Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 50: Bhīmaviṣayakabhayavarṇanam Dhṛtarāṣṭras Furcht vor Bhīma

Dhṛtarāṣṭras große, das ganze Kapitel füllende Klagerede an Saṃjaya: aus Furcht vor Bhīmasenas Kraft und unstillbarem Groll (seit dessen Kindheit gegen die Kaurava-Söhne) sieht er den Untergang seiner Söhne bereits voraus. Er schildert ausführlich Bhīmas Statur, Wesen und vorausgeahnte Kampfweise (Keule, Ansturm wie Feuer/Löwe/Elefant), erinnert an Bhīmas Tötung Jarāsandhas als Beleg seiner Unbesiegbarkeit, würdigt Bhīṣma/Droṇa/Kṛpas Loyalitätskonflikt, und mündet in eine fatalistische Reflexion über Schicksal, Zeit und die Unausweichlichkeit des kommenden Unheils (Rad-Nabe-Gleichnis V.58) - endend mit einem einzelnen Vers im Upajāti-Versmaß (V.61, Bhīma+Arjuna als loderndes Feuer im Wind). Die SQ-Ebene (Dhṛtarāṣṭras Rede) bleibt am Kapitelende offen (Tiefe 1) und läuft in Kap.51 weiter; die aus Kap.49 offen ererbte SQ-Ebene von Saṃjayas Heldenkatalog schließt implizit in V.1 durch den Sprecherwechsel.

dhṛtarāṣṭra uvāca sarva ete mahotsāhā ye tvayā parikīrtitāḥ ekatas tv eva te sarve sametā bhīma ekataḥ

‘Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Alle diese von großem Eifer, die von dir genannt wurden - auf der einen Seite sind sie alle versammelt, auf der anderen Seite allein Bhīma.

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Nom. + 3.Sg.Perf.)
sarve ete mahotsāhāḥ
alle diese von großem Eifer (Nom.Pl., Kompositum)
ye tvayā parikīrtitāḥ
die von dir genannt wurden (Nom.Pl. + Instr. + Ptz.Perf.Pass.)
ekataḥ tu eva te sarve sametāḥ
auf der einen Seite sind sie alle versammelt (Adv. + Nom.Pl. + Ptz.Perf.)
bhīma ekataḥ
Bhīma auf der anderen Seite (Nom. + Adv.)

[Anm.: Die aus Kap.49 offen fortgeführte Redeebene von Saṃjayas Heldenkatalog (SQ, Tiefe 1) schließt hier implizit durch den Sprecherwechsel zu Dhṛtarāṣṭra; eine neue SQ-Ebene für Dhṛtarāṣṭras folgende, das gesamte Kapitel füllende Klagerede über Bhīmasena öffnet unmittelbar.]

bhīmasenād dhi me bhūyo bhayaṃ saṃjāyate mahat kruddhād amarṣaṇāt tāta vyāghrād iva mahāruroḥ

Denn vor Bhīmasena entsteht mir noch mehr große Furcht, dem Erzürnten, Ungeduldigen, mein Lieber, wie die Furcht eines großen Rurū-Hirsches vor dem Tiger.

Wort für Wort
bhīmasenāt hi me bhūyaḥ
denn vor Bhīmasena mir noch mehr (Abl. + Partikel + Gen. + Adv.)
bhayam saṃjāyate mahat
entsteht große Furcht (Nom. + 3.Sg.Präs.Med. + Nom.)
kruddhāt amarṣaṇāt
vor dem Erzürnten, Ungeduldigen (Abl.)
tāta
mein Lieber (Vok.)
vyāghrāt iva mahāruroḥ
wie [die Furcht] eines großen Rurū-Hirsches vor dem Tiger (Abl. + Adv. + Gen., Kompositum)

[Anm.: Rurú - eine Hirschart; hier nur inline erläutert.]

jāgarmi rātrayaḥ sarvā dīrgham uṣṇaṃ ca niḥśvasan bhīto vṛkodarāt tāta siṃhāt paśur ivābalaḥ

Ich wache alle Nächte, lang und heiß seufzend, aus Furcht vor Vṛkodara, mein Lieber, wie ein schwaches Tier vor dem Löwen.

Wort für Wort
jāgarmi rātrayaḥ sarvāḥ
ich wache alle Nächte (1.Sg.Präs. + Akk.Pl.)
dīrgham uṣṇam ca niḥśvasan
lang und heiß seufzend (Adv. + Adv. + Nom., Ptz.Präs.)
bhītaḥ vṛkodarāt tāta
aus Furcht vor Vṛkodara, mein Lieber (Nom. + Abl. + Vok.)
siṃhāt paśuḥ iva abalaḥ
wie ein schwaches Tier vor dem Löwen (Abl. + Nom. + Adv. + Nom.)

na hi tasya mahābāhoḥ śakrapratimatejasaḥ sainye 'smin pratipaśyāmi ya enaṃ viṣahed yudhi

Denn von jenem Großarmigen, dessen Glanz dem Indra gleicht, sehe ich in diesem Heer niemanden, der ihm im Kampf standhalten könnte.

Wort für Wort
na hi tasya mahābāhoḥ
denn nicht [sehe ich] von jenem Großarmigen (Adv. + Partikel + Gen., Kompositum)
śakrapratimatejasaḥ
dessen Glanz dem Indra gleicht (Gen., Kompositum)
sainye asmin pratipaśyāmi
sehe ich in diesem Heer (Lok. + 1.Sg.Präs.)
yaḥ enam viṣahet yudhi
der ihm im Kampf standhalten könnte (Nom. + Akk. + 3.Sg.Opt. + Lok.)

amarṣaṇaś ca kaunteyo dṛḍhavairaś ca pāṇḍavaḥ anarmahāsī sonmādas tiryakprekṣī mahāsvanaḥ

Und der Sohn der Kuntī ist ungeduldig, und der Pāṇḍava trägt festen Groll; ohne Scherzlachen, von rasender Wut, mit schielendem Blick, von gewaltiger Stimme.

Wort für Wort
amarṣaṇaḥ ca kaunteyaḥ
und der Sohn der Kuntī ist ungeduldig (Nom.)
dṛḍhavairaḥ ca pāṇḍavaḥ
und der Pāṇḍava trägt festen Groll (Nom., Kompositum)
anarmahāsī sa-unmādaḥ
ohne Scherzlachen, von rasender Wut (Nom., Kompositum)
tiryakprekṣī mahāsvanaḥ
mit schielendem Blick, von gewaltiger Stimme (Nom., Kompositum)

mahāvego mahotsāho mahābāhur mahābalaḥ mandānāṃ mama putrāṇāṃ yuddhenāntaṃ kariṣyati

Von großer Geschwindigkeit, großem Eifer, großen Armen, großer Kraft - er wird meinen schwachsinnigen Söhnen durch Kampf ein Ende bereiten.

Wort für Wort
mahāvegaḥ mahotsāhaḥ
von großer Geschwindigkeit, großem Eifer (Nom., Kompositum)
mahābāhuḥ mahābalaḥ
von großen Armen, großer Kraft (Nom., Kompositum)
mandānām mama putrāṇām
meinen schwachsinnigen Söhnen (Gen.Pl.)
yuddhena antam kariṣyati
wird durch Kampf ein Ende bereiten (Instr. + Akk. + 3.Sg.Fut.)

ūrugrāhagṛhītānāṃ gadāṃ bibhrad vṛkodaraḥ kurūṇām ṛṣabho yuddhe daṇḍapāṇir ivāntakaḥ

Die Keule tragend gegen jene, die vom Schenkelgriff erfasst wurden, wird Vṛkodara, der Stier der Kurus, im Kampf wie der Todesgott mit dem Stab in der Hand sein.

