Kapitel 88: Kuntī-Vākyam
Kuntīs Klage und Botschaft an ihre Söhne
Kṛṣṇa besucht seine Tante Kuntī (Pṛthā); sie bricht in Tränen aus und hält eine große, ergreifende Klagerede: Erinnerungen an die Kindheit der Pāṇḍavas, Lob jedes einzelnen Sohnes (Yudhiṣṭhira, Bhīma, Arjuna, Nakula, Sahadeva) und Draupadīs, die Erniedrigung in der Versammlungshalle, ihre eigene frühere Verstoßung durch den Vater, eine an Arjunas Geburt geknüpfte Prophezeiung, und schließlich dringende Botschaften, die Kṛṣṇa jedem der Söhne überbringen soll - vor allem die Mahnung, jetzt endlich als Kṣatriyas zu handeln und Draupadīs Ehre wiederherzustellen. Kṛṣṇa tröstet sie mit Lob ihrer Standhaftigkeit und dem Versprechen baldigen Erfolgs; Kuntī antwortet gefasst, ihm alles anheimstellend. Kṛṣṇa verabschiedet sich und bricht zu Duryodhanas Haus auf.
Vaiśaṃpāyana sprach: Dann, nachdem er sich Vidura am Nachmittag genähert hatte, ging Janārdana, Govinda, der Feindebezwinger, zu seiner Vatersschwester.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyanaḥ uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.)
atha upagamya viduram
dann, sich nähernd, Vidura (Adv. + Absolutiv + Akk.Sg.)
aparāhṇe janārdanaḥ
am Nachmittag, Janārdana (Lok.Sg. + Nom.Sg.)
pitṛṣvasāram govindaḥ
zur Vatersschwester, Govinda (Akk.Sg. + Nom.Sg.)
saḥ abhyagacchat ariṃdamaḥ
er ging hin, der Feindebezwinger (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
[Anm.: reine Erzählung, Rahmen bleibt auf Grundebene (SQ=0) wie am Ende von Kap.87; 'pitṛṣvasāraṃ' = Kuntī, die Schwester von Kṛṣṇas Vater Vasudeva.]
nikṛtyā bhraṃśitā rājyāj janārhā nirjanaṃ gatāḥ vinītakrodhaharṣāś ca brahmaṇyāḥ satyavādinaḥ
durch Betrug ihres Reiches beraubt, die Menschenwürdigen, in die Einöde gegangen, ihren Zorn und ihre Freude gezügelt, den Brahmanen zugetan, wahrhaft redend -
Wort für Wort
nikṛtyā bhraṃśitā rājyāt
durch Betrug beraubt des Reiches (Instr.Sg. + Nom.Pl.Pass.Part. + Abl.Sg.)
janārhā nirjanam gatāḥ
die Menschenwürdigen, in die Einöde gegangen (Nom.Pl. + Akk.Sg. + Nom.Pl.Part.)
vinītakrodhaharṣāḥ ca
und die ihren Zorn/ihre Freude gezügelt haben (Nom.Pl. Bahuvrīhi + Konj.)
brahmaṇyāḥ satyavādinaḥ
den Brahmanen zugetan, wahrhaft redend (Nom.Pl. x2)
Wie nur, o Keśava, wohnten die Pāṇḍavas, die Hochherzigen, die dies nicht verdient hatten, im großen Wald, o Lieber, voller Löwen, Tiger und Elefanten?
Wort für Wort
atadarhāḥ mahātmānaḥ
die es nicht verdient hatten, die Hochherzigen (Nom.Pl. x2)
katham keśava pāṇḍavāḥ
wie, o Keśava, die Pāṇḍavas (Adv. + Vok.Sg. + Nom.Pl.)
ūṣuḥ mahāvane tāta
wohnten im großen Wald, o Lieber (3.Pl.Perf. + Lok.Sg. + Vok.Sg.)
siṃhavyāghragajākule
voller Löwen, Tiger und Elefanten (Lok.Sg. Bahuvrīhi)
durch das Dröhnen von Muschelhörnern und Kesselpauken, begleitet vom Nachklang von Flöte und Laute, gemischt mit dem Segensruf puṇyāham, geehrt von den Zweimalgeborenen,
Wort für Wort
śaṅkhabherīninādena
durch das Dröhnen von Muschelhörnern und Kesselpauken (Instr.Sg. Kompositum)
veṇuvīṇānunādinā
vom Nachklang von Flöte und Laute begleitet (Instr.Sg. Bahuvrīhi)
puṇyāhaghoṣamiśreṇa
gemischt mit dem Segensruf puṇyāham (Instr.Sg. Bahuvrīhi)
pūjyamānā dvijātibhiḥ
geehrt von den Zweimalgeborenen (Nom.Pl.Pass.Part. + Instr.Pl.)
[Anm.: 'puṇyāham' (wörtlich 'gesegneter Tag') ist ein feststehender ritueller Segensruf, hier als Fachbegriff ohne Anführung im de-Feld wiedergegeben.]
arcitair arcanārhaiś ca stuvadbhir abhinanditāḥ prāsādāgreṣv abodhyanta rāṅkavājinaśāyinaḥ
geehrt von den Verehrungswürdigen und von den Lobpreisenden gefeiert, wurden sie, auf Fellen und Lammwollteppichen schlafend, auf den Palastspitzen geweckt.
