Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 26: Sainyoddyoga-parva (26) Yudhiṣṭhiras Antwort: Anklage gegen Dhṛtarāṣṭras Nachgiebigkeit und das Angebot von Indraprastha

Yudhiṣṭhira weist zurück, dass er kriegslüstern sei, und entfaltet eine Reihe philosophischer Reflexionen über Begierde, Reichtum und die Unmöglichkeit dauerhaften Friedens ohne Recht. Er klagt Dhṛtarāṣṭra an, seinen lasterhaften Sohn Duryodhana und dessen Ratgeber (Duḥśāsana, Śakuni, Karṇa) dem weisen, aber missachteten Vidura vorgezogen zu haben, und erinnert daran, dass schon beim Würfelspiel Viduras Rat hätte befolgt werden sollen. Er betont die militärische Überlegenheit der Pāṇḍavas (insbesondere Arjunas), macht aber dennoch, um des Friedens willen, das konkrete Angebot: Duryodhana möge ihm allein Indraprastha zurückgeben.

yudhiṣṭhira uvāca kāṃ nu vācaṃ saṃjaya me śṛṇoṣi; yuddhaiṣiṇīṃ yena yuddhād bibheṣi ayuddhaṃ vai tāta yuddhād garīyaḥ; kas tal labdhvā jātu yudhyeta sūta

Yudhiṣṭhira sprach: ‚Welches kriegslüsterne Wort hast du wohl von mir gehört, Sañjaya, dass du deswegen den Krieg fürchtest? Gewiss, mein Lieber, ist Nicht-Krieg besser als Krieg - wer würde, wenn er dies erlangt hat, jemals in den Krieg ziehen, Wagenlenker?

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca kāṃ nu vācaṃ saṃjaya me śṛṇoṣi; yuddhaiṣiṇīṃ yena yuddhād bibheṣi ayuddhaṃ vai tāta yuddhād garīyaḥ; kas tal labdhvā jātu yudhyeta sūta
Yudhiṣṭhira sprach: ‚Welches kriegslüsterne Wort hast du wohl von mir gehört, Sañjaya, dass du deswegen den Krieg fürchtest? Gewiss, mein Lieber, ist Nicht-Krieg besser als Krieg - wer würde, wenn er dies erlangt hat, jemals in den Krieg ziehen, Wagenlenker?

akurvataś cet puruṣasya saṃjaya; sidhyet saṃkalpo manasā yaṃ yam icchet na karma kuryād viditaṃ mamaitad; anyatra yuddhād bahu yal laghīyaḥ

Wenn sich, Sañjaya, für einen Menschen, der nichts tut, jeder Wunsch, den er sich im Geiste ersehnt, von selbst erfüllte, würde er keine Tat vollbringen - das ist mir wohlbekannt - es sei denn den Krieg, der weit leichter fiele als anderes Handeln [?].

Wort für Wort
akurvataś cet puruṣasya saṃjaya; sidhyet saṃkalpo manasā yaṃ yam icchet na karma kuryād viditaṃ mamaitad; anyatra yuddhād bahu yal laghīyaḥ
Wenn sich, Sañjaya, für einen Menschen, der nichts tut, jeder Wunsch, den er sich im Geiste ersehnt, von selbst erfüllte, würde er keine Tat vollbringen - das ist mir wohlbekannt - es sei denn den Krieg, der weit leichter fiele als anderes Handeln [?].

Die genaue Logik dieses gnomischen Verses (Untätigkeit vs. Kriegshandlung als 'leichteste' Handlung) bleibt im Deutschen schwer nachvollziehbar; sinngemäß: Handeln überhaupt, zumal Krieg, wäre nur nötig, wenn Wünsche sich nicht von selbst erfüllten.

kuto yuddhaṃ jātu naraḥ prajānan; ko daivaśapto 'bhivṛṇīta yuddham sukhaiṣiṇaḥ karma kurvanti pārthā; dharmād ahīnaṃ yac ca lokasya pathyam

Wie könnte je ein Mensch, der es weiß, den Krieg wählen? Welcher vom Schicksal Verfluchte würde den Krieg erwählen? Die Söhne Pṛthās, nach Glück strebend, verrichten nur Taten, die nicht vom Recht abweichen und die dem Wohl der Welt dienen.

