Mahābhārata · Udyogaparva
Kapitel 195: Yudhiṣṭhirapraśnaḥ
Yudhiṣṭhiras Frage und Arjunas Antwort
vaiśaṃpāyana uvāca etac chrutvā tu kaunteyaḥ sarvān bhrātṝn upahvare āhūya bharataśreṣṭha idaṃ vacanam abravīt
Vaiśaṃpāyana sprach: Nachdem er dies gehört hatte, habe der Sohn der Kuntī alle seine Brüder ins Geheime gerufen, Stier der Bharatas, und dieses Wort gesprochen:
Wort für Wort vaiśaṃpāyanaḥ uvāca Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.) etat śrutvā tu kaunteyaḥ nachdem aber der Sohn der Kuntī dies gehört hatte (Absolutiv) sarvān bhrātṝn upahvare āhūya nachdem er alle Brüder ins Geheime gerufen hatte (Absolutiv) bharataśreṣṭha o bester der Bharatas (Vok. Sg.) idam vacanam abravīt er sprach dieses Wort (Impf. 3.Sg.) dhārtarāṣṭrasya sainyeṣu ye cārapuruṣā mama te pravṛttiṃ prayacchanti mamemāṃ vyuṣitāṃ niśām
‚In den Heeren des Dhṛtarāṣṭra-Sohnes sind meine Spione; sie haben mir Kunde gebracht über diese verstrichene Nacht.
Wort für Wort dhārtarāṣṭrasya sainyeṣu in den Heeren des Dhṛtarāṣṭra-Sohnes (Lok. Pl.) ye cārapuruṣāḥ mama meine Spione, die (Nom. Pl.) te pravṛttim prayacchanti sie geben Kunde (Präs. 3.Pl.) mama imām vyuṣitām niśām mir über diese verstrichene Nacht (Akk. Sg.) duryodhanaḥ kilāpṛcchad āpageyaṃ mahāvratam kena kālena pāṇḍūnāṃ hanyāḥ sainyam iti prabho
Duryodhana habe fürwahr den Sohn der Flussgöttin, den von großem Gelübde, gefragt, in welcher Zeit er das Heer der Pāṇḍu-Söhne vernichten könne.
Wort für Wort duryodhanaḥ kila apṛcchat Duryodhana fragte fürwahr (Impf. 3.Sg.) āpageyam mahāvratam den Sohn der Flussgöttin, den von großem Gelübde (Akk. Sg.) kena kālena pāṇḍūnām in welcher Zeit der Pāṇḍu-Söhne (Instr. Sg. + Gen. Pl.) hanyāḥ sainyam iti prabho er könne das Heer vernichten (Opt. 2.Sg., hier indirekt wiedergegeben - dritte Einbettungsebene) māseneti ca tenokto dhārtarāṣṭraḥ sudurmatiḥ tāvatā cāpi kālena droṇo 'pi pratyajānata
Ihm, dem sehr übelgesinnten Dhṛtarāṣṭra-Sohn, sei erwidert worden, es dauere einen Monat; und in eben dieser Zeit habe auch Droṇa zugestimmt.
Wort für Wort māsena iti ca in einem Monat, so (Instr. Sg.) tena uktaḥ dhārtarāṣṭraḥ sudurmatiḥ dem sehr übelgesinnten Dhṛtarāṣṭra-Sohn wurde von ihm gesagt (Nom. Sg. Ppp.) tāvatā ca api kālena und in ebenderselben Zeit (Instr. Sg.) droṇaḥ api pratyajānata auch Droṇa stimmte zu (Impf. 3.Sg.) gautamo dviguṇaṃ kālam uktavān iti naḥ śrutam drauṇis tu daśarātreṇa pratijajñe balakṣayam
Gautama habe die doppelte Zeit genannt - so hätten wir gehört; Drauṇi aber habe gelobt, den Heeresverfall in zehn Nächten zu bewirken.
