König Yayāti, gerührt vom Anblick Garuḍas und Gālavas und von deren lobenswertem Anliegen, erklärt, sein Vermögen sei zwar geschwunden, doch könne er die Bitte nicht abschlagen - nichts sei sündhafter, als eine Hoffnung zu wecken und dann zu enttäuschen. Er bietet stattdessen seine schöne, von Göttern und Menschen begehrte Tochter Mādhavī an: gegen sie würden Könige sogar ein Königreich als Brautpreis geben, geschweige denn 800 Pferde - und er selbst erhofft sich einen Tochtersohn. Gālava nimmt Mādhavī an; Garuḍa verabschiedet sich, da sein Werk getan ist, und kehrt heim. Gālava zieht mit Mādhavī weiter und sucht den Ikṣvāku-König Haryaśva von Ayodhyā auf, dem er Mādhavī als Braut gegen den Brautpreis anbietet.
Yayāti, der Vollzieher tausender Opfer, der Geber, Herr der Gaben, der Gebieter über Vatsa und Kāśi [?], sprach dieses Wort.
Wort für Wort
yaṣṭā kratusahasrāṇāṃ dātā dānapatiḥ prabhuḥ
der Vollzieher tausender Opfer, der Geber, Herr der Gaben, der Gebieter (Nom. + Gen. Pl. + Nom. + Nom. + Nom.)
yayātiḥ vatsakāśīśaḥ idaṃ vacanam abravīt
Yayāti, der Gebieter über Vatsa und Kāśi, sprach dieses Wort (Nom. + Nom. + Akk. + Akk. + 3. Sg. Ipf.)
[Anm.: ,vatsakāśīśa' ist unklar - möglicherweise ein Epitheton Yayātis als Herrscher über die Länder Vatsa und Kāśi, hier vorsichtig so wiedergegeben.]
dṛṣṭvā priyasakhaṃ tārkṣyaṃ gālavaṃ ca dvijarṣabham nidarśanaṃ ca tapaso bhikṣāṃ ślāghyāṃ ca kīrtitām
Nachdem er seinen lieben Freund Tārkṣya und Gālava, den Bullen der Zweimalgeborenen - ein Musterbeispiel der Askese - erblickt und die lobenswerte, verkündete Bitte vernommen hatte,
Wort für Wort
dṛṣṭvā priyasakhaṃ tārkṣyaṃ gālavaṃ ca dvijarṣabham
nachdem er seinen lieben Freund Tārkṣya und Gālava, den Bullen der Zweimalgeborenen, erblickt hatte (Ger. + Akk., Bahuvrīhi + Akk. + Akk. + Partikel + Akk.)
nidarśanaṃ ca tapasaḥ bhikṣāṃ ślāghyāṃ ca kīrtitām
ein Musterbeispiel der Askese, und die lobenswerte, verkündete Bitte (Akk. + Partikel + Gen. + Akk. + Akk. + Partikel + Akk. Sg. Ppp.)
adya me saphalaṃ janma tāritaṃ cādya me kulam adyāyaṃ tārito deśo mama tārkṣya tvayānagha
„Heute ist meine Geburt fruchtbar geworden, und heute ist mein Geschlecht gerettet; heute ist dieses mein Land gerettet, durch dich, o Tārkṣya, o Sündloser.
Wort für Wort
adya me saphalaṃ janma tāritaṃ ca adya me kulam
heute ist meine Geburt fruchtbar geworden, und heute ist mein Geschlecht gerettet (Adv. + Gen. + Nom. + Nom. + Nom. Sg. Ppp. + Partikel + Adv. + Gen. + Nom.)
adya ayaṃ tāritaḥ deśaḥ mama tārkṣya tvayā anagha
heute ist dieses mein Land gerettet, durch dich, o Tārkṣya, o Sündloser (Adv. + Nom. + Nom. Sg. Ppp. + Nom. + Gen. + Vok. + Instr. + Vok.)
vaktum icchāmi tu sakhe yathā jānāsi māṃ purā na tathā vittavān asmi kṣīṇaṃ vittaṃ hi me sakhe
Doch ich möchte dir sagen, Freund: So wie du mich einst kanntest, so vermögend bin ich nicht mehr; denn mein Vermögen ist geschwunden, Freund.
