Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 93: Kṛṣṇa-Śāntiparva-Vākyam Kṛṣṇas große Friedensrede vor der Versammlung

Vor der versammelten Kaurava-Hofgesellschaft hält Kṛṣṇa seine große, formelle Friedensrede an Dhṛtarāṣṭra: er rühmt das Kuru-Geschlecht, mahnt zur Zurückhaltung Duryodhanas, listet die unbesiegbaren Verbündeten der Pāṇḍavas auf und schildert eindringlich die Verwüstung eines Krieges. Er zitiert wörtlich die Botschaft, die ihm die Pāṇḍavas für Dhṛtarāṣṭra und die Versammlung aufgetragen haben - eine Erinnerung an das eingehaltene Exil-Abkommen und eine Mahnung an die Pflicht des Lehrers/Vaters gegenüber dem Schüler/Mündel. Abschließend fordert Kṛṣṇa in eigener Stimme die Herausgabe des väterlichen Erbteils und erinnert an Yudhiṣṭhiras unerschütterliche Dharma-Treue trotz der Demütigung Draupadīs. Die Versammlung ehrt die Rede in ihren Herzen, doch niemand wagt es, als Erster zu antworten.

vaiśaṃpāyana uvāca teṣv āsīneṣu sarveṣu tūṣṇīṃbhūteṣu rājasu vākyam abhyādade kṛṣṇaḥ sudaṃṣṭro dundubhisvanaḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Während all jene Könige schweigend dasaßen, ergriff Kṛṣṇa, der Schönzahnige, dessen Stimme wie eine Kesselpauke war, das Wort.

Wort für Wort
āsīneṣu ... tūṣṇīṃbhūteṣu rājasu
während die Könige schweigend dasaßen (Lok. Pl. absol.)
vākyam abhyādade
er ergriff das Wort (3. Sg. Ipf. Akt. von abhi-ā-dā)
sudaṃṣṭraḥ dundubhisvanaḥ
der Schönzahnige, dessen Stimme wie eine Pauke war (Nom. Sg., Beiname)

jīmūta iva gharmānte sarvāṃ saṃśrāvayan sabhām dhṛtarāṣṭram abhiprekṣya samabhāṣata mādhavaḥ

Wie eine Gewitterwolke am Ende der heißen Jahreszeit sprach Mādhava, die ganze Versammlung hören lassend, den Dhṛtarāṣṭra anblickend:

Wort für Wort
jīmūtaḥ iva gharmānte
wie eine Gewitterwolke am Ende der Hitzezeit (Nom. Sg., Vergleich)
sarvāṃ saṃśrāvayan sabhām
die ganze Versammlung hören lassend (Part. Präs. Kausativ)
dhṛtarāṣṭram abhiprekṣya
Dhṛtarāṣṭra angeblickt habend (Ger.)
samabhāṣata
er sprach an (3. Sg. Ipf. Med. von sam-bhāṣ)

kurūṇāṃ pāṇḍavānāṃ ca śamaḥ syād iti bhārata aprayatnena vīrāṇām etad yatitum āgataḥ

‚Dass zwischen Kurus und Pāṇḍavas Friede werde, o Bhārata - dies ohne große Mühe der Helden zu erwirken, bin ich hierher gekommen.

Wort für Wort
kurūṇāṃ pāṇḍavānāṃ ca śamaḥ syāt
dass Friede zwischen Kurus und Pāṇḍavas werde (Opt. 3. Sg.)
aprayatnena
ohne Mühe, mühelos (Instr. Sg.)
vīrāṇām etat yatitum āgataḥ
gekommen, dies für die Helden zu erstreben (Nom. Sg. Ppp. + Inf.)

[Anm.: SQ öffnet hier - erste tatsächlich zitierte Rede Kṛṣṇas, nachdem V.001-002 nur die Ankündigung der Rede berichteten. ,aprayatnena' (,ohne Mühe') wird auf das erstrebte Ergebnis bezogen: Friede sei ohne große Mühe der Helden erreichbar, vgl. V.012 ,na duṣkaro hy atra śamaḥ' (,nicht schwierig ist hier der Friede').]

rājan nānyat pravaktavyaṃ tava niḥśreyasaṃ vacaḥ viditaṃ hy eva te sarvaṃ veditavyam ariṃdama

O König, es gibt kein anderes Wort, das dir zu deinem Heil zu sagen wäre; denn alles, was zu wissen ist, ist dir ja bereits bekannt, o Bezwinger der Feinde.

Wort für Wort
na anyat pravaktavyaṃ ... niḥśreyasaṃ vacaḥ
kein anderes zum Heil zu sprechendes Wort (Nom. Sg. Ger.)
viditam ... te sarvaṃ veditavyam
dir ist alles Wissenswerte bekannt (Nom. Sg. Ppp. + Ger.)

idam adya kulaṃ śreṣṭhaṃ sarvarājasu pārthiva śrutavṛttopasaṃpannaṃ sarvaiḥ samuditaṃ guṇaiḥ

Dieses Geschlecht ist heute das vorzüglichste unter allen Königsgeschlechtern, o Fürst, ausgestattet mit rechter Überlieferung und Wandel, mit allen Tugenden versehen,

Wort für Wort
idam ... kulaṃ śreṣṭham
dieses vorzüglichste Geschlecht (Nom. Sg.)
sarvarājasu
unter allen Königsgeschlechtern (Lok. Pl.)
śrutavṛttopasaṃpannam
mit Überlieferung und Wandel ausgestattet (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
sarvaiḥ samuditaṃ guṇaiḥ
mit allen Tugenden versehen (Nom. Sg. Ppp. + Instr.)

kṛpānukampā kāruṇyam ānṛśaṃsyaṃ ca bhārata tathārjavaṃ kṣamā satyaṃ kuruṣv etad viśiṣyate

Mitleid, Erbarmen, Güte und Milde, o Bhārata, ebenso Geradheit, Geduld und Wahrheit - dies zeichnet die Kurus besonders aus.

Wort für Wort
kṛpā anukampā kāruṇyam ānṛśaṃsyam
Mitleid, Erbarmen, Güte, Milde (Nom. Sg. fem./neutr.)
ārjavaṃ kṣamā satyam
Geradheit, Geduld, Wahrheit (Nom. Sg.)
kuruṣu etat viśiṣyate
dies zeichnet [sie] bei den Kurus aus (3. Sg. Präs. Pass. von vi-śiṣ)

tasminn evaṃvidhe rājan kule mahati tiṣṭhati tvannimittaṃ viśeṣeṇa neha yuktam asāṃpratam

Während ein solch großes Geschlecht besteht, o König, ist es hier, gerade deinetwegen, nicht angemessen, dass Unrecht geschehe.

