Kapitel 32: Sainyoddyoga-parva (32)
Sañjayas Ankunft in Hastināpura und seine nächtliche Zurechtweisung Dhṛtarāṣṭras
Sañjaya kehrt nach Hastināpura zurück, wird bei Dhṛtarāṣṭra vorgelassen und überbringt zunächst Yudhiṣṭhiras höfliche Grußworte. Auf Dhṛtarāṣṭras Nachfrage hin geht Sañjaya jedoch weit über eine bloße Botenrolle hinaus: Er hält dem König in einer langen, philosophisch grundierten Rede seine eigene Verantwortung für den drohenden Untergang der Kurus vor - unter Rückgriff auf das Spannungsverhältnis von menschlichem Handeln (puruṣakāra) und Schicksal (daiva), mit dem mythologischen Beispiel König Balis - und tadelt ihn offen für seine Schwäche gegenüber Duryodhana. Die eigentliche, ausführliche Botschaft Yudhiṣṭhiras (mit dem Fünf-Dörfer-Angebot) verschiebt er, erschöpft von der Reise, auf die morgige Versammlung.
Vaiśaṃpāyana sprach: Von dem Pāṇḍava verabschiedet, zog Sañjaya damals fort, nachdem er den ganzen Auftrag des hochherzigen Dhṛtarāṣṭra ausgeführt hatte.
Vaiśaṃpāyana sprach: Von dem Pāṇḍava verabschiedet, zog Sañjaya damals fort, nachdem er den ganzen Auftrag des hochherzigen Dhṛtarāṣṭra ausgeführt hatte.
‚Melde mich, Türhüter, dem Dhṛtarāṣṭra, dass ich von den Pāṇḍavas her angekommen bin; wenn er wach ist, sollst du es ihm sagen, du Kämmerer - ich möchte eintreten, sobald der Herrscher der Erde davon weiß.‘
‚Melde mich, Türhüter, dem Dhṛtarāṣṭra, dass ich von den Pāṇḍavas her angekommen bin; wenn er wach ist, sollst du es ihm sagen, du Kämmerer - ich möchte eintreten, sobald der Herrscher der Erde davon weiß.‘
'kṣattaḥ' (Vokativ zu kṣattṛ) ist hier als allgemeiner Amtstitel ('Kämmerer/Türhüter-Beamter') gebraucht, nicht als Anrede an Vidura, der denselben Titel als Eigenname/Beinamen trägt.
dvāḥstha uvāca saṃjayo 'yaṃ bhūmipate namas te; didṛkṣayā dvāram upāgatas te prāpto dūtaḥ pāṇḍavānāṃ sakāśāt; praśādhi rājan kim ayaṃ karotu
Der Türhüter sprach: ‚Sañjaya ist hier, Herr der Erde - Verehrung dir; aus Verlangen, dich zu sehen, ist er zur Tür gekommen; der Bote von den Pāṇḍavas her ist angekommen - befiehl, o König, was er tun soll.‘
Wort für Wort
dvāḥstha uvāca saṃjayo 'yaṃ bhūmipate namas te; didṛkṣayā dvāram upāgatas te prāpto dūtaḥ pāṇḍavānāṃ sakāśāt; praśādhi rājan kim ayaṃ karotu
Der Türhüter sprach: ‚Sañjaya ist hier, Herr der Erde - Verehrung dir; aus Verlangen, dich zu sehen, ist er zur Tür gekommen; der Bote von den Pāṇḍavas her ist angekommen - befiehl, o König, was er tun soll.‘
dhṛtarāṣṭra uvāca ācakṣva māṃ sukhinaṃ kālyam asmai; praveśyatāṃ svāgataṃ saṃjayāya na cāham etasya bhavāmy akālyaḥ; sa me kasmād dvāri tiṣṭheta kṣattaḥ
Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Melde ihm, dass ich wohlauf und für ihn zu jeder Zeit bereit bin; er soll eingelassen werden, willkommen sei Sañjaya; für ihn bin ich niemals unzugänglich - warum sollte er, Kämmerer, an der Tür warten?‘
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca ācakṣva māṃ sukhinaṃ kālyam asmai; praveśyatāṃ svāgataṃ saṃjayāya na cāham etasya bhavāmy akālyaḥ; sa me kasmād dvāri tiṣṭheta kṣattaḥ
Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Melde ihm, dass ich wohlauf und für ihn zu jeder Zeit bereit bin; er soll eingelassen werden, willkommen sei Sañjaya; für ihn bin ich niemals unzugänglich - warum sollte er, Kämmerer, an der Tür warten?‘
Vaiśaṃpāyana sprach: Da trat er, mit Erlaubnis des Königs, in das große, von Weisen, Helden und Edlen bewachte Haus ein; der Sūta-Sohn näherte sich mit gefalteten Händen dem auf dem Löwenthron sitzenden König, dem Sohn Vicitravīryas.
