Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 38: Prajāgara-parva (38) Vidura-nīti VII: Gastrecht, Frauen und Hausordnung; die Kunst des geheimen Ratschlusses; Warnung vor Duryodhanas Sturz

Vidura setzt seine ununterbrochene Rede fort mit Vorschriften zum Gastrecht (welche Speisen und Personen von der Bewirtung auszuschließen sind), zur Ehrung und zum Schutz der Frauen im Haus, zur rechten Verteilung häuslicher Aufgaben und zur berühmten Lehre vom geheimzuhaltenden Ratschluss (mantra) des Königs - wo und mit wem er gefasst werden darf. Es folgen weitere dichte Sprüche über Zorn, Ratgeber, die sieben 'Brennhölzer des Glücks' und die Gefahren von Frauen-, Spieler- und Kinderherrschaft im Staat. Das Kapitel endet mit einer unverhohlenen Warnung: Weil Dhṛtarāṣṭra die mächtigen Pāṇḍavas zugunsten Duryodhanas beiseitegesetzt habe, werde er dessen Sturz noch erleben, wie einst der Dämonenkönig Bali von seiner Herrschaft über die drei Welten gestürzt wurde. Viduras Rede bleibt auch hier offen.

vidura uvāca ūrdhvaṃ prāṇā hy utkrāmanti yūnaḥ sthavira āyati pratyutthānābhivādābhyāṃ punas tān pratipadyate

Vidura fuhr fort: Die Lebensatem eines Jünglings steigen empor, wenn ein Greis naht; durch Aufstehen und Verneigung gewinnt er sie wieder zurück.

Wort für Wort
vidura uvāca ūrdhvaṃ prāṇā hy utkrāmanti yūnaḥ sthavira āyati pratyutthānābhivādābhyāṃ punas tān pratipadyate
Vidura fuhr fort: Die Lebensatem eines Jünglings steigen empor, wenn ein Greis naht; durch Aufstehen und Verneigung gewinnt er sie wieder zurück.

pīṭhaṃ dattvā sādhave 'bhyāgatāya; ānīyāpaḥ parinirṇijya pādau sukhaṃ pṛṣṭvā prativedyātmasaṃsthaṃ; tato dadyād annam avekṣya dhīraḥ

Nachdem man dem angekommenen guten Gast einen Sitz gegeben, Wasser gebracht und ihm die Füße gewaschen hat, nach seinem Wohlergehen gefragt und ihm die eigene Lage mitgeteilt hat, gebe der Kluge dann, seine Verhältnisse bedenkend, Speise.

Wort für Wort
pīṭhaṃ dattvā sādhave 'bhyāgatāya; ānīyāpaḥ parinirṇijya pādau sukhaṃ pṛṣṭvā prativedyātmasaṃsthaṃ; tato dadyād annam avekṣya dhīraḥ
Nachdem man dem angekommenen guten Gast einen Sitz gegeben, Wasser gebracht und ihm die Füße gewaschen hat, nach seinem Wohlergehen gefragt und ihm die eigene Lage mitgeteilt hat, gebe der Kluge dann, seine Verhältnisse bedenkend, Speise.

yasyodakaṃ madhuparkaṃ ca gāṃ ca; namantravit pratigṛhṇāti gehe lobhād bhayād arthakārpaṇyato vā; tasyānarthaṃ jīvitam āhur āryāḥ

[?] In wessen Haus ein der heiligen Sprüche Unkundiger Wasser, Honigmischtrank und Kuh annimmt - aus Gier, aus Furcht oder aus Geiz nach Reichtum -, dessen Leben nennen die Edlen nutzlos.

Wort für Wort
yasyodakaṃ madhuparkaṃ ca gāṃ ca; namantravit pratigṛhṇāti gehe lobhād bhayād arthakārpaṇyato vā; tasyānarthaṃ jīvitam āhur āryāḥ
[?] In wessen Haus ein der heiligen Sprüche Unkundiger Wasser, Honigmischtrank und Kuh annimmt - aus Gier, aus Furcht oder aus Geiz nach Reichtum -, dessen Leben nennen die Edlen nutzlos.

Die Zuordnung von 'tasya' (dessen) ist im Sanskrit nicht eindeutig - gemeint sein könnte ebenso der unwürdige Empfänger wie der Hausherr, der ihm die Ehrengaben überlässt; die Übersetzung folgt der grammatisch naheliegenderen Lesart (Bezug auf den Hausherrn 'yasya ... gehe').

cikitsakaḥ śalyakartāvakīrṇī; stenaḥ krūro madyapo bhrūṇahā ca senājīvī śrutivikrāyakaś ca; bhṛśaṃ priyo 'py atithir nodakārhaḥ

Ein Arzt, ein Wundarzt, wer sein Gelübde gebrochen hat, ein Dieb, ein Grausamer, ein Trinker, ein Kindsmörder, wer vom Kriegsdienst lebt, und wer die heiligen Texte verkauft - selbst wenn ein solcher Gast noch so lieb ist, verdient er nicht einmal Wasser zur Bewirtung.

