Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 121: Yayāter Brahmalokapraveśaḥ (Gālavopākhyānasamāptiḥ) Yayāti bei Brahmā (Abschluss der Gālava-Erzählung)

Yayāti wird feierlich im Himmel empfangen; Brahmā erklärt ihm auf seine Frage, dass allein Hochmut den unermesslichen Verdienst seiner Opfer zunichtegemacht hatte. Nārada zieht daraus - wie schon Kaṇva in Kap.103 mit der Garuḍa-Erzählung - die unmittelbare Lehre für Duryodhana: auch er solle Hochmut und Zorn ablegen und Frieden mit den Pāṇḍavas schließen. Mit dieser Mahnung schließt die gesamte, seit Kap.104 durchgehend offene Gālava-Mādhavī-Yayāti-Rahmenerzählung endgültig (SQ 1→0); ein knapper Schlussvers preist die Erzählung selbst.

nārada uvāca sadbhir āropitaḥ svargaṃ pārthivair bhūridakṣiṇaiḥ abhyanujñāya dauhitrān yayātir divam āsthitaḥ

Nārada sprach: Von den Guten, den Fürsten mit reichen Opfergaben, in den Himmel emporgehoben, nachdem er die Enkelsöhne mütterlicherseits verabschiedet hatte, bestieg Yayāti den Himmel.

Wort für Wort
nāradaḥ uvāca
Nārada sprach (Verb, Perf. 3.Sg.)
sadbhiḥ āropitaḥ svargam
von den Guten in den Himmel emporgehoben (Instr.Pl. + Partizip Perf.Pass., Nom.Sg. + Akk.Sg.)
pārthivaiḥ bhūridakṣiṇaiḥ
den Fürsten mit reichen Opfergaben (Instr.Pl. + Adj.Instr.Pl.)
abhyanujñāya dauhitrān
nachdem er die Enkelsöhne mütterlicherseits verabschiedet hatte (Absolutiv + Akk.Pl.)
yayātiḥ divam āsthitaḥ
Yayāti bestieg den Himmel (Eigenname, Nom.Sg. + Subst.Akk.Sg. + Partizip Perf., Nom.Sg.)

abhivṛṣṭaś ca varṣeṇa nānāpuṣpasugandhinā pariṣvaktaś ca puṇyena vāyunā puṇyagandhinā

Und er wurde beregnet von einem Regen, der nach mancherlei Blumen duftete, und umfangen von einem heiligen, heilig duftenden Wind.

Wort für Wort
abhivṛṣṭaḥ ca varṣeṇa
und er wurde beregnet von einem Regen (Partizip Perf.Pass., Nom.Sg. + Partikel + Subst.Instr.Sg.)
nānāpuṣpasugandhinā
der nach mancherlei Blumen duftete (Adj., Instr.Sg.)
pariṣvaktaḥ ca puṇyena vāyunā
und umfangen von einem heiligen Wind (Partizip Perf.Pass., Nom.Sg. + Partikel + Adj.Instr.Sg. + Subst.Instr.Sg.)
puṇyagandhinā
heilig duftend (Adj., Instr.Sg.)

acalaṃ sthānam āruhya dauhitraphalanirjitam karmabhiḥ svair upacito jajvāla parayā śriyā

Nachdem er den unerschütterlichen Ort bestiegen hatte, der durch die Frucht der Enkelsöhne erobert war, von seinen eigenen Taten gemehrt, erstrahlte er in höchstem Glanz.

Wort für Wort
acalam sthānam āruhya
nachdem er den unerschütterlichen Ort bestiegen hatte (Adj.Akk.Sg. + Subst.Akk.Sg. + Absolutiv)
dauhitraphalanirjitam
durch die Frucht der Enkelsöhne erobert (Adj., Akk.Sg.)
karmabhiḥ svaiḥ upacitaḥ
von seinen eigenen Taten gemehrt (Instr.Pl. + Adj.Instr.Pl. + Partizip Perf.Pass., Nom.Sg.)
jajvāla parayā śriyā
er erstrahlte in höchstem Glanz (Verb, Perf. 3.Sg. + Adj.Instr.Sg. + Subst.Instr.Sg.)

upagītopanṛttaś ca gandharvāpsarasāṃ gaṇaiḥ prītyā pratigṛhītaś ca svarge dundubhinisvanaiḥ

Und besungen und umtanzt von den Scharen der Gandharvas und Apsaras, wurde er mit Freude empfangen im Himmel, unter dem Klang der Pauken.