Vaiśaṃpāyana sprach: Da trat er, mit Erlaubnis des Königs, in das große, von Weisen, Helden und Edlen bewachte Haus ein; der Sūta-Sohn näherte sich mit gefalteten Händen dem auf dem Löwenthron sitzenden König, dem Sohn Vicitravīryas.
Sañjaya sprach: ‚Sañjaya bin ich, Herr der Erde - Verehrung dir; ich bin angekommen, nachdem ich zu den Pāṇḍavas gegangen war, Gott unter den Menschen; dich grüßend, hat der kluge Sohn Pāṇḍus, Yudhiṣṭhira, auch nach deinem Wohlergehen gefragt.
Sañjaya sprach: ‚Sañjaya bin ich, Herr der Erde - Verehrung dir; ich bin angekommen, nachdem ich zu den Pāṇḍavas gegangen war, Gott unter den Menschen; dich grüßend, hat der kluge Sohn Pāṇḍus, Yudhiṣṭhira, auch nach deinem Wohlergehen gefragt.
sa te putrān pṛcchati prīyamāṇaḥ; kaccit putraiḥ prīyase naptṛbhiś ca tathā suhṛdbhiḥ sacivaiś ca rājan; ye cāpi tvām upajīvanti taiś ca
Er fragt liebevoll nach deinen Söhnen: Erfreust du dich wohl an deinen Söhnen und Enkeln, ebenso an den Freunden und Ministern, o König, und an denen, die von dir ihren Unterhalt beziehen?‘
Wort für Wort
sa te putrān pṛcchati prīyamāṇaḥ; kaccit putraiḥ prīyase naptṛbhiś ca tathā suhṛdbhiḥ sacivaiś ca rājan; ye cāpi tvām upajīvanti taiś ca
Er fragt liebevoll nach deinen Söhnen: Erfreust du dich wohl an deinen Söhnen und Enkeln, ebenso an den Freunden und Ministern, o König, und an denen, die von dir ihren Unterhalt beziehen?‘
dhṛtarāṣṭra uvāca abhyetya tvāṃ tāta vadāmi saṃjaya; ajātaśatruṃ ca sukhena pārtham kaccit sa rājā kuśalī saputraḥ; sahāmātyaḥ sānujaḥ kauravāṇām
Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Da du zu mir gekommen bist, mein Lieber, frage ich dich, Sañjaya, nach dem Pārtha Ajātaśatru, ob es ihm wohlergeht: Ist jener König wohlauf, samt seinen Söhnen, seinen Ministern und seinen jüngeren Brüdern, den Kauravas?‘
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca abhyetya tvāṃ tāta vadāmi saṃjaya; ajātaśatruṃ ca sukhena pārtham kaccit sa rājā kuśalī saputraḥ; sahāmātyaḥ sānujaḥ kauravāṇām
Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Da du zu mir gekommen bist, mein Lieber, frage ich dich, Sañjaya, nach dem Pārtha Ajātaśatru, ob es ihm wohlergeht: Ist jener König wohlauf, samt seinen Söhnen, seinen Ministern und seinen jüngeren Brüdern, den Kauravas?‘
'kauravāṇām' hier im weiten dynastischen Sinn (alle Nachkommen Kurus, also auch die Pāṇḍavas), nicht im engeren, sonst üblichen Sinn 'Duryodhanas Partei'.
saṃjaya uvāca sahāmātyaḥ kuśalī pāṇḍuputro; bhūyaś cāto yac ca te 'gre mano 'bhūt nirṇiktadharmārthakaro manasvī; bahuśruto dṛṣṭimāñ śīlavāṃś ca
Sañjaya sprach: ‚Wohlauf ist, samt seinen Ministern, der Sohn Pāṇḍus; und ferner, was mir zuvor schon im Sinn lag: Rein in der Ausübung von Recht und Nutzen ist der Kluge, vielgelehrt, einsichtsvoll und von gutem Charakter.
