, Mitleidlosigkeit, Missgunst, Stolz und Kummer, Verlangen, Eifersucht und Abscheu - diese zwölf Fehler des Menschen soll der Mensch stets meiden.
Wort für Wort
krodhaḥ kāmo lobhamohau vivitsā;kṛpāsūyā mānaśokau spṛhā ca īrṣyā jugupsā ca manuṣyadoṣā; varjyāḥ sadā dvādaśaite nareṇa
Zorn, Begierde, Gier und Verblendung, Neugier, Mitleidlosigkeit, Missgunst, Stolz und Kummer, Verlangen, Eifersucht und Abscheu - diese zwölf Fehler des Menschen soll der Mensch stets meiden.
vikatthanaḥ spṛhayālur manasvī; bibhrat kopaṃ capalo 'rakṣaṇaś ca ete prāptāḥ ṣaṇ narān pāpadharmān; prakurvate nota santaḥ sudurge
[?] Der Prahler, der Begehrliche, der Stolze, der Zorn Hegende, der Wankelmütige und der Unbeherrschte - diese sechs, wenn sie einen Menschen erfassen, verleiten ihn zu bösem Tun; die Guten aber tun dies nicht, selbst in großer Bedrängnis.
Wort für Wort
vikatthanaḥ spṛhayālur manasvī; bibhrat kopaṃ capalo 'rakṣaṇaś ca ete prāptāḥ ṣaṇ narān pāpadharmān; prakurvate nota santaḥ sudurge
[?] Der Prahler, der Begehrliche, der Stolze, der Zorn Hegende, der Wankelmütige und der Unbeherrschte - diese sechs, wenn sie einen Menschen erfassen, verleiten ihn zu bösem Tun; die Guten aber tun dies nicht, selbst in großer Bedrängnis.
[?] Wer sich heimlich am gemeinsamen Genuss weidet, während er den Hass wachsen lässt, wer das Gegebene nachträglich bereut, der Geizige, der Schwache, wer nur seine eigene Gruppe lobt, und wer Frauen verabscheut - diese sieben weiteren sind die Merkmale der Grausamkeit.
[?] Wer sich heimlich am gemeinsamen Genuss weidet, während er den Hass wachsen lässt, wer das Gegebene nachträglich bereut, der Geizige, der Schwache, wer nur seine eigene Gruppe lobt, und wer Frauen verabscheut - diese sieben weiteren sind die Merkmale der Grausamkeit.
dharmaś ca satyaṃ ca damas tapaś ca; amātsaryaṃ hrīs titikṣānasūyā yajñaś ca dānaṃ ca dhṛtiḥ śrutaṃ ca; mahāvratā dvādaśa brāhmaṇasya
Rechtschaffenheit, Wahrheit, Selbstbeherrschung, Askese, Freiheit von Missgunst, Scham, Geduld, Freiheit von Tadelsucht, Opfer, Freigebigkeit, Standhaftigkeit und heilige Gelehrsamkeit - dies sind die zwölf großen Gelübde des Brahmanen.
Wort für Wort
dharmaś ca satyaṃ ca damas tapaś ca; amātsaryaṃ hrīs titikṣānasūyā yajñaś ca dānaṃ ca dhṛtiḥ śrutaṃ ca; mahāvratā dvādaśa brāhmaṇasya
Rechtschaffenheit, Wahrheit, Selbstbeherrschung, Askese, Freiheit von Missgunst, Scham, Geduld, Freiheit von Tadelsucht, Opfer, Freigebigkeit, Standhaftigkeit und heilige Gelehrsamkeit - dies sind die zwölf großen Gelübde des Brahmanen.
yas tv etebhyaḥ pravased dvādaśebhyaḥ; sarvām apīmāṃ pṛthivīṃ praśiṣyāt tribhir dvābhyām ekato vā viśiṣṭo; nāsya svam astīti sa veditavyaḥ
[?] Wer sich aber von diesen zwölf Tugenden fernhält, mag er auch diese ganze Erde beherrschen - und sei er auch durch drei, zwei oder auch nur eine dieser Tugenden ausgezeichnet -, von ihm ist zu wissen: er hat kein wahres Eigentum an sich selbst.
