Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 187: Ambāyā Dvādaśavarṣatapaḥ Rāmas Abweisung und Ambās zwölfjährige Askese

Bhīṣma erzählt weiter: Rāma erklärt Ambā, dass er trotz höchster Anstrengung Bhīṣma nicht übertreffen könne, und weist sie an, sich an Bhīṣma selbst zu wenden. Ambā erwidert, sie werde niemals zu Bhīṣma zurückkehren, sondern selbst einen Weg finden, ihn zu vernichten, und zieht zur Askese fort. Rāma kehrt zum Berg Mahendra zurück, Bhīṣma nach Hāstinapura, wo er seiner Mutter Satyavatī berichtet und, von Sorge geplagt, auch Nārada und Vyāsa einweiht, die ihn trösten. Ambā übt zwölf Jahre lang extreme Askese an zahlreichen heiligen Stätten. Bhīṣmas göttliche Mutter Gaṅgā sucht sie auf und versucht sie umzustimmen; als Ambā bei ihrem Vorhaben bleibt, prophezeit ihr Gaṅgā, dass sie - falls sie ihren Körper aufgebe - zur Hälfte zu einem krummen, gefährlichen Fluss im Land Vatsa werde, der später als 'Ambā' bekannt sein werde, während sie zugleich als Jungfrau ihre Askese fortsetzt.

rāma uvāca pratyakṣam etal lokānāṃ sarveṣām eva bhāmini yathā mayā paraṃ śaktyā kṛtaṃ vai pauruṣaṃ mahat

Rāma sprach: Es sei doch allen Welten offenkundig, schöne Frau, wie er mit höchster Kraft eine gewaltige Manneskraft bewiesen habe.

Wort für Wort
rāmaḥ uvāca
Rāma sprach (Perf.)
pratyakṣam etat
dies sei offenkundig (Nom. Sg.)
lokānām sarveṣām eva
allen Welten (Gen. Pl.)
bhāmini
o schöne Frau (Vok. Sg.)
yathā
wie (Adv.)
mayā
von mir (Instr. Sg.)
param śaktyā
mit höchster Kraft (Instr. Sg.)
kṛtam vai
vollbracht fürwahr (Nom. Sg.)
pauruṣam mahat
eine gewaltige Manneskraft (Nom. Sg.)

[?] Rāmas hier mit eigenem 'rāma uvāca' gekennzeichnete Rede an Ambā (V.001-004) wird - wie alle übrige Figurenrede der Ambā-Erzählung - indirekt wiedergegeben, da sie innerhalb von Bhīṣmas fortlaufender, seit Kap.170 offener Ich-Erzählung liegt.

na caiva yudhi śaknomi bhīṣmaṃ śastrabhṛtāṃ varam viśeṣayitum atyartham uttamāstrāṇi darśayan

Und er vermöge nicht, obwohl er die vorzüglichsten Waffen über die Maßen gezeigt habe, Bhīṣma, den Besten der Waffenträger, im Kampf zu übertreffen.

Wort für Wort
na ca eva
und nicht (Adv.)
yudhi
im Kampf (Lok. Sg.)
śaknomi
ich vermag (Präs. 1.Sg.)
bhīṣmam
Bhīṣma (Akk. Sg.)
śastrabhṛtām varam
den Besten der Waffenträger (Akk. Sg.)
viśeṣayitum
zu übertreffen (Inf.)
atyartham
über die Maßen (Adv.)
uttamāstrāṇi
die vorzüglichsten Waffen (Akk. Pl.)
darśayan
zeigend (Part. Präs.)

eṣā me paramā śaktir etan me paramaṃ balam yatheṣṭaṃ gamyatāṃ bhadre kim anyad vā karomi te

Dies sei seine höchste Kraft, dies sein höchstes Vermögen; sie möge nach Belieben gehen, gute Frau; was anderes könne er sonst für sie tun?

Wort für Wort
eṣā me paramā śaktiḥ
dies meine höchste Kraft (Nom. Sg.)
etat me paramam balam
dies mein höchstes Vermögen (Nom. Sg.)
yatheṣṭam
nach Belieben (Adv.)
gamyatām
sie möge gehen (Pass. Imp. 3.Sg.)
bhadre
o gute Frau (Vok. Sg.)
kim anyat vā
was anderes (Akk. Sg.)
karomi te
ich tue für dich (Präs. 1.Sg.)

bhīṣmam eva prapadyasva na te 'nyā vidyate gatiḥ nirjito hy asmi bhīṣmeṇa mahāstrāṇi pramuñcatā

Sie möge sich eben an Bhīṣma selbst wenden; es gebe für sie keinen anderen Ausweg; denn er sei von Bhīṣma, der gewaltige Waffen entfesselt habe, besiegt worden.

