Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 128: Keśavagrahaṇamantraṇam Der Anschlag auf Kṛṣṇa

Duryodhana missachtet Gāndhārīs Mahnrede und schmiedet mit Karṇa, Śakuni und Duḥśāsana den Plan, Kṛṣṇa gefangen zu nehmen. Sātyaki durchschaut das Komplott und warnt Kṛṣṇa; Vidura berichtet es Dhṛtarāṣṭra. Kṛṣṇa erklärt, er könne die Verschwörer mühelos bändigen, wolle aber in Dhṛtarāṣṭras Gegenwart keine getadelte Tat begehen, und erklärt alle Übereinkünfte für gelöst. Dhṛtarāṣṭra ruft Duryodhana zurück und hält ihm in scharfen Worten seine Torheit vor; Vidura schließt mit einer langen Aufzählung von Kṛṣṇas unbezwingbaren Heldentaten (Pūtanā, Govardhana, Kaṃsa, Jarāsaṃdha, Śiśupāla, Naraka, Madhu und Kaiṭabha, Hayagrīva u.a.), um Duryodhana vor der Aussichtslosigkeit seines Vorhabens zu warnen.

vaiśaṃpāyana uvāca tat tu vākyam anādṛtya so 'rthavan mātṛbhāṣitam punaḥ pratasthe saṃrambhāt sakāśam akṛtātmanām

Vaiśaṃpāyana sprach: Doch jenes bedeutungsvolle Wort, die Rede der Mutter, missachtend, machte er sich von neuem in Aufruhr auf zu den Unbeherrschten.

Wort für Wort
tat vākyam
jenes Wort (Akk.Sg.n.)
anādṛtya
missachtend (Gerundium)
arthavat
bedeutungsvoll (Adj., Akk.Sg.n.)
mātṛbhāṣitam
die Mutterrede (Akk.Sg.n.)
punaḥ
wieder (Adv.)
saṃrambhāt
aus Aufruhr (Abl.Sg.)
pratasthe
er machte sich auf (3.Sg.Perf.Ā.)
akṛtātmanām
der Unbeherrschten (Gen.Pl.)

'Die Unbeherrschten' (akṛtātmanām) meint Duryodhanas Gefährten Karṇa, Śakuni und Duḥśāsana, mit denen er sogleich das Komplott gegen Kṛṣṇa schmiedet.

tataḥ sabhāyā nirgamya mantrayām āsa kauravaḥ saubalena matākṣeṇa rājñā śakuninā saha

Dann, aus der Halle hinausgegangen, beriet sich der Kaurava mit dem Sohn des Subala, dem falschwürfelnden König Śakuni.

Wort für Wort
sabhāyāḥ nirgamya
aus der Halle hinausgegangen (Gerundium)
mantrayām āsa
er beriet sich (3.Sg.Perf.)
kauravaḥ
der Kaurava [Duryodhana] (Nom.Sg.)
saubalena
mit dem Sohn Subalas (Instr.Sg.)
matākṣeṇa
dem Falschwürfler (Instr.Sg., Beiname)
śakuninā saha
mit Śakuni (Instr. + saha)

'Matākṣa' ('der [mit gezinkten] Würfeln Vertraute' bzw. 'Falschwürfler') ist ein Beiname Śakunis, der auf sein betrügerisches Würfelspiel verweist.

duryodhanasya karṇasya śakuneḥ saubalasya ca duḥśāsanacaturthānām idam āsīd viceṣṭitam

Von Duryodhana, Karṇa, Śakuni, dem Sohn des Subala, und Duḥśāsana als viertem war dies das Vorhaben:

Wort für Wort
duryodhanasya karṇasya śakuneḥ
des Duryodhana, Karṇa, Śakuni (Gen.Sg. je)
saubalasya
des Subala-Sohnes (Gen.Sg.)
duḥśāsanacaturthānām
derer, deren vierter Duḥśāsana ist (Gen.Pl.)
idam
dies (Nom.Sg.n.)
āsīt
war (3.Sg.Impf.)
viceṣṭitam
das Vorhaben/Treiben (Nom.Sg.n.)

purāyam asmān gṛhṇāti kṣiprakārī janārdanaḥ sahito dhṛtarāṣṭreṇa rājñā śāṃtanavena ca

‚Ehe dieser schnellhandelnde Janārdana uns zuvorkommt und uns ergreift, zusammen mit König Dhṛtarāṣṭra und dem Śāṃtanava [Bhīṣma] —

Wort für Wort
purā
ehe, bevor (Adv.)
ayam
dieser (Nom.Sg.m.)
asmān
uns (Akk.Pl.)
gṛhṇāti
er ergreift (3.Sg.Präs.)
kṣiprakārī
der Schnellhandelnde (Nom.Sg., Beiname Kṛṣṇas)
janārdanaḥ
Janārdana [Kṛṣṇa] (Nom.Sg.)
sahitaḥ
vereint mit (Nom.Sg.)
śāṃtanavena
mit dem Śāṃtanava [Bhīṣma] (Instr.Sg.)

Hier beginnt die wörtlich wiedergegebene Verschwörungsrede der vier Genannten; sie reicht bis V008.

vayam eva hṛṣīkeśaṃ nigṛhṇīma balād iva prasahya puruṣavyāghram indro vairocaniṃ yathā

— lasst uns selbst den Hṛṣīkeśa, den Tiger unter den Männern, mit Gewalt überwältigen, wie Indra den Vairocani [Bali] bezwang.

Wort für Wort
vayam eva
wir selbst (Nom.Pl. + eva)
hṛṣīkeśam
Hṛṣīkeśa [Kṛṣṇa] (Akk.Sg.)
nigṛhṇīma
lasst uns ergreifen (1.Pl.Optativ)
balāt
mit Gewalt (Abl.Sg. als Adv.)
prasahya
bezwingend (Gerundium)
puruṣavyāghram
den Manntiger (Akk.Sg.)
vairocanim
den Vairocani [Bali] (Akk.Sg.)

