Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 88: Kuntī-Vākyam Kuntīs Klage und Botschaft an ihre Söhne

Kṛṣṇa besucht seine Tante Kuntī (Pṛthā); sie bricht in Tränen aus und hält eine große, ergreifende Klagerede: Erinnerungen an die Kindheit der Pāṇḍavas, Lob jedes einzelnen Sohnes (Yudhiṣṭhira, Bhīma, Arjuna, Nakula, Sahadeva) und Draupadīs, die Erniedrigung in der Versammlungshalle, ihre eigene frühere Verstoßung durch den Vater, eine an Arjunas Geburt geknüpfte Prophezeiung, und schließlich dringende Botschaften, die Kṛṣṇa jedem der Söhne überbringen soll - vor allem die Mahnung, jetzt endlich als Kṣatriyas zu handeln und Draupadīs Ehre wiederherzustellen. Kṛṣṇa tröstet sie mit Lob ihrer Standhaftigkeit und dem Versprechen baldigen Erfolgs; Kuntī antwortet gefasst, ihm alles anheimstellend. Kṛṣṇa verabschiedet sich und bricht zu Duryodhanas Haus auf.

vaiśaṃpāyana uvāca athopagamya viduram aparāhṇe janārdanaḥ pitṛṣvasāraṃ govindaḥ so 'bhyagacchad ariṃdamaḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Dann, nachdem er sich Vidura am Nachmittag genähert hatte, ging Janārdana, Govinda, der Feindebezwinger, zu seiner Vatersschwester.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyanaḥ uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.)
atha upagamya viduram
dann, sich nähernd, Vidura (Adv. + Absolutiv + Akk.Sg.)
aparāhṇe janārdanaḥ
am Nachmittag, Janārdana (Lok.Sg. + Nom.Sg.)
pitṛṣvasāram govindaḥ
zur Vatersschwester, Govinda (Akk.Sg. + Nom.Sg.)
saḥ abhyagacchat ariṃdamaḥ
er ging hin, der Feindebezwinger (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)

[Anm.: reine Erzählung, Rahmen bleibt auf Grundebene (SQ=0) wie am Ende von Kap.87; 'pitṛṣvasāraṃ' = Kuntī, die Schwester von Kṛṣṇas Vater Vasudeva.]

sā dṛṣṭvā kṛṣṇam āyāntaṃ prasannādityavarcasam kaṇṭhe gṛhītvā prākrośat pṛthā pārthān anusmaran

Sie, als sie Kṛṣṇa kommen sah, von heiterem Sonnenglanz, ergriff ihn am Hals und schrie auf, Pṛthā, an die Pārthas denkend.

Wort für Wort
sā dṛṣṭvā kṛṣṇam āyāntam
sie, sehend, Kṛṣṇa, den Kommenden (Nom.Sg. + Absolutiv + Akk.Sg. x2)
prasannādityavarcasam
von heiterem Sonnenglanz (Akk.Sg. Bahuvrīhi)
kaṇṭhe gṛhītvā prākrośat
am Hals ergreifend, schrie auf (Lok.Sg. + Absolutiv + 3.Sg.Impf.)
pṛthā pārthān anusmaran
Pṛthā, an die Pārthas denkend (Nom.Sg. + Akk.Pl. + Part.Präs.)

teṣāṃ sattvavatāṃ madhye govindaṃ sahacāriṇam cirasya dṛṣṭvā vārṣṇeyaṃ bāṣpam āhārayat pṛthā

Inmitten jener Tapferen, Govinda, den Gefährten, nach langer Zeit sehend, den Vārṣṇeya, vergoss Pṛthā Tränen.

Wort für Wort
teṣām sattvavatām madhye
inmitten jener Tapferen (Gen.Pl. x2 + Postposition)
govindam sahacāriṇam
Govinda, den Gefährten (Akk.Sg. x2)
cirasya dṛṣṭvā vārṣṇeyam
nach langer Zeit sehend, den Vārṣṇeya (Adv. + Absolutiv + Akk.Sg.)
bāṣpam āhārayat pṛthā
vergoss Tränen, Pṛthā (Akk.Sg. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)

sābravīt kṛṣṇam āsīnaṃ kṛtātithyaṃ yudhāṃ patim bāṣpagadgadapūrṇena mukhena pariśuṣyatā

‚Sie sprach zu Kṛṣṇa, der saß, dem die Gastfreundschaft erwiesen war, dem Herrn der Kämpfe, mit von Tränen erstickter, vertrocknender Stimme:

Wort für Wort
sā abravīt kṛṣṇam āsīnam
sie sprach zu Kṛṣṇa, der saß (Nom.Sg. + 3.Sg.Impf. + Akk.Sg.Part. x2)
kṛtātithyam yudhāṃ patim
dem die Gastfreundschaft erwiesen war, dem Herrn der Kämpfe (Akk.Sg. Bahuvrīhi + Gen.Pl. + Akk.Sg.)
bāṣpagadgadapūrṇena mukhena
mit von Tränen erstickter Stimme (Instr.Sg. Kompositum + Instr.Sg.)
pariśuṣyatā
mit vertrocknender [Stimme] (Instr.Sg.Part.Präs.)

[Anm.: Kuntīs große Klagerede beginnt hier - SQ öffnet neu, da Kap.87 mit SQ=0 endete.]

ye te bālyāt prabhṛtyeva guruśuśrūṣaṇe ratāḥ parasparasya suhṛdaḥ saṃmatāḥ samacetasaḥ

Die, die von Kindheit an dem Dienst an den Älteren zugetan waren, einander Freunde, geachtet, gleichgesinnt -

Wort für Wort
ye te bālyāt prabhṛti
die, die von Kindheit an (Nom.Pl. x2 + Abl.Sg. + Postposition)
eva guruśuśrūṣaṇe ratāḥ
dem Dienst an den Älteren zugetan (Part. + Lok.Sg. + Nom.Pl.Part.)
parasparasya suhṛdaḥ
einander Freunde (Gen.Sg. + Nom.Pl.)
saṃmatāḥ samacetasaḥ
geachtet, gleichgesinnt (Nom.Pl. x2)

nikṛtyā bhraṃśitā rājyāj janārhā nirjanaṃ gatāḥ vinītakrodhaharṣāś ca brahmaṇyāḥ satyavādinaḥ

durch Betrug ihres Reiches beraubt, die Menschenwürdigen, in die Einöde gegangen, ihren Zorn und ihre Freude gezügelt, den Brahmanen zugetan, wahrhaft redend -

Wort für Wort
nikṛtyā bhraṃśitā rājyāt
durch Betrug beraubt des Reiches (Instr.Sg. + Nom.Pl.Pass.Part. + Abl.Sg.)
janārhā nirjanam gatāḥ
die Menschenwürdigen, in die Einöde gegangen (Nom.Pl. + Akk.Sg. + Nom.Pl.Part.)
vinītakrodhaharṣāḥ ca
und die ihren Zorn/ihre Freude gezügelt haben (Nom.Pl. Bahuvrīhi + Konj.)
brahmaṇyāḥ satyavādinaḥ
den Brahmanen zugetan, wahrhaft redend (Nom.Pl. x2)

tyaktvā priyasukhe pārthā rudantīm apahāya mām ahārṣuś ca vanaṃ yāntaḥ samūlaṃ hṛdayaṃ mama

- die Pārthas, nachdem sie liebes Glück verlassen und mich Weinende zurückgelassen hatten, nahmen, in den Wald gehend, mein Herz mit der Wurzel mit.

Wort für Wort
tyaktvā priyasukhe pārthāḥ
nachdem sie liebes Glück verlassen hatten, die Pārthas (Absolutiv + Akk.Du. + Nom.Pl.)
rudantīm apahāya mām
mich Weinende zurücklassend (Akk.Sg.Part. + Absolutiv + Akk.Sg.)
ahārṣuḥ ca vanam yāntaḥ
und nahmen mit, in den Wald gehend (3.Pl.Aor. + Konj. + Akk.Sg. + Nom.Pl.Part.)
samūlam hṛdayam mama
mein Herz mit der Wurzel (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Gen.Sg.)

atadarhā mahātmānaḥ kathaṃ keśava pāṇḍavāḥ ūṣur mahāvane tāta siṃhavyāghragajākule

Wie nur, o Keśava, wohnten die Pāṇḍavas, die Hochherzigen, die dies nicht verdient hatten, im großen Wald, o Lieber, voller Löwen, Tiger und Elefanten?

Wort für Wort
atadarhāḥ mahātmānaḥ
die es nicht verdient hatten, die Hochherzigen (Nom.Pl. x2)
katham keśava pāṇḍavāḥ
wie, o Keśava, die Pāṇḍavas (Adv. + Vok.Sg. + Nom.Pl.)
ūṣuḥ mahāvane tāta
wohnten im großen Wald, o Lieber (3.Pl.Perf. + Lok.Sg. + Vok.Sg.)
siṃhavyāghragajākule
voller Löwen, Tiger und Elefanten (Lok.Sg. Bahuvrīhi)

bālā vihīnāḥ pitrā te mayā satatalālitāḥ apaśyantaḥ svapitarau katham ūṣur mahāvane

Die Kinder, ihres Vaters beraubt, von mir stets verzärtelt, ihre eigenen Eltern nicht sehend - wie wohnten sie im großen Wald?

Wort für Wort
bālāḥ vihīnāḥ pitrā
die Kinder, beraubt des Vaters (Nom.Pl. + Nom.Pl.Part. + Instr.Sg.)
te mayā satatalālitāḥ
sie, von mir stets verzärtelt (Nom.Pl. + Instr.Sg. + Nom.Pl.Part.)
apaśyantaḥ svapitarau
nicht sehend die eigenen Eltern (Nom.Pl.Part. + Akk.Du.)
katham ūṣur mahāvane
wie wohnten sie im großen Wald (Adv. + 3.Pl.Perf. + Lok.Sg.)

śaṅkhadundubhinirghoṣair mṛdaṅgair vaiṇavair api pāṇḍavāḥ samabodhyanta bālyāt prabhṛti keśava

Durch das Dröhnen von Muschelhörnern und Trommeln, durch Handtrommeln und Flötenklang wurden die Pāṇḍavas von Kindheit an geweckt, o Keśava.

Wort für Wort
śaṅkhadundubhinirghoṣaiḥ
durch das Dröhnen von Muschelhörnern und Trommeln (Instr.Pl. Kompositum)
mṛdaṅgaiḥ vaiṇavaiḥ api
durch Handtrommeln, auch durch Flötenklang (Instr.Pl. x2 + Part.)
pāṇḍavāḥ samabodhyanta
die Pāṇḍavas wurden geweckt (Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.Pass.)
bālyāt prabhṛti keśava
von Kindheit an, o Keśava (Abl.Sg. + Postposition + Vok.Sg.)

ye sma vāraṇaśabdena hayānāṃ heṣitena ca rathanemininādaiś ca vyabodhyanta sadā gṛhe

die, die durch den Laut der Elefanten und das Wiehern der Pferde und das Dröhnen der Wagenräder stets zu Hause geweckt wurden,

Wort für Wort
ye sma vāraṇaśabdena
die, die durch den Laut der Elefanten (Nom.Pl. + Part. + Instr.Sg.)
hayānām heṣitena ca
und durch das Wiehern der Pferde (Gen.Pl. + Instr.Sg. + Konj.)
rathanemininādaiḥ ca
und durch das Dröhnen der Wagenräder (Instr.Pl. + Konj.)
vyabodhyanta sadā gṛhe
wurden geweckt, stets, zu Hause (3.Pl.Impf.Pass. + Adv. + Lok.Sg.)

śaṅkhabherīninādena veṇuvīṇānunādinā puṇyāhaghoṣamiśreṇa pūjyamānā dvijātibhiḥ

durch das Dröhnen von Muschelhörnern und Kesselpauken, begleitet vom Nachklang von Flöte und Laute, gemischt mit dem Segensruf puṇyāham, geehrt von den Zweimalgeborenen,

Wort für Wort
śaṅkhabherīninādena
durch das Dröhnen von Muschelhörnern und Kesselpauken (Instr.Sg. Kompositum)
veṇuvīṇānunādinā
vom Nachklang von Flöte und Laute begleitet (Instr.Sg. Bahuvrīhi)
puṇyāhaghoṣamiśreṇa
gemischt mit dem Segensruf puṇyāham (Instr.Sg. Bahuvrīhi)
pūjyamānā dvijātibhiḥ
geehrt von den Zweimalgeborenen (Nom.Pl.Pass.Part. + Instr.Pl.)

[Anm.: 'puṇyāham' (wörtlich 'gesegneter Tag') ist ein feststehender ritueller Segensruf, hier als Fachbegriff ohne Anführung im de-Feld wiedergegeben.]

vastrai ratnair alaṃkāraiḥ pūjayanto dvijanmanaḥ gīrbhir maṅgalayuktābhir brāhmaṇānāṃ mahātmanām

während sie mit Gewändern, Juwelen, Schmuckstücken die Zweimalgeborenen ehrten, mit segensreichen Worten der hochherzigen Brahmanen,

Wort für Wort
vastraiḥ ratnaiḥ alaṃkāraiḥ
mit Gewändern, Juwelen, Schmuckstücken (Instr.Pl. x3)
pūjayantaḥ dvijanmanaḥ
ehrend die Zweimalgeborenen (Nom.Pl.Part.Präs. + Akk.Pl.)
gīrbhiḥ maṅgalayuktābhiḥ
mit segensreichen Worten (Instr.Pl. + Instr.Pl.Adj.)
brāhmaṇānām mahātmanām
der hochherzigen Brahmanen (Gen.Pl. x2)

arcitair arcanārhaiś ca stuvadbhir abhinanditāḥ prāsādāgreṣv abodhyanta rāṅkavājinaśāyinaḥ

geehrt von den Verehrungswürdigen und von den Lobpreisenden gefeiert, wurden sie, auf Fellen und Lammwollteppichen schlafend, auf den Palastspitzen geweckt.