Wort für Wort
bhīṣmam eva
eben an Bhīṣma (Akk. Sg.)
prapadyasva
wende dich! (Imp. Med. 2.Sg.)
na te anyā gatiḥ vidyate
es gibt keinen anderen Ausweg für dich (Präs. Med. 3.Sg.)
nirjitaḥ hi asmi
denn ich bin besiegt (Perf. Pass. 1.Sg.)
bhīṣmeṇa
von Bhīṣma (Instr. Sg.)
mahāstrāṇi
gewaltige Waffen (Akk. Pl.)
pramuñcatā
entfesselnd (Part. Präs. Instr.)

bhīṣma uvāca evam uktvā tato rāmo viniḥśvasya mahāmanāḥ tūṣṇīm āsīt tadā kanyā provāca bhṛgunandanam

Bhīṣma sprach weiter: Nachdem er so gesprochen hatte, sei der hochgesinnte Rāma, seufzend, verstummt; da habe die Jungfrau zum Sohn des Bhṛgu gesprochen.

Wort für Wort
bhīṣmaḥ uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
evam uktvā
nachdem er so gesprochen hatte (Absolutiv)
tataḥ
dann (Adv.)
rāmaḥ
Rāma (Nom. Sg.)
viniḥśvasya
seufzend (Absolutiv)
mahāmanāḥ
hochgesinnt (Nom. Sg.)
tūṣṇīm āsīt
er verstummte (Impf. 3.Sg.)
tadā
da (Adv.)
kanyā
die Jungfrau (Nom. Sg.)
provāca
sie sprach (Perf. 3.Sg.)
bhṛgunandanam
zum Sohn des Bhṛgu (Akk. Sg.)

bhagavann evam evaitad yathāha bhagavāṃs tathā ajeyo yudhi bhīṣmo 'yam api devair udāradhīḥ

Sie habe gesagt, Erhabener, so sei es, wie der Erhabene gesagt habe; dieser hochherzige Bhīṣma sei selbst von den Göttern im Kampf unbesiegbar.

Wort für Wort
bhagavan
o Erhabener (Vok. Sg.)
evam eva etat
so sei es eben (Nom. Sg.)
yathā āha
wie er sprach (Perf. 3.Sg.)
bhagavān
der Erhabene (Nom. Sg.)
tathā
so (Adv.)
ajeyaḥ
unbesiegbar (Nom. Sg.)
yudhi
im Kampf (Lok. Sg.)
bhīṣmaḥ ayam
dieser Bhīṣma (Nom. Sg.)
api devaiḥ
selbst von den Göttern (Instr. Pl.)
udāradhīḥ
hochherzig (Nom. Sg.)

yathāśakti yathotsāhaṃ mama kāryaṃ kṛtaṃ tvayā anidhāya raṇe vīryam astrāṇi vividhāni ca

Nach Kraft und nach Eifer habe er ihre Aufgabe erfüllt, ohne im Kampf seine Tapferkeit und die verschiedenen Waffen zurückzuhalten.

Wort für Wort
yathāśakti
nach Kraft (Adv.)
yathotsāham
nach Eifer (Adv.)
mama kāryam
meine Aufgabe (Nom. Sg.)
kṛtam tvayā
von dir erfüllt (Nom. Sg.)
anidhāya
ohne zurückzuhalten (Absolutiv, negiert)
raṇe
im Kampf (Lok. Sg.)
vīryam
Tapferkeit (Akk. Sg.)
astrāṇi vividhāni
verschiedene Waffen (Akk. Pl.)
ca
und (Konj.)

na caiṣa śakyate yuddhe viśeṣayitum antataḥ na cāham enaṃ yāsyāmi punar bhīṣmaṃ kathaṃ cana

Dieser könne im Kampf letztlich nicht übertroffen werden; und sie werde niemals wieder zu jenem Bhīṣma gehen.

Wort für Wort
na ca
und nicht (Adv.)
eṣaḥ
dieser (Nom. Sg.)
śakyate
er kann werden (Pass. Präs. 3.Sg.)
yuddhe
im Kampf (Lok. Sg.)
viśeṣayitum
übertroffen (Inf.)
antataḥ
letztlich (Adv.)
na ca aham
und ich nicht (Nom. Sg.)
enam
zu jenem (Akk. Sg.)
yāsyāmi
ich werde gehen (Fut. 1.Sg.)
punaḥ
wieder (Adv.)
bhīṣmam
Bhīṣma (Akk. Sg.)
katham cana
auf keine Weise (Adv.)

gamiṣyāmi tu tatrāhaṃ yatra bhīṣmaṃ tapodhana samare pātayiṣyāmi svayam eva bhṛgūdvaha

Sie werde vielmehr dorthin gehen, Asket, wo sie Bhīṣma selbst im Kampf zu Fall bringen werde, Erhöhung des Bhṛgu.

Wort für Wort
gamiṣyāmi tu
ich werde aber gehen (Fut. 1.Sg.)
tatra aham
ich dorthin (Adv.)
yatra
wo (Adv.)
bhīṣmam
Bhīṣma (Akk. Sg.)
tapodhana
o Asket (Vok. Sg.)
samare
im Kampf (Lok. Sg.)
pātayiṣyāmi
ich werde zu Fall bringen (Fut. Kaus. 1.Sg.)
svayam eva
selbst (Adv.)
bhṛgūdvaha
o Erhöhung des Bhṛgu (Vok. Sg.)

evam uktvā yayau kanyā roṣavyākulalocanā tapase dhṛtasaṃkalpā mama cintayatī vadham

Nachdem sie so gesprochen hatte, sei die Jungfrau, mit vor Zorn getrübten Augen, zur Askese entschlossen, an meinen Tod denkend, fortgegangen.

