Kapitel 40: Prajāgara-parva (40) - Schluss
Vidura-nīti IX (Schluss): Vergänglichkeit, Varṇa-Dharma und Dhṛtarāṣṭras fatalistisches Bekenntnis
Vidura beschließt seine große Lehrrede (die seit Kap.33 andauernde Vidura-nīti/das Prajāgara-parva) mit Sprüchen über Gelehrsamkeit und Vergnügen, den unstillbaren Hunger von Feuer, Ozean, Tod und Begierde, den im Haus zu bewahrenden glückbringenden Dingen, der Vergänglichkeit von Glück und Leid gegenüber der Ewigkeit der Rechtschaffenheit, der eindringlichen Totenklage-Schilderung (das Bild vom Toten, der wie ein Holzscheit auf den Scheiterhaufen geworfen wird), dem Fluss-der-Seele-Gleichnis und schließlich einer knappen Zusammenfassung der Pflichten der vier Stände (Varṇa-Dharma), die in den direkten Appell mündet, Yudhiṣṭhira in seine Königspflicht einzusetzen. Das Kapitel - und damit die gesamte Vidura-nīti - endet mit Dhṛtarāṣṭras berühmtem fatalistischem Bekenntnis: er erkenne die Wahrheit von Viduras Worten an, doch seine Gesinnung wende sich immer wieder um, sobald er Duryodhana begegne; menschliches Bemühen sei letztlich vergeblich gegenüber dem Bestimmten (diṣṭa).
vidura uvāca yo 'bhyarthitaḥ sadbhir asajjamānaḥ; karoty arthaṃ śaktim ahāpayitvā kṣipraṃ yaśas taṃ samupaiti santam alaṃ; prasannā hi sukhāya santaḥ
Vidura fuhr fort: Wer, von Guten gebeten, ohne zu zögern die Bitte erfüllt, ohne seine Kraft zu überschreiten, dem kommt rasch und reichlich Ruhm zu, dem Guten; denn die Guten, wohlgesonnen, dienen dem Glück anderer.
Wort für Wort
vidura uvāca yo 'bhyarthitaḥ sadbhir asajjamānaḥ; karoty arthaṃ śaktim ahāpayitvā kṣipraṃ yaśas taṃ samupaiti santam alaṃ; prasannā hi sukhāya santaḥ
Vidura fuhr fort: Wer, von Guten gebeten, ohne zu zögern die Bitte erfüllt, ohne seine Kraft zu überschreiten, dem kommt rasch und reichlich Ruhm zu, dem Guten; denn die Guten, wohlgesonnen, dienen dem Glück anderer.
mahāntam apy artham adharmayuktaṃ; yaḥ saṃtyajaty anupākruṣṭa eva sukhaṃ sa duḥkhāny avamucya śete; jīrṇāṃ tvacaṃ sarpa ivāvamucya
Wer selbst einen großen, aber mit Unrecht verbundenen Vorteil aufgibt, ohne dass man ihn dazu drängt, der ruht, alle Leiden abgestreift, glücklich, wie eine Schlange, die ihre alte Haut abgestreift hat.
Wort für Wort
mahāntam apy artham adharmayuktaṃ; yaḥ saṃtyajaty anupākruṣṭa eva sukhaṃ sa duḥkhāny avamucya śete; jīrṇāṃ tvacaṃ sarpa ivāvamucya
Wer selbst einen großen, aber mit Unrecht verbundenen Vorteil aufgibt, ohne dass man ihn dazu drängt, der ruht, alle Leiden abgestreift, glücklich, wie eine Schlange, die ihre alte Haut abgestreift hat.
Missgunst ist gleichsam der Tod des Fortschritts, Überheblichkeit in der Rede vernichtet das Glück; Unaufmerksamkeit, Hast und Selbstrühmung sind die drei Feinde der Gelehrsamkeit.
Missgunst ist gleichsam der Tod des Fortschritts, Überheblichkeit in der Rede vernichtet das Glück; Unaufmerksamkeit, Hast und Selbstrühmung sind die drei Feinde der Gelehrsamkeit.
Woher käme dem nach Vergnügen Strebenden Gelehrsamkeit? Dem nach Gelehrsamkeit Strebenden gibt es kein müheloses Vergnügen. Wer nach Vergnügen strebt, gebe die Gelehrsamkeit auf; wer nach Gelehrsamkeit strebt, gebe das Vergnügen auf.