Wort für Wort gautamaḥ dviguṇam kālam uktavān Gautama nannte die doppelte Zeit (Perf. Akt. Part. Nom. Sg.) iti naḥ śrutam so haben wir gehört (Ppp. Nom. Sg.) drauṇiḥ tu daśarātreṇa Drauṇi aber in zehn Nächten (Instr. Sg.) pratijajñe balakṣayam gelobte den Heeresverfall (Perf. Med. 3.Sg. + Akk. Sg.) tathā divyāstravit karṇaḥ saṃpṛṣṭaḥ kurusaṃsadi pañcabhir divasair hantuṃ sa sainyaṃ pratijajñivān
Ebenso habe Karṇa, der Kenner der göttlichen Waffen, in der Versammlung der Kurus befragt, gelobt, das Heer in fünf Tagen zu vernichten.
Wort für Wort tathā divyāstravit karṇaḥ ebenso Karṇa, der Kenner der göttlichen Waffen (Nom. Sg.) saṃpṛṣṭaḥ kurusaṃsadi befragt in der Versammlung der Kurus (Nom. Sg. Ppp. + Lok. Sg.) pañcabhiḥ divasaiḥ hantum in fünf Tagen zu vernichten (Instr. Pl. + Inf.) saḥ sainyam pratijajñivān er gelobte das Heer (Perf. Akt. Part. Nom. Sg.) tasmād aham apīcchāmi śrotum arjuna te vacaḥ kālena kiyatā śatrūn kṣapayer iti saṃyuge
Deshalb möchte auch ich, Arjuna, dein Wort hören: in welcher Zeit du die Feinde in der Schlacht vernichten könntest.‘
Wort für Wort tasmāt aham api icchāmi śrotum deshalb möchte auch ich hören (Präs. 1.Sg. + Inf.) arjuna te vacaḥ dein Wort, Arjuna (Vok. + Akk. Sg.) kālena kiyatā in welch großer Zeit (Instr. Sg.) śatrūn kṣapayeḥ iti saṃyuge du die Feinde in der Schlacht vernichten könntest (Opt. 2.Sg.) evam ukto guḍākeśaḥ pārthivena dhanaṃjayaḥ vāsudevam avekṣyedaṃ vacanaṃ pratyabhāṣata
So angesprochen vom Königssohn, habe Guḍākeśa Dhanaṃjaya, zu Vāsudeva blickend, dieses Wort erwidert:
Wort für Wort evam uktaḥ pārthivena so angesprochen vom Königssohn (Nom. Sg. Ppp. + Instr. Sg.) guḍākeśaḥ dhanaṃjayaḥ Guḍākeśa Dhanaṃjaya [Arjuna] (Nom. Sg.) vāsudevam avekṣya zu Vāsudeva blickend (Absolutiv) idam vacanam pratyabhāṣata erwiderte dieses Wort (Impf. Med. 3.Sg.) sarva ete mahātmānaḥ kṛtāstrāś citrayodhinaḥ asaṃśayaṃ mahārāja hanyur eva balaṃ tava
‚Alle diese hochgesinnten, waffenkundigen, kunstvoll kämpfenden Männer würden zweifellos, großer König, dein Heer erschlagen können.
Wort für Wort sarve ete mahātmānaḥ alle diese Hochgesinnten (Nom. Pl.) kṛtāstrāḥ citrayodhinaḥ waffenkundig, kunstvoll kämpfend (Nom. Pl.) asaṃśayam mahārāja zweifellos, großer König (Vok. Sg.) hanyuḥ eva balam tava sie würden fürwahr dein Heer erschlagen (Opt. 3.Pl.) apaitu te manastāpo yathāsatyaṃ bravīmy aham hanyām ekarathenāhaṃ vāsudevasahāyavān
Es weiche dein Herzensschmerz; ich sage dir die reine Wahrheit: ich könnte, mit einem einzigen Wagen, mit Vāsudeva als Beistand,
Wort für Wort apaitu te manastāpaḥ es weiche dein Herzensschmerz (Imp. 3.Sg.) yathāsatyam bravīmi aham ich sage die reine Wahrheit (Präs. 1.Sg.) hanyām ekarathena aham ich könnte mit einem einzigen Wagen erschlagen (Opt. 1.Sg. + Instr. Sg.) vāsudevasahāyavān mit Vāsudeva als Beistand (Nom. Sg.) sāmarān api lokāṃs trīn sahasthāvarajaṅgamān bhūtaṃ bhavyaṃ bhaviṣyac ca nimeṣād iti me matiḥ
selbst die drei Welten samt den Göttern, mit allem Beweglichen und Unbeweglichen, das Gewesene, das Gegenwärtige und das Zukünftige, in einem Augenblick [vernichten] - so ist meine Meinung.