Wort für Wort
evam uktvā
nachdem sie so gesprochen hatte (Absolutiv)
yayau
sie ging (Perf. 3.Sg.)
kanyā
die Jungfrau (Nom. Sg.)
roṣavyākulalocanā
mit vor Zorn getrübten Augen (Nom. Sg.)
tapase
zur Askese (Dat. Sg.)
dhṛtasaṃkalpā
entschlossen (Nom. Sg.)
mama
meinen (Akk. Sg., Gen.-Bezug)
cintayatī
denkend (Part. Präs. Nom.)
vadham
Tod (Akk. Sg.)

tato mahendraṃ saha tair munibhir bhṛgusattamaḥ yathāgataṃ yayau rāmo mām upāmantrya bhārata

Dann sei der vorzüglichste Sohn des Bhṛgu, Rāma, zusammen mit jenen Weisen zum Berg Mahendra zurückgekehrt, wie er gekommen war, nachdem er mich verabschiedet hatte, o Bhārata.

Wort für Wort
tataḥ
dann (Adv.)
mahendram
zum Berg Mahendra (Akk. Sg.)
saha taiḥ munibhiḥ
zusammen mit jenen Weisen (Instr. Pl.)
bhṛgusattamaḥ
der vorzüglichste Sohn des Bhṛgu (Nom. Sg.)
yathāgatam
wie er gekommen war (Adv.)
yayau
er ging (Perf. 3.Sg.)
rāmaḥ
Rāma (Nom. Sg.)
mām
mich (Akk. Sg.)
upāmantrya
nachdem er verabschiedet hatte (Absolutiv)
bhārata
o Bhārata (Vok. Sg.)

tato 'haṃ ratham āruhya stūyamāno dvijātibhiḥ praviśya nagaraṃ mātre satyavatyai nyavedayam yathāvṛttaṃ mahārāja sā ca māṃ pratyanandata

Dann bin ich, von den Zweifachgeborenen gepriesen, auf den Wagen gestiegen, in die Stadt eingezogen und habe meiner Mutter Satyavatī berichtet, wie es sich zugetragen hatte, o Großkönig; und sie hat mich beglückwünscht.

Wort für Wort
tataḥ
dann (Adv.)
aham
ich (Nom. Sg.)
ratham āruhya
nachdem ich den Wagen bestiegen hatte (Absolutiv)
stūyamānaḥ
gepriesen (Part. Präs. Pass.)
dvijātibhiḥ
von den Zweifachgeborenen (Instr. Pl.)
praviśya nagaram
nachdem ich die Stadt betreten hatte (Absolutiv)
mātre satyavatyai
meiner Mutter Satyavatī (Dat. Sg.)
nyavedayam
ich berichtete (Impf. 1.Sg.)
yathāvṛttam
wie es sich zugetragen hatte (Akk. Sg.)
mahārāja
o Großkönig (Vok. Sg.)
sā ca mām
und sie mich (Nom. Sg.)
pratyanandata
sie beglückwünschte (Impf. Med. 3.Sg.)

puruṣāṃś cādiśaṃ prājñān kanyāvṛttāntakarmaṇi divase divase hy asyā gatajalpitaceṣṭitam pratyāharaṃś ca me yuktāḥ sthitāḥ priyahite mama

Und ich habe kluge Männer beauftragt, über das Geschehen der Jungfrau zu berichten; Tag für Tag hätten sie mir, eifrig auf mein Wohl bedacht, ihr Kommen, Reden und Tun mitgeteilt.

Wort für Wort
puruṣān
Männer (Akk. Pl.)
ca ādiśam
und ich beauftragte (Impf. 1.Sg.)
prājñān
kluge (Akk. Pl.)
kanyāvṛttāntakarmaṇi
über das Geschehen der Jungfrau (Lok. Sg.)
divase divase
Tag für Tag (Adv., Wiederholung)
hi asyāḥ
denn ihr (Gen. Sg.)
gatajalpitaceṣṭitam
ihr Kommen, Reden und Tun (Akk. Sg.)
pratyāharan
sie berichteten (Impf. Kaus. 3.Pl.)
ca me
und mir (Dat. Sg.)
yuktāḥ sthitāḥ
eifrig bedacht (Nom. Pl.)
priyahite mama
auf mein Wohl (Lok. Sg.)

yadaiva hi vanaṃ prāyāt kanyā sā tapase dhṛtā tadaiva vyathito dīno gatacetā ivābhavam

Sobald die zur Askese entschlossene Jungfrau in den Wald gegangen war, sei ich sogleich bekümmert, elend, wie von Sinnen gewesen.