śrutvā gṛhītaṃ vārṣṇeyaṃ pāṇḍavā hatacetasaḥ nirutsāhā bhaviṣyanti bhagnadaṃṣṭrā ivoragāḥ

Wenn sie hören, dass der Vārṣṇeya [Kṛṣṇa] gefangen ist, werden die Pāṇḍavas, ihres Mutes beraubt, ohne Tatkraft sein, wie Schlangen mit zerbrochenen Giftzähnen.

Wort für Wort
śrutvā
gehört habend (Gerundium)
gṛhītam vārṣṇeyam
den gefangenen Vārṣṇeya (Akk.Sg.)
hatacetasaḥ
die des Mutes Beraubten (Nom.Pl.)
nirutsāhāḥ
ohne Tatkraft (Nom.Pl.)
bhagnadaṃṣṭrāḥ
mit zerbrochenen Giftzähnen (Nom.Pl.)
uragāḥ
Schlangen (Nom.Pl.)

ayaṃ hy eṣāṃ mahābāhuḥ sarveṣāṃ śarma varma ca asmin gṛhīte varade ṛṣabhe sarvasātvatām nirudyamā bhaviṣyanti pāṇḍavāḥ somakaiḥ saha

Denn dieser Großarmige ist ihnen allen Schutz und Rüstung zugleich; ist dieser Stier unter allen Sātvatas, der Gunsterweisende, erst gefangen, werden die Pāṇḍavas samt den Somakas ohne Antrieb sein.

Wort für Wort
mahābāhuḥ
der Großarmige (Nom.Sg.)
śarma varma ca
Schutz und Rüstung (Nom.Sg. je)
asmin gṛhīte
wenn dieser gefangen ist (Loc.Absol.)
varade
dem Gunsterweisenden (Loc.Sg.)
ṛṣabhe sarvasātvatām
dem Stier unter allen Sātvatas (Loc.Sg. + Gen.Pl.)
nirudyamāḥ
ohne Antrieb (Nom.Pl.)
somakaiḥ saha
samt den Somakas (Instr. + saha)

tasmād vayam ihaivainaṃ keśavaṃ kṣiprakāriṇam krośato dhṛtarāṣṭrasya baddhvā yotsyāmahe ripūn

Darum wollen wir eben hier diesen schnellhandelnden Keśava fesseln, während Dhṛtarāṣṭra aufschreit, und [dann] gegen unsere Feinde kämpfen.‘

Wort für Wort
tasmāt
darum (Abl. als Adv.)
iha eva
eben hier (Adv.)
enam keśavam
diesen Keśava (Akk.Sg.)
kṣiprakāriṇam
den Schnellhandelnden (Akk.Sg.)
krośataḥ dhṛtarāṣṭrasya
während Dhṛtarāṣṭra schreit (Gen.Absol.)
baddhvā
gefesselt habend (Gerundium)
yotsyāmahe
wir werden kämpfen (1.Pl.Fut.Ā.)
ripūn
die Feinde (Akk.Pl.)

Ende der Verschwörungsrede.

teṣāṃ pāpam abhiprāyaṃ pāpānāṃ duṣṭacetasām iṅgitajñaḥ kaviḥ kṣipram anvabudhyata sātyakiḥ

Ihre böse Absicht, die dieser Bösen von verdorbenem Sinn, durchschaute Sātyaki, der weise Kenner der Zeichen, sogleich.

Wort für Wort
teṣām pāpam abhiprāyam
ihre böse Absicht (Akk.Sg. + Gen.Pl.)
pāpānām duṣṭacetasām
der Bösen von verdorbenem Sinn (Gen.Pl.)
iṅgitajñaḥ
der Zeichenkenner (Nom.Sg.)
kaviḥ
der Weise (Nom.Sg.)
kṣipram
sogleich (Adv.)
anvabudhyata
er durchschaute (3.Sg.Impf.Ā.)
sātyakiḥ
Sātyaki (Nom.Sg.)

tadartham abhiniṣkramya hārdikyena sahāsthitaḥ abravīt kṛtavarmāṇaṃ kṣipraṃ yojaya vāhinīm

Zu diesem Zweck hinausgegangen und bei Hārdikya [Kṛtavarman] verweilend, sprach er zu Kṛtavarman: ‚Rüste eilends das Heer!

Wort für Wort
tadartham
zu diesem Zweck (Adv.)
abhiniṣkramya
hinausgegangen (Gerundium)
hārdikyena saha sthitaḥ
bei Hārdikya verweilend (Instr. + Nom.Sg.)
abravīt
er sprach (3.Sg.Impf.)
kṛtavarmāṇam
zu Kṛtavarman (Akk.Sg.)
kṣipram yojaya
rüste eilends (Adv. + 2.Sg.Imperativ)
vāhinīm
das Heer (Akk.Sg.)

vyūḍhānīkaḥ sabhādvāram upatiṣṭhasva daṃśitaḥ yāvad ākhyāmy ahaṃ caitat kṛṣṇāyākliṣṭakarmaṇe

Mit geordneter Schlachtreihe und gepanzert stelle dich an das Tor der Halle, solange ich dies dem Kṛṣṇa von unermüdetem Wirken melde.‘

Wort für Wort
vyūḍhānīkaḥ
mit geordneter Schlachtreihe (Nom.Sg.)
sabhādvāram
an das Tor der Halle (Akk.Sg.)
upatiṣṭhasva
stelle dich (2.Sg.Imperativ Ā.)
daṃśitaḥ
gepanzert (Nom.Sg.)
yāvat
solange (Konj.)
ākhyāmi
ich melde (1.Sg.Präs.)
kṛṣṇāya akliṣṭakarmaṇe
dem Kṛṣṇa von unermüdetem Wirken (Dat.Sg.)

sa praviśya sabhāṃ vīraḥ siṃho giriguhām iva ācaṣṭa tam abhiprāyaṃ keśavāya mahātmane

Er, der Held, in die Halle eingetreten wie ein Löwe in eine Bergeshöhle, berichtete dieses Vorhaben dem großseeligen Keśava.