Wort für Wort sa-amarān api lokān trīn selbst die drei Welten samt den Göttern (Akk. Pl.) sahasthāvarajaṅgamān samt dem Unbeweglichen und Beweglichen (Akk. Pl.) bhūtam bhavyam bhaviṣyat ca das Gewesene, Gegenwärtige und Zukünftige (Akk. Sg.) nimeṣāt iti me matiḥ in einem Augenblick - so ist meine Meinung (Nom. Sg.) yat tad ghoraṃ paśupatiḥ prādād astraṃ mahan mama kairāte dvandvayuddhe vai tad idaṃ mayi vartate
Jene grauenvolle, große Waffe, die mir Paśupati beim Zweikampf mit dem Kirāta gegeben hat - diese ist fürwahr in mir gegenwärtig.
Wort für Wort yat tat ghoram astram mahat jene grauenvolle, große Waffe (Akk. Sg.) paśupatiḥ prādāt mama die mir Paśupati [Śiva] gab (Perf. 3.Sg. + Dat. Sg.) kairāte dvandvayuddhe beim Zweikampf mit dem Kirāta (Lok. Sg.) vai tat idam mayi vartate diese ist fürwahr in mir gegenwärtig (Präs. 3.Sg.) yad yugānte paśupatiḥ sarvabhūtāni saṃharan prayuṅkte puruṣavyāghra tad idaṃ mayi vartate
Was Paśupati am Ende des Weltzeitalters, wenn er alle Wesen vernichtet, einsetzt, Tigermann - dies ist ebenfalls in mir gegenwärtig.
Wort für Wort yat yugānte paśupatiḥ was Paśupati am Ende des Weltzeitalters (Akk. Sg. + Lok. Sg.) sarvabhūtāni saṃharan indem er alle Wesen vernichtet (Part. Präs. Nom. Sg.) prayuṅkte puruṣavyāghra einsetzt, o Tigermann (Präs. Med. 3.Sg. + Vok.) tat idam mayi vartate dies ist in mir gegenwärtig (Präs. 3.Sg.) tan na jānāti gāṅgeyo na droṇo na ca gautamaḥ na ca droṇasuto rājan kuta eva tu sūtajaḥ
Dies weiß weder der Sohn der Gaṅgā, noch Droṇa, noch Gautama, noch der Sohn des Droṇa, König - wieviel weniger erst der Sūta-Sohn.
Wort für Wort tat na jānāti gāṅgeyaḥ dies weiß nicht der Sohn der Gaṅgā (Präs. 3.Sg.) na droṇaḥ na ca gautamaḥ nicht Droṇa und nicht Gautama (Nom. Sg.) na ca droṇasutaḥ rājan und nicht der Sohn des Droṇa, o König (Nom. Sg. + Vok.) kutaḥ eva tu sūtajaḥ wieviel weniger der Sūta-Sohn (Nom. Sg.) na tu yuktaṃ raṇe hantuṃ divyair astraiḥ pṛthagjanam ārjavenaiva yuddhena vijeṣyāmo vayaṃ parān
Es ist aber nicht recht, im Kampf gewöhnliche Leute mit göttlichen Waffen zu erschlagen; mit offenem Kampf allein werden wir die Feinde besiegen.