Wort für Wort
arcitaiḥ arcanārhaiḥ ca
und geehrt von den Verehrungswürdigen (Instr.Pl.Part. + Instr.Pl. + Konj.)
stuvadbhiḥ abhinanditāḥ
von den Lobpreisenden gefeiert (Instr.Pl.Part.Präs. + Nom.Pl.Pass.Part.)
prāsādāgreṣu abodhyanta
auf den Palastspitzen wurden geweckt (Lok.Pl. + 3.Pl.Impf.Pass.)
rāṅkavājinaśāyinaḥ
auf Fellen und Lammwollteppichen schlafend (Nom.Pl. Bahuvrīhi)

te nūnaṃ ninadaṃ śrutvā śvāpadānāṃ mahāvane na smopayānti nidrāṃ vai atadarhā janārdana

sie nun, gewiss, das Gebrüll der Raubtiere im großen Wald hörend, finden wohl keinen Schlaf mehr, sie, die dies nicht verdient hatten, o Janārdana.

Wort für Wort
te nūnam ninadam śrutvā
sie nun, gewiss, das Gebrüll hörend (Nom.Pl. + Part. + Akk.Sg. + Absolutiv)
śvāpadānām mahāvane
der Raubtiere, im großen Wald (Gen.Pl. + Lok.Sg.)
na sma upayānti nidrām
finden keinen Schlaf (Neg. + Part. + 3.Pl.Präs. + Akk.Sg.)
vai atadarhā janārdana
wohl, die dies nicht verdient hatten, o Janārdana (Part. + Nom.Pl. + Vok.Sg.)

bherīmṛdaṅganinadaiḥ śaṅkhavaiṇavanisvanaiḥ strīṇāṃ gītaninādaiś ca madhurair madhusūdana

durch das Dröhnen von Kesselpauken und Handtrommeln, das Klingen von Muschelhorn und Flöte, und den süßen Gesangsklang der Frauen, o Madhusūdana,

Wort für Wort
bherīmṛdaṅganinadaiḥ
durch das Dröhnen von Kesselpauken und Handtrommeln (Instr.Pl. Kompositum)
śaṅkhavaiṇavanisvanaiḥ
durch das Klingen von Muschelhorn und Flöte (Instr.Pl. Kompositum)
strīṇām gītaninādaiḥ ca
und den Gesangsklang der Frauen (Gen.Pl. + Instr.Pl. + Konj.)
madhuraiḥ madhusūdana
den süßen, o Madhusūdana (Instr.Pl.Adj. + Vok.Sg.)

bandimāgadhasūtaiś ca stuvadbhir bodhitāḥ katham mahāvane vyabodhyanta śvāpadānāṃ rutena te

und von Barden, Hofsängern und Wagenlenkern lobpreisend geweckt - wie nur wurden sie im großen Wald durch das Gebrüll der Raubtiere geweckt?

Wort für Wort
bandimāgadhasūtaiḥ ca
und von Barden, Hofsängern, Wagenlenkern (Instr.Pl. Kompositum + Konj.)
stuvadbhiḥ bodhitāḥ katham
lobpreisend geweckt, wie nur (Instr.Pl.Part. + Nom.Pl.Pass.Part. + Adv.)
mahāvane vyabodhyanta
im großen Wald wurden sie geweckt (Lok.Sg. + 3.Pl.Impf.Pass.)
śvāpadānām rutena te
durch das Gebrüll der Raubtiere, sie (Gen.Pl. + Instr.Sg. + Nom.Pl.)

hrīmān satyadhṛtir dānto bhūtānām anukampitā kāmadveṣau vaśe kṛtvā satāṃ vartmānuvartate

Der Schamhafte, der Wahrhaftig-Beständige, der Gezügelte, Mitleid für alle Wesen - Begierde und Hass in Zaum haltend, folgt er dem Pfad der Guten -

Wort für Wort
hrīmān satyadhṛtiḥ dāntaḥ
der Schamhafte, der Wahrhaftig-Beständige, der Gezügelte (Nom.Sg. x3)
bhūtānām anukampitā
Mitleid habend für alle Wesen (Gen.Pl. + Nom.Sg. Bahuvrīhi)
kāmadveṣau vaśe kṛtvā
Begierde und Hass in Zaum haltend (Akk.Du. + Lok.Sg. + Absolutiv)
satām vartma anuvartate
folgt dem Pfad der Guten (Gen.Pl. + Akk.Sg. + 3.Sg.Präs.Med.)

[Anm.: Beginn des großen Lobpreises auf Yudhiṣṭhira, fortgesetzt bis V.022.]

ambarīṣasya māndhātur yayāter nahuṣasya ca bharatasya dilīpasya śiber auśīnarasya ca

- die Bürde Ambarīṣas, Māndhātṛs, Yayātis, Nahuṣas, Bharatas, Dilīpas, Śibis des Auśīnara -

Wort für Wort
ambarīṣasya māndhātuḥ
Ambarīṣas, Māndhātṛs (Gen.Sg. x2)
yayāteḥ nahuṣasya ca
und Yayātis, Nahuṣas (Gen.Sg. x2 + Konj.)
bharatasya dilīpasya
Bharatas, Dilīpas (Gen.Sg. x2)
śibeḥ auśīnarasya ca
und Śibis, des Auśīnara (Gen.Sg. x2 + Konj.)

rājarṣīṇāṃ purāṇānāṃ dhuraṃ dhatte durudvahām śīlavṛttopasaṃpanno dharmajñaḥ satyasaṃgaraḥ

der alten Königsweisen, jene schwer zu tragende Bürde trägt er, mit gutem Charakter und Wandel begabt, dharma-kundig, wahr in seinem Wort -

Wort für Wort
rājarṣīṇām purāṇānām
der alten Königsweisen (Gen.Pl. x2)
dhuram dhatte durudvahām
die Bürde trägt er, die schwer zu tragende (Akk.Sg. + 3.Sg.Präs.Med. + Akk.Sg.Adj.)
śīlavṛttopasaṃpannaḥ
mit gutem Charakter und Wandel begabt (Nom.Sg. Bahuvrīhi)
dharmajñaḥ satyasaṃgaraḥ
dharma-kundig, wahr in seinem Wort (Nom.Sg. x2)

rājā sarvaguṇopetas trailokyasyāpi yo bhavet ajātaśatrur dharmātmā śuddhajāmbūnadaprabhaḥ

ein König, mit allen Tugenden ausgestattet, der wohl [Herrscher] auch der drei Welten sein könnte - der Ohne-Feind, der Dharma-Seelige, von reinem Goldglanz -

Wort für Wort
rājā sarvaguṇopetaḥ
ein König, mit allen Tugenden ausgestattet (Nom.Sg. + Nom.Sg. Bahuvrīhi)
trailokyasya api yaḥ bhavet
der wohl auch der drei Welten [Herrscher] sein könnte (Gen.Sg. + Part. + Nom.Sg. + 3.Sg.Opt.)
ajātaśatruḥ dharmātmā
der Ohne-Feind, der Dharma-Seelige (Nom.Sg. x2)
śuddhajāmbūnadaprabhaḥ
von reinem Goldglanz (Nom.Sg. Bahuvrīhi)

śreṣṭhaḥ kuruṣu sarveṣu dharmataḥ śrutavṛttataḥ priyadarśano dīrghabhujaḥ kathaṃ kṛṣṇa yudhiṣṭhiraḥ

der Beste unter allen Kurus, durch Dharma und durch gelehrtes Verhalten, von lieblichem Anblick, langarmig - wie, o Kṛṣṇa, ergeht es Yudhiṣṭhira?

Wort für Wort
śreṣṭhaḥ kuruṣu sarveṣu
der Beste unter allen Kurus (Nom.Sg. + Lok.Pl. + Lok.Pl.)
dharmataḥ śrutavṛttataḥ
durch Dharma, durch gelehrtes Verhalten (Abl.Sg. x2)
priyadarśanaḥ dīrghabhujaḥ
von lieblichem Anblick, langarmig (Nom.Sg. x2 Bahuvrīhi)
katham kṛṣṇa yudhiṣṭhiraḥ
wie, o Kṛṣṇa, Yudhiṣṭhira (Adv. + Vok.Sg. + Nom.Sg.)

yaḥ sa nāgāyutaprāṇo vātaraṃhā vṛkodaraḥ amarṣī pāṇḍavo nityaṃ priyo bhrātuḥ priyaṃkaraḥ

Er, der die Kraft von zehntausend Elefanten hat, windschnell, Vṛkodara, der Ungeduldige, der Pāṇḍava, dem Bruder stets lieb und Liebes tuend,

Wort für Wort
yaḥ sa nāgāyutaprāṇaḥ
er, der die Kraft von zehntausend Elefanten hat (Nom.Sg. x2 Bahuvrīhi)
vātaraṃhā vṛkodaraḥ
windschnell, Vṛkodara (Nom.Sg. Bahuvrīhi + Nom.Sg.)
amarṣī pāṇḍavo nityam
der Ungeduldige, der Pāṇḍava, stets (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Adv.)
priyo bhrātuḥ priyaṃkaraḥ
lieb dem Bruder, Liebes tuend (Nom.Sg. + Gen.Sg. + Nom.Sg.)

[Anm.: Beginn des Lobpreises auf Bhīma, fortgesetzt bis V.027.]

kīcakasya ca sajñāter yo hantā madhusūdana śūraḥ krodhavaśānāṃ ca hiḍimbasya bakasya ca

und der Töter Kīcakas samt dessen Verwandten, o Madhusūdana, der Held, [der Töter] der Krodhavaśas, und Hiḍimbas und Bakas,

Wort für Wort
kīcakasya ca sajñāteḥ
und Kīcakas samt Verwandten (Gen.Sg. + Konj. + Gen.Sg.)
yaḥ hantā madhusūdana
der Töter, o Madhusūdana (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Vok.Sg.)
śūraḥ krodhavaśānām ca
der Held, und der Krodhavaśas (Nom.Sg. + Gen.Pl. + Konj.)
hiḍimbasya bakasya ca
und Hiḍimbas und Bakas (Gen.Sg. x2 + Konj.)

parākrame śakrasamo vāyuvegasamo jave maheśvarasamaḥ krodhe bhīmaḥ praharatāṃ varaḥ

an Tatkraft Śakra gleich, an Geschwindigkeit dem Windeswehen gleich, im Zorn Maheśvara gleich - Bhīma, der Beste der Kämpfer,

Wort für Wort
parākrame śakrasamaḥ
an Tatkraft Śakra gleich (Lok.Sg. + Nom.Sg. Bahuvrīhi)
vāyuvegasamaḥ jave
an Geschwindigkeit dem Windeswehen gleich (Nom.Sg. Bahuvrīhi + Lok.Sg.)
maheśvarasamaḥ krodhe
im Zorn Maheśvara gleich (Nom.Sg. Bahuvrīhi + Lok.Sg.)
bhīmaḥ praharatāṃ varaḥ
Bhīma, der Beste der Kämpfer (Nom.Sg. + Gen.Pl. + Nom.Sg.)

krodhaṃ balam amarṣaṃ ca yo nidhāya paraṃtapaḥ jitātmā pāṇḍavo 'marṣī bhrātus tiṣṭhati śāsane

der, Zorn, Kraft und Ungeduld ablegend, der Feindeversenger, sich selbst bezähmend, der Pāṇḍava, der Ungeduldige, im Gebot des Bruders verharrt -

Wort für Wort
krodham balam amarṣam ca
Zorn, Kraft und Ungeduld (Akk.Sg. x3 + Konj.)
yaḥ nidhāya paraṃtapaḥ
der, ablegend, der Feindeversenger (Nom.Sg. + Absolutiv + Nom.Sg.)
jitātmā pāṇḍavaḥ amarṣī
sich selbst bezähmend, der Pāṇḍava, der Ungeduldige (Nom.Sg. Bahuvrīhi + Nom.Sg. x2)
bhrātuḥ tiṣṭhati śāsane
im Gebot des Bruders verharrt (Gen.Sg. + 3.Sg.Präs. + Lok.Sg.)

tejorāśiṃ mahātmānaṃ balaugham amitaujasam bhīmaṃ pradarśanenāpi bhīmasenaṃ janārdana taṃ mamācakṣva vārṣṇeya katham adya vṛkodaraḥ

- den Glanzhaufen, den Hochherzigen, den Kraftstrom von unermesslicher Macht, den Furchterregenden schon durch seinen Anblick, Bhīmasena, o Janārdana - ihn beschreib mir, o Vārṣṇeya: wie ergeht es heute Vṛkodara?

Wort für Wort
tejorāśim mahātmānam
den Glanzhaufen, den Hochherzigen (Akk.Sg. x2)
balaugham amitaujasam
den Kraftstrom von unermesslicher Macht (Akk.Sg. x2 Bahuvrīhi)
bhīmam pradarśanena api
den Furchterregenden, schon durch den Anblick (Akk.Sg. + Instr.Sg. + Part.)
bhīmasenam janārdana
Bhīmasena, o Janārdana (Akk.Sg. + Vok.Sg.)
tam mama ācakṣva vārṣṇeya
ihn beschreib mir, o Vārṣṇeya (Akk.Sg. + Gen.Sg. + 2.Sg.Imp. + Vok.Sg.)
katham adya vṛkodaraḥ
wie heute, Vṛkodara (Adv. + Adv. + Nom.Sg.)