Wort für Wort
tasmin evaṃvidhe kule mahati tiṣṭhati
während ein solches großes Geschlecht besteht (Lok. Sg. absol.)
tvannimittaṃ viśeṣeṇa
gerade deinetwegen, im Besonderen (Adv.)
na iha yuktam asāṃpratam
hier ist Unrechtes/Unpassendes nicht angemessen (Neg. + Adj.)

tvaṃ hi vārayitā śreṣṭhaḥ kurūṇāṃ kurusattama mithyā pracaratāṃ tāta bāhyeṣv ābhyantareṣu ca

Denn du bist der Beste, der die Kurus zurückhalten kann, o Vorzüglichster der Kurus, wenn sie sich trügerisch verhalten, o Lieber, sowohl gegen Außenstehende als auch gegen die Eigenen.

Wort für Wort
vārayitā śreṣṭhaḥ kurūṇāṃ
der beste Zurückhalter der Kurus (Nom. Sg. Nomen agentis)
mithyā pracaratāṃ
derer, die trügerisch handeln (Gen. Pl. Part. Präs.)
bāhyeṣu ābhyantareṣu ca
gegen Außenstehende und Eigene (Lok. Pl.)

te putrās tava kauravya duryodhanapurogamāḥ dharmārthau pṛṣṭhataḥ kṛtvā pracaranti nṛśaṃsavat

Jene deine Söhne, o Kaurava, mit Duryodhana an der Spitze, handeln, Dharma und Artha hintanstellend, grausam.

Wort für Wort
te putrāḥ tava ... duryodhanapurogamāḥ
jene deine Söhne mit Duryodhana an der Spitze (Nom. Pl.)
dharmārthau pṛṣṭhataḥ kṛtvā
Dharma und Artha hintangestellt habend (Akk. Dual + Ger.)
pracaranti nṛśaṃsavat
sie handeln grausam (3. Pl. Präs. Akt. + Adv.)

aśiṣṭā gatamaryādā lobhena hṛtacetasaḥ sveṣu bandhuṣu mukhyeṣu tad vettha bharatarṣabha

Unerzogen, ohne Anstand, durch Gier um den Verstand gebracht - gegen ihre eigenen vornehmsten Verwandten; dies weißt du, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
aśiṣṭāḥ gatamaryādāḥ
unerzogen, ohne Anstand (Nom. Pl., Adj.)
lobhena hṛtacetasaḥ
durch Gier um den Verstand gebracht (Nom. Pl., Bahuvrīhi + Instr.)
sveṣu bandhuṣu mukhyeṣu
gegen die eigenen vornehmsten Verwandten (Lok. Pl.)
tat vettha
dies weißt du (2. Sg. Perf. Akt. von vid)

seyam āpan mahāghorā kuruṣv eva samutthitā upekṣyamāṇā kauravya pṛthivīṃ ghātayiṣyati

Dieses überaus schreckliche Unheil, das gerade bei den Kurus entstanden ist, wird, wenn es übersehen wird, o Kaurava, die Erde vernichten.

Wort für Wort
seyam āpan mahāghorā
dieses überaus schreckliche Unheil (Nom. Sg. fem.)
kuruṣu eva samutthitā
gerade bei den Kurus entstanden (Nom. Sg. fem. Ppp.)
upekṣyamāṇā
wenn es übersehen wird (Nom. Sg. Part. Präs. Pass.)
pṛthivīṃ ghātayiṣyati
es wird die Erde vernichten (3. Sg. Fut. Kausativ)

śakyā ceyaṃ śamayituṃ tvaṃ ced icchasi bhārata na duṣkaro hy atra śamo mato me bharatarṣabha

Und es kann besänftigt werden, wenn du es willst, o Bhārata; nicht schwierig, so meine ich, ist hier der Friede, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
śakyā ... śamayitum
es kann besänftigt werden (Nom. Sg. fem. + Inf.)
tvaṃ cet icchasi
wenn du willst (2. Sg. Präs.)
na duṣkaraḥ ... śamaḥ mataḥ me
nicht schwierig scheint mir der Friede (Nom. Sg. + Ppp.)

tvayy adhīnaḥ śamo rājan mayi caiva viśāṃ pate putrān sthāpaya kauravya sthāpayiṣyāmy ahaṃ parān

Von dir hängt der Friede ab, o König, und ebenso von mir, o Herr der Völker; halte du deine Söhne im Zaum, o Kaurava, ich werde die anderen im Zaum halten.

Wort für Wort
tvayi adhīnaḥ śamaḥ
von dir hängt der Friede ab (Nom. Sg. + Lok.)
putrān sthāpaya
halte deine Söhne fest, im Zaum (Imperativ 2. Sg. Kausativ von sthā)
sthāpayiṣyāmi ahaṃ parān
ich werde die anderen festhalten (1. Sg. Fut. Kausativ)

ājñā tava hi rājendra kāryā putraiḥ sahānvayaiḥ hitaṃ balavad apy eṣāṃ tiṣṭhatāṃ tava śāsane

Denn dein Befehl, o König der Könige, ist von den Söhnen samt ihrem Gefolge zu befolgen; auch wenn es ihnen schwerfällt - mögen sie in deinem Gebot verharren.

Wort für Wort
ājñā tava ... kāryā
dein Befehl ist zu befolgen (Nom. Sg. fem. Ger.)
putraiḥ saha anvayaiḥ
von den Söhnen samt Gefolge (Instr. Pl.)
hitaṃ balavat api
auch wenn es schwerwiegend/schwer ist (Adv. + Part.)
tiṣṭhatāṃ tava śāsane
mögen sie in deinem Gebot verharren (3. Pl. Imperativ Akt. + Lok.)

tava caiva hitaṃ rājan pāṇḍavānām atho hitam śame prayatamānasya mama śāsanakāṅkṣiṇām

Dies ist zu deinem Heil, o König, und auch zum Heil der Pāṇḍavas, die sich nach deinem Gebot sehnen, während ich mich um den Frieden bemühe.

Wort für Wort
tava ... hitaṃ ... pāṇḍavānām atho hitam
zu deinem Heil und auch zum Heil der Pāṇḍavas (Nom. Sg. Neutr.)
śame prayatamānasya mama
während ich mich um Frieden bemühe (Gen. Sg. Part. Präs. Med.)
śāsanakāṅkṣiṇām
die sich nach dem Gebot sehnen (Gen. Pl., Bahuvrīhi, bez. auf Pāṇḍavas)

svayaṃ niṣkalam ālakṣya saṃvidhatsva viśāṃ pate sahabhūtās tu bharatās tavaiva syur janeśvara

Da du selbst das Ungeteilte erkennst, ordne es so an, o Herr der Völker, dass die Bharatas, vereint, dir allein gehören mögen, o Herrscher der Menschen.