Wort für Wort
kuto yuddhaṃ jātu naraḥ prajānan; ko daivaśapto 'bhivṛṇīta yuddham sukhaiṣiṇaḥ karma kurvanti pārthā; dharmād ahīnaṃ yac ca lokasya pathyam
Wie könnte je ein Mensch, der es weiß, den Krieg wählen? Welcher vom Schicksal Verfluchte würde den Krieg erwählen? Die Söhne Pṛthās, nach Glück strebend, verrichten nur Taten, die nicht vom Recht abweichen und die dem Wohl der Welt dienen.

karmodayaṃ sukham āśaṃsamānaḥ; kṛcchropāyaṃ tattvataḥ karma duḥkham sukhaprepsur vijighāṃsuś ca duḥkhaṃ; ya indriyāṇāṃ prītivaśānugāmī kāmābhidhyā svaśarīraṃ dunoti; yayā prayukto 'nukaroti duḥkham

Wer, auf Glück durch eigenes Handeln hoffend, dabei in Wahrheit ein mühevolles, leidvolles Mittel wählt - wer, nach Glück verlangend und doch Leid vernichten wollend, den Sinnesfreuden ergeben ist, quält durch Begierde seinen eigenen Körper, von der getrieben er dem Leid nacheifert [?].

Wort für Wort
karmodayaṃ sukham āśaṃsamānaḥ; kṛcchropāyaṃ tattvataḥ karma duḥkham sukhaprepsur vijighāṃsuś ca duḥkhaṃ; ya indriyāṇāṃ prītivaśānugāmī kāmābhidhyā svaśarīraṃ dunoti; yayā prayukto 'nukaroti duḥkham
Wer, auf Glück durch eigenes Handeln hoffend, dabei in Wahrheit ein mühevolles, leidvolles Mittel wählt - wer, nach Glück verlangend und doch Leid vernichten wollend, den Sinnesfreuden ergeben ist, quält durch Begierde seinen eigenen Körper, von der getrieben er dem Leid nacheifert [?].

Dichter, gnomischer Vers über das Wesen der Begierde als Ursache des Leids; die syntaktische Verschachtelung lässt mehrere Lesarten zu.

yathedhyamānasya samiddhatejaso; bhūyo balaṃ vardhate pāvakasya kāmārthalābhena tathaiva bhūyo; na tṛpyate sarpiṣevāgnir iddhaḥ saṃpaśyemaṃ bhogacayaṃ mahāntaṃ; sahāsmābhir dhṛtarāṣṭrasya rājñaḥ

So wie beim auflodernden, entzündeten Feuer die Kraft immer weiter wächst, so wird auch durch den Erwerb von Vergnügen und Reichtum die Begierde nicht gesättigt, wie ein mit Ghee entfachtes Feuer. Betrachtet nur diesen gewaltigen Reichtumshaufen des Königs Dhṛtarāṣṭra - auch unser Anteil ist darin enthalten.

Wort für Wort
yathedhyamānasya samiddhatejaso; bhūyo balaṃ vardhate pāvakasya kāmārthalābhena tathaiva bhūyo; na tṛpyate sarpiṣevāgnir iddhaḥ saṃpaśyemaṃ bhogacayaṃ mahāntaṃ; sahāsmābhir dhṛtarāṣṭrasya rājñaḥ
So wie beim auflodernden, entzündeten Feuer die Kraft immer weiter wächst, so wird auch durch den Erwerb von Vergnügen und Reichtum die Begierde nicht gesättigt, wie ein mit Ghee entfachtes Feuer. Betrachtet nur diesen gewaltigen Reichtumshaufen des Königs Dhṛtarāṣṭra - auch unser Anteil ist darin enthalten.

nāśreyasām īśvaro vigrahāṇāṃ; nāśreyasāṃ gītaśabdaṃ śṛṇoti nāśreyasaḥ sevate mālyagandhān; na cāpy aśreyāṃsy anulepanāni

Wer über unheilvolle Streitigkeiten herrscht, dem fehlt das Glück [?]; wer im Unheil lebt, hört keinen Gesang; wer im Unheil lebt, genießt keine Blumenkränze und Düfte, und auch keine wohlriechenden Salben.