Wort für Wort
arcitaiḥ arcanārhaiḥ ca
und geehrt von den Verehrungswürdigen (Instr.Pl.Part. + Instr.Pl. + Konj.)
stuvadbhiḥ abhinanditāḥ
von den Lobpreisenden gefeiert (Instr.Pl.Part.Präs. + Nom.Pl.Pass.Part.)
prāsādāgreṣu abodhyanta
auf den Palastspitzen wurden geweckt (Lok.Pl. + 3.Pl.Impf.Pass.)
rāṅkavājinaśāyinaḥ
auf Fellen und Lammwollteppichen schlafend (Nom.Pl. Bahuvrīhi)
rājā sarvaguṇopetas trailokyasyāpi yo bhavet ajātaśatrur dharmātmā śuddhajāmbūnadaprabhaḥ
ein König, mit allen Tugenden ausgestattet, der wohl [Herrscher] auch der drei Welten sein könnte - der Ohne-Feind, der Dharma-Seelige, von reinem Goldglanz -
Wort für Wort
rājā sarvaguṇopetaḥ
ein König, mit allen Tugenden ausgestattet (Nom.Sg. + Nom.Sg. Bahuvrīhi)
trailokyasya api yaḥ bhavet
der wohl auch der drei Welten [Herrscher] sein könnte (Gen.Sg. + Part. + Nom.Sg. + 3.Sg.Opt.)
- den Glanzhaufen, den Hochherzigen, den Kraftstrom von unermesslicher Macht, den Furchterregenden schon durch seinen Anblick, Bhīmasena, o Janārdana - ihn beschreib mir, o Vārṣṇeya: wie ergeht es heute Vṛkodara?
Wort für Wort
tejorāśim mahātmānam
den Glanzhaufen, den Hochherzigen (Akk.Sg. x2)
balaugham amitaujasam
den Kraftstrom von unermesslicher Macht (Akk.Sg. x2 Bahuvrīhi)
bhīmam pradarśanena api
den Furchterregenden, schon durch den Anblick (Akk.Sg. + Instr.Sg. + Part.)
bhīmasenam janārdana
Bhīmasena, o Janārdana (Akk.Sg. + Vok.Sg.)
tam mama ācakṣva vārṣṇeya
ihn beschreib mir, o Vārṣṇeya (Akk.Sg. + Gen.Sg. + 2.Sg.Imp. + Vok.Sg.)
āste parighabāhuḥ sa madhyamaḥ pāṇḍavo 'cyuta arjunenārjuno yaḥ sa kṛṣṇa bāhusahasriṇā dvibāhuḥ spardhate nityam atītenāpi keśava
Wie ergeht es ihm, dem Mittleren der Pāṇḍavas, dem mit Armen wie eisernen Schlagbalken, o Unfehlbarer - und Arjuna, er, o Kṛṣṇa, der Zweiarmige, der stets mit dem tausendarmigen [Kārtavīrya], obwohl längst vergangen, wetteifert, o Keśava?
Wort für Wort
āste parighabāhuḥ sa
er verweilt, mit Armen wie Schlagbalken (3.Sg.Präs. + Nom.Sg. Bahuvrīhi + Pron.)
madhyamaḥ pāṇḍavaḥ acyuta
der Mittlere der Pāṇḍavas, o Unfehlbarer (Nom.Sg. x2 + Vok.Sg.)
arjunena arjuno yaḥ sa kṛṣṇa
und Arjuna, er, der, o Kṛṣṇa (Instr.Sg. + Nom.Sg. + Rel. + Pron. + Vok.Sg.)
bāhusahasriṇā dvibāhuḥ
mit dem Tausendarmigen, der Zweiarmige (Instr.Sg. Bahuvrīhi + Nom.Sg. Bahuvrīhi)
na nūnaṃ karmabhiḥ puṇyair aśnute puruṣaḥ sukham draupadī cet tathāvṛttā nāśnute sukham avyayam
Wahrlich, durch verdienstvolle Taten allein erlangt der Mensch kein Glück, wenn Draupadī, die so [leidgeprüft] Geartete, kein unvergängliches Glück erlangt.
Wort für Wort
na nūnaṃ karmabhiḥ puṇyaiḥ
gewiss nicht durch verdienstvolle Taten (Neg. + Part. + Instr.Pl. x2)
aśnute puruṣaḥ sukham
erlangt der Mensch Glück (3.Sg.Präs.Med. + Nom.Sg. + Akk.Sg.)
draupadī cet tathāvṛttā
wenn Draupadī, die so Geartete (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.)
na priyo mama kṛṣṇāya bībhatsur na yudhiṣṭhiraḥ bhīmaseno yamau vāpi yad apaśyaṃ sabhāgatām
Nicht lieb ist mir seither Bībhatsu, nicht Yudhiṣṭhira, nicht Bhīmasena, noch die Zwillinge, seit ich [Draupadī] in der Versammlungshalle sah -
Wort für Wort
na priyo mama kṛṣṇāya
nicht lieb ist mir seither (Neg. + Nom.Sg. + Gen.Sg. + Dat.Sg.)
bībhatsur na yudhiṣṭhiraḥ
Bībhatsu, nicht Yudhiṣṭhira (Nom.Sg. + Neg. + Nom.Sg.)
bhīmaseno yamau vā api
Bhīmasena, oder auch die Zwillinge (Nom.Sg. + Nom.Du. + Konj. + Part.)
yat apaśyaṃ sabhāgatām
seit ich sie, die zur Versammlung Gekommene, sah (Konj. + 1.Sg.Impf. + Akk.Sg.Part.)