Wort für Wort
svayaṃ niṣkalam ālakṣya
selbst das Ungeteilte/Ganze erkannt habend (Ger.)
saṃvidhatsva
ordne an (Imperativ 2. Sg. Med. von sam-vi-dhā)
sahabhūtāḥ ... bharatāḥ tava eva syuḥ
die vereinten Bharatas mögen dir allein gehören (Nom. Pl. + Opt.)

[Anm.: ,niṣkalam' (,ohne Teilung, ganz/ungeteilt') hier auf den Vorteil eines ungeteilten, geeinten Reiches bezogen.]

dharmārthayos tiṣṭha rājan pāṇḍavair abhirakṣitaḥ na hi śakyās tathābhūtā yatnād api narādhipa

Stehe fest in Dharma und Artha, o König, von den Pāṇḍavas beschützt; denn solche, wie sie sind, können auch mit Mühe nicht bezwungen werden, o Herrscher der Menschen.

Wort für Wort
dharmārthayoḥ tiṣṭha
stehe fest in Dharma und Artha (Lok. Dual + Imperativ)
pāṇḍavaiḥ abhirakṣitaḥ
von den Pāṇḍavas beschützt (Nom. Sg. Ppp.)
na śakyāḥ tathābhūtāḥ yatnād api
solche können auch mit Mühe nicht [bezwungen werden] (Neg. + Adj. + Abl.)

na hi tvāṃ pāṇḍavair jetuṃ rakṣyamāṇaṃ mahātmabhiḥ indro 'pi devaiḥ sahitaḥ prasaheta kuto nṛpāḥ

Denn dich, der du von den hochgesinnten Pāṇḍavas beschützt wirst, zu besiegen vermöchte nicht einmal Indra samt den Göttern - wieviel weniger andere Könige.

Wort für Wort
tvāṃ ... rakṣyamāṇaṃ mahātmabhiḥ
dich, der du beschützt wirst von den Hochgesinnten (Akk. Sg. Part. Präs. Pass.)
jetum
zu besiegen (Inf.)
indraḥ api devaiḥ sahitaḥ prasaheta
selbst Indra samt den Göttern vermöchte es (Opt. 3. Sg.)
kutaḥ nṛpāḥ
wieviel weniger [andere] Könige (Adv. + Nom. Pl.)

yatra bhīṣmaś ca droṇaś ca kṛpaḥ karṇo viviṃśatiḥ aśvatthāmā vikarṇaś ca somadatto 'tha bāhlikaḥ

Wo Bhīṣma und Droṇa, Kṛpa, Karṇa, Viviṃśati, Aśvatthāman und Vikarṇa, Somadatta und Bāhlika stehen,

Wort für Wort
bhīṣmaḥ droṇaḥ kṛpaḥ karṇaḥ viviṃśatiḥ
Bhīṣma, Droṇa, Kṛpa, Karṇa, Viviṃśati (Nom. Sg., Namensreihe)
aśvatthāmā vikarṇaḥ somadattaḥ bāhlikaḥ
Aśvatthāman, Vikarṇa, Somadatta, Bāhlika (Nom. Sg., Namensreihe)

saindhavaś ca kaliṅgaś ca kāmbojaś ca sudakṣiṇaḥ yudhiṣṭhiro bhīmasenaḥ savyasācī yamau tathā

der Saindhava und der Kaliṅga und der Kāmboja Sudakṣiṇa, Yudhiṣṭhira, Bhīmasena, der Linkshändige und ebenso die Zwillinge,

Wort für Wort
saindhavaḥ kaliṅgaḥ kāmbojaḥ sudakṣiṇaḥ
der Saindhava, der Kaliṅga, der Kāmboja Sudakṣiṇa (Nom. Sg., Namensreihe)
yudhiṣṭhiraḥ bhīmasenaḥ savyasācī
Yudhiṣṭhira, Bhīmasena, der Linkshändige = Arjuna (Nom. Sg.)
yamau tathā
und ebenso die Zwillinge, d.h. Nakula und Sahadeva (Nom. Dual)

[Anm.: ,savyasācī' (,der Linkshändige') ist ein Beiname Arjunas.]

sātyakiś ca mahātejā yuyutsuś ca mahārathaḥ ko nu tān viparītātmā yudhyeta bharatarṣabha

und der hochmächtige Sātyaki und der Großwagenkämpfer Yuyutsu - wer, mit verkehrtem Sinn, würde gegen sie kämpfen wollen, o Stier der Bharatas?

Wort für Wort
sātyakiḥ mahātejāḥ
der hochmächtige Sātyaki (Nom. Sg.)
yuyutsuḥ ... mahārathaḥ
der Großwagenkämpfer Yuyutsu (Nom. Sg.)
kaḥ nu ... viparītātmā yudhyeta
wer, mit verkehrtem Sinn, würde kämpfen (Nom. Sg. + Opt.)

lokasyeśvaratāṃ bhūyaḥ śatrubhiś cāpradhṛṣyatām prāpsyasi tvam amitraghna sahitaḥ kurupāṇḍavaiḥ

Die Herrschaft über die Welt aufs Neue und Unangreifbarkeit durch Feinde wirst du erlangen, o Feindevernichter, vereint mit Kurus und Pāṇḍavas.

Wort für Wort
lokasya īśvaratāṃ bhūyaḥ
die Herrschaft über die Welt aufs Neue (Akk. Sg.)
śatrubhiḥ ca apradhṛṣyatām
und Unangreifbarkeit durch Feinde (Akk. Sg.)
prāpsyasi tvam ... sahitaḥ kurupāṇḍavaiḥ
du wirst erlangen, mit Kurus und Pāṇḍavas vereint (2. Sg. Fut. + Nom. Sg. Ppp.)

tasya te pṛthivīpālās tvatsamāḥ pṛthivīpate śreyāṃsaś caiva rājānaḥ saṃdhāsyante paraṃtapa

Dir werden sich dann die Herrscher der Erde, dir gleiche und auch dir überlegene Könige, anschließen, o Erdenherrscher, o Bezwinger der Feinde.

Wort für Wort
pṛthivīpālāḥ tvatsamāḥ
die Erdherrscher, dir gleiche (Nom. Pl.)
śreyāṃsaḥ ca eva rājānaḥ
und auch überlegene Könige (Nom. Pl.)
saṃdhāsyante
sie werden sich anschließen (3. Pl. Fut. Med. von sam-dhā)

sa tvaṃ putraiś ca pautraiś ca bhrātṛbhiḥ pitṛbhis tathā suhṛdbhiḥ sarvato guptaḥ sukhaṃ śakṣyasi jīvitum

So wirst du, von Söhnen und Enkeln, von Brüdern und Vätern ebenso wie von Freunden allseits behütet, glücklich zu leben vermögen.