Wort für Wort
yas tv etebhyaḥ pravased dvādaśebhyaḥ; sarvām apīmāṃ pṛthivīṃ praśiṣyāt tribhir dvābhyām ekato vā viśiṣṭo; nāsya svam astīti sa veditavyaḥ
[?] Wer sich aber von diesen zwölf Tugenden fernhält, mag er auch diese ganze Erde beherrschen - und sei er auch durch drei, zwei oder auch nur eine dieser Tugenden ausgezeichnet -, von ihm ist zu wissen: er hat kein wahres Eigentum an sich selbst.
damas tyāgo 'pramādaś ca eteṣv amṛtam āhitam tāni satyamukhāny āhur brāhmaṇā ye manīṣiṇaḥ
Selbstbeherrschung, Entsagung und Nicht-Nachlässigkeit - in diesen ist die Unsterblichkeit begründet; diese nennen die einsichtsvollen Brahmanen die Münder der Wahrheit.
Wort für Wort
damas tyāgo 'pramādaś ca eteṣv amṛtam āhitam tāni satyamukhāny āhur brāhmaṇā ye manīṣiṇaḥ
Selbstbeherrschung, Entsagung und Nicht-Nachlässigkeit - in diesen ist die Unsterblichkeit begründet; diese nennen die einsichtsvollen Brahmanen die Münder der Wahrheit.
damo 'ṣṭādaśadoṣaḥ syāt pratikūlaṃ kṛtākṛte anṛtaṃ cābhyasūyā ca kāmārthau ca tathā spṛhā
Selbstbeherrschung besteht im Freisein von achtzehn Fehlern: dem Wollen, Getanes und Ungetanes umzukehren, Lüge, Missgunst, Begierde nach Genuss und Reichtum sowie Verlangen,
Wort für Wort
damo 'ṣṭādaśadoṣaḥ syāt pratikūlaṃ kṛtākṛte anṛtaṃ cābhyasūyā ca kāmārthau ca tathā spṛhā
Selbstbeherrschung besteht im Freisein von achtzehn Fehlern: dem Wollen, Getanes und Ungetanes umzukehren, Lüge, Missgunst, Begierde nach Genuss und Reichtum sowie Verlangen,
Geistesabwesenheit, Überheblichkeit in der Rede und Selbstüberschätzung - wer von diesen achtzehn Fehlern frei ist, dessen Zustand nennen die Guten Selbstbeherrschung.
Geistesabwesenheit, Überheblichkeit in der Rede und Selbstüberschätzung - wer von diesen achtzehn Fehlern frei ist, dessen Zustand nennen die Guten Selbstbeherrschung.
śreyāṃs tu ṣaḍvidhas tyāgaḥ priyaṃ prāpya na hṛṣyati apriye tu samutpanne vyathāṃ jātu na cārcchati
Die vorzüglichere Entsagung aber ist sechsfacher Art: er freut sich nicht, wenn ihm Angenehmes zuteilwird, und wenn Unangenehmes entsteht, gerät er niemals in Erregung -
Wort für Wort
śreyāṃs tu ṣaḍvidhas tyāgaḥ priyaṃ prāpya na hṛṣyati apriye tu samutpanne vyathāṃ jātu na cārcchati
Die vorzüglichere Entsagung aber ist sechsfacher Art: er freut sich nicht, wenn ihm Angenehmes zuteilwird, und wenn Unangenehmes entsteht, gerät er niemals in Erregung -
iṣṭān dārāṃś ca putrāṃś ca na cānyaṃ yad vaco bhavet arhate yācamānāya pradeyaṃ tad vaco bhavet apy avācyaṃ vadaty eva sa tṛtīyo guṇaḥ smṛtaḥ
[?] - er entsagt geliebten Gattinnen und Söhnen, und was das Wort betrifft, das keinem anderen zustehen sollte, so gibt er es; dem würdigen Bittsteller soll gegeben werden, was durch Wort versprochen ist; er spricht sogar das Unsagbare aus - dies gilt als die dritte Tugend.
