Kapitel 50: Bhīmaviṣayakabhayavarṇanam
Dhṛtarāṣṭras Furcht vor Bhīma
Dhṛtarāṣṭras große, das ganze Kapitel füllende Klagerede an Saṃjaya: aus Furcht vor Bhīmasenas Kraft und unstillbarem Groll (seit dessen Kindheit gegen die Kaurava-Söhne) sieht er den Untergang seiner Söhne bereits voraus. Er schildert ausführlich Bhīmas Statur, Wesen und vorausgeahnte Kampfweise (Keule, Ansturm wie Feuer/Löwe/Elefant), erinnert an Bhīmas Tötung Jarāsandhas als Beleg seiner Unbesiegbarkeit, würdigt Bhīṣma/Droṇa/Kṛpas Loyalitätskonflikt, und mündet in eine fatalistische Reflexion über Schicksal, Zeit und die Unausweichlichkeit des kommenden Unheils (Rad-Nabe-Gleichnis V.58) - endend mit einem einzelnen Vers im Upajāti-Versmaß (V.61, Bhīma+Arjuna als loderndes Feuer im Wind). Die SQ-Ebene (Dhṛtarāṣṭras Rede) bleibt am Kapitelende offen (Tiefe 1) und läuft in Kap.51 weiter; die aus Kap.49 offen ererbte SQ-Ebene von Saṃjayas Heldenkatalog schließt implizit in V.1 durch den Sprecherwechsel.
dhṛtarāṣṭra uvāca sarva ete mahotsāhā ye tvayā parikīrtitāḥ ekatas tv eva te sarve sametā bhīma ekataḥ
‘Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Alle diese von großem Eifer, die von dir genannt wurden - auf der einen Seite sind sie alle versammelt, auf der anderen Seite allein Bhīma.
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Nom. + 3.Sg.Perf.)
sarve ete mahotsāhāḥ
alle diese von großem Eifer (Nom.Pl., Kompositum)
ye tvayā parikīrtitāḥ
die von dir genannt wurden (Nom.Pl. + Instr. + Ptz.Perf.Pass.)
ekataḥ tu eva te sarve sametāḥ
auf der einen Seite sind sie alle versammelt (Adv. + Nom.Pl. + Ptz.Perf.)
bhīma ekataḥ
Bhīma auf der anderen Seite (Nom. + Adv.)
[Anm.: Die aus Kap.49 offen fortgeführte Redeebene von Saṃjayas Heldenkatalog (SQ, Tiefe 1) schließt hier implizit durch den Sprecherwechsel zu Dhṛtarāṣṭra; eine neue SQ-Ebene für Dhṛtarāṣṭras folgende, das gesamte Kapitel füllende Klagerede über Bhīmasena öffnet unmittelbar.]
Denn vor Bhīmasena entsteht mir noch mehr große Furcht, dem Erzürnten, Ungeduldigen, mein Lieber, wie die Furcht eines großen Rurū-Hirsches vor dem Tiger.
Wort für Wort
bhīmasenāt hi me bhūyaḥ
denn vor Bhīmasena mir noch mehr (Abl. + Partikel + Gen. + Adv.)
bhayam saṃjāyate mahat
entsteht große Furcht (Nom. + 3.Sg.Präs.Med. + Nom.)
kruddhāt amarṣaṇāt
vor dem Erzürnten, Ungeduldigen (Abl.)
tāta
mein Lieber (Vok.)
vyāghrāt iva mahāruroḥ
wie [die Furcht] eines großen Rurū-Hirsches vor dem Tiger (Abl. + Adv. + Gen., Kompositum)
[Anm.: Rurú - eine Hirschart; hier nur inline erläutert.]
amarṣaṇaś ca kaunteyo dṛḍhavairaś ca pāṇḍavaḥ anarmahāsī sonmādas tiryakprekṣī mahāsvanaḥ
Und der Sohn der Kuntī ist ungeduldig, und der Pāṇḍava trägt festen Groll; ohne Scherzlachen, von rasender Wut, mit schielendem Blick, von gewaltiger Stimme.