Wort für Wort
nāśreyasām īśvaro vigrahāṇāṃ; nāśreyasāṃ gītaśabdaṃ śṛṇoti nāśreyasaḥ sevate mālyagandhān; na cāpy aśreyāṃsy anulepanāni
Wer über unheilvolle Streitigkeiten herrscht, dem fehlt das Glück [?]; wer im Unheil lebt, hört keinen Gesang; wer im Unheil lebt, genießt keine Blumenkränze und Düfte, und auch keine wohlriechenden Salben.

V.6-7 beschreiben in knapper, gnomischer Form, dass, wer sich in unheilvollen Streit verstrickt, der Lebensfreuden verlustig geht; die genaue syntaktische Verknüpfung der Satzglieder bleibt unsicher.

nāśreyasaḥ prāvarān adhyavaste; kathaṃ tv asmān saṃpraṇudet kurubhyaḥ atraiva ca syād avadhūya eṣa; kāmaḥ śarīre hṛdayaṃ dunoti

Wer im Unheil lebt, trägt keine feinen Umhänge; wie aber könnte er uns von den Kurus fernhalten? Gerade hierin liegt diese Begierde, die, wenn sie abgeschüttelt werden sollte, das Herz im Leibe quält.

Wort für Wort
nāśreyasaḥ prāvarān adhyavaste; kathaṃ tv asmān saṃpraṇudet kurubhyaḥ atraiva ca syād avadhūya eṣa; kāmaḥ śarīre hṛdayaṃ dunoti
Wer im Unheil lebt, trägt keine feinen Umhänge; wie aber könnte er uns von den Kurus fernhalten? Gerade hierin liegt diese Begierde, die, wenn sie abgeschüttelt werden sollte, das Herz im Leibe quält.

svayaṃ rājā viṣamasthaḥ pareṣu; sāmasthyam anvicchati tan na sādhu yathātmanaḥ paśyati vṛttam eva; tathā pareṣām api so 'bhyupaiti

Der König, der sich selbst unrecht verhält, verlangt von anderen Gleichmut - das ist nicht gut; wie er sein eigenes Verhalten betrachtet, ebenso sollte er auch das der anderen wohlwollend annehmen.

Wort für Wort
svayaṃ rājā viṣamasthaḥ pareṣu; sāmasthyam anvicchati tan na sādhu yathātmanaḥ paśyati vṛttam eva; tathā pareṣām api so 'bhyupaiti
Der König, der sich selbst unrecht verhält, verlangt von anderen Gleichmut - das ist nicht gut; wie er sein eigenes Verhalten betrachtet, ebenso sollte er auch das der anderen wohlwollend annehmen.

āsannam agniṃ tu nidāghakāle; gambhīrakakṣe gahane visṛjya yathā vṛddhaṃ vāyuvaśena śocet; kṣemaṃ mumukṣuḥ śiśiravyapāye

Wie einer, der in der heißen Jahreszeit ein Feuer in dichtem, tiefem Gestrüpp entfacht hat und es, vom Wind angefacht, zu einem großen Brand anwachsen lässt, dann erst Sicherheit erlangen will, wenn die kühle Jahreszeit vorüber ist - so [verhält sich Dhṛtarāṣṭra].

Wort für Wort
āsannam agniṃ tu nidāghakāle; gambhīrakakṣe gahane visṛjya yathā vṛddhaṃ vāyuvaśena śocet; kṣemaṃ mumukṣuḥ śiśiravyapāye
Wie einer, der in der heißen Jahreszeit ein Feuer in dichtem, tiefem Gestrüpp entfacht hat und es, vom Wind angefacht, zu einem großen Brand anwachsen lässt, dann erst Sicherheit erlangen will, wenn die kühle Jahreszeit vorüber ist - so [verhält sich Dhṛtarāṣṭra].