Wort für Wort
vaktum icchāmi tu sakhe yathā jānāsi māṃ purā
doch ich möchte dir sagen, Freund: so wie du mich einst kanntest (Inf. + 1. Sg. Präs. + Partikel + Vok. + Adv. + 2. Sg. Präs. + Akk. + Adv.)
na tathā vittavān asmi kṣīṇaṃ vittaṃ hi me sakhe
so vermögend bin ich nicht mehr; denn mein Vermögen ist geschwunden, Freund (Neg. + Adv. + Nom., Bahuvrīhi + 1. Sg. Präs. + Nom. Sg. Ppp. + Nom. + Partikel + Gen. + Vok.)
tat tu dāsyāmi yat kāryam idaṃ saṃpādayiṣyati abhigamya hatāśo hi nivṛtto dahate kulam
Doch ich werde jenes geben, das diese Aufgabe vollbringen wird; denn wer, nachdem er herangetreten ist, mit zerstörter Hoffnung umkehrt, verbrennt das Geschlecht des Verweigerers.
Wort für Wort
tat tu dāsyāmi yat kāryam idaṃ saṃpādayiṣyati
doch ich werde jenes geben, das diese Aufgabe vollbringen wird (Akk. + Partikel + 1. Sg. Fut. + Akk. + Akk. + Nom. + 3. Sg. Fut.)
abhigamya hatāśaḥ hi nivṛttaḥ dahate kulam
denn wer, herangetreten, mit zerstörter Hoffnung umkehrt, verbrennt das Geschlecht (Ger. + Nom. + Partikel + Nom. Sg. Ppp. + 3. Sg. Präs. Med. + Akk.)
Nichts Sündhafteres als dies wird genannt, o Sohn der Vinatā, als das Zunichtemachen einer Hoffnung in der Welt - etwa wenn man erst Gaben verspricht und dann erklärt, es sei nichts vorhanden.
Wort für Wort
na ataḥ param vainateya kiṃcit pāpiṣṭham ucyate
nichts Sündhafteres als dies wird genannt, o Sohn der Vinatā (Neg. + Adv. + Adv. + Vok. + Nom. + Nom. Superlativ + 3. Sg. Präs. Pass.)
yathā āśānāśanaṃ loke dehi na asti iti vā vacaḥ
als das Zunichtemachen einer Hoffnung in der Welt - etwa die Worte ,gib' - ,es ist nicht vorhanden' (Adv. + Akk. + Lok. + Imperativ + Neg. + 3. Sg. Präs. + Partikel + Partikel + Akk.)
[Anm.: dritte Zitatebene vermieden - das sprichwörtliche Beispiel (,gib' - ,es ist nicht vorhanden') wird hier umschreibend wiedergegeben, um keine dritte Zitatebene innerhalb von Yayātis Rede zu bilden.]
hatāśo hy akṛtārthaḥ san hataḥ saṃbhāvito naraḥ hinasti tasya putrāṃś ca pautrāṃś cākurvato 'rthinām
Denn ein Mann mit zerstörter Hoffnung, unerfüllt, getroffen, obgleich geachtet, vernichtet die Söhne und Enkel dessen, der, obwohl er als Bittsteller kam, nichts für ihn tut.
Wort für Wort
hatāśaḥ hi akṛtārthaḥ san hataḥ saṃbhāvitaḥ naraḥ
denn ein Mann mit zerstörter Hoffnung, unerfüllt, getroffen, obgleich geachtet (Nom., Bahuvrīhi + Partikel + Nom. + Nom. Sg. Part. Präs. + Nom. Sg. Ppp. + Nom. Sg. Ppp. + Nom.)
hinasti tasya putrān ca pautrān ca akurvataḥ arthinām
vernichtet die Söhne und Enkel dessen, der, als Bittsteller kommend, nichts tut (3. Sg. Präs. + Gen. + Akk. Pl. + Partikel + Akk. Pl. + Partikel + Gen. Sg. Part. Präs. + Gen. Pl.)
sadā devamanuṣyāṇām asurāṇāṃ ca gālava kāṅkṣitā rūpato bālā sutā me pratigṛhyatām
Stets von Göttern, Menschen und Asuras ihrer Schönheit wegen begehrt, o Gālava, obwohl noch jung - meine Tochter, möge sie angenommen werden.