Woher käme dem nach Vergnügen Strebenden Gelehrsamkeit? Dem nach Gelehrsamkeit Strebenden gibt es kein müheloses Vergnügen. Wer nach Vergnügen strebt, gebe die Gelehrsamkeit auf; wer nach Gelehrsamkeit strebt, gebe das Vergnügen auf.
Hoffnung zerstört die Standhaftigkeit, der Tod das Gedeihen, Zorn das Glück, Geiz den Ruhm, Vernachlässigung das Vieh, o König - und ein einziger erzürnter Brahmane zerstört ein ganzes Reich.
Hoffnung zerstört die Standhaftigkeit, der Tod das Gedeihen, Zorn das Glück, Geiz den Ruhm, Vernachlässigung das Vieh, o König - und ein einziger erzürnter Brahmane zerstört ein ganzes Reich.
ajaś ca kāṃsyaṃ ca rathaś ca nityaṃ; madhv ākarṣaḥ śakuniḥ śrotriyaś ca vṛddho jñātir avasanno vayasya; etāni te santu gṛhe sadaiva
Eine Ziege, ein Bronzegefäß, ein Wagen, beständig Honig, ein zahmer Vogel, ein Vedenkenner, ein betagter, hilfsbedürftiger Verwandter, ein treuer Gefährte - diese sollen stets in deinem Haus sein.
Wort für Wort
ajaś ca kāṃsyaṃ ca rathaś ca nityaṃ; madhv ākarṣaḥ śakuniḥ śrotriyaś ca vṛddho jñātir avasanno vayasya; etāni te santu gṛhe sadaiva
Eine Ziege, ein Bronzegefäß, ein Wagen, beständig Honig, ein zahmer Vogel, ein Vedenkenner, ein betagter, hilfsbedürftiger Verwandter, ein treuer Gefährte - diese sollen stets in deinem Haus sein.
idaṃ ca tvāṃ sarvaparaṃ bravīmi; puṇyaṃ padaṃ tāta mahāviśiṣṭam na jātu kāmān na bhayān na lobhād; dharmaṃ tyajej jīvitasyāpi hetoḥ
Und dies sage ich dir als das Allerhöchste, o Vater, den verdienstvollen, höchst ausgezeichneten Grundsatz: Niemals, weder aus Begierde noch aus Furcht noch aus Gier, gebe man die Rechtschaffenheit auf, selbst nicht um des eigenen Lebens willen.
Wort für Wort
idaṃ ca tvāṃ sarvaparaṃ bravīmi; puṇyaṃ padaṃ tāta mahāviśiṣṭam na jātu kāmān na bhayān na lobhād; dharmaṃ tyajej jīvitasyāpi hetoḥ
Und dies sage ich dir als das Allerhöchste, o Vater, den verdienstvollen, höchst ausgezeichneten Grundsatz: Niemals, weder aus Begierde noch aus Furcht noch aus Gier, gebe man die Rechtschaffenheit auf, selbst nicht um des eigenen Lebens willen.
nityo dharmaḥ sukhaduḥkhe tv anitye; nityo jīvo dhātur asya tv anityaḥ tyaktvānityaṃ pratitiṣṭhasva nitye; saṃtuṣya tvaṃ toṣaparo hi lābhaḥ
Ewig ist die Rechtschaffenheit, Glück und Leid aber sind vergänglich; ewig ist die Seele, ihre körperlichen Bestandteile aber sind vergänglich. Lass das Vergängliche und gründe dich auf das Ewige - sei zufrieden, denn Zufriedenheit ist der höchste Gewinn.
Wort für Wort
nityo dharmaḥ sukhaduḥkhe tv anitye; nityo jīvo dhātur asya tv anityaḥ tyaktvānityaṃ pratitiṣṭhasva nitye; saṃtuṣya tvaṃ toṣaparo hi lābhaḥ
Ewig ist die Rechtschaffenheit, Glück und Leid aber sind vergänglich; ewig ist die Seele, ihre körperlichen Bestandteile aber sind vergänglich. Lass das Vergängliche und gründe dich auf das Ewige - sei zufrieden, denn Zufriedenheit ist der höchste Gewinn.
Sieh die überaus mächtigen, hochherzigen Herrscher, die, nachdem sie die von Reichtum und Getreide erfüllte Erde beherrscht hatten, ihre Königreiche und reichen Genüsse zurückließen und in die Gewalt des Todes gerieten.