Wort für Wort
amarṣaṇaḥ ca kaunteyaḥ
und der Sohn der Kuntī ist ungeduldig (Nom.)
dṛḍhavairaḥ ca pāṇḍavaḥ
und der Pāṇḍava trägt festen Groll (Nom., Kompositum)
anarmahāsī sa-unmādaḥ
ohne Scherzlachen, von rasender Wut (Nom., Kompositum)
tiryakprekṣī mahāsvanaḥ
mit schielendem Blick, von gewaltiger Stimme (Nom., Kompositum)
Die Keule tragend gegen jene, die vom Schenkelgriff erfasst wurden, wird Vṛkodara, der Stier der Kurus, im Kampf wie der Todesgott mit dem Stab in der Hand sein.
Wort für Wort
ūrugrāhagṛhītānām
jener, die vom Schenkelgriff erfasst wurden (Gen.Pl., Kompositum + Ptz.Perf.Pass.)
gadām bibhrat vṛkodaraḥ
die Keule tragend, Vṛkodara (Akk. + Nom., Ptz.Präs. + Nom.)
kurūṇām ṛṣabhaḥ yuddhe
der Stier der Kurus, im Kampf (Gen.Pl. + Nom. + Lok.)
daṇḍapāṇiḥ iva antakaḥ
wie der Todesgott mit dem Stab in der Hand (Nom., Kompositum + Adv. + Nom.)
[Anm.: Anspielung auf Bhīmas späteren Schenkelschlag gegen Duryodhana; hier proleptisch erwähnt.]
udvepate me hṛdayaṃ yadā duryodhanādayaḥ bālye 'pi tena yudhyanto vāraṇeneva marditāḥ
Mein Herz erzittert, wenn ich daran denke, wie Duryodhana und die anderen, schon in der Kindheit mit ihm kämpfend, wie von einem Elefanten zermalmt wurden.
Wort für Wort
udvepate me hṛdayam
mein Herz erzittert (3.Sg.Präs.Med. + Gen. + Nom.)
yadā duryodhanādayaḥ
wenn Duryodhana und die anderen (Adv. + Nom.Pl., Kompositum)
bālye api tena yudhyantaḥ
schon in der Kindheit, mit ihm kämpfend (Lok. + Adv. + Instr. + Nom.Pl., Ptz.Präs.)
vāraṇeṇa iva marditāḥ
wie von einem Elefanten zermalmt (Instr. + Adv. + Ptz.Perf.Pass.)
na sa jātu vaśe tasthau mama bālo 'pi saṃjaya kiṃ punar mama duṣputraiḥ kliṣṭaḥ saṃprati pāṇḍavaḥ
Niemals stand er, selbst als Knabe, unter meiner Botmäßigkeit, o Saṃjaya - wieviel weniger nun, da der Pāṇḍava jetzt von meinen bösen Söhnen bedrängt wurde?
Wort für Wort
na saḥ jātu vaśe tasthau
niemals stand er unter [meiner] Botmäßigkeit (Adv. + Nom. + Adv. + Lok. + 3.Sg.Perf.)
mama bālaḥ api saṃjaya
als mein Knabe, o Saṃjaya (Gen. + Nom. + Adv. + Vok.)
kim punar mama duṣputraiḥ
wieviel weniger [nun] durch meine bösen Söhne (Interrog. + Adv. + Gen. + Instr.Pl.)
kliṣṭaḥ saṃprati pāṇḍavaḥ
der Pāṇḍava jetzt bedrängt (Nom., Ptz.Perf.Pass. + Adv. + Nom.)
[Anm.: 'avyaktajalpī' ('undeutlich sprechend') bezieht sich vermutlich auf Bhīmas Kindheit; 'madhvakṣaḥ' ('honigäugig') ist ein sonst seltener Beiname.]
