Kapitel 182: Tṛtīyadivasayuddham
Der dritte Tag des Zweikampfs: Der Kampf der Śakti-Speere
Bhīṣma erzählt weiter: Am nächsten Tag entbrennt der Kampf aufs Neue. Rāma und Bhīṣma tauschen zahlreiche göttliche Waffen aus; als seine Astras vernichtet werden, wird Rāma zornig und schleudert einen, dann zwölf schreckliche Śakti-Speere, die Bhīṣma mit einem Pfeilnetz abwehrt und zerschneidet. Rāma greift daraufhin mit weiteren goldverzierten Speeren und schließlich mit dem Schwert und göttlichen Waffen an; beide Wagen und Krieger werden von Pfeilschwärmen übersät, Räder und Achsen zerbrechen. Am Ende sind beide schwer verwundet und bluten; der Kampf endet mit Sonnenuntergang.
Bhīṣma sprach weiter: Als ich wieder mit Rāma zusammengetroffen war, habe am nächsten Tag aufs Neue ein höchst schreckliches, tumultartiges Gefecht stattgefunden, o Bester der Bharatas.
Diese habe ich mit Gegenwaffen, die jene abwehrten, in dem tumultartigen Kampf zunichtegemacht, o Bhārata, nachdem ich mein schwer aufzugebendes Leben aufs Spiel gesetzt hatte.
Wort für Wort
tāni
sie (Akk. Pl.)
aham
ich (Nom. Sg.)
tatpratīghātaiḥ astraiḥ
mit jene abwehrenden Waffen (Instr. Pl.)
astrāṇi
Waffen (Akk. Pl.)
bhārata
o Bhārata (Vok. Sg.)
vyadhamam
ich vernichtete (Impf. 1.Sg.)
tumule yuddhe
im tumultartigen Kampf (Lok. Sg.)
prāṇān tyaktvā
nachdem ich das Leben aufgegeben hatte (Absolutiv)
astrair astreṣu bahudhā hateṣv atha ca bhārgavaḥ akrudhyata mahātejās tyaktaprāṇaḥ sa saṃyuge
Und als die Waffen durch Gegenwaffen vielfach vernichtet worden waren, sei der glanzvolle Sohn des Bhṛgu, sein Leben aufs Spiel setzend, im Kampf zornig geworden.
Da habe der hochherzige Sohn des Jamadagni, durch Waffen aufgehalten, einen Śakti-Speer von schrecklicher Gestalt geschleudert, gleich einem von der Zeit entsandten, lodernden Meteor mit glühender Spitze, der mit seinem Glanz die Welten einhüllte.
Wort für Wort
tataḥ
dann (Adv.)
śaktim
einen Śakti-Speer (Akk. Sg.)
prāhiṇot
er schleuderte (Impf. 3.Sg.)
ghorarūpām
von schrecklicher Gestalt (Akk. Sg.)
astraiḥ ruddhaḥ
durch Waffen aufgehalten (Nom. Sg.)
jāmadagnyaḥ
der Sohn des Jamadagni (Nom. Sg.)
mahātmā
hochherzig (Nom. Sg.)
kālotsṛṣṭām
von der Zeit entsandt (Akk. Sg.)
prajvalitām iva ulkām
gleich einem lodernden Meteor (Akk. Sg.)
saṃdīptāgrām
mit glühender Spitze (Akk. Sg.)
tejasā āvṛtya
nachdem sie mit ihrem Glanz eingehüllt hatte (Absolutiv)
lokān
die Welten (Akk. Pl.)
[?] 'śakti' bezeichnet einen speerartigen Wurfspieß, oft als eigene, benannte Waffe personifiziert; die genaue Form ist unsicher überliefert.
tato 'haṃ tām iṣubhir dīpyamānaiḥ samāyāntīm antakālārkadīptām chittvā tridhā pātayām āsa bhūmau tato vavau pavanaḥ puṇyagandhiḥ
Dann habe ich sie, wie sie heranflog, leuchtend wie die Sonne zur Zeit des Weltendes, mit lodernden Pfeilen in drei Stücke zerschnitten und zu Boden fallen lassen; da habe ein wohlriechender Wind geweht.
Wort für Wort
tataḥ
dann (Adv.)
aham
ich (Nom. Sg.)
tām
sie (Akk. Sg.)
iṣubhiḥ dīpyamānaiḥ
mit lodernden Pfeilen (Instr. Pl.)
samāyāntīm
heranfliegend (Part. Präs. Akk.)
antakālārkadīptām
leuchtend wie die Sonne zur Zeit des Weltendes (Akk. Sg.)
Als sie zerschnitten war, habe der zornentbrannte Rāma zwölf weitere schreckliche Śakti-Speere geschleudert, deren Gestalt, o Bhārata, wegen ihres Glanzes und ihrer Schnelligkeit gar nicht zu beschreiben gewesen sei.
kiṃ tv evāhaṃ vihvalaḥ saṃpradṛśya digbhyaḥ sarvās tā maholkā ivāgneḥ nānārūpās tejasogreṇa dīptā yathādityā dvādaśa lokasaṃkṣaye
Doch als ich, verwirrt, sie erblickte, wie sie aus allen Himmelsrichtungen kamen, großen Meteoren aus Feuer gleich, von vielerlei Gestalt, mit gewaltigem Glanz lodernd, wie die zwölf Sonnen beim Weltuntergang.