Wort für Wort
praviśya
eingetreten (Gerundium)
sabhām
die Halle (Akk.Sg.)
vīraḥ
der Held (Nom.Sg.)
siṃhaḥ giriguhām iva
wie ein Löwe eine Bergeshöhle (Vergleich)
ācaṣṭa
er berichtete (3.Sg.Impf.)
tam abhiprāyam
dieses Vorhaben (Akk.Sg.)
keśavāya mahātmane
dem großseeligen Keśava (Dat.Sg.)

dhṛtarāṣṭraṃ tataś caiva viduraṃ cānvabhāṣata teṣām etam abhiprāyam ācacakṣe smayann iva

Dann sprach er auch zu Dhṛtarāṣṭra und zu Vidura; wie lächelnd legte er ihnen dieses Vorhaben der Verschwörer dar.

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭram
zu Dhṛtarāṣṭra (Akk.Sg.)
viduram
zu Vidura (Akk.Sg.)
anvabhāṣata
er sprach zu (3.Sg.Impf.Ā.)
teṣām etam abhiprāyam
dieses ihr Vorhaben (Akk.Sg. + Gen.Pl.)
ācacakṣe
er legte dar (3.Sg.Perf.Ā.)
smayan iva
wie lächelnd (Ptz. + iva)

dharmād apetam arthāc ca karma sādhuvigarhitam mandāḥ kartum ihecchanti na cāvāpyaṃ kathaṃ cana

‚Eine Tat, die von Recht und Nutzen abgekehrt ist und von den Guten getadelt wird, wollen hier Toren begehen, obwohl sie auf keine Weise zu erreichen ist.

Wort für Wort
dharmāt apetam
von Recht abgekehrt (Akk.Sg.n.)
arthāt
vom Nutzen (Abl.Sg.)
karma
die Tat (Akk.Sg.n.)
sādhuvigarhitam
von den Guten getadelt (Akk.Sg.n.)
mandāḥ
die Toren (Nom.Pl.)
kartum icchanti
sie wollen tun (Inf. + 3.Pl.Präs.)
na avāpyam
nicht erreichbar (Nom.Sg.n.)
kathaṃ cana
auf keine Weise (Adv.)

Sātyakis Bericht der Verschwörung, hier in indirekter Wiedergabe direkt zitiert; reicht bis V016.

purā vikurvate mūḍhāḥ pāpātmānaḥ samāgatāḥ dharṣitāḥ kāmamanyubhyāṃ krodhalobhavaśānugāḥ

Schon früher handelten die Törichten, Bösseeligen, wenn sie zusammenkamen, verkehrt, von Begierde und Zorn bedrängt, der Macht von Wut und Gier ergeben.

Wort für Wort
purā
schon früher (Adv.)
vikurvate
sie handeln verkehrt (3.Pl.Präs.Ā.)
mūḍhāḥ pāpātmānaḥ
die Törichten, Bösseeligen (Nom.Pl.)
samāgatāḥ
zusammengekommen (Nom.Pl.)
dharṣitāḥ kāmamanyubhyām
von Begierde und Zorn bedrängt (Instr.Du.)
krodhalobhavaśānugāḥ
der Macht von Wut und Gier ergeben (Nom.Pl.)

imaṃ hi puṇḍarīkākṣaṃ jighṛkṣanty alpacetasaḥ paṭenāgniṃ prajvalitaṃ yathā bālā yathā jaḍāḥ

Denn diesen Lotusäugigen wollen die Kleinmütigen ergreifen, wie Kinder, wie Toren ein loderndes Feuer mit einem Tuch [zu fangen suchen].‘

Wort für Wort
imam puṇḍarīkākṣam
diesen Lotusäugigen (Akk.Sg.)
jighṛkṣanti
sie wollen ergreifen (3.Pl.Desiderativ)
alpacetasaḥ
die Kleinmütigen (Nom.Pl.)
paṭena
mit einem Tuch (Instr.Sg.)
agnim prajvalitam
das lodernde Feuer (Akk.Sg.)
bālāḥ ... jaḍāḥ
wie Kinder ... wie Toren (Nom.Pl.)

sātyakes tad vacaḥ śrutvā viduro dīrghadarśivān dhṛtarāṣṭraṃ mahābāhum abravīt kurusaṃsadi

Nachdem er dieses Wort Sātyakis gehört hatte, sprach der weitblickende Vidura zum großarmigen Dhṛtarāṣṭra in der Kuru-Versammlung:

Wort für Wort
sātyakeḥ tat vacaḥ
dieses Wort Sātyakis (Akk.Sg.n. + Gen.Sg.)
śrutvā
gehört habend (Gerundium)
viduraḥ dīrghadarśivān
der weitblickende Vidura (Nom.Sg.)
dhṛtarāṣṭram mahābāhum
zum großarmigen Dhṛtarāṣṭra (Akk.Sg.)
abravīt
er sprach (3.Sg.Impf.)
kurusaṃsadi
in der Kuru-Versammlung (Loc.Sg.)

rājan parītakālās te putrāḥ sarve paraṃtapa ayaśasyam aśakyaṃ ca karma kartuṃ samudyatāḥ

‚O König, Feindbezwinger, all deine Söhne sind von ihrer Stunde ereilt; sie sind bereit, eine ruhmlose und unmögliche Tat zu vollbringen.

Wort für Wort
rājan paraṃtapa
o König, Feindbezwinger (Vok.Sg.)
parītakālāḥ
von ihrer Stunde ereilt/dem Tod nahe (Nom.Pl.)
te putrāḥ sarve
all deine Söhne (Nom.Pl.)
ayaśasyam aśakyam karma
eine ruhmlose, unmögliche Tat (Akk.Sg.n.)
kartum samudyatāḥ
bereit zu tun (Inf. + Nom.Pl.)

Viduras Warnrede, reicht bis V022.

imaṃ hi puṇḍarīkākṣam abhibhūya prasahya ca nigrahītuṃ kilecchanti sahitā vāsavānujam

Denn diesen Lotusäugigen, den jüngeren Bruder des Vāsava [Indra], wollen sie, vereint, wahrlich überwältigen und mit Gewalt gefangen nehmen.