Sieh die überaus mächtigen, hochherzigen Herrscher, die, nachdem sie die von Reichtum und Getreide erfüllte Erde beherrscht hatten, ihre Königreiche und reichen Genüsse zurückließen und in die Gewalt des Todes gerieten.
Den mit Mühe großgezogenen, nun toten Sohn tragen die Menschen, o König, aus ihren Häusern hinaus; mit aufgelöstem Haar, kläglich weinend, werfen sie ihn mitten auf den Scheiterhaufen wie ein Holzscheit.
Den mit Mühe großgezogenen, nun toten Sohn tragen die Menschen, o König, aus ihren Häusern hinaus; mit aufgelöstem Haar, kläglich weinend, werfen sie ihn mitten auf den Scheiterhaufen wie ein Holzscheit.
anyo dhanaṃ pretagatasya bhuṅkte; vayāṃsi cāgniś ca śarīradhātūn dvābhyām ayaṃ saha gacchaty amutra; puṇyena pāpena ca veṣṭyamānaḥ
Ein anderer genießt den Reichtum des Verstorbenen, die Vögel und das Feuer verzehren die Bestandteile seines Körpers; er selbst geht mit zweierlei ins Jenseits, umhüllt von seinem Verdienst und seiner Sünde.
Wort für Wort
anyo dhanaṃ pretagatasya bhuṅkte; vayāṃsi cāgniś ca śarīradhātūn dvābhyām ayaṃ saha gacchaty amutra; puṇyena pāpena ca veṣṭyamānaḥ
Ein anderer genießt den Reichtum des Verstorbenen, die Vögel und das Feuer verzehren die Bestandteile seines Körpers; er selbst geht mit zweierlei ins Jenseits, umhüllt von seinem Verdienst und seiner Sünde.
Nachdem sie ihn preisgegeben haben, kehren Verwandte, Freunde und Söhne um; dem ins Feuer geworfenen Menschen aber folgt die selbst begangene Tat nach.
Nachdem sie ihn preisgegeben haben, kehren Verwandte, Freunde und Söhne um; dem ins Feuer geworfenen Menschen aber folgt die selbst begangene Tat nach.
asmāl lokād ūrdhvam amuṣya cādho; mahat tamas tiṣṭhati hy andhakāram tad vai mahāmohanam indriyāṇāṃ; budhyasva mā tvāṃ pralabheta rājan
Über dieser Welt und unter jener anderen liegt eine große, dichte Finsternis; dies ist die gewaltige Verblendung der Sinne - erwache, o König, dass sie dich nicht täusche.
Wort für Wort
asmāl lokād ūrdhvam amuṣya cādho; mahat tamas tiṣṭhati hy andhakāram tad vai mahāmohanam indriyāṇāṃ; budhyasva mā tvāṃ pralabheta rājan
Über dieser Welt und unter jener anderen liegt eine große, dichte Finsternis; dies ist die gewaltige Verblendung der Sinne - erwache, o König, dass sie dich nicht täusche.
idaṃ vacaḥ śakṣyasi ced yathāvan; niśamya sarvaṃ pratipattum evam yaśaḥ paraṃ prāpsyasi jīvaloke; bhayaṃ na cāmutra na ceha te 'sti
Wenn du dieses Wort, wie es sich gebührt, ganz vernommen hast und danach zu handeln vermagst, wirst du höchsten Ruhm in der Welt der Lebenden erlangen, und weder dort noch hier wird dir Furcht sein.
Wort für Wort
idaṃ vacaḥ śakṣyasi ced yathāvan; niśamya sarvaṃ pratipattum evam yaśaḥ paraṃ prāpsyasi jīvaloke; bhayaṃ na cāmutra na ceha te 'sti
Wenn du dieses Wort, wie es sich gebührt, ganz vernommen hast und danach zu handeln vermagst, wirst du höchsten Ruhm in der Welt der Lebenden erlangen, und weder dort noch hier wird dir Furcht sein.
ātmā nadī bhārata puṇyatīrthā; satyodakā dhṛtikūlā damormiḥ tasyāṃ snātaḥ pūyate puṇyakarmā; puṇyo hy ātmā nityam ambho 'mbha eva
Das Selbst, o Bhārata, ist ein Fluss mit heiligen Badeplätzen, mit Wahrheit als Wasser, Standhaftigkeit als Ufer und Selbstbeherrschung als Woge; wer darin badet, wird rein durch verdienstvolles Tun - denn das Selbst ist stets rein, Wasser ist eben Wasser.