Wort für Wort
putraiḥ pautraiḥ bhrātṛbhiḥ pitṛbhiḥ suhṛdbhiḥ
von Söhnen, Enkeln, Brüdern, Vätern, Freunden (Instr. Pl.)
sarvataḥ guptaḥ
allseits behütet (Nom. Sg. Ppp.)
sukhaṃ śakṣyasi jīvitum
du wirst glücklich zu leben vermögen (2. Sg. Fut. + Inf.)

etān eva purodhāya satkṛtya ca yathā purā akhilāṃ bhokṣyase sarvāṃ pṛthivīṃ pṛthivīpate

Eben diese voranstellend und ehrend wie einst, wirst du die ganze Erde vollständig genießen, o Erdenherrscher.

Wort für Wort
etān eva purodhāya
eben diese vorangestellt habend (Ger.)
satkṛtya ca yathā purā
und geehrt wie einst (Ger. + Adv.)
akhilāṃ ... sarvāṃ pṛthivīṃ bhokṣyase
du wirst die ganze, vollständige Erde genießen (2. Sg. Fut. Med.)

etair hi sahitaḥ sarvaiḥ pāṇḍavaiḥ svaiś ca bhārata anyān vijeṣyase śatrūn eṣa svārthas tavākhilaḥ

Denn mit all diesen, den Pāṇḍavas und den eigenen Söhnen vereint, o Bhārata, wirst du andere Feinde besiegen - dies ist dein vollständiger eigener Vorteil.

Wort für Wort
etaiḥ sahitaḥ sarvaiḥ pāṇḍavaiḥ svaiḥ ca
mit all diesen, den Pāṇḍavas und den Eigenen, vereint (Nom. Sg. Ppp. + Instr. Pl.)
anyān vijeṣyase śatrūn
du wirst andere Feinde besiegen (2. Sg. Fut. Med.)
eṣa svārthaḥ tava akhilaḥ
dies ist dein vollständiger eigener Vorteil (Nom. Sg.)

tair evopārjitāṃ bhūmiṃ bhokṣyase ca paraṃtapa yadi saṃpatsyase putraiḥ sahāmātyair narādhipa

Und du wirst das von ihnen selbst erworbene Land genießen, o Bezwinger der Feinde, wenn du mit deinen Söhnen und Ministern übereinkommst, o Herrscher der Menschen.

Wort für Wort
taiḥ eva upārjitāṃ bhūmiṃ
das von ihnen selbst erworbene Land (Akk. Sg. Ppp.)
bhokṣyase
du wirst genießen (2. Sg. Fut. Med.)
saṃpatsyase putraiḥ saha amātyaiḥ
du wirst übereinkommen mit Söhnen und Ministern (2. Sg. Fut. Med. + Instr.)

saṃyuge vai mahārāja dṛśyate sumahān kṣayaḥ kṣaye cobhayato rājan kaṃ dharmam anupaśyasi

In der Schlacht, o Großkönig, ist gewiss sehr großes Verderben zu erwarten; und bei Verderben auf beiden Seiten, o König, welchen Dharma siehst du darin?

Wort für Wort
saṃyuge dṛśyate sumahān kṣayaḥ
in der Schlacht ist sehr großes Verderben zu sehen (Lok. + 3. Sg. Präs. Pass.)
kṣaye ca ubhayataḥ
und bei Verderben auf beiden Seiten (Lok. + Adv.)
kaṃ dharmam anupaśyasi
welchen Dharma siehst du darin (Akk. + 2. Sg. Präs.)

pāṇḍavair nihataiḥ saṃkhye putrair vāpi mahābalaiḥ yad vindethāḥ sukhaṃ rājaṃs tad brūhi bharatarṣabha

Wenn die Pāṇḍavas in der Schlacht getötet wären, oder auch deine hochmächtigen Söhne - welches Glück du dann fändest, das sage mir, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
pāṇḍavaiḥ nihataiḥ saṃkhye
wenn die Pāṇḍavas in der Schlacht getötet wären (Instr. Pl. Ppp. + Lok.)
putraiḥ vā api mahābalaiḥ
oder auch die hochmächtigen Söhne (Instr. Pl.)
yat vindethāḥ sukhaṃ ... tat brūhi
welches Glück du fändest, das sage (2. Sg. Opt. Med. + Imperativ)

śūrāś ca hi kṛtāstrāś ca sarve yuddhābhikāṅkṣiṇaḥ pāṇḍavās tāvakāś caiva tān rakṣa mahato bhayāt

Denn tapfer und waffenkundig sind sie alle, begierig nach der Schlacht, die Pāṇḍavas und auch die Deinen - bewahre sie vor großer Gefahr.

Wort für Wort
śūrāḥ kṛtāstrāḥ ... yuddhābhikāṅkṣiṇaḥ
tapfer, waffenkundig, kampfbegierig (Nom. Pl., Adj.)
pāṇḍavāḥ tāvakāḥ ca eva
die Pāṇḍavas und auch die Deinen (Nom. Pl.)
tān rakṣa mahataḥ bhayāt
bewahre sie vor großer Gefahr (Imperativ + Abl.)

na paśyema kurūn sarvān pāṇḍavāṃś caiva saṃyuge kṣīṇān ubhayataḥ śūrān rathebhyo rathibhir hatān

Wir möchten nicht sehen, wie alle Kurus und auch die Pāṇḍavas in der Schlacht dahinschwinden, tapfere Männer auf beiden Seiten, von Wagen herab durch Wagenkämpfer getötet.

Wort für Wort
na paśyema
wir möchten nicht sehen (1. Pl. Opt. Akt.)
kurūn sarvān pāṇḍavān ca eva
alle Kurus und auch die Pāṇḍavas (Akk. Pl.)
kṣīṇān ubhayataḥ śūrān
dahinschwindende tapfere Männer auf beiden Seiten (Akk. Pl. Ppp.)
rathebhyo rathibhiḥ hatān
von Wagen herab durch Wagenkämpfer getötet (Akk. Pl. Ppp.)

samavetāḥ pṛthivyāṃ hi rājāno rājasattama amarṣavaśam āpannā nāśayeyur imāḥ prajāḥ

Denn die auf der Erde versammelten Könige, o Vorzüglichster der Könige, könnten, der Gewalt des Zorns verfallen, dieses Volk vernichten.

Wort für Wort
samavetāḥ pṛthivyāṃ ... rājānaḥ
die auf der Erde versammelten Könige (Nom. Pl. Ppp.)
amarṣavaśam āpannāḥ
der Gewalt des Zorns verfallen (Nom. Pl. Ppp.)
nāśayeyuḥ imāḥ prajāḥ
sie könnten dieses Volk vernichten (3. Pl. Opt. Kausativ)

trāhi rājann imaṃ lokaṃ na naśyeyur imāḥ prajāḥ tvayi prakṛtim āpanne śeṣaṃ syāt kurunandana

Rette, o König, diese Welt; nicht mögen diese Geschöpfe zugrunde gehen; wenn du zu deiner natürlichen Haltung zurückkehrst, o Freude der Kurus, mag alles erhalten bleiben.