Wort für Wort
imam puṇḍarīkākṣam
diesen Lotusäugigen (Akk.Sg.)
abhibhūya prasahya ca
überwältigend und bezwingend (Gerundien)
nigrahītum
gefangen zu nehmen (Inf.)
kila icchanti
sie wollen wahrlich (Partikel + 3.Pl.Präs.)
sahitāḥ
vereint (Nom.Pl.)
vāsavānujam
den jüngeren Bruder des Vāsava (Akk.Sg.)

imaṃ puruṣaśārdūlam apradhṛṣyaṃ durāsadam āsādya na bhaviṣyanti pataṃgā iva pāvakam

Haben sie diesen Manntiger, den Unbezwingbaren, Unnahbaren, angegriffen, werden sie nicht mehr sein, wie Falter, die sich dem Feuer nähern.

Wort für Wort
imam puruṣaśārdūlam
diesen Manntiger (Akk.Sg.)
apradhṛṣyam durāsadam
den Unbezwingbaren, Unnahbaren (Akk.Sg.)
āsādya
angegriffen habend (Gerundium)
na bhaviṣyanti
sie werden nicht sein (3.Pl.Fut.)
pataṃgāḥ iva pāvakam
wie Falter [gegenüber] dem Feuer (Vergleich)

ayam icchan hi tān sarvān yatamānāñ janārdanaḥ siṃho mṛgān iva kruddho gamayed yamasādanam

Denn wollte dieser Janārdana, könnte er all jene Bemühten, zürnend, zur Wohnstatt Yamas schicken, wie ein Löwe Wildtiere.

Wort für Wort
ayam icchan
dieser, wenn er wollte (Nom.Sg. + Ptz.)
tān sarvān yatamānān
all jene sich Bemühenden (Akk.Pl.)
janārdanaḥ
Janārdana (Nom.Sg.)
siṃhaḥ mṛgān iva
wie ein Löwe Wildtiere (Vergleich)
kruddhaḥ
zürnend (Nom.Sg.)
gamayet yamasādanam
er könnte schicken zur Wohnstatt Yamas (3.Sg.Optativ Kausativ + Akk.Sg.)

na tv ayaṃ ninditaṃ karma kuryāt kṛṣṇaḥ kathaṃ cana na ca dharmād apakrāmed acyutaḥ puruṣottamaḥ

Doch niemals würde dieser Kṛṣṇa eine getadelte Tat begehen, und niemals würde der Unfehlbare, der Höchste der Männer, vom Recht abweichen.‘

Wort für Wort
na tu
doch nicht (Adv.)
ayam kṛṣṇaḥ
dieser Kṛṣṇa (Nom.Sg.)
ninditam karma
eine getadelte Tat (Akk.Sg.n.)
kuryāt kathaṃ cana
er würde auf keine Weise tun (3.Sg.Optativ + Adv.)
dharmāt apakramet
er würde vom Recht abweichen (3.Sg.Optativ)
acyutaḥ puruṣottamaḥ
der Unfehlbare, der Höchste der Männer (Nom.Sg.)

vidureṇaivam ukte tu keśavo vākyam abravīt dhṛtarāṣṭram abhiprekṣya suhṛdāṃ śṛṇvatāṃ mithaḥ

Als Vidura so gesprochen hatte, sprach Keśava ein Wort, auf Dhṛtarāṣṭra blickend, während die Freunde einander zuhörten.

Wort für Wort
vidureṇa evam ukte
als Vidura so gesprochen hatte (Loc.Absol.)
keśavaḥ vākyam abravīt
Keśava sprach ein Wort (Nom.Sg. + Akk.Sg.n. + 3.Sg.Impf.)
dhṛtarāṣṭram abhiprekṣya
auf Dhṛtarāṣṭra blickend (Gerundium)
suhṛdām śṛṇvatām mithaḥ
während die Freunde einander zuhörten (Gen.Absol.)

rājann ete yadi kruddhā māṃ nigṛhṇīyur ojasā ete vā mām ahaṃ vainān anujānīhi pārthiva

‚O König, wenn diese im Zorn mich mit Gewalt ergreifen wollten, oder ich sie — gib deine Erlaubnis, o Herrscher der Erde.

Wort für Wort
rājan pārthiva
o König, Herrscher der Erde (Vok.Sg.)
ete yadi kruddhāḥ
wenn diese zornig (Nom.Pl. + Konj.)
mām nigṛhṇīyuḥ ojasā
mich mit Gewalt ergreifen würden (Akk. + 3.Pl.Optativ + Instr.)
ete vā mām ahaṃ vā
sie oder ich (Alternative)
anujānīhi
gib Erlaubnis (2.Sg.Imperativ)

Kṛṣṇas Antwortrede, reicht bis V029.

etān hi sarvān saṃrabdhān niyantum aham utsahe na tv ahaṃ ninditaṃ karma kuryāṃ pāpaṃ kathaṃ cana

Denn ich bin wohl imstande, alle diese Aufgebrachten zu bändigen; doch niemals würde ich eine getadelte, sündige Tat vollbringen.

Wort für Wort
etān sarvān saṃrabdhān
alle diese Aufgebrachten (Akk.Pl.)
niyantum utsahe
ich bin imstande zu bändigen (Inf. + 1.Sg.Präs.)
ninditam pāpam karma
eine getadelte, sündige Tat (Akk.Sg.n.)
kuryām kathaṃ cana
ich würde tun auf keine Weise (1.Sg.Optativ + Adv.)

pāṇḍavārthe hi lubhyantaḥ svārthād dhāsyanti te sutāḥ ete ced evam icchanti kṛtakāryo yudhiṣṭhiraḥ

Denn nach dem Besitz der Pāṇḍavas gierend, werden deine Söhne ihren eigenen Besitz verlieren; wenn diese das so wollen, ist Yudhiṣṭhiras Ziel bereits erreicht.

