Kapitel 174: Hotravāhanasamāgamaḥ
Ambā trifft ihren Großvater Hotravāhana
Bhīṣma erzählt weiter: Die Asketen beraten ratlos, was mit Ambā geschehen solle - manche raten zur Rückkehr zum Vater, manche wollen sie behalten, manche zu Śālva schicken. Ambā weist alle diese Vorschläge zurück und beharrt auf dem Wunsch, Askese zu üben. Da erreicht der königliche Weise Hotravāhana, ihr Großvater mütterlicherseits, denselben Wald. Von ihrer Geschichte erfahrend, tröstet er sie und rät ihr, zu Rāma Jāmadagnya (Paraśurāma) zu gehen, der Bhīṣma bekämpfen werde, falls dieser sich weigere, sie anzunehmen. Ambā erklärt sich bereit, zu Paraśurāma zu gehen. (Die eingebetteten Reden werden weiterhin indirekt wiedergegeben.)
bhīṣma uvāca tatas te tāpasāḥ sarve kāryavanto 'bhavaṃs tadā tāṃ kanyāṃ cintayanto vai kiṃ kāryam iti dharmiṇaḥ
Darauf wurden alle jene Asketen damals ratlos, über das Mädchen nachdenkend, was zu tun sei, die Rechtschaffenen.
Wort für Wort
tataḥ
darauf (Adv.)
te
jene (Nom. Pl.)
tāpasāḥ
Asketen (Nom. Pl.)
sarve
alle (Nom. Pl.)
kāryavantaḥ
ratlos, mit einer Aufgabe befasst (Nom. Pl. Bahuvrīhi)
abhavan
wurden (Impf. 3. Pl.)
tadā
damals (Adv.)
tām
über das (Akk. Sg.)
kanyām
Mädchen (Akk. Sg.)
cintayantaḥ
nachdenkend (Nom. Pl. Präs. Part.)
vai
wahrlich (Partikel)
kim
was (Interrog.)
kāryam
zu tun sei (Nom. Sg. Gerundiv)
iti
so (Partikel)
dharmiṇaḥ
die Rechtschaffenen (Nom. Pl. Bahuvrīhi)
[?] Die Beratung der Asketen und der anschließende Wortwechsel mit Ambā und Hotravāhana (V.2-13, 20-26) werden, als in Bhīṣmas Erzählung eingebettete Rede, indirekt wiedergegeben.
ke cid āhuḥ pitur veśma nīyatām iti tāpasāḥ ke cid asmadupālambhe matiṃ cakrur dvijottamāḥ
Einige der Asketen sagten, sie solle zum Haus ihres Vaters gebracht werden; einige der besten Brahmanen richteten ihren Sinn darauf, sie bei sich zu behalten.
Wort für Wort
ke cit
einige (Nom. Pl.)
āhuḥ
sagten (Perf. 3. Pl.)
pituḥ
des Vaters (Gen. Sg.)
veśma
Haus (Akk. Sg.)
nīyatām
möge gebracht werden (Pass. Imp. 3. Sg., hier indirekt)
ke cic chālvapatiṃ gatvā niyojyam iti menire neti ke cid vyavasyanti pratyākhyātā hi tena sā
Einige meinten, man solle zum Herrn von Śālva gehen und ihn zur Aufnahme verpflichten; andere entschieden dagegen, denn sie sei ja von ihm zurückgewiesen worden.
alaṃ pravrajiteneha bhadre śṛṇu hitaṃ vacaḥ ito gacchasva bhadraṃ te pitur eva niveśanam
Sie sagten, genug mit dem Wanderleben hier, Gute; sie möge ein heilsames Wort hören: sie möge von hier zum Haus ihres eigenen Vaters gehen, Segen sei mit ihr.
pratipatsyati rājā sa pitā te yad anantaram tatra vatsyasi kalyāṇi sukhaṃ sarvaguṇānvitā na ca te 'nyā gatir nyāyyā bhaved bhadre yathā pitā
Sie sagten, der König, ihr Vater, werde tun, was als Nächstes angemessen sei; dort werde sie, Glückliche, glücklich wohnen, mit allen Vorzügen ausgestattet; und es gebe für sie keinen anderen rechtmäßigeren Zufluchtsort, Gute, als den Vater.