Wort für Wort
ūrugrāhagṛhītānām
jener, die vom Schenkelgriff erfasst wurden (Gen.Pl., Kompositum + Ptz.Perf.Pass.)
gadām bibhrat vṛkodaraḥ
die Keule tragend, Vṛkodara (Akk. + Nom., Ptz.Präs. + Nom.)
kurūṇām ṛṣabhaḥ yuddhe
der Stier der Kurus, im Kampf (Gen.Pl. + Nom. + Lok.)
daṇḍapāṇiḥ iva antakaḥ
wie der Todesgott mit dem Stab in der Hand (Nom., Kompositum + Adv. + Nom.)

[Anm.: Anspielung auf Bhīmas späteren Schenkelschlag gegen Duryodhana; hier proleptisch erwähnt.]

śaikyāyasamayīṃ ghorāṃ gadāṃ kāñcanabhūṣitām manasāhaṃ prapaśyāmi brahmadaṇḍam ivodyatam

Die aus Śaikya-Eisen gefertigte, furchtbare, mit Gold geschmückte Keule sehe ich in Gedanken wie den erhobenen Brahma-Stab.

Wort für Wort
śaikyāyasamayīm ghorām gadām
die aus Śaikya-Eisen gefertigte, furchtbare Keule (Akk., Kompositum)
kāñcanabhūṣitām
mit Gold geschmückt (Akk., Kompositum)
manasā aham prapaśyāmi
ich sehe in Gedanken (Instr. + 1.Sg. + 1.Sg.Präs.)
brahmadaṇḍam iva udyatam
wie den erhobenen Brahma-Stab (Akk., Kompositum + Adv. + Ptz.Perf.)

[Anm.: Śaikya - eine besondere Eisensorte; brahmadaṇḍa - der 'Stab Brahmans', Sinnbild unentrinnbarer Strafgewalt.]

yathā rurūṇāṃ yūtheṣu siṃho jātabalaś caret māmakeṣu tathā bhīmo baleṣu vicariṣyati

Wie ein an Kraft erstarkter Löwe unter Herden von Rurū-Hirschen umherstreifen würde, so wird Bhīma unter meinen Heerscharen umherstreifen.

Wort für Wort
yathā rurūṇām yūtheṣu
wie unter Herden von Rurū-Hirschen (Adv. + Gen.Pl. + Lok.Pl.)
siṃhaḥ jātabalaḥ caret
ein an Kraft erstarkter Löwe umherstreifen würde (Nom. + Nom., Kompositum + 3.Sg.Opt.)
māmakeṣu tathā bhīmaḥ
so unter meinen [Heerscharen] Bhīma (Lok.Pl. + Adv. + Nom.)
baleṣu vicariṣyati
wird unter den Heerscharen umherstreifen (Lok.Pl. + 3.Sg.Fut.)

sarveṣāṃ mama putrāṇāṃ sa ekaḥ krūravikramaḥ bahvāśī vipratīpaś ca bālye 'pi rabhasaḥ sadā

Von all meinen Söhnen ist er der einzige von grausamer Tapferkeit, ein Vielesser und Widerspenstiger, schon in der Kindheit stets heftig.

Wort für Wort
sarveṣām mama putrāṇām
von all meinen Söhnen (Gen.Pl.)
saḥ ekaḥ krūravikramaḥ
er, der einzige von grausamer Tapferkeit (Nom. + Nom. + Nom., Kompositum)
bahvāśī vipratīpaḥ ca
ein Vielesser und Widerspenstiger (Nom., Kompositum + Nom.)
bālye api rabhasaḥ sadā
schon in der Kindheit stets heftig (Lok. + Adv. + Nom. + Adv.)

udvepate me hṛdayaṃ yadā duryodhanādayaḥ bālye 'pi tena yudhyanto vāraṇeneva marditāḥ

Mein Herz erzittert, wenn ich daran denke, wie Duryodhana und die anderen, schon in der Kindheit mit ihm kämpfend, wie von einem Elefanten zermalmt wurden.

Wort für Wort
udvepate me hṛdayam
mein Herz erzittert (3.Sg.Präs.Med. + Gen. + Nom.)
yadā duryodhanādayaḥ
wenn Duryodhana und die anderen (Adv. + Nom.Pl., Kompositum)
bālye api tena yudhyantaḥ
schon in der Kindheit, mit ihm kämpfend (Lok. + Adv. + Instr. + Nom.Pl., Ptz.Präs.)
vāraṇeṇa iva marditāḥ
wie von einem Elefanten zermalmt (Instr. + Adv. + Ptz.Perf.Pass.)

tasya vīryeṇa saṃkliṣṭā nityam eva sutā mama sa eva hetur bhedasya bhīmo bhīmaparākramaḥ

Durch seine Kraft wurden meine Söhne beständig bedrängt; eben er ist die Ursache der Entzweiung, Bhīma, von furchtbarer Tapferkeit.

Wort für Wort
tasya vīryeṇa saṃkliṣṭāḥ
durch seine Kraft bedrängt (Gen. + Instr. + Nom.Pl., Ptz.Perf.Pass.)
nityam eva sutāḥ mama
beständig meine Söhne (Adv. + Nom.Pl. + Gen.)
saḥ eva hetuḥ bhedasya
eben er ist die Ursache der Entzweiung (Nom. + Nom. + Gen.)
bhīmaḥ bhīmaparākramaḥ
Bhīma, von furchtbarer Tapferkeit (Nom., Kompositum)

grasamānam anīkāni naravāraṇavājinām paśyāmīvāgrato bhīmaṃ krodhamūrchitam āhave

Wie er die Heerscharen von Menschen, Elefanten und Rossen verschlingt, sehe ich Bhīma gleichsam vor mir, im Kampf von Zorn übermannt.

Wort für Wort
grasamānam anīkāni
die Heerscharen verschlingend (Akk., Ptz.Präs.Med. + Akk.Pl.)
naravāraṇavājinām
von Menschen, Elefanten und Rossen (Gen.Pl., Kompositum)
paśyāmi iva agrataḥ bhīmam
sehe ich gleichsam vor mir Bhīma (1.Sg.Präs. + Adv. + Adv. + Akk.)
krodhamūrchitam āhave
von Zorn übermannt, im Kampf (Akk., Kompositum + Lok.)

astre droṇārjunasamaṃ vāyuvegasamaṃ jave saṃjayācakṣva me śūraṃ bhīmasenam amarṣaṇam

In der Waffenkunst Droṇa und Arjuna gleich, in der Geschwindigkeit dem Sturmwind gleich - sag mir, Saṃjaya, von dem tapferen, ungeduldigen Bhīmasena.

Wort für Wort
astre droṇārjunasamam
in der Waffenkunst Droṇa und Arjuna gleich (Lok. + Akk., Kompositum)
vāyuvegasamam jave
in der Geschwindigkeit dem Sturmwind gleich (Akk., Kompositum + Lok.)
saṃjaya ācakṣva me
sag mir, Saṃjaya (Vok. + 2.Sg.Impv. + Dat.)
śūram bhīmasenam amarṣaṇam
von dem tapferen, ungeduldigen Bhīmasena (Akk.)

atilābhaṃ tu manye 'haṃ yat tena ripughātinā tadaiva na hatāḥ sarve mama putrā manasvinā

Als überaus großen Gewinn erachte ich es, dass nicht schon damals alle meine Söhne von jenem geistesstarken Feindevernichter getötet wurden.