āste parighabāhuḥ sa madhyamaḥ pāṇḍavo 'cyuta arjunenārjuno yaḥ sa kṛṣṇa bāhusahasriṇā dvibāhuḥ spardhate nityam atītenāpi keśava

Wie ergeht es ihm, dem Mittleren der Pāṇḍavas, dem mit Armen wie eisernen Schlagbalken, o Unfehlbarer - und Arjuna, er, o Kṛṣṇa, der Zweiarmige, der stets mit dem tausendarmigen [Kārtavīrya], obwohl längst vergangen, wetteifert, o Keśava?

Wort für Wort
āste parighabāhuḥ sa
er verweilt, mit Armen wie Schlagbalken (3.Sg.Präs. + Nom.Sg. Bahuvrīhi + Pron.)
madhyamaḥ pāṇḍavaḥ acyuta
der Mittlere der Pāṇḍavas, o Unfehlbarer (Nom.Sg. x2 + Vok.Sg.)
arjunena arjuno yaḥ sa kṛṣṇa
und Arjuna, er, der, o Kṛṣṇa (Instr.Sg. + Nom.Sg. + Rel. + Pron. + Vok.Sg.)
bāhusahasriṇā dvibāhuḥ
mit dem Tausendarmigen, der Zweiarmige (Instr.Sg. Bahuvrīhi + Nom.Sg. Bahuvrīhi)
spardhate nityam atītena api keśava
wetteifert stets, obwohl längst vergangen, o Keśava (3.Sg.Präs.Med. + Adv. + Instr.Sg.Part. + Part. + Vok.Sg.)

[Anm.: Übergang zum Lobpreis auf Arjuna, fortgesetzt bis V.033; Satzkonstruktion verschränkt Bhīma- und Arjuna-Frage.]

kṣipaty ekena vegena pañca bāṇaśatāni yaḥ iṣvastre sadṛśo rājñaḥ kārtavīryasya pāṇḍavaḥ

der mit einem einzigen Schwung fünfhundert Pfeile schleudert, der Pāṇḍava, im Bogenschießen dem König Kārtavīrya gleich,

Wort für Wort
kṣipati ekena vegena
er schleudert mit einem einzigen Schwung (3.Sg.Präs. + Instr.Sg. + Instr.Sg.)
pañca bāṇaśatāni yaḥ
fünfhundert Pfeile, der (Akk.Pl. + Nom.Sg.)
iṣvastre sadṛśo rājñaḥ
im Bogenschießen gleich dem König (Lok.Sg. + Nom.Sg. + Gen.Sg.)
kārtavīryasya pāṇḍavaḥ
Kārtavīryas, der Pāṇḍava (Gen.Sg. + Nom.Sg.)

tejasādityasadṛśo maharṣipratimo dame kṣamayā pṛthivītulyo mahendrasamavikramaḥ

an Glanz der Sonne gleich, an Selbstbeherrschung einem großen Weisen ähnlich, an Geduld der Erde gleich, an Tatkraft dem großen Indra gleich,

Wort für Wort
tejasā ādityasadṛśaḥ
an Glanz der Sonne gleich (Instr.Sg. + Nom.Sg. Bahuvrīhi)
maharṣipratimo dame
einem großen Weisen ähnlich, an Selbstbeherrschung (Nom.Sg. Bahuvrīhi + Lok.Sg.)
kṣamayā pṛthivītulyaḥ
an Geduld der Erde gleich (Instr.Sg. + Nom.Sg. Bahuvrīhi)
mahendrasamavikramaḥ
an Tatkraft dem großen Indra gleich (Nom.Sg. Bahuvrīhi)

ādhirājyaṃ mahad dīptaṃ prathitaṃ madhusūdana āhṛtaṃ yena vīryeṇa kurūṇāṃ sarvarājasu

die große, strahlende, weitberühmte Oberherrschaft, o Madhusūdana, die durch seine Tapferkeit über alle Könige der Kurus errungen wurde -

Wort für Wort
ādhirājyam mahat dīptam
die große, strahlende Oberherrschaft (Akk.Sg. x3)
prathitam madhusūdana
die weitberühmte, o Madhusūdana (Akk.Sg. + Vok.Sg.)
āhṛtam yena vīryeṇa
errungen, durch dessen Tapferkeit (Nom.Sg.Pass.Part. + Instr.Sg. + Instr.Sg.)
kurūṇāṃ sarvarājasu
über alle Könige der Kurus (Gen.Pl. + Lok.Pl.)

yasya bāhubalaṃ ghoraṃ kauravāḥ paryupāsate sa sarvarathināṃ śreṣṭhaḥ pāṇḍavaḥ satyavikramaḥ

dessen furchtbare Armeskraft die Kauravas fürchtend verehren - er, der Beste aller Wagenkämpfer, der Pāṇḍava von wahrer Tapferkeit,

Wort für Wort
yasya bāhubalam ghoram
dessen furchtbare Armeskraft (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
kauravāḥ paryupāsate
die Kauravas verehren [fürchtend] (Nom.Pl. + 3.Pl.Präs.Med.)
sa sarvarathināṃ śreṣṭhaḥ
er, der Beste aller Wagenkämpfer (Pron. + Gen.Pl. + Nom.Sg.)
pāṇḍavaḥ satyavikramaḥ
der Pāṇḍava von wahrer Tapferkeit (Nom.Sg. x2)

yo 'pāśrayaḥ pāṇḍavānāṃ devānām iva vāsavaḥ sa te bhrātā sakhā caiva katham adya dhanaṃjayaḥ

der die Zuflucht der Pāṇḍavas ist, wie Vāsava für die Götter - er, dein Bruder und Freund zugleich - wie ergeht es heute Dhanaṃjaya?

Wort für Wort
yaḥ apāśrayaḥ pāṇḍavānām
der die Zuflucht ist der Pāṇḍavas (Nom.Sg. x2 + Gen.Pl.)
devānām iva vāsavaḥ
wie Vāsava für die Götter (Gen.Pl. + Part. + Nom.Sg.)
sa te bhrātā sakhā ca eva
er, dein Bruder und Freund zugleich (Pron. + Gen.Sg. + Nom.Sg. x2 + Konj. + Part.)
katham adya dhanaṃjayaḥ
wie heute, Dhanaṃjaya (Adv. + Adv. + Nom.Sg.)

dayāvān sarvabhūteṣu hrīniṣedho mahāstravit mṛduś ca sukumāraś ca dhārmikaś ca priyaś ca me

Mitleidsvoll gegen alle Wesen, von Scham geleitet, ein großer Waffenkenner, sanft und zart, dharma-treu und mir lieb -

Wort für Wort
dayāvān sarvabhūteṣu
mitleidsvoll gegen alle Wesen (Nom.Sg. Bahuvrīhi + Lok.Pl.)
hrīniṣedho mahāstravit
von Scham geleitet, ein großer Waffenkenner (Nom.Sg. Bahuvrīhi + Nom.Sg.)
mṛduḥ ca sukumāraḥ ca
und sanft und zart (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg. + Konj.)
dhārmikaḥ ca priyaḥ ca me
und dharma-treu und mir lieb (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg. + Konj. + Gen.Sg.)

[Anm.: Beginn des Lobpreises auf Sahadeva, fortgesetzt bis V.037.]

sahadevo maheṣvāsaḥ śūraḥ samitiśobhanaḥ bhrātṝṇāṃ kṛṣṇa śuśrūṣur dharmārthakuśalo yuvā

Sahadeva, der große Bogenschütze, der Held, der die Versammlung ziert, den Brüdern gehorsam, o Kṛṣṇa, in Dharma und Artha erfahren, der Jüngling -

Wort für Wort
sahadevo maheṣvāsaḥ
Sahadeva, der große Bogenschütze (Nom.Sg. x2)
śūraḥ samitiśobhanaḥ
der Held, der die Versammlung ziert (Nom.Sg. x2)
bhrātṝṇāṃ kṛṣṇa śuśrūṣuḥ
den Brüdern gehorsam, o Kṛṣṇa (Gen.Pl. + Vok.Sg. + Nom.Sg.)
dharmārthakuśalo yuvā
in Dharma und Artha erfahren, der Jüngling (Nom.Sg. Bahuvrīhi + Nom.Sg.)

sadaiva sahadevasya bhrātaro madhusūdana vṛttaṃ kalyāṇavṛttasya pūjayanti mahātmanaḥ

stets, o Madhusūdana, ehren die Brüder den Wandel des Sahadeva, des von gutem Wandel, des Hochherzigen -

Wort für Wort
sadā eva sahadevasya
stets, o Madhusūdana, des Sahadeva (Adv. + Part. + Gen.Sg.)
bhrātaro madhusūdana
die Brüder, o Madhusūdana (Nom.Pl. + Vok.Sg.)
vṛttam kalyāṇavṛttasya
den Wandel des von gutem Wandel (Akk.Sg. + Gen.Sg. Bahuvrīhi)
pūjayanti mahātmanaḥ
ehren, des Hochherzigen (3.Pl.Präs. + Gen.Sg.)

jyeṣṭhāpacāyinaṃ vīraṃ sahadevaṃ yudhāṃ patim śuśrūṣuṃ mama vārṣṇeya mādrīputraṃ pracakṣva me

den vor den Älteren Ehrerbietigen, den Helden, Sahadeva, den Herrn der Kämpfe, mir gehorsam - o Vārṣṇeya, den Sohn Mādrīs beschreib mir.

Wort für Wort
jyeṣṭhāpacāyinaṃ vīram
den vor den Älteren Ehrerbietigen, den Helden (Akk.Sg. Bahuvrīhi + Akk.Sg.)
sahadevaṃ yudhāṃ patim
Sahadeva, den Herrn der Kämpfe (Akk.Sg. + Gen.Pl. + Akk.Sg.)
śuśrūṣuṃ mama vārṣṇeya
mir gehorsam, o Vārṣṇeya (Akk.Sg. + Gen.Sg. + Vok.Sg.)
mādrīputraṃ pracakṣva me
den Sohn Mādrīs beschreib mir (Akk.Sg. + 2.Sg.Imp. + Gen.Sg.)

sukumāro yuvā śūro darśanīyaś ca pāṇḍavaḥ bhrātṝṇāṃ kṛṣṇa sarveṣāṃ priyaḥ prāṇo bahiścaraḥ

Zart, jung, ein Held, ansehnlich, der Pāṇḍava, allen Brüdern lieb, o Kṛṣṇa, gleichsam ihr äußerlich wandelnder Atem -

Wort für Wort
sukumāro yuvā śūro
zart, jung, ein Held (Nom.Sg. x3)
darśanīyaḥ ca pāṇḍavaḥ
und ansehnlich, der Pāṇḍava (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.)
bhrātṝṇāṃ kṛṣṇa sarveṣāṃ
den Brüdern, o Kṛṣṇa, allen (Gen.Pl. + Vok.Sg. + Gen.Pl.)
priyaḥ prāṇo bahiścaraḥ
lieb, der äußerlich wandelnde Atem (Nom.Sg. x2 Bahuvrīhi)

[Anm.: Beginn des Lobpreises auf Nakula, fortgesetzt bis V.041.]

citrayodhī ca nakulo maheṣvāso mahābalaḥ kaccit sa kuśalī kṛṣṇa vatso mama sukhaidhitaḥ

und Nakula, der wunderbar Kämpfende, der große Bogenschütze, der Starke - geht es ihm wohl, o Kṛṣṇa, meinem im Glück aufgezogenen Kind?

Wort für Wort
citrayodhī ca nakulo
und Nakula, der wunderbar Kämpfende (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.)
maheṣvāso mahābalaḥ
der große Bogenschütze, der Starke (Nom.Sg. x2)
kaccit sa kuśalī kṛṣṇa
geht es ihm wohl, o Kṛṣṇa (Frage-Part. + Pron. + Nom.Sg. + Vok.Sg.)
vatso mama sukhaidhitaḥ
meinem im Glück aufgezogenen Kind (Nom.Sg. + Gen.Sg. + Nom.Sg. Bahuvrīhi)

sukhocitam aduḥkhārhaṃ sukumāraṃ mahāratham api jātu mahābāho paśyeyaṃ nakulaṃ punaḥ

Den Glück-Gewohnten, den Leid-Unverdienenden, den Zarten, den großen Wagenkämpfer - werde ich, o Starkarmiger, jemals Nakula wiedersehen?

Wort für Wort
sukhocitam aduḥkhārham
den Glück-Gewohnten, den Leid-Unverdienenden (Akk.Sg. x2)
sukumāraṃ mahāratham api
den Zarten, den großen Wagenkämpfer, wohl (Akk.Sg. x2 + Part.)
jātu mahābāho paśyeyam
jemals, o Starkarmiger, werde ich sehen (Adv. + Vok.Sg. + 1.Sg.Opt.)
nakulaṃ punaḥ
Nakula wieder (Akk.Sg. + Adv.)

pakṣmasaṃpātaje kāle nakulena vinākṛtā na labhāmi sukhaṃ vīra sādya jīvāmi paśya mām

In der Zeitspanne eines Wimpernschlags, von Nakula getrennt, finde ich kein Glück, o Held - und dennoch lebe ich heute noch, sieh mich an!