Wort für Wort
cikitsakaḥ śalyakartāvakīrṇī; stenaḥ krūro madyapo bhrūṇahā ca senājīvī śrutivikrāyakaś ca; bhṛśaṃ priyo 'py atithir nodakārhaḥ
Ein Arzt, ein Wundarzt, wer sein Gelübde gebrochen hat, ein Dieb, ein Grausamer, ein Trinker, ein Kindsmörder, wer vom Kriegsdienst lebt, und wer die heiligen Texte verkauft - selbst wenn ein solcher Gast noch so lieb ist, verdient er nicht einmal Wasser zur Bewirtung.

avikreyaṃ lavaṇaṃ pakvam annaṃ; dadhi kṣīraṃ madhu tailaṃ ghṛtaṃ ca tilā māṃsaṃ mūlaphalāni śākaṃ; raktaṃ vāsaḥ sarvagandhā guḍaś ca

Nicht zu verkaufen sind: Salz, gekochte Speise, Dickmilch, Milch, Honig, Öl und geklärte Butter, Sesam, Fleisch, Wurzeln und Früchte, Gemüse, gefärbte Kleidung, alle Wohlgerüche und Melassezucker.

Wort für Wort
avikreyaṃ lavaṇaṃ pakvam annaṃ; dadhi kṣīraṃ madhu tailaṃ ghṛtaṃ ca tilā māṃsaṃ mūlaphalāni śākaṃ; raktaṃ vāsaḥ sarvagandhā guḍaś ca
Nicht zu verkaufen sind: Salz, gekochte Speise, Dickmilch, Milch, Honig, Öl und geklärte Butter, Sesam, Fleisch, Wurzeln und Früchte, Gemüse, gefärbte Kleidung, alle Wohlgerüche und Melassezucker.

aroṣaṇo yaḥ samaloṣṭakāñcanaḥ; prahīṇaśoko gatasaṃdhivigrahaḥ nindāpraśaṃsoparataḥ priyāpriye; carann udāsīnavad eṣa bhikṣukaḥ

Wer frei von Zorn ist, dem Erdklumpen und Gold gleich gelten, der den Kummer aufgegeben hat, dem Bündnis wie Streit gleichgültig geworden sind, der Tadel und Lob, Liebes und Unliebes hinter sich gelassen hat und wie ein Unbeteiligter wandelt - das ist der wahre Bettelmönch.

Wort für Wort
aroṣaṇo yaḥ samaloṣṭakāñcanaḥ; prahīṇaśoko gatasaṃdhivigrahaḥ nindāpraśaṃsoparataḥ priyāpriye; carann udāsīnavad eṣa bhikṣukaḥ
Wer frei von Zorn ist, dem Erdklumpen und Gold gleich gelten, der den Kummer aufgegeben hat, dem Bündnis wie Streit gleichgültig geworden sind, der Tadel und Lob, Liebes und Unliebes hinter sich gelassen hat und wie ein Unbeteiligter wandelt - das ist der wahre Bettelmönch.

nīvāramūleṅgudaśākavṛttiḥ; susaṃyatātmāgnikāryeṣv acodyaḥ vane vasann atithiṣv apramatto; dhuraṃdharaḥ puṇyakṛd eṣa tāpasaḥ

Wer von Wildreis, Wurzeln, Iṅguda-Nüssen und Gemüse lebt, wohlbeherrscht, in den Feueropferpflichten nicht erst angetrieben werden muss, im Wald wohnend, gegenüber Gästen nicht nachlässig - ein solcher, die Last Tragende, verdienstvoll Handelnde, ist der wahre Asket.

Wort für Wort
nīvāramūleṅgudaśākavṛttiḥ; susaṃyatātmāgnikāryeṣv acodyaḥ vane vasann atithiṣv apramatto; dhuraṃdharaḥ puṇyakṛd eṣa tāpasaḥ
Wer von Wildreis, Wurzeln, Iṅguda-Nüssen und Gemüse lebt, wohlbeherrscht, in den Feueropferpflichten nicht erst angetrieben werden muss, im Wald wohnend, gegenüber Gästen nicht nachlässig - ein solcher, die Last Tragende, verdienstvoll Handelnde, ist der wahre Asket.

apakṛtvā buddhimato dūrastho 'smīti nāśvaset dīrghau buddhimato bāhū yābhyāṃ hiṃsati hiṃsitaḥ

Hat man einem Klugen Unrecht getan, so wiege man sich nicht in Sicherheit mit dem Gedanken, man sei fern von ihm; lang sind die Arme des Klugen, mit denen der Geschädigte zurückschlägt.

