Duryodhana weist Kṛṣṇas Vorwürfe zurück: er sieht keine eigene Schuld am Würfelspiel und dessen Folgen, rühmt die Unbesiegbarkeit seiner Krieger und beruft sich auf die Kṣatriya-Pflicht, sich niemals zu beugen (mit einem eingeschobenen Sprichwort, dem 'Wort des Elefantentreibers'). Er erklärt unmissverständlich, dass er den Pāṇḍavas nicht einmal ein nadelspitzengroßes Stück Land ohne Kampf überlassen werde.
aparādho na cāsmākaṃ yat te hy akṣaparājitāḥ ajeyā jayatāṃ śreṣṭha pārthāḥ pravrājitā vanam
Und es ist nicht unser Vergehen, dass die im Würfelspiel Besiegten, die Unbesiegbaren, bester der Sieger, die Söhne der Pṛthā, in den Wald verbannt wurden.
Wort für Wort
aparādhaḥ na ca asmākam
und es ist nicht unser Vergehen (Subst.Nom.Sg. + Neg. + Partikel + Pron.Gen.Pl.)
yat te hi akṣaparājitāḥ
dass sie, im Würfelspiel besiegt (Konj. + Pron.Nom.Pl. + Partikel + Adj.Nom.Pl.)
ajeyāḥ jayatām śreṣṭha
die Unbesiegbaren, bester der Sieger (Adj.Nom.Pl. + Gen.Pl. + Vok.Sg.)
pārthāḥ pravrājitāḥ vanam
die Söhne der Pṛthā wurden in den Wald verbannt (Subst.Nom.Pl. + Partizip Perf.Pass.Nom.Pl. + Akk.Sg.)
na hi bhīṣmakṛpadroṇāḥ sagaṇā madhusūdana devair api yudhā jetuṃ śakyāḥ kim uta pāṇḍavaiḥ
Denn nicht einmal von den Göttern können Bhīṣma, Kṛpa und Droṇa samt ihrem Gefolge im Kampf besiegt werden, Töter des Madhu - wieviel weniger von den Pāṇḍavas.
Wort für Wort
na hi bhīṣmakṛpadroṇāḥ
denn nicht Bhīṣma, Kṛpa und Droṇa (Neg. + Partikel + Subst.Nom.Pl.)
sagaṇāḥ madhusūdana
samt ihrem Gefolge, Töter des Madhu (Adj.Nom.Pl. + Vok.Sg.)
devaiḥ api yudhā jetum
selbst von den Göttern im Kampf zu besiegen (Instr.Pl. + Partikel + Subst.Instr.Sg. + Infinitiv)
śakyāḥ kim uta pāṇḍavaiḥ
können sie werden, wieviel weniger von den Pāṇḍavas (Adj.Nom.Pl. + Interr. + Partikel + Instr.Pl.)
„Und wer, der in einem Geschlecht geboren ist und nach Kṣatriya-Pflicht seinen Lebensunterhalt bestreitet, würde jemals aus Furcht, so seinen Unterhalt bedenkend, sich hier vor irgendjemandem verneigen?
Wort für Wort
kaḥ ca jātu kule jātaḥ
und wer, in einem Geschlecht geboren (Interr. + Partikel + Adv. + Subst.Lok.Sg. + Partizip Perf.Nom.Sg.)
kṣatradharmeṇa vartayan
nach Kṣatriya-Pflicht seinen Unterhalt bestreitend (Subst.Instr.Sg. + Partizip Präs.Nom.Sg.)
bhayāt vṛttim samīkṣya evam
aus Furcht, den Unterhalt so bedenkend (Abl.Sg. + Subst.Akk.Sg. + Absolutiv + Adv.)
praṇamet iha kasya cit
würde sich hier vor irgendjemandem verneigen (Verb, Opt. 3.Sg. + Adv. + Pron.Gen.Sg. + Partikel)
udyacched eva na named udyamo hy eva pauruṣam apy aparvaṇi bhajyeta na named iha kasya cit
Man erhebe sich, verneige sich nicht - denn eben die Erhebung ist Manneskraft; selbst wenn man zur Unzeit zerbräche, verneige man sich hier vor niemandem.“
Wort für Wort
udyacchet eva na namet
man erhebe sich, verneige sich nicht (Verb, Opt. 3.Sg. + Partikel + Neg. + Verb, Opt. 3.Sg.)
udyamaḥ hi eva pauruṣam
denn eben die Erhebung ist Manneskraft (Subst.Nom.Sg. + Partikel + Partikel + Subst.Nom.Sg.)
api aparvaṇi bhajyeta
selbst wenn man zur Unzeit zerbräche (Partikel + Subst.Lok.Sg. + Verb, Opt. 3.Sg.Pass.)
na namet iha kasya cit
verneige man sich hier vor niemandem (Neg. + Verb, Opt. 3.Sg. + Adv. + Pron.Gen.Sg. + Partikel)
iti mātaṅgavacanaṃ parīpsanti hitepsavaḥ dharmāya caiva praṇamed brāhmaṇebhyaś ca madvidhaḥ
So begehren die auf ihr Heil Bedachten das Wort des Elefantentreibers zu befolgen - vor der Pflicht aber und vor den Brahmanen mag sich einer meinesgleichen wohl verneigen.
