Kapitel 55: Arjunarathadhvajavarṇanam
Beschreibung von Arjunas Wagen, Banner und den Pāṇḍava-Rossen
Nach der Erzählerpause am Ende von Kap.54 öffnet ein neuer Redewechsel: Duryodhana fragt Saṃjaya nach Yudhiṣṭhiras Stimmung, Saṃjaya berichtet von der Freude der Pāṇḍavas und einem Vorzeichen (Arjunas Wagen, eingebettetes Selbstzitat 'wir werden siegen'); auf erneute Frage Duryodhandas nach Arjunas Pferden und Banner beschreibt Saṃjaya ausführlich das von Viśvakarman (Bhauvana)/Tvaṣṭā/Dhātā/Indra gefertigte magische, vielgestaltige Banner sowie die wunderbaren Pferde der Pāṇḍava-Brüder (Arjunas Rosse von Citraratha, Yudhiṣṭhiras elfenbeinfarbene, Bhīmas windschnelle, Sahadevas gefleckte von Arjuna geschenkte, Nakulas fuchsfarbene von Indra, und die Draupadeya-Söhne). Die Beschreibung bleibt am Kapitelende unabgeschlossen, SQ bleibt offen (Tiefe 1), läuft vermutlich in Kap.56 weiter.
‚Duryodhana sprach: Nachdem er sieben Akṣauhiṇīs samt ihren Königen gewonnen hat, Saṃjaya, was wohl begehrt der Sohn der Kuntī, Yudhiṣṭhira, der nach dem Kampf verlangt?
Wort für Wort
duryodhana uvāca
Duryodhana sprach (Nom. + 3.Sg.Perf.)
akṣauhiṇīḥ sapta labdhvā rājabhiḥ saha saṃjaya
nachdem er sieben Akṣauhiṇīs samt ihren Königen gewonnen hat, Saṃjaya (Akk.Pl. + Akk. + Absolutiv + Instr.Pl. + Präp. + Vok.)
saṃjaya uvāca atīva mudito rājan yuddhaprepsur yudhiṣṭhiraḥ bhīmasenārjunau cobhau yamāv api na bibhyataḥ
‘Saṃjaya sprach: ‚Überaus erfreut, o König, ist Yudhiṣṭhira, der nach dem Kampf verlangt; und Bhīmasena und Arjuna, beide, sowie auch die Zwillinge fürchten sich nicht.
Wort für Wort
saṃjaya uvāca
Saṃjaya sprach (Nom. + 3.Sg.Perf.)
atīva mudito rājan yuddhaprepsur yudhiṣṭhiraḥ
überaus erfreut, o König, ist Yudhiṣṭhira, der nach dem Kampf verlangt (Adv. + Nom. + Vok. + Nom., Kompositum + Nom.)
bhīmasenārjunau cobhau yamāv api na bibhyataḥ
und Bhīmasena und Arjuna, beide, sowie auch die Zwillinge fürchten sich nicht (Nom.Dual + Konj. + Nom.Dual + Nom.Dual + Partikel + Neg. + 3.Dual.Präs.)
rathaṃ tu divyaṃ kaunteyaḥ sarvā vibhrājayan diśaḥ mantraṃ jijñāsamānaḥ san bībhatsuḥ samayojayat
Der Sohn der Kuntī aber, der Bībhatsu, der alle Himmelsrichtungen erstrahlen ließ, spannte, da er die Zauberformel prüfen wollte, seinen himmlischen Wagen an.
Wort für Wort
rathaṃ tu divyaṃ kaunteyaḥ sarvā vibhrājayan diśaḥ
der Sohn der Kuntī aber, der alle Himmelsrichtungen erstrahlen ließ, den himmlischen Wagen (Akk. + Partikel + Akk. + Nom. + Nom.Pl. + Ptz.Präs.Kaus.Nom. + Akk.Pl.)
mantraṃ jijñāsamānaḥ san bībhatsuḥ samayojayat
der Bībhatsu, da er die Zauberformel prüfen wollte, spannte an (Akk. + Ptz.Präs.Desid.Nom. + Ptz.Präs.Nom. + Nom. + 3.Sg.Impf.Kaus.)