Wort für Wort
apakṛtvā buddhimato dūrastho 'smīti nāśvaset dīrghau buddhimato bāhū yābhyāṃ hiṃsati hiṃsitaḥ
Hat man einem Klugen Unrecht getan, so wiege man sich nicht in Sicherheit mit dem Gedanken, man sei fern von ihm; lang sind die Arme des Klugen, mit denen der Geschädigte zurückschlägt.

na viśvased aviśvaste viśvaste nātiviśvaset viśvāsād bhayam utpannaṃ mūlāny api nikṛntati

Man vertraue nicht dem, der nicht vertrauenswürdig ist, aber auch dem Vertrauenswürdigen vertraue man nicht übermäßig; aus übergroßem Vertrauen entsteht eine Gefahr, die selbst die eigenen Wurzeln abschneidet.

Wort für Wort
na viśvased aviśvaste viśvaste nātiviśvaset viśvāsād bhayam utpannaṃ mūlāny api nikṛntati
Man vertraue nicht dem, der nicht vertrauenswürdig ist, aber auch dem Vertrauenswürdigen vertraue man nicht übermäßig; aus übergroßem Vertrauen entsteht eine Gefahr, die selbst die eigenen Wurzeln abschneidet.

anīrṣyur guptadāraḥ syāt saṃvibhāgī priyaṃvadaḥ ślakṣṇo madhuravāk strīṇāṃ na cāsāṃ vaśago bhavet

Man sei nicht eifersüchtig, beschütze aber seine Frauen, sei freigebig, freundlich redend, sanft und von süßer Rede gegenüber Frauen, doch man werde nicht ihr Sklave.

Wort für Wort
anīrṣyur guptadāraḥ syāt saṃvibhāgī priyaṃvadaḥ ślakṣṇo madhuravāk strīṇāṃ na cāsāṃ vaśago bhavet
Man sei nicht eifersüchtig, beschütze aber seine Frauen, sei freigebig, freundlich redend, sanft und von süßer Rede gegenüber Frauen, doch man werde nicht ihr Sklave.

pūjanīyā mahābhāgāḥ puṇyāś ca gṛhadīptayaḥ striyaḥ śriyo gṛhasyoktās tasmād rakṣyā viśeṣataḥ

Zu ehren sind die hochgestellten, verdienstvollen Frauen, die Leuchten des Hauses; sie werden das Glück des Hauses genannt, darum sind sie besonders zu beschützen.

Wort für Wort
pūjanīyā mahābhāgāḥ puṇyāś ca gṛhadīptayaḥ striyaḥ śriyo gṛhasyoktās tasmād rakṣyā viśeṣataḥ
Zu ehren sind die hochgestellten, verdienstvollen Frauen, die Leuchten des Hauses; sie werden das Glück des Hauses genannt, darum sind sie besonders zu beschützen.

pitur antaḥpuraṃ dadyān mātur dadyān mahānasam goṣu cātmasamaṃ dadyāt svayam eva kṛṣiṃ vrajet bhṛtyair vaṇijyācāraṃ ca putraiḥ seveta brāhmaṇān

Dem Vater übergebe man die Aufsicht über die inneren Gemächer, der Mutter übergebe man die Küche, bei den Rindern setze man einen Aufseher sich selbst gleich ein; den Ackerbau besorge man selbst, den Handel führe man durch Diener, und den Brahmanen diene man durch die Söhne.

Wort für Wort
pitur antaḥpuraṃ dadyān mātur dadyān mahānasam goṣu cātmasamaṃ dadyāt svayam eva kṛṣiṃ vrajet bhṛtyair vaṇijyācāraṃ ca putraiḥ seveta brāhmaṇān
Dem Vater übergebe man die Aufsicht über die inneren Gemächer, der Mutter übergebe man die Küche, bei den Rindern setze man einen Aufseher sich selbst gleich ein; den Ackerbau besorge man selbst, den Handel führe man durch Diener, und den Brahmanen diene man durch die Söhne.

adbhyo 'gnir brahmataḥ kṣatram aśmano loham utthitam teṣāṃ sarvatragaṃ tejaḥ svāsu yoniṣu śāmyati

Aus dem Wasser entsteht das Feuer, aus dem Brahmanentum das Kriegertum, aus dem Stein das Metall; ihre überallhin reichende Glut kommt dennoch in ihren eigenen Ursprüngen zur Ruhe.