Wort für Wort
trāhi ... imaṃ lokaṃ
rette diese Welt (Imperativ + Akk.)
na naśyeyuḥ imāḥ prajāḥ
nicht mögen diese Geschöpfe zugrunde gehen (Neg. + Opt.)
tvayi prakṛtim āpanne
wenn du zu deiner natürlichen Haltung zurückkehrst (Lok. Sg. absol. Ppp.)
śeṣaṃ syāt
mag ein Rest/alles erhalten bleiben (Nom. Sg. + Opt.)

śuklā vadānyā hrīmanta āryāḥ puṇyābhijātayaḥ anyonyasacivā rājaṃs tān pāhi mahato bhayāt

Lauter, freigebig, schamhaft, edel, von reiner Herkunft, einander verbunden - bewahre sie, o König, vor großer Gefahr.

Wort für Wort
śuklāḥ vadānyāḥ hrīmantaḥ āryāḥ
lauter, freigebig, schamhaft, edel (Nom. Pl., Adj.)
puṇyābhijātayaḥ
von reiner Herkunft (Nom. Pl., Bahuvrīhi)
anyonyasacivāḥ
einander verbunden, gegenseitige Gefährten (Nom. Pl., Bahuvrīhi)
tān pāhi mahataḥ bhayāt
bewahre sie vor großer Gefahr (Imperativ + Abl.)

[Anm.: Das Subjekt der Adjektivreihe (,tān', Akk. Pl.) sind die im vorigen Vers genannten Pāṇḍavas und die eigenen Söhne.]

śiveneme bhūmipālāḥ samāgamya parasparam saha bhuktvā ca pītvā ca pratiyāntu yathāgṛham

In Frieden mögen diese Erdherrscher, nachdem sie einander begegnet und gemeinsam gegessen und getrunken haben, ein jeder in sein Haus zurückkehren,

Wort für Wort
śivena ... samāgamya parasparam
in Frieden einander begegnet (Instr. + Ger.)
saha bhuktvā ca pītvā ca
gemeinsam gegessen und getrunken habend (Ger.)
pratiyāntu yathāgṛham
sie mögen zurückkehren, ein jeder nach Hause (3. Pl. Imperativ + Adv.)

suvāsasaḥ sragviṇaś ca satkṛtya bharatarṣabha amarṣāṃś ca nirākṛtya vairāṇi ca paraṃtapa

wohlgekleidet und bekränzt, geehrt, o Stier der Bharatas, nachdem Zorn und Feindschaften beseitigt sind, o Bezwinger der Feinde.

Wort für Wort
suvāsasaḥ sragviṇaḥ ca
wohlgekleidet und bekränzt (Nom. Pl., Bahuvrīhi)
satkṛtya
geehrt (Ger.)
amarṣān ca nirākṛtya vairāṇi ca
Zorn und Feindschaften beseitigt habend (Ger. + Akk. Pl.)

hārdaṃ yat pāṇḍaveṣv āsīt prāpte 'sminn āyuṣaḥ kṣaye tad eva te bhavatv adya śaśvac ca bharatarṣabha

Die Zuneigung, die du einst für die Pāṇḍavas hegtest, möge, nun da diese Lebenszeit sich neigt, heute wieder die deine sein, und immerdar, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
hārdaṃ yat pāṇḍaveṣu āsīt
die Zuneigung, die für die Pāṇḍavas bestand (Nom. Sg. + 3. Sg. Ipf.)
prāpte asmin āyuṣaḥ kṣaye
nun da diese Lebenszeit sich neigt (Lok. Sg. absol.)
tad eva te bhavatu adya śaśvac ca
dies möge heute und immerdar die deine sein (Imperativ 3. Sg.)

bālā vihīnāḥ pitrā te tvayaiva parivardhitāḥ tān pālaya yathānyāyaṃ putrāṃś ca bharatarṣabha

Als Kinder ihres Vaters beraubt, wurden sie von dir selbst großgezogen; behüte sie und auch deine eigenen Söhne, wie es dem Recht entspricht, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
bālāḥ vihīnāḥ pitrā
als Kinder des Vaters beraubt (Nom. Pl. Ppp. + Instr.)
tvayā eva parivardhitāḥ
von dir selbst großgezogen (Nom. Pl. Ppp.)
tān pālaya yathānyāyaṃ
behüte sie, wie es dem Recht entspricht (Imperativ + Adv.)

bhavataiva hi rakṣyās te vyasaneṣu viśeṣataḥ mā te dharmas tathaivārtho naśyeta bharatarṣabha

Denn von dir allein sind sie zu beschützen, zumal in Nöten; nicht sollen dir Dharma und ebenso Artha zugrunde gehen, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
bhavatā eva ... rakṣyāḥ te
von dir allein sind sie zu beschützen (Instr. + Ger.)
vyasaneṣu viśeṣataḥ
besonders in Nöten (Lok. Pl. + Adv.)
mā te dharmaḥ ... naśyeta
nicht soll dir Dharma zugrunde gehen (Neg. Opt. + Nom.)

āhus tvāṃ pāṇḍavā rājann abhivādya prasādya ca bhavataḥ śāsanād duḥkham anubhūtaṃ sahānugaiḥ

Die Pāṇḍavas lassen dir, o König, nach Gruß und Bitte um Gnade, sagen: „Auf dein Geheiß haben wir, samt unseren Gefolgsleuten, Leid erduldet.

Wort für Wort
āhuḥ tvāṃ pāṇḍavāḥ
die Pāṇḍavas lassen dir sagen (3. Pl. Perf. Akt.)
abhivādya prasādya ca
gegrüßt und um Gnade gebeten habend (Ger.)
bhavataḥ śāsanād
auf dein Geheiß (Abl. Sg.)
duḥkham anubhūtaṃ sahānugaiḥ
Leid erduldet, samt den Gefolgsleuten (Akk. Sg. Ppp. + Instr.)

[Anm.: CQ öffnet hier - Kṛṣṇa zitiert innerhalb seiner eigenen (SQ-)Rede wörtlich die Botschaft, die ihm die Pāṇḍavas für Dhṛtarāṣṭra aufgetragen haben; dies bildet die zweite Zitatebene.]

dvādaśemāni varṣāṇi vane nirvyuṣitāni naḥ trayodaśaṃ tathājñātaiḥ sajane parivatsaram

Diese zwölf Jahre haben wir im Wald verbracht, und ebenso das dreizehnte Jahr unerkannt inmitten von Menschen.

