Kapitel 98: Hiraṇyapuravarṇanam
Die Stadt Hiraṇyapura und Mātalis Absage an die Dānavas
Nārada führt Mātali weiter zur Daitya-Stadt Hiraṇyapura, von Viśvakarman und Maya erbaut, Heimat unbezwingbarer Dānava-Krieger wie der Nivātakavacas, die selbst Indra einst besiegten. Er beschreibt die goldenen und silbernen Paläste, unbeschreiblichen Kostbarkeiten, Spielplätze und wunderbaren Bäume und fragt, ob hier ein Bräutigam gefalle. Mātali aber lehnt entschieden ab: Wegen der ewigen Feindschaft zwischen Göttern und Dānavas will er keine Verbindung mit der Feindespartei eingehen und drängt weiterzuziehen, während ihn die ungelöste Sorge um die Vermählung seiner Tochter weiterhin bedrückt.
Nārada sprach: „Dies ist als Hiraṇyapura bekannt, die große, vortreffliche Stadt der Daityas und Dānavas, die in hundert Zauberkünsten wandeln.
Wort für Wort
hiraṇyapuram iti etat khyātaṃ puravaraṃ mahat
dies ist als Hiraṇyapura bekannt, die große, vortreffliche Stadt (Nom. Sg. + Ppp. + Adj.)
daityānāṃ dānavānāṃ ca māyāśatavicāriṇām
der Daityas und Dānavas, die in hundert Zauberkünsten wandeln (Gen. Pl., Bahuvrīhi)
[Anm.: CQ öffnet hier neu - Nāradas Rede beginnt erneut mit explizitem ,nārada uvāca' (nach Abschluss der vorigen CQ am Ende von Kap.97); die SQ-Rahmenerzählung Kaṇvas bleibt seit Kap.95 durchgehend offen.]
daṃṣṭriṇo bhīmarūpāś ca nivasanty ātmarakṣiṇaḥ māyāvīryopasaṃpannā nivasanty ātmarakṣiṇaḥ
hauerbewehrt und von schrecklicher Gestalt wohnen sie, sich selbst beschützend; mit Zauberkraft und Heldenmut ausgestattet wohnen sie, sich selbst beschützend.
Wort für Wort
daṃṣṭriṇaḥ bhīmarūpāḥ ca
hauerbewehrt und von schrecklicher Gestalt (Nom. Pl., Bahuvrīhi)
nivasanti ātmarakṣiṇaḥ
sie wohnen, sich selbst beschützend (3. Pl. Präs. + Nom. Pl., Bahuvrīhi)
māyāvīryopasaṃpannāḥ
mit Zauberkraft und Heldenmut ausgestattet (Nom. Pl. Ppp.)
O Mātali, vielleicht wäre auch hier ein Bräutigam nach deinem Gefallen; oder wir gehen in eine andere Richtung der Erde, wenn du es für richtig hältst.“
Wort für Wort
mātale kaś cid atra api rucitas te varaḥ bhavet
o Mātali, vielleicht wäre auch hier ein dir gefallender Bräutigam (Vok. + Nom. + Opt.)
atha vā anyāṃ diśaṃ bhūmer gacchāva
oder wir gehen in eine andere Richtung der Erde (Akk. + Gen. + 1. Dual Präs.)
yadi manyase
wenn du es für richtig hältst (Bed. + 2. Sg. Präs. Med.)
[Anm.: CQ schließt hier - Ende von Nāradas Hiraṇyapura-Beschreibung.]
kaṇva uvāca mātalis tv abravīd enaṃ bhāṣamāṇaṃ tathāvidham devarṣe naiva me kāryaṃ vipriyaṃ tridivaukasām
Kaṇva sprach: Mātali erwiderte ihm, der so gesprochen hatte: „O göttlicher Seher, keineswegs will ich ein Geschäft, das den Himmelsbewohnern missfällt.
Wort für Wort
mātaliḥ tu abravīd enaṃ bhāṣamāṇaṃ tathāvidham
Mātali erwiderte ihm, der so gesprochen hatte (Nom. + 3. Sg. Ipf. Akt. + Akk. + Part. Präs.)
na eva me kāryaṃ vipriyaṃ tridivaukasām
keineswegs will ich ein den Himmelsbewohnern missfälliges Geschäft (Neg. + Dat./Gen. + Nom. + Adj. + Gen. Pl.)
[Anm.: CQ öffnet hier neu für Mātalis Erwiderung - Sprecherwechsel unmittelbar nach dem Abschluss von Nāradas Rede in V.016; die äußere Rahmenrede Kaṇvas (SQ) bleibt weiterhin offen.]
[?] Anderswohin zu gehen ist gut; die Dānavas als Verwandtschaft zu suchen geziemt mir nicht. Doch ich kenne mich selbst wohl - dass mir die Sorge um die Vergabe meiner Tochter wie ein Makel an der Seele haftet.“
Wort für Wort
anyatra sādhu gacchāvaḥ
anderswohin zu gehen ist gut (Adv. + Nom. + 1. Dual Präs.)
draṣṭuṃ na arhāmi dānavān
die Dānavas zu sehen/aufzusuchen geziemt mir nicht (Inf. + Neg. + 1. Sg. Präs. + Akk.)
jānāmi tu tathā ātmānaṃ
doch ich kenne mich selbst wohl (1. Sg. Präs. + Adv. + Akk.)
ditsātmakamalaṃ yathā
dass die Sorge um das Geben-Wollen wie ein Makel der Seele ist (Nom. Sg. + Vergleichspartikel)
[Anm.: CQ schließt hier - Ende von Mātalis Erwiderung; die genaue Bildlogik von V.019cd (,ditsātmakamalam', wörtlich ,der Makel des Selbst, der im Geben-Wollen besteht') bleibt unsicher [?] und wird sinngemäß wiedergegeben.]