Wort für Wort
adbhyo 'gnir brahmataḥ kṣatram aśmano loham utthitam teṣāṃ sarvatragaṃ tejaḥ svāsu yoniṣu śāmyati
Aus dem Wasser entsteht das Feuer, aus dem Brahmanentum das Kriegertum, aus dem Stein das Metall; ihre überallhin reichende Glut kommt dennoch in ihren eigenen Ursprüngen zur Ruhe.

nityaṃ santaḥ kule jātāḥ pāvakopamatejasaḥ kṣamāvanto nirākārāḥ kāṣṭhe 'gnir iva śerate

Stets ruhen die Guten, die in edlem Geschlecht Geborenen, an Glut dem Feuer gleich, geduldig und ohne äußere Erscheinung, wie Feuer im Holz.

Wort für Wort
nityaṃ santaḥ kule jātāḥ pāvakopamatejasaḥ kṣamāvanto nirākārāḥ kāṣṭhe 'gnir iva śerate
Stets ruhen die Guten, die in edlem Geschlecht Geborenen, an Glut dem Feuer gleich, geduldig und ohne äußere Erscheinung, wie Feuer im Holz.

Dieser Vers wiederholt, mit leicht verändertem Wortlaut, das bereits in Kap.37 V.58 gegebene Feuer-im-Holz-Gleichnis - eine im Original belegte Doppelung, keine Übersetzungsungenauigkeit.

yasya mantraṃ na jānanti bāhyāś cābhyantarāś ca ye sa rājā sarvataścakṣuś ciram aiśvaryam aśnute

Der König, dessen Ratschluss weder die Außenstehenden noch die ihm Nahestehenden kennen, der, mit Augen nach allen Seiten, genießt lange seine Herrschaft.

Wort für Wort
yasya mantraṃ na jānanti bāhyāś cābhyantarāś ca ye sa rājā sarvataścakṣuś ciram aiśvaryam aśnute
Der König, dessen Ratschluss weder die Außenstehenden noch die ihm Nahestehenden kennen, der, mit Augen nach allen Seiten, genießt lange seine Herrschaft.

kariṣyan na prabhāṣeta kṛtāny eva ca darśayet dharmakāmārthakāryāṇi tathā mantro na bhidyate

Was man zu tun beabsichtigt, spreche man nicht aus, sondern zeige nur das bereits Getane; so werden die Angelegenheiten von Recht, Verlangen und Nutzen ausgeführt, und der Ratschluss bleibt ungebrochen.

Wort für Wort
kariṣyan na prabhāṣeta kṛtāny eva ca darśayet dharmakāmārthakāryāṇi tathā mantro na bhidyate
Was man zu tun beabsichtigt, spreche man nicht aus, sondern zeige nur das bereits Getane; so werden die Angelegenheiten von Recht, Verlangen und Nutzen ausgeführt, und der Ratschluss bleibt ungebrochen.

giripṛṣṭham upāruhya prāsādaṃ vā rahogataḥ araṇye niḥśalāke vā tatra mantro vidhīyate

Auf einen Berggipfel gestiegen, oder in einen Palast, an einen abgeschiedenen Ort begeben, oder in einen menschenleeren Wald - dort werde der Ratschluss gefasst.

Wort für Wort
giripṛṣṭham upāruhya prāsādaṃ vā rahogataḥ araṇye niḥśalāke vā tatra mantro vidhīyate
Auf einen Berggipfel gestiegen, oder in einen Palast, an einen abgeschiedenen Ort begeben, oder in einen menschenleeren Wald - dort werde der Ratschluss gefasst.

nāsuhṛt paramaṃ mantraṃ bhāratārhati veditum apaṇḍito vāpi suhṛt paṇḍito vāpy anātmavān amātye hy arthalipsā ca mantrarakṣaṇam eva ca

Kein Nicht-Freund verdient es, den höchsten Ratschluss zu erfahren, o Bhārata, ebenso wenig ein ungelehrter Freund noch ein Gelehrter ohne Selbstbeherrschung; denn vom Minister erfordert es sowohl das Streben nach dem gemeinsamen Nutzen als auch die Bewahrung des Geheimnisses.

Wort für Wort
nāsuhṛt paramaṃ mantraṃ bhāratārhati veditum apaṇḍito vāpi suhṛt paṇḍito vāpy anātmavān amātye hy arthalipsā ca mantrarakṣaṇam eva ca
Kein Nicht-Freund verdient es, den höchsten Ratschluss zu erfahren, o Bhārata, ebenso wenig ein ungelehrter Freund noch ein Gelehrter ohne Selbstbeherrschung; denn vom Minister erfordert es sowohl das Streben nach dem gemeinsamen Nutzen als auch die Bewahrung des Geheimnisses.

kṛtāni sarvakāryāṇi yasya vā pārṣadā viduḥ gūḍhamantrasya nṛpates tasya siddhir asaṃśayam

Dessen Gefolgsleute erst von seinen Taten erfahren, wenn alle Vorhaben bereits ausgeführt sind - eines solchen Königs, dessen Ratschluss verborgen bleibt, ist der Erfolg zweifellos gewiss.