Wort für Wort
yadā eva hi
sobald (Adv.)
vanam
in den Wald (Akk. Sg.)
prāyāt
sie ging (Impf. 3.Sg.)
kanyā sā
jene Jungfrau (Nom. Sg.)
tapase dhṛtā
zur Askese entschlossen (Nom. Sg.)
tadā eva
sogleich (Adv.)
vyathitaḥ
bekümmert (Nom. Sg.)
dīnaḥ
elend (Nom. Sg.)
gatacetāḥ iva
wie von Sinnen (Nom. Sg.)
abhavam
ich war (Impf. 1.Sg.)

na hi māṃ kṣatriyaḥ kaś cid vīryeṇa vijayed yudhi ṛte brahmavidas tāta tapasā saṃśitavratāt

Denn kein Kṣatriya vermöge ihn durch Tapferkeit im Kampf zu besiegen, mein Kind, außer einem Brahman-Kenner, der durch Askese im Gelübde gestählt sei.

Wort für Wort
na hi
denn nicht (Adv.)
mām
mich (Akk. Sg.)
kṣatriyaḥ kaḥ cit
irgendein Kṣatriya (Nom. Sg.)
vīryeṇa
durch Tapferkeit (Instr. Sg.)
vijayet
er könnte besiegen (Opt. 3.Sg.)
yudhi
im Kampf (Lok. Sg.)
ṛte
außer (Postposition)
brahmavidaḥ
einen Brahman-Kenner (Abl./Akk. Sg.)
tāta
mein Kind (Vok. Sg.)
tapasā
durch Askese (Instr. Sg.)
saṃśitavratāt
im Gelübde gestählt (Abl. Sg.)

api caitan mayā rājan nārade 'pi niveditam vyāse caiva bhayāt kāryaṃ tau cobhau mām avocatām

Und dies habe er, o König, aus Furcht auch Nārada mitgeteilt sowie Vyāsa; und beide hätten ihm erwidert.

Wort für Wort
api ca etat
und dies auch (Nom. Sg.)
mayā
von mir (Instr. Sg.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
nārade api
auch dem Nārada (Lok. Sg.)
niveditam
mitgeteilt (Nom. Sg. n.)
vyāse ca eva
und auch dem Vyāsa (Lok. Sg.)
bhayāt
aus Furcht (Abl. Sg.)
kāryam
zu tun (Nom. Sg. n., Gerundiv)
tau ca ubhau
und jene beiden (Nom. Dual)
mām
zu mir (Akk. Sg.)
avocatām
sie sprachen (Impf. 3.Dual)

[?] Hier wechselt der Bezug von Bhīṣmas eigener Ich-Rede (V.010-015) zurück zur berichtenden Beschreibung; 'mayā...niveditam' bezieht sich weiterhin auf Bhīṣma selbst, der aus Furcht Nārada und Vyāsa von seiner Sorge erzählt habe.

na viṣādas tvayā kāryo bhīṣma kāśisutāṃ prati daivaṃ puruṣakāreṇa ko nivartitum utsahet

Sie hätten gesagt, er solle sich keinen Kummer machen, Bhīṣma, wegen der Kāśi-Tochter; wer könnte das Schicksal durch menschliches Handeln abwenden?

Wort für Wort
na viṣādaḥ
kein Kummer (Nom. Sg.)
tvayā kāryaḥ
von dir zu machen (Nom. Sg., Gerundiv)
bhīṣma
o Bhīṣma (Vok. Sg.)
kāśisutām prati
wegen der Kāśi-Tochter (Akk. Sg. + Postposition)
daivam
das Schicksal (Akk. Sg.)
puruṣakāreṇa
durch menschliches Handeln (Instr. Sg.)
kaḥ
wer (Nom. Sg.)
nivartitum
abzuwenden (Inf.)
utsahet
er könnte wagen (Opt. 3.Sg.)

sā tu kanyā mahārāja praviśyāśramamaṇḍalam yamunātīram āśritya tapas tepe 'timānuṣam

Jene Jungfrau aber, o Großkönig, sei, nachdem sie in das Gebiet der Einsiedeleien eingetreten war, ans Ufer der Yamunā gegangen und habe übermenschliche Askese geübt.

Wort für Wort
sā tu kanyā
jene Jungfrau aber (Nom. Sg.)
mahārāja
o Großkönig (Vok. Sg.)
praviśya āśramamaṇḍalam
nachdem sie das Gebiet der Einsiedeleien betreten hatte (Absolutiv)
yamunātīram
das Ufer der Yamunā (Akk. Sg.)
āśritya
nachdem sie sich niedergelassen hatte (Absolutiv)
tapaḥ tepe
sie übte Askese (Perf. Med. 3.Sg.)
atimānuṣam
übermenschlich (Akk. Sg.)

nirāhārā kṛśā rūkṣā jaṭilā malapaṅkinī ṣaṇ māsān vāyubhakṣā ca sthāṇubhūtā tapodhanā

Ohne Nahrung, abgemagert, rau, mit verfilztem Haar, von Schmutz bedeckt, habe die Asketin sechs Monate lang nur von Luft gelebt, reglos wie ein Pfahl.