tam apaśyāma saṃnaddhaṃ meghaṃ vidyutprabhaṃ yathā sa mantrān samabhidhyāya hṛṣyamāṇo 'bhyabhāṣata
Wir sahen ihn angeschirrt, wie eine Gewitterwolke mit dem Glanz des Blitzes; und er, nachdem er die Zauberformeln bedacht hatte, sprach freudig erregt:
Wort für Wort
tam apaśyāma saṃnaddhaṃ meghaṃ vidyutprabhaṃ yathā
wir sahen ihn angeschirrt, wie eine Gewitterwolke mit dem Glanz des Blitzes (Akk. + 1.Pl.Impf. + Akk.Ptz.Perf. + Akk. + Akk., Kompositum + Konj.)
sa mantrān samabhidhyāya hṛṣyamāṇo 'bhyabhāṣata
und er, nachdem er die Zauberformeln bedacht hatte, sprach freudig erregt (Nom. + Akk.Pl. + Absolutiv + Ptz.Präs.Med.Nom. + 3.Sg.Impf.Med.)
‘Duryodhana sprach: ‚Du lobst voll Freude diese im Würfelspiel besiegten Pārthas - sag mir, wie sind die Pferde und wie ist das Banner an Arjunas Wagen?
Wort für Wort
praśaṃsasy abhinandaṃs tān pārthān akṣaparājitān
du lobst voll Freude diese im Würfelspiel besiegten Pārthas (2.Sg.Präs. + Ptz.Präs.Nom. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Akk.Pl., Kompositum)
arjunasya rathe brūhi katham aśvāḥ kathaṃ dhvajaḥ
sag mir, wie sind die Pferde und wie ist das Banner an Arjunas Wagen (Gen. + Lok. + 2.Sg.Imp. + Interrogativ.Adv. + Nom.Pl. + Interrogativ.Adv. + Nom.)
sarvā diśo yojanamātram antaraṃ; sa tiryag ūrdhvaṃ ca rurodha vai dhvajaḥ na saṃsajjet tarubhiḥ saṃvṛto 'pi; tathā hi māyā vihitā bhauvanena
Nach allen Himmelsrichtungen, im Abstand von einem Yojana, versperrte das Banner querhin und nach oben - es sollte sich nicht an Bäumen verfangen, selbst wenn es umgeben von ihnen ist; so nämlich wurde die Zauberkraft von Bhauvana angewandt.
Wort für Wort
sarvā diśo yojanamātram antaraṃ
nach allen Himmelsrichtungen, im Abstand von einem Yojana (Akk.Pl. + Akk.Pl. + Akk., Kompositum + Akk.)
sa tiryag ūrdhvaṃ ca rurodha vai dhvajaḥ
das Banner versperrte querhin und nach oben (Nom. + Adv. + Adv. + Konj. + 3.Sg.Perf. + Partikel + Nom.)
na saṃsajjet tarubhiḥ saṃvṛto 'pi tathā hi māyā vihitā bhauvanena
es sollte sich nicht an Bäumen verfangen, selbst wenn umgeben; so wurde die Zauberkraft von Bhauvana angewandt (Neg. + Opt.3.Sg. + Instr.Pl. + Nom.Ptz.Perf. + Partikel + Adv. + Partikel + Nom. + Nom.Ptz.Perf.Pass. + Instr.)
yathākāśe śakradhanuḥ prakāśate; na caikavarṇaṃ na ca vidma kiṃ nu tat tathā dhvajo vihito bhauvanena; bahvākāraṃ dṛśyate rūpam asya
Wie am Himmel der Bogen Śakras erscheint, und wir nicht wissen, was das eigentlich ist, das nicht von einer einzigen Farbe ist - so wurde das Banner von Bhauvana gemacht; vielgestaltig erscheint seine Form.
Wort für Wort
yathākāśe śakradhanuḥ prakāśate
wie am Himmel der Bogen Śakras erscheint (Konj., Kompositum + Nom., Kompositum + 3.Sg.Präs.Pass.)
na caikavarṇaṃ na ca vidma kiṃ nu tat
und wir wissen nicht, was das eigentlich ist, das nicht von einer Farbe ist (Neg. + Konj. + Nom., Kompositum + Neg. + Konj. + 1.Pl.Perf. + Interrogativ. + Partikel + Nom.)
tathā dhvajo vihito bhauvanena bahvākāraṃ dṛśyate rūpam asya
so wurde das Banner von Bhauvana gemacht; vielgestaltig erscheint seine Form (Adv. + Nom. + Nom.Ptz.Perf.Pass. + Instr. + Nom., Kompositum + 3.Sg.Präs.Pass. + Nom. + Gen.)