Wort für Wort
kṛtāni sarvakāryāṇi yasya vā pārṣadā viduḥ gūḍhamantrasya nṛpates tasya siddhir asaṃśayam
Dessen Gefolgsleute erst von seinen Taten erfahren, wenn alle Vorhaben bereits ausgeführt sind - eines solchen Königs, dessen Ratschluss verborgen bleibt, ist der Erfolg zweifellos gewiss.

apraśastāni karmāṇi yo mohād anutiṣṭhati sa teṣāṃ viparibhraṃśe bhraśyate jīvitād api

Wer aus Verblendung verwerfliche Taten begeht, der verliert, wenn diese misslingen, sogar sein Leben.

Wort für Wort
apraśastāni karmāṇi yo mohād anutiṣṭhati sa teṣāṃ viparibhraṃśe bhraśyate jīvitād api
Wer aus Verblendung verwerfliche Taten begeht, der verliert, wenn diese misslingen, sogar sein Leben.

karmaṇāṃ tu praśastānām anuṣṭhānaṃ sukhāvaham teṣām evānanuṣṭhānaṃ paścāttāpakaraṃ mahat

Die Ausführung löblicher Taten bringt Glück, ihre Unterlassung aber bringt großes nachträgliches Bedauern.

Wort für Wort
karmaṇāṃ tu praśastānām anuṣṭhānaṃ sukhāvaham teṣām evānanuṣṭhānaṃ paścāttāpakaraṃ mahat
Die Ausführung löblicher Taten bringt Glück, ihre Unterlassung aber bringt großes nachträgliches Bedauern.

sthānavṛddhikṣayajñasya ṣāḍguṇyaviditātmanaḥ anavajñātaśīlasya svādhīnā pṛthivī nṛpa

Dem König, der Bestand, Wachstum und Verfall kennt, der die sechs diplomatischen Mittel versteht, dessen Wesen nicht verachtet wird, gehorcht die Erde von selbst.

Wort für Wort
sthānavṛddhikṣayajñasya ṣāḍguṇyaviditātmanaḥ anavajñātaśīlasya svādhīnā pṛthivī nṛpa
Dem König, der Bestand, Wachstum und Verfall kennt, der die sechs diplomatischen Mittel versteht, dessen Wesen nicht verachtet wird, gehorcht die Erde von selbst.

amoghakrodhaharṣasya svayaṃ kṛtyānvavekṣiṇaḥ ātmapratyayakośasya vasudheyaṃ vasuṃdharā

Dem, dessen Zorn und Freude nicht wirkungslos verpuffen, der seine Aufgaben selbst überwacht, dessen Schatz nur auf sich selbst vertraut, dem gehört die Erde als Besitz.

Wort für Wort
amoghakrodhaharṣasya svayaṃ kṛtyānvavekṣiṇaḥ ātmapratyayakośasya vasudheyaṃ vasuṃdharā
Dem, dessen Zorn und Freude nicht wirkungslos verpuffen, der seine Aufgaben selbst überwacht, dessen Schatz nur auf sich selbst vertraut, dem gehört die Erde als Besitz.

nāmamātreṇa tuṣyeta chatreṇa ca mahīpatiḥ bhṛtyebhyo visṛjed arthān naikaḥ sarvaharo bhavet

Der Herrscher der Erde begnüge sich nicht mit dem bloßen Namen und dem königlichen Schirm; er gebe von den Erträgen an seine Diener ab, und er allein sei nicht der, der alles an sich nimmt.

Wort für Wort
nāmamātreṇa tuṣyeta chatreṇa ca mahīpatiḥ bhṛtyebhyo visṛjed arthān naikaḥ sarvaharo bhavet
Der Herrscher der Erde begnüge sich nicht mit dem bloßen Namen und dem königlichen Schirm; er gebe von den Erträgen an seine Diener ab, und er allein sei nicht der, der alles an sich nimmt.

brāhmaṇo brāhmaṇaṃ veda bhartā veda striyaṃ tathā amātyaṃ nṛpatir veda rājā rājānam eva ca

Ein Brahmane kennt das Wesen eines Brahmanen, ein Ehemann kennt ebenso eine Frau, ein Herrscher kennt das Wesen eines Ministers, und ein König kennt das Wesen eines anderen Königs.