Wort für Wort
pāṇḍavārthe lubhyantaḥ
nach dem Besitz der Pāṇḍavas gierend (Loc. + Ptz.)
svārthāt hāsyanti
sie werden ihren eigenen Besitz verlieren (Abl. + 3.Pl.Fut.)
te sutāḥ
deine Söhne (Nom.Pl.)
ete ced evam icchanti
wenn diese dies so wollen (Bedingungssatz)
kṛtakāryaḥ yudhiṣṭhiraḥ
Yudhiṣṭhira, dessen Ziel erreicht ist (Nom.Sg.)

adyaiva hy aham etāṃś ca ye caitān anu bhārata nigṛhya rājan pārthebhyo dadyāṃ kiṃ duṣkṛtaṃ bhavet

Denn noch heute könnte ich diese und alle, die ihnen folgen, o Bhārata, ergreifen und den Söhnen der Pṛthā übergeben, o König — was wäre daran Unrecht?

Wort für Wort
adya eva
noch heute (Adv.)
etān ca ye ca etān anu
diese und die, die ihnen folgen (Akk.Pl.)
bhārata rājan
o Bhārata, o König (Vok.Sg.)
nigṛhya
ergriffen habend (Gerundium)
pārthebhyaḥ dadyām
ich könnte den Söhnen der Pṛthā geben (Dat.Pl. + 1.Sg.Optativ)
kim duṣkṛtam bhavet
was wäre Unrecht (Frage + Optativ)

idaṃ tu na pravarteyaṃ ninditaṃ karma bhārata saṃnidhau te mahārāja krodhajaṃ pāpabuddhijam

Doch dieses getadelte, aus Zorn und sündiger Absicht geborene Werk werde ich nicht in Gang setzen, o Bhārata, in deiner Gegenwart, o Großkönig.

Wort für Wort
idam ninditam karma
dieses getadelte Werk (Akk.Sg.n.)
na pravarteyam
ich werde nicht in Gang setzen (1.Sg.Optativ)
bhārata mahārāja
o Bhārata, o Großkönig (Vok.Sg.)
saṃnidhau te
in deiner Gegenwart (Loc.Sg.)
krodhajam pāpabuddhijam
aus Zorn und sündiger Absicht geboren (Akk.Sg.n.)

eṣa duryodhano rājan yathecchati tathāstu tat ahaṃ tu sarvān samayān anujānāmi bhārata

Dieser Duryodhana, o König, möge es geschehen, wie er wünscht; ich aber löse alle Übereinkünfte, o Bhārata.‘

Wort für Wort
eṣa duryodhanaḥ rājan
dieser Duryodhana, o König (Nom.Sg. + Vok.)
yathā icchati tathā astu
wie er wünscht, so sei es (Relativsatz)
ahaṃ tu
ich aber (Nom.Sg.)
sarvān samayān anujānāmi
ich löse alle Übereinkünfte (Akk.Pl. + 1.Sg.Präs.)
bhārata
o Bhārata (Vok.Sg.)

etac chrutvā tu viduraṃ dhṛtarāṣṭro 'bhyabhāṣata kṣipram ānaya taṃ pāpaṃ rājyalubdhaṃ suyodhanam

Dies gehört habend, sprach Dhṛtarāṣṭra zu Vidura: ‚Bring eilends jenen Sündigen, nach dem Reich Gierenden, Suyodhana [Duryodhana] her,

Wort für Wort
etat śrutvā
dies gehört habend (Gerundium)
viduram abhyabhāṣata
er sprach zu Vidura (Akk.Sg. + 3.Sg.Impf.Ā.)
kṣipram ānaya
bring eilends (Adv. + 2.Sg.Imperativ)
taṃ pāpam rājyalubdham
jenen Sündigen, nach dem Reich Gierenden (Akk.Sg.)
suyodhanam
Suyodhana [Duryodhana] (Akk.Sg.)

sahamitraṃ sahāmātyaṃ sasodaryaṃ sahānugam śaknuyāṃ yadi panthānam avatārayituṃ punaḥ

— samt seinen Freunden, samt seinen Ministern, samt seinen Brüdern, samt seinem Gefolge —, ob ich ihn wohl vermag, von neuem auf den [rechten] Weg zurückzuführen.‘

Wort für Wort
sahamitram sahāmātyam
samt Freunden, samt Ministern (Akk.Sg.)
sasodaryam sahānugam
samt Brüdern, samt Gefolge (Akk.Sg.)
śaknuyām yadi
ob ich wohl vermag (1.Sg.Optativ + Konj.)
panthānam avatārayitum
auf den Weg zurückzuführen (Akk.Sg. + Inf. Kausativ)
punaḥ
wieder (Adv.)

tato duryodhanaṃ kṣattā punaḥ prāveśayat sabhām akāmaṃ bhrātṛbhiḥ sārdhaṃ rājabhiḥ parivāritam

Da führte der Kṣattṛ [Vidura] Duryodhana, widerwillig, samt seinen Brüdern, von Königen umringt, wieder in die Halle hinein.

Wort für Wort
tataḥ
da (Adv.)
duryodhanam
Duryodhana (Akk.Sg.)
kṣattā
der Kṣattṛ [Vidura] (Nom.Sg.)
prāveśayat
er führte hinein (3.Sg.Impf. Kausativ)
sabhām
in die Halle (Akk.Sg.)
akāmam
widerwillig (Akk.Sg. als Adv.)
bhrātṛbhiḥ sārdham
samt den Brüdern (Instr. + Postp.)
rājabhiḥ parivāritam
von Königen umringt (Instr. + Akk.Sg. Ptz.)

atha duryodhanaṃ rājā dhṛtarāṣṭro 'bhyabhāṣata karṇaduḥśāsanābhyāṃ ca rājabhiś cābhisaṃvṛtam

Darauf sprach König Dhṛtarāṣṭra zu Duryodhana, der von Karṇa und Duḥśāsana sowie von Königen umgeben war.