[Anm.: 'kṛṣṇāya' hier Dativ von 'kṛṣṇā' = Draupadī (nicht Kṛṣṇa selbst) - 'seit jenem [Anblick, den Draupadī betreffend]'; Konstruktion elliptisch, Sinn: seit jenem Ereignis empfindet sie keine ungetrübte Freude mehr an den Söhnen.]
na me duḥkhataraṃ kiṃ cid bhūtapūrvaṃ tato 'dhikam yad draupadīṃ nivātasthāṃ śvaśurāṇāṃ samīpagām
Kein größeres Leid, keines, das früher geschehen wäre, ist mir bekannt als jenes, da Draupadī, die stets Geschützte, in die Nähe ihrer Schwiegerväter geraten war -
Wort für Wort
na me duḥkhataraṃ kiṃ cit
kein größeres Leid für mich, keines (Neg. + Gen.Sg. + Akk.Sg. + Indef.)
bhūtapūrvaṃ tataḥ adhikam
das früher geschehen wäre, größer als jenes (Akk.Sg. + Adv. + Akk.Sg.)
yat draupadīṃ nivātasthāṃ
da Draupadī, die stets Geschützte (Konj. + Akk.Sg. + Akk.Sg. Bahuvrīhi)
śvaśurāṇāṃ samīpagām
in die Nähe der Schwiegerväter geraten (Gen.Pl. + Akk.Sg.)
Das verzehrt mich, dass Kṛṣṇā [Draupadī] in der Versammlungshalle, in Gegenwart der Kurus, von den Dhārtarāṣṭras gequält wurde, in einer dem Unheil gleichen Weise -
Wort für Wort
tat māṃ dahati yat kṛṣṇā
das verzehrt mich, dass Kṛṣṇā (Pron. + Akk.Sg. + 3.Sg.Präs. + Rel. + Nom.Sg.)
sabhāyāṃ kurusaṃnidhau
in der Versammlungshalle, in Gegenwart der Kurus (Lok.Sg. + Lok.Sg.)
dhārtarāṣṭraiḥ parikliṣṭā
von den Dhārtarāṣṭras gequält (Instr.Pl. + Nom.Sg.Pass.Part.)
yathā nakuśalaṃ tathā
auf eine dem Unheil gleiche Weise (Adv. + Akk.Sg. + Adv.)
nirvāsanaṃ ca nagarāt pravrajyā ca paraṃtapa nānāvidhānāṃ duḥkhānām āvāso 'smi janārdana ajñātacaryā bālānām avarodhaś ca keśava
und die Verbannung aus der Stadt, und das Wanderleben, o Feindebezwinger - ich bin die Wohnstatt mannigfaltiger Leiden, o Janārdana - das Leben im Verborgenen, das Eingeschlossensein der Kinder, o Keśava -
Wort für Wort
nirvāsanaṃ ca nagarāt
und die Verbannung aus der Stadt (Akk.Sg. + Konj. + Abl.Sg.)
pravrajyā ca paraṃtapa
und das Wanderleben, o Feindebezwinger (Nom.Sg. + Konj. + Vok.Sg.)
nānāvidhānāṃ duḥkhānām
mannigfaltiger Leiden (Gen.Pl. x2)
āvāso asmi janārdana
ich bin die Wohnstatt, o Janārdana (Nom.Sg. + 1.Sg.Präs. + Vok.Sg.)
ajñātacaryā bālānām
das Leben im Verborgenen der Kinder (Nom.Sg. + Gen.Pl.)
avarodhaś ca keśava
und das Eingeschlossensein, o Keśava (Nom.Sg. + Konj. + Vok.Sg.)
duḥkhād api sukhaṃ na syād yadi puṇyaphalakṣayaḥ na me viśeṣo jātv āsīd dhārtarāṣṭreṣu pāṇḍavaiḥ
wenn nicht aus Leid selbst noch Glück erwüchse, falls die Frucht des Verdienstes schwände - niemals gab es für mich einen Unterschied zwischen den Dhārtarāṣṭras und den Pāṇḍavas [in meiner Sorge um sie] -
Wort für Wort
duḥkhād api sukhaṃ na syāt
wenn nicht aus Leid selbst noch Glück erwüchse (Abl.Sg. + Part. + Akk.Sg. + Neg. + 3.Sg.Opt.)
yadi puṇyaphalakṣayaḥ
falls die Frucht des Verdienstes schwände (Konj. + Nom.Sg.)
na me viśeṣo jātu āsīt
niemals gab es für mich einen Unterschied (Neg. + Gen.Sg. + Nom.Sg. + Adv. + 3.Sg.Impf.)
dhārtarāṣṭreṣu pāṇḍavaiḥ
zwischen den Dhārtarāṣṭras und den Pāṇḍavas (Lok.Pl. + Instr.Pl.)