Wort für Wort
brāhmaṇo brāhmaṇaṃ veda bhartā veda striyaṃ tathā amātyaṃ nṛpatir veda rājā rājānam eva ca
Ein Brahmane kennt das Wesen eines Brahmanen, ein Ehemann kennt ebenso eine Frau, ein Herrscher kennt das Wesen eines Ministers, und ein König kennt das Wesen eines anderen Königs.

na śatrur aṅkam āpanno moktavyo vadhyatāṃ gataḥ ahatād dhi bhayaṃ tasmāj jāyate nacirād iva

Ein Feind, der einem in die Hände gefallen ist und den Tod verdient hat, darf nicht freigelassen werden; denn von einem Ungeschlagenen entsteht bald darauf wieder Gefahr.

Wort für Wort
na śatrur aṅkam āpanno moktavyo vadhyatāṃ gataḥ ahatād dhi bhayaṃ tasmāj jāyate nacirād iva
Ein Feind, der einem in die Hände gefallen ist und den Tod verdient hat, darf nicht freigelassen werden; denn von einem Ungeschlagenen entsteht bald darauf wieder Gefahr.

daivateṣu ca yatnena rājasu brāhmaṇeṣu ca niyantavyaḥ sadā krodho vṛddhabālātureṣu ca

Gegenüber Göttern, Königen und Brahmanen sowie gegenüber Alten, Kindern und Kranken muss man mit Sorgfalt stets seinen Zorn zügeln.

Wort für Wort
daivateṣu ca yatnena rājasu brāhmaṇeṣu ca niyantavyaḥ sadā krodho vṛddhabālātureṣu ca
Gegenüber Göttern, Königen und Brahmanen sowie gegenüber Alten, Kindern und Kranken muss man mit Sorgfalt stets seinen Zorn zügeln.

nirarthaṃ kalahaṃ prājño varjayen mūḍhasevitam kīrtiṃ ca labhate loke na cānarthena yujyate

Der Kluge meide nutzlosen Streit, wie ihn Toren pflegen; so erlangt er Ruhm in der Welt und gerät nicht in Unheil.

Wort für Wort
nirarthaṃ kalahaṃ prājño varjayen mūḍhasevitam kīrtiṃ ca labhate loke na cānarthena yujyate
Der Kluge meide nutzlosen Streit, wie ihn Toren pflegen; so erlangt er Ruhm in der Welt und gerät nicht in Unheil.

prasādo niṣphalo yasya krodhaś cāpi nirarthakaḥ na taṃ bhartāram icchanti ṣaṇḍhaṃ patim iva striyaḥ

Wessen Gnade fruchtlos und wessen Zorn ebenso wirkungslos ist, einen solchen Herrn wünschen sich seine Untertanen nicht, wie Frauen keinen unfruchtbaren Gatten wünschen.

Wort für Wort
prasādo niṣphalo yasya krodhaś cāpi nirarthakaḥ na taṃ bhartāram icchanti ṣaṇḍhaṃ patim iva striyaḥ
Wessen Gnade fruchtlos und wessen Zorn ebenso wirkungslos ist, einen solchen Herrn wünschen sich seine Untertanen nicht, wie Frauen keinen unfruchtbaren Gatten wünschen.

na buddhir dhanalābhāya na jāḍyam asamṛddhaye lokaparyāyavṛttāntaṃ prājño jānāti netaraḥ

Nicht allein durch Klugheit erlangt man Reichtum, noch entsteht durch Dummheit Erfolglosigkeit; der Kluge kennt den Wechsel der Weltverhältnisse, der andere nicht.

Wort für Wort
na buddhir dhanalābhāya na jāḍyam asamṛddhaye lokaparyāyavṛttāntaṃ prājño jānāti netaraḥ
Nicht allein durch Klugheit erlangt man Reichtum, noch entsteht durch Dummheit Erfolglosigkeit; der Kluge kennt den Wechsel der Weltverhältnisse, der andere nicht.

vidyāśīlavayovṛddhān buddhivṛddhāṃś ca bhārata dhanābhijanavṛddhāṃś ca nityaṃ mūḍho 'vamanyate

Die an Wissen, Charakter und Alter Gereiften sowie die an Klugheit Gereiften, o Bhārata, und die an Reichtum und Abkunft Gereiften missachtet der Tor beständig.

Wort für Wort
vidyāśīlavayovṛddhān buddhivṛddhāṃś ca bhārata dhanābhijanavṛddhāṃś ca nityaṃ mūḍho 'vamanyate
Die an Wissen, Charakter und Alter Gereiften sowie die an Klugheit Gereiften, o Bhārata, und die an Reichtum und Abkunft Gereiften missachtet der Tor beständig.

anāryavṛttam aprājñam asūyakam adhārmikam anarthāḥ kṣipram āyānti vāgduṣṭaṃ krodhanaṃ tathā

Über den von unedlem Wandel, den Unklugen, den Missgünstigen, den Unrechten sowie über den mit schlechter Rede und den Zornmütigen kommt rasch Unheil.

