Kapitel 135: Kuntīvākyasamāptiḥ Kṛṣṇaprayāṇaṃ ca
Der Schluss von Kuntīs Botschaft und Kṛṣṇas Aufbruch
Kuntī vollendet ihre Botschaft an die Pāṇḍavas mit der Erinnerung an die Geburtsprophezeiung Arjunas und mit dringlichen Mahnworten zu Draupadīs Schmach. Damit endet Kuntīs seit Kap.130 andauernde Rede. Kṛṣṇa verlässt Hāstinapura endgültig, berät sich unterwegs noch mit Karṇa und eilt dann nach Upaplavya zurück zu den Pāṇḍavas — das Ende der gescheiterten Friedensgesandtschaft.
Dein Sohn wird die Erde erobern, und sein Ruhm wird den Himmel berühren, wenn er, von Vāsudeva unterstützt, die Kurus im großen Waffengang erschlagen hat.
Wort für Wort
putras te pṛthivīṃ jetā
dein Sohn wird die Erde erobern (Nom. + Gen. + Akk. + Nom.Fut.Part.)
yaśaś ca asya divaspṛśam
und sein Ruhm wird den Himmel berühren (Nom. + Konj. + Gen. + Akk.)
hatvā kurūn grāmajanye
die Kurus im großen Waffengang erschlagen habend (Gerundium + Akk. + Loc.)
Diesen wahrhaft Verlässlichen, Bībhatsu, den Linkshand-Schützen, Acyuta — so wie ich weiß, dass er mächtig und unnahbar ist, so möge es sein, Dāśārha, wie jene Stimme gesprochen hat.
Wort für Wort
taṃ satyasaṃdhaṃ bībhatsum
diesen wahrhaft Verlässlichen, Bībhatsu (Akk. je)
savyasācinam acyuta
den Linkshand-Schützen, Acyuta (Akk. + Vok.)
yathā aham evaṃ jānāmi
so wie ich so weiß (Konj. + Pron. + Adv. + 1.Sg.)
balavantaṃ durāsadam
mächtig, unnahbar (Akk. je)
tathā tad astu dāśārha
so möge es sein, Dāśārha (Adv. + Pron. + Imp. + Vok.)
yathā vāg abhyabhāṣata
wie jene Stimme gesprochen hat (Konj. + Nom. + 3.Sg.Impf.)
etad dhanaṃjayo vācyo nityodyukto vṛkodaraḥ yadarthaṃ kṣatriyā sūte tasya kālo 'yam āgataḥ na hi vairaṃ samāsādya sīdanti puruṣarṣabhāḥ
Dies soll Dhanaṃjaya gesagt werden, [und] dem stets tatkräftigen Vṛkodara: Wofür eine Kṣatriya-Frau gebiert, dessen Zeit ist nun gekommen; denn Stiere unter den Männern verzagen nicht, wenn sie auf Feindschaft treffen.
Wort für Wort
etad dhanaṃjayo vācyo
dies soll Dhanaṃjaya gesagt werden (Pron. + Nom. + Verbaladj.Nom.)
nityodyukto vṛkodaraḥ
der stets tatkräftige Vṛkodara (Nom. + Nom.)
yadarthaṃ kṣatriyā sūte
wofür eine Kṣatriya-Frau gebiert (Akk. + Nom.f. + 3.Sg.)
tasya kālo 'yam āgataḥ
dessen Zeit ist nun gekommen (Gen. + Nom. + Pron. + PPP.Nom.)
na hi vairaṃ samāsādya
denn sie [verzagen] nicht, auf Feindschaft getroffen (Neg. + Partikel + Akk. + Gerundium)
sīdanti puruṣarṣabhāḥ
verzagen Stiere unter den Männern (3.Pl. + Nom.Pl.)
Sag auch, Mādhava, Kṛṣṇa, [ein Wort] der Kṛṣṇā [Draupadī], der Schwiegertochter des hochgesinnten Pāṇḍu, die alle Feinheiten des Rechts kennt, der Heilvollen, der Ruhmreichen.