So wurde mir einst in seiner Kindheit, früher, aus dem Munde Vyāsas, dieser Pāṇḍava der Wahrheit gemäß beschrieben, sowohl seiner Gestalt als auch seiner Tapferkeit nach.
Wort für Wort
iti bālye śrutaḥ pūrvam
so wurde in [seiner] Kindheit einst gehört/beschrieben (Zitatpartikel + Lok. + Nom., Ptz.Perf.Pass. + Adv.)
mayā vyāsamukhāt purā
von mir, aus dem Munde Vyāsas, einst (Instr. + Abl., Kompositum + Adv.)
rūpataḥ vīryataḥ ca eva
sowohl der Gestalt als auch der Tapferkeit nach (Adv. + Adv.)
Wie sollten meine Söhne der gegossenen eisernen, dicken, mit schönen Knoten versehenen, goldenen Keule standhalten, der Hundertschlägerin, mit hundertfachem Dröhnen?
Wort für Wort
niṣkīrṇām āyasīm sthūlām
der gegossenen eisernen, dicken (Akk.)
suparvām kāñcanīm gadām
mit schönen Knoten versehenen, goldenen Keule (Akk.)
śataghnīm śatanirhrādām
der Hundertschlägerin, mit hundertfachem Dröhnen (Akk., Kompositum)
katham śakṣyanti me sutāḥ
wie sollten meine Söhne standhalten (Interrog. + 3.Pl.Fut. + Gen. + Nom.Pl.)
Die Törichten, mein Lieber, trachten das uferlose, schifflose, unergründliche, aus Pfeilen strömende, ganz aus Bhīmasena bestehende, unüberwindliche Meer zu durchqueren.
Wort für Wort
apāram aplavam agādham
das uferlose, schifflose, unergründliche (Akk., Kompositum)
samudram śaraveginam
das Meer, von Pfeil-Strömung (Akk. + Akk., Kompositum)
bhīmasenamayam durgam
das aus Bhīmasena bestehende, unüberwindliche (Akk., Kompositum)
tāta mandāḥ titīrṣavaḥ
mein Lieber, die Törichten, zu durchqueren trachtend (Vok. + Nom.Pl. + Nom.Pl., Desiderativ-Kompositum)
saṃyugaṃ ye kariṣyanti nararūpeṇa vāyunā niyataṃ coditā dhātrā siṃheneva mahāmṛgāḥ
Die den Kampf aufnehmen werden mit dem in Menschengestalt erschienenen Windgott [Bhīma] - sie sind gewiss vom Schöpfer angetrieben, wie große Wildtiere vor dem Löwen.
Wort für Wort
saṃyugam ye kariṣyanti
die den Kampf aufnehmen werden (Akk. + Nom.Pl. + 3.Pl.Fut.)
nararūpeṇa vāyunā
mit dem in Menschengestalt [erschienenen] Windgott (Instr., Kompositum + Instr.)
niyatam coditāḥ dhātrā
gewiss angetrieben vom Schöpfer (Adv. + Nom.Pl., Ptz.Perf.Pass. + Instr.)
siṃhena iva mahāmṛgāḥ
wie große Wildtiere vor dem Löwen (Instr. + Adv. + Nom.Pl., Kompositum)
[Anm.: 'vāyunā' bezieht sich auf Bhīma als Sohn des Windgottes Vāyu.]
Wie sollten meine Söhne, mein Lieber, der aus Śaikya-Eisen gefertigten, vier Ellen langen, sechskantigen, von unermesslicher Wucht, geschleuderten, schmerzhaft berührenden Keule standhalten?