[Anm.: gemeint ist wohl, dass Kuntī stets für beide Seiten gleichermaßen Mutterliebe empfand, nicht dass sie ihnen politisch gleichgültig gegenüberstand; Lesart unsicher.]
tena satyena kṛṣṇa tvāṃ hatāmitraṃ śriyā vṛtam asmād vimuktaṃ saṃgrāmāt paśyeyaṃ pāṇḍavaiḥ saha naiva śakyāḥ parājetuṃ sattvaṃ hy eṣāṃ tathāgatam
Bei dieser Wahrheit, o Kṛṣṇa - möge ich dich sehen, wie du deine Feinde getötet hast, mit Glanz umgeben, aus diesem Kampf befreit, zusammen mit den Pāṇḍavas - denn diese sind nicht zu besiegen, so beschaffen ist ihre Kraft.
Wort für Wort
tena satyena kṛṣṇa tvāṃ
bei dieser Wahrheit, o Kṛṣṇa, dich (Instr.Sg. + Instr.Sg. + Vok.Sg. + Akk.Sg.)
hatāmitraṃ śriyā vṛtam
die Feinde getötet habend, mit Glanz umgeben (Akk.Sg. Bahuvrīhi + Instr.Sg. + Akk.Sg.Part.)
asmād vimuktaṃ saṃgrāmāt
aus diesem Kampf befreit (Abl.Sg. + Akk.Sg.Part. + Abl.Sg.)
paśyeyaṃ pāṇḍavaiḥ saha
möge ich sehen, mit den Pāṇḍavas zusammen (1.Sg.Opt. + Instr.Pl. + Postposition)
na eva śakyāḥ parājetum
denn sie sind gar nicht zu besiegen (Neg. + Part. + Nom.Pl. + Infinitiv)
sattvaṃ hy eṣāṃ tathāgatam
denn so beschaffen ist ihre Kraft (Nom.Sg. + Part. + Gen.Pl. + Nom.Sg.)
Mich, das Kind, spielend, den Ball in der Hand, gab der Großvater dem Kuntibhoja, der Freund dem Freund, dem Hochherzigen -
Wort für Wort
bālāṃ mām āryakaḥ
mich, das Kind, der Großvater (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.)
tubhyaṃ krīḍantīṃ kanduhastakām
dir, spielend, den Ball in der Hand (Dat.Sg. + Akk.Sg.Part. + Akk.Sg. Bahuvrīhi)
adadāt kuntibhojāya
gab dem Kuntibhoja (3.Sg.Impf. + Dat.Sg.)
sakhā sakhye mahātmane
der Freund dem Freund, dem Hochherzigen (Nom.Sg. + Dat.Sg. + Dat.Sg.)
[Anm.: 'āryakaḥ' = Kuntīs Großvater (väterlicherseits); der Vers ist im Munde Kuntīs an Kṛṣṇa gerichtet, daher 'tubhyaṃ' auffällig - wahrscheinlich elliptisch/apostrophierend gemeint als Randbemerkung, nicht wörtlich 'dir'; Lesart unsicher, im Kontext als rhetorische Wendung belassen.]
yan mā vāg abravīn naktaṃ sūtake savyasācinaḥ putras te pṛthivīṃ jetā yaśaś cāsya divaṃ spṛśet
Was mir eine Stimme sagte, nachts, bei der Geburt des Linkshändigen [Arjuna]: „Dein Sohn wird die Erde erobern, und sein Ruhm wird den Himmel berühren.
Wort für Wort
yat mā vāk abravīt
was mir eine Stimme sagte (Rel. + Akk.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.)
naktaṃ sūtake savyasācinaḥ
nachts, bei der Geburt des Linkshändigen (Adv. + Lok.Sg. + Gen.Sg.)
putras te pṛthivīṃ jetā
dein Sohn wird die Erde erobern (Nom.Sg. + Gen.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Fut.Akt.Part.)
yaśaś ca asya divaṃ spṛśet
und sein Ruhm wird den Himmel berühren (Nom.Sg. + Konj. + Gen.Sg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Opt.)
[Anm.: eine prophetische Stimme (Ākāśavāṇī) bei Arjunas Geburt - als CQ-Zitat innerhalb der offenen SQ-Rede Kuntīs markiert, Zitat setzt sich fort bis Ende V.065 (einzige Zitatebene 2 in diesem Kapitelabschnitt).]