Wort für Wort
saṃjaya uvāca sahāmātyaḥ kuśalī pāṇḍuputro; bhūyaś cāto yac ca te 'gre mano 'bhūt nirṇiktadharmārthakaro manasvī; bahuśruto dṛṣṭimāñ śīlavāṃś ca
Sañjaya sprach: ‚Wohlauf ist, samt seinen Ministern, der Sohn Pāṇḍus; und ferner, was mir zuvor schon im Sinn lag: Rein in der Ausübung von Recht und Nutzen ist der Kluge, vielgelehrt, einsichtsvoll und von gutem Charakter.
Höher als das Recht steht dem Pāṇḍava die Milde, höher als Reichtumsanhäufung gilt ihm das Recht; dem Angenehmen, das ohne Recht ist, hängt der Pārtha nicht an - wisse dies von ihm, Bharata.
Höher als das Recht steht dem Pāṇḍava die Milde, höher als Reichtumsanhäufung gilt ihm das Recht; dem Angenehmen, das ohne Recht ist, hängt der Pārtha nicht an - wisse dies von ihm, Bharata.
Von einem anderen gelenkt, bewegt sich der Mensch, wie eine an Fäden gezogene hölzerne Puppe; wenn ich diese Selbstbeherrschung des Pāṇḍava sehe, meine ich, dass das Schicksal über dem menschlichen Handeln steht.
Von einem anderen gelenkt, bewegt sich der Mensch, wie eine an Fäden gezogene hölzerne Puppe; wenn ich diese Selbstbeherrschung des Pāṇḍava sehe, meine ich, dass das Schicksal über dem menschlichen Handeln steht.
[?] Und wenn ich diesen Fehler deines Handelns sehe, dessen Nachwirkung furchtbar und von übler Gestalt sein wird - solange ein Mensch nur nach dem eigenen Vorteil zu jeder Zeit begehrt, so lange erlangt dieser Mensch nur scheinbares Lob.
[?] Und wenn ich diesen Fehler deines Handelns sehe, dessen Nachwirkung furchtbar und von übler Gestalt sein wird - solange ein Mensch nur nach dem eigenen Vorteil zu jeder Zeit begehrt, so lange erlangt dieser Mensch nur scheinbares Lob.
Zweite Vershälfte kompakt und in der genauen logischen Verknüpfung mit der ersten unsicher.
Ajātaśatru aber, der die Sünde abgelegt hat wie eine Schlange ihre alte, unbrauchbar gewordene Haut, erstrahlt durch sein unerschütterliches Verhalten, der Standhafte - Yudhiṣṭhira, der die Sünde dir überlassen hat.
Ajātaśatru aber, der die Sünde abgelegt hat wie eine Schlange ihre alte, unbrauchbar gewordene Haut, erstrahlt durch sein unerschütterliches Verhalten, der Standhafte - Yudhiṣṭhira, der die Sünde dir überlassen hat.
[?] Erkenne, o König, die Tat deines eigenen Wesens: Du hast dich vom edlen, mit Recht und Nutzen verbundenen Wandel entfernt und dir hier Tadel zugezogen, o König - möge die Sünde dich nicht auch im Jenseits ereilen.
[?] Erkenne, o König, die Tat deines eigenen Wesens: Du hast dich vom edlen, mit Recht und Nutzen verbundenen Wandel entfernt und dir hier Tadel zugezogen, o König - möge die Sünde dich nicht auch im Jenseits ereilen.
Konstruktion der zweiten Vershälfte unsicher; Sinn vermutlich als Warnung vor jenseitiger Fortwirkung der diesseitigen Schuld verstanden.
sa tvam arthaṃ saṃśayitaṃ vinā tair; āśaṃsase putravaśānugo 'dya adharmaśabdaś ca mahān pṛthivyāṃ; nedaṃ karma tvatsamaṃ bhāratāgrya
Du erhoffst dir nun, ohne sie, einen zweifelhaften Gewinn, dem Willen deines Sohnes folgend; und ein gewaltiger Ruf des Unrechts verbreitet sich auf der Erde - diese Tat ist deiner nicht würdig, du Erster der Bharatas.