Dann habe ich, nachdem ich ein Netz aus Pfeilen ausgebreitet hatte, sie erblickend, mit dem Pfeilnetz durchbohrend, zwölf Pfeile im Kampf abgeschossen, o König, und so jene schrecklichen Śakti-Speere vernichtet.
Dann habe der hochherzige Sohn des Jamadagni andere schreckliche Śakti-Speere mit goldenen Schäften geschleudert, bunt verziert und mit Goldbändern umwunden, lodernd gleich großen Meteoren.
Auch diese furchtbaren habe ich mit meinem Schild abgewehrt und mit dem Schwert im Kampf zu Fall gebracht, o Herrscher der Männer; mit göttlichen Pfeilen habe ich im Gefecht die göttlichen Rosse des Sohnes des Jamadagni samt seinem Wagenlenker überschüttet.
Wort für Wort
tāḥ ca api
auch diese (Akk. Pl.)
ugrāḥ
furchtbare (Akk. Pl.)
carmaṇā vārayitvā
nachdem ich mit dem Schild abgewehrt hatte (Absolutiv)
Als der hochherzige Bezwinger des Herrschers der Haihayas die goldverzierten Śakti-Speere, zerschnitten und gleich abgestreiften Schlangenhäuten, sah, habe er, von Zorn erfüllt, eine göttliche Waffe hervorgebracht.
Wort für Wort
nirmuktānām pannagānām sarūpāḥ
gleich abgestreiften Schlangenhäuten (Akk. Pl.)
dṛṣṭvā
nachdem er gesehen hatte (Absolutiv)
śaktīḥ hemacitrāḥ
die goldverzierten Śakti-Speere (Akk. Pl.)
nikṛttāḥ
zerschnitten (Akk. Pl.)
prāduścakre
er brachte hervor (Perf. Med. 3.Sg.)
divyam astram
eine göttliche Waffe (Akk. Sg.)
mahātmā
hochherzig (Nom. Sg.)
krodhāviṣṭaḥ
von Zorn erfüllt (Nom. Sg.)
haihayeśapramāthī
der Bezwinger des Herrschers der Haihayas (Nom. Sg.)
Da seien Schwärme lodernder Pfeile, furchtbar wie Heuschreckenschwärme, niedergegangen und hätten meinen Körper, die Pferde, den Wagenlenker und den Wagen selbst schwer bedeckt.
rathaḥ śarair me nicitaḥ sarvato 'bhūt tathā hayāḥ sārathiś caiva rājan yugaṃ ratheṣā ca tathaiva cakre tathaivākṣaḥ śarakṛtto 'tha bhagnaḥ
Mein Wagen sei ganz und gar mit Pfeilen übersät gewesen, ebenso die Pferde und der Wagenlenker, o König; auch Joch, Deichsel und Rad, ebenso die Achse, seien durch Pfeile zerschnitten und dann zerbrochen worden.
tatas tasmin bāṇavarṣe vyatīte śaraugheṇa pratyavarṣaṃ guruṃ tam sa vikṣato mārgaṇair brahmarāśir dehād ajasraṃ mumuce bhūri raktam
Als dann jener Pfeilregen vorüber war, habe ich meinen Lehrer mit einer Flut von Pfeilen überschüttet; von den Pfeilen verwundet, habe der Hort des Brahman unaufhörlich reichlich Blut aus seinem Leib vergossen.
Wort für Wort
tataḥ
dann (Adv.)
tasmin bāṇavarṣe vyatīte
als jener Pfeilregen vorüber war (Lok. abs.)
śaraugheṇa
mit einer Flut von Pfeilen (Instr. Sg.)
pratyavarṣam
ich überschüttete (Impf. 1.Sg.)
gurum tam
jenen Lehrer (Akk. Sg.)
saḥ vikṣataḥ
er, verwundet (Nom. Sg.)
mārgaṇaiḥ
von den Pfeilen (Instr. Pl.)
brahmarāśiḥ
der Hort des Brahman (Nom. Sg.)
dehāt
aus dem Leib (Abl. Sg.)
ajasram
unaufhörlich (Adv.)
mumuce
er vergoss (Perf. Med. 3.Sg.)
bhūri raktam
reichlich Blut (Akk. Sg.)
[?] 'brahmarāśiḥ' ('Hort/Fülle des Brahman') ist ein Beiname Rāma Jāmadagnyas, der seine brahmanische Natur betont.
Ebenso wie Rāma vom Pfeilnetz erschöpft gewesen sei, sei auch ich sehr schwer verwundet gewesen; da habe der Kampf am Nachmittag geendet, als die Sonne sich dem Bergesuntergang zuwandte.