Wort für Wort
pakṣmasaṃpātaje kāle
in der Zeitspanne eines Wimpernschlags (Lok.Sg. Bahuvrīhi + Lok.Sg.)
nakulena vinākṛtā
von Nakula getrennt (Instr.Sg. + Nom.Sg.Pass.Part.)
na labhāmi sukhaṃ vīra
finde ich kein Glück, o Held (Neg. + 1.Sg.Präs. + Akk.Sg. + Vok.Sg.)
sā adya jīvāmi paśya mām
und dennoch lebe ich heute, sieh mich (Pron. + Adv. + 1.Sg.Präs. + 2.Sg.Imp. + Akk.Sg.)

[Anm.: 'pakṣmasaṃpātaje kāle' wörtlich 'in der durch das Zusammenschlagen der Wimpern entstehenden Zeit' - Bild für einen winzigen Augenblick.]

sarvaiḥ putraiḥ priyatamā draupadī me janārdana kulīnā śīlasaṃpannā sarvaiḥ samuditā guṇaiḥ

Allen Söhnen die Liebste, Draupadī, mir, o Janārdana, von edler Herkunft, mit gutem Charakter begabt, mit allen Tugenden ausgestattet,

Wort für Wort
sarvaiḥ putraiḥ priyatamā
allen Söhnen die Liebste (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Nom.Sg.)
draupadī me janārdana
Draupadī, mir, o Janārdana (Nom.Sg. + Gen.Sg. + Vok.Sg.)
kulīnā śīlasaṃpannā
von edler Herkunft, mit gutem Charakter begabt (Nom.Sg. x2)
sarvaiḥ samuditā guṇaiḥ
mit allen Tugenden ausgestattet (Instr.Pl. + Nom.Sg. + Instr.Pl.)

[Anm.: Beginn des Lobpreises auf Draupadī, fortgesetzt bis V.050.]

putralokāt patilokān vṛṇvānā satyavādinī priyān putrān parityajya pāṇḍavān anvapadyata

die, den Bereich der Söhne für den Bereich der Gatten aufgebend, die Wahrhaftredende, ihre lieben Söhne verlassend, den Pāṇḍavas folgte -

Wort für Wort
putralokāt patilokān
den Bereich der Söhne für den Bereich der Gatten (Abl.Sg. + Akk.Pl.)
vṛṇvānā satyavādinī
wählend, die Wahrhaftredende (Nom.Sg.Part.Med. + Nom.Sg.)
priyān putrān parityajya
ihre lieben Söhne verlassend (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Absolutiv)
pāṇḍavān anvapadyata
den Pāṇḍavas folgte sie (Akk.Pl. + 3.Sg.Impf.Med.)

mahābhijanasaṃpannā sarvakāmaiḥ supūjitā īśvarī sarvakalyāṇī draupadī katham acyuta

von hoher Abstammung begabt, mit allem Erwünschten wohlverehrt, Herrin, allgütig, Draupadī - wie ergeht es ihr, o Unfehlbarer?

Wort für Wort
mahābhijanasaṃpannā
von hoher Abstammung begabt (Nom.Sg. Bahuvrīhi)
sarvakāmaiḥ supūjitā
mit allem Erwünschten wohlverehrt (Instr.Pl. + Nom.Sg.Pass.Part.)
īśvarī sarvakalyāṇī
Herrin, allgütig (Nom.Sg. x2)
draupadī katham acyuta
Draupadī, wie, o Unfehlbarer (Nom.Sg. + Adv. + Vok.Sg.)

patibhiḥ pañcabhiḥ śūrair agnikalpaiḥ prahāribhiḥ upapannā maheṣvāsair draupadī duḥkhabhāginī

mit fünf Gatten, den Helden, dem Feuer gleich, den Kämpfern, den großen Bogenschützen ausgestattet - Draupadī, des Leides teilhaftig geworden -

Wort für Wort
patibhiḥ pañcabhiḥ śūraiḥ
mit fünf Gatten, den Helden (Instr.Pl. x3)
agnikalpaiḥ prahāribhiḥ
dem Feuer gleich, den Kämpfern (Instr.Pl. x2)
upapannā maheṣvāsaiḥ
ausgestattet mit den großen Bogenschützen (Nom.Sg. + Instr.Pl.)
draupadī duḥkhabhāginī
Draupadī, des Leides teilhaftig (Nom.Sg. x2)

caturdaśam imaṃ varṣaṃ yan nāpaśyam ariṃdama putrādhibhiḥ paridyūnāṃ draupadīṃ satyavādinīm

in diesem vierzehnten Jahr, da ich sie nicht sah, o Feindebezwinger, von Sorge um ihre Söhne verzehrte Draupadī, die Wahrhaftredende -

Wort für Wort
caturdaśam imaṃ varṣam
in diesem vierzehnten Jahr (Akk.Sg. x3)
yat na apaśyam ariṃdama
da ich nicht sah, o Feindebezwinger (Rel. + Neg. + 1.Sg.Impf. + Vok.Sg.)
putrādhibhiḥ paridyūnāṃ
von Sorge um die Söhne verzehrte (Instr.Pl. + Akk.Sg.Part.)
draupadīṃ satyavādinīm
Draupadī, die Wahrhaftredende (Akk.Sg. x2)

na nūnaṃ karmabhiḥ puṇyair aśnute puruṣaḥ sukham draupadī cet tathāvṛttā nāśnute sukham avyayam

Wahrlich, durch verdienstvolle Taten allein erlangt der Mensch kein Glück, wenn Draupadī, die so [leidgeprüft] Geartete, kein unvergängliches Glück erlangt.

Wort für Wort
na nūnaṃ karmabhiḥ puṇyaiḥ
gewiss nicht durch verdienstvolle Taten (Neg. + Part. + Instr.Pl. x2)
aśnute puruṣaḥ sukham
erlangt der Mensch Glück (3.Sg.Präs.Med. + Nom.Sg. + Akk.Sg.)
draupadī cet tathāvṛttā
wenn Draupadī, die so Geartete (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.)
na aśnute sukham avyayam
kein unvergängliches Glück erlangt (Neg. + 3.Sg.Präs.Med. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)

na priyo mama kṛṣṇāya bībhatsur na yudhiṣṭhiraḥ bhīmaseno yamau vāpi yad apaśyaṃ sabhāgatām

Nicht lieb ist mir seither Bībhatsu, nicht Yudhiṣṭhira, nicht Bhīmasena, noch die Zwillinge, seit ich [Draupadī] in der Versammlungshalle sah -

Wort für Wort
na priyo mama kṛṣṇāya
nicht lieb ist mir seither (Neg. + Nom.Sg. + Gen.Sg. + Dat.Sg.)
bībhatsur na yudhiṣṭhiraḥ
Bībhatsu, nicht Yudhiṣṭhira (Nom.Sg. + Neg. + Nom.Sg.)
bhīmaseno yamau vā api
Bhīmasena, oder auch die Zwillinge (Nom.Sg. + Nom.Du. + Konj. + Part.)
yat apaśyaṃ sabhāgatām
seit ich sie, die zur Versammlung Gekommene, sah (Konj. + 1.Sg.Impf. + Akk.Sg.Part.)

[Anm.: 'kṛṣṇāya' hier Dativ von 'kṛṣṇā' = Draupadī (nicht Kṛṣṇa selbst) - 'seit jenem [Anblick, den Draupadī betreffend]'; Konstruktion elliptisch, Sinn: seit jenem Ereignis empfindet sie keine ungetrübte Freude mehr an den Söhnen.]

na me duḥkhataraṃ kiṃ cid bhūtapūrvaṃ tato 'dhikam yad draupadīṃ nivātasthāṃ śvaśurāṇāṃ samīpagām

Kein größeres Leid, keines, das früher geschehen wäre, ist mir bekannt als jenes, da Draupadī, die stets Geschützte, in die Nähe ihrer Schwiegerväter geraten war -

Wort für Wort
na me duḥkhataraṃ kiṃ cit
kein größeres Leid für mich, keines (Neg. + Gen.Sg. + Akk.Sg. + Indef.)
bhūtapūrvaṃ tataḥ adhikam
das früher geschehen wäre, größer als jenes (Akk.Sg. + Adv. + Akk.Sg.)
yat draupadīṃ nivātasthāṃ
da Draupadī, die stets Geschützte (Konj. + Akk.Sg. + Akk.Sg. Bahuvrīhi)
śvaśurāṇāṃ samīpagām
in die Nähe der Schwiegerväter geraten (Gen.Pl. + Akk.Sg.)

ānāyitām anāryeṇa krodhalobhānuvartinā sarve praikṣanta kurava ekavastrāṃ sabhāgatām

von dem Unedlen, der Zorn und Gier folgte, herbeigeführt - alle Kurus blickten sie an, die mit einem einzigen Gewand zur Versammlung Gekommene.

Wort für Wort
ānāyitām anāryeṇa
herbeigeführt von dem Unedlen (Akk.Sg.Pass.Part. + Instr.Sg.)
krodhalobhānuvartinā
der Zorn und Gier folgte (Instr.Sg. Bahuvrīhi)
sarve praikṣanta kurava
alle Kurus blickten sie an (Nom.Pl. + 3.Pl.Impf.Med. + Nom.Pl.)
ekavastrāṃ sabhāgatām
die mit einem einzigen Gewand zur Versammlung Gekommene (Akk.Sg. Bahuvrīhi + Akk.Sg.Part.)

tatraiva dhṛtarāṣṭraś ca mahārājaś ca bāhlikaḥ kṛpaś ca somadattaś ca nirviṇṇāḥ kuravas tathā

Dort eben waren Dhṛtarāṣṭra und der Großkönig Bāhlika, Kṛpa und Somadatta und ebenso die Kurus bekümmert -

Wort für Wort
tatra eva dhṛtarāṣṭraḥ ca
dort eben und Dhṛtarāṣṭra (Adv. + Part. + Nom.Sg. + Konj.)
mahārājaḥ ca bāhlikaḥ
und der Großkönig Bāhlika (Nom.Sg. x2 + Konj.)
kṛpaḥ ca somadattaḥ ca
und Kṛpa und Somadatta (Nom.Sg. x2 + Konj. x2)
nirviṇṇāḥ kuravas tathā
bekümmert, die Kurus, ebenso (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Adv.)

tasyāṃ saṃsadi sarvasyāṃ kṣattāraṃ pūjayāmy aham vṛttena hi bhavaty āryo na dhanena na vidyayā

in jener ganzen Versammlung - den Kṣattṛ [Vidura] ehre ich; denn durch den Wandel wird einer edel, nicht durch Reichtum, nicht durch Wissen.

Wort für Wort
tasyāṃ saṃsadi sarvasyāṃ
in jener ganzen Versammlung (Lok.Sg. x3)
kṣattāraṃ pūjayāmi aham
den Kṣattṛ ehre ich (Akk.Sg. + 1.Sg.Präs. + Nom.Sg.)
vṛttena hi bhavati āryaḥ
denn durch den Wandel wird einer edel (Instr.Sg. + Part. + 3.Sg.Präs. + Nom.Sg.)
na dhanena na vidyayā
nicht durch Reichtum, nicht durch Wissen (Neg. + Instr.Sg. + Neg. + Instr.Sg.)

tasya kṛṣṇa mahābuddher gambhīrasya mahātmanaḥ kṣattuḥ śīlam alaṃkāro lokān viṣṭabhya tiṣṭhati

Seiner, o Kṛṣṇa, des Großverständigen, Tiefgründigen, Hochherzigen, des Kṣattṛ, Charakter - ein Schmuckstück, das, die Welten stützend, dasteht.

Wort für Wort
tasya kṛṣṇa mahābuddheḥ
seiner, o Kṛṣṇa, des Großverständigen (Gen.Sg. + Vok.Sg. + Gen.Sg.)
gambhīrasya mahātmanaḥ
des Tiefgründigen, Hochherzigen (Gen.Sg. x2)
kṣattuḥ śīlam alaṃkāro
des Kṣattṛ Charakter, ein Schmuckstück (Gen.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
lokān viṣṭabhya tiṣṭhati
die Welten stützend, dasteht (Akk.Pl. + Absolutiv + 3.Sg.Präs.)

sā śokārtā ca hṛṣṭā ca dṛṣṭvā govindam āgatam nānāvidhāni duḥkhāni sarvāṇy evānvakīrtayat

Sie, von Kummer geplagt und doch erfreut, als sie Govinda kommen sah, zählte all ihre mannigfaltigen Leiden auf.

Wort für Wort
sā śokārtā ca hṛṣṭā ca
sie, von Kummer geplagt und doch erfreut (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg. + Konj.)
dṛṣṭvā govindam āgatam
sehend Govinda, den Gekommenen (Absolutiv + Akk.Sg. + Akk.Sg.Part.)
nānāvidhāni duḥkhāni
die mannigfaltigen Leiden (Akk.Pl. x2)
sarvāṇi eva anvakīrtayat
alle zählte sie auf (Akk.Pl. + Part. + 3.Sg.Impf.)

[Anm.: reiner Erzähler-Zwischenvers, unterbricht Kuntīs Rede nicht (kein Sprecherwechsel, SQ bleibt offen).]

pūrvair ācaritaṃ yat tat kurājabhir ariṃdama akṣadyūtaṃ mṛgavadhaḥ kaccid eṣāṃ sukhāvaham

Was von den früheren, üblen Königen geübt wurde, o Feindebezwinger - Würfelspiel, Jagd auf Wild - bringt das diesen [Söhnen] wohl Glück?

