Kapitel 114: Haryaśvopākhyānam
Mādhavī und König Haryaśva
König Haryaśva, von Verlangen nach einem Weltenherrscher-Sohn ergriffen, beschreibt Mādhavīs körperliche Vorzüge und fragt nach dem Brautpreis. Gālava fordert die 800 Pferde; da Haryaśva nur 200 besitzt, bietet Mādhavī selbst die Lösung an: dank eines ihr verliehenen Segens wird sie nach jeder Geburt stets wieder zur Jungfrau, sodass sie nacheinander vier Königen gegen je 200 Pferde einen Sohn schenken und so insgesamt die geforderten 800 Pferde für Viśvāmitra zusammenbringen kann. Haryaśva erhält so einen Sohn, Vasumanas; Gālava kehrt zurück, holt Mādhavī ab, und da Haryaśva - der Wahrheit und Tugend treu - angesichts der Seltenheit solcher Pferde auf weitere Ansprüche verzichtet, gibt er Mādhavī, wieder zur Jungfrau geworden, zurück. Gālava zieht mit ihr weiter zu König Divodāsa.
nārada uvāca haryaśvas tv abravīd rājā vicintya bahudhā tataḥ dīrgham uṣṇaṃ ca niḥśvasya prajāhetor nṛpottamaḥ
“Nārada sprach: Doch König Haryaśva, nachdem er vielfach nachgedacht hatte, seufzte da einen langen, heißen Seufzer aus Verlangen nach Nachkommenschaft, und sprach, der Beste der Könige.
Wort für Wort
nārada uvāca haryaśvaḥ tu abravīt rājā vicintya bahudhā tataḥ
Nārada sprach: Doch König Haryaśva, nachdem er vielfach nachgedacht hatte (Nom. + 3. Sg. Perf. + Nom. + Partikel + 3. Sg. Ipf. + Nom. + Ger. + Adv. + Adv.)
dīrgham uṣṇaṃ ca niḥśvasya prajāhetoḥ nṛpottamaḥ
seufzte einen langen, heißen Seufzer aus Verlangen nach Nachkommenschaft, der Beste der Könige (Akk. + Akk. + Partikel + Ger. + Gen., Kompositum + Nom.)
[Anm.: Gālavas seit Kap.113 offene Rede an Haryaśva schließt hier implizit - Nāradas eigene Rahmenerzählung (SQ) setzt sich unverändert fort.]
„Erhaben in den sechs erhabenen (Körperteilen), fein in den sieben feinen, tief in den drei tiefen, und rot in den fünf (roten Merkmalen) ist sie.
Wort für Wort
unnateṣu unnatā ṣaṭsu sūkṣmā sūkṣmeṣu saptasu
erhaben in den sechs erhabenen, fein in den sieben feinen (Lok. Pl. + Nom. + Lok. Pl. + Nom. + Lok. Pl. + Lok. Pl.)
gambhīrā triṣu gambhīreṣu iyaṃ raktā ca pañcasu
tief in den drei tiefen, und rot in den fünf (Nom. + Lok. Pl. + Lok. Pl. + Nom. + Nom. + Partikel + Lok. Pl.)
[Anm.: Anspielung auf eine traditionelle Liste günstiger körperlicher Kennzeichen einer Frau (sechs erhabene, sieben feine, drei tiefe, fünf rote Körperteile) - eine physiognomische Beschreibung Mādhavīs.]
Von Göttern und Asuras vielfach erblickt, von Gandharvas vielfach gesehen, mit vielen günstigen Merkmalen ausgestattet, fähig, viele Nachkommen zu tragen.