Wort für Wort
nirāhārā
ohne Nahrung (Nom. Sg.)
kṛśā
abgemagert (Nom. Sg.)
rūkṣā
rau (Nom. Sg.)
jaṭilā
mit verfilztem Haar (Nom. Sg.)
malapaṅkinī
von Schmutz bedeckt (Nom. Sg.)
ṣaṭ māsān
sechs Monate lang (Akk. Pl.)
vāyubhakṣā
von Luft lebend (Nom. Sg.)
ca
und (Konj.)
sthāṇubhūtā
reglos wie ein Pfahl (Nom. Sg.)
tapodhanā
die Asketin (Nom. Sg.)

yamunātīram āsādya saṃvatsaram athāparam udavāsaṃ nirāhārā pārayām āsa bhāminī

Nachdem sie das Ufer der Yamunā erreicht hatte, habe die schöne Frau ein weiteres Jahr im Wasser wohnend, ohne Nahrung, verbracht.

Wort für Wort
yamunātīram
das Ufer der Yamunā (Akk. Sg.)
āsādya
nachdem sie erreicht hatte (Absolutiv)
saṃvatsaram aparam
ein weiteres Jahr (Akk. Sg.)
atha
dann (Adv.)
udavāsam
im Wasser wohnend (Akk. Sg.)
nirāhārā
ohne Nahrung (Nom. Sg.)
pārayām āsa
sie verbrachte (Perf. periphr. 3.Sg.)
bhāminī
die schöne Frau (Nom. Sg.)

śīrṇaparṇena caikena pārayām āsa cāparam saṃvatsaraṃ tīvrakopā pādāṅguṣṭhāgradhiṣṭhitā

Mit einem einzigen welken Blatt habe die von heftigem Zorn Erfüllte ein weiteres Jahr verbracht, auf den Zehenspitzen stehend.

Wort für Wort
śīrṇaparṇena ekena
mit einem einzigen welken Blatt (Instr. Sg.)
ca
und (Konj.)
pārayām āsa
sie verbrachte (Perf. periphr. 3.Sg.)
ca aparam saṃvatsaram
und ein weiteres Jahr (Akk. Sg.)
tīvrakopā
von heftigem Zorn erfüllt (Nom. Sg.)
pādāṅguṣṭhāgradhiṣṭhitā
auf den Zehenspitzen stehend (Nom. Sg.)

evaṃ dvādaśa varṣāṇi tāpayām āsa rodasī nivartyamānāpi tu sā jñātibhir naiva śakyate

So habe sie zwölf Jahre lang Himmel und Erde erhitzt; obwohl ihre Verwandten sie zurückzuhalten versuchten, sei es ihnen nicht gelungen.

Wort für Wort
evam
so (Adv.)
dvādaśa varṣāṇi
zwölf Jahre (Akk. Pl.)
tāpayām āsa
sie erhitzte (Perf. periphr. Kaus. 3.Sg.)
rodasī
Himmel und Erde (Akk. Dual)
nivartyamānā api tu
obwohl versucht wurde sie zurückzuhalten (Nom. Sg.)
sā
sie (Nom. Sg.)
jñātibhiḥ
von den Verwandten (Instr. Pl.)
na eva śakyate
es gelingt nicht (Pass. Präs. 3.Sg.)

tato 'gamad vatsabhūmiṃ siddhacāraṇasevitām āśramaṃ puṇyaśīlānāṃ tāpasānāṃ mahātmanām

Dann sei sie in das Land Vatsa gegangen, das von Siddhas und Cāraṇas besucht wurde, zur Einsiedelei hochherziger, tugendhafter Asketen.

Wort für Wort
tataḥ
dann (Adv.)
agamat
sie ging (Impf. 3.Sg.)
vatsabhūmim
das Land Vatsa (Akk. Sg.)
siddhacāraṇasevitām
von Siddhas und Cāraṇas besucht (Akk. Sg.)
āśramam
zur Einsiedelei (Akk. Sg.)
puṇyaśīlānām
tugendhafter (Gen. Pl.)
tāpasānām
der Asketen (Gen. Pl.)
mahātmanām
hochherziger (Gen. Pl.)

tatra puṇyeṣu deśeṣu sāplutāṅgī divāniśam vyacarat kāśikanyā sā yathākāmavicāriṇī

Dort, an heiligen Orten, sei die Kāśi-Tochter, ihren Körper Tag und Nacht badend, umhergewandert, wie es ihr beliebte.

Wort für Wort
tatra
dort (Adv.)
puṇyeṣu deśeṣu
an heiligen Orten (Lok. Pl.)
sāplutāṅgī
ihren Körper badend (Nom. Sg.)
divāniśam
Tag und Nacht (Adv.)
vyacarat
sie wanderte umher (Impf. 3.Sg.)
kāśikanyā sā
jene Kāśi-Tochter (Nom. Sg.)
yathākāmavicāriṇī
nach Belieben wandernd (Nom. Sg.)

nandāśrame mahārāja tatolūkāśrame śubhe cyavanasyāśrame caiva brahmaṇaḥ sthāna eva ca

In der Einsiedelei des Nanda, o Großkönig, dann in der schönen Einsiedelei des Ulūka, in der Einsiedelei des Cyavana und an der Stätte Brahmans.