Wort für Wort
anāryavṛttam aprājñam asūyakam adhārmikam anarthāḥ kṣipram āyānti vāgduṣṭaṃ krodhanaṃ tathā
Über den von unedlem Wandel, den Unklugen, den Missgünstigen, den Unrechten sowie über den mit schlechter Rede und den Zornmütigen kommt rasch Unheil.

avisaṃvādanaṃ dānaṃ samayasyāvyatikramaḥ āvartayanti bhūtāni samyak praṇihitā ca vāk

Wortverlässlichkeit, Freigebigkeit, das Nichtübertreten von Übereinkünften und wohlbedachte Rede - dies ziehen die Wesen zu einem hin.

Wort für Wort
avisaṃvādanaṃ dānaṃ samayasyāvyatikramaḥ āvartayanti bhūtāni samyak praṇihitā ca vāk
Wortverlässlichkeit, Freigebigkeit, das Nichtübertreten von Übereinkünften und wohlbedachte Rede - dies ziehen die Wesen zu einem hin.

avisaṃvādako dakṣaḥ kṛtajño matimān ṛjuḥ api saṃkṣīṇakośo 'pi labhate parivāraṇam

Wer wortverlässlich, tüchtig, dankbar, klug und aufrichtig ist, gewinnt Gefolgschaft, selbst wenn sein Schatz erschöpft ist.

Wort für Wort
avisaṃvādako dakṣaḥ kṛtajño matimān ṛjuḥ api saṃkṣīṇakośo 'pi labhate parivāraṇam
Wer wortverlässlich, tüchtig, dankbar, klug und aufrichtig ist, gewinnt Gefolgschaft, selbst wenn sein Schatz erschöpft ist.

dhṛtiḥ śamo damaḥ śaucaṃ kāruṇyaṃ vāg aniṣṭhurā mitrāṇāṃ cānabhidrohaḥ saptaitāḥ samidhaḥ śriyaḥ

Standhaftigkeit, Gleichmut, Selbstbeherrschung, Reinheit, Mitgefühl, unharte Rede und Treue gegenüber Freunden - diese sieben sind die Brennhölzer des Glücks.

Wort für Wort
dhṛtiḥ śamo damaḥ śaucaṃ kāruṇyaṃ vāg aniṣṭhurā mitrāṇāṃ cānabhidrohaḥ saptaitāḥ samidhaḥ śriyaḥ
Standhaftigkeit, Gleichmut, Selbstbeherrschung, Reinheit, Mitgefühl, unharte Rede und Treue gegenüber Freunden - diese sieben sind die Brennhölzer des Glücks.

asaṃvibhāgī duṣṭātmā kṛtaghno nirapatrapaḥ tādṛṅ narādhamo loke varjanīyo narādhipa

Der Nicht-Teilende, der Bösgesinnte, der Undankbare, der Schamlose - ein solcher niedrigster Mensch ist in der Welt zu meiden, o Herrscher der Menschen.

Wort für Wort
asaṃvibhāgī duṣṭātmā kṛtaghno nirapatrapaḥ tādṛṅ narādhamo loke varjanīyo narādhipa
Der Nicht-Teilende, der Bösgesinnte, der Undankbare, der Schamlose - ein solcher niedrigster Mensch ist in der Welt zu meiden, o Herrscher der Menschen.

na sa rātrau sukhaṃ śete sasarpa iva veśmani yaḥ kopayati nirdoṣaṃ sadoṣo 'bhyantaraṃ janam

Nicht schläft der nachts ruhig, wie in einem Haus mit einer Schlange, wer, selbst fehlerhaft, einen schuldlosen Menschen in seiner Umgebung erzürnt.

Wort für Wort
na sa rātrau sukhaṃ śete sasarpa iva veśmani yaḥ kopayati nirdoṣaṃ sadoṣo 'bhyantaraṃ janam
Nicht schläft der nachts ruhig, wie in einem Haus mit einer Schlange, wer, selbst fehlerhaft, einen schuldlosen Menschen in seiner Umgebung erzürnt.

yeṣu duṣṭeṣu doṣaḥ syād yogakṣemasya bhārata sadā prasādanaṃ teṣāṃ devatānām ivācaret

Gegenüber jenen, deren Verstimmung dem eigenen Wohlergehen schaden würde, o Bhārata, übe man stets Besänftigung, wie gegenüber Gottheiten.