Wort für Wort
śaikyām tāta catuṣkiṣkum
der Śaikya-eisernen, vier Ellen langen, mein Lieber (Akk. + Vok. + Akk., Kompositum)
ṣaḍasrim amitaujasam
der sechskantigen, von unermesslicher Wucht (Akk., Kompositum)
prahitām duḥkhasaṃsparśām
der geschleuderten, schmerzhaft berührenden (Akk., Ptz.Perf.Pass. + Akk., Kompositum)
katham śakṣyanti me sutāḥ
wie sollten meine Söhne standhalten (Interrog. + 3.Pl.Fut. + Gen. + Nom.Pl.)
während er die Keule schwingt, während er die Elefantenschädel zerschmettert, während er sich wiederholt die Mundwinkel leckt, während er unaufhörlich Tränen vergießt,
Wort für Wort
gadām bhrāmayataḥ tasya
während jener die Keule schwingt (Akk. + Gen., Ptz.Präs. + Gen.)
bhindataḥ hastimastakān
während er die Elefantenschädel zerschmettert (Gen., Ptz.Präs. + Akk.Pl., Kompositum)
sṛkkiṇī lelihānasya
während er sich die Mundwinkel leckt (Akk.Du. + Gen., Ptz.Präs.Med.)
bāṣpam utsṛjataḥ muhuḥ
während er unaufhörlich Tränen vergießt (Akk. + Gen., Ptz.Präs. + Adv.)
während er zielgerichtet Sprünge macht, während er furchterregende Schreie ausstößt, während er gegen die anstürmenden brünstigen Elefanten zurückbrüllt,
Wort für Wort
uddiśya pātān patataḥ
während er zielgerichtet Sprünge macht (Ger. + Akk.Pl. + Gen., Ptz.Präs.)
kurvataḥ bhairavān ravān
während er furchterregende Schreie macht (Gen., Ptz.Präs. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
pratīpān patataḥ mattān kuñjarān
gegen die anstürmenden brünstigen Elefanten (Akk.Pl. + Gen., Ptz.Präs. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
Eine Gasse bahnend, der Großarmige, mein Heer in die Flucht schlagend, gleichsam tanzend, die Keule in der Hand, wird er das Ende eines Weltzeitalters zeigen.
Wort für Wort
vīthīm kurvan mahābāhuḥ
eine Gasse bahnend, der Großarmige (Akk. + Nom., Ptz.Präs. + Nom.)
drāvayan mama vāhinīm
mein Heer in die Flucht schlagend (Nom., Ptz.Präs.Kausativ + Gen. + Akk.)
nṛtyan iva gadāpāṇiḥ
gleichsam tanzend, die Keule in der Hand (Nom., Ptz.Präs. + Adv. + Nom., Kompositum)
yugāntam darśayiṣyati
wird das Ende eines Weltzeitalters zeigen (Akk. + 3.Sg.Fut.)
Die Wagen ihrer Männer beraubend, ihrer Banner beraubend, mit zerbrochenen Trommeln - der Männertiger wird sie zerschmettern, die Wagenkämpfer und ebenso die Reiter.
Wort für Wort
kurvan rathān vipuruṣān
die Wagen ihrer Männer beraubend machend (Nom., Ptz.Präs. + Akk.Pl. + Akk.Pl., Kompositum)
vidhvajān bhagnapuṣkarān
ihrer Banner beraubt, mit zerbrochenen Trommeln (Akk.Pl., Kompositum)
ārujan puruṣavyāghraḥ
zerschmetternd, der Männertiger (Nom., Ptz.Präs. + Nom., Kompositum)
rathinaḥ sādinaḥ tathā
die Wagenkämpfer und ebenso die Reiter (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Adv.)
gaṅgāvega ivānūpāṃs tīrajān vividhān drumān pravekṣyati mahāsenāṃ putrāṇāṃ mama saṃjaya
Wie die Strömung der Gaṅgā Sumpfbäume und mancherlei am Ufer wachsende Bäume mitreißt, so wird er in das große Heer meiner Söhne eindringen, o Saṃjaya.
Wort für Wort
gaṅgāvegaḥ iva anūpān
wie die Strömung der Gaṅgā die Sumpf[bäume] (Nom., Kompositum + Adv. + Akk.Pl.)