Wort für Wort
nandāśrame
in der Einsiedelei des Nanda (Lok. Sg.)
mahārāja
o Großkönig (Vok. Sg.)
tataḥ
dann (Adv.)
ulūkāśrame śubhe
in der schönen Einsiedelei des Ulūka (Lok. Sg.)
cyavanasya āśrame
in der Einsiedelei des Cyavana (Lok. Sg.)
ca eva
und auch (Konj.)
brahmaṇaḥ sthāne
an der Stätte Brahmans (Lok. Sg.)
eva ca
auch (Konj.)

prayāge devayajane devāraṇyeṣu caiva ha bhogavatyāṃ tathā rājan kauśikasyāśrame tathā

In Prayāga, dem Opferort der Götter, in den Götterwäldern, in Bhogavatī, o König, und in der Einsiedelei des Kauśika.

Wort für Wort
prayāge
in Prayāga (Lok. Sg.)
devayajane
dem Opferort der Götter (Lok. Sg.)
devāraṇyeṣu
in den Götterwäldern (Lok. Pl.)
ca eva ha
und auch (Partikel)
bhogavatyām
in Bhogavatī (Lok. Sg.)
tathā
ebenso (Adv.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
kauśikasya āśrame
in der Einsiedelei des Kauśika (Lok. Sg.)
tathā
ebenso (Adv.)

māṇḍavyasyāśrame rājan dilīpasyāśrame tathā rāmahrade ca kauravya pailagārgyasya cāśrame

In der Einsiedelei des Māṇḍavya, o König, in der Einsiedelei des Dilīpa, im Rāma-Teich, o Kaurava, und in der Einsiedelei des Pailagārgya.

Wort für Wort
māṇḍavyasya āśrame
in der Einsiedelei des Māṇḍavya (Lok. Sg.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
dilīpasya āśrame
in der Einsiedelei des Dilīpa (Lok. Sg.)
tathā
ebenso (Adv.)
rāmahrade
im Rāma-Teich (Lok. Sg.)
ca
und (Konj.)
kauravya
o Kaurava (Vok. Sg.)
pailagārgyasya āśrame
in der Einsiedelei des Pailagārgya (Lok. Sg.)
ca
und (Konj.)

eteṣu tīrtheṣu tadā kāśikanyā viśāṃ pate āplāvayata gātrāṇi tīvram āsthāya vai tapaḥ

An diesen heiligen Stätten habe die Kāśi-Tochter, o Herr der Völker, ihre Glieder gebadet, während sie strenge Askese übte.

Wort für Wort
eteṣu tīrtheṣu
an diesen heiligen Stätten (Lok. Pl.)
tadā
da (Adv.)
kāśikanyā
die Kāśi-Tochter (Nom. Sg.)
viśām pate
o Herr der Völker (Vok. Sg.)
āplāvayata
sie badete (Impf. Med. 3.Sg.)
gātrāṇi
ihre Glieder (Akk. Pl.)
tīvram tapaḥ
strenge Askese (Akk. Sg.)
āsthāya
während sie ausübte (Absolutiv)
vai
fürwahr (Partikel)

tām abravīt kauraveya mama mātā jalotthitā kimarthaṃ kliśyase bhadre tathyam etad bravīhi me

Zu ihr habe, o Kaurava, meine aus dem Wasser aufgestiegene Mutter gesprochen: warum sie sich quäle, gute Frau; sie solle ihr die Wahrheit sagen.

Wort für Wort
tām
zu ihr (Akk. Sg.)
abravīt
sie sprach (Impf. 3.Sg.)
kauraveya
o Kaurava (Vok. Sg.)
mama mātā
meine Mutter (Nom. Sg.)
jalotthitā
aus dem Wasser aufgestiegen (Nom. Sg.)
kimartham
warum (Adv.)
kliśyase
du quälst dich (Präs. Med. 2.Sg.)
bhadre
o gute Frau (Vok. Sg.)
tathyam etat
dies wahrhaftig (Akk. Sg.)
bravīhi me
sag mir! (Imp. 2.Sg.)

[?] Mit 'meine aus dem Wasser aufgestiegene Mutter' ist erneut Gaṅgā gemeint, die hier Ambā während ihrer Askese aufsucht; ihr Zwiegespräch mit Ambā (V.029-035) bleibt aus demselben Grund wie alle übrige Figurenrede indirekt.

sainām athābravīd rājan kṛtāñjalir aninditā bhīṣmo rāmeṇa samare na jitaś cārulocane

Sie habe ihr da, o König, mit gefalteten Händen, die Untadelige, erwidert: Bhīṣma sei von Rāma im Kampf nicht besiegt worden, Schönäugige.

Wort für Wort
sā
sie (Nom. Sg.)
enām
zu ihr (Akk. Sg.)
atha abravīt
da erwiderte sie (Impf. 3.Sg.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
kṛtāñjaliḥ
mit gefalteten Händen (Nom. Sg.)
aninditā
die Untadelige (Nom. Sg.)
bhīṣmaḥ
Bhīṣma (Nom. Sg.)
rāmeṇa
von Rāma (Instr. Sg.)
samare
im Kampf (Lok. Sg.)
na jitaḥ
nicht besiegt (Nom. Sg.)
ca
und (Konj.)
arulocane
o Schönäugige (Vok. Sg.)

ko 'nyas tam utsahej jetum udyateṣuṃ mahīpatim sāhaṃ bhīṣmavināśāya tapas tapsye sudāruṇam

Wer anders könnte es wagen, jenen Herrscher, den Pfeilbereiten, zu besiegen? Sie werde zur Vernichtung Bhīṣmas höchst schreckliche Askese üben.

