Kapitel 148: Duryodhanasya Yuddhaniścayaḥ
Duryodhanas Kriegsentschluss und der Aufbruch der Heere
Kṛṣṇa berichtet Yudhiṣṭhira, wie Duryodhana trotz aller Bitten Bhīṣmas, Droṇas, Viduras, Gāndhārīs und Dhṛtarāṣṭras keine Einsicht zeigte, zornig aufsprang und die Könige zum sofortigen Aufbruch nach Kurukṣetra befahl (Bhīṣma wird dabei vorläufig zum Heerführer bestimmt, elf Akṣauhiṇīs versammeln sich). Anschließend fasst Kṛṣṇa noch einmal seinen eigenen Vermittlungsversuch zusammen: erst Versöhnung, dann Entzweiung der Fürsten gegen Duryodhana, schließlich ein letztes Angebot (nur noch fünf Dörfer), das Duryodhana verweigerte, da er nach dem Scheitern von Versöhnung, Geschenk und Entzweiung nur noch Gewalt als viertes Mittel sehe. Damit endet die gesamte Phase der Friedensgesandtschaft endgültig, und der Krieg wird unausweichlich.
Verächtlich schüttelte er alles ab und sprang auf, zornig, mit vor Wut blutunterlaufenen Augen. Danach liefen ihm die Könige hinterher, ihr Leben bereits aufgegeben.
Wort für Wort
avadhūya
abschüttelnd, verwerfend (Ger.)
utthitaḥ
aufgestanden (Past Part. Nom. Sg.)
kruddhaḥ
zornig (Nom. Sg.)
roṣāt
aus Wut (Abl. Sg.)
saṃraktalocanaḥ
mit blutunterlaufenen Augen (Nom. Sg. Bahuvrīhi)
anvadravanta
sie liefen hinterher (Impf. 3. Pl.)
tam
ihm (Akk. Sg.)
paścāt
danach (Adv.)
rājānaḥ
die Könige (Nom. Pl.)
tyaktajīvitāḥ
die ihr Leben aufgegeben hatten (Nom. Pl. Bahuvrīhi)
tatas te pṛthivīpālāḥ prayayuḥ sahasainikāḥ bhīṣmaṃ senāpatiṃ kṛtvā saṃhṛṣṭāḥ kālacoditāḥ
Daraufhin zogen jene Erdenhüter mit ihren Heeren aus, nachdem sie Bhīṣma zum Heerführer gemacht hatten – freudig erregt, vom Schicksal getrieben.
Wort für Wort
tataḥ
daraufhin (Adv.)
te
jene (Nom. Pl.)
pṛthivīpālāḥ
die Erdenhüter, Könige (Nom. Pl.)
prayayuḥ
zogen aus (Perf. 3. Pl.)
sahasainikāḥ
mit ihren Heeren (Nom. Pl. Bahuvrīhi)
bhīṣmam
Bhīṣma (Akk. Sg.)
senāpatim
zum Heerführer (Akk. Sg.)
kṛtvā
gemacht habend (Ger.)
saṃhṛṣṭāḥ
freudig erregt (Nom. Pl.)
kālacoditāḥ
vom Schicksal (der Zeit) getrieben (Nom. Pl.)
[?] Bhīṣma wird hier bereits bei der Mobilmachung zum Heerführer ernannt, offenbar eine vorläufige Bestimmung; die förmliche Einsetzung zum Oberbefehlshaber wird erst im Bhīṣmaparvan ausführlich geschildert.
akṣauhiṇyo daśaikā ca pārthivānāṃ samāgatāḥ tāsāṃ pramukhato bhīṣmas tālaketur vyarocata yad atra yuktaṃ prāptaṃ ca tad vidhatsva viśāṃ pate
Elf Akṣauhiṇīs der Fürsten versammelten sich; an ihrer Spitze erstrahlte Bhīṣma mit seinem Palmbanner. Was hierbei angemessen und erreichbar ist, das ordne an, o Herr der Völker.
Wort für Wort
akṣauhiṇyaḥ
Akṣauhiṇīs, Heeresabteilungen (Nom. Pl.)
daśaikā
elf (Zahlwort, Nom. Pl.)
ca
und (Partikel)
pārthivānām
der Fürsten (Gen. Pl.)
samāgatāḥ
versammelt (Nom. Pl. Past Part.)
tāsām
von diesen (Gen. Pl.)
pramukhataḥ
an der Spitze (Adv.)
bhīṣmaḥ
Bhīṣma (Nom. Sg.)
tālaketuḥ
mit dem Palmbanner (Nom. Sg. Bahuvrīhi)
vyarocata
erstrahlte (Impf. 3. Sg.)
yat
was (Rel. Pron.)
atra
hierbei (Adv.)
yuktam
angemessen (Nom. Sg. Neutr.)
prāptam
erreichbar, gegeben (Nom. Sg. Neutr.)
ca
und (Partikel)
tat
das (Akk. Sg. Neutr.)
vidhatsva
ordne an! (Imperativ 2. Sg. Med.)
viśām
der Völker (Gen. Pl.)
pate
o Herr (Vok. Sg.)