Wort für Wort
atilābham tu manye aham
als überaus großen Gewinn erachte ich (Akk. + Partikel + 1.Sg.Präs. + 1.Sg.)
yat tena ripughātinā
dass von jenem Feindevernichter (Konj. + Instr., Kompositum)
tadā eva na hatāḥ sarve
nicht schon damals alle getötet (Adv. + Adv. + Nom.Pl., Ptz.Perf.Pass. + Nom.Pl.)
mama putrāḥ manasvinā
meine Söhne, von jenem Geistesstarken (Gen. + Nom.Pl. + Instr.)

yena bhīmabalā yakṣā rākṣasāś ca samāhatāḥ kathaṃ tasya raṇe vegaṃ mānuṣaḥ prasahiṣyati

Wie sollte ein Mensch dessen Ansturm im Kampf ertragen, durch den Yakṣas und Rākṣasas von gewaltiger Kraft erschlagen wurden?

Wort für Wort
yena bhīmabalāḥ yakṣāḥ
durch den [die] Yakṣas von gewaltiger Kraft (Instr. + Nom.Pl., Kompositum + Nom.Pl.)
rākṣasāḥ ca samāhatāḥ
und die Rākṣasas erschlagen wurden (Nom.Pl. + Ptz.Perf.Pass.)
katham tasya raṇe vegam
wie [sollte er] dessen Ansturm im Kampf (Interrog. + Gen. + Lok. + Akk.)
mānuṣaḥ prasahiṣyati
wird ein Mensch ertragen (Nom. + 3.Sg.Fut.)

na sa jātu vaśe tasthau mama bālo 'pi saṃjaya kiṃ punar mama duṣputraiḥ kliṣṭaḥ saṃprati pāṇḍavaḥ

Niemals stand er, selbst als Knabe, unter meiner Botmäßigkeit, o Saṃjaya - wieviel weniger nun, da der Pāṇḍava jetzt von meinen bösen Söhnen bedrängt wurde?

Wort für Wort
na saḥ jātu vaśe tasthau
niemals stand er unter [meiner] Botmäßigkeit (Adv. + Nom. + Adv. + Lok. + 3.Sg.Perf.)
mama bālaḥ api saṃjaya
als mein Knabe, o Saṃjaya (Gen. + Nom. + Adv. + Vok.)
kim punar mama duṣputraiḥ
wieviel weniger [nun] durch meine bösen Söhne (Interrog. + Adv. + Gen. + Instr.Pl.)
kliṣṭaḥ saṃprati pāṇḍavaḥ
der Pāṇḍava jetzt bedrängt (Nom., Ptz.Perf.Pass. + Adv. + Nom.)

niṣṭhuraḥ sa ca naiṣṭhuryād bhajyed api na saṃnamet tiryakprekṣī saṃhatabhrūḥ kathaṃ śāmyed vṛkodaraḥ

Und er, hart, würde aus Härte eher brechen als sich beugen; mit schielendem Blick, zusammengezogenen Brauen - wie sollte Vṛkodara sich beruhigen?

Wort für Wort
niṣṭhuraḥ sa ca naiṣṭhuryāt
und er, hart, aus Härte (Nom. + Nom. + Abl.)
bhajyet api na saṃnamet
würde brechen, aber nicht sich beugen (3.Sg.Opt. + Adv. + Adv. + 3.Sg.Opt.)
tiryakprekṣī saṃhatabhrūḥ
mit schielendem Blick, zusammengezogenen Brauen (Nom., Kompositum)
katham śāmyet vṛkodaraḥ
wie sollte Vṛkodara sich beruhigen (Interrog. + 3.Sg.Opt. + Nom.)

bṛhadaṃso 'pratibalo gauras tāla ivodgataḥ pramāṇato bhīmasenaḥ prādeśenādhiko 'rjunāt

Von breiten Schultern, unwiderstehlich, hell, wie eine hochragende Palme - Bhīmasena ist an Größe um eine Spanne größer als Arjuna.

Wort für Wort
bṛhadaṃsaḥ apratibalaḥ
von breiten Schultern, unwiderstehlich (Nom., Kompositum + Nom.)
gauraḥ tālaḥ iva udgataḥ
hell, wie eine hochragende Palme (Nom. + Nom. + Adv. + Ptz.Perf.)
pramāṇataḥ bhīmasenaḥ
an Größe Bhīmasena (Adv. + Nom.)
prādeśena adhikaḥ arjunāt
um eine Spanne größer als Arjuna (Instr. + Nom. + Abl.)

javena vājino 'tyeti balenātyeti kuñjarān avyaktajalpī madhvakṣo madhyamaḥ pāṇḍavo balī

An Schnelligkeit übertrifft er die Rosse, an Kraft übertrifft er die Elefanten; undeutlich sprechend, honigäugig, der mittlere Pāṇḍava, der Starke.

Wort für Wort
javena vājinaḥ atyeti
an Schnelligkeit übertrifft er die Rosse (Instr. + Akk.Pl. + 3.Sg.Präs.)
balena atyeti kuñjarān
an Kraft übertrifft er die Elefanten (Instr. + 3.Sg.Präs. + Akk.Pl.)
avyaktajalpī madhvakṣaḥ
undeutlich sprechend, honigäugig (Nom., Kompositum)
madhyamaḥ pāṇḍavaḥ balī
der mittlere Pāṇḍava, der Starke (Nom.)

[Anm.: 'avyaktajalpī' ('undeutlich sprechend') bezieht sich vermutlich auf Bhīmas Kindheit; 'madhvakṣaḥ' ('honigäugig') ist ein sonst seltener Beiname.]

iti bālye śrutaḥ pūrvaṃ mayā vyāsamukhāt purā rūpato vīryataś caiva yāthātathyena pāṇḍavaḥ

So wurde mir einst in seiner Kindheit, früher, aus dem Munde Vyāsas, dieser Pāṇḍava der Wahrheit gemäß beschrieben, sowohl seiner Gestalt als auch seiner Tapferkeit nach.

Wort für Wort
iti bālye śrutaḥ pūrvam
so wurde in [seiner] Kindheit einst gehört/beschrieben (Zitatpartikel + Lok. + Nom., Ptz.Perf.Pass. + Adv.)
mayā vyāsamukhāt purā
von mir, aus dem Munde Vyāsas, einst (Instr. + Abl., Kompositum + Adv.)
rūpataḥ vīryataḥ ca eva
sowohl der Gestalt als auch der Tapferkeit nach (Adv. + Adv.)
yāthātathyena pāṇḍavaḥ
der Wahrheit gemäß, der Pāṇḍava (Instr. + Nom.)

āyasena sa daṇḍena rathān nāgān hayān narān haniṣyati raṇe kruddho bhīmaḥ praharatāṃ varaḥ

Mit einem eisernen Stab wird er, Bhīma, erzürnt, der Beste der Kämpfer, im Kampf Wagen, Elefanten, Pferde und Männer erschlagen.

Wort für Wort
āyasena sa daṇḍena
mit einem eisernen Stab (Instr. + Instr.)
rathān nāgān hayān narān
Wagen, Elefanten, Pferde, Männer (Akk.Pl.)
haniṣyati raṇe kruddhaḥ
wird im Kampf erschlagen, erzürnt (3.Sg.Fut. + Lok. + Nom.)
bhīmaḥ praharatām varaḥ
Bhīma, der Beste der Kämpfer (Nom. + Gen.Pl. + Nom.)

amarṣī nityasaṃrabdho raudraḥ krūraparākramaḥ mama tāta pratīpāni kurvan pūrvaṃ vimānitaḥ

Ungeduldig, beständig erregt, furchtbar, von grausamer Tapferkeit - mein Lieber, er, der früher missachtet wurde, tut nun das Widrige gegen uns.