[Anm.: 'śakradhanuḥ' (Śakras Bogen) = der Regenbogen.]
yathāgnidhūmo divam eti ruddhvā; varṇān bibhrat taijasaṃ tac charīram tathā dhvajo vihito bhauvanena; na ced bhāro bhavitā nota rodhaḥ
Wie der Rauch des Feuers zum Himmel aufsteigt und ihn versperrt, verschiedene Farben tragend, dieser feurige Körper - so wurde das Banner von Bhauvana gemacht; es würde weder eine Last sein noch ein Hindernis.
Wort für Wort
yathāgnidhūmo divam eti ruddhvā
wie der Rauch des Feuers zum Himmel aufsteigt und ihn versperrt (Konj., Kompositum + Akk. + 3.Sg.Präs. + Absolutiv)
varṇān bibhrat taijasaṃ tac charīram
verschiedene Farben tragend, dieser feurige Körper (Akk.Pl. + Ptz.Präs.Nom. + Nom., Kompositum + Nom. + Nom.)
tathā dhvajo vihito bhauvanena na ced bhāro bhavitā nota rodhaḥ
so wurde das Banner von Bhauvana gemacht; es würde weder eine Last sein noch ein Hindernis (Adv. + Nom. + Nom.Ptz.Perf.Pass. + Instr. + Neg. + Konj. + Nom. + Fut.Periphr. + Neg. + Konj. + Nom.)
Weiße, windschnelle, edle Pferde, himmlische, angeschirrt, von Citraratha geschenkt - jene Hundertschaft, die stets aufs Neue vervollständigt wird: jedes getötete wird durch ein zuvor gewährtes Ersatzgeschenk ersetzt.
Ebenso erstrahlen des Königs elfenbeinfarbene, große, an den Wagen gespannte Pferde, seiner Tapferkeit gleich; Bhīmasenas Zugtiere, dem Ṛśya-Hirsch gleichend, wurden im Kampf dem Wind an Geschwindigkeit gleich.
Bhīmasenas Zugtiere, dem Ṛśya-Hirsch gleichend, wurden im Kampf dem Wind an Geschwindigkeit gleich (Nom.Pl., Kompositum + Gen. + Nom.Pl. + Lok. + Gen. + Nom.Pl., Kompositum + 3.Pl.Perf.)
Gefleckte, mit rebhuhnbunt gemustertem Rücken, vom Bruder, dem sich freuenden Phalguna, geschenkt, ausgezeichnet durch die eigenen Rosse des heldenhaften Bruders, freudig angeschirrt, tragen sie Sahadeva.
ausgezeichnet durch die eigenen Rosse des heldenhaften Bruders, freudig angeschirrt, tragen sie Sahadeva (Gen. + Gen. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Nom.Pl. + Instr. + Nom.Pl.Ptz.Perf. + Akk. + 3.Pl.Präs.)
Den Sohn der Mādrī, Nakula, den Ājamīḍha, tragen von Mahendra geschenkte, fuchsfarbene, vorzügliche Rosse, dem Wind gleich, kraftvoll, schnell - den Helden, wie Indra, den Feind Vṛtras.
Wort für Wort
mādrīputraṃ nakulaṃ tv ājamīḍhaṃ
den Sohn der Mādrī, Nakula, den Ājamīḍha (Akk., Kompositum + Akk. + Partikel + Akk.)
Und diesen an Alter, Tapferkeit und Schnelligkeit gleich, unvergleichliche edle Rosse, von den Göttern geschenkt, große Pferde, tragen den Saubhadra und die anderen, die Draupadeya-Prinzen.
tragen den Saubhadra und die anderen, die Draupadeya-Prinzen, von den Göttern geschenkte große Pferde (Akk.Pl., Kompositum + Akk.Pl. + Akk.Pl. + 3.Pl.Präs. + Nom.Pl. + Nom.Pl., Kompositum + Nom.Pl.)
[Anm.: Kapitelschluss - die Pferde-/Wagenbeschreibung (Saṃjayas Rede, seit V.7 offen) läuft ohne erkennbaren Abschluss weiter, vermutlich fortgesetzt in Kap.56. SQ bleibt offen (Tiefe 1).]