Nachdem er die Kurus in der Dorf-Fehde getötet und das Königreich erlangt hat, wird Dhanaṃjaya, der Sohn Kuntīs, zusammen mit den Brüdern drei Opfer darbringen.“
Wort für Wort
hatvā kurūn grāmajanye
nachdem er die Kurus getötet hat, in der Dorf-Fehde (Absolutiv + Akk.Pl. + Lok.Sg.)
rājyaṃ prāpya dhanaṃjayaḥ
das Königreich erlangt, Dhanaṃjaya (Akk.Sg. + Absolutiv + Nom.Sg.)
bhrātṛbhiḥ saha kaunteyas
mit den Brüdern zusammen, der Sohn Kuntīs (Instr.Pl. + Postposition + Nom.Sg.)
trīn medhān āhariṣyati
wird drei Opfer darbringen (Akk.Pl. + Akk.Pl. + 3.Sg.Fut.)
[Anm.: Fortsetzung und Abschluss der Prophezeiung aus V.064 (CQ schließt hier).]
nāhaṃ tām abhyasūyāmi namo dharmāya vedhase kṛṣṇāya mahate nityaṃ dharmo dhārayati prajāḥ
Ich beneide sie [die Prophezeiung] nicht - Verehrung dem Dharma, dem Schöpfer, dem großen Kṛṣṇa stets - der Dharma erhält die Geschöpfe.
Wort für Wort
na ahaṃ tām abhyasūyāmi
ich beneide sie nicht (Neg. + Nom.Sg. + Akk.Sg. + 1.Sg.Präs.)
namo dharmāya vedhase
Verehrung dem Dharma, dem Schöpfer (Nom.Sg. + Dat.Sg. + Dat.Sg.)
kṛṣṇāya mahate nityaṃ
dem großen Kṛṣṇa stets (Dat.Sg. + Dat.Sg. + Adv.)
dharmo dhārayati prajāḥ
der Dharma erhält die Geschöpfe (Nom.Sg. + 3.Sg.Präs. + Akk.Pl.)
[Anm.: 'kṛṣṇāya mahate' hier vermutlich als Beiname für Viṣṇu/den kosmischen Dharma-Schöpfer, nicht direkt für Kṛṣṇa den Gesprächspartner - Lesart unsicher.]
na māṃ mādhava vaidhavyaṃ nārthanāśo na vairitā tathā śokāya bhavati yathā putrair vinābhavaḥ
Nicht die Witwenschaft, o Mādhava, nicht der Verlust des Besitzes, nicht die Feindschaft bereitet mir so großen Kummer wie die Trennung von meinen Söhnen.
Wort für Wort
na māṃ mādhava vaidhavyaṃ
nicht mir, o Mādhava, die Witwenschaft (Neg. + Akk.Sg. + Vok.Sg. + Nom.Sg.)
na arthanāśo na vairitā
nicht der Verlust des Besitzes, nicht die Feindschaft (Neg. + Nom.Sg. + Neg. + Nom.Sg.)
tathā śokāya bhavati
bereitet so großen Kummer (Adv. + Dat.Sg. + 3.Sg.Präs.)
yathā putrair vinābhavaḥ
wie die Trennung von den Söhnen (Adv. + Instr.Pl. + Nom.Sg.)
jīvanāśaṃ pranaṣṭānāṃ śrāddhaṃ kurvanti mānavāḥ arthatas te mama mṛtās teṣāṃ cāhaṃ janārdana
Für Verschollene, deren Tod nicht sicher ist, vollziehen die Menschen das Totenopfer - der Sache nach sind sie mir gestorben, und ich für sie, o Janārdana.
Wort für Wort
jīvanāśaṃ pranaṣṭānāṃ
für Verschollene, dem Verlust des Lebens (Akk.Sg. + Gen.Pl.)
śrāddhaṃ kurvanti mānavāḥ
vollziehen die Menschen das Totenopfer (Akk.Sg. + 3.Pl.Präs. + Nom.Pl.)
arthatas te mama mṛtās
der Sache nach sind sie mir gestorben (Adv. + Nom.Pl. + Gen.Sg. + Nom.Pl.)
teṣāṃ ca ahaṃ janārdana
und ich für sie, o Janārdana (Gen.Pl. + Konj. + Nom.Sg. + Vok.Sg.)
[Anm.: 'jīvanāśaṃ pranaṣṭānāṃ' wörtlich 'für solche, die dem Verlust des Lebens Verschollene sind' - gemeint: für als vermisst geltende, deren Tod nicht bewiesen ist, wird dennoch ein Totenritual vollzogen; Sinn: die lange Trennung fühlt sich wie ein wechselseitiger Tod an.]
Sag, o Mādhava, dem König, dem Dharma-Seelenvollen, Yudhiṣṭhira: „Dein Dharma schwindet immer mehr - handle nicht vergeblich, mein Sohn!“
Wort für Wort
brūyā mādhava rājānaṃ
sag, o Mādhava, dem König (2.Sg.Opt. + Vok.Sg. + Akk.Sg.)
dharmātmānaṃ yudhiṣṭhiram
dem Dharma-Seelenvollen, Yudhiṣṭhira (Akk.Sg. + Akk.Sg.)
bhūyāṃs te hīyate dharmo
dein Dharma schwindet immer mehr (Adv.Komp. + Gen.Sg. + 3.Sg.Präs.Pass. + Nom.Sg.)
mā putraka vṛthā kṛthāḥ
handle nicht vergeblich, mein Sohn (Neg.Part. + Vok.Sg. + Adv. + 2.Sg.Inj.)
