Kapitel 156: Saṃjayapraśnaḥ
Dhṛtarāṣṭras Klage und Saṃjayas Antwort
Janamejaya fragt, was geschah, als die Heere in Kurukṣetra aufgestellt waren. Vaiśaṃpāyana berichtet: Dhṛtarāṣṭra bittet Saṃjaya um einen vollständigen Bericht über das Geschehen und klagt resigniert, er könne seinen von Betrug und Würfelspiel verblendeten Sohn Duryodhana weder zügeln noch zu seinem eigenen Heil handeln, da er die Kriegsfolgen kenne, aber dem Schicksal ausgeliefert sei - der Kriegerpflicht des Leibopfers im Kampf ergeben. Saṃjaya antwortet, dass Dhṛtarāṣṭra die Schuld nicht allein Duryodhana zuschieben dürfe, da eigenes schlechtes Handeln, nicht Schicksal oder Zeit, Unheil bewirke, und kündigt einen ungeschönten Bericht über das große Gemetzel an; zugleich entfaltet er eine Reflexion über Schicksal, Zufall, frühere Taten und die Unfreiheit menschlichen Handelns. Dieses Kapitel markiert den Übergang von den Vorbereitungen des Udyogaparva zur eigentlichen Kriegsschilderung, die Saṃjaya im Folgenden berichten wird.
Janamejaya sprach: ‚Als so die Heere in Kurukṣetra aufgestellt waren, o Bulle der Zweifachgeborenen, was taten da die Kurus, vom Schicksal angetrieben?‘
diṣṭam eva paraṃ manye pauruṣaṃ cāpy anarthakam yad ahaṃ jānamāno 'pi yuddhadoṣān kṣayodayān
Ich halte das Schicksal für das Höchste, und menschliches Bemühen für nutzlos, da ich, obwohl ich die Fehler des Krieges kenne, die Vernichtung, die er bringt,
evaṃ gate vai yad bhāvi tad bhaviṣyati saṃjaya kṣatradharmaḥ kila raṇe tanutyāgo 'bhipūjitaḥ
So, wie es nun einmal steht, wird geschehen, was geschehen muss, Saṃjaya; die Pflicht der Krieger ist es ja, im Kampf den Leib preiszugeben - das gilt als geehrt.‘
saṃjaya uvāca tvadyukto 'yam anupraśno mahārāja yathārhasi na tu duryodhane doṣam imam āsaktum arhasi śṛṇuṣvānavaśeṣeṇa vadato mama pārthiva
Saṃjaya sprach: ‚Diese Frage ist Eurer würdig, Großkönig, wie es sich für Euch geziemt; doch dürft Ihr diesen Fehler nicht allein Duryodhana anhaften lassen. Hört, o Fürst, vollständig, was ich zu sagen habe.
Kränkungen, o Bester der Menschen, wurden von den Pāṇḍavas in Erwartung Eures Wohlwollens erduldet, mitsamt ihren Räten, durch Betrug beim Würfelspiel.
ke cid īśvaranirdiṣṭāḥ ke cid eva yadṛcchayā pūrvakarmabhir apy anye traidham etad vikṛṣyate
Manche werden vom Herrn bestimmt, manche wiederum durch bloßen Zufall, andere durch frühere Taten - dreifach wird dies gezogen.
Wort für Wort
ke cit
manche (Nom. Pl.)
īśvaranirdiṣṭāḥ
vom Herrn bestimmt (Nom. Pl. Bahuvrīhi)
ke cit
manche (Nom. Pl.)
eva
gerade (Partikel)
yadṛcchayā
durch bloßen Zufall (Instr. Sg.)
pūrvakarmabhiḥ
durch frühere Taten (Instr. Pl.)
api
auch (Partikel)
anye
andere (Nom. Pl.)
traidham
dreifach (Adv.)
etat
dies (Nom. Sg.)
vikṛṣyate
wird gezogen, bewirkt (Pass. Präs. 3. Sg.)
[?] Der Vers bleibt hier - wie im Sanskrit-Original - offen; Saṃjayas Rede über Schicksal, Zufall und frühere Taten wird im nächsten Kapitel fortgesetzt, das Anführungszeichen daher noch nicht geschlossen.