Wort für Wort
iṣṭān dārāṃś ca putrāṃś ca na cānyaṃ yad vaco bhavet arhate yācamānāya pradeyaṃ tad vaco bhavet apy avācyaṃ vadaty eva sa tṛtīyo guṇaḥ smṛtaḥ
[?] - er entsagt geliebten Gattinnen und Söhnen, und was das Wort betrifft, das keinem anderen zustehen sollte, so gibt er es; dem würdigen Bittsteller soll gegeben werden, was durch Wort versprochen ist; er spricht sogar das Unsagbare aus - dies gilt als die dritte Tugend.
tyaktair dravyair yo bhavati nopayuṅkte ca kāmataḥ na ca karmasu tad dhīnaḥ śiṣyabuddhir naro yathā sarvair eva guṇair yukto dravyavān api yo bhavet
[?] Wer sich an weggegebenen Gütern nicht mehr festhält und sie nicht aus Begehren zurücknutzt, und der darin in seinen Handlungen nicht mangelhaft ist, wie ein Mensch mit der Gesinnung eines gehorsamen Schülers - ein solcher, mit allen diesen Tugenden ausgestattet, mag auch weiterhin Besitz haben.
Wort für Wort
tyaktair dravyair yo bhavati nopayuṅkte ca kāmataḥ na ca karmasu tad dhīnaḥ śiṣyabuddhir naro yathā sarvair eva guṇair yukto dravyavān api yo bhavet
[?] Wer sich an weggegebenen Gütern nicht mehr festhält und sie nicht aus Begehren zurücknutzt, und der darin in seinen Handlungen nicht mangelhaft ist, wie ein Mensch mit der Gesinnung eines gehorsamen Schülers - ein solcher, mit allen diesen Tugenden ausgestattet, mag auch weiterhin Besitz haben.
apramādo 'ṣṭadoṣaḥ syāt tān doṣān parivarjayet indriyebhyaś ca pañcabhyo manasaś caiva bhārata atītānāgatebhyaś ca mukto hy etaiḥ sukhī bhavet
Nicht-Nachlässigkeit besteht im Freisein von acht Fehlern; diese Fehler, die von den fünf Sinnen und dem Geist herrühren, meide man, o Bhārata; von diesen und von Vergangenem und Zukünftigem befreit, wird man glücklich.
Wort für Wort
apramādo 'ṣṭadoṣaḥ syāt tān doṣān parivarjayet indriyebhyaś ca pañcabhyo manasaś caiva bhārata atītānāgatebhyaś ca mukto hy etaiḥ sukhī bhavet
Nicht-Nachlässigkeit besteht im Freisein von acht Fehlern; diese Fehler, die von den fünf Sinnen und dem Geist herrühren, meide man, o Bhārata; von diesen und von Vergangenem und Zukünftigem befreit, wird man glücklich.
doṣair etair vimuktaṃ tu guṇair etaiḥ samanvitam etat samṛddham apy ṛddhaṃ tapo bhavati kevalam yan māṃ pṛcchasi rājendra kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
Von diesen Fehlern befreit und mit diesen Tugenden ausgestattet - das ist die reichliche und zugleich wahrhaft vollkommene Askese, wonach du mich fragst, o Herrscher der Könige. Was möchtest du weiter hören?‘
Wort für Wort
doṣair etair vimuktaṃ tu guṇair etaiḥ samanvitam etat samṛddham apy ṛddhaṃ tapo bhavati kevalam yan māṃ pṛcchasi rājendra kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
Von diesen Fehlern befreit und mit diesen Tugenden ausgestattet - das ist die reichliche und zugleich wahrhaft vollkommene Askese, wonach du mich fragst, o Herrscher der Könige. Was möchtest du weiter hören?‘
Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Meist wird ein Mensch als gebildet bezeichnet, wenn er die Veden samt der Erzählliteratur als fünftem Veda kennt; ebenso gibt es andere, die vier Veden kennen, und wieder andere drei Veden,
Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Meist wird ein Mensch als gebildet bezeichnet, wenn er die Veden samt der Erzählliteratur als fünftem Veda kennt; ebenso gibt es andere, die vier Veden kennen, und wieder andere drei Veden,
dvivedāś caikavedāś ca anṛcaś ca tathāpare teṣāṃ tu katamaḥ sa syād yam ahaṃ veda brāhmaṇam
zwei Veden, einen Veda, und wieder andere ohne Kenntnis auch nur eines Ṛc-Verses - wer von diesen nun ist es, den ich als wahren Brahmanen erkennen soll?‘
Wort für Wort
dvivedāś caikavedāś ca anṛcaś ca tathāpare teṣāṃ tu katamaḥ sa syād yam ahaṃ veda brāhmaṇam
zwei Veden, einen Veda, und wieder andere ohne Kenntnis auch nur eines Ṛc-Verses - wer von diesen nun ist es, den ich als wahren Brahmanen erkennen soll?‘
Sanatsujāta sprach: ‚[?] Aus Unkenntnis des einen wahren Veda entstanden jene vielen Veden; von der einen Wahrheit, o Herrscher der Könige, ist nur, wer darin feststeht, wahrhaft gegründet; so gründen manche, ohne den wahren Veda preiszugeben, ihre Einsicht auf das Wesentliche.
