Kapitel 69: Dhṛtarāṣṭra-Śaraṇāgatiḥ
Dhṛtarāṣṭras poetisches Zufluchtsbekenntnis zu Kṛṣṇa
Sprecherwechsel Saṃjaya->Dhṛtarāṣṭra (close-then-reopen, SQ bleibt Tiefe 1, V.1). In Triṣṭubh-Metrik verfasstes, siebenversiges Satzgefüge: Dhṛtarāṣṭra beneidet jene mit Augen, die Vāsudeva sehen werden können (V.1-2), preist ihn mit einer langen Kette von Epitheta (Sātvata, Vernichter der Feinde, der die Kurus betört, uralter Seher, Meer der Rede, [?] Garuḍa-Bezug, Puruṣa mit tausend Häuptern - Anklang an RV 10.90, Erschaffer der drei Welten, Ursprung von Göttern und Dämonen, jüngerer Bruder Indras) und schließt zweimal mit dem Zufluchts-Refrain 'śaraṇaṃ prapadye' (V.6, V.7). Bemerkenswert: der blinde Dhṛtarāṣṭra kann Kṛṣṇa nie selbst sehen, drückt aber dennoch tiefe Verehrung aus. Kein CQ in diesem Kapitel. SQ bleibt am Kapitelende offen (Tiefe 1).
dhṛtarāṣṭra uvāca cakṣuṣmatāṃ vai spṛhayāmi saṃjaya drakṣyanti ye vāsudevaṃ samīpe vibhrājamānaṃ vapuṣā pareṇa prakāśayantaṃ pradiśo diśaś ca
‘Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Ich beneide, Saṃjaya, jene mit Augen, die Vāsudeva aus der Nähe sehen werden, strahlend in seiner höchsten Gestalt, die Haupt- und Zwischenrichtungen erleuchtend,
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Nom. + 3.Sg.Perf.)
cakṣuṣmatāṃ vai spṛhayāmi saṃjaya
ich beneide, Saṃjaya, jene mit Augen (Gen.Pl., Kompositum + Partikel + 1.Sg.Präs. + Vok.)
drakṣyanti ye vāsudevaṃ samīpe vibhrājamānaṃ vapuṣā pareṇa prakāśayantaṃ pradiśo diśaś ca
die Vāsudeva aus der Nähe sehen werden, strahlend in seiner höchsten Gestalt, die Haupt- und Zwischenrichtungen erleuchtend (3.Pl.Fut. + Nom.Pl. + Akk. + Adv. + Akk.Ptz.Präs.Med. + Instr. + Instr. + Akk.Ptz.Präs. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Konj.)
[Anm.: Sprecherwechsel Saṃjaya->Dhṛtarāṣṭra (close-then-reopen, SQ bleibt Tiefe 1). Beginn eines langen, poetischen Satzgefüges (Triṣṭubh-Meter, V.1-7), das sich über sieben Verse erstreckt und in zwei Zufluchts-Refrains (V.6, V.7) mündet.]
der die Rede der Bharatas verkündet, verehrungswürdig, den Sṛñjayas wohltuend, erfassbar für die nach Gedeihen Strebenden, untadelig - doch von einer Gestalt, die für die dem Tod Geweihten unfassbar ist [?],
erfassbar für die nach Gedeihen Strebenden, untadelig - doch von einer Gestalt, die für die Todgeweihten unfassbar ist (Instr.Pl.Ptz.Präs.Desid. + Akk. + Akk. + Gen.Pl. + Akk., Kompositum)
[Anm.: 'parāsūnām' ('deren Lebenshauch entweicht', d.h. die Todgeweihten - vermutlich die Feinde) unsicher [?] in genauer Bezugnahme.]
samudyantaṃ sātvatam ekavīraṃ praṇetāram ṛṣabhaṃ yādavānām nihantāraṃ kṣobhaṇaṃ śātravāṇāṃ muṣṇantaṃ ca dviṣatāṃ vai yaśāṃsi
der sich erhebt, der Sātvata, der einzige Held, der Führer, der Beste der Yādavas, der Vernichter, der Erschütterer der Feinde, und der den Hassern ihren Ruhm entreißt,
der sich erhebt, der Sātvata, der einzige Held, der Führer, der Beste der Yādavas (Akk.Ptz.Präs. + Akk. + Akk., Kompositum + Akk. + Akk. + Gen.Pl.)