Wort für Wort
sarvadharmaviśeṣajñāṃ snuṣām
die alle Feinheiten des Rechts kennende Schwiegertochter (Akk. + Akk.)
pāṇḍor mahātmanaḥ
des hochgesinnten Pāṇḍu (Gen. je)
brūyā mādhava kalyāṇīm
sag, Mādhava, der Heilvollen (2.Sg.Opt. + Vok. + Akk.f.)
kṛṣṇāṃ kṛṣṇa yaśasvinīm
der Kṛṣṇā, Kṛṣṇa, der Ruhmreichen (Akk. + Vok. + Akk.f.)
yuktam etan mahābhāge kule jāte yaśasvini yan me putreṣu sarveṣu yathāvat tvam avartithāḥ
Es ist geziemend, Hochgesegnete, in edlem Geschlecht Geborene, Ruhmreiche, dass du dich gegenüber all meinen Söhnen stets in gebührender Weise verhalten hast.
Wort für Wort
yuktam etan mahābhāge
es ist geziemend, dies, Hochgesegnete (Nom. + Pron. + Vok.)
kule jāte yaśasvini
in edlem Geschlecht geborene, Ruhmreiche (Loc. + PPP.Vok.f. + Vok.)
yan me putreṣu sarveṣu
dass du gegenüber all meinen Söhnen (Konj. + Gen. + Loc.Pl. + Loc.Pl.)
yathāvat tvam avartithāḥ
in gebührender Weise du dich verhalten hast (Adv. + Pron. + 2.Sg.Perf.)
mādrīputrau ca vaktavyau kṣatradharmaratāv ubhau vikrameṇārjitān bhogān vṛṇītaṃ jīvitād api
Und den beiden Söhnen der Mādrī, beide der Kṣatriya-Pflicht ergeben, soll gesagt werden: Sie sollen die durch Tapferkeit errungenen Genüsse selbst dem Leben vorziehen.
Wort für Wort
mādrīputrau ca vaktavyau
und den beiden Söhnen der Mādrī soll gesagt werden (Nom.Du. + Konj. + Verbaladj.Nom.Du.)
kṣatradharmaratāv ubhau
beide der Kṣatriya-Pflicht ergeben (Nom.Du. + Nom.Du.)
vikrameṇārjitān bhogān
die durch Tapferkeit errungenen Genüsse (Instr. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
vṛṇītaṃ jīvitād api
sie sollen [selbst] dem Leben vorziehen (2.Du.Opt. + Abl. + Partikel)
na rājyaharaṇaṃ duḥkhaṃ dyūte cāpi parājayaḥ pravrājanaṃ sutānāṃ vā na me tad duḥkhakāraṇam
Nicht der Verlust des Königreichs ist ein Leid, noch die Niederlage im Würfelspiel, noch die Verbannung meiner Söhne — das ist nicht der Grund meines Leids.
Wort für Wort
na rājyaharaṇaṃ duḥkham
nicht der Verlust des Königreichs ist ein Leid (Neg. + Nom. + Nom.)
dyūte ca api parājayaḥ
noch auch die Niederlage im Würfelspiel (Loc. + Konj. + Partikel + Nom.)
pravrājanaṃ sutānāṃ vā
oder die Verbannung der Söhne (Nom. + Gen.Pl. + Konj.)
na me tad duḥkhakāraṇam
das ist nicht der Grund meines Leids (Neg. + Gen. + Pron. + Nom.)
Sie, treu der Pflicht der Frau, von edler Gestalt, stets der Kṣatriya-Pflicht ergeben, fand damals keinen Beschützer, obwohl Kṛṣṇā doch wahrhaft Beschützer hatte.
Wort für Wort
strīdharmiṇī varārohā
treu der Pflicht der Frau, von edler Gestalt (Nom.f. je)
kṣatradharmaratā sadā
stets der Kṣatriya-Pflicht ergeben (Nom.f. + Adv.)
na adhyagacchat tadā nātham
fand damals keinen Beschützer (Neg. + 3.Sg.Impf. + Adv. + Akk.)
kṛṣṇā nāthavatī satī
Kṛṣṇā, obwohl sie Beschützer hatte (Nom.f. + Nom.f. + Part.Nom.f.)
[?] 'nāthavatī satī' ('obwohl sie [in Wahrheit] Beschützer hatte') drückt den Widerspruch aus: Draupadī hatte fünf mächtige Gatten, fand aber im Augenblick der Schmach keinen Beistand.
tayoś caitad avajñānaṃ yat sā kṛṣṇā sabhāgatā duḥśāsanaś ca yad bhīmaṃ kaṭukāny abhyabhāṣata paśyatāṃ kuruvīrāṇāṃ tac ca saṃsmārayeḥ punaḥ
Und dies war eine Missachtung der beiden: dass jene Kṛṣṇā in die Versammlungshalle geführt wurde, und dass Duḥśāsana zu Bhīma bittere Worte sprach, während die Kuru-Helden zusahen — daran sollst du sie noch einmal erinnern.