Wort für Wort
pūrvair ācaritaṃ yat tat
was von den früheren geübt wurde, das (Instr.Pl. + Akk.Sg.Pass.Part. + Rel. + Pron.)
kurājabhir ariṃdama
von den üblen Königen, o Feindebezwinger (Instr.Pl. + Vok.Sg.)
akṣadyūtaṃ mṛgavadhaḥ
Würfelspiel, Jagd auf Wild (Nom.Sg. + Nom.Sg.)
kaccid eṣāṃ sukhāvaham
bringt das diesen wohl Glück (Frage-Part. + Gen.Pl. + Nom.Sg. Bahuvrīhi)

tan māṃ dahati yat kṛṣṇā sabhāyāṃ kurusaṃnidhau dhārtarāṣṭraiḥ parikliṣṭā yathā nakuśalaṃ tathā

Das verzehrt mich, dass Kṛṣṇā [Draupadī] in der Versammlungshalle, in Gegenwart der Kurus, von den Dhārtarāṣṭras gequält wurde, in einer dem Unheil gleichen Weise -

Wort für Wort
tat māṃ dahati yat kṛṣṇā
das verzehrt mich, dass Kṛṣṇā (Pron. + Akk.Sg. + 3.Sg.Präs. + Rel. + Nom.Sg.)
sabhāyāṃ kurusaṃnidhau
in der Versammlungshalle, in Gegenwart der Kurus (Lok.Sg. + Lok.Sg.)
dhārtarāṣṭraiḥ parikliṣṭā
von den Dhārtarāṣṭras gequält (Instr.Pl. + Nom.Sg.Pass.Part.)
yathā nakuśalaṃ tathā
auf eine dem Unheil gleiche Weise (Adv. + Akk.Sg. + Adv.)

nirvāsanaṃ ca nagarāt pravrajyā ca paraṃtapa nānāvidhānāṃ duḥkhānām āvāso 'smi janārdana ajñātacaryā bālānām avarodhaś ca keśava

und die Verbannung aus der Stadt, und das Wanderleben, o Feindebezwinger - ich bin die Wohnstatt mannigfaltiger Leiden, o Janārdana - das Leben im Verborgenen, das Eingeschlossensein der Kinder, o Keśava -

Wort für Wort
nirvāsanaṃ ca nagarāt
und die Verbannung aus der Stadt (Akk.Sg. + Konj. + Abl.Sg.)
pravrajyā ca paraṃtapa
und das Wanderleben, o Feindebezwinger (Nom.Sg. + Konj. + Vok.Sg.)
nānāvidhānāṃ duḥkhānām
mannigfaltiger Leiden (Gen.Pl. x2)
āvāso asmi janārdana
ich bin die Wohnstatt, o Janārdana (Nom.Sg. + 1.Sg.Präs. + Vok.Sg.)
ajñātacaryā bālānām
das Leben im Verborgenen der Kinder (Nom.Sg. + Gen.Pl.)
avarodhaś ca keśava
und das Eingeschlossensein, o Keśava (Nom.Sg. + Konj. + Vok.Sg.)

na sma kleśatamaṃ me syāt putraiḥ saha paraṃtapa duryodhanena nikṛtā varṣam adya caturdaśam

Es wäre mir nicht das größte Leid, mit den Söhnen zusammen, o Feindebezwinger - von Duryodhana betrogen, nun im vierzehnten Jahr -

Wort für Wort
na sma kleśatamaṃ me syāt
es wäre mir nicht das größte Leid (Neg. + Part. + Superl.Akk.Sg. + Gen.Sg. + 3.Sg.Opt.)
putraiḥ saha paraṃtapa
mit den Söhnen zusammen, o Feindebezwinger (Instr.Pl. + Postposition + Vok.Sg.)
duryodhanena nikṛtā
von Duryodhana betrogen (Instr.Sg. + Nom.Sg.Pass.Part.)
varṣam adya caturdaśam
im Jahr, nun, dem vierzehnten (Akk.Sg. + Adv. + Akk.Sg.)

duḥkhād api sukhaṃ na syād yadi puṇyaphalakṣayaḥ na me viśeṣo jātv āsīd dhārtarāṣṭreṣu pāṇḍavaiḥ

wenn nicht aus Leid selbst noch Glück erwüchse, falls die Frucht des Verdienstes schwände - niemals gab es für mich einen Unterschied zwischen den Dhārtarāṣṭras und den Pāṇḍavas [in meiner Sorge um sie] -

Wort für Wort
duḥkhād api sukhaṃ na syāt
wenn nicht aus Leid selbst noch Glück erwüchse (Abl.Sg. + Part. + Akk.Sg. + Neg. + 3.Sg.Opt.)
yadi puṇyaphalakṣayaḥ
falls die Frucht des Verdienstes schwände (Konj. + Nom.Sg.)
na me viśeṣo jātu āsīt
niemals gab es für mich einen Unterschied (Neg. + Gen.Sg. + Nom.Sg. + Adv. + 3.Sg.Impf.)
dhārtarāṣṭreṣu pāṇḍavaiḥ
zwischen den Dhārtarāṣṭras und den Pāṇḍavas (Lok.Pl. + Instr.Pl.)

[Anm.: gemeint ist wohl, dass Kuntī stets für beide Seiten gleichermaßen Mutterliebe empfand, nicht dass sie ihnen politisch gleichgültig gegenüberstand; Lesart unsicher.]

tena satyena kṛṣṇa tvāṃ hatāmitraṃ śriyā vṛtam asmād vimuktaṃ saṃgrāmāt paśyeyaṃ pāṇḍavaiḥ saha naiva śakyāḥ parājetuṃ sattvaṃ hy eṣāṃ tathāgatam

Bei dieser Wahrheit, o Kṛṣṇa - möge ich dich sehen, wie du deine Feinde getötet hast, mit Glanz umgeben, aus diesem Kampf befreit, zusammen mit den Pāṇḍavas - denn diese sind nicht zu besiegen, so beschaffen ist ihre Kraft.

Wort für Wort
tena satyena kṛṣṇa tvāṃ
bei dieser Wahrheit, o Kṛṣṇa, dich (Instr.Sg. + Instr.Sg. + Vok.Sg. + Akk.Sg.)
hatāmitraṃ śriyā vṛtam
die Feinde getötet habend, mit Glanz umgeben (Akk.Sg. Bahuvrīhi + Instr.Sg. + Akk.Sg.Part.)
asmād vimuktaṃ saṃgrāmāt
aus diesem Kampf befreit (Abl.Sg. + Akk.Sg.Part. + Abl.Sg.)
paśyeyaṃ pāṇḍavaiḥ saha
möge ich sehen, mit den Pāṇḍavas zusammen (1.Sg.Opt. + Instr.Pl. + Postposition)
na eva śakyāḥ parājetum
denn sie sind gar nicht zu besiegen (Neg. + Part. + Nom.Pl. + Infinitiv)
sattvaṃ hy eṣāṃ tathāgatam
denn so beschaffen ist ihre Kraft (Nom.Sg. + Part. + Gen.Pl. + Nom.Sg.)

pitaraṃ tv eva garheyaṃ nātmānaṃ na suyodhanam yenāhaṃ kuntibhojāya dhanaṃ dhūrtair ivārpitā

Meinen Vater aber tadle ich, nicht mich selbst, nicht Suyodhana - durch den ich, wie ein Vermögen von Betrügern, Kuntibhoja übergeben wurde -

Wort für Wort
pitaraṃ tu eva garheyam
meinen Vater aber tadle ich (Akk.Sg. + Part. + Part. + 1.Sg.Opt.)
na ātmānaṃ na suyodhanam
nicht mich selbst, nicht Suyodhana (Neg. + Akk.Sg. + Neg. + Akk.Sg.)
yena ahaṃ kuntibhojāya
durch den ich dem Kuntibhoja (Instr.Sg. + Nom.Sg. + Dat.Sg.)
dhanaṃ dhūrtaiḥ iva arpitā
wie ein Vermögen von Betrügern übergeben (Nom.Sg. + Instr.Pl. + Part. + Nom.Sg.Pass.Part.)

[Anm.: Beginn von Kuntīs Rückblick auf ihre eigene Kindheit - sie wurde als Kind ihrem Vater (Śūra) von Kuntibhoja adoptiert.]

bālāṃ mām āryakas tubhyaṃ krīḍantīṃ kanduhastakām adadāt kuntibhojāya sakhā sakhye mahātmane

Mich, das Kind, spielend, den Ball in der Hand, gab der Großvater dem Kuntibhoja, der Freund dem Freund, dem Hochherzigen -

Wort für Wort
bālāṃ mām āryakaḥ
mich, das Kind, der Großvater (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.)
tubhyaṃ krīḍantīṃ kanduhastakām
dir, spielend, den Ball in der Hand (Dat.Sg. + Akk.Sg.Part. + Akk.Sg. Bahuvrīhi)
adadāt kuntibhojāya
gab dem Kuntibhoja (3.Sg.Impf. + Dat.Sg.)
sakhā sakhye mahātmane
der Freund dem Freund, dem Hochherzigen (Nom.Sg. + Dat.Sg. + Dat.Sg.)

[Anm.: 'āryakaḥ' = Kuntīs Großvater (väterlicherseits); der Vers ist im Munde Kuntīs an Kṛṣṇa gerichtet, daher 'tubhyaṃ' auffällig - wahrscheinlich elliptisch/apostrophierend gemeint als Randbemerkung, nicht wörtlich 'dir'; Lesart unsicher, im Kontext als rhetorische Wendung belassen.]

sāhaṃ pitrā ca nikṛtā śvaśuraiś ca paraṃtapa atyantaduḥkhitā kṛṣṇa kiṃ jīvitaphalaṃ mama

So wurde ich, vom Vater und von den Schwiegervätern betrogen, o Feindebezwinger, überaus leidgeprüft, o Kṛṣṇa - was ist die Frucht meines Lebens?

Wort für Wort
sā ahaṃ pitrā ca nikṛtā
so wurde ich vom Vater betrogen (Pron. + Nom.Sg. + Instr.Sg. + Konj. + Nom.Sg.Pass.Part.)
śvaśuraiḥ ca paraṃtapa
und von den Schwiegervätern, o Feindebezwinger (Instr.Pl. + Konj. + Vok.Sg.)
atyantaduḥkhitā kṛṣṇa
überaus leidgeprüft, o Kṛṣṇa (Nom.Sg. + Vok.Sg.)
kiṃ jīvitaphalaṃ mama
was ist die Frucht meines Lebens (Frage-Pron. + Nom.Sg. + Gen.Sg.)

yan mā vāg abravīn naktaṃ sūtake savyasācinaḥ putras te pṛthivīṃ jetā yaśaś cāsya divaṃ spṛśet

Was mir eine Stimme sagte, nachts, bei der Geburt des Linkshändigen [Arjuna]: „Dein Sohn wird die Erde erobern, und sein Ruhm wird den Himmel berühren.

Wort für Wort
yat mā vāk abravīt
was mir eine Stimme sagte (Rel. + Akk.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.)
naktaṃ sūtake savyasācinaḥ
nachts, bei der Geburt des Linkshändigen (Adv. + Lok.Sg. + Gen.Sg.)
putras te pṛthivīṃ jetā
dein Sohn wird die Erde erobern (Nom.Sg. + Gen.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Fut.Akt.Part.)
yaśaś ca asya divaṃ spṛśet
und sein Ruhm wird den Himmel berühren (Nom.Sg. + Konj. + Gen.Sg. + Akk.Sg. + 3.Sg.Opt.)

[Anm.: eine prophetische Stimme (Ākāśavāṇī) bei Arjunas Geburt - als CQ-Zitat innerhalb der offenen SQ-Rede Kuntīs markiert, Zitat setzt sich fort bis Ende V.065 (einzige Zitatebene 2 in diesem Kapitelabschnitt).]

hatvā kurūn grāmajanye rājyaṃ prāpya dhanaṃjayaḥ bhrātṛbhiḥ saha kaunteyas trīn medhān āhariṣyati

Nachdem er die Kurus in der Dorf-Fehde getötet und das Königreich erlangt hat, wird Dhanaṃjaya, der Sohn Kuntīs, zusammen mit den Brüdern drei Opfer darbringen.“

Wort für Wort
hatvā kurūn grāmajanye
nachdem er die Kurus getötet hat, in der Dorf-Fehde (Absolutiv + Akk.Pl. + Lok.Sg.)
rājyaṃ prāpya dhanaṃjayaḥ
das Königreich erlangt, Dhanaṃjaya (Akk.Sg. + Absolutiv + Nom.Sg.)
bhrātṛbhiḥ saha kaunteyas
mit den Brüdern zusammen, der Sohn Kuntīs (Instr.Pl. + Postposition + Nom.Sg.)
trīn medhān āhariṣyati
wird drei Opfer darbringen (Akk.Pl. + Akk.Pl. + 3.Sg.Fut.)

[Anm.: Fortsetzung und Abschluss der Prophezeiung aus V.064 (CQ schließt hier).]

nāhaṃ tām abhyasūyāmi namo dharmāya vedhase kṛṣṇāya mahate nityaṃ dharmo dhārayati prajāḥ

Ich beneide sie [die Prophezeiung] nicht - Verehrung dem Dharma, dem Schöpfer, dem großen Kṛṣṇa stets - der Dharma erhält die Geschöpfe.