Gleichnis: Dhṛtarāṣṭra hat den Konflikt selbst schwelen und wachsen lassen und wünscht sich erst jetzt, zu spät, Frieden.

prāptaiśvaryo dhṛtarāṣṭro 'dya rājā; lālapyate saṃjaya kasya hetoḥ pragṛhya durbuddhim anārjave rataṃ; putraṃ mandaṃ mūḍham amantriṇaṃ tu

König Dhṛtarāṣṭra, der die Herrschaft erlangt hat, klagt heute, Sañjaya - aus welchem Grund? Er hat doch seinen dummen, törichten, unberatenen Sohn, der von schlechtem Verstand und der Unaufrichtigkeit zugetan ist, selbst an sich gezogen.

Wort für Wort
prāptaiśvaryo dhṛtarāṣṭro 'dya rājā; lālapyate saṃjaya kasya hetoḥ pragṛhya durbuddhim anārjave rataṃ; putraṃ mandaṃ mūḍham amantriṇaṃ tu
König Dhṛtarāṣṭra, der die Herrschaft erlangt hat, klagt heute, Sañjaya - aus welchem Grund? Er hat doch seinen dummen, törichten, unberatenen Sohn, der von schlechtem Verstand und der Unaufrichtigkeit zugetan ist, selbst an sich gezogen.

anāptaḥ sann āptatamasya vācaṃ; suyodhano vidurasyāvamanya sutasya rājā dhṛtarāṣṭraḥ priyaiṣī; saṃbudhyamāno viśate 'dharmam eva

Obwohl er selbst nicht vertrauenswürdig ist, missachtet Suyodhana das Wort des vertrauenswürdigsten Vidura; und König Dhṛtarāṣṭra, der seinem Sohn wohlgesinnt ist, tritt, obwohl er es besser weiß, geradewegs ins Unrecht ein.

Wort für Wort
anāptaḥ sann āptatamasya vācaṃ; suyodhano vidurasyāvamanya sutasya rājā dhṛtarāṣṭraḥ priyaiṣī; saṃbudhyamāno viśate 'dharmam eva
Obwohl er selbst nicht vertrauenswürdig ist, missachtet Suyodhana das Wort des vertrauenswürdigsten Vidura; und König Dhṛtarāṣṭra, der seinem Sohn wohlgesinnt ist, tritt, obwohl er es besser weiß, geradewegs ins Unrecht ein.

medhāvinaṃ hy arthakāmaṃ kurūṇāṃ; bahuśrutaṃ vāgminaṃ śīlavantam sūta rājā dhṛtarāṣṭraḥ kurubhyo; na so 'smarad viduraṃ putrakāmyāt

Diesen für die Kurus so klugen und um deren Nutzen bemühten, vielgelehrten, wortgewandten, charaktervollen Vidura hat König Dhṛtarāṣṭra, Wagenlenker, aus Liebe zu seinem Sohn nicht mehr beachtet.

Wort für Wort
medhāvinaṃ hy arthakāmaṃ kurūṇāṃ; bahuśrutaṃ vāgminaṃ śīlavantam sūta rājā dhṛtarāṣṭraḥ kurubhyo; na so 'smarad viduraṃ putrakāmyāt
Diesen für die Kurus so klugen und um deren Nutzen bemühten, vielgelehrten, wortgewandten, charaktervollen Vidura hat König Dhṛtarāṣṭra, Wagenlenker, aus Liebe zu seinem Sohn nicht mehr beachtet.

mānaghnasya ātmakāmasya cerṣyoḥ; saṃrambhiṇaś cārthadharmātigasya durbhāṣiṇo manyuvaśānugasya; kāmātmano durhṛdo bhāvanasya

Er hat den Sohn geliebt, der die Ehre anderer zerstört, selbstsüchtig, neidisch, jähzornig, jenseits von Recht und Nutzen, übel redend, dem Zorn gehorchend, von Begierde beherrscht, böswillig gesinnt,