Wort für Wort
ātmā nadī bhārata puṇyatīrthā; satyodakā dhṛtikūlā damormiḥ tasyāṃ snātaḥ pūyate puṇyakarmā; puṇyo hy ātmā nityam ambho 'mbha eva
Das Selbst, o Bhārata, ist ein Fluss mit heiligen Badeplätzen, mit Wahrheit als Wasser, Standhaftigkeit als Ufer und Selbstbeherrschung als Woge; wer darin badet, wird rein durch verdienstvolles Tun - denn das Selbst ist stets rein, Wasser ist eben Wasser.
Da du aus jenem Fluss, der Begierde und Zorn als Krokodile und die fünf Sinne als Wasser hat, mittels eines aus Standhaftigkeit gefertigten Bootes ein Fahrzeug gemacht hast, durchquere die schwer zu überwindenden Gefahren der Geburtenfolge.
Da du aus jenem Fluss, der Begierde und Zorn als Krokodile und die fünf Sinne als Wasser hat, mittels eines aus Standhaftigkeit gefertigten Bootes ein Fahrzeug gemacht hast, durchquere die schwer zu überwindenden Gefahren der Geburtenfolge.
prajñāvṛddhaṃ dharmavṛddhaṃ svabandhuṃ; vidyāvṛddhaṃ vayasā cāpi vṛddham kāryākārye pūjayitvā prasādya; yaḥ saṃpṛcchen na sa muhyet kadā cit
Wer den an Einsicht Gereiften, den an Rechtschaffenheit Gereiften, den eigenen Verwandten, den an Wissen Gereiften und auch den an Jahren Gereiften ehrt und, ihn geneigt stimmend, in Sachen des Tuns und Nichttuns befragt, der wird sich niemals irren.
Wort für Wort
prajñāvṛddhaṃ dharmavṛddhaṃ svabandhuṃ; vidyāvṛddhaṃ vayasā cāpi vṛddham kāryākārye pūjayitvā prasādya; yaḥ saṃpṛcchen na sa muhyet kadā cit
Wer den an Einsicht Gereiften, den an Rechtschaffenheit Gereiften, den eigenen Verwandten, den an Wissen Gereiften und auch den an Jahren Gereiften ehrt und, ihn geneigt stimmend, in Sachen des Tuns und Nichttuns befragt, der wird sich niemals irren.
dhṛtyā śiśnodaraṃ rakṣet pāṇipādaṃ ca cakṣuṣā cakṣuḥśrotre ca manasā mano vācaṃ ca karmaṇā
Mit Standhaftigkeit bewahre man Zeugungsglied und Bauch, mit dem Auge Hand und Fuß, mit dem Geist Auge und Ohr, und mit dem Handeln den Geist und die Rede.
Wort für Wort
dhṛtyā śiśnodaraṃ rakṣet pāṇipādaṃ ca cakṣuṣā cakṣuḥśrotre ca manasā mano vācaṃ ca karmaṇā
Mit Standhaftigkeit bewahre man Zeugungsglied und Bauch, mit dem Auge Hand und Fuß, mit dem Geist Auge und Ohr, und mit dem Handeln den Geist und die Rede.
Wer beständig das Wasseropfer verrichtet, beständig die heilige Schnur beim Opfer trägt, beständig die Veden rezitiert, die Speise Gefallener meidet, die Wahrheit spricht und dem Lehrer dient - ein solcher Brahmane fällt nicht aus der Brahman-Welt.
Wer beständig das Wasseropfer verrichtet, beständig die heilige Schnur beim Opfer trägt, beständig die Veden rezitiert, die Speise Gefallener meidet, die Wahrheit spricht und dem Lehrer dient - ein solcher Brahmane fällt nicht aus der Brahman-Welt.
adhītya vedān parisaṃstīrya cāgnīn; iṣṭvā yajñaiḥ pālayitvā prajāś ca gobrāhmaṇārthe śastrapūtāntarātmā; hataḥ saṃgrāme kṣatriyaḥ svargam eti
Nachdem er die Veden studiert, die heiligen Feuer eingerichtet, mit Opfern geopfert und die Untertanen beschützt hat, gelangt der Krieger, der um der Kühe und Brahmanen willen im Kampf fällt, mit von der Waffe geläuterter innerer Seele in den Himmel.