Wort für Wort
na ahaṃ tām abhyasūyāmi
ich beneide sie nicht (Neg. + Nom.Sg. + Akk.Sg. + 1.Sg.Präs.)
namo dharmāya vedhase
Verehrung dem Dharma, dem Schöpfer (Nom.Sg. + Dat.Sg. + Dat.Sg.)
kṛṣṇāya mahate nityaṃ
dem großen Kṛṣṇa stets (Dat.Sg. + Dat.Sg. + Adv.)
dharmo dhārayati prajāḥ
der Dharma erhält die Geschöpfe (Nom.Sg. + 3.Sg.Präs. + Akk.Pl.)

[Anm.: 'kṛṣṇāya mahate' hier vermutlich als Beiname für Viṣṇu/den kosmischen Dharma-Schöpfer, nicht direkt für Kṛṣṇa den Gesprächspartner - Lesart unsicher.]

dharmaś ced asti vārṣṇeya tathā satyaṃ bhaviṣyati tvaṃ cāpi tat tathā kṛṣṇa sarvaṃ saṃpādayiṣyasi

Wenn der Dharma besteht, o Vārṣṇeya, so wird sich die Wahrheit erfüllen; und auch du, o Kṛṣṇa, wirst all das ebenso bewirken.

Wort für Wort
dharmaś cet asti vārṣṇeya
wenn der Dharma besteht, o Vārṣṇeya (Nom.Sg. + Konj. + 3.Sg.Präs. + Vok.Sg.)
tathā satyaṃ bhaviṣyati
so wird sich die Wahrheit erfüllen (Adv. + Nom.Sg. + 3.Sg.Fut.)
tvaṃ ca api tat tathā kṛṣṇa
und auch du das ebenso, o Kṛṣṇa (Nom.Sg. + Konj. + Part. + Pron. + Adv. + Vok.Sg.)
sarvaṃ saṃpādayiṣyasi
wirst du alles bewirken (Akk.Sg. + 2.Sg.Fut.)

na māṃ mādhava vaidhavyaṃ nārthanāśo na vairitā tathā śokāya bhavati yathā putrair vinābhavaḥ

Nicht die Witwenschaft, o Mādhava, nicht der Verlust des Besitzes, nicht die Feindschaft bereitet mir so großen Kummer wie die Trennung von meinen Söhnen.

Wort für Wort
na māṃ mādhava vaidhavyaṃ
nicht mir, o Mādhava, die Witwenschaft (Neg. + Akk.Sg. + Vok.Sg. + Nom.Sg.)
na arthanāśo na vairitā
nicht der Verlust des Besitzes, nicht die Feindschaft (Neg. + Nom.Sg. + Neg. + Nom.Sg.)
tathā śokāya bhavati
bereitet so großen Kummer (Adv. + Dat.Sg. + 3.Sg.Präs.)
yathā putrair vinābhavaḥ
wie die Trennung von den Söhnen (Adv. + Instr.Pl. + Nom.Sg.)

yāhaṃ gāṇḍīvadhanvānaṃ sarvaśastrabhṛtāṃ varam dhanaṃjayaṃ na paśyāmi kā śāntir hṛdayasya me

Ich, die den Träger des Gāṇḍīva-Bogens, den Besten aller Waffenträger, Dhanaṃjaya, nicht sehe - welche Ruhe soll mein Herz finden?

Wort für Wort
yā ahaṃ gāṇḍīvadhanvānaṃ
ich, die den Träger des Gāṇḍīva-Bogens (Rel. + Nom.Sg. + Akk.Sg.)
sarvaśastrabhṛtāṃ varam
den Besten aller Waffenträger (Gen.Pl. + Akk.Sg.)
dhanaṃjayaṃ na paśyāmi
Dhanaṃjaya nicht sehe (Akk.Sg. + Neg. + 1.Sg.Präs.)
kā śāntir hṛdayasya me
welche Ruhe meines Herzens (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Gen.Sg. + Gen.Sg.)

idaṃ caturdaśaṃ varṣaṃ yan nāpaśyaṃ yudhiṣṭhiram dhanaṃjayaṃ ca govinda yamau taṃ ca vṛkodaram

Dies vierzehnte Jahr, in dem ich Yudhiṣṭhira nicht sah, und Dhanaṃjaya, o Govinda, und die Zwillinge, und jenen, Vṛkodara -

Wort für Wort
idaṃ caturdaśaṃ varṣaṃ
dieses vierzehnte Jahr (Akk.Sg. x3)
yat na apaśyaṃ yudhiṣṭhiram
in dem ich Yudhiṣṭhira nicht sah (Rel. + Neg. + 1.Sg.Impf. + Akk.Sg.)
dhanaṃjayaṃ ca govinda
und Dhanaṃjaya, o Govinda (Akk.Sg. + Konj. + Vok.Sg.)
yamau taṃ ca vṛkodaram
die Zwillinge, und jenen, Vṛkodara (Akk.Du. + Akk.Sg. + Konj. + Akk.Sg.)

jīvanāśaṃ pranaṣṭānāṃ śrāddhaṃ kurvanti mānavāḥ arthatas te mama mṛtās teṣāṃ cāhaṃ janārdana

Für Verschollene, deren Tod nicht sicher ist, vollziehen die Menschen das Totenopfer - der Sache nach sind sie mir gestorben, und ich für sie, o Janārdana.

Wort für Wort
jīvanāśaṃ pranaṣṭānāṃ
für Verschollene, dem Verlust des Lebens (Akk.Sg. + Gen.Pl.)
śrāddhaṃ kurvanti mānavāḥ
vollziehen die Menschen das Totenopfer (Akk.Sg. + 3.Pl.Präs. + Nom.Pl.)
arthatas te mama mṛtās
der Sache nach sind sie mir gestorben (Adv. + Nom.Pl. + Gen.Sg. + Nom.Pl.)
teṣāṃ ca ahaṃ janārdana
und ich für sie, o Janārdana (Gen.Pl. + Konj. + Nom.Sg. + Vok.Sg.)

[Anm.: 'jīvanāśaṃ pranaṣṭānāṃ' wörtlich 'für solche, die dem Verlust des Lebens Verschollene sind' - gemeint: für als vermisst geltende, deren Tod nicht bewiesen ist, wird dennoch ein Totenritual vollzogen; Sinn: die lange Trennung fühlt sich wie ein wechselseitiger Tod an.]

brūyā mādhava rājānaṃ dharmātmānaṃ yudhiṣṭhiram bhūyāṃs te hīyate dharmo mā putraka vṛthā kṛthāḥ

Sag, o Mādhava, dem König, dem Dharma-Seelenvollen, Yudhiṣṭhira: „Dein Dharma schwindet immer mehr - handle nicht vergeblich, mein Sohn!“

Wort für Wort
brūyā mādhava rājānaṃ
sag, o Mādhava, dem König (2.Sg.Opt. + Vok.Sg. + Akk.Sg.)
dharmātmānaṃ yudhiṣṭhiram
dem Dharma-Seelenvollen, Yudhiṣṭhira (Akk.Sg. + Akk.Sg.)
bhūyāṃs te hīyate dharmo
dein Dharma schwindet immer mehr (Adv.Komp. + Gen.Sg. + 3.Sg.Präs.Pass. + Nom.Sg.)
mā putraka vṛthā kṛthāḥ
handle nicht vergeblich, mein Sohn (Neg.Part. + Vok.Sg. + Adv. + 2.Sg.Inj.)

[Anm.: Beginn der Reihe konkreter Botschaften Kuntīs an ihre Söhne, die Kṛṣṇa überbringen soll; jede Botschaft als eigenes CQ-Segment innerhalb der offenen SQ markiert.]

parāśrayā vāsudeva yā jīvāmi dhig astu mām vṛtteḥ kṛpaṇalabdhāyā apratiṣṭhaiva jyāyasī

O Vāsudeva, ich, die ich abhängig von fremder Stütze lebe - Schande über mich! Besser gar keine Stellung als ein erbärmlich erworbener Lebensunterhalt.

Wort für Wort
parāśrayā vāsudeva yā
abhängig von fremder Stütze, o Vāsudeva, die ich (Nom.Sg. Bahuvrīhi + Vok.Sg. + Rel.)
jīvāmi dhig astu mām
ich lebe - Schande sei über mich (1.Sg.Präs. + Interj. + 3.Sg.Imp. + Akk.Sg.)
vṛtteḥ kṛpaṇalabdhāyā
als ein erbärmlich erworbener Lebensunterhalt (Gen.Sg. + Gen.Sg.Pass.Part.)
apratiṣṭhā eva jyāyasī
besser gar keine Stellung (Nom.Sg. + Part. + Nom.Sg.Komp.)

[Anm.: Kuntīs eigene Worte an Kṛṣṇa, nicht Teil der Botschaft an Yudhiṣṭhira - SQ (nicht CQ), da direkte Anrede 'vāsudeva' den Wechsel zurück zu Kṛṣṇa als Adressat anzeigt.]

atho dhanaṃjayaṃ brūyā nityodyuktaṃ vṛkodaram yadarthaṃ kṣatriyā sūte tasya kālo 'yam āgataḥ

Und sage auch Dhanaṃjaya, und dem stets tatkräftigen Vṛkodara: „Wofür eine Kṣatriya-Frau gebiert, dessen Zeit ist nun gekommen.

Wort für Wort
atho dhanaṃjayaṃ brūyā
und sage auch Dhanaṃjaya (Part. + Akk.Sg. + 2.Sg.Opt.)
nityodyuktaṃ vṛkodaram
dem stets tatkräftigen Vṛkodara (Akk.Sg. Bahuvrīhi + Akk.Sg.)
yadarthaṃ kṣatriyā sūte
wofür eine Kṣatriya-Frau gebiert (Akk.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Präs.Med.)
tasya kālo 'yam āgataḥ
dessen Zeit ist nun gekommen (Gen.Sg. + Nom.Sg. + Pron. + Nom.Sg.)

[Anm.: Botschaft an Bhīma und Arjuna, CQ-Zitat setzt sich fort bis Ende V.076.]

asmiṃś ced āgate kāle kālo vo 'tikramiṣyati lokasaṃbhāvitāḥ santaḥ sunṛśaṃsaṃ kariṣyatha

Wenn diese Zeit, nun gekommen, euch entgleitet, werdet ihr, obwohl von der Welt geachtet, überaus Schändliches tun.

Wort für Wort
asmin cet āgate kāle
wenn in dieser, nun gekommenen Zeit (Lok.Sg. + Konj. + Lok.Sg.Part. + Lok.Sg.)
kālo vaḥ atikramiṣyati
die Zeit euch entgleiten wird (Nom.Sg. + Gen.Pl. + 3.Sg.Fut.)
lokasaṃbhāvitāḥ santaḥ
obwohl von der Welt geachtet seiend (Nom.Pl. Pass.Part. + Nom.Pl.Part.)
sunṛśaṃsaṃ kariṣyatha
werdet ihr überaus Schändliches tun (Akk.Sg. + 2.Pl.Fut.)

nṛśaṃsena ca vo yuktāṃs tyajeyaṃ śāśvatīḥ samāḥ kāle hi samanuprāpte tyaktavyam api jīvitam

Und, mit Schändlichkeit befleckt, würde ich euch für ewige Jahre verstoßen - denn wenn die Zeit wahrhaft herangekommen ist, muss selbst das Leben aufgegeben werden.“

Wort für Wort
nṛśaṃsena ca vo yuktāṃs
und mit Schändlichkeit befleckt, euch (Instr.Sg. + Konj. + Gen.Pl. + Akk.Pl.Part.)
tyajeyaṃ śāśvatīḥ samāḥ
würde ich verstoßen für ewige Jahre (1.Sg.Opt. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
kāle hi samanuprāpte
denn wenn die Zeit herangekommen ist (Lok.Sg. + Part. + Lok.Sg.Part.)
tyaktavyam api jīvitam
muss selbst das Leben aufgegeben werden (Nom.Sg.Ger. + Part. + Nom.Sg.)

[Anm.: Abschluss der Botschaft an Bhīma/Arjuna aus V.074-075 (CQ schließt hier).]

mādrīputrau ca vaktavyau kṣatradharmaratau sadā vikrameṇārjitān bhogān vṛṇītaṃ jīvitād api

Und den beiden Söhnen Mādrīs, die stets dem Kṣatriya-Dharma zugetan sind, ist zu sagen: „Wählt die durch Tatkraft errungenen Genüsse, sogar über das Leben hinaus!“

Wort für Wort
mādrīputrau ca vaktavyau
und den beiden Söhnen Mādrīs ist zu sagen (Nom.Du. + Konj. + Nom.Du.Ger.)
kṣatradharmaratau sadā
die stets dem Kṣatriya-Dharma zugetan sind (Nom.Du. + Adv.)
vikrameṇārjitān bhogān
die durch Tatkraft errungenen Genüsse (Instr.Sg. + Akk.Pl.Part. + Akk.Pl.)
vṛṇītaṃ jīvitād api
wählt, sogar über das Leben hinaus (2.Du.Imp. + Abl.Sg. + Part.)

[Anm.: Botschaft an Nakula und Sahadeva.]

vikramādhigatā hy arthāḥ kṣatradharmeṇa jīvataḥ mano manuṣyasya sadā prīṇanti puruṣottama

Denn durch Tatkraft erlangte Güter erfreuen, für den, der nach Kṣatriya-Dharma lebt, stets das Herz eines Menschen, o Bester der Männer.

Wort für Wort
vikramādhigatā hy arthāḥ
denn durch Tatkraft erlangte Güter (Nom.Pl. + Part. + Nom.Pl.)
kṣatradharmeṇa jīvataḥ
für den, der nach Kṣatriya-Dharma lebt (Instr.Sg. + Gen.Sg.Part.)
mano manuṣyasya sadā
das Herz eines Menschen, stets (Akk.Sg. + Gen.Sg. + Adv.)
prīṇanti puruṣottama
erfreuen, o Bester der Männer (3.Pl.Präs. + Vok.Sg.)