Wort für Wort
dvādaśa imāni varṣāṇi vane nirvyuṣitāni naḥ
diese zwölf Jahre haben wir im Wald verbracht (Nom. Pl. Ppp. + Gen.)
trayodaśaṃ ... parivatsaram
das dreizehnte Jahr (Akk. Sg.)
ajñātaiḥ sajane
unerkannt, inmitten von Menschen (Instr. Pl. Ppp. + Lok.)

sthātā naḥ samaye tasmin piteti kṛtaniścayāḥ nāhāsma samayaṃ tāta tac ca no brāhmaṇā viduḥ

Wir werden zu jener Abmachung stehen - so lautete unser fester Entschluss, o Vater; wir haben die Abmachung nicht gebrochen, und dies wissen auch die Brahmanen von uns.

Wort für Wort
sthātā naḥ samaye tasmin
wir werden zu jener Abmachung stehen (Fut. Part. + Lok.)
kṛtaniścayāḥ
festen Entschlusses (Nom. Pl., Bahuvrīhi)
na ahāsma samayaṃ
wir haben die Abmachung nicht verlassen/gebrochen (Neg. + 1. Pl. Ipf. Akt. von hā)
tac ca no brāhmaṇāḥ viduḥ
und dies wissen die Brahmanen von uns (3. Pl. Perf. Akt. von vid)

tasmin naḥ samaye tiṣṭha sthitānāṃ bharatarṣabha nityaṃ saṃkleśitā rājan svarājyāṃśaṃ labhemahi

Stehe du zu jener Abmachung mit uns, die wir sie eingehalten haben, o Stier der Bharatas; stets geplagt, möchten wir, o König, unseren Königsanteil erhalten.

Wort für Wort
tasmin naḥ samaye tiṣṭha
stehe zu jener Abmachung mit uns (Lok. + Imperativ)
sthitānāṃ
derer, die [dabei] geblieben sind (Gen. Pl. Ppp.)
nityaṃ saṃkleśitāḥ
stets geplagt (Nom. Pl. Ppp.)
svarājyāṃśaṃ labhemahi
wir möchten unseren Königsanteil erhalten (Akk. Sg. + 1. Pl. Opt. Med.)

tvaṃ dharmam arthaṃ yuñjānaḥ samyaṅ nas trātum arhasi gurutvaṃ bhavati prekṣya bahūn kleśāṃs titikṣmahe

Du, Dharma und Artha verbindend, solltest uns recht erretten; in Anbetracht deiner Würde als Lehrer haben wir viele Leiden ertragen.

Wort für Wort
tvaṃ dharmam arthaṃ yuñjānaḥ
du, Dharma und Artha verbindend (Nom. Sg. Part. Präs. Med.)
samyaṅ naḥ trātum arhasi
du solltest uns recht erretten (Adv. + Inf. + 2. Sg. Präs.)
gurutvaṃ bhavati prekṣya
deine Würde als Lehrer/Älterer betrachtend (Akk. Sg. + Lok. + Ger.)
bahūn kleśān titikṣmahe
wir haben viele Leiden ertragen (Akk. Pl. + 1. Pl. Perf. Med.)

sa bhavān mātṛpitṛvad asmāsu pratipadyatām guror garīyasī vṛttir yā ca śiṣyasya bhārata

Mögest du dich uns gegenüber wie Mutter und Vater verhalten, o Bhārata - ist doch die Pflicht des Lehrers gewichtiger als die des Schülers.

Wort für Wort
sa bhavān ... asmāsu pratipadyatām
mögest du dich uns gegenüber verhalten (3. Sg. Imperativ Med.)
mātṛpitṛvat
wie Mutter und Vater (Adv., Vergleich)
guroḥ garīyasī vṛttiḥ yā ca śiṣyasya
die Pflicht des Lehrers ist gewichtiger als die des Schülers (Nom. Sg. fem. Komp.)

pitrā sthāpayitavyā hi vayam utpatham āsthitāḥ saṃsthāpaya pathiṣv asmāṃs tiṣṭha rājan svavartmani

Vom Vater müssen wir, sollten wir vom rechten Weg abgekommen sein, zurechtgewiesen werden; führe uns auf die rechten Pfade zurück, bleibe du, o König, auf deinem eigenen Weg.

Wort für Wort
pitrā sthāpayitavyāḥ hi vayam
vom Vater müssen wir zurechtgewiesen werden (Instr. + Ger. + Nom. Pl.)
utpatham āsthitāḥ
sollten wir vom rechten Weg abgekommen sein (Akk. Sg. + Nom. Pl. Ppp.)
saṃsthāpaya pathiṣu asmān
führe uns auf die Pfade zurück (Imperativ Kausativ + Lok. + Akk.)
tiṣṭha ... svavartmani
bleibe auf deinem eigenen Weg (Imperativ + Lok.)

āhuś cemāṃ pariṣadaṃ putrās te bharatarṣabha dharmajñeṣu sabhāsatsu neha yuktam asāṃpratam

Und deine Söhne sprechen zu dieser Versammlung, o Stier der Bharatas: Unter dharmakundigen Sitzenden ist dies hier nicht angemessen, nicht geziemend.

Wort für Wort
āhuḥ ca imāṃ pariṣadaṃ putrāḥ te
und deine Söhne sprechen zu dieser Versammlung (3. Pl. Perf. Akt. + Akk.)
dharmajñeṣu sabhāsatsu
unter dharmakundigen Sitzenden (Lok. Pl.)
na iha yuktam asāṃpratam
hier ist [Unrecht] nicht angemessen, nicht geziemend (Neg. + Adj.)

[Anm.: ,putrāḥ te' (,deine Söhne') bezeichnet, wie schon in V.038f., die Pāṇḍavas als von Dhṛtarāṣṭra aufgezogene Mündel. Das erneute ,āhuḥ' (,sie sprechen') markiert keinen neuen CQ-Rahmen, sondern setzt, wie ein wiederholtes ,X uvāca' desselben Sprechers, die bereits in V.040 eröffnete zitierte Botschaft der Pāṇḍavas fort - nun an die Versammlung gerichtet statt an den König allein.]

yatra dharmo hy adharmeṇa satyaṃ yatrānṛtena ca hanyate prekṣamāṇānāṃ hatās tatra sabhāsadaḥ

Wo Dharma durch Adharma, wo Wahrheit durch Falschheit erschlagen wird, während man zusieht, dort sind die Versammlungsmitglieder selbst erschlagen.

Wort für Wort
yatra dharmaḥ adharmeṇa satyaṃ ... anṛtena hanyate
wo Dharma durch Adharma, Wahrheit durch Falschheit erschlagen wird (3. Sg. Präs. Pass.)
prekṣamāṇānāṃ
während [sie] zusehen (Gen. Pl. Part. Präs. Med. absol.)
hatāḥ tatra sabhāsadaḥ
dort sind die Versammlungsmitglieder erschlagen (Nom. Pl. Ppp.)

viddho dharmo hy adharmeṇa sabhāṃ yatra prapadyate na cāsya śalyaṃ kṛntanti viddhās tatra sabhāsadaḥ dharma etān ārujati yathā nady anukūlajān

Wo Dharma, von Adharma durchbohrt, in die Versammlung eintritt und man den Splitter aus ihm nicht herauszieht, dort werden die Versammlungsmitglieder, selbst verwundet, von ihm zerstört - wie ein Fluss die an seinem Ufer wachsenden Bäume entwurzelt.