Durch den, mit Vāsudeva als Helfer, einst König Jarāsandha, von großer Tapferkeit, nachdem er in den inneren Palast eingedrungen war, zu Fall gebracht wurde,
Wort für Wort
yena rājā mahāvīryaḥ
durch den, [jener] König von großer Tapferkeit (Instr. + Nom. + Nom., Kompositum)
praviśya antaḥpuram purā
nachdem er einst in den inneren Palast eingedrungen war (Ger. + Akk., Kompositum + Adv.)
vāsudevasahāyena
mit Vāsudeva als Helfer (Instr., Kompositum)
jarāsaṃdhaḥ nipātitaḥ
Jarāsandha zu Fall gebracht (Nom. + Ptz.Perf.Pass.)
bhīṣmapratāpāt kuravo nayenāndhakavṛṣṇayaḥ te na tasya vaśaṃ jagmuḥ kevalaṃ daivam eva vā
Durch Bhīṣmas Macht entkamen die Kurus, durch Klugheit die Andhakas und Vṛṣṇis - sie gerieten nicht in seine Gewalt, einzig durch göttliche Fügung, wahrlich.
Wort für Wort
bhīṣmapratāpāt kuravaḥ
durch Bhīṣmas Macht die Kurus (Abl., Kompositum + Nom.Pl.)
nayena andhakavṛṣṇayaḥ
durch Klugheit die Andhakas und Vṛṣṇis (Instr. + Nom.Pl.)
te na tasya vaśam jagmuḥ
sie gerieten nicht in seine Gewalt (Nom.Pl. + Adv. + Gen. + Akk. + 3.Pl.Perf.)
kevalam daivam eva vā
einzig durch [göttliche] Fügung, wahrlich (Adv. + Nom. + Partikel + Partikel)
sa gatvā pāṇḍuputreṇa tarasā bāhuśālinā anāyudhena vīreṇa nihataḥ kiṃ tato 'dhikam
Er wurde, nachdem er zum Zweikampf gegangen war, von dem Sohn des Pāṇḍu, durch Kraft, mit starken Armen, waffenlos, dem Helden, erschlagen - was gibt es, das darüber hinausgeht?
Wort für Wort
saḥ gatvā pāṇḍuputreṇa
er, nachdem er gegangen war, von dem Sohn des Pāṇḍu (Nom. + Ger. + Instr., Kompositum)
tarasā bāhuśālinā
durch Kraft, mit starken Armen (Instr. + Instr., Kompositum)
anāyudhena vīreṇa nihataḥ
waffenlos, dem Helden, erschlagen (Instr. + Instr. + Nom., Ptz.Perf.Pass.)
kim tataḥ adhikam
was gibt es, das darüber hinausgeht (Interrog. + Adv. + Nom.)
āryavrataṃ tu jānantaḥ saṃgarān na bibhitsavaḥ senāmukheṣu sthāsyanti māmakānāṃ nararṣabhāḥ
Doch da sie das edle Gelübde kennen, nicht willens, das Bündnis zu brechen, werden die Stiere unter meinen Männern an der Spitze der Heere standhalten.
Wort für Wort
āryavratam tu jānantaḥ
doch das edle Gelübde kennend (Akk., Kompositum + Partikel + Nom.Pl., Ptz.Präs.)
saṃgarān na bibhitsavaḥ
nicht willens, das Bündnis zu brechen (Akk.Pl. + Adv. + Nom.Pl., Desiderativ)
senāmukheṣu sthāsyanti
werden an der Spitze der Heere standhalten (Lok.Pl., Kompositum + 3.Pl.Fut.)
māmakānām nararṣabhāḥ
die Stiere unter meinen [Männern] (Gen.Pl. + Nom.Pl., Kompositum)
balīyaḥ sarvato diṣṭaṃ puruṣasya viśeṣataḥ paśyann api jayaṃ teṣāṃ na niyacchāmi yat sutān
Das Schicksal ist von allen Seiten stärker, besonders stärker als der Wille des Menschen - obwohl ich ihren Sieg voraussehe, halte ich dennoch meine Söhne nicht zurück.