[Anm.: Beginn der Reihe konkreter Botschaften Kuntīs an ihre Söhne, die Kṛṣṇa überbringen soll; jede Botschaft als eigenes CQ-Segment innerhalb der offenen SQ markiert.]
O Vāsudeva, ich, die ich abhängig von fremder Stütze lebe - Schande über mich! Besser gar keine Stellung als ein erbärmlich erworbener Lebensunterhalt.
Wort für Wort
parāśrayā vāsudeva yā
abhängig von fremder Stütze, o Vāsudeva, die ich (Nom.Sg. Bahuvrīhi + Vok.Sg. + Rel.)
jīvāmi dhig astu mām
ich lebe - Schande sei über mich (1.Sg.Präs. + Interj. + 3.Sg.Imp. + Akk.Sg.)
vṛtteḥ kṛpaṇalabdhāyā
als ein erbärmlich erworbener Lebensunterhalt (Gen.Sg. + Gen.Sg.Pass.Part.)
apratiṣṭhā eva jyāyasī
besser gar keine Stellung (Nom.Sg. + Part. + Nom.Sg.Komp.)
[Anm.: Kuntīs eigene Worte an Kṛṣṇa, nicht Teil der Botschaft an Yudhiṣṭhira - SQ (nicht CQ), da direkte Anrede 'vāsudeva' den Wechsel zurück zu Kṛṣṇa als Adressat anzeigt.]
nṛśaṃsena ca vo yuktāṃs tyajeyaṃ śāśvatīḥ samāḥ kāle hi samanuprāpte tyaktavyam api jīvitam
Und, mit Schändlichkeit befleckt, würde ich euch für ewige Jahre verstoßen - denn wenn die Zeit wahrhaft herangekommen ist, muss selbst das Leben aufgegeben werden.“
Wort für Wort
nṛśaṃsena ca vo yuktāṃs
und mit Schändlichkeit befleckt, euch (Instr.Sg. + Konj. + Gen.Pl. + Akk.Pl.Part.)
tyajeyaṃ śāśvatīḥ samāḥ
würde ich verstoßen für ewige Jahre (1.Sg.Opt. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
kāle hi samanuprāpte
denn wenn die Zeit herangekommen ist (Lok.Sg. + Part. + Lok.Sg.Part.)
tyaktavyam api jīvitam
muss selbst das Leben aufgegeben werden (Nom.Sg.Ger. + Part. + Nom.Sg.)
[Anm.: Abschluss der Botschaft an Bhīma/Arjuna aus V.074-075 (CQ schließt hier).]
mādrīputrau ca vaktavyau kṣatradharmaratau sadā vikrameṇārjitān bhogān vṛṇītaṃ jīvitād api
Und den beiden Söhnen Mādrīs, die stets dem Kṣatriya-Dharma zugetan sind, ist zu sagen: „Wählt die durch Tatkraft errungenen Genüsse, sogar über das Leben hinaus!“
Wort für Wort
mādrīputrau ca vaktavyau
und den beiden Söhnen Mādrīs ist zu sagen (Nom.Du. + Konj. + Nom.Du.Ger.)
kṣatradharmaratau sadā
die stets dem Kṣatriya-Dharma zugetan sind (Nom.Du. + Adv.)
vikrameṇārjitān bhogān
die durch Tatkraft errungenen Genüsse (Instr.Sg. + Akk.Pl.Part. + Akk.Pl.)
vṛṇītaṃ jīvitād api
wählt, sogar über das Leben hinaus (2.Du.Imp. + Abl.Sg. + Part.)
Und, dorthin gegangen, sag, o Starkarmiger, dem Besten aller Waffenträger, Arjuna, dem Pāṇḍava-Helden: „Folge Draupadīs Pfad!“
Wort für Wort
gatvā brūhi mahābāho
dorthin gegangen, sag, o Starkarmiger (Absolutiv + 2.Sg.Imp. + Vok.Sg.)
sarvaśastrabhṛtāṃ varam
dem Besten aller Waffenträger (Gen.Pl. + Akk.Sg.)
arjunaṃ pāṇḍavaṃ vīraṃ
Arjuna, dem Pāṇḍava-Helden (Akk.Sg. x3)
draupadyāḥ padavīṃ cara
folge Draupadīs Pfad (Gen.Sg. + Akk.Sg. + 2.Sg.Imp.)
[Anm.: Botschaft an Arjuna, hier auf den knappen Kernsatz beschränkt; Kuntīs anschließende Ausführungen V.080-088 werden als ihre eigene, an Kṛṣṇa gerichtete Erläuterung gedeutet (SQ, nicht Fortsetzung des CQ), da V.080 mit 'tava' (dein Wissen, Kṛṣṇa) explizit Kṛṣṇa anspricht.]
na hi vairaṃ samāsādya praśāmyati vṛkodaraḥ sucirād api bhīmasya na hi vairaṃ praśāmyati yāvadantaṃ na nayati śātravāñ śatrukarśanaḥ
Denn hat Vṛkodara einmal Feindschaft gefasst, so besänftigt er sich nicht - auch nach sehr langer Zeit besänftigt sich Bhīmas Feindschaft nicht, bevor er, der Feindebezwinger, die Feinde zu ihrem Ende geführt hat.