Wort für Wort
yeṣu duṣṭeṣu doṣaḥ syād yogakṣemasya bhārata sadā prasādanaṃ teṣāṃ devatānām ivācaret
Gegenüber jenen, deren Verstimmung dem eigenen Wohlergehen schaden würde, o Bhārata, übe man stets Besänftigung, wie gegenüber Gottheiten.

ye 'rthāḥ strīṣu samāsaktāḥ prathamotpatiteṣu ca ye cānāryasamāsaktāḥ sarve te saṃśayaṃ gatāḥ

Vermögen, die in Frauen angelegt sind, ebenso in eben erst Angehäuftem, und die, welche mit Unedlen verbunden sind, sind alle in Gefahr geraten.

Wort für Wort
ye 'rthāḥ strīṣu samāsaktāḥ prathamotpatiteṣu ca ye cānāryasamāsaktāḥ sarve te saṃśayaṃ gatāḥ
Vermögen, die in Frauen angelegt sind, ebenso in eben erst Angehäuftem, und die, welche mit Unedlen verbunden sind, sind alle in Gefahr geraten.

yatra strī yatra kitavo yatra bālo 'nuśāsti ca majjanti te 'vaśā deśā nadyām aśmaplavā iva

Wo eine Frau, wo ein Spieler, wo ein Kind herrscht, jene Länder gehen hilflos unter, wie ein Steinfloß im Fluss.

Wort für Wort
yatra strī yatra kitavo yatra bālo 'nuśāsti ca majjanti te 'vaśā deśā nadyām aśmaplavā iva
Wo eine Frau, wo ein Spieler, wo ein Kind herrscht, jene Länder gehen hilflos unter, wie ein Steinfloß im Fluss.

prayojaneṣu ye saktā na viśeṣeṣu bhārata tān ahaṃ paṇḍitān manye viśeṣā hi prasaṅginaḥ

Die, welche an den wesentlichen Zwecken hängen, nicht an bloßen Besonderheiten, o Bhārata, die halte ich für die wahrhaft Weisen; denn Besonderheiten führen nur zu zwanghafter Anhaftung.

Wort für Wort
prayojaneṣu ye saktā na viśeṣeṣu bhārata tān ahaṃ paṇḍitān manye viśeṣā hi prasaṅginaḥ
Die, welche an den wesentlichen Zwecken hängen, nicht an bloßen Besonderheiten, o Bhārata, die halte ich für die wahrhaft Weisen; denn Besonderheiten führen nur zu zwanghafter Anhaftung.

yaṃ praśaṃsanti kitavā yaṃ praśaṃsanti cāraṇāḥ yaṃ praśaṃsanti bandhakyo na sa jīvati mānavaḥ

Wen Spieler loben, wen fahrende Sänger loben, wen Dirnen loben - ein solcher Mensch lebt in Wahrheit nicht mehr lange.

Wort für Wort
yaṃ praśaṃsanti kitavā yaṃ praśaṃsanti cāraṇāḥ yaṃ praśaṃsanti bandhakyo na sa jīvati mānavaḥ
Wen Spieler loben, wen fahrende Sänger loben, wen Dirnen loben - ein solcher Mensch lebt in Wahrheit nicht mehr lange.

hitvā tān parameṣvāsān pāṇḍavān amitaujasaḥ āhitaṃ bhārataiśvaryaṃ tvayā duryodhane mahat

Indem du jene Meisterschützen, die Pāṇḍavas von unermesslicher Kraft, beiseiteließest, hast du die große Herrschaft der Bharatas dem Duryodhana anvertraut.

Wort für Wort
hitvā tān parameṣvāsān pāṇḍavān amitaujasaḥ āhitaṃ bhārataiśvaryaṃ tvayā duryodhane mahat
Indem du jene Meisterschützen, die Pāṇḍavas von unermesslicher Kraft, beiseiteließest, hast du die große Herrschaft der Bharatas dem Duryodhana anvertraut.

taṃ drakṣyasi paribhraṣṭaṃ tasmāt tvaṃ nacirād iva aiśvaryamadasaṃmūḍhaṃ baliṃ lokatrayād iva

Diesen wirst du bald von ihr gestürzt sehen, so wie einst Bali, von Herrschaftsrausch verblendet, aus den drei Welten gestürzt wurde.

Wort für Wort
taṃ drakṣyasi paribhraṣṭaṃ tasmāt tvaṃ nacirād iva aiśvaryamadasaṃmūḍhaṃ baliṃ lokatrayād iva
Diesen wirst du bald von ihr gestürzt sehen, so wie einst Bali, von Herrschaftsrausch verblendet, aus den drei Welten gestürzt wurde.

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