Wort für Wort
atha
darauf (Adv.)
duryodhanam abhyabhāṣata
er sprach zu Duryodhana (Akk. + 3.Sg.Impf.Ā.)
rājā dhṛtarāṣṭraḥ
König Dhṛtarāṣṭra (Nom.Sg.)
karṇaduḥśāsanābhyām
von Karṇa und Duḥśāsana (Instr.Du.)
rājabhiḥ abhisaṃvṛtam
von Königen umgeben (Instr. + Akk.Sg. Ptz.)

nṛśaṃsa pāpabhūyiṣṭha kṣudrakarmasahāyavān pāpaiḥ sahāyaiḥ saṃhatya pāpaṃ karma cikīrṣasi

‚Du Grausamer, überaus Sündiger, mit niederträchtigen Helfern behaftet! Mit sündigen Helfern verbündet, willst du eine sündige Tat vollbringen.

Wort für Wort
nṛśaṃsa
du Grausamer (Vok.Sg.)
pāpabhūyiṣṭha
überaus Sündiger (Vok.Sg.)
kṣudrakarmasahāyavān
mit niederträchtigen Helfern behaftet (Vok.Sg.)
pāpaiḥ sahāyaiḥ saṃhatya
mit sündigen Helfern verbündet (Instr. + Gerundium)
pāpaṃ karma cikīrṣasi
du willst eine sündige Tat tun (Akk.Sg.n. + 2.Sg.Desiderativ)

Dhṛtarāṣṭras Zornrede an Duryodhana, reicht bis V039.

aśakyam ayaśasyaṃ ca sadbhiś cāpi vigarhitam yathā tvādṛśako mūḍho vyavasyet kulapāṃsanaḥ

Unmöglich und ruhmlos, und auch von den Guten getadelt ist es, dass ein Tor wie du, ein Schänder des Geschlechts, dies unternehme.

Wort für Wort
aśakyam ayaśasyam
unmöglich, ruhmlos (Nom.Sg.n.)
sadbhiḥ vigarhitam
von den Guten getadelt (Instr. + Nom.Sg.n.)
tvādṛśakaḥ mūḍhaḥ
ein Tor wie du (Nom.Sg.)
vyavasyet
er möge unternehmen (3.Sg.Optativ)
kulapāṃsanaḥ
Schänder des Geschlechts (Nom.Sg.)

tvam imaṃ puṇḍarīkākṣam apradhṛṣyaṃ durāsadam pāpaiḥ sahāyaiḥ saṃhatya nigrahītuṃ kilecchasi

Du willst diesen Lotusäugigen, den Unbezwingbaren, Unnahbaren, mit sündigen Helfern verbündet, wahrlich gefangen nehmen.

Wort für Wort
tvam
du (Nom.Sg.)
imam puṇḍarīkākṣam
diesen Lotusäugigen (Akk.Sg.)
apradhṛṣyam durāsadam
den Unbezwingbaren, Unnahbaren (Akk.Sg.)
pāpaiḥ sahāyaiḥ saṃhatya
mit sündigen Helfern verbündet (Instr. + Gerundium)
nigrahītum kila icchasi
du willst wahrlich gefangen nehmen (Inf. + Partikel + 2.Sg.Präs.)

yo na śakyo balātkartuṃ devair api savāsavaiḥ taṃ tvaṃ prārthayase manda bālaś candramasaṃ yathā

Den, der selbst von den Göttern samt Vāsava [Indra] nicht mit Gewalt bezwungen werden kann — den begehrst du, Törichter, wie ein Kind den Mond.

Wort für Wort
yaḥ na śakyaḥ balāt kartum
der nicht mit Gewalt bezwungen werden kann (Relativsatz + Passiv-Adj. + Inf.)
devaiḥ api savāsavaiḥ
selbst von den Göttern samt Vāsava (Instr.Pl.)
taṃ tvaṃ prārthayase
den begehrst du (Akk. + Nom. + 2.Sg.Präs.Ā.)
manda
Törichter (Vok.Sg.)
bālaḥ candramasaṃ yathā
wie ein Kind den Mond (Vergleich)

devair manuṣyair gandharvair asurair uragaiś ca yaḥ na soḍhuṃ samare śakyas taṃ na budhyasi keśavam

Den, der von Göttern, Menschen, Gandharvas, Asuras und Schlangen im Kampf nicht ertragen werden kann — diesen Keśava verstehst du nicht.

Wort für Wort
devaiḥ manuṣyaiḥ gandharvaiḥ asuraiḥ uragaiḥ
von Göttern, Menschen, Gandharvas, Asuras, Schlangen (Instr.Pl.)
yaḥ na soḍhuṃ śakyaḥ
der nicht ertragen werden kann (Relativsatz + Inf. + Adj.)
samare
im Kampf (Loc.Sg.)
taṃ keśavam na budhyasi
diesen Keśava verstehst du nicht (Akk. + 2.Sg.Präs.)

durgrahaḥ pāṇinā vāyur duḥsparśaḥ pāṇinā śaśī durdharā pṛthivī mūrdhnā durgrahaḥ keśavo balāt

Schwer mit der Hand zu fassen ist der Wind, schwer mit der Hand zu berühren ist der Mond, schwer mit dem Haupt zu tragen ist die Erde — schwer mit Gewalt zu fassen ist Keśava.‘

Wort für Wort
durgrahaḥ pāṇinā vāyuḥ
schwer mit der Hand zu fassen ist der Wind (Nom.Sg. je)
duḥsparśaḥ pāṇinā śaśī
schwer mit der Hand zu berühren ist der Mond (Nom.Sg. je)
durdharā mūrdhnā pṛthivī
schwer mit dem Haupt zu tragen ist die Erde (Nom.Sg. + Instr.)
durgrahaḥ balāt keśavaḥ
schwer mit Gewalt zu fassen ist Keśava (Nom.Sg. je)

ity ukte dhṛtarāṣṭreṇa kṣattāpi viduro 'bravīt duryodhanam abhiprekṣya dhārtarāṣṭram amarṣaṇam

Als Dhṛtarāṣṭra so gesprochen hatte, sprach auch der Kṣattṛ Vidura, auf den zornmütigen Dhārtarāṣṭra [Duryodhana] blickend:

Wort für Wort
iti ukte dhṛtarāṣṭreṇa
als Dhṛtarāṣṭra so gesprochen hatte (Loc.Absol.)
kṣattā api viduraḥ abravīt
auch der Kṣattṛ Vidura sprach (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.)
duryodhanam abhiprekṣya
auf Duryodhana blickend (Gerundium)
dhārtarāṣṭram amarṣaṇam
den zornmütigen Dhārtarāṣṭra (Akk.Sg.)

saubhadvāre vānarendro dvivido nāma nāmataḥ śilāvarṣeṇa mahatā chādayām āsa keśavam

‚Am Tor von Saubha bedeckte der Affenfürst mit Namen Dvivida den Keśava mit einem gewaltigen Steinregen.