Wort für Wort
na hi vairaṃ samāsādya
denn hat er Feindschaft gefasst, nicht (Neg. + Part. + Akk.Sg. + Absolutiv)
praśāmyati vṛkodaraḥ
besänftigt sich Vṛkodara (3.Sg.Präs. + Nom.Sg.)
sucirād api bhīmasya
auch nach sehr langer Zeit, Bhīmas (Abl.Sg. + Part. + Gen.Sg.)
na hi vairaṃ praśāmyati
besänftigt sich die Feindschaft nicht (Neg. + Part. + Akk.Sg. + 3.Sg.Präs.)
yāvadantaṃ na nayati
bevor er nicht zum Ende geführt hat (Adv. + Akk.Sg. + Neg. + 3.Sg.Präs.)
śātravāñ śatrukarśanaḥ
die Feinde, der Feindebezwinger (Akk.Pl. + Nom.Sg.)
na duḥkhaṃ rājyaharaṇaṃ na ca dyūte parājayaḥ pravrājanaṃ ca putrāṇāṃ na me tad duḥkhakāraṇam
Nicht der Raub des Königreichs ist Leid, noch die Niederlage im Würfelspiel, noch die Verbannung meiner Söhne - das ist nicht die Ursache meines Leids -
Wort für Wort
na duḥkhaṃ rājyaharaṇaṃ
nicht Leid ist der Raub des Königreichs (Neg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
na ca dyūte parājayaḥ
noch die Niederlage im Würfelspiel (Neg. + Konj. + Lok.Sg. + Nom.Sg.)
pravrājanaṃ ca putrāṇāṃ
noch die Verbannung der Söhne (Nom.Sg. + Konj. + Gen.Pl.)
na me tad duḥkhakāraṇam
das ist nicht die Ursache meines Leids (Neg. + Gen.Sg. + Pron. + Nom.Sg.)
yat tu sā bṛhatī śyāmā ekavastrā sabhāṃ gatā aśṛṇot paruṣā vācas tato duḥkhataraṃ nu kim
Aber dass jene Große, Dunkelhäutige, mit einem einzigen Gewand zur Versammlung geführt wurde und harte Worte hören musste - was könnte größeres Leid sein als das?
Wort für Wort
yat tu sā bṛhatī śyāmā
aber dass jene Große, Dunkelhäutige (Konj. + Part. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
ekavastrā sabhāṃ gatā
mit einem einzigen Gewand zur Versammlung geführt (Nom.Sg. Bahuvrīhi + Akk.Sg. + Nom.Sg.Part.)
aśṛṇot paruṣā vācas
harte Worte hören musste (3.Sg.Impf. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
tato duḥkhataraṃ nu kim
was könnte größeres Leid sein als das (Adv. + Nom.Sg.Komp. + Part. + Frage-Pron.)
Sie, dem Frauen-Dharma folgend, von schönem Wuchs, stets dem Kṣatriya-Dharma zugetan - dennoch fand Kṛṣṇā, obwohl sie Beschützer hatte, keinen Beschützer -
Wort für Wort
strīdharmiṇī varārohā
dem Frauen-Dharma folgend, von schönem Wuchs (Nom.Sg. x2)
kṣatradharmaratā sadā
stets dem Kṣatriya-Dharma zugetan (Nom.Sg. + Adv.)
na adhyagacchat tathā nāthaṃ
dennoch fand sie keinen Beschützer (Neg. + 3.Sg.Impf. + Adv. + Akk.Sg.)
kṛṣṇā nāthavatī satī
Kṛṣṇā, obwohl sie einen Beschützer hatte, seiend (Nom.Sg. + Nom.Sg. Bahuvrīhi + Nom.Sg.Part.)
kā nu sīmantinī tvādṛg lokeṣv asti pitṛṣvasaḥ śūrasya rājño duhitā ājamīḍhakulaṃ gatā
‚Welche Frau, dir gleich, gibt es wohl in den Welten, o Vatersschwester - die Tochter des Königs Śūra, in das Geschlecht der Ājamīḍhas eingegangen,
Wort für Wort
kā nu sīmantinī tvādṛk
welche Frau wohl, dir gleich (Frage-Pron. + Part. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
lokeṣu asti pitṛṣvasaḥ
gibt es in den Welten, o Vatersschwester (Lok.Pl. + 3.Sg.Präs. + Vok.Sg.)
śūrasya rājño duhitā
die Tochter des Königs Śūra (Gen.Sg. + Gen.Sg. + Nom.Sg.)
ājamīḍhakulaṃ gatā
in das Geschlecht der Ājamīḍhas eingegangen (Akk.Sg. + Nom.Sg.Part.)