Wort für Wort
viddhaḥ dharmaḥ adharmeṇa ... prapadyate
Dharma, von Adharma durchbohrt, tritt ein (Nom. Sg. Ppp. + 3. Sg. Präs. Med.)
na ca asya śalyaṃ kṛntanti
und man zieht seinen Splitter nicht heraus (Neg. + Akk. + 3. Pl. Präs. Akt.)
viddhāḥ tatra sabhāsadaḥ
dort sind die Versammlungsmitglieder verwundet (Nom. Pl. Ppp.)
dharma etān ārujati yathā nadī anukūlajān
Dharma zerstört sie, wie ein Fluss die am Ufer Geborenen [entwurzelt] (3. Sg. Präs. Akt. + Vergleich)

ye dharmam anupaśyantas tūṣṇīṃ dhyāyanta āsate te satyam āhur dharmaṃ ca nyāyyaṃ ca bharatarṣabha

Diejenigen aber, die, den Dharma erkennend, schweigend sinnend dasitzen, die sprechen Wahrheit, Dharma und Rechtes, o Stier der Bharatas.“

Wort für Wort
ye dharmam anupaśyantaḥ
die, den Dharma erkennend (Nom. Pl. Part. Präs.)
tūṣṇīṃ dhyāyantaḥ āsate
schweigend sinnend dasitzen (Adv. + Part. Präs. + 3. Pl. Präs. Med.)
te satyam āhuḥ dharmaṃ ca nyāyyaṃ ca
die sprechen Wahrheit, Dharma und Rechtes (3. Pl. Perf. Akt.)

[Anm.: CQ schließt hier - Ende der in V.040 eröffneten, durchgehenden zitierten Botschaft der Pāṇḍavas an Dhṛtarāṣṭra und die Versammlung. Ab V.051 kehrt die Rede erkennbar zu Kṛṣṇas eigener Stimme zurück (,bravīmy aham' - ,ich spreche').]

śakyaṃ kim anyad vaktuṃ te dānād anyaj janeśvara bruvantu vā mahīpālāḥ sabhāyāṃ ye samāsate dharmārthau saṃpradhāryaiva yadi satyaṃ bravīmy aham

Was anderes könnte ihnen gesagt werden als das Geben ihres Anteils, o Herr der Menschen? Oder mögen die Könige, die in der Versammlung sitzen, selbst sprechen - wenn ich, nach reiflicher Erwägung von Dharma und Artha, die Wahrheit sage.

Wort für Wort
śakyaṃ kim anyad vaktuṃ te dānād anyat
was anderes könnte ihnen gesagt werden als das Geben (Nom. Sg. + Inf. + Abl.)
bruvantu vā mahīpālāḥ sabhāyāṃ ye samāsate
oder mögen die in der Versammlung sitzenden Könige sprechen (3. Pl. Imperativ + Lok.)
dharmārthau saṃpradhārya eva
Dharma und Artha wohl erwogen habend (Ger.)
yadi satyaṃ bravīmi aham
wenn ich die Wahrheit sage (1. Sg. Präs. Akt.)

pramuñcemān mṛtyupāśāt kṣatriyān kṣatriyarṣabha praśāmya bharataśreṣṭha mā manyuvaśam anvagāḥ

Befreie diese Kṣatriyas aus der Schlinge des Todes, o Stier der Kṣatriyas; sei besänftigt, o Vorzüglichster der Bharatas, gerate nicht in die Gewalt des Zorns.

Wort für Wort
pramuñca imān mṛtyupāśāt kṣatriyān
befreie diese Kṣatriyas aus der Schlinge des Todes (Imperativ + Abl. + Akk.)
praśāmya
sei besänftigt, werde ruhig (Imperativ von pra-śam)
mā manyuvaśam anvagāḥ
gerate nicht in die Gewalt des Zorns (Neg. Aor. Inj.)

pitryaṃ tebhyaḥ pradāyāṃśaṃ pāṇḍavebhyo yathocitam tataḥ saputraḥ siddhārtho bhuṅkṣva bhogān paraṃtapa

Gib den Pāṇḍavas ihren väterlichen Anteil, wie es sich gebührt; dann genieße, mit deinen Söhnen, dein Ziel erreicht, die Genüsse, o Bezwinger der Feinde.

Wort für Wort
pitryaṃ tebhyaḥ pradāya aṃśaṃ pāṇḍavebhyo yathocitam
den Pāṇḍavas ihren väterlichen Anteil gegeben habend, wie gebührt (Ger. + Dat. + Akk.)
saputraḥ siddhārthaḥ
mit deinen Söhnen, dein Ziel erreicht (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
bhuṅkṣva bhogān
genieße die Genüsse (Imperativ Med. + Akk.)

ajātaśatruṃ jānīṣe sthitaṃ dharme satāṃ sadā saputre tvayi vṛttiṃ ca vartate yāṃ narādhipa

Du kennst Ajātaśatru, der stets im Dharma der Guten steht, und das Verhalten, das er dir samt deinen Söhnen gegenüber bewahrt, o Herrscher der Menschen.

Wort für Wort
ajātaśatruṃ jānīṣe
du kennst Ajātaśatru = Yudhiṣṭhira (Akk. Sg. + 2. Sg. Präs. Med.)
sthitaṃ dharme satāṃ sadā
der stets im Dharma der Guten steht (Akk. Sg. Ppp.)
saputre tvayi vṛttiṃ ca vartate yāṃ
das Verhalten, das er dir samt Söhnen gegenüber bewahrt (Lok. + Akk. + 3. Sg. Präs. Med.)

[Anm.: ,Ajātaśatru' (,dessen Feind ungeboren ist') ist ein Beiname Yudhiṣṭhiras.]

dāhitaś ca nirastaś ca tvām evopāśritaḥ punaḥ indraprasthaṃ tvayaivāsau saputreṇa vivāsitaḥ

Verbrannt und vertrieben, nahm er doch wieder bei dir selbst Zuflucht; von dir selbst wurde er, samt seinen Söhnen, nach Indraprastha geschickt.

Wort für Wort
dāhitaḥ ca nirastaḥ ca
verbrannt und vertrieben (Nom. Sg. Ppp.)
tvām eva upāśritaḥ punaḥ
nahm doch wieder bei dir Zuflucht (Akk. + Nom. Sg. Ppp.)
indraprasthaṃ tvayā eva asau saputreṇa vivāsitaḥ
von dir selbst wurde er samt Söhnen nach Indraprastha geschickt (Akk. + Nom. Sg. Ppp.)