Wort für Wort
mānaghnasya ātmakāmasya cerṣyoḥ; saṃrambhiṇaś cārthadharmātigasya durbhāṣiṇo manyuvaśānugasya; kāmātmano durhṛdo bhāvanasya
Er hat den Sohn geliebt, der die Ehre anderer zerstört, selbstsüchtig, neidisch, jähzornig, jenseits von Recht und Nutzen, übel redend, dem Zorn gehorchend, von Begierde beherrscht, böswillig gesinnt,

aneyasyāśreyaso dīrghamanyor; mitradruhaḥ saṃjaya pāpabuddheḥ sutasya rājā dhṛtarāṣṭraḥ priyaiṣī; prapaśyamānaḥ prajahād dharmakāmau

unbelehrbar, unheilvoll, von langem Groll, treulos gegenüber Freunden, Sañjaya, von böser Gesinnung - diesen Sohn liebend, hat König Dhṛtarāṣṭra, obwohl er es sehend erkennt, Recht und Nutzen preisgegeben.

Wort für Wort
aneyasyāśreyaso dīrghamanyor; mitradruhaḥ saṃjaya pāpabuddheḥ sutasya rājā dhṛtarāṣṭraḥ priyaiṣī; prapaśyamānaḥ prajahād dharmakāmau
unbelehrbar, unheilvoll, von langem Groll, treulos gegenüber Freunden, Sañjaya, von böser Gesinnung - diesen Sohn liebend, hat König Dhṛtarāṣṭra, obwohl er es sehend erkennt, Recht und Nutzen preisgegeben.

tadaiva me saṃjaya dīvyato 'bhūn; no cet kurūn āgataḥ syād abhāvaḥ kāvyāṃ vācaṃ viduro bhāṣamāṇo; na vindate dhṛtarāṣṭrāt praśaṃsām

Schon damals, Sañjaya, als ich spielte, wäre der Untergang nicht über die Kurus gekommen, hätte Vidura - der eine weise Rede sprach - von Dhṛtarāṣṭra Anerkennung gefunden.

Wort für Wort
tadaiva me saṃjaya dīvyato 'bhūn; no cet kurūn āgataḥ syād abhāvaḥ kāvyāṃ vācaṃ viduro bhāṣamāṇo; na vindate dhṛtarāṣṭrāt praśaṃsām
Schon damals, Sañjaya, als ich spielte, wäre der Untergang nicht über die Kurus gekommen, hätte Vidura - der eine weise Rede sprach - von Dhṛtarāṣṭra Anerkennung gefunden.

Rückbezug auf das Würfelspiel im Sabhāparva, bei dem Vidura vergeblich zur Mäßigung riet.

kṣattur yadā anvavartanta buddhiṃ; kṛcchraṃ kurūn na tadābhyājagāma yāvat prajñām anvavartanta tasya; tāvat teṣāṃ rāṣṭravṛddhir babhūva

Solange sie dem Rat des Kṣattṛ [Vidura] folgten, kam kein Unheil über die Kurus; solange sie seiner Weisheit folgten, wuchs ihr Reich.

Wort für Wort
kṣattur yadā anvavartanta buddhiṃ; kṛcchraṃ kurūn na tadābhyājagāma yāvat prajñām anvavartanta tasya; tāvat teṣāṃ rāṣṭravṛddhir babhūva
Solange sie dem Rat des Kṣattṛ [Vidura] folgten, kam kein Unheil über die Kurus; solange sie seiner Weisheit folgten, wuchs ihr Reich.

tadarthalubdhasya nibodha me 'dya; ye mantriṇo dhārtarāṣṭrasya sūta duḥśāsanaḥ śakuniḥ sūtaputro; gāvalgaṇe paśya saṃmoham asya

Vernimm nun von mir, wer die Ratgeber jenes nach Reichtum gierenden Sohnes Dhṛtarāṣṭras sind, Wagenlenker: Duḥśāsana, Śakuni, der Sohn des Wagenlenkers [Karṇa] - sieh, Sohn Gavalgaṇas, seine Verblendung.