Wort für Wort
adhītya vedān parisaṃstīrya cāgnīn; iṣṭvā yajñaiḥ pālayitvā prajāś ca gobrāhmaṇārthe śastrapūtāntarātmā; hataḥ saṃgrāme kṣatriyaḥ svargam eti
Nachdem er die Veden studiert, die heiligen Feuer eingerichtet, mit Opfern geopfert und die Untertanen beschützt hat, gelangt der Krieger, der um der Kühe und Brahmanen willen im Kampf fällt, mit von der Waffe geläuterter innerer Seele in den Himmel.
Der Vaiśya, der die heiligen Texte studiert, Brahmanen und Kriegern sowie seinen Schutzbefohlenen zur rechten Zeit von seinem Reichtum abgibt, genießt, nachdem er den heiligen, durch das Opferfeuer geläuterten Rauch eingeatmet hat, nach dem Tod im Himmel die Freuden der Götter.
Der Vaiśya, der die heiligen Texte studiert, Brahmanen und Kriegern sowie seinen Schutzbefohlenen zur rechten Zeit von seinem Reichtum abgibt, genießt, nachdem er den heiligen, durch das Opferfeuer geläuterten Rauch eingeatmet hat, nach dem Tod im Himmel die Freuden der Götter.
Der Śūdra, der Brahmanen, Krieger und den Vaiśya-Stand der Reihe nach, wie es sich gebührt, ehrt, genießt, wenn diese zufrieden sind, unbeirrt und von Sünde geläutert, nach Ablegen des Körpers die Freuden des Himmels.
Der Śūdra, der Brahmanen, Krieger und den Vaiśya-Stand der Reihe nach, wie es sich gebührt, ehrt, genießt, wenn diese zufrieden sind, unbeirrt und von Sünde geläutert, nach Ablegen des Körpers die Freuden des Himmels.
[?] Dies ist die dir dargelegte Rechtspflicht der vier Stände; vernimm nun den Grund, warum ich dies sage: der Sohn des Pāṇḍu hält sich von der gewaltsamen Durchsetzung der Kriegerpflicht zurück - ihn, o König, setze du in die Königspflicht ein.
[?] Dies ist die dir dargelegte Rechtspflicht der vier Stände; vernimm nun den Grund, warum ich dies sage: der Sohn des Pāṇḍu hält sich von der gewaltsamen Durchsetzung der Kriegerpflicht zurück - ihn, o König, setze du in die Königspflicht ein.
Die Konstruktion 'kṣātrād dharmād dhīyate pāṇḍuputraḥ' (wörtlich 'der Pāṇḍusohn wird der Kriegerpflicht beraubt/hält sich von ihr zurück') ist mehrdeutig; die Übersetzung folgt der Lesart, dass Yudhiṣṭhira aus übergroßer Rechtschaffenheit auf die gewaltsame Durchsetzung seines Anspruchs verzichtet - daher Viduras Appell, ihn stattdessen einzusetzen.
‘ Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚So ist es, wie du mich beständig unterweist; auch mein eigener Sinn, o Sanftmütiger, ist so gerichtet, wie du zu mir sprichst.
Hier schließt endgültig Viduras seit Kap.34 andauernde Rede (die Vidura-nīti/das Prajāgara-parva); Dhṛtarāṣṭras abschließende, resignierte Antwort (V.28-30) bildet eine neue, bis Kapitelende offene Rahmung.
na diṣṭam abhyatikrāntuṃ śakyaṃ martyena kena cit diṣṭam eva kṛtaṃ manye pauruṣaṃ tu nirarthakam
Keiner der Sterblichen vermag das Bestimmte zu überschreiten; ich glaube, nur das Bestimmte geschieht, menschliches Bemühen aber ist vergeblich.‘
Wort für Wort
na diṣṭam abhyatikrāntuṃ śakyaṃ martyena kena cit diṣṭam eva kṛtaṃ manye pauruṣaṃ tu nirarthakam
Keiner der Sterblichen vermag das Bestimmte zu überschreiten; ich glaube, nur das Bestimmte geschieht, menschliches Bemühen aber ist vergeblich.‘
Mit diesem fatalistischen Bekenntnis endet die gesamte Vidura-nīti (das Prajāgara-parva, Kap.33-40): Dhṛtarāṣṭra erkennt Viduras Rat als richtig an, bleibt aber unfähig, ihm zu folgen.