Wort für Wort
balīyaḥ sarvataḥ diṣṭam
stärker von allen Seiten das Schicksal (Nom. + Adv. + Nom.)
puruṣasya viśeṣataḥ
besonders als [der Wille] des Menschen (Gen. + Adv.)
yat tv asmad āśrayaṃ kiṃ cid dattam iṣṭaṃ ca saṃjaya tasyāpacitim āryatvāt kartāraḥ sthavirās trayaḥ
Was aber irgend an Zuflucht, Gabe und Wohlwollen von uns ihnen zuteilwurde, o Saṃjaya - dessen Vergeltung werden die drei Alten aus edler Gesinnung erweisen.
Wort für Wort
yat tu asmat āśrayam
was aber von uns an Zuflucht (Konj. + Partikel + Abl. + Akk.)
kiṃ cit dattam iṣṭam ca
irgend an Gabe und Wohlwollen (Indef. + Ptz.Perf.Pass. + Ptz.Perf.Pass. + Konj.)
saṃjaya tasya apacitim
o Saṃjaya, dessen Vergeltung (Vok. + Gen. + Akk.)
āryatvāt kartāraḥ sthavirāḥ trayaḥ
werden die drei Alten aus edler Gesinnung erweisen (Abl. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
[Anm.: 'die drei Alten' = Bhīṣma, Droṇa und Kṛpa.]
sa vai śocāmi sarvān vai ye yuyutsanti pāṇḍavān vikruṣṭaṃ vidureṇādau tad etad bhayam āgatam
Ich betrauere fürwahr alle, die gegen die Pāṇḍavas zu kämpfen wünschen; das von Vidura anfangs ausgerufene Wort - eben diese Furcht ist nun eingetreten.
Wort für Wort
sa vai śocāmi sarvān vai
ich betrauere fürwahr alle (1.Sg. + Partikel + 1.Sg.Präs. + Akk.Pl. + Partikel)
ye yuyutsanti pāṇḍavān
die gegen die Pāṇḍavas zu kämpfen wünschen (Nom.Pl. + 3.Pl.Präs.Desid. + Akk.Pl.)
vikruṣṭam vidureṇa ādau
das von Vidura am Anfang Ausgerufene (Nom., Ptz.Perf.Pass. + Instr. + Adv.)
tat etat bhayam āgatam
eben diese Furcht ist eingetreten (Nom. + Nom. + Nom. + Ptz.Perf.)
na tu manye vighātāya jñānaṃ duḥkhasya saṃjaya bhavaty atibale hy etaj jñānam apy upaghātakam
Doch ich glaube nicht, o Saṃjaya, dass Wissen zur Abwehr des Leids dient; denn dieses Wissen wird sogar selbst zum Schädiger, wenn das Schicksal übermächtig ist.
Wort für Wort
na tu manye vighātāya
doch ich glaube nicht zur Abwehr (Adv. + Partikel + 1.Sg.Präs. + Dat.)
jñānam duḥkhasya saṃjaya
dass Wissen des Leids, o Saṃjaya (Nom. + Gen. + Vok.)
bhavati atibale hi
denn es wird, wenn [das Schicksal] übermächtig ist (3.Sg.Präs. + Lok. + Partikel)
etat jñānam api upaghātakam
dieses Wissen sogar zum Schädiger (Nom. + Nom. + Adv. + Nom.)
saṃśaye tu mahaty asmin kiṃ nu me kṣamam uttamam vināśaṃ hy eva paśyāmi kurūṇām anucintayan
In dieser großen Ungewissheit aber - was wäre wohl für mich das Beste, Angemessenste? Denn ich sehe, wenn ich darüber nachdenke, nur den Untergang der Kurus.