Wort für Wort
sadā devamanuṣyāṇām asurāṇāṃ ca gālava
stets von Göttern, Menschen und Asuras, o Gālava (Adv. + Gen. Pl., Dvandva + Gen. Pl. + Partikel + Vok.)
kāṅkṣitā rūpataḥ bālā sutā me pratigṛhyatām
ihrer Schönheit wegen begehrt, obwohl noch jung - meine Tochter, möge sie angenommen werden (Nom. Sg. Ppp. + Adv. + Nom. + Nom. + Gen. + 3. Sg. Imp. Pass.)
„Dieser Weg zu den Pferden ist nun gefunden“, so sprach der Eigeborene, und nachdem er sich von Gālava verabschiedet hatte, ging er zu seiner eigenen Behausung.
Wort für Wort
upalabdham idam dvāram aśvānām iti ca aṇḍajaḥ
,dieser Weg zu den Pferden ist nun gefunden', so sprach der Eigeborene (Nom. Sg. Ppp. + Nom. + Nom. + Gen. Pl. + Partikel + Partikel + Nom.)
uktvā gālavam āpṛcchya jagāma bhavanaṃ svakam
und nachdem er sich von Gālava verabschiedet hatte, ging er zu seiner eigenen Behausung (Ger. + Akk. + Ger. + 3. Sg. Perf. + Akk. + Akk.)
gate patagarāje tu gālavaḥ saha kanyayā cintayānaḥ kṣamaṃ dāne rājñāṃ vai śulkato 'gamat
Als der Vogelkönig fortgegangen war, machte sich Gālava mit der Jungfrau auf den Weg, erwägend, welcher der Könige für den Brautpreis geeignet wäre.
Wort für Wort
gate patagarāje tu gālavaḥ saha kanyayā
als der Vogelkönig fortgegangen war, Gālava mit der Jungfrau (Lok. Sg. Ppp. + Lok. + Partikel + Nom. + Präp. + Instr.)
cintayānaḥ kṣamam dāne rājñām vai śulkataḥ agamat
erwägend, welcher der Könige für den Brautpreis geeignet wäre, machte er sich auf den Weg (Nom. Sg. Part. Präs. + Akk. + Lok. + Gen. Pl. + Partikel + Abl. + 3. Sg. Ipf.)
so 'gacchan manasekṣvākuṃ haryaśvaṃ rājasattamam ayodhyāyāṃ mahāvīryaṃ caturaṅgabalānvitam
In Gedanken wandte er sich dem Ikṣvāku-König Haryaśva zu, dem Besten der Könige, in Ayodhyā, von großer Tapferkeit, mit einem vierteiligen Heer ausgestattet.
kośadhānyabalopetaṃ priyapauraṃ dvijapriyam prajābhikāmaṃ śāmyantaṃ kurvāṇaṃ tapa uttamam
mit Schatz, Getreide und Heer versehen, seinen Bürgern lieb, den Brahmanen lieb, um das Wohl seiner Untertanen besorgt, friedvoll, höchste Askese übend.
Wort für Wort
kośadhānyabalopetam priyapauram dvijapriyam
mit Schatz, Getreide und Heer versehen, seinen Bürgern lieb, den Brahmanen lieb (Akk., Bahuvrīhi + Akk., Bahuvrīhi + Akk., Bahuvrīhi)
prajābhikāmam śāmyantam kurvāṇam tapaḥ uttamam
um das Wohl seiner Untertanen besorgt, friedvoll, höchste Askese übend (Akk., Bahuvrīhi + Akk. Sg. Part. Präs. + Akk. Sg. Part. Präs. + Akk. + Akk.)
tam upāgamya vipraḥ sa haryaśvaṃ gālavo 'bravīt kanyeyaṃ mama rājendra prasavaiḥ kulavardhinī
Nachdem er zu ihm getreten war, sprach jener Brahmane Gālava zu Haryaśva: „Dies ist meine Tochter, o Indra der Könige, die durch ihre Nachkommenschaft Geschlechter mehrt.
Wort für Wort
tam upāgamya vipraḥ saḥ haryaśvaṃ gālavaḥ abravīt
nachdem er zu ihm getreten war, sprach jener Brahmane Gālava zu Haryaśva (Akk. + Ger. + Nom. + Nom. + Akk. + Nom. + 3. Sg. Ipf.)
kanyā iyaṃ mama rājendra prasavaiḥ kulavardhinī
dies ist meine Tochter, o Indra der Könige, die durch ihre Nachkommenschaft Geschlechter mehrt (Nom. + Nom. + Gen. + Vok. + Instr. + Nom., Bahuvrīhi)