Wort für Wort
sa tvam arthaṃ saṃśayitaṃ vinā tair; āśaṃsase putravaśānugo 'dya adharmaśabdaś ca mahān pṛthivyāṃ; nedaṃ karma tvatsamaṃ bhāratāgrya
Du erhoffst dir nun, ohne sie, einen zweifelhaften Gewinn, dem Willen deines Sohnes folgend; und ein gewaltiger Ruf des Unrechts verbreitet sich auf der Erde - diese Tat ist deiner nicht würdig, du Erster der Bharatas.
[?] Wer von geringer Einsicht, von schlechter Herkunft, grausam, von langem Groll und in der Kriegskunst nicht standhaft ist - ein solcher, von dieser Art des (bloß scheinbaren) Rechts, vermag Notlagen nicht zu überwinden, und wer von geringer Kraft ist, der bleibt auch unerzogen.
[?] Wer von geringer Einsicht, von schlechter Herkunft, grausam, von langem Groll und in der Kriegskunst nicht standhaft ist - ein solcher, von dieser Art des (bloß scheinbaren) Rechts, vermag Notlagen nicht zu überwinden, und wer von geringer Kraft ist, der bleibt auch unerzogen.
Gnomischer, sehr komprimierter Vers; wohl als indirekte Charakterisierung Duryodhanas gemeint, nicht direkt an Dhṛtarāṣṭra gerichtet.
Wer aber aus edler Familie geboren, rechtschaffen, ruhmreich, vielgelehrt, in Glück lebend und selbstbeherrscht ist, der trägt die miteinander verknüpften Güter Recht und Nutzen in sich sein eigen; doch auch er gerät letztlich nirgendwo anders hin als in die Gewalt des Bestimmten.
Wer aber aus edler Familie geboren, rechtschaffen, ruhmreich, vielgelehrt, in Glück lebend und selbstbeherrscht ist, der trägt die miteinander verknüpften Güter Recht und Nutzen in sich sein eigen; doch auch er gerät letztlich nirgendwo anders hin als in die Gewalt des Bestimmten.
Wie könnte denn ein Kluger, der die vortrefflichste Beratung innehat, ein Führer in Recht und Nutzen auch in der Notlage, derart begabt, an keinerlei Rat mangelnd, unverblendet, eine lieblose Tat begehen?
Wie könnte denn ein Kluger, der die vortrefflichste Beratung innehat, ein Führer in Recht und Nutzen auch in der Notlage, derart begabt, an keinerlei Rat mangelnd, unverblendet, eine lieblose Tat begehen?
Rhetorische Frage, die auf das daiva-Argument der vorangehenden Verse zurückgreift: selbst der Weise (Dhṛtarāṣṭra) handelt gegen seine eigene bessere Einsicht.
Auch bei dir versammeln sich diese Ratkundigen und sitzen, stets mit den Staatsgeschäften befasst; ihr überaus starker Entschluss aber ist es, der zum Untergang der Kurus, zum Verderben, bestimmt wurde.
Auch bei dir versammeln sich diese Ratkundigen und sitzen, stets mit den Staatsgeschäften befasst; ihr überaus starker Entschluss aber ist es, der zum Untergang der Kurus, zum Verderben, bestimmt wurde.
[?] Hätte Ajātaśatru jemals gewollt, Böses mit Bösem zu vergelten, indem er die Sünde auf dich zurückwirft, so wären die Kurus nicht erst jetzt zur Unzeit untergegangen - doch dann wäre dieser Tadel zu Recht über dich in der Welt gekommen.
[?] Hätte Ajātaśatru jemals gewollt, Böses mit Bösem zu vergelten, indem er die Sünde auf dich zurückwirft, so wären die Kurus nicht erst jetzt zur Unzeit untergegangen - doch dann wäre dieser Tadel zu Recht über dich in der Welt gekommen.