Wort für Wort
saubhadvāre
am Tor von Saubha (Loc.Sg.)
vānarendraḥ dvividaḥ
der Affenfürst Dvivida (Nom.Sg.)
nāma nāmataḥ
mit Namen (Adv.)
śilāvarṣeṇa mahatā
mit einem gewaltigen Steinregen (Instr.Sg.)
chādayām āsa
er bedeckte (3.Sg.Perf.)
keśavam
den Keśava (Akk.Sg.)

'Saubha' war die fliegende Stadt/Festung des Dānava-Königs Śālva, den Kṛṣṇa in einer bekannten früheren Schlacht bezwang; Dvivida, ein mit den Vānaras verbündeter Affenfürst, wird hier als sein Verbündeter genannt. [?] Die genaue Rolle Dvividas in dieser Episode ist im überlieferten Text knapp und nicht ganz eindeutig. Viduras Rede über Kṛṣṇas unbezwingbare Taten reicht bis zum Kapitelende (V052).

grahītukāmo vikramya sarvayatnena mādhavam grahītuṃ nāśakat tatra taṃ tvaṃ prārthayase balāt

Obwohl er, ihn ergreifen wollend, mit aller Kraft vorging, vermochte er den Mādhava dort nicht zu ergreifen — und du begehrst ihn mit Gewalt.

Wort für Wort
grahītukāmaḥ
ihn ergreifen wollend (Nom.Sg.)
vikramya sarvayatnena
mit aller Kraft vorgehend (Gerundium + Instr.)
mādhavam grahītum nāśakat
er vermochte nicht, den Mādhava zu ergreifen (Akk. + Inf. + 3.Sg.Impf.)
taṃ tvaṃ prārthayase balāt
und du begehrst ihn mit Gewalt (Akk. + Nom. + 2.Sg.Präs. + Abl.)

nirmocane ṣaṭ sahasrāḥ pāśair baddhvā mahāsurāḥ grahītuṃ nāśakaṃś cainaṃ taṃ tvaṃ prārthayase balāt

Bei Nirmocana vermochten sechstausend große Asuras, ihn mit Schlingen gebunden habend, ihn nicht zu ergreifen — und du begehrst ihn mit Gewalt.

Wort für Wort
nirmocane
bei Nirmocana (Loc.Sg., Ortsname)
ṣaṭ sahasrāḥ mahāsurāḥ
sechstausend große Asuras (Nom.Pl.)
pāśaiḥ baddhvā
mit Schlingen gebunden habend (Instr. + Gerundium)
grahītum na aśakan
sie vermochten nicht zu ergreifen (Inf. + 3.Pl.Impf.)
enam
ihn (Akk.Sg.)

[?] 'Nirmocana' bezeichnet einen Schauplatz einer weiteren, im überlieferten Erzählgut nur knapp erhaltenen Episode, in der Asuras vergeblich versuchten, Kṛṣṇa zu fesseln.

prāgjyotiṣagataṃ śauriṃ narakaḥ saha dānavaiḥ grahītuṃ nāśakat tatra taṃ tvaṃ prārthayase balāt

Als Śauri [Kṛṣṇa] nach Prāgjyotiṣa gegangen war, vermochte Naraka mit den Dānavas ihn dort nicht zu ergreifen — und du begehrst ihn mit Gewalt.

Wort für Wort
prāgjyotiṣagatam śaurim
den nach Prāgjyotiṣa gegangenen Śauri (Akk.Sg.)
narakaḥ saha dānavaiḥ
Naraka mit den Dānavas (Nom.Sg. + Instr.Pl.)
grahītum nāśakat tatra
vermochte dort nicht zu ergreifen (Inf. + 3.Sg.Impf. + Adv.)

Anspielung auf Kṛṣṇas bekannten Feldzug gegen den Dämon Naraka von Prāgjyotiṣa.

anena hi hatā bālye pūtanā śiśunā tathā govardhano dhāritaś ca gavārthe bharatarṣabha

Denn durch ihn wurde Pūtanā in der Kindheit getötet, noch als Säugling, und der Berg Govardhana wurde um der Kühe willen emporgehoben, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
anena hatā pūtanā
durch ihn wurde Pūtanā getötet (Instr. + Nom.Sg.)
bālye śiśunā
in der Kindheit, als Säugling (Loc. + Instr.)
govardhanaḥ dhāritaḥ
der Govardhana wurde emporgehoben (Nom.Sg. + Ptz.)
gavārthe
um der Kühe willen (Loc.Sg.)
bharatarṣabha
o Stier der Bharatas (Vok.Sg.)

ariṣṭo dhenukaś caiva cāṇūraś ca mahābalaḥ aśvarājaś ca nihataḥ kaṃsaś cāriṣṭam ācaran

Ariṣṭa und Dhenuka, und der überaus starke Cāṇūra, und der Pferdefürst [Keśin] wurden erschlagen, und Kaṃsa, der Unheilvolles trieb.

Wort für Wort
ariṣṭaḥ dhenukaḥ ca
Ariṣṭa und Dhenuka (Nom.Sg. je)
cāṇūraḥ mahābalaḥ
der überaus starke Cāṇūra (Nom.Sg.)
aśvarājaḥ ca nihataḥ
und der Pferdefürst wurde erschlagen (Nom.Sg. + Ptz.)
kaṃsaḥ ariṣṭam ācaran
Kaṃsa, der Unheilvolles trieb (Nom.Sg. + Ptz.)