Wort für Wort
amarṣī nityasaṃrabdhaḥ
ungeduldig, beständig erregt (Nom. + Nom., Kompositum)
raudraḥ krūraparākramaḥ
furchtbar, von grausamer Tapferkeit (Nom., Kompositum)
mama tāta pratīpāni kurvan
mein Lieber, das Widrige tuend (Gen. + Vok. + Akk.Pl. + Nom., Ptz.Präs.)
pūrvam vimānitaḥ
früher missachtet (Adv. + Nom., Ptz.Perf.Pass.)

niṣkīrṇām āyasīṃ sthūlāṃ suparvāṃ kāñcanīṃ gadām śataghnīṃ śatanirhrādāṃ kathaṃ śakṣyanti me sutāḥ

Wie sollten meine Söhne der gegossenen eisernen, dicken, mit schönen Knoten versehenen, goldenen Keule standhalten, der Hundertschlägerin, mit hundertfachem Dröhnen?

Wort für Wort
niṣkīrṇām āyasīm sthūlām
der gegossenen eisernen, dicken (Akk.)
suparvām kāñcanīm gadām
mit schönen Knoten versehenen, goldenen Keule (Akk.)
śataghnīm śatanirhrādām
der Hundertschlägerin, mit hundertfachem Dröhnen (Akk., Kompositum)
katham śakṣyanti me sutāḥ
wie sollten meine Söhne standhalten (Interrog. + 3.Pl.Fut. + Gen. + Nom.Pl.)

apāram aplavāgādhaṃ samudraṃ śaraveginam bhīmasenamayaṃ durgaṃ tāta mandās titīrṣavaḥ

Die Törichten, mein Lieber, trachten das uferlose, schifflose, unergründliche, aus Pfeilen strömende, ganz aus Bhīmasena bestehende, unüberwindliche Meer zu durchqueren.

Wort für Wort
apāram aplavam agādham
das uferlose, schifflose, unergründliche (Akk., Kompositum)
samudram śaraveginam
das Meer, von Pfeil-Strömung (Akk. + Akk., Kompositum)
bhīmasenamayam durgam
das aus Bhīmasena bestehende, unüberwindliche (Akk., Kompositum)
tāta mandāḥ titīrṣavaḥ
mein Lieber, die Törichten, zu durchqueren trachtend (Vok. + Nom.Pl. + Nom.Pl., Desiderativ-Kompositum)

krośato me na śṛṇvanti bālāḥ paṇḍitamāninaḥ viṣamaṃ nāvabudhyante prapātaṃ madhudarśinaḥ

Die Törichten, die sich für gelehrt halten, hören nicht auf mein Rufen; sie erkennen die gefährliche Schlucht nicht, da sie nur den Honig sehen.

Wort für Wort
krośataḥ me na śṛṇvanti
sie hören nicht auf mein Rufen (Gen., Ptz.Präs. + Gen. + Adv. + 3.Pl.Präs.)
bālāḥ paṇḍitamāninaḥ
die Törichten, die sich für gelehrt halten (Nom.Pl., Kompositum)
viṣamam na avabudhyante
sie erkennen die gefährliche [Schlucht] nicht (Akk. + Adv. + 3.Pl.Präs.Med.)
prapātam madhudarśinaḥ
die Schlucht, den Honig Sehenden (Akk. + Nom.Pl., Kompositum)

saṃyugaṃ ye kariṣyanti nararūpeṇa vāyunā niyataṃ coditā dhātrā siṃheneva mahāmṛgāḥ

Die den Kampf aufnehmen werden mit dem in Menschengestalt erschienenen Windgott [Bhīma] - sie sind gewiss vom Schöpfer angetrieben, wie große Wildtiere vor dem Löwen.

Wort für Wort
saṃyugam ye kariṣyanti
die den Kampf aufnehmen werden (Akk. + Nom.Pl. + 3.Pl.Fut.)
nararūpeṇa vāyunā
mit dem in Menschengestalt [erschienenen] Windgott (Instr., Kompositum + Instr.)
niyatam coditāḥ dhātrā
gewiss angetrieben vom Schöpfer (Adv. + Nom.Pl., Ptz.Perf.Pass. + Instr.)
siṃhena iva mahāmṛgāḥ
wie große Wildtiere vor dem Löwen (Instr. + Adv. + Nom.Pl., Kompositum)

[Anm.: 'vāyunā' bezieht sich auf Bhīma als Sohn des Windgottes Vāyu.]

śaikyāṃ tāta catuṣkiṣkuṃ ṣaḍasrim amitaujasam prahitāṃ duḥkhasaṃsparśāṃ kathaṃ śakṣyanti me sutāḥ

Wie sollten meine Söhne, mein Lieber, der aus Śaikya-Eisen gefertigten, vier Ellen langen, sechskantigen, von unermesslicher Wucht, geschleuderten, schmerzhaft berührenden Keule standhalten?

Wort für Wort
śaikyām tāta catuṣkiṣkum
der Śaikya-eisernen, vier Ellen langen, mein Lieber (Akk. + Vok. + Akk., Kompositum)
ṣaḍasrim amitaujasam
der sechskantigen, von unermesslicher Wucht (Akk., Kompositum)
prahitām duḥkhasaṃsparśām
der geschleuderten, schmerzhaft berührenden (Akk., Ptz.Perf.Pass. + Akk., Kompositum)
katham śakṣyanti me sutāḥ
wie sollten meine Söhne standhalten (Interrog. + 3.Pl.Fut. + Gen. + Nom.Pl.)

gadāṃ bhrāmayatas tasya bhindato hastimastakān sṛkkiṇī lelihānasya bāṣpam utsṛjato muhuḥ

während er die Keule schwingt, während er die Elefantenschädel zerschmettert, während er sich wiederholt die Mundwinkel leckt, während er unaufhörlich Tränen vergießt,

Wort für Wort
gadām bhrāmayataḥ tasya
während jener die Keule schwingt (Akk. + Gen., Ptz.Präs. + Gen.)
bhindataḥ hastimastakān
während er die Elefantenschädel zerschmettert (Gen., Ptz.Präs. + Akk.Pl., Kompositum)
sṛkkiṇī lelihānasya
während er sich die Mundwinkel leckt (Akk.Du. + Gen., Ptz.Präs.Med.)
bāṣpam utsṛjataḥ muhuḥ
während er unaufhörlich Tränen vergießt (Akk. + Gen., Ptz.Präs. + Adv.)

uddiśya pātān patataḥ kurvato bhairavān ravān pratīpān patato mattān kuñjarān pratigarjataḥ

während er zielgerichtet Sprünge macht, während er furchterregende Schreie ausstößt, während er gegen die anstürmenden brünstigen Elefanten zurückbrüllt,

Wort für Wort
uddiśya pātān patataḥ
während er zielgerichtet Sprünge macht (Ger. + Akk.Pl. + Gen., Ptz.Präs.)
kurvataḥ bhairavān ravān
während er furchterregende Schreie macht (Gen., Ptz.Präs. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
pratīpān patataḥ mattān kuñjarān
gegen die anstürmenden brünstigen Elefanten (Akk.Pl. + Gen., Ptz.Präs. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
pratigarjataḥ
während er zurückbrüllt (Gen., Ptz.Präs.)

vigāhya rathamārgeṣu varān uddiśya nighnataḥ agneḥ prajvalitasyeva api mucyeta me prajā

während er, in die Wagenreihen eindringend, die Besten gezielt niederschlägt - möge mein Volk ihm wie loderndem Feuer entrinnen können!