Wort für Wort
tadarthalubdhasya nibodha me 'dya; ye mantriṇo dhārtarāṣṭrasya sūta duḥśāsanaḥ śakuniḥ sūtaputro; gāvalgaṇe paśya saṃmoham asya
Vernimm nun von mir, wer die Ratgeber jenes nach Reichtum gierenden Sohnes Dhṛtarāṣṭras sind, Wagenlenker: Duḥśāsana, Śakuni, der Sohn des Wagenlenkers [Karṇa] - sieh, Sohn Gavalgaṇas, seine Verblendung.

so 'haṃ na paśyāmi parīkṣamāṇaḥ; kathaṃ svasti syāt kurusṛñjayānām āttaiśvaryo dhṛtarāṣṭraḥ parebhyaḥ; pravrājite vidure dīrghadṛṣṭau

So sehe ich, auch nach Prüfung, nicht, wie es Wohlergehen für die Kurus und Sṛñjayas geben könnte, solange Dhṛtarāṣṭras Herrschaft von anderen [an sich gerissen ist], während man den weitsichtigen Vidura beiseitegedrängt hat [?].

Wort für Wort
so 'haṃ na paśyāmi parīkṣamāṇaḥ; kathaṃ svasti syāt kurusṛñjayānām āttaiśvaryo dhṛtarāṣṭraḥ parebhyaḥ; pravrājite vidure dīrghadṛṣṭau
So sehe ich, auch nach Prüfung, nicht, wie es Wohlergehen für die Kurus und Sṛñjayas geben könnte, solange Dhṛtarāṣṭras Herrschaft von anderen [an sich gerissen ist], während man den weitsichtigen Vidura beiseitegedrängt hat [?].

Unklar, ob 'pravrājite vidure' auf eine tatsächliche (vorübergehende) Verbannung Viduras anspielt oder rhetorisch dessen politische Marginalisierung meint.

āśaṃsate vai dhṛtarāṣṭraḥ saputro; mahārājyam asapatnaṃ pṛthivyām tasmiñ śamaḥ kevalaṃ nopalabhyo; atyāsannaṃ madgataṃ manyate 'rtham

Dhṛtarāṣṭra samt seinem Sohn erhofft sich die unangefochtene Groß-Königsherrschaft über die Erde; darin allein ist kein Frieden zu finden, da er den mir zustehenden Besitz für ganz nah an sich selbst hält.

Wort für Wort
āśaṃsate vai dhṛtarāṣṭraḥ saputro; mahārājyam asapatnaṃ pṛthivyām tasmiñ śamaḥ kevalaṃ nopalabhyo; atyāsannaṃ madgataṃ manyate 'rtham
Dhṛtarāṣṭra samt seinem Sohn erhofft sich die unangefochtene Groß-Königsherrschaft über die Erde; darin allein ist kein Frieden zu finden, da er den mir zustehenden Besitz für ganz nah an sich selbst hält.

yat tat karṇo manyate pāraṇīyaṃ; yuddhe gṛhītāyudham arjunena āsaṃś ca yuddhāni purā mahānti; kathaṃ karṇo nābhavad dvīpa eṣām

Dass Karṇa glaubt, den im Kampf zu den Waffen greifenden Arjuna überwinden zu können - es gab doch schon früher große Schlachten; warum wurde Karṇa da nicht einmal deren rettende Insel?

Wort für Wort
yat tat karṇo manyate pāraṇīyaṃ; yuddhe gṛhītāyudham arjunena āsaṃś ca yuddhāni purā mahānti; kathaṃ karṇo nābhavad dvīpa eṣām
Dass Karṇa glaubt, den im Kampf zu den Waffen greifenden Arjuna überwinden zu können - es gab doch schon früher große Schlachten; warum wurde Karṇa da nicht einmal deren rettende Insel?

Spöttische Anspielung: Wenn Karṇa wirklich Arjuna überlegen wäre, hätte er sich längst in früheren Schlachten als entscheidender Held erwiesen.

karṇaś ca jānāti suyodhanaś ca; droṇaś ca jānāti pitāmahaś ca anye ca ye kuravas tatra santi; yathārjunān nāsty aparo dhanurdharaḥ

Karṇa weiß es, und Suyodhana weiß es, und Droṇa weiß es, und der Großvater, und alle anderen Kurus, die dort sind, wissen: dass es außer Arjuna keinen anderen Bogenträger seinesgleichen gibt.