Wort für Wort
kaḥ anyaḥ
wer anders (Nom. Sg.)
tam
jenen (Akk. Sg.)
utsahet
er könnte wagen (Opt. 3.Sg.)
jetum
zu besiegen (Inf.)
udyateṣum
den Pfeilbereiten (Akk. Sg.)
mahīpatim
den Herrscher (Akk. Sg.)
sā aham
ich (Nom. Sg.)
bhīṣmavināśāya
zur Vernichtung Bhīṣmas (Dat. Sg.)
tapaḥ tapsye
ich werde Askese üben (Fut. Med. 1.Sg.)
sudāruṇam
höchst schrecklich (Akk. Sg.)

carāmi pṛthivīṃ devi yathā hanyām ahaṃ nṛpam etad vrataphalaṃ dehe parasmin syād yathā hi me

Sie durchwandere die Erde, Göttin, damit sie den König töten könne; dieser Frucht des Gelübdes solle in einem anderen Körper ihr entsprochen werden.

Wort für Wort
carāmi
ich durchwandere (Präs. 1.Sg.)
pṛthivīm
die Erde (Akk. Sg.)
devi
o Göttin (Vok. Sg.)
yathā hanyām aham
damit ich töte (Opt. 1.Sg.)
nṛpam
den König (Akk. Sg.)
etat vrataphalam
diese Frucht des Gelübdes (Nom. Sg.)
dehe parasmin
in einem anderen Körper (Lok. Sg.)
syāt
es möge sein (Opt. 3.Sg.)
yathā hi me
so wie mir (Dat. Sg.)

[?] Ambā deutet hier bereits an, dass die Erfüllung ihres Gelübdes gegebenenfalls erst in einem künftigen Leben (d.h. als Śikhaṇḍin) möglich sein werde.

tato 'bravīt sāgaragā jihmaṃ carasi bhāmini naiṣa kāmo 'navadyāṅgi śakyaḥ prāptuṃ tvayābale

Da habe die Meeresgängerin erwidert: sie handle krumm, schöne Frau; dieser Wunsch könne von ihr, der Makellosgliedrigen, Schwachen, nicht erlangt werden.

Wort für Wort
tataḥ abravīt
da erwiderte sie (Impf. 3.Sg.)
sāgaragā
die Meeresgängerin (Nom. Sg.)
jihmam carasi
du handelst krumm (Präs. 2.Sg.)
bhāmini
o schöne Frau (Vok. Sg.)
na eṣaḥ kāmaḥ
dieser Wunsch nicht (Nom. Sg.)
anavadyāṅgi
o Makellosgliedrige (Vok. Sg.)
śakyaḥ
möglich (Nom. Sg.)
prāptum
zu erlangen (Inf.)
tvayā
von dir (Instr. Sg.)
abale
o Schwache (Vok. Sg.)

[?] 'sāgaragā' ('die zum Meer Gehende') bezeichnet den Fluss/Gaṅgā selbst.

yadi bhīṣmavināśāya kāśye carasi vai vratam vratasthā ca śarīraṃ tvaṃ yadi nāma vimokṣyasi nadī bhaviṣyasi śubhe kuṭilā vārṣikodakā

Wenn sie, die Kāśi-Tochter, zur Vernichtung Bhīṣmas fürwahr ein Gelübde übe, und wenn sie, im Gelübde verharrend, ihren Körper etwa aufgeben werde, werde sie, Holde, zu einem krummen Fluss werden, mit Regenwasser gespeist.

Wort für Wort
yadi
wenn (Konj.)
bhīṣmavināśāya
zur Vernichtung Bhīṣmas (Dat. Sg.)
kāśye
o Kāśi-Tochter (Vok. Sg.)
carasi vai vratam
du übst fürwahr ein Gelübde (Präs. 2.Sg.)
vratasthā
im Gelübde verharrend (Nom. Sg.)
ca śarīram tvam
und du deinen Körper (Akk. Sg.)
yadi nāma
wenn etwa (Adv.)
vimokṣyasi
du wirst aufgeben (Fut. 2.Sg.)
nadī bhaviṣyasi
du wirst ein Fluss werden (Fut. 2.Sg.)
śubhe
o Holde (Vok. Sg.)
kuṭilā
krumm (Nom. Sg.)
vārṣikodakā
mit Regenwasser gespeist (Nom. Sg.)

dustīrthā cānabhijñeyā vārṣikī nāṣṭamāsikī bhīmagrāhavatī ghorā sarvabhūtabhayaṃkarī

Mit schlechten Furten, unkenntlich, nur zur Regenzeit wasserführend, nicht acht Monate im Jahr, voller furchtbarer Krokodile, schrecklich, allen Wesen Furcht einflößend.