Wort für Wort
upagītopanṛttaḥ ca
und besungen und umtanzt (Bahuvrīhi-Adj., Nom.Sg. + Partikel)
gandharvāpsarasām gaṇaiḥ
von den Scharen der Gandharvas und Apsaras (Gen.Pl. + Subst.Instr.Pl.)
prītyā pratigṛhītaḥ ca
und mit Freude empfangen (Subst.Instr.Sg. + Partizip Perf.Pass., Nom.Sg. + Partikel)
svarge dundubhinisvanaiḥ
im Himmel unter dem Klang der Pauken (Lok.Sg. + Subst.Instr.Pl.)

abhiṣṭutaś ca vividhair devarājarṣicāraṇaiḥ arcitaś cottamārgheṇa daivatair abhinanditaḥ

Und gepriesen von mancherlei Göttern, königlichen Weisen und Cāraṇas, verehrt mit höchster Ehrengabe, von den Gottheiten beglückwünscht,

Wort für Wort
abhiṣṭutaḥ ca vividhaiḥ
und gepriesen von mancherlei (Partizip Perf.Pass., Nom.Sg. + Partikel + Adj.Instr.Pl.)
devarājarṣicāraṇaiḥ
Göttern, königlichen Weisen und Cāraṇas (Kompositum, Instr.Pl.)
arcitaḥ ca uttamārgheṇa
und verehrt mit höchster Ehrengabe (Partizip Perf.Pass., Nom.Sg. + Partikel + Subst.Instr.Sg.)
daivataiḥ abhinanditaḥ
von den Gottheiten beglückwünscht (Instr.Pl. + Partizip Perf.Pass., Nom.Sg.)

prāptaḥ svargaphalaṃ caiva tam uvāca pitāmahaḥ nirvṛtaṃ śāntamanasaṃ vacobhis tarpayann iva

und die Frucht des Himmels erlangt habend - zu ihm sprach der Großvater (Brahmā), dem Befriedeten, dem im Sinn Beruhigten, ihn gleichsam mit Worten erquickend:

Wort für Wort
prāptaḥ svargaphalam ca eva
und die Frucht des Himmels erlangt habend (Partizip Perf., Nom.Sg. + Subst.Akk.Sg. + Partikel + Partikel)
tam uvāca pitāmahaḥ
zu ihm sprach der Großvater (Akk.Sg. + Verb, Perf. 3.Sg. + Subst.Nom.Sg.)
nirvṛtam śāntamanasam
dem Befriedeten, dem im Sinn Beruhigten (Adj.Akk.Sg. + Bahuvrīhi-Adj., Akk.Sg.)
vacobhiḥ tarpayan iva
ihn gleichsam mit Worten erquickend (Instr.Pl. + Partizip Präs.Kausativ, Nom.Sg. + Vgl.-Partikel)

catuṣpādas tvayā dharmaś cito lokyena karmaṇā akṣayas tava loko 'yaṃ kīrtiś caivākṣayā divi punas tavādya rājarṣe sukṛteneha karmaṇā

„Die vierfüßige Tugend wurde von dir durch weltgemäßes Handeln gemehrt - unvergänglich ist diese deine Welt, und unvergänglich ist auch dein Ruhm im Himmel, wiederum heute, königlicher Weiser, durch gutes Werk hier.