Wort für Wort
karṇaś ca jānāti suyodhanaś ca; droṇaś ca jānāti pitāmahaś ca anye ca ye kuravas tatra santi; yathārjunān nāsty aparo dhanurdharaḥ
Karṇa weiß es, und Suyodhana weiß es, und Droṇa weiß es, und der Großvater, und alle anderen Kurus, die dort sind, wissen: dass es außer Arjuna keinen anderen Bogenträger seinesgleichen gibt.

jānanty ete kuravaḥ sarva eva; ye cāpy anye bhūmipālāḥ sametāḥ duryodhanaṃ cāparādhe carantam; ariṃdame phalgune 'vidyamāne

Dies wissen all die Kurus, sowie auch die anderen versammelten Herrscher der Erde: dass Duryodhana nur deshalb im Unrecht verharrt, weil der Feindebezwinger Phalguna gerade nicht gegenwärtig ist.

Wort für Wort
jānanty ete kuravaḥ sarva eva; ye cāpy anye bhūmipālāḥ sametāḥ duryodhanaṃ cāparādhe carantam; ariṃdame phalgune 'vidyamāne
Dies wissen all die Kurus, sowie auch die anderen versammelten Herrscher der Erde: dass Duryodhana nur deshalb im Unrecht verharrt, weil der Feindebezwinger Phalguna gerade nicht gegenwärtig ist.

tenārthabaddhaṃ manyate dhārtarāṣṭraḥ; śakyaṃ hartuṃ pāṇḍavānāṃ mamatvam kirīṭinā tālamātrāyudhena; tadvedinā saṃyugaṃ tatra gatvā

Deshalb glaubt der Sohn Dhṛtarāṣṭras, es sei möglich, den rechtmäßigen Besitzanspruch der Pāṇḍavas zu rauben - obwohl der Diademträger mit seiner palmenhohen Waffe [?], der dies weiß, dorthin in die Schlacht ziehen wird.

Wort für Wort
tenārthabaddhaṃ manyate dhārtarāṣṭraḥ; śakyaṃ hartuṃ pāṇḍavānāṃ mamatvam kirīṭinā tālamātrāyudhena; tadvedinā saṃyugaṃ tatra gatvā
Deshalb glaubt der Sohn Dhṛtarāṣṭras, es sei möglich, den rechtmäßigen Besitzanspruch der Pāṇḍavas zu rauben - obwohl der Diademträger mit seiner palmenhohen Waffe [?], der dies weiß, dorthin in die Schlacht ziehen wird.

'tālamātrāyudhena' ('dessen Waffe palmenhoch ist') bezieht sich vermutlich auf Arjunas riesiges Gāṇḍīva bzw. seinen Streitwagen-Banner; die genaue Bezugsgröße bleibt unsicher.

gāṇḍīvavisphāritaśabdam ājāv; aśṛṇvānā dhārtarāṣṭrā dhriyante kruddhasya ced bhīmasenasya vegāt; suyodhano manyate siddham artham

Solange die Söhne Dhṛtarāṣṭras im Kampf den Klang der gespannten Gāṇḍīva-Sehne nicht hören, bestehen sie fort; wenn aber der zornige Bhīmasena mit voller Wucht losbricht, glaubt Suyodhana dennoch, sein Ziel erreicht zu haben.

Wort für Wort
gāṇḍīvavisphāritaśabdam ājāv; aśṛṇvānā dhārtarāṣṭrā dhriyante kruddhasya ced bhīmasenasya vegāt; suyodhano manyate siddham artham
Solange die Söhne Dhṛtarāṣṭras im Kampf den Klang der gespannten Gāṇḍīva-Sehne nicht hören, bestehen sie fort; wenn aber der zornige Bhīmasena mit voller Wucht losbricht, glaubt Suyodhana dennoch, sein Ziel erreicht zu haben.

indro 'py etan notsahet tāta hartum; aiśvaryaṃ no jīvati bhīmasene dhanaṃjaye nakule caiva sūta; tathā vīre sahadeve madīye

Selbst Indra, mein Lieber, könnte es nicht wagen, unsere Herrschaft zu rauben, solange Bhīmasena lebt, Dhanaṃjaya, Nakula, o Wagenlenker, und ebenso der Held Sahadeva, der mir gehört.