Wort für Wort
iti mātaṅgavacanam
so [lautet] das Wort des Elefantentreibers (Partikel + Subst.Akk.Sg.)
parīpsanti hitepsavaḥ
begehren die auf ihr Heil Bedachten (Verb, Präs. 3.Pl. + Adj.Nom.Pl.)
dharmāya ca eva praṇamet
und vor der Pflicht mag sich verneigen (Subst.Dat.Sg. + Partikel + Partikel + Verb, Opt. 3.Sg.)
brāhmaṇebhyaḥ ca madvidhaḥ
und vor den Brahmanen einer meinesgleichen (Dat.Pl. + Partikel + Subst.Nom.Sg.)
Mātaṅgavacanam, das 'Wort des Elefantentreibers', bezeichnet das in Vers 018-019 zitierte Sprichwort von stolzer Unbeugsamkeit, das Duryodhana anführt und zugleich einschränkt.
yāvac ca rājā dhriyate dhṛtarāṣṭro janārdana nyastaśastrā vayaṃ te vāpy upajīvāma mādhava
Und solange König Dhṛtarāṣṭra am Leben erhalten wird, Janārdana, leben wir, die Waffen niedergelegt, auch unter ihm, Mādhava.
Wort für Wort
yāvat ca rājā dhriyate
und solange der König erhalten wird (Konj. + Partikel + Subst.Nom.Sg. + Verb, Präs.Pass. 3.Sg.)
dhṛtarāṣṭraḥ janārdana
Dhṛtarāṣṭra, Janārdana (Subst.Nom.Sg. + Vok.Sg.)
nyastaśastrāḥ vayam te
wir, die Waffen niedergelegt, unter ihm (Adj.Nom.Pl. + Pron.Nom.Pl. + Pron.Gen.Sg.)
vā api upajīvāma mādhava
leben wir auch, Mādhava (Partikel + Partikel + Verb, Präs. 1.Pl. + Vok.Sg.)
Der Bezug des Pronomens 'te' ('unter ihm') ist im Sanskrit-Original nicht mit letzter Sicherheit zu klären; es dürfte sich auf Dhṛtarāṣṭra beziehen [?].
Wenn einst mir, dem Kind, aus Unwissenheit oder aus Furcht, Janārdana, ein Reich gegeben wurde, das man - selbst von fremder Verfügung abhängig - eigentlich nicht hätte geben dürfen,
Wort für Wort
yadi adeyam purā dattam
wenn einst ein nicht zu gebendes gegeben wurde (Konj. + Adj.Nom.Sg. + Adv. + Partizip Perf.Pass.Nom.Sg.)
rājyam paravataḥ mama
das Reich, von fremder Verfügung abhängig, mir (Nom.Sg. + Adj.Nom.Sg. + Pron.Gen.Sg.)
ajñānāt vā bhayāt vā api
aus Unwissenheit oder aus Furcht (Abl.Sg. + Partikel + Abl.Sg. + Partikel + Partikel)
mayi bāle janārdana
mir, dem Kind, Janārdana (Pron.Lok.Sg. + Adj.Lok.Sg. + Vok.Sg.)
Der genaue Sinn von 'paravataḥ' ('von fremder Verfügung abhängig') ist im Original nicht restlos eindeutig; die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Deutung [?].
Denn soviel man mit der Spitze einer scharfen Nadel durchstechen könnte, Mādhava - selbst soviel an Land werden wir den Pāṇḍavas gegenüber nicht aufgeben.‘
Wort für Wort
yāvat hi sūcyāḥ tīkṣṇāyāḥ
denn soviel wie mit einer scharfen Nadel (Konj. + Partikel + Subst.Gen.Sg. + Adj.Gen.Sg.)
vidhyet agreṇa mādhava
man durchstechen könnte mit der Spitze, Mādhava (Verb, Opt. 3.Sg. + Subst.Instr.Sg. + Vok.Sg.)
tāvat api aparityājyam
selbst soviel nicht aufzugeben (Adv. + Partikel + Gerundiv.Nom.Sg.)
bhūmeḥ naḥ pāṇḍavān prati
an Land, für uns, den Pāṇḍavas gegenüber (Gen.Sg. + Pron.Gen.Pl. + Akk.Pl. + Postposition)