Wort für Wort
catuṣpādaḥ tvayā dharmaḥ
die vierfüßige Tugend wurde von dir (Adj.Nom.Sg. + Instr.Sg. + Subst.Nom.Sg.)
citaḥ lokyena karmaṇā
gemehrt durch weltgemäßes Handeln (Partizip Perf.Pass., Nom.Sg. + Adj.Instr.Sg. + Subst.Instr.Sg.)
akṣayaḥ tava lokaḥ ayam
unvergänglich ist diese deine Welt (Adj., Nom.Sg. + Gen.Sg. + Subst.Nom.Sg. + Pron.)
kīrtiḥ ca eva akṣayā divi
und unvergänglich ist auch der Ruhm im Himmel (Subst.Nom.Sg. + Partikel + Partikel + Adj.Nom.Sg. + Lok.Sg.)
punaḥ tava adya rājarṣe
wiederum heute dein, königlicher Weiser (Adv. + Gen.Sg. + Adv. + Vok.Sg.)
sukṛtena iha karmaṇā
durch gutes Werk hier (Subst.Instr.Sg. + Adv. + Subst.Instr.Sg.)

'catuṣpāda dharmaḥ' ('die vierfüßige Tugend') bezeichnet ein klassisches Bild, wonach die Tugend in vollkommener Gestalt auf vier Füßen ruht und in jedem der vier Weltzeitalter um einen Fuß schrumpft.

āvṛtaṃ tamasā cetaḥ sarveṣāṃ svargavāsinām yena tvāṃ nābhijānanti tato 'jñātvāsi pātitaḥ

Von Finsternis verhüllt war das Bewusstsein aller Himmelsbewohner, weshalb sie dich nicht erkannten - deshalb, weil sie dich nicht erkannten, bist du gefallen.

Wort für Wort
āvṛtam tamasā cetaḥ
von Finsternis verhüllt war das Bewusstsein (Partizip Perf.Pass., Nom.Sg. + Subst.Instr.Sg. + Subst.Nom.Sg.)
sarveṣām svargavāsinām
aller Himmelsbewohner (Adj.Gen.Pl. + Subst.Gen.Pl.)
yena tvām na abhijānanti
weshalb sie dich nicht erkannten (Rel.Instr.Sg. + Akk.Sg. + Neg. + Verb, Präs. 3.Pl.)
tataḥ ajñātvā asi pātitaḥ
deshalb, weil sie dich nicht erkannten, bist du gefallen (Adv. + Absolutiv + Verb, Präs. 2.Sg. + Partizip Perf.Pass., Nom.Sg.)

prītyaiva cāsi dauhitrais tāritas tvam ihāgataḥ sthānaṃ ca pratipanno 'si karmaṇā svena nirjitam acalaṃ śāśvataṃ puṇyam uttamaṃ dhruvam avyayam

Und aus Liebe eben bist du von den Enkelsöhnen mütterlicherseits errettet worden, du bist hierher gekommen, und du hast den Ort erreicht, der durch dein eigenes Werk erobert wurde, den unerschütterlichen, ewigen, heiligen, höchsten, festen, unvergänglichen.“

Wort für Wort
prītyā eva ca asi dauhitraiḥ
und aus Liebe eben bist du von den Enkelsöhnen (Subst.Instr.Sg. + Partikel + Partikel + Verb, Präs. 2.Sg. + Instr.Pl.)
tāritaḥ tvam iha āgataḥ
errettet bist du hierher gekommen (Partizip Perf.Pass., Nom.Sg. + Pron. + Adv. + Partizip Perf., Nom.Sg.)
sthānam ca pratipannaḥ asi
und du hast den Ort erreicht (Subst.Akk.Sg. + Partikel + Partizip Perf., Nom.Sg. + Verb, Präs. 2.Sg.)
karmaṇā svena nirjitam
der durch dein eigenes Werk erobert wurde (Subst.Instr.Sg. + Adj.Instr.Sg. + Partizip Perf.Pass.Akk.Sg.)
acalam śāśvatam puṇyam uttamam dhruvam avyayam
den unerschütterlichen, ewigen, heiligen, höchsten, festen, unvergänglichen (Adj.Akk.Sg. x6)

yayātir uvāca bhagavan saṃśayo me 'sti kaś cit taṃ chettum arhasi na hy anyam aham arhāmi praṣṭuṃ lokapitāmaha

Yayāti sprach: „Erhabener, ein gewisser Zweifel ist mir - diesen zu zerschneiden bist du würdig; denn keinen anderen bin ich würdig zu fragen, Großvater der Welt.