Aufzählung von Dämonen und Widersachern (Ariṣṭa, Dhenuka, Cāṇūra, Keśin/'Aśvarāja', Kaṃsa), die Kṛṣṇa in seiner Jugend in Mathurā/Vraja bezwang.

jarāsaṃdhaś ca vakraś ca śiśupālaś ca vīryavān bāṇaś ca nihataḥ saṃkhye rājānaś ca niṣūditāḥ

Und Jarāsaṃdha, und Vakra, und der tapfere Śiśupāla, und Bāṇa wurden im Kampf getötet, und [andere] Könige wurden vernichtet.

Wort für Wort
jarāsaṃdhaḥ vakraḥ
Jarāsaṃdha, Vakra (Nom.Sg. je)
śiśupālaḥ vīryavān
der tapfere Śiśupāla (Nom.Sg.)
bāṇaḥ ca nihataḥ saṃkhye
und Bāṇa wurde im Kampf getötet (Nom.Sg. + Ptz. + Loc.)
rājānaḥ niṣūditāḥ
Könige wurden vernichtet (Nom.Pl. + Ptz.)

varuṇo nirjito rājā pāvakaś cāmitaujasā pārijātaṃ ca haratā jitaḥ sākṣāc chacīpatiḥ

König Varuṇa wurde bezwungen, und Pāvaka [Agni], von ihm, dem Unermesslich-Energischen; und, als er den Pārijāta[-Baum] raubte, wurde selbst der Gatte der Śacī [Indra] leibhaftig bezwungen.

Wort für Wort
varuṇaḥ rājā nirjitaḥ
König Varuṇa wurde bezwungen (Nom.Sg. + Ptz.)
pāvakaḥ amitaujasā
Pāvaka [Agni], vom Unermesslich-Energischen (Nom.Sg. + Instr.)
pārijātam haratā
als er den Pārijāta raubte (Akk. + Instr.Ptz.)
sākṣāt śacīpatiḥ jitaḥ
selbst der Gatte der Śacī wurde bezwungen (Adv. + Nom.Sg. + Ptz.)

ekārṇave śayānena hatau tau madhukaiṭabhau janmāntaram upāgamya hayagrīvas tathā hataḥ

Von ihm, der auf dem einen Ozean ruhte, wurden jene beiden, Madhu und Kaiṭabha, erschlagen; ebenso wurde, nachdem eine andere Geburt eingetreten war, Hayagrīva erschlagen.

Wort für Wort
ekārṇave śayānena
von ihm, der auf dem einen Ozean ruhte (Loc. + Instr.Ptz.)
hatau tau madhukaiṭabhau
jene beiden, Madhu und Kaiṭabha, wurden erschlagen (Nom.Du. + Ptz.)
janmāntaram upāgamya
nachdem eine andere Geburt eingetreten war (Akk.Sg.n. + Gerundium)
hayagrīvaḥ tathā hataḥ
ebenso wurde Hayagrīva erschlagen (Nom.Sg. + Ptz.)

[?] Die Wendung 'janmāntaram upāgamya' ('nachdem eine andere Geburt eingetreten war') ist im Sanskrit-Original knapp und lässt offen, ob damit ein späteres Weltzeitalter, eine andere Existenzform Kṛṣṇas oder eine gesonderte Erzähltradition um den Dämon Hayagrīva gemeint ist; hier wörtlich wiedergegeben.

ayaṃ kartā na kriyate kāraṇaṃ cāpi pauruṣe yad yad icched ayaṃ śauris tat tat kuryād ayatnataḥ

Dieser ist Handelnder, nicht Gemachter, und zugleich Ursache in [allem] Wirken; was immer dieser Śauri wünschen mag, das würde er mühelos vollbringen.

Wort für Wort
ayam kartā
dieser ist Handelnder (Nom.Sg.)
na kriyate
er wird nicht gemacht (3.Sg.Präs.Pass.)
kāraṇam pauruṣe
Ursache im [menschlichen] Wirken (Nom.Sg.n. + Loc.)
yad yad icchet
was immer er wünschen mag (Relativsatz + Optativ)
tat tat kuryāt ayatnataḥ
das würde er mühelos vollbringen (Relativsatz + Optativ + Adv.)

taṃ na budhyasi govindaṃ ghoravikramam acyutam āśīviṣam iva kruddham tejorāśim anirjitam

Diesen Govinda von schrecklicher Tatkraft, den Unfehlbaren, verstehst du nicht — wie eine zornige Giftschlange, einen unbezwungenen Energiehaufen.

Wort für Wort
taṃ govindam na budhyasi
diesen Govinda verstehst du nicht (Akk. + 2.Sg.Präs.)
ghoravikramam acyutam
von schrecklicher Tatkraft, den Unfehlbaren (Akk.Sg.)
āśīviṣam iva kruddham
wie eine zornige Giftschlange (Vergleich)
tejorāśim anirjitam
einen unbezwungenen Energiehaufen (Akk.Sg.)

pradharṣayan mahābāhuṃ kṛṣṇam akliṣṭakāriṇam pataṃgo 'gnim ivāsādya sāmātyo na bhaviṣyasi

Wenn du den großarmigen Kṛṣṇa, den von unermüdetem Wirken, angreifst, wirst du samt deinen Ministern nicht mehr sein, wie ein Falter, der sich dem Feuer genähert hat.‘

Wort für Wort
pradharṣayan
angreifend (Ptz.)
mahābāhum kṛṣṇam akliṣṭakāriṇam
den großarmigen Kṛṣṇa von unermüdetem Wirken (Akk.Sg.)
pataṃgaḥ agnim iva āsādya
wie ein Falter, der sich dem Feuer genähert hat (Vergleich + Gerundium)
sāmātyaḥ na bhaviṣyasi
du wirst samt deinen Ministern nicht mehr sein (Nom.Sg. + 2.Sg.Fut.)

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