Wort für Wort
vigāhya rathamārgeṣu
nachdem er in die Wagenreihen eingedrungen ist (Ger. + Lok.Pl., Kompositum)
varān uddiśya nighnataḥ
während er die Besten gezielt niederschlägt (Akk.Pl. + Ger. + Gen., Ptz.Präs.)
agneḥ prajvalitasya iva
wie loderndem Feuer (Gen. + Gen., Ptz.Perf.Pass. + Adv.)
api mucyeta me prajā
möge doch entrinnen mein Volk (Partikel + 3.Sg.Opt.Pass. + Gen. + Nom.)

vīthīṃ kurvan mahābāhur drāvayan mama vāhinīm nṛtyann iva gadāpāṇir yugāntaṃ darśayiṣyati

Eine Gasse bahnend, der Großarmige, mein Heer in die Flucht schlagend, gleichsam tanzend, die Keule in der Hand, wird er das Ende eines Weltzeitalters zeigen.

Wort für Wort
vīthīm kurvan mahābāhuḥ
eine Gasse bahnend, der Großarmige (Akk. + Nom., Ptz.Präs. + Nom.)
drāvayan mama vāhinīm
mein Heer in die Flucht schlagend (Nom., Ptz.Präs.Kausativ + Gen. + Akk.)
nṛtyan iva gadāpāṇiḥ
gleichsam tanzend, die Keule in der Hand (Nom., Ptz.Präs. + Adv. + Nom., Kompositum)
yugāntam darśayiṣyati
wird das Ende eines Weltzeitalters zeigen (Akk. + 3.Sg.Fut.)

prabhinna iva mātaṅgaḥ prabhañjan puṣpitān drumān pravekṣyati raṇe senāṃ putrāṇāṃ me vṛkodaraḥ

Wie ein brünstiger Elefant, blühende Bäume zerbrechend, wird Vṛkodara im Kampf in das Heer meiner Söhne eindringen.

Wort für Wort
prabhinnaḥ iva mātaṅgaḥ
wie ein brünstiger Elefant (Nom. + Adv. + Nom.)
prabhañjan puṣpitān drumān
blühende Bäume zerbrechend (Nom., Ptz.Präs. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
pravekṣyati raṇe senām
wird im Kampf in das Heer eindringen (3.Sg.Fut. + Lok. + Akk.)
putrāṇām me vṛkodaraḥ
meiner Söhne, Vṛkodara (Gen.Pl. + Gen. + Nom.)

kurvan rathān vipuruṣān vidhvajān bhagnapuṣkarān ārujan puruṣavyāghro rathinaḥ sādinas tathā

Die Wagen ihrer Männer beraubend, ihrer Banner beraubend, mit zerbrochenen Trommeln - der Männertiger wird sie zerschmettern, die Wagenkämpfer und ebenso die Reiter.

Wort für Wort
kurvan rathān vipuruṣān
die Wagen ihrer Männer beraubend machend (Nom., Ptz.Präs. + Akk.Pl. + Akk.Pl., Kompositum)
vidhvajān bhagnapuṣkarān
ihrer Banner beraubt, mit zerbrochenen Trommeln (Akk.Pl., Kompositum)
ārujan puruṣavyāghraḥ
zerschmetternd, der Männertiger (Nom., Ptz.Präs. + Nom., Kompositum)
rathinaḥ sādinaḥ tathā
die Wagenkämpfer und ebenso die Reiter (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Adv.)

gaṅgāvega ivānūpāṃs tīrajān vividhān drumān pravekṣyati mahāsenāṃ putrāṇāṃ mama saṃjaya

Wie die Strömung der Gaṅgā Sumpfbäume und mancherlei am Ufer wachsende Bäume mitreißt, so wird er in das große Heer meiner Söhne eindringen, o Saṃjaya.

Wort für Wort
gaṅgāvegaḥ iva anūpān
wie die Strömung der Gaṅgā die Sumpf[bäume] (Nom., Kompositum + Adv. + Akk.Pl.)
tīrajān vividhān drumān
mancherlei am Ufer wachsende Bäume (Akk.Pl., Kompositum + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
pravekṣyati mahāsenām
wird eindringen in das große Heer (3.Sg.Fut. + Akk.)
putrāṇām mama saṃjaya
meiner Söhne, o Saṃjaya (Gen.Pl. + Gen. + Vok.)

vaśaṃ nūnaṃ gamiṣyanti bhīmasenabalārditāḥ mama putrāś ca bhṛtyāś ca rājānaś caiva saṃjaya

Gewiss werden sie in seine Gewalt geraten, von Bhīmasenas Kraft bedrängt - meine Söhne und Diener und auch die Könige, o Saṃjaya.

Wort für Wort
vaśam nūnam gamiṣyanti
gewiss werden sie in [seine] Gewalt geraten (Akk. + Adv. + 3.Pl.Fut.)
bhīmasenabalārditāḥ
von Bhīmasenas Kraft bedrängt (Nom.Pl., Kompositum)
mama putrāḥ ca bhṛtyāḥ ca
meine Söhne und Diener (Gen. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
rājānaḥ ca eva saṃjaya
und auch die Könige, o Saṃjaya (Nom.Pl. + Adv. + Vok.)

yena rājā mahāvīryaḥ praviśyāntaḥpuraṃ purā vāsudevasahāyena jarāsaṃdho nipātitaḥ

Durch den, mit Vāsudeva als Helfer, einst König Jarāsandha, von großer Tapferkeit, nachdem er in den inneren Palast eingedrungen war, zu Fall gebracht wurde,

Wort für Wort
yena rājā mahāvīryaḥ
durch den, [jener] König von großer Tapferkeit (Instr. + Nom. + Nom., Kompositum)
praviśya antaḥpuram purā
nachdem er einst in den inneren Palast eingedrungen war (Ger. + Akk., Kompositum + Adv.)
vāsudevasahāyena
mit Vāsudeva als Helfer (Instr., Kompositum)
jarāsaṃdhaḥ nipātitaḥ
Jarāsandha zu Fall gebracht (Nom. + Ptz.Perf.Pass.)

kṛtsneyaṃ pṛthivī devī jarāsaṃdhena dhīmatā māgadhendreṇa balinā vaśe kṛtvā pratāpitā

diese ganze Göttin Erde wurde von dem klugen Jarāsandha, dem starken Herrscher der Magadhas, sich botmäßig gemacht und beherrscht.

Wort für Wort
kṛtsnā iyam pṛthivī devī
diese ganze Göttin Erde (Nom.)
jarāsaṃdhena dhīmatā
von dem klugen Jarāsandha (Instr.)
māgadhendreṇa balinā
dem starken Herrscher der Magadhas (Instr., Kompositum)
vaśe kṛtvā pratāpitā
sich botmäßig gemacht und beherrscht (Lok. + Ger. + Nom., Ptz.Perf.Pass.)

bhīṣmapratāpāt kuravo nayenāndhakavṛṣṇayaḥ te na tasya vaśaṃ jagmuḥ kevalaṃ daivam eva vā

Durch Bhīṣmas Macht entkamen die Kurus, durch Klugheit die Andhakas und Vṛṣṇis - sie gerieten nicht in seine Gewalt, einzig durch göttliche Fügung, wahrlich.