Wort für Wort
yayātiḥ uvāca
Yayāti sprach (Verb, Perf. 3.Sg.)
bhagavan saṃśayaḥ me asti kaḥ cit
Erhabener, ein gewisser Zweifel ist mir (Vok.Sg. + Subst.Nom.Sg. + Gen.Sg. + Verb, Präs. 3.Sg. + Indefinitpron.)
tam chettum arhasi
diesen zu zerschneiden bist du würdig (Akk.Sg. + Infinitiv + Verb, Präs. 2.Sg.)
na hi anyam aham arhāmi praṣṭum
denn keinen anderen bin ich würdig zu fragen (Neg. + Partikel + Akk.Sg. + Pron. + Verb, Präs. 1.Sg. + Infinitiv)
lokapitāmaha
Großvater der Welt (Vok.Sg.)

bahuvarṣasahasrāntaṃ prajāpālanavardhitam anekakratudānaughair arjitaṃ me mahat phalam

Durch viele Jahrtausende der Untertanenpflege gemehrt, durch die Fluten zahlloser Opfer und Gaben - von mir wurde große Frucht erworben.

Wort für Wort
bahuvarṣasahasrāntam
durch viele Jahrtausende hindurch (Adj., Akk.Sg.)
prajāpālanavardhitam
durch die Untertanenpflege gemehrt (Adj., Akk.Sg.)
anekakratudānaughaiḥ
durch die Fluten zahlloser Opfer und Gaben (Subst., Instr.Pl.)
arjitam me mahat phalam
von mir wurde große Frucht erworben (Partizip Perf.Pass., Nom.Sg. + Gen.Sg. + Adj.Nom.Sg. + Subst.Nom.Sg.)

kathaṃ tad alpakālena kṣīṇaṃ yenāsmi pātitaḥ bhagavan vettha lokāṃś ca śāśvatān mama nirjitān

Wie ist diese in kurzer Zeit erschöpft worden, wodurch ich gefallen bin? Erhabener, du kennst ja die ewigen Welten, die von mir erobert wurden.“

Wort für Wort
katham tat alpakālena kṣīṇam
wie ist diese in kurzer Zeit erschöpft worden (Interr. + Pron. + Subst.Instr.Sg. + Partizip Perf.Pass., Nom.Sg.)
yena asmi pātitaḥ
wodurch ich gefallen bin (Rel.Instr.Sg. + Verb, Präs. 1.Sg. + Partizip Perf.Pass., Nom.Sg.)
bhagavan vettha
Erhabener, du kennst (Vok.Sg. + Verb, Perf. 2.Sg.)
lokān ca śāśvatān mama nirjitān
die ewigen, von mir eroberten Welten (Akk.Pl. + Partikel + Adj.Akk.Pl. + Gen.Sg. + Partizip Perf.Akk.Pl.)

pitāmaha uvāca bahuvarṣasahasrāntaṃ prajāpālanavardhitam anekakratudānaughair yat tvayopārjitaṃ phalam

Der Großvater sprach: „Durch viele Jahrtausende der Untertanenpflege gemehrt, durch die Fluten zahlloser Opfer und Gaben - die Frucht, die von dir erworben wurde,

Wort für Wort
pitāmahaḥ uvāca
der Großvater sprach (Subst.Nom.Sg. + Verb, Perf. 3.Sg.)
bahuvarṣasahasrāntam
durch viele Jahrtausende hindurch (Adj., Akk.Sg.)
prajāpālanavardhitam
durch die Untertanenpflege gemehrt (Adj., Akk.Sg.)
anekakratudānaughaiḥ
durch die Fluten zahlloser Opfer und Gaben (Subst., Instr.Pl.)
yat tvayā upārjitam phalam
die Frucht, die von dir erworben wurde (Rel.Pron. + Instr.Sg. + Partizip Perf.Pass.Nom.Sg. + Subst.Nom.Sg.)