Wort für Wort
tayoś ca etad avajñānam
und dies war eine Missachtung der beiden (Gen.Du. + Konj. + Pron. + Nom.)
yat sā kṛṣṇā sabhāgatā
dass jene Kṛṣṇā in die Versammlungshalle geführt wurde (Konj. + Pron. + Nom.f. + PPP.Nom.f.)
duḥśāsanaś ca yad bhīmam
und dass Duḥśāsana zu Bhīma (Nom. + Konj. + Konj. + Akk.)
kaṭukāny abhyabhāṣata
bittere Worte sprach (Akk.Pl.n. + 3.Sg.Impf.)
paśyatāṃ kuruvīrāṇām
während die Kuru-Helden zusahen (Part.Gen.Pl. + Gen.Pl.)
tac ca saṃsmārayeḥ punaḥ
daran sollst du sie noch einmal erinnern (Pron. + Konj. + 2.Sg.Opt.Kaus. + Adv.)
pāṇḍavān kuśalaṃ pṛccheḥ saputrān kṛṣṇayā saha māṃ ca kuśalinīṃ brūyās teṣu bhūyo janārdana ariṣṭaṃ gaccha panthānaṃ putrān me paripālaya
Frage die Pāṇḍavas nach ihrem Wohlergehen, samt ihren Söhnen, zusammen mit Kṛṣṇā; und sag ihnen wiederum, dass es mir wohl ergeht, Janārdana. Geh unversehrt deinen Weg — beschütze meine Söhne.‘
Wort für Wort
pāṇḍavān kuśalaṃ pṛccheḥ
frage die Pāṇḍavas nach ihrem Wohlergehen (Akk.Pl. + Akk. + 2.Sg.Opt.)
saputrān kṛṣṇayā saha
samt ihren Söhnen, zusammen mit Kṛṣṇā (Akk.Pl. + Instr. + Postp.)
māṃ ca kuśalinīṃ brūyās
und sag, dass es mir wohl ergeht (Pron. + Konj. + Akk.f. + 2.Sg.Opt.)
Vaiśaṃpāyana sprach: Nachdem Kṛṣṇa sie gegrüßt und die Umschreitung von rechts vollzogen hatte, ging der Starkarmige hinaus, mit dem Gang eines spielenden Löwen.
Wort für Wort
abhivādya atha tāṃ kṛṣṇaḥ
nachdem Kṛṣṇa sie gegrüßt hatte (Gerundium + Konj. + Akk. + Nom.)
kṛtvā ca abhipradakṣiṇam
und die Umschreitung von rechts vollzogen habend (Gerundium + Konj. + Akk.)
niścakrāma mahābāhuḥ
ging der Starkarmige hinaus (3.Sg.Perf. + Nom.)
siṃhakhelagatis tataḥ
danach mit dem Gang eines spielenden Löwen (Nom. + Adv.)
Als dann der Dāśārha fortgefahren war, kamen die Kurus miteinander zusammen und sprachen von dem großen, höchst wunderbaren Wunder, das an Keśava [geschehen war].
Wort für Wort
tataḥ prayāte dāśārhe
als dann der Dāśārha fortgefahren war (Adv. + Loc.Abs.Part. + Loc.)
kuravaḥ saṃgatā mithaḥ
die Kurus kamen miteinander zusammen (Nom.Pl. + PPP.Nom.Pl. + Adv.)
jajalpur mahad āścaryam
sie sprachen von dem großen Wunder (3.Pl.Perf. + Akk. + Akk.)
hoch hinauf, sonnenwärts, nach Upaplavya (Adv. + Akk. + Akk.)
śārṅgadhanvānam āvahan
brachten den Träger des Śārṅga-Bogens (Akk. + 3.Pl.Impf.)
[?] 'uccaiḥ sūryam' ('hoch hinauf, sonnenwärts') ist ungewöhnlich; möglicherweise ist eine Tageszeit (bei Sonnenaufgang) oder die Richtung der Fahrt gemeint.