nihantāraṃ kṣobhaṇaṃ śātravāṇāṃ muṣṇantaṃ ca dviṣatāṃ vai yaśāṃsi
der Vernichter, der Erschütterer der Feinde, und der den Hassern ihren Ruhm entreißt (Akk. + Akk. + Gen.Pl. + Akk.Ptz.Präs. + Konj. + Gen.Pl. + Partikel + Akk.Pl.)
denn die versammelten Kurus werden ihn sehen, den Großherzigen, den Feindebezwinger, den Auserlesenen, der Worte von gütiger Art spricht, den Besten der Vṛṣṇis, der die Meinen betört,
Wort für Wort
draṣṭāro hi kuravas taṃ sametā mahātmānaṃ śatruhaṇaṃ vareṇyam
denn die versammelten Kurus werden ihn sehen, den Großherzigen, den Feindebezwinger, den Auserlesenen (Nom.Pl. + Partikel + Nom.Pl. + Akk. + Nom.Pl.Ptz.Perf. + Akk. + Akk., Kompositum + Akk.)
der Worte von gütiger Art spricht, den Besten der Vṛṣṇis, der die Meinen betört (Akk.Ptz.Präs. + Akk. + Akk., Kompositum + Akk., Kompositum + Akk.Ptz.Präs.Kaus. + Akk.Pl.)
den uralten Seher, den Weisen, das Meer der Rede, das Gefäß der Asketen, ihn mit dem unversehrten Wagenrad [?], den auf Garuḍa, dem Schönbeschwingten, [Getragenen] [?], den Herrn der Geschöpfe, die Wohnstatt der Welt,
ihn mit dem unversehrten Wagenrad, auf Garuḍa, dem Schönbeschwingten, den Herrn der Geschöpfe, die Wohnstatt der Welt (Akk., Kompositum + Akk. + Akk. + Akk. + Gen.Pl. + Gen. + Akk.)
[Anm.: 'ariṣṭanemiṃ garuḍaṃ suparṇam' unsicher [?] - evtl. Epitheta Kṛṣṇas als 'der mit unversehrtem Rad' und als 'auf Garuḍa, dem Schönbeschwingten, Reitender', evtl. auch direkt auf Garuḍa selbst bezogen.]
den Puruṣa mit tausend Häuptern, den Uralten, ohne Anfang, Mitte und Ende, von endlosem Ruhm, den Schöpfer des Śukra [?], den Ungeborenen, den Ursprung, den Höchsten der Höchsten - bei ihm nehme ich Zuflucht.
den Puruṣa mit tausend Häuptern, den Uralten, ohne Anfang, Mitte und Ende, von endlosem Ruhm (Akk., Kompositum + Akk. + Akk. + Akk., Kompositum + Akk., Kompositum)
den Schöpfer des Śukra, den Ungeborenen, den Ursprung, den Höchsten der Höchsten - bei ihm nehme ich Zuflucht (Gen. + Akk. + Akk. + Akk. + Akk. + Dat.Pl. + Akk. + 1.Sg.Präs.Med.)
[Anm.: 'śukrasya dhātāram' unsicher [?] - 'śukra' kann 'Same/schöpferische Kraft', 'Glanz/Reinheit' oder den Planeten Venus bedeuten. Anklang an den vedischen Puruṣa-Sūkta (RV 10.90) mit 'sahasraśīrṣa puruṣa'.]
Den Erschaffer der drei Welten, den Ursprung der Götter und Dämonen, sowie der Nāgas und Rākṣasas, den Ersten unter den Herrschern der Menschen und den Weisen, den jüngeren Bruder Indras - bei ihm nehme ich Zuflucht.
den Erschaffer der drei Welten, den Ursprung der Götter und Dämonen, sowie der Nāgas und Rākṣasas (Akk., Kompositum + Akk. + Gen.Pl., Kompositum + Adv. + Gen.Pl., Kompositum)
den Ersten unter den Herrschern der Menschen und den Weisen, den jüngeren Bruder Indras - bei ihm nehme ich Zuflucht (Gen.Pl., Kompositum + Gen.Pl. + Akk. + Akk., Kompositum + Akk. + Akk. + 1.Sg.Präs.Med.)
[Anm.: Kapitelende - Dhṛtarāṣṭras poetisches Zufluchts-Bekenntnis (V.1-7) schließt hier ab; SQ bleibt offen (Tiefe 1), Fortsetzung vermutlich Kap.70. Kein CQ in diesem Kapitel. 'indrānujam' = Upendra, Beiname Viṣṇus/Kṛṣṇas als 'jüngerer Bruder Indras' (in seiner Vāmana-Inkarnation).]