tad anenaiva doṣeṇa kṣīṇaṃ yenāsi pātitaḥ abhimānena rājendra dhikkṛtaḥ svargavāsibhiḥ

diese wurde eben durch diesen Fehler erschöpft, wodurch du gefallen bist - durch Hochmut, König der Könige, von den Himmelsbewohnern verschmäht.

Wort für Wort
tat anena eva doṣeṇa kṣīṇam
diese wurde eben durch diesen Fehler erschöpft (Pron. + Pron.Instr.Sg. + Partikel + Subst.Instr.Sg. + Partizip Perf.Pass., Nom.Sg.)
yena asi pātitaḥ
wodurch du gefallen bist (Rel.Instr.Sg. + Verb, Präs. 2.Sg. + Partizip Perf.Pass., Nom.Sg.)
abhimānena rājendra
durch Hochmut, König der Könige (Subst.Instr.Sg. + Vok.Sg.)
dhikkṛtaḥ svargavāsibhiḥ
verschmäht von den Himmelsbewohnern (Partizip Perf.Pass., Nom.Sg. + Subst.Instr.Pl.)

nāyaṃ mānena rājarṣe na balena na hiṃsayā na śāṭhyena na māyābhir loko bhavati śāśvataḥ

Nicht durch Hochmut, königlicher Weiser, nicht durch Gewalt, nicht durch Verletzung, nicht durch Falschheit, nicht durch Trug wird diese Welt ewig.

Wort für Wort
na ayam mānena rājarṣe
nicht diese durch Hochmut, königlicher Weiser (Neg. + Pron. + Subst.Instr.Sg. + Vok.Sg.)
na balena na hiṃsayā
nicht durch Gewalt, nicht durch Verletzung (Neg. + Subst.Instr.Sg. + Neg. + Subst.Instr.Sg.)
na śāṭhyena na māyābhiḥ
nicht durch Falschheit, nicht durch Trug (Neg. + Subst.Instr.Sg. + Neg. + Subst.Instr.Pl.)
lokaḥ bhavati śāśvataḥ
wird die Welt ewig (Subst.Nom.Sg. + Verb, Präs. 3.Sg. + Adj.Nom.Sg.)

nāvamānyās tvayā rājann avarotkṛṣṭamadhyamāḥ na hi mānapradagdhānāṃ kaś cid asti samaḥ kva cit

Nicht zu verachten sind von dir, König, die Niedrigen, Höheren und Mittleren - denn für die vom Hochmut Verbrannten gibt es niemals irgendeinen Gleichgestellten.

Wort für Wort
na avamānyāḥ tvayā rājan
nicht zu verachten sind von dir, König (Neg. + Gerundivum, Nom.Pl. + Instr.Sg. + Vok.Sg.)
avarotkṛṣṭamadhyamāḥ
die Niedrigen, Höheren und Mittleren (Adj., Nom.Pl.)
na hi mānapradagdhānām
denn für die vom Hochmut Verbrannten (Neg. + Partikel + Adj.Gen.Pl.)
kaḥ cit asti samaḥ kva cit
gibt es irgendeinen Gleichgestellten, irgendwo (Indefinitpron. + Verb, Präs. 3.Sg. + Adj.Nom.Sg. + Indefinitadv.)

patanārohaṇam idaṃ kathayiṣyanti ye narāḥ viṣamāṇy api te prāptās tariṣyanti na saṃśayaḥ

Diesen Fall und Wiederaufstieg werden die Menschen erzählen, die ihn erzählen - auch wenn sie in Gefahren geraten sind, werden sie sie überwinden, kein Zweifel.“