Wort für Wort
indro 'py etan notsahet tāta hartum; aiśvaryaṃ no jīvati bhīmasene dhanaṃjaye nakule caiva sūta; tathā vīre sahadeve madīye
Selbst Indra, mein Lieber, könnte es nicht wagen, unsere Herrschaft zu rauben, solange Bhīmasena lebt, Dhanaṃjaya, Nakula, o Wagenlenker, und ebenso der Held Sahadeva, der mir gehört.

sa ced etāṃ pratipadyeta buddhiṃ; vṛddho rājā saha putreṇa sūta evaṃ raṇe pāṇḍavakopadagdhā; na naśyeyuḥ saṃjaya dhārtarāṣṭrāḥ

Wenn der greise König samt seinem Sohn, Wagenlenker, zu dieser Einsicht gelangte, dann würden die Söhne Dhṛtarāṣṭras nicht im Kampf, verzehrt vom Zorn der Pāṇḍavas, zugrunde gehen, Sañjaya.

Wort für Wort
sa ced etāṃ pratipadyeta buddhiṃ; vṛddho rājā saha putreṇa sūta evaṃ raṇe pāṇḍavakopadagdhā; na naśyeyuḥ saṃjaya dhārtarāṣṭrāḥ
Wenn der greise König samt seinem Sohn, Wagenlenker, zu dieser Einsicht gelangte, dann würden die Söhne Dhṛtarāṣṭras nicht im Kampf, verzehrt vom Zorn der Pāṇḍavas, zugrunde gehen, Sañjaya.

jānāsi tvaṃ kleśam asmāsu vṛttaṃ; tvāṃ pūjayan saṃjayāhaṃ kṣameyam yac cāsmākaṃ kauravair bhūtapūrvaṃ; yā no vṛttir dhārtarāṣṭre tadāsīt

Du weißt um das Leid, das über uns gekommen ist; dich ehrend, Sañjaya, könnte ich es verzeihen - das, was uns einst von den Kauravas widerfuhr, und wie unser Verhältnis zum Sohn Dhṛtarāṣṭras damals war.

Wort für Wort
jānāsi tvaṃ kleśam asmāsu vṛttaṃ; tvāṃ pūjayan saṃjayāhaṃ kṣameyam yac cāsmākaṃ kauravair bhūtapūrvaṃ; yā no vṛttir dhārtarāṣṭre tadāsīt
Du weißt um das Leid, das über uns gekommen ist; dich ehrend, Sañjaya, könnte ich es verzeihen - das, was uns einst von den Kauravas widerfuhr, und wie unser Verhältnis zum Sohn Dhṛtarāṣṭras damals war.

adyāpi tat tatra tathaiva vartatāṃ; śāntiṃ gamiṣyāmi yathā tvam āttha indraprasthe bhavatu mamaiva rājyaṃ; suyodhano yacchatu bhāratāgryaḥ

Auch jetzt noch möge jenes dort ebenso bleiben - ich werde dem Frieden zustreben, wie du es gesagt hast: Indraprastha allein sei mein Königreich - das möge Suyodhana, der Erste der Bharatas, gewähren.‘

Wort für Wort
adyāpi tat tatra tathaiva vartatāṃ; śāntiṃ gamiṣyāmi yathā tvam āttha indraprasthe bhavatu mamaiva rājyaṃ; suyodhano yacchatu bhāratāgryaḥ
Auch jetzt noch möge jenes dort ebenso bleiben - ich werde dem Frieden zustreben, wie du es gesagt hast: Indraprastha allein sei mein Königreich - das möge Suyodhana, der Erste der Bharatas, gewähren.‘

Yudhiṣṭhiras erstes konkretes Friedensangebot: der Verzicht auf das gesamte übrige Reich zugunsten der bloßen Rückgabe Indraprasthas.

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