Konstruktion unsicher; Sinn vermutlich: Yudhiṣṭhira hätte längst vergelten können, tat es aber nicht (vgl. das wiederkehrende 'mā vadhīṣma kurūn'-Motiv der vorigen Kapitel).
kim anyatra viṣayād īśvarāṇāṃ; yatra pārthaḥ paralokaṃ dadarśa atyakrāmat sa tathā saṃmataḥ syān; na saṃśayo nāsti manuṣyakāraḥ
[?] Was gäbe es außerhalb des Machtbereichs der göttlichen Mächte, wo doch der Pārtha das Jenseits selbst erblickt hat? So überschritt er das Maß des Menschlichen, und als solcher wäre er anzuerkennen - kein Zweifel, hierin waltet kein bloß menschliches Handeln.
Wort für Wort
kim anyatra viṣayād īśvarāṇāṃ; yatra pārthaḥ paralokaṃ dadarśa atyakrāmat sa tathā saṃmataḥ syān; na saṃśayo nāsti manuṣyakāraḥ
[?] Was gäbe es außerhalb des Machtbereichs der göttlichen Mächte, wo doch der Pārtha das Jenseits selbst erblickt hat? So überschritt er das Maß des Menschlichen, und als solcher wäre er anzuerkennen - kein Zweifel, hierin waltet kein bloß menschliches Handeln.
Sehr kompakter, dunkler Vers; gedeutet als Hinweis darauf, dass Yudhiṣṭhiras außerordentliche Geduld die menschliche Fähigkeit übersteige und daher göttlicher/schicksalhafter Wirkung zuzuschreiben sei.
etān guṇān karmakṛtān avekṣya; bhāvābhāvau vartamānāv anityau balir hi rājā pāram avindamāno; nānyat kālāt kāraṇaṃ tatra mene
Wenn man diese durch Taten erworbenen Eigenschaften betrachtet, das Werden und Vergehen, die unbeständig gegenwärtigen Zustände - so fand auch König Bali, der kein Ende seines Schicksals fand, keine andere Ursache darin als die Zeit.
Wort für Wort
etān guṇān karmakṛtān avekṣya; bhāvābhāvau vartamānāv anityau balir hi rājā pāram avindamāno; nānyat kālāt kāraṇaṃ tatra mene
Wenn man diese durch Taten erworbenen Eigenschaften betrachtet, das Werden und Vergehen, die unbeständig gegenwärtigen Zustände - so fand auch König Bali, der kein Ende seines Schicksals fand, keine andere Ursache darin als die Zeit.
Anspielung auf den Daitya-König Bali, der von Viṣṇu (als Vāmana) seiner Herrschaft beraubt wurde - hier als mythologisches Beispiel für die alles bestimmende Macht der Zeit/des Schicksals angeführt.
cakṣuḥ śrotre nāsikā tvak ca jihvā; jñānasyaitāny āyatanāni jantoḥ tāni prītāny eva tṛṣṇākṣayānte; tāny avyatho duḥkhahīnaḥ praṇudyāt
Auge, Ohr, Nase, Haut und Zunge - dies sind die Sitze der Erkenntnis des Geschöpfes; sie finden Genüge erst am Ende des Verlangens; sie sollte man, schmerzlos und frei von Leid, zur Ruhe bringen.
Wort für Wort
cakṣuḥ śrotre nāsikā tvak ca jihvā; jñānasyaitāny āyatanāni jantoḥ tāni prītāny eva tṛṣṇākṣayānte; tāny avyatho duḥkhahīnaḥ praṇudyāt
Auge, Ohr, Nase, Haut und Zunge - dies sind die Sitze der Erkenntnis des Geschöpfes; sie finden Genüge erst am Ende des Verlangens; sie sollte man, schmerzlos und frei von Leid, zur Ruhe bringen.
na tv eva manye puruṣasya karma; saṃvartate suprayuktaṃ yathāvat mātuḥ pituḥ karmaṇābhiprasūtaḥ; saṃvardhate vidhivad bhojanena
Doch ich meine nicht, dass das Handeln des Menschen, mag es auch recht angewandt sein, sich stets wie gewünscht vollzieht; durch die Tat von Mutter und Vater gezeugt, wächst er dann vorschriftsmäßig durch Nahrung heran.