Wort für Wort na tu yuktam raṇe hantum es ist aber nicht recht, im Kampf zu erschlagen (Nom. Sg. Ger. + Inf.) divyaiḥ astraiḥ pṛthagjanam gewöhnliche Leute mit göttlichen Waffen (Instr. Pl. + Akk. Sg.) ārjavena eva yuddhena mit offenem Kampf allein (Instr. Sg.) vijeṣyāmaḥ vayam parān wir werden die Feinde besiegen (Fut. 1.Pl.) tatheme puruṣavyāghrāḥ sahāyās tava pārthiva sarve divyāstraviduṣaḥ sarve yuddhābhinandinaḥ
Ebenso sind diese Tigermänner deine Verbündeten, Königssohn, alle kundig der göttlichen Waffen, alle kampffreudig,
Wort für Wort tathā ime puruṣavyāghrāḥ ebenso diese Tigermänner (Nom. Pl.) sahāyāḥ tava pārthiva deine Verbündeten, o Königssohn (Nom. Pl. + Vok.) sarve divyāstraviduṣaḥ alle kundig der göttlichen Waffen (Nom. Pl.) sarve yuddhābhinandinaḥ alle kampffreudig (Nom. Pl.) vedāntāvabhṛthasnātāḥ sarva ete 'parājitāḥ nihanyuḥ samare senāṃ devānām api pāṇḍava
gebadet im Abschlussbad der Vollendung der Veden, alle diese Unbesiegten - sie könnten im Kampf selbst das Heer der Götter erschlagen, Pāṇḍu-Sohn.
Wort für Wort vedāntāvabhṛthasnātāḥ gebadet im Abschlussbad der Veden-Vollendung (Nom. Pl.) sarve ete aparājitāḥ alle diese Unbesiegten (Nom. Pl.) nihanyuḥ samare senām sie könnten im Kampf das Heer erschlagen (Opt. 3.Pl. + Akk. Sg.) devānām api pāṇḍava selbst das der Götter, o Pāṇḍava-Sohn (Gen. Pl. + Vok.) śikhaṇḍī yuyudhānaś ca dhṛṣṭadyumnaś ca pārṣataḥ bhīmaseno yamau cobhau yudhāmanyūttamaujasau
Śikhaṇḍin und Yuyudhāna, Dhṛṣṭadyumna, der Sohn des Pṛṣata, Bhīmasena, die beiden Zwillinge, Yudhāmanyu und Uttamaujas,
Wort für Wort śikhaṇḍī yuyudhānaḥ ca Śikhaṇḍin und Yuyudhāna (Nom. Sg.) dhṛṣṭadyumnaḥ ca pārṣataḥ und Dhṛṣṭadyumna, der Sohn des Pṛṣata (Nom. Sg.) bhīmasenaḥ yamau ca ubhau Bhīmasena und die beiden Zwillinge (Nom. Sg. + Nom. Du.) yudhāmanyu-uttamaujasau Yudhāmanyu und Uttamaujas (Nom. Du.) virāṭadrupadau cobhau bhīṣmadroṇasamau yudhi svayaṃ cāpi samartho 'si trailokyotsādane api
Virāṭa und Drupada, beide dem Bhīṣma und Droṇa im Kampf ebenbürtig - und du selbst bist ja auch imstande, sogar die drei Welten zu vernichten.
Wort für Wort virāṭadrupadau ca ubhau Virāṭa und Drupada, beide (Nom. Du.) bhīṣmadroṇasamau yudhi dem Bhīṣma und Droṇa im Kampf ebenbürtig (Nom. Du. + Lok. Sg.) svayam ca api samarthaḥ asi und du selbst bist auch imstande (Präs. 2.Sg.) trailokyotsādane api selbst zur Vernichtung der drei Welten (Lok. Sg.) krodhād yaṃ puruṣaṃ paśyes tvaṃ vāsavasamadyute kṣipraṃ na sa bhaved vyaktam iti tvāṃ vedmi kaurava
Den Mann, den du im Zorn ansähest, du von Indra-gleichem Glanz, der würde alsbald aufhören zu sein, offenkundig - so, ganz gewiss, kenne ich dich, Kaurava.‘
Wort für Wort krodhāt yam puruṣam paśyeḥ den Mann, den du im Zorn ansähest (Opt. 2.Sg. + Akk. Sg.) tvam vāsavasamadyute du, von Indra-gleichem Glanz (Vok. Sg.) kṣipram na saḥ bhavet vyaktam schnell würde er, offenkundig, aufhören zu sein (Opt. 3.Sg.) iti tvām vedmi kaurava so kenne ich dich, o Kaurava (Präs. 1.Sg. + Vok.)
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