[Anm.: Kuntīs eigene, verallgemeinernde Reflexion an Kṛṣṇa gerichtet (Vokativ 'puruṣottama') - SQ, nicht Teil der Botschaft.]

gatvā brūhi mahābāho sarvaśastrabhṛtāṃ varam arjunaṃ pāṇḍavaṃ vīraṃ draupadyāḥ padavīṃ cara

Und, dorthin gegangen, sag, o Starkarmiger, dem Besten aller Waffenträger, Arjuna, dem Pāṇḍava-Helden: „Folge Draupadīs Pfad!“

Wort für Wort
gatvā brūhi mahābāho
dorthin gegangen, sag, o Starkarmiger (Absolutiv + 2.Sg.Imp. + Vok.Sg.)
sarvaśastrabhṛtāṃ varam
dem Besten aller Waffenträger (Gen.Pl. + Akk.Sg.)
arjunaṃ pāṇḍavaṃ vīraṃ
Arjuna, dem Pāṇḍava-Helden (Akk.Sg. x3)
draupadyāḥ padavīṃ cara
folge Draupadīs Pfad (Gen.Sg. + Akk.Sg. + 2.Sg.Imp.)

[Anm.: Botschaft an Arjuna, hier auf den knappen Kernsatz beschränkt; Kuntīs anschließende Ausführungen V.080-088 werden als ihre eigene, an Kṛṣṇa gerichtete Erläuterung gedeutet (SQ, nicht Fortsetzung des CQ), da V.080 mit 'tava' (dein Wissen, Kṛṣṇa) explizit Kṛṣṇa anspricht.]

viditau hi tavātyantaṃ kruddhāv iva yathāntakau bhīmārjunau nayetāṃ hi devān api parāṃ gatim

Denn dir ist völlig bekannt, wie Bhīma und Arjuna, erzürnt wie zwei Todesgötter, sogar die Götter zum höchsten Ende führen könnten -

Wort für Wort
viditau hi tava atyantaṃ
denn dir völlig bekannt (Nom.Du. + Part. + Gen.Sg. + Adv.)
kruddhāv iva yathā antakau
erzürnt, wie zwei Todesgötter (Nom.Du. + Part. + Adv. + Nom.Du.)
bhīmārjunau nayetāṃ hi
Bhīma und Arjuna könnten führen, denn (Nom.Du. + 3.Du.Opt. + Part.)
devān api parāṃ gatim
sogar die Götter zum höchsten Ende (Akk.Pl. + Part. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)

[Anm.: 'tava' (dein) zeigt klar, dass Kuntī hier wieder direkt zu Kṛṣṇa spricht, nicht mehr die Botschaft an Arjuna fortsetzt.]

tayoś caitad avajñānaṃ yat sā kṛṣṇā sabhāṃ gatā duḥśāsanaś ca karṇaś ca paruṣāṇy abhyabhāṣatām

Und dies ist eine Verachtung der beiden, dass jene Kṛṣṇā [Draupadī] zur Versammlung geführt wurde und Duḥśāsana und Karṇa harte Worte sprachen -

Wort für Wort
tayoḥ ca etat avajñānaṃ
und dies ist eine Verachtung der beiden (Gen.Du. + Konj. + Pron. + Nom.Sg.)
yat sā kṛṣṇā sabhāṃ gatā
dass jene Kṛṣṇā zur Versammlung geführt wurde (Konj. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Akk.Sg. + Nom.Sg.Part.)
duḥśāsanaś ca karṇaś ca
und Duḥśāsana und Karṇa (Nom.Sg. x2 + Konj. x2)
paruṣāṇy abhyabhāṣatām
harte Worte sprachen (Akk.Pl. + 3.Du.Impf.)

duryodhano bhīmasenam abhyagacchan manasvinam paśyatāṃ kurumukhyānāṃ tasya drakṣyati yat phalam

Duryodhana trat dem hochgesinnten Bhīmasena entgegen, vor den Augen der Kuru-Fürsten - er wird die Frucht dessen sehen -

Wort für Wort
duryodhano bhīmasenam
Duryodhana dem Bhīmasena (Nom.Sg. + Akk.Sg.)
abhyagacchan manasvinam
trat entgegen, dem Hochgesinnten (3.Sg.Impf. + Akk.Sg.)
paśyatāṃ kurumukhyānāṃ
vor den Augen der Kuru-Fürsten (Gen.Pl.Part. + Gen.Pl.)
tasya drakṣyati yat phalam
er wird die Frucht dessen sehen (Gen.Sg. + 3.Sg.Fut. + Rel. + Akk.Sg.)

na hi vairaṃ samāsādya praśāmyati vṛkodaraḥ sucirād api bhīmasya na hi vairaṃ praśāmyati yāvadantaṃ na nayati śātravāñ śatrukarśanaḥ

Denn hat Vṛkodara einmal Feindschaft gefasst, so besänftigt er sich nicht - auch nach sehr langer Zeit besänftigt sich Bhīmas Feindschaft nicht, bevor er, der Feindebezwinger, die Feinde zu ihrem Ende geführt hat.

Wort für Wort
na hi vairaṃ samāsādya
denn hat er Feindschaft gefasst, nicht (Neg. + Part. + Akk.Sg. + Absolutiv)
praśāmyati vṛkodaraḥ
besänftigt sich Vṛkodara (3.Sg.Präs. + Nom.Sg.)
sucirād api bhīmasya
auch nach sehr langer Zeit, Bhīmas (Abl.Sg. + Part. + Gen.Sg.)
na hi vairaṃ praśāmyati
besänftigt sich die Feindschaft nicht (Neg. + Part. + Akk.Sg. + 3.Sg.Präs.)
yāvadantaṃ na nayati
bevor er nicht zum Ende geführt hat (Adv. + Akk.Sg. + Neg. + 3.Sg.Präs.)
śātravāñ śatrukarśanaḥ
die Feinde, der Feindebezwinger (Akk.Pl. + Nom.Sg.)

na duḥkhaṃ rājyaharaṇaṃ na ca dyūte parājayaḥ pravrājanaṃ ca putrāṇāṃ na me tad duḥkhakāraṇam

Nicht der Raub des Königreichs ist Leid, noch die Niederlage im Würfelspiel, noch die Verbannung meiner Söhne - das ist nicht die Ursache meines Leids -

Wort für Wort
na duḥkhaṃ rājyaharaṇaṃ
nicht Leid ist der Raub des Königreichs (Neg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
na ca dyūte parājayaḥ
noch die Niederlage im Würfelspiel (Neg. + Konj. + Lok.Sg. + Nom.Sg.)
pravrājanaṃ ca putrāṇāṃ
noch die Verbannung der Söhne (Nom.Sg. + Konj. + Gen.Pl.)
na me tad duḥkhakāraṇam
das ist nicht die Ursache meines Leids (Neg. + Gen.Sg. + Pron. + Nom.Sg.)

yat tu sā bṛhatī śyāmā ekavastrā sabhāṃ gatā aśṛṇot paruṣā vācas tato duḥkhataraṃ nu kim

Aber dass jene Große, Dunkelhäutige, mit einem einzigen Gewand zur Versammlung geführt wurde und harte Worte hören musste - was könnte größeres Leid sein als das?

Wort für Wort
yat tu sā bṛhatī śyāmā
aber dass jene Große, Dunkelhäutige (Konj. + Part. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
ekavastrā sabhāṃ gatā
mit einem einzigen Gewand zur Versammlung geführt (Nom.Sg. Bahuvrīhi + Akk.Sg. + Nom.Sg.Part.)
aśṛṇot paruṣā vācas
harte Worte hören musste (3.Sg.Impf. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
tato duḥkhataraṃ nu kim
was könnte größeres Leid sein als das (Adv. + Nom.Sg.Komp. + Part. + Frage-Pron.)

strīdharmiṇī varārohā kṣatradharmaratā sadā nādhyagacchat tathā nāthaṃ kṛṣṇā nāthavatī satī

Sie, dem Frauen-Dharma folgend, von schönem Wuchs, stets dem Kṣatriya-Dharma zugetan - dennoch fand Kṛṣṇā, obwohl sie Beschützer hatte, keinen Beschützer -

Wort für Wort
strīdharmiṇī varārohā
dem Frauen-Dharma folgend, von schönem Wuchs (Nom.Sg. x2)
kṣatradharmaratā sadā
stets dem Kṣatriya-Dharma zugetan (Nom.Sg. + Adv.)
na adhyagacchat tathā nāthaṃ
dennoch fand sie keinen Beschützer (Neg. + 3.Sg.Impf. + Adv. + Akk.Sg.)
kṛṣṇā nāthavatī satī
Kṛṣṇā, obwohl sie einen Beschützer hatte, seiend (Nom.Sg. + Nom.Sg. Bahuvrīhi + Nom.Sg.Part.)

yasyā mama saputrāyās tvaṃ nātho madhusūdana rāmaś ca balināṃ śreṣṭhaḥ pradyumnaś ca mahārathaḥ

deren, meiner samt Söhnen, Beschützer du bist, o Madhusūdana, und Rāma, der Beste der Starken, und Pradyumna, der große Wagenkämpfer -

Wort für Wort
yasyā mama saputrāyās
deren, meiner samt Söhnen (Gen.Sg. + Gen.Sg. + Gen.Sg. Bahuvrīhi)
tvaṃ nātho madhusūdana
du, der Beschützer, o Madhusūdana (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Vok.Sg.)
rāmaś ca balināṃ śreṣṭhaḥ
und Rāma, der Beste der Starken (Nom.Sg. + Konj. + Gen.Pl. + Nom.Sg.)
pradyumnaś ca mahārathaḥ
und Pradyumna, der große Wagenkämpfer (Nom.Sg. + Konj. + Nom.Sg.)

sāham evaṃvidhaṃ duḥkhaṃ sahe 'dya puruṣottama bhīme jīvati durdharṣe vijaye cāpalāyini

Ich ertrage ein solches Leid noch heute, o Bester der Männer, während Bhīma, der Unbezwingbare, lebt, und Vijaya [Arjuna], der niemals Flüchtende!

Wort für Wort
sā ahaṃ evaṃvidhaṃ duḥkhaṃ
ich ein solches Leid (Pron. + Nom.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
sahe adya puruṣottama
ertrage noch heute, o Bester der Männer (1.Sg.Präs.Med. + Adv. + Vok.Sg.)
bhīme jīvati durdharṣe
während Bhīma, der Unbezwingbare, lebt (Lok.Sg. + Lok.Sg.Part. + Lok.Sg.)
vijaye ca apalāyini
und Vijaya, der niemals Flüchtende (Lok.Sg. + Konj. + Lok.Sg.)

[Anm.: Abschluss von Kuntīs großer Klagerede - sie betont das Unerträgliche daran, dass dieses Leid trotz der Kraft ihrer Söhne fortbesteht.]

tata āśvāsayām āsa putrādhibhir abhiplutām pitṛṣvasāraṃ śocantīṃ śauriḥ pārthasakhaḥ pṛthām

‘Darauf tröstete Śauri, der Freund der Pārthas, seine Vatersschwester Pṛthā, überwältigt von Sorge um ihre Söhne, trauernd.

Wort für Wort
tataḥ āśvāsayām āsa
darauf tröstete er (Adv. + 3.Sg.Perf.periphr.)
putrādhibhir abhiplutām
überwältigt von Sorge um die Söhne (Instr.Pl. + Akk.Sg.Pass.Part.)
pitṛṣvasāraṃ śocantīṃ
seine Vatersschwester, trauernd (Akk.Sg. + Akk.Sg.Part.)
śauriḥ pārthasakhaḥ pṛthām
Śauri, der Freund der Pārthas, Pṛthā (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Akk.Sg.)

[Anm.: Kuntīs Rede endet hier - SQ schließt (Tiefe 0); reine Erzählung übernimmt.]

kā nu sīmantinī tvādṛg lokeṣv asti pitṛṣvasaḥ śūrasya rājño duhitā ājamīḍhakulaṃ gatā

‚Welche Frau, dir gleich, gibt es wohl in den Welten, o Vatersschwester - die Tochter des Königs Śūra, in das Geschlecht der Ājamīḍhas eingegangen,

Wort für Wort
kā nu sīmantinī tvādṛk
welche Frau wohl, dir gleich (Frage-Pron. + Part. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
lokeṣu asti pitṛṣvasaḥ
gibt es in den Welten, o Vatersschwester (Lok.Pl. + 3.Sg.Präs. + Vok.Sg.)
śūrasya rājño duhitā
die Tochter des Königs Śūra (Gen.Sg. + Gen.Sg. + Nom.Sg.)
ājamīḍhakulaṃ gatā
in das Geschlecht der Ājamīḍhas eingegangen (Akk.Sg. + Nom.Sg.Part.)