Wort für Wort
bhīṣmapratāpāt kuravaḥ
durch Bhīṣmas Macht die Kurus (Abl., Kompositum + Nom.Pl.)
nayena andhakavṛṣṇayaḥ
durch Klugheit die Andhakas und Vṛṣṇis (Instr. + Nom.Pl.)
te na tasya vaśam jagmuḥ
sie gerieten nicht in seine Gewalt (Nom.Pl. + Adv. + Gen. + Akk. + 3.Pl.Perf.)
kevalam daivam eva vā
einzig durch [göttliche] Fügung, wahrlich (Adv. + Nom. + Partikel + Partikel)

sa gatvā pāṇḍuputreṇa tarasā bāhuśālinā anāyudhena vīreṇa nihataḥ kiṃ tato 'dhikam

Er wurde, nachdem er zum Zweikampf gegangen war, von dem Sohn des Pāṇḍu, durch Kraft, mit starken Armen, waffenlos, dem Helden, erschlagen - was gibt es, das darüber hinausgeht?

Wort für Wort
saḥ gatvā pāṇḍuputreṇa
er, nachdem er gegangen war, von dem Sohn des Pāṇḍu (Nom. + Ger. + Instr., Kompositum)
tarasā bāhuśālinā
durch Kraft, mit starken Armen (Instr. + Instr., Kompositum)
anāyudhena vīreṇa nihataḥ
waffenlos, dem Helden, erschlagen (Instr. + Instr. + Nom., Ptz.Perf.Pass.)
kim tataḥ adhikam
was gibt es, das darüber hinausgeht (Interrog. + Adv. + Nom.)

dīrghakālena saṃsiktaṃ viṣam āśīviṣo yathā sa mokṣyati raṇe tejaḥ putreṣu mama saṃjaya

Wie eine Giftschlange über lange Zeit angesammeltes Gift, so wird er seine angestaute Glut im Kampf gegen meine Söhne entladen, o Saṃjaya.

Wort für Wort
dīrghakālena saṃsiktam viṣam
über lange Zeit angesammeltes Gift (Instr., Kompositum + Akk. + Akk.)
āśīviṣaḥ yathā
wie eine Giftschlange (Nom. + Adv.)
sa mokṣyati raṇe tejaḥ
so wird er im Kampf [seine] Glut entladen (Adv. + 3.Sg.Fut. + Lok. + Akk.)
putreṣu mama saṃjaya
gegen meine Söhne, o Saṃjaya (Lok.Pl. + Gen. + Vok.)

mahendra iva vajreṇa dānavān devasattamaḥ bhīmaseno gadāpāṇiḥ sūdayiṣyati me sutān

Wie der Große Indra, der Beste der Götter, mit dem Vajra die Dānavas vernichtete, so wird Bhīmasena, die Keule in der Hand, meine Söhne vertilgen.

Wort für Wort
mahendraḥ iva vajreṇa
wie der Große Indra mit dem Vajra (Nom. + Adv. + Instr.)
dānavān devasattamaḥ
die Dānavas, der Beste der Götter (Akk.Pl. + Nom.)
bhīmasenaḥ gadāpāṇiḥ
Bhīmasena, die Keule in der Hand (Nom. + Nom., Kompositum)
sūdayiṣyati me sutān
wird meine Söhne vertilgen (3.Sg.Fut.Kausativ + Gen. + Akk.Pl.)

aviṣahyam anāvāryaṃ tīvravegaparākramam paśyāmīvātitāmrākṣam āpatantaṃ vṛkodaram

Unerträglich, unaufhaltsam, von heftigem Ansturm und Tapferkeit, mit übermäßig kupferroten Augen - so sehe ich Vṛkodara gleichsam heranstürmen.

Wort für Wort
aviṣahyam anāvāryam
unerträglich, unaufhaltsam (Akk.)
tīvravegaparākramam
von heftigem Ansturm und Tapferkeit (Akk., Kompositum)
paśyāmi iva atitāmrākṣam
ich sehe gleichsam den übermäßig Kupferäugigen (1.Sg.Präs. + Adv. + Akk., Kompositum)
āpatantam vṛkodaram
heranstürmenden Vṛkodara (Akk., Ptz.Präs. + Akk.)

agadasyāpy adhanuṣo virathasya vivarmaṇaḥ bāhubhyāṃ yudhyamānasya kas tiṣṭhed agrataḥ pumān

Selbst ohne Keule, ohne Bogen, ohne Wagen, ohne Rüstung, mit bloßen Armen kämpfend - welcher Mann könnte vor ihm bestehen?

Wort für Wort
agadasya api adhanuṣaḥ
selbst des Keulenlosen, Bogenlosen (Gen. + Adv. + Gen.)
virathasya vivarmaṇaḥ
des Wagenlosen, Rüstungslosen (Gen. + Gen.)
bāhubhyām yudhyamānasya
der mit den [bloßen] Armen Kämpfenden (Instr.Du. + Gen., Ptz.Präs.Med.)
kaḥ tiṣṭhet agrataḥ pumān
welcher Mann könnte vor ihm bestehen (Interrog. + 3.Sg.Opt. + Adv. + Nom.)

bhīṣmo droṇaś ca vipro 'yaṃ kṛpaḥ śāradvatas tathā jānanty ete yathaivāhaṃ vīryajñas tasya dhīmataḥ

Bhīṣma und Droṇa, dieser Brahmane, und ebenso Kṛpa, der Sohn des Śaradvat - sie wissen es, ebenso wie ich, seine Tapferkeit kennend, um jenen Klugen.

Wort für Wort
bhīṣmaḥ droṇaḥ ca vipraḥ ayam
Bhīṣma und Droṇa, dieser Brahmane (Nom.)
kṛpaḥ śāradvataḥ tathā
und ebenso Kṛpa, der Sohn des Śaradvat (Nom. + Adv.)
jānanti ete yathā eva aham
sie wissen es, ebenso wie ich (3.Pl.Präs. + Nom.Pl. + Adv. + Adv. + 1.Sg.)
vīryajñaḥ tasya dhīmataḥ
die Tapferkeit kennend, um jenen Klugen (Nom., Kompositum + Gen. + Gen.)

[Anm.: Die Satzkonstruktion ist verdichtet; Sinn: Bhīṣma, Droṇa und Kṛpa kennen Bhīmas Tapferkeit ebenso gut wie Dhṛtarāṣṭra selbst.]

āryavrataṃ tu jānantaḥ saṃgarān na bibhitsavaḥ senāmukheṣu sthāsyanti māmakānāṃ nararṣabhāḥ

Doch da sie das edle Gelübde kennen, nicht willens, das Bündnis zu brechen, werden die Stiere unter meinen Männern an der Spitze der Heere standhalten.

Wort für Wort
āryavratam tu jānantaḥ
doch das edle Gelübde kennend (Akk., Kompositum + Partikel + Nom.Pl., Ptz.Präs.)
saṃgarān na bibhitsavaḥ
nicht willens, das Bündnis zu brechen (Akk.Pl. + Adv. + Nom.Pl., Desiderativ)
senāmukheṣu sthāsyanti
werden an der Spitze der Heere standhalten (Lok.Pl., Kompositum + 3.Pl.Fut.)
māmakānām nararṣabhāḥ
die Stiere unter meinen [Männern] (Gen.Pl. + Nom.Pl., Kompositum)

balīyaḥ sarvato diṣṭaṃ puruṣasya viśeṣataḥ paśyann api jayaṃ teṣāṃ na niyacchāmi yat sutān

Das Schicksal ist von allen Seiten stärker, besonders stärker als der Wille des Menschen - obwohl ich ihren Sieg voraussehe, halte ich dennoch meine Söhne nicht zurück.