Wort für Wort
na tv eva manye puruṣasya karma; saṃvartate suprayuktaṃ yathāvat mātuḥ pituḥ karmaṇābhiprasūtaḥ; saṃvardhate vidhivad bhojanena
Doch ich meine nicht, dass das Handeln des Menschen, mag es auch recht angewandt sein, sich stets wie gewünscht vollzieht; durch die Tat von Mutter und Vater gezeugt, wächst er dann vorschriftsmäßig durch Nahrung heran.
priyāpriye sukhaduḥkhe ca rājan; nindāpraśaṃse ca bhajeta enam paras tv enaṃ garhayate 'parādhe; praśaṃsate sādhuvṛttaṃ tam eva
Liebes und Unliebes, Glück und Leid, Tadel und Lob, o König, treffen ihn; ein anderer aber tadelt ihn bei einem Fehler, und ebenderselbe lobt ihn bei gutem Verhalten.
Wort für Wort
priyāpriye sukhaduḥkhe ca rājan; nindāpraśaṃse ca bhajeta enam paras tv enaṃ garhayate 'parādhe; praśaṃsate sādhuvṛttaṃ tam eva
Liebes und Unliebes, Glück und Leid, Tadel und Lob, o König, treffen ihn; ein anderer aber tadelt ihn bei einem Fehler, und ebenderselbe lobt ihn bei gutem Verhalten.
sa tvā garhe bhāratānāṃ virodhād; anto nūnaṃ bhavitāyaṃ prajānām no ced idaṃ tava karmāparādhāt; kurūn dahet kṛṣṇavartmeva kakṣam
Ich tadle dich deshalb: Durch den Zwist der Bharatas wird gewiss dieses Ende der Geschöpfe kommen - wenn nicht, wird diese deine schuldhafte Tat die Kurus verbrennen wie Kṛṣṇavartman das dürre Gestrüpp.
Wort für Wort
sa tvā garhe bhāratānāṃ virodhād; anto nūnaṃ bhavitāyaṃ prajānām no ced idaṃ tava karmāparādhāt; kurūn dahet kṛṣṇavartmeva kakṣam
Ich tadle dich deshalb: Durch den Zwist der Bharatas wird gewiss dieses Ende der Geschöpfe kommen - wenn nicht, wird diese deine schuldhafte Tat die Kurus verbrennen wie Kṛṣṇavartman das dürre Gestrüpp.
'Kṛṣṇavartman' ('der auf schwarzer Bahn Ziehende') ist ein Beiname Agnis, des Feuergottes.
[?] Du allein bist es, o König, unter denen, die Söhne haben, der in der ganzen Welt der Leidenschaft verfallen ist, Herrscher der Menschen; du rühmst die von Begierde Beherrschten wegen des Würfelspiels - sieh die Frucht davon: Es gibt nichts anderes als den Frieden.
[?] Du allein bist es, o König, unter denen, die Söhne haben, der in der ganzen Welt der Leidenschaft verfallen ist, Herrscher der Menschen; du rühmst die von Begierde Beherrschten wegen des Würfelspiels - sieh die Frucht davon: Es gibt nichts anderes als den Frieden.
Zweite Vershälfte kompakt; Sinn vermutlich, dass angesichts der Folgen des Würfelspiels nur noch der Friedensschluss als Ausweg bleibt.
Weil du die Unzuverlässigen bevorzugst, Herrscher der Menschen, und ebenso die Zuverlässigen zurückweist, o König, bist du aus Schwäche nicht imstande, die blühende, endlose Erde zu beschützen, Nachkomme der Kurus.
Weil du die Unzuverlässigen bevorzugst, Herrscher der Menschen, und ebenso die Zuverlässigen zurückweist, o König, bist du aus Schwäche nicht imstande, die blühende, endlose Erde zu beschützen, Nachkomme der Kurus.
Mit deiner Erlaubnis will ich mich, von der Geschwindigkeit der Wagenfahrt erschüttert und erschöpft, zum Schlaf niederlegen, du Löwe unter den Männern; morgen früh sollen die Kurus, in der Versammlung zusammengekommen, Ajātaśatrus Botschaft hören.‘
Mit deiner Erlaubnis will ich mich, von der Geschwindigkeit der Wagenfahrt erschüttert und erschöpft, zum Schlaf niederlegen, du Löwe unter den Männern; morgen früh sollen die Kurus, in der Versammlung zusammengekommen, Ajātaśatrus Botschaft hören.‘