Wort für Wort
bahudevāsurālokā bahugandharvadarśanā
von Göttern und Asuras vielfach erblickt, von Gandharvas vielfach gesehen (Nom., Bahuvrīhi + Nom., Bahuvrīhi)
bahulakṣaṇasaṃpannā bahuprasavadhāriṇī
mit vielen günstigen Merkmalen ausgestattet, fähig, viele Nachkommen zu tragen (Nom., Bahuvrīhi + Nom., Bahuvrīhi)
samartheyaṃ janayituṃ cakravartinam ātmajam brūhi śulkaṃ dvijaśreṣṭha samīkṣya vibhavaṃ mama
Diese hier ist fähig, einen Sohn zu gebären, der ein Weltenherrscher wird; nenne mir den Brautpreis, o Bester der Zweimalgeborenen, meine Mittel bedenkend.“
Wort für Wort
samarthā iyam janayitum cakravartinam ātmajam
diese hier ist fähig, einen Sohn zu gebären, der ein Weltenherrscher wird (Nom. + Nom. + Inf. + Akk. + Akk.)
brūhi śulkaṃ dvijaśreṣṭha samīkṣya vibhavaṃ mama
nenne mir den Brautpreis, o Bester der Zweimalgeborenen, meine Mittel bedenkend (Imperativ + Akk. + Vok. + Ger. + Akk. + Gen.)
Nārada sprach: Nachdem er dieses Wort gehört hatte, sprach König Haryaśva, von Verlangen betört, elend, der königliche Seher, zu Gālava, dem Besten der Weisen.
Nārada sprach: nachdem er dieses Wort gehört hatte, König Haryaśva, von Verlangen betört (Nom. + 3. Sg. Perf. + Akk. + Ger. + Akk. + Nom. + Nom. + Nom., Bahuvrīhi)
uvāca gālavaṃ dīnaḥ rājarṣiḥ ṛṣisattamam
sprach zu Gālava, elend, der königliche Seher, dem Besten der Weisen (3. Sg. Perf. + Akk. + Nom. + Nom. + Akk.)
kriyatāṃ mama saṃhāro gurvarthaṃ dvijasattama eṣā tāvan mama prajñā yathā vā manyase dvija
Möge mein Weitergeben so vollzogen werden, zum Nutzen des Lehrers, o Bester der Zweimalgeborenen; dies ist zumindest mein Rat - oder wie du selbst es für gut befindest, o Zweimalgeborener.“
Wort für Wort
kriyatām mama saṃhāraḥ gurvartham dvijasattama
möge mein Weitergeben so vollzogen werden, zum Nutzen des Lehrers, o Bester der Zweimalgeborenen (3. Sg. Imp. Pass. + Gen. + Nom. + Akk. + Vok.)
eṣā tāvat mama prajñā yathā vā manyase dvija
dies ist zumindest mein Rat - oder wie du selbst es für gut befindest, o Zweimalgeborener (Nom. + Partikel + Gen. + Nom. + Adv. + Partikel + 2. Sg. Präs. Med. + Vok.)
„Bei dir mögen einstweilen die Pferde verbleiben“, so gesprochen habend, zog der Zweimalgeborene mit der Jungfrau zusammen weiter, zu Divodāsa, dem Herrn der Untertanen.
Wort für Wort
tvayi eva tāvat tiṣṭhantu hayāḥ iti uktavān dvijaḥ
,bei dir mögen einstweilen die Pferde verbleiben', so gesprochen habend, der Zweimalgeborene (Lok. + Partikel + Adv. + 3. Pl. Imp. + Nom. Pl. + Partikel + Nom. Sg. Perf. Part. + Nom.)
prayayau kanyayā sārdham divodāsaṃ prajeśvaram
zog mit der Jungfrau zusammen weiter, zu Divodāsa, dem Herrn der Untertanen (3. Sg. Perf. + Instr. + Präp. + Akk. + Akk.)
[Anm.: kurzes Zitat innerhalb der Narration (Gālavas Abschiedswort an Haryaśva) öffnet und schließt hier unmittelbar; CQ endet damit geschlossen (0) am Kapitelende - SQ (Nāradas Rahmenerzählung) bleibt offen.]