[Anm.: Anspielung auf das Feuer im Lackhaus (Jatugṛha) und die anschließende Verbannung/Rückkehr Yudhiṣṭhiras.]

sa tatra nivasan sarvān vaśam ānīya pārthivān tvanmukhān akarod rājan na ca tvām atyavartata

Dort wohnend brachte er alle Könige unter seine Botmäßigkeit und machte sie dir zugewandt, o König, und er überschritt dich nicht in seiner Ehrerbietung.

Wort für Wort
tatra nivasan
dort wohnend (Part. Präs. Akt.)
sarvān vaśam ānīya pārthivān
alle Könige unter seine Botmäßigkeit gebracht habend (Ger. + Akk.)
tvanmukhān akarot
er machte sie dir zugewandt (Kausativ 3. Sg. Ipf.)
na ca tvām atyavartata
und er überschritt dich nicht (Neg. + 3. Sg. Ipf. Med.)

tasyaivaṃ vartamānasya saubalena jihīrṣatā rāṣṭrāṇi dhanadhānyaṃ ca prayuktaḥ paramopadhiḥ

Während er sich so verhielt, wurde von dem raubgierigen Sohn Subalas die größte Täuschung angewandt, um seine Reiche, Reichtum und Korn zu entreißen.

Wort für Wort
tasya evaṃ vartamānasya
während er sich so verhielt (Gen. Sg. absol. Part.)
saubalena jihīrṣatā
von dem raubgierigen Sohn Subalas = Śakuni (Instr. Sg. Part. Desid.)
rāṣṭrāṇi dhanadhānyaṃ ca
Reiche, Reichtum und Korn (Akk. Pl./Sg.)
prayuktaḥ paramopadhiḥ
angewandt wurde die größte Täuschung (Nom. Sg. Ppp.)

sa tām avasthāṃ saṃprāpya kṛṣṇāṃ prekṣya sabhāgatām kṣatradharmād ameyātmā nākampata yudhiṣṭhiraḥ

Als er in jene Lage geraten war und Kṛṣṇā in die Versammlung geschleppt sah, wankte Yudhiṣṭhira von unermesslicher Seele doch nicht vom Kṣatriya-Dharma.

Wort für Wort
tām avasthāṃ saṃprāpya
in jene Lage geraten (Ger. + Akk.)
kṛṣṇāṃ prekṣya sabhāgatām
Kṛṣṇā (Draupadī), in die Versammlung gebracht, gesehen habend (Ger. + Akk. Ppp.)
kṣatradharmād ... nākampata
er wankte nicht vom Kṣatriya-Dharma (Abl. + Neg. 3. Sg. Ipf. Med.)
ameyātmā yudhiṣṭhiraḥ
Yudhiṣṭhira von unermesslicher Seele (Nom. Sg., Bahuvrīhi)

[Anm.: ,Kṛṣṇā' bezeichnet hier Draupadī (fem. Form von ,Kṛṣṇa'), Anspielung auf ihre Schändung in der Würfelspiel-Versammlung (Kap.61 u.ö.).]

ahaṃ tu tava teṣāṃ ca śreya icchāmi bhārata dharmād arthāt sukhāc caiva mā rājan nīnaśaḥ prajāḥ

Ich aber wünsche das Heil für dich und für sie, o Bhārata; lass nicht, o König, das Volk um Dharma, Artha und Glück gebracht werden.

Wort für Wort
ahaṃ tu tava teṣāṃ ca śreyaḥ icchāmi
ich aber wünsche das Heil für dich und für sie (1. Sg. Präs.)
dharmād arthāt sukhāt ca eva
um Dharma, Artha und Glück (Abl. Sg.)
mā ... nīnaśaḥ prajāḥ
lass das Volk nicht zugrunde gehen/verlieren (Neg. Aor. Inj. Kausativ + Akk.)

[Anm.: Mit V.059 kehrt Kṛṣṇa erkennbar zur direkten Anrede in eigener Sache zurück (,ahaṃ' - ,ich') und schließt seine Argumentation.]

anartham arthaṃ manvānā arthaṃ vānartham ātmanaḥ lobhe 'tiprasṛtān putrān nigṛhṇīṣva viśāṃ pate

Halte deine Söhne zurück, die Schaden für Nutzen halten oder Nutzen für Schaden, und die sich übermäßig der Gier hingegeben haben, o Herr der Völker.

Wort für Wort
anartham arthaṃ manvānāḥ
die Schaden für Nutzen halten (Akk. + Nom. Pl. Part. Präs. Med.)
arthaṃ vā anartham ātmanaḥ
oder Nutzen für [ihren eigenen] Schaden (Akk.)
lobhe atiprasṛtān putrān nigṛhṇīṣva
halte die der Gier übermäßig hingegebenen Söhne zurück (Lok. + Akk. Ppp. + Imperativ Med.)

sthitāḥ śuśrūṣituṃ pārthāḥ sthitā yoddhum ariṃdamāḥ yat te pathyatamaṃ rājaṃs tasmiṃs tiṣṭha paraṃtapa

Die Pārthas stehen bereit, zu gehorchen, und stehen bereit, zu kämpfen, die Bezwinger der Feinde; was für dich das Zuträglichste ist, o König, dabei bleibe, o Bezwinger der Feinde.‘

Wort für Wort
sthitāḥ śuśrūṣituṃ pārthāḥ
die Pārthas stehen bereit zu gehorchen (Nom. Pl. Ppp. + Inf.)
sthitāḥ yoddhum ariṃdamāḥ
stehen bereit zu kämpfen, die Feindebezwinger (Nom. Pl. Ppp. + Inf.)
yat te pathyatamaṃ ... tasmin tiṣṭha
bleibe bei dem, was für dich am zuträglichsten ist (Nom. + Lok. + Imperativ)

[Anm.: SQ schließt hier final - Kṛṣṇas große Friedensrede endet, die in V.003 begonnen hatte.]

tad vākyaṃ pārthivāḥ sarve hṛdayaiḥ samapūjayan na tatra kaś cid vaktuṃ hi vācaṃ prākrāmad agrataḥ

Jenes Wort ehrten alle Fürsten in ihren Herzen; doch niemand dort trat vor, um als Erster das Wort zu ergreifen.

Wort für Wort
tad vākyaṃ pārthivāḥ sarve hṛdayaiḥ samapūjayan
jenes Wort ehrten alle Fürsten in ihren Herzen (Akk. + Nom. Pl. + Instr. + 3. Pl. Ipf. Akt.)
na kaś cit vaktuṃ vācaṃ prākrāmad agrataḥ
niemand trat vor, um als Erster das Wort zu ergreifen (Neg. + Inf. + Akk. + 3. Sg. Ipf. Akt.)

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