Wort für Wort
pratipatsyati
wird tun (Fut. 3. Sg.)
rājā
der König (Nom. Sg.)
saḥ
dieser (Nom. Sg.)
pitā
Vater (Nom. Sg.)
te
ihr (Gen. Sg., hier indirekt)
yat
was (Nom. Sg.)
anantaram
als Nächstes (Nom. Sg.)
tatra
dort (Adv.)
vatsyasi
wirst du wohnen (Fut. 2. Sg., hier indirekt)
kalyāṇi
o Glückliche (Vok. Sg., hier indirekt)
sukham
glücklich (Adv.)
sarvaguṇānvitā
mit allen Vorzügen ausgestattet (Nom. Sg. Bahuvrīhi)
Sie sagten, der Gatte sei der Zufluchtsort der Frau, oder der Vater, Schönfarbige; solange sie in gesicherter Lage sei, sei der Gatte ihr Zufluchtsort, doch in bedrängter Lage der Vater.
pravrajyā hi suduḥkheyaṃ sukumāryā viśeṣataḥ rājaputryāḥ prakṛtyā ca kumāryās tava bhāmini
Sie sagten, das Wanderleben sei sehr schwer zu ertragen, zumal für eine zart Erzogene, für eine Königstochter, und von Natur aus für ein junges Mädchen wie sie, Zürnende.
tatas tu te 'bruvan vākyaṃ brāhmaṇās tāṃ tapasvinīm tvām ihaikākinīṃ dṛṣṭvā nirjane gahane vane prārthayiṣyanti rājendrās tasmān maivaṃ manaḥ kṛthāḥ
Darauf sprachen die Brahmanen zu der Büßerin: sie, allein hier gesehen, im einsamen, dichten Wald, werde von Königen begehrt werden - deshalb solle sie ihren Sinn nicht so auf das Wanderleben richten.
ambovāca na śakyaṃ kāśinagarīṃ punar gantuṃ pitur gṛhān avajñātā bhaviṣyāmi bāndhavānāṃ na saṃśayaḥ
Ambā erwiderte, es sei ihr nicht möglich, wieder zur Stadt Kāśī, zum Haus ihres Vaters, zurückzukehren; sie werde von ihren Verwandten verachtet werden, daran sei kein Zweifel.
uṣitā hy anyathā bālye pitur veśmani tāpasāḥ nāhaṃ gamiṣye bhadraṃ vas tatra yatra pitā mama tapas taptum abhīpsāmi tāpasaiḥ paripālitā
Sie sagte, sie habe zwar in ihrer Kindheit anders im Haus ihres Vaters gewohnt, Asketen; doch nun werde sie nicht dorthin gehen, wo ihr Vater sei - Segen sei mit ihnen; sie wünsche, von den Asketen behütet, Askese zu üben.
yathā pare 'pi me loke na syād evaṃ mahātyayaḥ daurbhāgyaṃ brāhmaṇaśreṣṭhās tasmāt tapsyāmy ahaṃ tapaḥ
Sie sagte, damit ihr auch in der anderen Welt nicht ein solch großes Unglück, ein solches Missgeschick widerfahre, Beste der Brahmanen, deshalb werde sie Askese üben.
ambāyās tāṃ kathāṃ śrutvā kāśirājñaś ca bhārata sa vepamāna utthāya mātur asyāḥ pitā tadā tāṃ kanyām aṅkam āropya paryāśvāsayata prabho
Als er diese Geschichte Ambās und des Königs von Kāśī gehört hatte, Bhārata, stand er, zitternd, auf - er, der Vater ihrer Mutter - und nahm damals die Prinzessin auf seinen Schoß und tröstete sie, o Herr.
abravīd vepamānaś ca kanyām ārtāṃ suduḥkhitaḥ mā gāḥ pitṛgṛhaṃ bhadre mātus te janako hy aham
Zitternd und sehr betrübt, sagte er zu der leidenden Prinzessin, sie solle nicht zum Haus ihres Vaters gehen, Gute, denn er sei der Vater ihrer Mutter.
Er sagte, sie solle auf sein Wort hin zu Rāma, dem Sohn des Jamadagni, dem Asketen, gehen; Rāma werde ihr großes Leid und ihren Kummer vertreiben - er werde Bhīṣma im Kampf erschlagen, wenn dieser nicht sein Wort befolge.
taṃ gaccha bhārgavaśreṣṭhaṃ kālāgnisamatejasam pratiṣṭhāpayitā sa tvāṃ same pathi mahātapāḥ
Er sagte, sie solle zu diesem besten der Bhārgavas gehen, von der Glut gleich dem Feuer der Weltzerstörung; er, von großer Askese, werde sie auf den rechten Weg stellen.
Wort für Wort
tam
zu diesem (Akk. Sg.)
gaccha
möge sie gehen (Imp. 2. Sg., hier indirekt)
bhārgavaśreṣṭham
besten der Bhārgavas (Akk. Sg.)
kālāgnisamatejasam
von der Glut gleich dem Feuer der Weltzerstörung (Akk. Sg. Bahuvrīhi)