Sanatsujāta sprach: ‚[?] Aus Unkenntnis des einen wahren Veda entstanden jene vielen Veden; von der einen Wahrheit, o Herrscher der Könige, ist nur, wer darin feststeht, wahrhaft gegründet; so gründen manche, ohne den wahren Veda preiszugeben, ihre Einsicht auf das Wesentliche.
Die genaue syntaktische Beziehung der Vershälften bleibt unsicher; sinngemäß übersetzt.
[?] Deshalb entfaltet sich das Opfer recht nur durch das Festhalten an eben der Wahrheit; bei dem einen geschieht dies im Geist, beim anderen durch das Wort, beim dritten durch die Tat; der im Vorsatz vollendete Mensch steht fest auf seinen Vorsätzen.
[?] Deshalb entfaltet sich das Opfer recht nur durch das Festhalten an eben der Wahrheit; bei dem einen geschieht dies im Geist, beim anderen durch das Wort, beim dritten durch die Tat; der im Vorsatz vollendete Mensch steht fest auf seinen Vorsätzen.
anaibhṛtyena vai tasya dīkṣitavratam ācaret nāmaitad dhātunirvṛttaṃ satyam eva satāṃ param jñānaṃ vai nāma pratyakṣaṃ parokṣaṃ jāyate tapaḥ
[?] Ohne Heimlichkeit übe er das Gelübde des Geweihten; dieser Name ist nicht nur aus der Wortwurzel gebildet - die Wahrheit selbst ist das Höchste der Guten; die unmittelbar erfahrene Erkenntnis, das ist das mittelbare Ergebnis der Askese.
Wort für Wort
anaibhṛtyena vai tasya dīkṣitavratam ācaret nāmaitad dhātunirvṛttaṃ satyam eva satāṃ param jñānaṃ vai nāma pratyakṣaṃ parokṣaṃ jāyate tapaḥ
[?] Ohne Heimlichkeit übe er das Gelübde des Geweihten; dieser Name ist nicht nur aus der Wortwurzel gebildet - die Wahrheit selbst ist das Höchste der Guten; die unmittelbar erfahrene Erkenntnis, das ist das mittelbare Ergebnis der Askese.
Der Vers spielt mit der Etymologie von 'satya' (Wahrheit), deren genaue Pointe im Deutschen nicht nachbildbar ist.
vidyād bahu paṭhantaṃ tu bahupāṭhīti brāhmaṇam tasmāt kṣatriya mā maṃsthā jalpitenaiva brāhmaṇam ya eva satyān nāpaiti sa jñeyo brāhmaṇas tvayā
Wer viel rezitiert, den erkenne als den Vielrezitierenden, nicht ohne Weiteres als wahren Brahmanen; darum halte, o Kṣatriya, niemanden bloß wegen seines Redens für einen Brahmanen; wer eben nicht von der Wahrheit abweicht, den sollst du als Brahmanen erkennen.