[Anm.: Kṛṣṇas tröstende Antwortrede beginnt hier - SQ schließt Kuntīs Rede und öffnet erneut im selben Vers V.089/090-Übergang; da V.089 reine Erzählung ohne Zitatinhalt ist, öffnet SQ erst hier in V.090, wo der tatsächliche Redeinhalt beginnt.]
Mutter von Helden und Gattin von Helden, mit allen Tugenden ausgestattet - in Glück und Leid, o Hochweise, ziemt es sich für eine wie dich, standzuhalten.
Wort für Wort
vīrasūr vīrapatnī ca
Mutter von Helden und Gattin von Helden (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Konj.)
sarvaiḥ samuditā guṇaiḥ
mit allen Tugenden ausgestattet (Instr.Pl. + Nom.Sg. + Instr.Pl.)
sukhaduḥkhe mahāprājñe
in Glück und Leid, o Hochweise (Lok.Sg. + Vok.Sg.)
tvādṛśī soḍhum arhati
es ziemt sich für eine wie dich, standzuhalten (Nom.Sg. + Infinitiv + 3.Sg.Präs.)
tyaktagrāmyasukhāḥ pārthā nityaṃ vīrasukhapriyāḥ na te svalpena tuṣyeyur mahotsāhā mahābalāḥ
Die Pārthas, die das dörfliche [gewöhnliche] Glück aufgegeben haben, stets dem Heldenglück zugetan - sie, von großem Eifer, großer Stärke, geben sich nicht mit Geringem zufrieden.
Wort für Wort
tyaktagrāmyasukhāḥ pārthā
die das gewöhnliche Glück aufgegeben haben, die Pārthas (Nom.Pl. Bahuvrīhi + Nom.Pl.)
nityaṃ vīrasukhapriyāḥ
stets dem Heldenglück zugetan (Adv. + Nom.Pl. Bahuvrīhi)
na te svalpena tuṣyeyur
sie geben sich nicht mit Geringem zufrieden (Neg. + Nom.Pl. + Instr.Sg. + 3.Pl.Opt.)
mahotsāhā mahābalāḥ
von großem Eifer, großer Stärke (Nom.Pl. x2 Bahuvrīhi)
anteṣu remire dhīrā na te madhyeṣu remire antaprāptiṃ sukhām āhur duḥkham antaram antayoḥ
An den Extremen erfreuten sich die Standhaften, nicht erfreuten sie sich am Mittleren - das Erreichen des Äußersten nennen sie beglückend, leidvoll das, was zwischen den beiden Extremen liegt.
Wort für Wort
anteṣu remire dhīrā
an den Extremen erfreuten sich die Standhaften (Lok.Pl. + 3.Pl.Perf.Med. + Nom.Pl.)
na te madhyeṣu remire
nicht erfreuten sie sich am Mittleren (Neg. + Nom.Pl. + Lok.Pl. + 3.Pl.Perf.Med.)
antaprāptiṃ sukhām āhur
das Erreichen des Äußersten nennen sie beglückend (Akk.Sg. + Akk.Sg. + 3.Pl.Perf.)
duḥkham antaram antayoḥ
leidvoll das, was zwischen den Extremen liegt (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Lok.Du.)
vyavasthāyāṃ ca mitreṣu buddhivikramayos tathā tvam eva naḥ kule dharmas tvaṃ satyaṃ tvaṃ tapo mahat
und der Beständigkeit gegenüber Freunden, ebenso der Klugheit und Tatkraft - du allein bist für uns in unserem Geschlecht der Dharma, du die Wahrheit, du die große Askese,
Wort für Wort
vyavasthāyāṃ ca mitreṣu
und der Beständigkeit gegenüber Freunden (Lok.Sg. + Konj. + Lok.Pl.)
buddhivikramayos tathā
ebenso der Klugheit und Tatkraft (Gen.Du. + Adv.)
tvam eva naḥ kule dharmas
du allein bist für uns in unserem Geschlecht der Dharma (Nom.Sg. + Part. + Gen.Pl. + Lok.Sg. + Nom.Sg.)
tvaṃ satyaṃ tvaṃ tapo mahat
du die Wahrheit, du die große Askese (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
tām āmantrya ca govindaḥ kṛtvā cābhipradakṣiṇam prātiṣṭhata mahābāhur duryodhanagṛhān prati
Und nachdem er sich von ihr verabschiedet und die Umschreitung von rechts nach links vollzogen hatte, brach Govinda, der Starkarmige, zum Haus Duryodhanas auf.
Wort für Wort
tām āmantrya ca govindaḥ
und nachdem er sich von ihr verabschiedet hatte, Govinda (Akk.Sg. + Absolutiv + Konj. + Nom.Sg.)
kṛtvā ca abhipradakṣiṇam
und die Umschreitung vollzogen habend (Absolutiv + Konj. + Akk.Sg.)
prātiṣṭhata mahābāhur
brach auf, der Starkarmige (3.Sg.Impf.Med. + Nom.Sg.)
duryodhanagṛhān prati
zum Haus Duryodhanas hin (Akk.Sg. + Postposition)
[Anm.: reine Schluss-Erzählung - Rahmenerzählung kehrt zur Grundebene zurück, SQ endgültig auf Tiefe 0.]