Wort für Wort
saṃśaye tu mahati asmin
in dieser großen Ungewissheit aber (Lok. + Partikel + Lok. + Lok.)
kim nu me kṣamam uttamam
was wäre wohl für mich das Beste, Angemessenste (Interrog. + Partikel + Gen. + Nom. + Nom.)
vināśam hi eva paśyāmi
denn ich sehe nur den Untergang (Akk. + Partikel + Adv. + 1.Sg.Präs.)
kurūṇām anucintayan
der Kurus, [darüber] nachdenkend (Gen.Pl. + Nom., Ptz.Präs.)
Das mit dem Würfelspiel beginnende große Unheil der Kurus zeichnet sich ab; von dem Schwachsinnigen, nach Herrschaft Begehrenden wurde aus Gier diese Sünde begangen.
Wort für Wort
dyūtapramukham ābhāti
das mit dem Würfelspiel beginnende zeichnet sich ab (Nom., Kompositum + 3.Sg.Präs.)
kurūṇām vyasanam mahat
das große Unheil der Kurus (Gen.Pl. + Nom. + Nom.)
mandena aiśvaryakāmena
von dem Schwachsinnigen, nach Herrschaft Begehrenden (Instr. + Instr., Kompositum)
lobhāt pāpam idam kṛtam
aus Gier wurde diese Sünde begangen (Abl. + Nom. + Nom. + Ptz.Perf.Pass.)
Ich glaube, dies ist die Wechselwirkung der unaufhaltsam fortschreitenden Zeit, wie die an das Rad gebundene Radnabe; vor ihr kann man nicht entfliehen.
Wort für Wort
manye paryāyadharmaḥ ayam
ich glaube, dies ist die Wechselwirkung (1.Sg.Präs. + Nom., Kompositum + Nom.)
kālasya atyantagāminaḥ
der unaufhaltsam fortschreitenden Zeit (Gen. + Gen., Kompositum)
cakre pradhiḥ iva āsaktaḥ
wie die an das Rad gebundene Nabe (Lok. + Nom. + Adv. + Nom., Ptz.Perf.Pass.)
na asya śakyam palāyitum
vor ihr kann man nicht entfliehen (Adv. + Gen. + Nom. + Inf.)
Ohnmächtig werde ich einst, mein Lieber, wenn die Hundert meiner Söhne erschlagen sind, das Wehklagen der Frauen hören - wie sollte da der Tod mich nicht berühren?
Wie in der Sommerhitze ein entfachtes Feuer, vom Wind angetrieben, das Dickicht verbrennen würde - ebenso wird der Pāṇḍava mit der Keule in der Hand, zusammen mit Arjuna, die Meinigen vernichten.
Wort für Wort
yathā nidāghe jvalanaḥ samiddhaḥ
wie in der Sommerhitze ein entfachtes Feuer (Adv. + Lok. + Nom. + Nom., Ptz.Perf.Pass.)
dahet kakṣam vāyunā codyamānaḥ
das Dickicht verbrennen würde, vom Wind angetrieben (3.Sg.Opt. + Akk. + Instr. + Nom., Ptz.Präs.Pass.)
gadāhastaḥ pāṇḍavaḥ tadvat eva
ebenso der Pāṇḍava mit der Keule in der Hand (Nom., Kompositum + Nom. + Adv.)
hantā madīyān sahitaḥ arjunena
wird die Meinigen vernichten, zusammen mit Arjuna (Nom.Fut.Akt.Ptz. + Akk.Pl. + Nom. + Instr.)
[Anm.: Dieser Schlussvers steht in einem anderen, kunstvolleren Versmaß (Upajāti/Triṣṭubh) als die vorangehenden Anuṣṭubh-Verse - eine gängige Konvention zur Kennzeichnung eines Kapitel- bzw. Redeabschnitts. Die Rede Dhṛtarāṣṭras bleibt gleichwohl inhaltlich offen; die SQ-Ebene (Tiefe 1) wird nicht geschlossen und läuft in das folgende Kapitel weiter.]