Wort für Wort
vidyād bahu paṭhantaṃ tu bahupāṭhīti brāhmaṇam tasmāt kṣatriya mā maṃsthā jalpitenaiva brāhmaṇam ya eva satyān nāpaiti sa jñeyo brāhmaṇas tvayā
Wer viel rezitiert, den erkenne als den Vielrezitierenden, nicht ohne Weiteres als wahren Brahmanen; darum halte, o Kṣatriya, niemanden bloß wegen seines Redens für einen Brahmanen; wer eben nicht von der Wahrheit abweicht, den sollst du als Brahmanen erkennen.
chandāṃsi nāma kṣatriya tāny atharvā; jagau purastād ṛṣisarga eṣaḥ chandovidas te ya u tān adhītya; na vedyavedasya vidur na vedyam
[?] Jene Versmaße, o Kṣatriya, sang einst Atharvan - dies ist eine Schöpfung der Weisen von einst; die Kenner dieser Versmaße, die sie studiert haben, kennen dennoch weder das zu Erkennende des zu Erkennenden noch das Erkennbare selbst.
Wort für Wort
chandāṃsi nāma kṣatriya tāny atharvā; jagau purastād ṛṣisarga eṣaḥ chandovidas te ya u tān adhītya; na vedyavedasya vidur na vedyam
[?] Jene Versmaße, o Kṣatriya, sang einst Atharvan - dies ist eine Schöpfung der Weisen von einst; die Kenner dieser Versmaße, die sie studiert haben, kennen dennoch weder das zu Erkennende des zu Erkennenden noch das Erkennbare selbst.
na vedānāṃ veditā kaś cid asti; kaś cid vedān budhyate vāpi rājan yo veda vedān na sa veda vedyaṃ; satye sthito yas tu sa veda vedyam
Niemand ist ein wahrer Kenner der Veden; mancher versteht wohl die Veden, o König - wer nur die Veden kennt, kennt nicht das eigentlich Erkennbare; wer aber in der Wahrheit steht, der kennt das Erkennbare.
Wort für Wort
na vedānāṃ veditā kaś cid asti; kaś cid vedān budhyate vāpi rājan yo veda vedān na sa veda vedyaṃ; satye sthito yas tu sa veda vedyam
Niemand ist ein wahrer Kenner der Veden; mancher versteht wohl die Veden, o König - wer nur die Veden kennt, kennt nicht das eigentlich Erkennbare; wer aber in der Wahrheit steht, der kennt das Erkennbare.
tasya paryeṣaṇaṃ gacchet prācīnaṃ nota dakṣiṇam nārvācīnaṃ kutas tiryaṅ nādiśaṃ tu kathaṃ cana
[?] Seine Erforschung gehe weder nach Osten noch nach Süden, weder nach dem Diesseitigen noch irgendwie quer, noch in irgendeine andere Himmelsrichtung.
Wort für Wort
tasya paryeṣaṇaṃ gacchet prācīnaṃ nota dakṣiṇam nārvācīnaṃ kutas tiryaṅ nādiśaṃ tu kathaṃ cana
[?] Seine Erforschung gehe weder nach Osten noch nach Süden, weder nach dem Diesseitigen noch irgendwie quer, noch in irgendeine andere Himmelsrichtung.
maunād dhi sa munir bhavati nāraṇyavasanān muniḥ akṣaraṃ tat tu yo veda sa muniḥ śreṣṭha ucyate
Durch Schweigen nämlich wird er ein Schweiger, nicht durch das Wohnen im Wald; wer aber jenes Unvergängliche kennt, der wird der beste der Schweiger genannt.
Wort für Wort
maunād dhi sa munir bhavati nāraṇyavasanān muniḥ akṣaraṃ tat tu yo veda sa muniḥ śreṣṭha ucyate
Durch Schweigen nämlich wird er ein Schweiger, nicht durch das Wohnen im Wald; wer aber jenes Unvergängliche kennt, der wird der beste der Schweiger genannt.
Wortspiel im Sanskrit zwischen 'mauna' (Schweigen) und 'muni' (Schweiger/Weiser), im Deutschen nicht direkt nachbildbar.