[Anm.: Kṛṣṇas tröstende Antwortrede beginnt hier - SQ schließt Kuntīs Rede und öffnet erneut im selben Vers V.089/090-Übergang; da V.089 reine Erzählung ohne Zitatinhalt ist, öffnet SQ erst hier in V.090, wo der tatsächliche Redeinhalt beginnt.]

mahākulīnā bhavatī hradād dhradam ivāgatā īśvarī sarvakalyāṇī bhartrā paramapūjitā

du, von großer Herkunft, wie von einem See zu einem anderen See gekommen, Herrin, allgütig, von deinem Gatten höchst verehrt,

Wort für Wort
mahākulīnā bhavatī
du, von großer Herkunft (Nom.Sg. x2)
hradād hradam iva āgatā
wie von einem See zu einem anderen gekommen (Abl.Sg. + Akk.Sg. + Part. + Nom.Sg.Part.)
īśvarī sarvakalyāṇī
Herrin, allgütig (Nom.Sg. x2)
bhartrā paramapūjitā
von deinem Gatten höchst verehrt (Instr.Sg. + Nom.Sg.Pass.Part.)

vīrasūr vīrapatnī ca sarvaiḥ samuditā guṇaiḥ sukhaduḥkhe mahāprājñe tvādṛśī soḍhum arhati

Mutter von Helden und Gattin von Helden, mit allen Tugenden ausgestattet - in Glück und Leid, o Hochweise, ziemt es sich für eine wie dich, standzuhalten.

Wort für Wort
vīrasūr vīrapatnī ca
Mutter von Helden und Gattin von Helden (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Konj.)
sarvaiḥ samuditā guṇaiḥ
mit allen Tugenden ausgestattet (Instr.Pl. + Nom.Sg. + Instr.Pl.)
sukhaduḥkhe mahāprājñe
in Glück und Leid, o Hochweise (Lok.Sg. + Vok.Sg.)
tvādṛśī soḍhum arhati
es ziemt sich für eine wie dich, standzuhalten (Nom.Sg. + Infinitiv + 3.Sg.Präs.)

nidrātandrī krodhaharṣau kṣutpipāse himātapau etāni pārthā nirjitya nityaṃ vīrāḥ sukhe ratāḥ

Schlaf und Trägheit, Zorn und Freude, Hunger und Durst, Kälte und Hitze - diese alle besiegend, sind die Pārthas stets Helden, dem Glück zugetan.

Wort für Wort
nidrātandrī krodhaharṣau
Schlaf und Trägheit, Zorn und Freude (Akk.Du. x2)
kṣutpipāse himātapau
Hunger und Durst, Kälte und Hitze (Akk.Du. x2)
etāni pārthā nirjitya
diese besiegend, die Pārthas (Akk.Pl. + Nom.Pl. + Absolutiv)
nityaṃ vīrāḥ sukhe ratāḥ
stets Helden, dem Glück zugetan (Adv. + Nom.Pl. + Lok.Sg. + Nom.Pl.)

tyaktagrāmyasukhāḥ pārthā nityaṃ vīrasukhapriyāḥ na te svalpena tuṣyeyur mahotsāhā mahābalāḥ

Die Pārthas, die das dörfliche [gewöhnliche] Glück aufgegeben haben, stets dem Heldenglück zugetan - sie, von großem Eifer, großer Stärke, geben sich nicht mit Geringem zufrieden.

Wort für Wort
tyaktagrāmyasukhāḥ pārthā
die das gewöhnliche Glück aufgegeben haben, die Pārthas (Nom.Pl. Bahuvrīhi + Nom.Pl.)
nityaṃ vīrasukhapriyāḥ
stets dem Heldenglück zugetan (Adv. + Nom.Pl. Bahuvrīhi)
na te svalpena tuṣyeyur
sie geben sich nicht mit Geringem zufrieden (Neg. + Nom.Pl. + Instr.Sg. + 3.Pl.Opt.)
mahotsāhā mahābalāḥ
von großem Eifer, großer Stärke (Nom.Pl. x2 Bahuvrīhi)

antaṃ dhīrā niṣevante madhyaṃ grāmyasukhapriyāḥ uttamāṃś ca parikleśān bhogāṃś cātīva mānuṣān

Das Äußerste suchen die Standhaften, das Mittlere die dem dörflichen Glück Zugetanen - die höchsten Mühen und die allermenschlichsten Genüsse -

Wort für Wort
antaṃ dhīrā niṣevante
das Äußerste suchen die Standhaften (Akk.Sg. + Nom.Pl. + 3.Pl.Präs.Med.)
madhyaṃ grāmyasukhapriyāḥ
das Mittlere, die dem dörflichen Glück Zugetanen (Akk.Sg. + Nom.Pl. Bahuvrīhi)
uttamāṃś ca parikleśān
und die höchsten Mühen (Akk.Pl. + Konj. + Akk.Pl.)
bhogāṃś ca atīva mānuṣān
und die allermenschlichsten Genüsse (Akk.Pl. + Konj. + Adv. + Akk.Pl.)

anteṣu remire dhīrā na te madhyeṣu remire antaprāptiṃ sukhām āhur duḥkham antaram antayoḥ

An den Extremen erfreuten sich die Standhaften, nicht erfreuten sie sich am Mittleren - das Erreichen des Äußersten nennen sie beglückend, leidvoll das, was zwischen den beiden Extremen liegt.

Wort für Wort
anteṣu remire dhīrā
an den Extremen erfreuten sich die Standhaften (Lok.Pl. + 3.Pl.Perf.Med. + Nom.Pl.)
na te madhyeṣu remire
nicht erfreuten sie sich am Mittleren (Neg. + Nom.Pl. + Lok.Pl. + 3.Pl.Perf.Med.)
antaprāptiṃ sukhām āhur
das Erreichen des Äußersten nennen sie beglückend (Akk.Sg. + Akk.Sg. + 3.Pl.Perf.)
duḥkham antaram antayoḥ
leidvoll das, was zwischen den Extremen liegt (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Lok.Du.)

abhivādayanti bhavatīṃ pāṇḍavāḥ saha kṛṣṇayā ātmānaṃ ca kuśalinaṃ nivedyāhur anāmayam

Die Pāṇḍavas grüßen dich ehrerbietig, zusammen mit Kṛṣṇā [Draupadī], und, ihr eigenes Wohlergehen mitteilend, sagen sie, dass sie gesund sind -

Wort für Wort
abhivādayanti bhavatīṃ
sie grüßen dich ehrerbietig (3.Pl.Präs. + Akk.Sg.)
pāṇḍavāḥ saha kṛṣṇayā
die Pāṇḍavas, zusammen mit Kṛṣṇā (Nom.Pl. + Postposition + Instr.Sg.)
ātmānaṃ ca kuśalinaṃ
und ihr eigenes Wohlergehen (Akk.Sg. + Konj. + Akk.Sg.)
nivedyāhur anāmayam
mitteilend, sagen sie, dass sie gesund sind (Absolutiv + 3.Pl.Perf. + Akk.Sg.)

arogān sarvasiddhārthān kṣipraṃ drakṣyasi pāṇḍavān īśvarān sarvalokasya hatāmitrāñ śriyā vṛtān

gesund, alle ihre Ziele erreicht, wirst du die Pāṇḍavas bald sehen, als Herrscher der ganzen Welt, ihre Feinde vernichtet, von Glanz umgeben.‘

Wort für Wort
arogān sarvasiddhārthān
gesund, alle ihre Ziele erreicht habend (Akk.Pl. x2 Bahuvrīhi)
kṣipraṃ drakṣyasi pāṇḍavān
bald wirst du die Pāṇḍavas sehen (Adv. + 2.Sg.Fut. + Akk.Pl.)
īśvarān sarvalokasya
als Herrscher der ganzen Welt (Akk.Pl. + Gen.Sg.)
hatāmitrāñ śriyā vṛtān
ihre Feinde vernichtet, von Glanz umgeben (Akk.Pl. Bahuvrīhi + Instr.Sg. + Akk.Pl.Part.)

[Anm.: Ende von Kṛṣṇas tröstender Antwortrede - SQ schließt hier.]

evam āśvāsitā kuntī pratyuvāca janārdanam putrādhibhir abhidhvastā nigṛhyābuddhijaṃ tamaḥ

So getröstet, erwiderte Kuntī, obwohl von Sorge um ihre Söhne erschüttert, das Dunkel der Unweisheit bezähmend, dem Janārdana -

Wort für Wort
evam āśvāsitā kuntī
so getröstet, Kuntī (Adv. + Nom.Sg.Pass.Part. + Nom.Sg.)
pratyuvāca janārdanam
erwiderte dem Janārdana (3.Sg.Perf. + Akk.Sg.)
putrādhibhir abhidhvastā
von Sorge um die Söhne erschüttert (Instr.Pl. + Nom.Sg.Pass.Part.)
nigṛhyābuddhijaṃ tamaḥ
das Dunkel der Unweisheit bezähmend (Absolutiv + Akk.Sg. + Akk.Sg.)

[Anm.: Kṛṣṇas Rede endet hier - SQ schließt.]

yad yat teṣāṃ mahābāho pathyaṃ syān madhusūdana yathā yathā tvaṃ manyethāḥ kuryāḥ kṛṣṇa tathā tathā

‚Was immer, o Starkarmiger, ihnen zuträglich sein möge, o Madhusūdana - wie immer du es für richtig hältst, so handle, o Kṛṣṇa.

Wort für Wort
yad yat teṣāṃ mahābāho
was immer ihnen, o Starkarmiger (Rel. + Rel. + Gen.Pl. + Vok.Sg.)
pathyaṃ syān madhusūdana
zuträglich sein möge, o Madhusūdana (Nom.Sg. + 3.Sg.Opt. + Vok.Sg.)
yathā yathā tvaṃ manyethāḥ
wie immer du es für richtig hältst (Adv. + Adv. + Nom.Sg. + 2.Sg.Opt.Med.)
kuryāḥ kṛṣṇa tathā tathā
so handle, o Kṛṣṇa, ebenso (2.Sg.Opt. + Vok.Sg. + Adv. + Adv.)

[Anm.: Kuntīs kurze, gefasste Erwiderung - SQ öffnet erneut.]

avilopena dharmasya anikṛtyā paraṃtapa prabhāvajñāsmi te kṛṣṇa satyasyābhijanasya ca

ohne Verletzung des Dharma, ohne Betrug, o Feindebezwinger - ich kenne deine Macht, o Kṛṣṇa, und die der Wahrheit und der edlen Herkunft,

Wort für Wort
avilopena dharmasya
ohne Verletzung des Dharma (Instr.Sg. + Gen.Sg.)
anikṛtyā paraṃtapa
ohne Betrug, o Feindebezwinger (Instr.Sg. + Vok.Sg.)
prabhāvajñā asmi te kṛṣṇa
ich kenne deine Macht, o Kṛṣṇa (Nom.Sg. + 1.Sg.Präs. + Gen.Sg. + Vok.Sg.)
satyasya abhijanasya ca
und der Wahrheit und der edlen Herkunft (Gen.Sg. + Gen.Sg. + Konj.)

vyavasthāyāṃ ca mitreṣu buddhivikramayos tathā tvam eva naḥ kule dharmas tvaṃ satyaṃ tvaṃ tapo mahat

und der Beständigkeit gegenüber Freunden, ebenso der Klugheit und Tatkraft - du allein bist für uns in unserem Geschlecht der Dharma, du die Wahrheit, du die große Askese,

Wort für Wort
vyavasthāyāṃ ca mitreṣu
und der Beständigkeit gegenüber Freunden (Lok.Sg. + Konj. + Lok.Pl.)
buddhivikramayos tathā
ebenso der Klugheit und Tatkraft (Gen.Du. + Adv.)
tvam eva naḥ kule dharmas
du allein bist für uns in unserem Geschlecht der Dharma (Nom.Sg. + Part. + Gen.Pl. + Lok.Sg. + Nom.Sg.)
tvaṃ satyaṃ tvaṃ tapo mahat
du die Wahrheit, du die große Askese (Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)

tvaṃ trātā tvaṃ mahad brahma tvayi sarvaṃ pratiṣṭhitam yathaivāttha tathaivaitat tvayi satyaṃ bhaviṣyati

du der Retter, du das große Brahman - in dir ist alles gegründet; wie du es eben gesagt hast, ebenso wird sich dies in dir als Wahrheit erweisen.‘

Wort für Wort
tvaṃ trātā tvaṃ mahad brahma
du der Retter, du das große Brahman (Nom.Sg. x5)
tvayi sarvaṃ pratiṣṭhitam
in dir ist alles gegründet (Lok.Sg. + Nom.Sg. + Nom.Sg.Pass.Part.)
yathā eva āttha tathā eva etat
wie du eben gesagt hast, ebenso dies (Adv. + Part. + 2.Sg.Perf. + Adv. + Part. + Pron.)
tvayi satyaṃ bhaviṣyati
wird sich in dir als Wahrheit erweisen (Lok.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Fut.)

[Anm.: Ende von Kuntīs Erwiderung - SQ schließt hier.]

tām āmantrya ca govindaḥ kṛtvā cābhipradakṣiṇam prātiṣṭhata mahābāhur duryodhanagṛhān prati

Und nachdem er sich von ihr verabschiedet und die Umschreitung von rechts nach links vollzogen hatte, brach Govinda, der Starkarmige, zum Haus Duryodhanas auf.

Wort für Wort
tām āmantrya ca govindaḥ
und nachdem er sich von ihr verabschiedet hatte, Govinda (Akk.Sg. + Absolutiv + Konj. + Nom.Sg.)
kṛtvā ca abhipradakṣiṇam
und die Umschreitung vollzogen habend (Absolutiv + Konj. + Akk.Sg.)
prātiṣṭhata mahābāhur
brach auf, der Starkarmige (3.Sg.Impf.Med. + Nom.Sg.)
duryodhanagṛhān prati
zum Haus Duryodhanas hin (Akk.Sg. + Postposition)

[Anm.: reine Schluss-Erzählung - Rahmenerzählung kehrt zur Grundebene zurück, SQ endgültig auf Tiefe 0.]

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