Wort für Wort
patanārohaṇam idam
diesen Fall und Wiederaufstieg (Subst.Akk.Sg. + Pron.)
kathayiṣyanti ye narāḥ
die Menschen, die erzählen werden (Verb, Fut. 3.Pl. + Rel.Pron.Nom.Pl. + Subst.Nom.Pl.)
viṣamāṇi api te prāptāḥ
auch wenn sie in Gefahren geraten sind (Adj.Akk.Pl. + Partikel + Pron. + Partizip Perf.Nom.Pl.)
tariṣyanti na saṃśayaḥ
werden sie überwinden, kein Zweifel (Verb, Fut. 3.Pl. + Neg. + Subst.Nom.Sg.)

nārada uvāca eṣa doṣo 'bhimānena purā prāpto yayātinā nirbandhataś cātimātraṃ gālavena mahīpate

Nārada sprach: Dieser Fehler wurde einst durch Hochmut von Yayāti erlangt, und durch allzu großes Beharren von Gālava, Herr der Erde.

Wort für Wort
nāradaḥ uvāca
Nārada sprach (Verb, Perf. 3.Sg.)
eṣaḥ doṣaḥ abhimānena purā
dieser Fehler wurde einst durch Hochmut (Pron. + Subst.Nom.Sg. + Subst.Instr.Sg. + Adv.)
prāptaḥ yayātinā
erlangt von Yayāti (Partizip Perf.Pass., Nom.Sg. + Instr.Sg.)
nirbandhataḥ ca atimātram
und durch allzu großes Beharren (Abl./Adv. + Partikel + Adv.)
gālavena mahīpate
von Gālava, Herr der Erde (Instr.Sg. + Vok.Sg.)

Ab hier spricht Nārada wieder in eigener Stimme (nicht mehr als Wiedergabe fremder Rede) und zieht die Lehre aus der soeben erzählten Geschichte - die Anrede 'mahīpate' zeigt, dass er sich, wie schon in Kap.103 (Kaṇvas Gleichnis), direkt an seinen gegenwärtigen Zuhörer Duryodhana wendet.

śrotavyaṃ hitakāmānāṃ suhṛdāṃ bhūtim icchatām na kartavyo hi nirbandho nirbandho hi kṣayodayaḥ

Man soll auf das Wohlmeinende der Freunde hören, die das Gedeihen wünschen - denn Beharren soll man nicht üben, denn Beharren ist der Ursprung des Verderbens.

Wort für Wort
śrotavyam hitakāmānām
man soll auf das Wohlmeinende hören (Gerundivum, Nom.Sg. + Adj.Gen.Pl.)
suhṛdām bhūtim icchatām
der Freunde, die das Gedeihen wünschen (Gen.Pl. + Subst.Akk.Sg. + Partizip Präs.Gen.Pl.)
na kartavyaḥ hi nirbandhaḥ
denn Beharren soll man nicht üben (Neg. + Gerundivum, Nom.Sg. + Partikel + Subst.Nom.Sg.)
nirbandhaḥ hi kṣayodayaḥ
denn Beharren ist der Ursprung des Verderbens (Subst.Nom.Sg. + Partikel + Subst.Nom.Sg.)

tasmāt tvam api gāndhāre mānaṃ krodhaṃ ca varjaya saṃdhatsva pāṇḍavair vīra saṃrambhaṃ tyaja pārthiva

Deshalb meide auch du, Sohn der Gāndhārī, Hochmut und Zorn - schließe Frieden mit den Pāṇḍavas, Held, gib deine Erbitterung auf, Fürst.