Hier wendet sich Kṛṣṇa mitten im Bericht kurz direkt an Yudhiṣṭhira, bevor er im Folgenden ausführlich schildert, was sich zuvor in der Kuru-Versammlung zugetragen hat.
uktaṃ bhīṣmeṇa yad vākyaṃ droṇena vidureṇa ca gāndhāryā dhṛtarāṣṭreṇa samakṣaṃ mama bhārata etat te kathitaṃ rājan yadvṛttaṃ kurusaṃsadi
Was Bhīṣma an Worten sprach, und Droṇa und Vidura, und Gāndhārī und Dhṛtarāṣṭra, in meiner Gegenwart, o Bhārata – dies habe ich dir erzählt, o König, was sich in der Kuru-Versammlung zugetragen hat.
sāma ādau prayuktaṃ me rājan saubhrātram icchatā abhedāt kuruvaṃśasya prajānāṃ ca vivṛddhaye
Versöhnung wandte ich zuerst an, o König, da ich brüderliche Eintracht wünschte – um der Uneinigkeit des Kuru-Geschlechts vorzubeugen und zum Gedeihen der Untertanen.
Wort für Wort
sāma
Versöhnung, Güte (Nom./Akk. Sg.)
ādau
zuerst (Loc. Sg. Adv.)
prayuktam
angewandt (Past Part.)
me
von mir (Instr./Gen. Sg.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
saubhrātram
brüderliche Eintracht (Akk. Sg.)
icchatā
wünschend (Präs. Part. Instr. Sg.)
abhedāt
aus Nicht-Spaltung, um Uneinigkeit zu vermeiden (Abl. Sg.)
punar bhedaś ca me yukto yadā sāma na gṛhyate karmānukīrtanaṃ caiva devamānuṣasaṃhitam
Doch als die Versöhnung nicht angenommen wurde, hielt ich erneute Zwietracht für angebracht sowie das Verkünden von Taten, die Göttliches mit Menschlichem verbanden.
Wort für Wort
punaḥ
erneut, wieder (Adv.)
bhedaḥ
Zwietracht, Spaltung (Nom. Sg.)
ca
und (Partikel)
me
mir (Dat. Sg.)
yuktaḥ
angebracht, richtig (Nom. Sg.)
yadā
als, wenn (Adv.)
sāma
die Versöhnung (Nom. Sg.)
na
nicht (Negation)
gṛhyate
angenommen wird (Pass. Präs. 3. Sg.)
karmānukīrtanam
das Verkünden von Taten (Nom./Akk. Sg.)
ca
und (Partikel)
eva
gerade, eben (Partikel)
devamānuṣasaṃhitam
göttliches mit menschlichem verbindend (Nom./Akk. Sg. Neutr.)
bhartsayitvā tu rājñas tāṃs tṛṇīkṛtya suyodhanam rādheyaṃ bhīṣayitvā ca saubalaṃ ca punaḥ punaḥ
Nachdem ich jene Könige gescholten, Suyodhana wie Stroh (verächtlich) behandelt und den Sohn der Rādhā (Karṇa) sowie den Sohn Subalas (Śakuni) immer wieder erschreckt hatte...
Wort für Wort
bhartsayitvā
gescholten habend (Ger.)
tu
aber, jedoch (Partikel)
rājñaḥ
die Könige (Akk. Pl.)
tān
jene (Akk. Pl.)
tṛṇīkṛtya
wie Stroh behandelt habend, verachtet habend (Ger.)
...(indem ich) die Unterlegenheit der Söhne Dhṛtarāṣṭras und ihren Tadel immer wieder aussprach, entzweite ich alle Könige wiederholt durch Worte und durch Rat.
punaḥ sāmābhisaṃyuktaṃ saṃpradānam athābruvam abhedāt kuruvaṃśasya kāryayogāt tathaiva ca
Danach sprach ich erneut, verbunden mit Versöhnung, ein Angebot aus – um der Uneinigkeit des Kuru-Geschlechts vorzubeugen und ebenso um der Sache willen.
prayacchantu ca te rājyam anīśās te bhavantu ca yathāha rājā gāṅgeyo viduraś ca tathāstu tat
Und man soll ihnen das Königreich zugestehen; ohne eigene Oberherrschaft sollen sie bleiben. Wie es der König Gāṅgeya (Bhīṣma) und Vidura gesagt haben, so soll es geschehen.