Wort für Wort
balīyaḥ sarvataḥ diṣṭam
stärker von allen Seiten das Schicksal (Nom. + Adv. + Nom.)
puruṣasya viśeṣataḥ
besonders als [der Wille] des Menschen (Gen. + Adv.)
paśyan api jayam teṣām
obwohl ich [ihren] Sieg voraussehe (Nom., Ptz.Präs. + Adv. + Akk. + Gen.Pl.)
na niyacchāmi yat sutān
halte ich dennoch [meine] Söhne nicht zurück (Adv. + 1.Sg.Präs. + Konj. + Akk.Pl.)

te purāṇaṃ maheṣvāsā mārgam aindraṃ samāsthitāḥ tyakṣyanti tumule prāṇān rakṣantaḥ pārthivaṃ yaśaḥ

Jene großen Bogenschützen, dem uralten Pfad Indras folgend, werden im Getümmel ihr Leben aufgeben, den königlichen Ruhm bewahrend.

Wort für Wort
te purāṇam maheṣvāsāḥ
jene großen Bogenschützen, dem uralten (Nom.Pl. + Akk. + Nom.Pl., Kompositum)
mārgam aindram samāsthitāḥ
dem Pfad Indras folgend (Akk. + Akk. + Nom.Pl., Ptz.Perf.)
tyakṣyanti tumule prāṇān
werden im Getümmel [ihr] Leben aufgeben (3.Pl.Fut. + Lok. + Akk.Pl.)
rakṣantaḥ pārthivam yaśaḥ
den königlichen Ruhm bewahrend (Nom.Pl., Ptz.Präs. + Akk. + Akk.)

yathaiṣāṃ māmakās tāta tathaiṣāṃ pāṇḍavā api pautrā bhīṣmasya śiṣyāś ca droṇasya ca kṛpasya ca

Wie diese die Meinigen sind, mein Lieber, so sind ihnen ebenso die Pāṇḍavas: Enkelschüler Bhīṣmas und Schüler Droṇas und Kṛpas.

Wort für Wort
yathā eṣām māmakāḥ tāta
wie diese die Meinigen [sind], mein Lieber (Adv. + Gen.Pl. + Nom.Pl. + Vok.)
tathā eṣām pāṇḍavāḥ api
so sind ihnen ebenso die Pāṇḍavas (Adv. + Gen.Pl. + Nom.Pl. + Adv.)
pautrāḥ bhīṣmasya
Enkelschüler Bhīṣmas (Nom.Pl. + Gen.)
śiṣyāḥ ca droṇasya ca kṛpasya ca
und Schüler Droṇas und Kṛpas (Nom.Pl. + Gen. + Gen.)

yat tv asmad āśrayaṃ kiṃ cid dattam iṣṭaṃ ca saṃjaya tasyāpacitim āryatvāt kartāraḥ sthavirās trayaḥ

Was aber irgend an Zuflucht, Gabe und Wohlwollen von uns ihnen zuteilwurde, o Saṃjaya - dessen Vergeltung werden die drei Alten aus edler Gesinnung erweisen.

Wort für Wort
yat tu asmat āśrayam
was aber von uns an Zuflucht (Konj. + Partikel + Abl. + Akk.)
kiṃ cit dattam iṣṭam ca
irgend an Gabe und Wohlwollen (Indef. + Ptz.Perf.Pass. + Ptz.Perf.Pass. + Konj.)
saṃjaya tasya apacitim
o Saṃjaya, dessen Vergeltung (Vok. + Gen. + Akk.)
āryatvāt kartāraḥ sthavirāḥ trayaḥ
werden die drei Alten aus edler Gesinnung erweisen (Abl. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)

[Anm.: 'die drei Alten' = Bhīṣma, Droṇa und Kṛpa.]

ādadānasya śastraṃ hi kṣatradharmaṃ parīpsataḥ nidhanaṃ brāhmaṇasyājau varam evāhur uttamam

Denn für den Brahmanen, der die Waffe ergreift und das Kṣatriya-Dharma zu erlangen sucht, gilt der Tod im Kampf als das höchste, beste Los, sagt man.

Wort für Wort
ādadānasya śastram hi
für den, der die Waffe ergreift (Gen., Ptz.Präs.Med. + Akk. + Partikel)
kṣatradharmam parīpsataḥ
der das Kṣatriya-Dharma zu erlangen sucht (Akk., Kompositum + Gen., Desiderativ-Ptz.)
nidhanam brāhmaṇasya ājau
der Tod des Brahmanen im Kampf (Nom. + Gen. + Lok.)
varam eva āhuḥ uttamam
gilt als das höchste, beste [Los], sagt man (Akk. + Partikel + 3.Pl.Perf. + Akk.)

sa vai śocāmi sarvān vai ye yuyutsanti pāṇḍavān vikruṣṭaṃ vidureṇādau tad etad bhayam āgatam

Ich betrauere fürwahr alle, die gegen die Pāṇḍavas zu kämpfen wünschen; das von Vidura anfangs ausgerufene Wort - eben diese Furcht ist nun eingetreten.

Wort für Wort
sa vai śocāmi sarvān vai
ich betrauere fürwahr alle (1.Sg. + Partikel + 1.Sg.Präs. + Akk.Pl. + Partikel)
ye yuyutsanti pāṇḍavān
die gegen die Pāṇḍavas zu kämpfen wünschen (Nom.Pl. + 3.Pl.Präs.Desid. + Akk.Pl.)
vikruṣṭam vidureṇa ādau
das von Vidura am Anfang Ausgerufene (Nom., Ptz.Perf.Pass. + Instr. + Adv.)
tat etat bhayam āgatam
eben diese Furcht ist eingetreten (Nom. + Nom. + Nom. + Ptz.Perf.)

na tu manye vighātāya jñānaṃ duḥkhasya saṃjaya bhavaty atibale hy etaj jñānam apy upaghātakam

Doch ich glaube nicht, o Saṃjaya, dass Wissen zur Abwehr des Leids dient; denn dieses Wissen wird sogar selbst zum Schädiger, wenn das Schicksal übermächtig ist.

Wort für Wort
na tu manye vighātāya
doch ich glaube nicht zur Abwehr (Adv. + Partikel + 1.Sg.Präs. + Dat.)
jñānam duḥkhasya saṃjaya
dass Wissen des Leids, o Saṃjaya (Nom. + Gen. + Vok.)
bhavati atibale hi
denn es wird, wenn [das Schicksal] übermächtig ist (3.Sg.Präs. + Lok. + Partikel)
etat jñānam api upaghātakam
dieses Wissen sogar zum Schädiger (Nom. + Nom. + Adv. + Nom.)

ṛṣayo hy api nirmuktāḥ paśyanto lokasaṃgrahān sukhe bhavanti sukhinas tathā duḥkhena duḥkhitāḥ

Denn selbst die Seher, obgleich befreit, werden, wenn sie auf das Wohlergehen der Welt blicken, im Glück glücklich und ebenso durch Leid leidend.

Wort für Wort
ṛṣayaḥ hi api nirmuktāḥ
denn selbst die befreiten Seher (Nom.Pl. + Partikel + Adv. + Nom.Pl., Ptz.Perf.Pass.)
paśyantaḥ lokasaṃgrahān
wenn sie auf das Wohlergehen der Welt blicken (Nom.Pl., Ptz.Präs. + Akk.Pl., Kompositum)
sukhe bhavanti sukhinaḥ
werden im Glück glücklich (Lok. + 3.Pl.Präs. + Nom.Pl.)
tathā duḥkhena duḥkhitāḥ
und ebenso durch Leid leidend (Adv. + Instr. + Nom.Pl., Ptz.Perf.Pass.)

kiṃ punar yo 'ham āsaktas tatra tatra sahasradhā putreṣu rājyadāreṣu pautreṣv api ca bandhuṣu

Wieviel mehr ich, der ich tausendfach hier und dort gebunden bin - an Söhne, Königreich, Gattinnen, Enkel und auch Verwandte?