Wort für Wort
tasmāt tvam api gāndhāre
deshalb auch du, Sohn der Gāndhārī (Adv. + Pron. + Partikel + Vok.Sg.)
mānam krodham ca varjaya
meide Hochmut und Zorn (Subst.Akk.Sg. + Subst.Akk.Sg. + Partikel + Verb, Imp. 2.Sg.)
saṃdhatsva pāṇḍavaiḥ vīra
schließe Frieden mit den Pāṇḍavas, Held (Verb, Imp. 2.Sg. + Instr.Pl. + Vok.Sg.)
saṃrambham tyaja pārthiva
gib deine Erbitterung auf, Fürst (Subst.Akk.Sg. + Verb, Imp. 2.Sg. + Vok.Sg.)

dadāti yat pārthiva yat karoti; yad vā tapas tapyati yaj juhoti na tasya nāśo 'sti na cāpakarṣo; nānyas tad aśnāti sa eva kartā

Was ein Fürst gibt, was er tut, welche Buße er übt, was er opfert - dessen gibt es keinen Untergang und keine Minderung; kein anderer genießt dies, er selbst ist der Täter.‘

Wort für Wort
dadāti yat pārthiva yat karoti
was ein Fürst gibt, was er tut (Verb, Präs. 3.Sg. + Rel.Pron. + Subst.Vok./Nom.Sg. + Rel.Pron. + Verb, Präs. 3.Sg.)
yat vā tapaḥ tapyati
oder welche Buße er übt (Rel.Pron. + Partikel + Subst.Akk.Sg. + Verb, Präs. 3.Sg.)
yat juhoti
was er opfert (Rel.Pron. + Verb, Präs. 3.Sg.)
na tasya nāśaḥ asti na ca apakarṣaḥ
dessen gibt es keinen Untergang und keine Minderung (Neg. + Gen.Sg. + Subst.Nom.Sg. + Verb, Präs. 3.Sg. + Neg. + Partikel + Subst.Nom.Sg.)
na anyaḥ tat aśnāti
kein anderer genießt dies (Neg. + Pron.Nom.Sg. + Pron.Akk.Sg. + Verb, Präs. 3.Sg.)
sa eva kartā
er selbst ist der Täter (Pron. + Partikel + Subst.Nom.Sg.)

Mit diesem Vers schließt Nāradas gesamte, seit Kap.104 V.5 durchgehend offene Rahmenerzählung (SQ 1→0) - die Erzählung kehrt zur Grundebene (Vaiśaṃpāyana-Janamejaya) zurück; der folgende Vers ist ein außerhalb der Rede stehender abschließender Preis der Erzählung selbst.

idaṃ mahākhyānam anuttamaṃ mataṃ; bahuśrutānāṃ gataroṣarāgiṇām samīkṣya loke bahudhā pradhāvitā; trivargadṛṣṭiḥ pṛthivīm upāśnute

Dieses große Werk gilt als das Vortrefflichste bei den Weitgelehrten, den von Zorn und Leidenschaft Befreiten [?] - wer es betrachtet, wie es vielfach in der Welt verbreitet ist, und den Blick auf die drei Lebensziele richtet, genießt die Erde.

Wort für Wort
idam mahākhyānam anuttamam mataṃ
dieses große Werk gilt als das Vortrefflichste (Pron. + Subst.Nom.Sg. + Adj.Nom.Sg. + Partizip Perf.Pass., Nom.Sg.)
bahuśrutānām gataroṣarāgiṇām
bei den Weitgelehrten, den von Zorn und Leidenschaft Befreiten (Adj.Gen.Pl. + Bahuvrīhi-Adj.Gen.Pl.)
samīkṣya loke bahudhā pradhāvitā
nachdem er betrachtet hat, wie es in der Welt vielfach verbreitet ist (Absolutiv + Lok.Sg. + Adv. + Partizip Perf.Nom.Sg.)
trivargadṛṣṭiḥ pṛthivīm upāśnute
wer den Blick auf die drei Lebensziele gerichtet hat, genießt die Erde (Bahuvrīhi-Adj., Nom.Sg. + Subst.Akk.Sg. + Verb, Präs. 3.Sg.)

Der stark verdichtete Phalaśruti-Vers (Segensspruch über den Wert der Erzählung) wird hier außerhalb jeder Figurenrede - als Stimme des äußeren Erzählers Vaiśaṃpāyana - verstanden; die genaue syntaktische Zuordnung der Genitiv-Komposita bleibt unsicher.

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