Wort für Wort
prayacchantu
sie sollen geben (Imperativ 3. Pl.)
ca
und (Partikel)
te
sie (Nom. Pl., Dhṛtarāṣṭra u.a.)
rājyam
das Königreich (Akk. Sg.)
anīśāḥ
ohne (eigene) Oberherrschaft (Nom. Pl.)
te
sie (Nom. Pl., die Pāṇḍavas)
bhavantu
sie sollen sein (Imperativ 3. Pl.)
ca
und (Partikel)
yathā
wie (Adv.)
āha
sagte (Perf. 3. Sg.)
rājā
der König (Nom. Sg.)
gāṅgeyaḥ
der Sohn der Gaṅgā, Bhīṣma (Nom. Sg.)
viduraḥ
Vidura (Nom. Sg.)
ca
und (Partikel)
tathā
so (Adv.)
astu
es sei! (Imperativ 3. Sg.)
tat
das (Nom./Akk. Sg. Neutr.)
[?] Die Bezüge von 'sie' sind im Sanskrit-Text zweideutig: gemeint ist wohl, dass Dhṛtarāṣṭras Seite den Pāṇḍavas das Königreich zugestehen soll, diese jedoch ohne eigene, von Hastināpura unabhängige Oberherrschaft bleiben sollen.
So angesprochen, gab der Bösgesinnte dennoch seine Haltung nicht auf: „Ich sehe gegen jene Sünder nur die vierte der Maßnahmen, die Gewalt – nichts anderes.“
Wort für Wort
evam
so (Adv.)
uktaḥ
angesprochen (Past Part. Nom. Sg.)
tu
aber, jedoch (Partikel)
duṣṭātmā
der Bösgesinnte (Nom. Sg.)
na
nicht (Negation)
eva
gerade, eben (Partikel)
bhāvam
Gesinnung, Haltung (Akk. Sg.)
vyamuñcata
gab auf, ließ los (Impf. 3. Sg. Med.)
daṇḍam
Strafe, Gewalt (Akk. Sg.)
caturtham
die vierte (Akk. Sg., das vierte Mittel)
paśyāmi
ich sehe (Präs. 1. Sg.)
teṣu
gegen jene (Loc. Pl.)
pāpeṣu
Sünder (Loc. Pl.)
na
nicht (Negation)
anyathā
anders (Adv.)
Anspielung auf die vier klassischen Mittel der Politik (sāma - Versöhnung, dāna - Geschenk, bheda - Entzweiung, daṇḍa - Gewalt/Strafe); Duryodhana erklärt, nach dem Scheitern der ersten drei nur noch Gewalt zu sehen.
niryātāś ca vināśāya kurukṣetraṃ narādhipāḥ etat te kathitaṃ sarvaṃ yadvṛttaṃ kurusaṃsadi
Und so zogen die Herrscher der Menschen zu ihrem eigenen Verderben nach Kurukṣetra aus. Dies alles habe ich dir erzählt, was sich in der Kuru-Versammlung zugetragen hat.
na te rājyaṃ prayacchanti vinā yuddhena pāṇḍava vināśahetavaḥ sarve pratyupasthitamṛtyavaḥ
Sie werden das Königreich nicht ohne Krieg herausgeben, o Pāṇḍava. Sie alle sind Ursachen ihres eigenen Verderbens, der Tod steht ihnen allen unmittelbar bevor.‘
Wort für Wort
na
nicht (Negation)
te
sie (Nom. Pl.)
rājyam
das Königreich (Akk. Sg.)
prayacchanti
sie geben (Präs. 3. Pl.)
vinā
ohne (Postposition)
yuddhena
Krieg (Instr. Sg.)
pāṇḍava
o Pāṇḍava (Vok. Sg.)
vināśahetavaḥ
Ursachen des Verderbens (Nom. Pl.)
sarve
alle (Nom. Pl.)
pratyupasthitamṛtyavaḥ
denen der Tod nahe bevorsteht (Nom. Pl. Bahuvrīhi)
Rückwirkend korrigiert: Kṛṣṇas gesamter Bericht an Yudhiṣṭhira (seit Kap.145 offen) endet hier tatsächlich, bestätigt durch Kap.149-Öffnung wieder mit dem Grunderzähler (vaiśaṃpāyana uvāca) - SQ_CLOSE nachträglich ergänzt.