Wort für Wort
dustīrthā
mit schlechten Furten (Nom. Sg.)
ca anabhijñeyā
und unkenntlich (Nom. Sg.)
vārṣikī
zur Regenzeit wasserführend (Nom. Sg.)
na aṣṭamāsikī
nicht acht Monate wasserführend (Nom. Sg.)
bhīmagrāhavatī
voller furchtbarer Krokodile (Nom. Sg.)
ghorā
schrecklich (Nom. Sg.)
sarvabhūtabhayaṃkarī
allen Wesen Furcht einflößend (Nom. Sg.)

evam uktvā tato rājan kāśikanyāṃ nyavartata mātā mama mahābhāgā smayamāneva bhāminī

Nachdem sie so gesprochen hatte, o König, habe sich meine hochgesegnete, schöne Mutter, gleichsam lächelnd, von der Kāśi-Tochter abgewandt.

Wort für Wort
evam uktvā
nachdem sie so gesprochen hatte (Absolutiv)
tataḥ
dann (Adv.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
kāśikanyām
von der Kāśi-Tochter (Akk. Sg.)
nyavartata
sie wandte sich ab (Impf. Med. 3.Sg.)
mātā mama
meine Mutter (Nom. Sg.)
mahābhāgā
hochgesegnet (Nom. Sg.)
smayamānā iva
gleichsam lächelnd (Nom. Sg.)
bhāminī
die schöne Frau (Nom. Sg.)

kadā cid aṣṭame māsi kadā cid daśame tathā na prāśnītodakam api punaḥ sā varavarṇinī

Manchmal im achten Monat, manchmal ebenso im zehnten, habe jene Schönfarbige nicht einmal wieder Wasser zu sich genommen.

Wort für Wort
kadā cit
manchmal (Adv.)
aṣṭame māsi
im achten Monat (Lok. Sg.)
kadā cit
manchmal (Adv.)
daśame
im zehnten (Lok. Sg.)
tathā
ebenso (Adv.)
na prāśnīta udakam
sie nahm kein Wasser zu sich (Impf. Med. 3.Sg.)
api punaḥ
auch wieder (Adv.)
sā varavarṇinī
jene Schönfarbige (Nom. Sg.)

sā vatsabhūmiṃ kauravya tīrthalobhāt tatas tataḥ patitā paridhāvantī punaḥ kāśipateḥ sutā

Sie, die Tochter des Herrn von Kāśi, sei, aus Gier nach heiligen Furten, immer wieder im Land Vatsa hierhin und dorthin fallend umhergeeilt, o Kaurava.

Wort für Wort
sā
sie (Nom. Sg.)
vatsabhūmim
im Land Vatsa (Akk. Sg., lokal)
kauravya
o Kaurava (Vok. Sg.)
tīrthalobhāt
aus Gier nach heiligen Furten (Abl. Sg.)
tataḥ tataḥ
hierhin und dorthin (Adv.)
patitā
fallend (Nom. Sg.)
paridhāvantī
umhereilend (Part. Präs. Nom.)
punaḥ
wieder (Adv.)
kāśipateḥ sutā
die Tochter des Herrn von Kāśi (Nom. Sg.)

sā nadī vatsabhūmyāṃ tu prathitāmbeti bhārata vārṣikī grāhabahulā dustīrthā kuṭilā tathā

Jener Fluss im Land Vatsa aber sei berühmt als Ambā bekannt, o Bhārata - nur zur Regenzeit wasserführend, voller Krokodile, mit schlechten Furten, ebenso krumm.

Wort für Wort
sā nadī
jener Fluss (Nom. Sg.)
vatsabhūmyām
im Land Vatsa (Lok. Sg.)
tu
aber (Partikel)
prathitā ambā iti
berühmt als Ambā (Nom. Sg.)
bhārata
o Bhārata (Vok. Sg.)
vārṣikī
zur Regenzeit wasserführend (Nom. Sg.)
grāhabahulā
voller Krokodile (Nom. Sg.)
dustīrthā
mit schlechten Furten (Nom. Sg.)
kuṭilā
krumm (Nom. Sg.)
tathā
ebenso (Adv.)

sā kanyā tapasā tena bhāgārdhena vyajāyata nadī ca rājan vatseṣu kanyā caivābhavat tadā

Jene Jungfrau sei durch jene Askese zur Hälfte geboren worden; und im Land Vatsa sei sie zugleich Fluss und Jungfrau gewesen, o König.

Wort für Wort
sā kanyā
jene Jungfrau (Nom. Sg.)
tapasā tena
durch jene Askese (Instr. Sg.)
bhāgārdhena
zur Hälfte (Instr. Sg.)
vyajāyata
sie wurde geboren (Impf. Med. 3.Sg.)
nadī ca
und der Fluss (Nom. Sg.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
vatseṣu
im Land Vatsa (Lok. Pl.)
kanyā ca eva
und zugleich die Jungfrau (Nom. Sg.)
abhavat
sie war (Impf. 3.Sg.)
tadā
da (Adv.)

[?] Ambā spaltet sich hier zur Hälfte in einen Fluss, während sie zugleich als Jungfrau ihre Askese fortsetzt - eine bekannte Doppelgestalt-Episode vor ihrer endgültigen Wiedergeburt als Śikhaṇḍin.

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