Wort für Wort
kim punar yaḥ aham āsaktaḥ
wieviel mehr ich, der ich gebunden bin (Interrog. + Adv. + Nom. + 1.Sg. + Nom., Ptz.Perf.Pass.)
tatra tatra sahasradhā
hier und dort tausendfach (Adv. + Adv. + Adv.)
putreṣu rājyadāreṣu
an Söhne, Königreich, Gattinnen (Lok.Pl. + Lok.Pl., Kompositum)
pautreṣu api ca bandhuṣu
und auch an Enkel und Verwandte (Lok.Pl. + Adv. + Konj. + Lok.Pl.)

saṃśaye tu mahaty asmin kiṃ nu me kṣamam uttamam vināśaṃ hy eva paśyāmi kurūṇām anucintayan

In dieser großen Ungewissheit aber - was wäre wohl für mich das Beste, Angemessenste? Denn ich sehe, wenn ich darüber nachdenke, nur den Untergang der Kurus.

Wort für Wort
saṃśaye tu mahati asmin
in dieser großen Ungewissheit aber (Lok. + Partikel + Lok. + Lok.)
kim nu me kṣamam uttamam
was wäre wohl für mich das Beste, Angemessenste (Interrog. + Partikel + Gen. + Nom. + Nom.)
vināśam hi eva paśyāmi
denn ich sehe nur den Untergang (Akk. + Partikel + Adv. + 1.Sg.Präs.)
kurūṇām anucintayan
der Kurus, [darüber] nachdenkend (Gen.Pl. + Nom., Ptz.Präs.)

dyūtapramukham ābhāti kurūṇāṃ vyasanaṃ mahat mandenaiśvaryakāmena lobhāt pāpam idaṃ kṛtam

Das mit dem Würfelspiel beginnende große Unheil der Kurus zeichnet sich ab; von dem Schwachsinnigen, nach Herrschaft Begehrenden wurde aus Gier diese Sünde begangen.

Wort für Wort
dyūtapramukham ābhāti
das mit dem Würfelspiel beginnende zeichnet sich ab (Nom., Kompositum + 3.Sg.Präs.)
kurūṇām vyasanam mahat
das große Unheil der Kurus (Gen.Pl. + Nom. + Nom.)
mandena aiśvaryakāmena
von dem Schwachsinnigen, nach Herrschaft Begehrenden (Instr. + Instr., Kompositum)
lobhāt pāpam idam kṛtam
aus Gier wurde diese Sünde begangen (Abl. + Nom. + Nom. + Ptz.Perf.Pass.)

manye paryāyadharmo 'yaṃ kālasyātyantagāminaḥ cakre pradhir ivāsakto nāsya śakyaṃ palāyitum

Ich glaube, dies ist die Wechselwirkung der unaufhaltsam fortschreitenden Zeit, wie die an das Rad gebundene Radnabe; vor ihr kann man nicht entfliehen.

Wort für Wort
manye paryāyadharmaḥ ayam
ich glaube, dies ist die Wechselwirkung (1.Sg.Präs. + Nom., Kompositum + Nom.)
kālasya atyantagāminaḥ
der unaufhaltsam fortschreitenden Zeit (Gen. + Gen., Kompositum)
cakre pradhiḥ iva āsaktaḥ
wie die an das Rad gebundene Nabe (Lok. + Nom. + Adv. + Nom., Ptz.Perf.Pass.)
na asya śakyam palāyitum
vor ihr kann man nicht entfliehen (Adv. + Gen. + Nom. + Inf.)

kiṃ nu kāryaṃ kathaṃ kuryāṃ kva nu gacchāmi saṃjaya ete naśyanti kuravo mandāḥ kālavaśaṃ gatāḥ

Was ist wohl zu tun, wie sollte ich handeln, wohin sollte ich gehen, o Saṃjaya? Diese törichten Kurus gehen zugrunde, der Zeit Gewalt anheimgefallen.

Wort für Wort
kim nu kāryam katham kuryām
was ist wohl zu tun, wie sollte ich handeln (Interrog. + Partikel + Nom. + Interrog. + 1.Sg.Opt.)
kva nu gacchāmi saṃjaya
wohin sollte ich gehen, o Saṃjaya (Interrog. + Partikel + 1.Sg.Präs. + Vok.)
ete naśyanti kuravaḥ mandāḥ
diese törichten Kurus gehen zugrunde (Nom.Pl. + 3.Pl.Präs. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
kālavaśam gatāḥ
der Zeit Gewalt anheimgefallen (Akk., Kompositum + Nom.Pl., Ptz.Perf.)

avaśo 'haṃ purā tāta putrāṇāṃ nihate śate śroṣyāmi ninadaṃ strīṇāṃ kathaṃ māṃ maraṇaṃ spṛśet

Ohnmächtig werde ich einst, mein Lieber, wenn die Hundert meiner Söhne erschlagen sind, das Wehklagen der Frauen hören - wie sollte da der Tod mich nicht berühren?

Wort für Wort
avaśaḥ aham purā tāta
ohnmächtig werde ich einst, mein Lieber (Nom. + 1.Sg. + Adv. + Vok.)
putrāṇām nihate śate
wenn die Hundert der Söhne erschlagen sind (Gen.Pl. + Lok., Ptz.Perf.Pass. + Lok.)
śroṣyāmi ninadam strīṇām
werde ich das Wehklagen der Frauen hören (1.Sg.Fut. + Akk. + Gen.Pl.)
katham mām maraṇam spṛśet
wie sollte da der Tod mich [nicht] berühren (Interrog. + Akk. + Nom. + 3.Sg.Opt.)

yathā nidāghe jvalanaḥ samiddho; dahet kakṣaṃ vāyunā codyamānaḥ gadāhastaḥ pāṇḍavas tadvad eva; hantā madīyān sahito 'rjunena

Wie in der Sommerhitze ein entfachtes Feuer, vom Wind angetrieben, das Dickicht verbrennen würde - ebenso wird der Pāṇḍava mit der Keule in der Hand, zusammen mit Arjuna, die Meinigen vernichten.

Wort für Wort
yathā nidāghe jvalanaḥ samiddhaḥ
wie in der Sommerhitze ein entfachtes Feuer (Adv. + Lok. + Nom. + Nom., Ptz.Perf.Pass.)
dahet kakṣam vāyunā codyamānaḥ
das Dickicht verbrennen würde, vom Wind angetrieben (3.Sg.Opt. + Akk. + Instr. + Nom., Ptz.Präs.Pass.)
gadāhastaḥ pāṇḍavaḥ tadvat eva
ebenso der Pāṇḍava mit der Keule in der Hand (Nom., Kompositum + Nom. + Adv.)
hantā madīyān sahitaḥ arjunena
wird die Meinigen vernichten, zusammen mit Arjuna (Nom.Fut.Akt.Ptz. + Akk.Pl. + Nom. + Instr.)

[Anm.: Dieser Schlussvers steht in einem anderen, kunstvolleren Versmaß (Upajāti/Triṣṭubh) als die vorangehenden Anuṣṭubh-Verse - eine gängige Konvention zur Kennzeichnung eines Kapitel- bzw. Redeabschnitts. Die Rede Dhṛtarāṣṭras bleibt gleichwohl inhaltlich offen; die SQ-Ebene (Tiefe 1) wird nicht geschlossen und läuft in das folgende Kapitel weiter.]

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